Früher war mehr Lametta!

29. März 2017 Keine Kommentare
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Das mit dem Früher ist so eine Sache. War da alles Besser? Schlechter? Oder war es nur anders?

Aktuell schwappt, vor allem durch die sozialen Netze, eine Welle des „Früher war alles besser“. Und ich bin manchmal geneigt, dem zuzustimmen. Denn in meiner „Erinnerung“ gab es schon Dinge, die früher besser waren: Wenn man als Kind aus der Schule kam (mittags!) war ein Elternteil daheim und hat für gutes Essen und die Hausaufgaben gesorgt. Das Haus und das Auto waren abbezahlt und Konsumkredite gab es kaum. Der Sommer war schön, der Winter war kalt und überhaupt: Viel mehr Lametta.

Die WAZ hat sich in einem Artikel diesem Phänomen mal angenommen. Und in der Tat: Früher, da war auch die RAF. Und andere Terroranschläge. Früher, da war auch deutlich mehr Umweltverschmutzung – schnuppert alleine mal, wenn ein Auto mit H-Kennzeichen in der Nähe ist. Außerdem war früher kalter Krieg und die unmittelbare Bedrohung durch einen Atomkrieg.

Wenn man sich dieses Phänomen mal mit Google ansieht, landet man schnell bei einem Artikel des Spiegels aus letztem Jahr: Demnach neigen wir dazu, positive Empfindungen tiefer und besser ins Hirn zu brennen, als die negativen. Dabei bleiben vor allem die Erfahrungen aus jungen Jahren besonders präsent und mit zunehmendem Alter wird man verklärter.

Es ist faszinierend, wie das eigene Gehirn einem hier einen Streich spielt.

Und man am Ende da sitzt und sich denkt: Ja stimmt. Früher war nicht alles besser. Aber was ist mit den Dingen bei denen man sich sicher war, wie z. B. das bei Familien nur ein Elternteil arbeitete und ausreichend Geld verdiente? Der Artikel der WAZ suggeriert, dass das nicht so war (Preis- und Einkommensentwicklung). Auf der anderen Seite weiß man aber doch….

Jetzt bin ich verwirrt.

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Ich sag es ja. Aber auf mich hört ja keiner.

27. März 2017 Keine Kommentare
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Was sag ich immer?

Ich sag immer, wenn ich wen los werden will, schiebe ich ihm oder ihr einfach ein paar fatale Dateien auf den Rechner. Denn „das habe ich nicht runtergeladen“ glaubt einem ja niemand.

Leider steh ich damit ja schon fast in der Verschwörungs-Ecke. Denn wer würde sowas schon machen. Und solche Fälle dürften nur selten in die Öffentlichkeit gelangen. Da bin ich ja mal froh, dass es jetzt einen genau solchen Fall gibt. Heise berichtet:

Unbekannte Hacker haben Kinderporno-Fotos auf dem Computer des tschechischen Präsidenten Milos Zeman installiert. „Ich habe den Computer eingeschaltet und knapp zehn Sekunden ungläubig geschaut, was da geschieht, bevor mir aufgegangen ist, dass es ein Hackerangriff ist“, sagte der Präsident in einem Interview.

Und glaubt bl0ß nicht, dass könnte Euch nicht treffen. Eiferüschtige/r Ex vielleicht? Ärger mit dem Arbeitskollegen?

Um so bedauerlicher, dass unser gesamtes System der „Beweissicherung“ genau darauf eigentlich keine Rücksicht nimmt. Oder wie Fefe es ausdrückt:

Ich habe ja hier schon ein paar Mal das Argument gebracht, dass wenn man schon den Besitz von etwas für strafbar erklärt (beispielsweise Hackertools oder Kinderpornographie), dass es dann zu einem validen Angriff gegen jemanden wird, auf dessen Rechner solche Materialien zu hinterlassen.  (…)

Digitale Spurensicherung ist Schlangenöl-Bullshit, genau so wenig wie man Malware attribuieren kann. Jede „Spur“, die ein „Forensiker“ findet, kann auch ein fieser Hacker da extra hingelegt haben. Wenn ein Gerät einmal kompromittiert ist, kann man „Spuren“ von diesem Gerät nicht mehr ernst nehmen.

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Verkehrsfragen

11. März 2017 2 Kommentare
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Die ganze Diskussion um Diesel-Fahrverbote geht mir auf die Nüsse. Denn was wir hier erleben ist eine erneute Subvention (nach Abwrackrpämie und E-Prämie) für die Automobilindustrie. Wäre es nicht so, würden wir nicht über lokale Fahrverbote sprechen, sondern über die Ursachen und die auch mal in einen globalen Kontext setzen.

Man müsste ja zum Beispiel mal über den immensen Ausstoß von Schadstoffen durch Fracht- und Personenschifffahrt reden. Machen wir aber nicht, wir tun so als würde der Dreck nicht durch das Klima weltweit verteilt.

Wir könnten natürlich statt Verboten auch mal differenzierter denken. Dazu sind mir ein paar Gedankenfetzen durch den Kopf gegangen, die meiner Meinung nach auf der Hand liegen und trotzdem kaum öffentlich diskutiert werden:

  • Diesel werden schon höher besteuert. Aber wieso ist, trotz des Minderverbrauchs, Diesel nach wie vor auch für Privat-PKW so billig? Warum nicht die Ökosteuer auf Diesel so erhöhen, dass der Liter das Gleiche kostet wie super? Das wäre nur fair.
  • Wieso „dürfen“ Taxi eigentlich stundenlang mit eingeschaltetem Motor auf Fahrgäste warten? Das sind i. d. R. Diesel und wer mal schlechte Luft erleben will, der schau sich Abends mal die Taxi-Parkplätze an den Hauptbahnhöfen an. Warum ist da keine (vom Fahrer nicht deaktivierbare) Start-Stopp-Automatik Pflicht? Hat mal jemand ausgerechnet, wie viel weniger Schadstoffe in den Innenstädten wären?
  • Seit es für die Post billiger ist, weniger Zustellkräfte mit Diesel-VW-Bussen fahren zu lassen als mehr mit dem Rad, erlebt man ein Trauerspiel. „Mein“ Postbote z. B. fährt erst die eine Seite der Straße ab – von Haus zu Haus und mit im Stand laufenden Motor, dann die andere. Er bringt aber nur die Post, für Pakete schickt DHL ein zweites Auto. Warum zum Teufel ist das erlaubt? Und der langsame Umstieg auf E-Autos bei der Post ist ökonomisch getrieben und könnte durch höhere Kosten (Treibstoff!) deutlich angetrieben werden.
  • Warum ist Parken in Städten eigentlich so billig? Der Flächenverbrauch als „Lagerfläche“ müsste deutlich teurer sein und einen „Innenstadtaufschlag“ enthalten. Der dürfte auch bei Parkhäusern in der Innenstadt fällig werden. Damit müssen Maßnahmen finanziert werden, die Städte wieder Grün machen und Autofahren (bzw. das Abstellen in den Städten) deutlich unattraktiver machen.
  • Warum gibt es eigentlich keine Verkehrsplanung die vorsieht, dass Touristen das Auto am Rande der Stadt abstellen und dort ein (deutlich billiger als in der Citiy) Parkticket erwerben, dass zugleich als Ticket für den ÖPNV in die Stadt dient?
  • Warum gibt es eigentlich keine Stadtplanung, die einen Innenstadtmaut vorsieht? Gestaffelt nach Treibstoffart und Dreckausstoß? Und kommt mir nicht mit das geht nicht, selbst London hat das hinbekommen.

Insgesamt bin ich immer deprimiert, wenn wir über Fahrverbote und faktische Wertvernichtung reden. Als wenn ein PKW-Neukauf ökoloigisch sinnvoller wäre, als ein gutes Auto weiter zu fahren – aber weniger zu nutzen.

Und wieso reden wir immer noch nicht über Verkehrskonzepte, die ÖPNV & Fahrrad priorisieren und den durch weniger PKW-Stellflächen freien Raum für mehr Bäume (die Garanten für bessere Luft!) nutzen?

Die ganze aktuelle Diskussion um „Fahrverbote in Innenstädten“ ist dermaßen verlogen und sinnlos, dass ich mich frage, wo eigentlich die Protestwelle bleibt?

Und nur für den Fall das wieder die Mär von der Bedeutung der PKW-Industrie für den Arbeitsmarkt aufkommt: Im Fahrradbereich arbeiten bereits heute mehr Menschen in Deutschland, als im PKW-Bereich.

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Windows Update vs. Festplattenverschlüsselung

3. März 2017 2 Kommentare
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Vor ein paar Tagen fiel mir was komisches auf:

Mein Desktop mit Windows 10 wollte beim Herunterfahren ein Update installieren. Brav hoch gezählt bis 100%, aus.

Beim wiederanfahren kam dann ein Screen mit der Aufforderung, ein Tastaturlayout zu wählen und danch entweder Windows 10 zu starten, Windows zu reparieren oder ein anderes OS zu nutzen. Nach dem Start von Windows 10 schien alles normal – bis zum Runterfahren, wenn ein Update installiert werden sollte.

Das konnte man reproduzieren: Offensichtlich wollte das Update nicht richtig.

In der Update-Einstellung konnte ich sehen, dass es das Funktionsupdate für die Version 1607 war, das eigentlich schon vor geraumer Zeit installiert hätte sein sollen. Komisch.

Die Suche nach Updates brachte keine neueren, obwohl es laut Google welche geben müsste. Das Suchen nach Fehlern  bei der Isntallation des Funktionsupdate für Windows 10 – Version 1607 brachte auch nix. Dummerweise kann man ja in Windows 10 Updates nicht verhindern, nicht ausblenden, nix. Das war also ein Problem, weil offensichtlich auch aktuelle Updates nicht mehr kamen.

Einer Eingebung folgend habe ich heute mal die Systempartition entschlüsselt. Und siehe da: Plötzlich geht es.

Das Fazit ist also, dass das „Funktionsupdate“ zu doof war mir zu sagen, dass es nicht auf verschlüsselten Datenträgern installiert werden kann. Es war sogar zu doof mir zu sagen, dass es überhaupt nicht installiert werden konnte. Und kaum war es da, kamen schon die nächsten Updates und gerade bei Flash-Updates bin ein bisschen kribbelig.

Diese Zwangs-Updaterei mag für die meisten Leute ja eine Verbesserung sein. Sie nicht abschalten zu können ist aber nach wie vor die Pest. Bei meinem mobilen Arbeitsplatz geht gerne schon mal ein guter Teil des UMTS-Volumens dafür drauf und hier kann man auch wieder schön sehen, dass Microsoft zu wenig an die Menschen denkt, die wissen was sie machen.

Ich bin mal gespannt ob das ein einmaliger Faux-pas war. Oder ob Microsoft jetzt ernsthaft bei jedem großen Update erwartet, dass ich meine Systemplatte erst ent- und danach wieder verschlüssele. Denn, abgesehen von der Zeit die das kostet: Das produziert extrem viele Schreib-/Lese-Zugriffe auf der SSD und wir wissen ja: Üppig vorhanden sind die nicht….

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Die FDP Voerde stresst mich…

28. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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… und ich glaube, wir müssen langsam mal ein eigenes Watchblog dafür aufmachen. Das geht ja so nicht weiter. Denn neben der etwas merkwürdigen „Logik“ der FDP (1, 2) ist ja auch die Frage im Raum:

Wie rechts ist die FDP im politischen Spektrum oder hat sie schlicht keine Medienkompetenz?

Zunächst war da vorige Tage der Beitrag, in dem die FDP sich „The European“ als Quelle holte. Das war schon sehr befremdlich und ich schrieb darüber:

Die FDP Voerde finde ich ja derzeit sehr suspekt. Vor allem da sie, meiner Meinung nach, derzeit auch versucht Potential bei den besorgten Bürgern abzgreifen. Dazu hatte ich ja was gebloggt, wie die FDP mit wem Weglassen von Infos über die Einbruchsbekämpfung versucht, Angst bei den Menschen zu schüren.

Heute gucke ich mal, nur so zum Spaß, auf die Website und stelle fest, das man nach wie vor bevorzugt Landes- und Bundespolitik kommentiert.

Bei einem Beitrag zur Bundesumweltministerin fällt mir die Quelle auf: „The European“.Kenn ich nicht. Also mal gucken, was das so ist. Startseite aufgerufen und… okay, keine weiteren Fragen. Da darf dann Sarrazin schon mal über Schulz schreiben, Oder Jürgen Fritz Merkels Rücktritt vorhersagen.

So seriös ist man also bei der FDP in Voerde, dass man solche Quellen nutzt um wirklich engagierte Politiker in schlechtes Licht zu rücken.

Heute gucke ich „nur so zum Spaß“ auf die Facebook-Seite der FDP und reibe mir erstaunt die Augen:

Screenshot der FDP-Facebookseite am 28.02.2017 um 12:00

Screenshot der FDP-Facebookseite am 28.02.2017 um 12:00

Inhaltlich frage ich mich: Who the heck ist denn der Deutsche Arbeitgeberverband? Und dann tippe ich den mal eben bei Google ein.

Erstes Ergebnis ist ein Forumsbeitrag:

Interessant, wie die Rechten solche Organistionen mit vermeintlich einflussreichem Namen gründen… Der DAV e.V. ist noch nicht einmal Mitglied im Dachverband der Arbeitgeber, der BDA.

Wie weit rechts erkennt man schon am Vokabular des Vorsitzenden Peter Schmidt:

„Immer wieder erreichen uns Leserbriefe oder Anrufe, in denen engagierte Bürger die Frage stellen: „Warum wird etwas, was politisch und wirtschaftlich  jeder Vernunft entbehrt und desaströse Folgen hat, trotzdem politisch durchgesetzt?“. Die Leser beziehen sich bei diesen Nachfragen meist auf  Vorhaben wie die Energiewende oder auf pathologische Umerziehungsprogramme wie den Gender-Gulag.

Nun gut, das ist von 2014. Kann sich ja was getan haben. Also mal ein weiteres Suchergebnis anklicken. Auf Sciencefiles wird der Chef des Verbandes so zitiert:

„Wie kommt es, dass eine ganze Gesellschaft sich klaglos in die schleichende Entmündigung begibt? Wie kommt es, dass Unternehmer, die tragende – und finanzierende – Säule, mit Unglauben oder Fatalismus, in jedem Fall aber ohne Gegenwehr, immer stärkere Eingriffe in die unternehmerische Freiheit akzeptieren?“

Leider auch etwas älter, also 2014. Gibt es nix neueres? Doch, gibt es: Auf Ruhrkultour findet sich ein Zitat das zunächst völlig unverdächtig wirkt:

Der Deutsche Arbeitgeberverband wirbt für neue Wege in der Energiepolitik. Es geht ihm insbesondere um einen kosteneffizienten Umbau aller Energiesysteme – nicht nur des Stromsektors sondern auch der Mobilitäts- und Wärmemärkte – mit dem Ziel, glaubwürdige Alternativen zu fossilen Energieträgern, die es heute noch nicht gibt, zu entwickeln und einzuführen.

Das ist ja schon eher wie man es von der FDP Voerde erwarten würde.

Bis hier hin kann man jetzt geteilter Meinung sein, ob der „Arbeitgeberverband“ sich als Quelle für die eigene Argumentation anbietet. Man kann hin und her gerissen sein und überlegen, ob man Foren-Beiträgen vertrauen möchte oder ob man die gemäßigten Quellen eher bevorzugt.

Allerdings sollte die politische Brisanz einer Quellennutzung spätestens dann laut auf einen zugerannt kommen, wenn man auf der Website der Quelle lesen kann:

In gleicher Weise werden wir tagtäglich behelligt und penetriert von einem Moralkartell: schrecklich unausgelastete Menschen, die tagein, tagaus die Medien und das Netz durchforsten nach einem Satz, einem Wort, das sich der Deutungshoheit dieser Narren widersetzt. Es kommt diesen Zensoren bei ihren täglichen Kontrollgängen sehr entgegen, dass sie von konkretem Wissen weitgehend unbelastet und völlig humorbefreit sind. Eine Psychostruktur, die allen Lageraufsehern zu Eigen ist und dazu beiträgt, den Aufenthalt in Zwangslagern so unerfreulich zu machen.

In einem solchen intellektuellen Zwangslager leben wir zwischenzeitlich. Interessanterweise errichten es gerade diejenigen, die inflationär Begriffe wie „Vielfalt“ – gerne im Zusammenhang mit „Kultur“ und „Toleranz“ – abspulen, auch schon mal als „Diversity“ und natürlich der immer gern genommenen „Multikulturalität“. Und die immer „achtsam sind“ und „total wertschätzend“.

Aber den finalen Todesstoß sollte es eigentlich geben, wenn man sieht, wer zu den Unterstützern des Arbeitgeberverbands gehört. Wenig überraschend nämlich die AFD:

Screenshot 28.02.2017 12:00

Screenshot 28.02.2017 12:00

Das ist jetzt so eine Stelle, an der jede/r für sich selbst überlegen sollte, wie das interpretiert wird.

Mann kann sagen, dass die FDP Voerde sich halt vom Slogan des Arbeitgebervbands hat blenden lassen und das die Medienkompetenz der Autoren auf Facebook eher gegen Null geht:

Der DAV wurde mit dem Ziel gegründet, die tragenden Prinzipien der freien Marktwirtschaft im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.

Man kann die Aneinanderreihung von Merkwürdigkeiten aber auch versuchen zu einem Bild zu verbinden. Das hat ein bisschen was von Malen nach Zahlen und am  Ende hat man ein ziemlich unschönes Bild.

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Hidden Figures

28. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Am Wochenende hatte ich das Vergnügen, den Film „Hidden Figures“ zu sehen…

… und ich bin ausgesprochen schade, dass der in Deutschland so unter dem Radar bleibt. Relativ wenig Kinos zeigen ihn und dort, wo er gezeigt wird, scheint das Interesse eher gering.

Dabei hat der Film durchaus Potential. Denn läßt man mal die amerikanische „Schönfärberei“ der Rassentrennung außer acht, so läßt sich durchaus ein Bezug zu heute herstellen: Die Frage warum wir eigentlich glauben, dass Herrkunft oder Abstammung in irgendeiner Form über die Qualität eines Menschen bestimmen könnten.

Natürlich ist der Film bemüht zu zeigen, dass man auch als Schwarze(r) in den USA alles erreichen konnte, wenn man nur wollte und es ist in grobem Maß unglaubwürdig, dass in der Realität alles so einfach war.

Aber gleichzeitig präsentiert der Film ein wichtiges Fakt in einer Welt voller Fake News: Wenn es um Wissenschaft geht, wenn es um Forschung geht, wenn es um Ziele geht, stellt sich schnell heraus, dass Frau und Mann, helle und dunkle Haut, blaue oder braune Augen genau gar nichts zu bedeuten haben.

Leider aber auch, dass es immer „mutige Menschen“ braucht, die darauf erst hinweisen.

 

Und neben der Gesellschaftskritik? Ein klasse gemachter, klasse besetzter und stimmig erzählter Film. Auf der nach oben offenen Bewertungsskala eines der Highlights des noch jungen Jahres!

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Voerder (Real)Satire: Von Baggerlöchern und Wölfen

23. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Hab ich nicht gestern von der merkwürdigen Logik der FDP geschrieben, als man die vielen Verkehrstoten bedauerte und zugleich forderte, der Innenminister möge weniger gegen Geschwindigkeitsverstöße und mehr gegen Einbrecher leisten?

Heute kommt wieder so ein Ding, bei dem ich mich frage ob das Satire ist. Vermutlich ist es Satire. Sogar ganz sicher.

Also, die FDP schreibt auf Facebook, dass die Grünen irgendwie schuld daran sind, dass die Wölfe in den USA die Hirsche fressen. Oder so ähnlich. Das hat dann was mit dem Mais für die Biogasanlagen zu den, wegen derer man die Rotoren von Windkraftanlagen nicht recyclen kann. Vielleicht habe ich das auch falsch verstanden.

Aber irgendwas hat das mit Zement zu tun:

„Die Anlagen fressen Unmengen hochwertiger Baumaterialien wie Stahl und Zement, die in ihrer Herstellung sehr energieaufwändig sind.“

Und den Teil verstehe ich. Denn der Landtagsabgeordnete Ellerbrock (FDP) ist ja ein Verfechter des Kies-Abbau am Niederrhein. Kies und Zement gibt Beton und darauf stehen die Windkrafträder. Und wir brauchen viele Windkrafträder auf Sockeln aus Beton, damit die FDP ihren Traum wahr machen kann. Steht in der Welt:

Wenn es nach Ellerbrock geht, sollte sich die Region vielmehr mit Unterstützung der Kies- und Sandindustrie weiterentwickeln. Der Geograf hat für den unteren Niederrhein ein Projekt mit dem Thema „Ijsselmeer an Rhein und Ruhr“ entworfen. Ellerbrock stellt sich einen Seenverbund vor, wobei die Kies- und Sandindustrie „als Mittel zum Zweck einer wertschöpfenden Landschaftsentwicklung“ mit eingesetzt werden könnte.

Und damit man den Kies auch gut verkauft bekommt, setzt sich die FDP im Kreis Wesel (zu dem, als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, auch Voerde gehört) für einen möglichst niedrigen Preis ein und lehnt den Kies-Euro als Steuerungselement natürlich ab.

Also: Weil die amerikanischen Wölfe Hirsche fressen, verdrängen heimische Windkraftanlagen die ursprünglich am Niederrhein sesshaft gewesenen Biogasanlagen, damit die FDP Ihr Ijsselmeer an Rhein und Ruhe bekommt.

Wenn das keine Satire ist, was dann?

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Die merkwürdige „Logik“ der FDP in Voerde

22. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Die FDP in Voerde zeichnet sich ja in letzter Zeit dadurch aus, zu allen landes- und bundespolitischen Themen (bevorzugt auf Facebook) eine Meinung zu haben. In der Lokalpolitik dagegen schweigt sich die Ratsfrau und jetzige Fraktionsvorsitzende dagegen beharrlich aus.

Das ist schade, denn wenn die FDP mal lokalpolitisch äußert, ist das ja schon mal… sagen wir missverständlich. Und da würde man ja gerne drüber diskutieren. Allerdings erkenne ich ein Muster, denn als stets rückwärts gewandte Partei setzt sich die FDP in Voerde ja gerne für schnelle Straßen ein. Wegen des besseren Ausweichens, Ihr wisst schon.

Dazu passt auch ihre aktuelle Äußerung auf Facebook:

Mittlerweile kennt fast jeder NRW-Bürger Menschen, die Opfer von Einbrechern wurden, aber Innenminister Jäger (SPD) verbrennt lieber kostbare Dienststunden der Polizisten für sinnlose PR-Aktionen, statt ähnlich großmaßstäbliche Aktionen gegen professionelle Einbrecherbanden zu organisieren.

Bezug ist dieser Artikel der WAZ:

Die Zahl der Verkehrstoten auf den NRW-Autobahnen hat im vergangenen Jahr drastisch zugenommen. Vor allem zu hohe Geschwindigkeit, Ablenkung durch das Smartphone oder zu geringer Sicherheitsabstand hätten dazu geführt, dass allein 80 Menschen auf Autobahnen umgekommen sind, erklärte Innenminister Ralf Jäger (SPD) bei der Präsentation der Verkehrsunfall-Statistik 2016. Im Gegensatz zum Vorjahr bedeutete das einen Anstieg um ein Drittel.

Jetzt muss ich vielleicht erklären, dass diese Zahlen aus einem IT-System kommen, für das ich verantwortlich bin. Das bedeutet, ich beschäftige mich ständig unter anderem mit den Zahlen im Verkehrsbereich und jeder „Zähler“ ist ein Toter mehr in meiner „Statistik“. Mich persönlich macht das sehr betroffen, wenn Menschen sterben.

Die Blitzermarathon von Jäger mag man unnötig finden. Aber sie sollen ja in erster Linie für das Thema unangepasste Geschwindigkeit sensibilisieren. Denn, wie auch die WAZ schreibt: Zu hohes Tempo ist die Unfallursache Nummer 1 und je höher die Geschwindigkeit, desto geringer die Überlebenswahrscheinlichkeit.

In dem Kontext bitte ich jetzt, noch mal das durchzulesen was die FDP schreibt: Sie wirft dem Innenminister vor, dass er viele Dienststunden für Aktionen gegen Raser aufwendet, statt ähnlich gegen Einbrecher vorzugehen.

Das ist aus zweierlei Gründen unfassbar:

  1. Die FDP Voerde setzt tote Menschen mit Einbrüchen gleich. Das ist eine unglaubliche Verachtung allen Verkehrstoten gegenüber. Denn so schlimm ein jeder Einbruch für die betroffenen Menschen ist: Der Verlust von Menschenleben wiegt ungleich schwerer.
  2. Die FDP Voerde verkennt die Realität. Denn zu behaupten, dass man nur das eine (Verkehrsmaßnahmen) aber nicht das andere (Einbruchsbekämpfung) machen kann, ist natürlich Humbug. So gibt es z. B. schon länger „MOTIV“ oder „Riegel vor„.

Das Abwägen von Menschenleben gegen Einbrüche an sich finde ich schon schlimm. Aber mit der Angst der Bevölkerung spielen, in dem man suggeriert, dass in einem emotional hoch belasteten Bereich nichts oder zu wenig getan würde, ist absolut neben der Spur.

Persönlich bin ich der Meinung, dass es besonders perfide ist, wenn man solche „Realitätsverschiebungen“ dann wie die FDP zum Wahlkampf nutzen will.

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John Wick 2

16. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Wochenende ist Kinozeit und deswegen war ich gestern im UCI und habe mir den zweiten Teil aus der John Wick-Reihe angesehen:

Der Film ist ein bisschen irritierend, weil er eigentlich genau da ansetzt wo der erste Teil aufgehört hat – aber wo der Hund herkommt, dass erklärt niemand.

Wenn man aber das mal außen vor läßt, ist John Wick Chapter Two eigentlich ein John Wick Hoch 2. Es ist im Grunde wie im ersten Teil,  nur mit mehr Gangstern, mehr Autos, mehr Frauen, mehr Knarren und mehr Toten. Ich glaube in den ersten 5 Minuten etwa so viel wie im kompletten ersten Film.

Dazwischen aber ist es ein kurzweiliger, irgendwie spannender und definitiv unterhaltsamer Film. Wer John Wick im ersten Teil mochte, wird erleichtert feststellen, dass der zweite Teil auf praktisch dem gleichen Niveau spielt.

Wer also auf hirnlose Action steht, der ist hier genau richtig 😀

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Will noch jemand in die USA?

16. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Ich gehe ja eh davon aus, dass man mich nicht rein läßt 😉 Aber die spannende Frage ist, ob man überhaupt noch in die USA reisen wollen kann. Nicht nur, dass man sich ja schon bei der Beantragung des Visa relativ nackig machen muss – jetzt plant man auch weitere persönliche Lebensbereiche der „Besucher“ zu analysieren.

Heise berichtet:

Kelly sagte, die Überprüfung der Internetaktivitäten könne Teil eines Maßnahmenpakets für die schärfere Überprüfungen von Besuchern sein, mit der auf mögliche Bedrohungen reagiert werden solle. Es gehe vor allem um die Staatsangehörigen der sieben Länder, gegen die US-Präsident Donald Trump ein Einreiseverbot verhängt hat, aber nicht nur.

Und dann kommt der Klopper:

„Wir denken über eine ausgeweitete oder zusätzliche Überprüfung nach. Es könnte sein, dass wir an ihre sozialen Medien heran wollen, mit den Passwörtern“, sagte Kelly. „Wenn jemand in unser Land möchte, wollen wir ihn zum Beispiel fragen: Was für Webseiten besuchen Sie?“ Wenn sie wirklich in die USA wollten, würden sie kooperieren, sagte Kelly.

Ihr wollt uns besuchen? Aber ihr steht der Regierung kritisch gegenüber? Oder schaut Euch ab und an gar Pornos an? Ihr schreibt auf Twitter das Trump doof ist und habt auf Facebook mal Interesse an der Lage im Sudan oder Syrien geäußert? Ui Ui Ui.

Die Geschwindgkeit und die Schamlosigkeit mit der sich die USA (aber halt leider in Teilen auch die EU) von einer freiheitlichen Grundordnung zu einer der totalen Überwachung bewegen, ist beängstigend. Die einzig richtige Reaktion wäre, nicht mehr in die USA zu reisen und ich für meinen Teil werde auch vorerst mit Sicherheit keinen Flug buchen.

Leider aber wird Kelly recht haben: Den meisten Leuten wird diese weitere elementare Verletzung ihrer persönlichen Lebensräume egal sein. Und die nächste. Und die nächste. Bis wir uns irgendwann verwundert die Augen reiben und merken, dass es gar keine Privatsphäre mehr gibt.

 

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2017, Hetero, Homo, AFD

15. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Habt Ihr auch gehofft, dass 2017 endlich das Jahr wird, in dem auch der (die) letzte aufhört darüber zu diskutieren ob Mann und Frau richtiger ist als Mann und Mann oder Frau und Frau?

Das darf natürlich nicht sein. Und so treten die gewohnten Tugendwächter wieder in Erscheinung, allen voran Beatrix von Storch, die auf Twitter verlauten lässt:

Und der Anlass des Ganzen? Ein Werbespot der Telekom für die „Familienkarte“, die das Unternehmen eben für alle Formen der Familie öffnet: Ob per Heirat, Vertrag oder einfach aus dem Gefühl heraus.

Die Telekom macht da vieles richtig. Die AFD dagegen zeigt mal wieder ihr wahres Gesicht. Schöner Kommentar dazu auch auf Queer.de.

Kategorienökonomisch, politik Tags:

AFD-Watch

15. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Ich gehe ja davon aus, dass mit ein bisschen Pech die AFD bei der Landtagswahl die drittstärkste Fraktion in NRW stellen wird. Um später sagen zu können „ich habe es Euch ja gesagt“ und damit hinterher niemand sagen kann, er hätte nicht gewußt, was die wirklichenm Intentionen der AFD waren, baue ich hier mal eine kleine Sammlung auf.

Heute: „Was kostet es eigentlich, jugendliche Flüchtlingen zu sterilisieren?“

Der sächsische AfD-Landtagsabgeordnete André Wendt hat mit einer Anfrage an die Landesregierung für Irritationen gesorgt, in der er sich zu den Kosten für Hilfen bei der Sterilisation für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge erkundigt. Die Grünen-Fraktion im Landtag bezeichnete die Anfrage als Teil der „politischen Strategie der AfD, die auf breite öffentliche Empörung abzielt“. Linkenchefin Katja Kipping schrieb auf Twitter, die Anfrage enthülle „die menschenverachtende Nazi-Gesinnung der AfD“.

Quelle: NRZ, 15.02.2017

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Viel Spaß mit Stromio: Wie man seine Kunden vergrault

13. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Hash: SHA256

Ich war (bin noch wenige Tage) Stromkunde bei Stromio, wo ich einen Ökostrom-Tarif hatte (habe). Das ich Stromio verlasse, ist ein in meinen Augen typischer Beispielvorgang dafür, wie wenig Unternehmen heute auf ihre Kunden wert legen.

  1. Akt:

Stromio hat mir einen Brief geschrieben, dass man leider, leider die Strompreise erhöhen müsse. Der Grundpreis sei 143,29€ im Jahr und die Kilowattstunde würde 33 Cent kosten. Das fand ich relativ teuer und ein kurzer Check der üblichen Vergleichsportale ergab: das ist teuer. Aber: Stromio weist ordentlich auf das entstehende Sonderkündigungsrecht hin.

2. Akt:

Ich habe bei Stromio angerufen und mein Leid geklagt. Die Antwort war überraschend: Ja, für Bestandskunden gäbe es ein Alternativangebot: Der Grundpreis wäre dann 84,43€ und die Kilowattstunde 22,84 Cent. An der Stelle fühle ich mich schon mal extrem verarscht: Warum bietet Stromio das nicht direkt bei der Preiserhöhung an, sondern schreibt erst mal nur den deutlich höheren neuen Preis in ihr Schreiben? Hofft man einfach darauf, dass die Kunden das schon irgendwie laufen lassen würden? Und trotzdem: bei dem bei uns angenommenen jährlichen Stromverbrauch viel zu teuer.

Zwischenfazit

Wenn ich mich von einem Unternehmen auf den Arm genommen fühle, fällt mir die Trennung relativ leicht. Wenn man in dem Schreiben gesagt hätte, „ihr Tarif verteuert sich… wir bieten ihnen an, in folgenden Tarif zu wechseln“ hätte ich vielleicht gar nicht so sehr auf den Preis geschaut – denn eigentlich war ich mit den Leistungen und der Kommunkation bisher zufrieden. Spätestens nach dem Telefonat war aber klar: Selbst wenn Stromios Angebot konkurenzfähig gewesen wäre: Ich hätte gekündigt.

3. Akt

Man kann aber auf alles noch einen drauf setzen: Bei allen seit Oktober 2016 über das Internet geschlossenen Verträgen muss der Anbieter auf die Kündigung über das Internet akzeptieren. Mein Vertrag ist älter, also habe ich mal geschaut was passiert, wenn ich das Schreiben (mit Unterschrift) als PDF an Stromio sende. Natürlich ist das Original auf dem Postweg, ich ahnte ja was kommt. Und richtig:

Mit Bedauern haben wir Ihren Kündigungswunsch erhalten.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihre Kündigung per E-Mail nicht anerkennen können. Gemäß den für Sie gültigen Allgemeinen Geschäftsbedingungen bedarf eine Kündigung des Liefervertrages der Schriftform. Eine Kündigung in Textform (beispielsweise Computerfax, E-Mail, SMS) ist nicht ausreichend. Ihre Kündigung senden Sie uns daher bitte per Brief mit Unterschrift des Vertragspartners zu.

Ich halte das für rechtlich nicht haltbar, denn meine Unterschrift war in dem PDF. Ist mir aber egal, ich streite mich nicht. Ich ziehe ein…

Fazit

Offensichtlich hat man es bei Stromio nicht nötig die Kunden ernst zu nehmen oder auch nur auf Augenhöhe zu behandeln. Statt einen Kundenservice zu bieten, bei dem man sich ernst genommen fühlt, bekommt man erst auf explizite Nachfrage ein vernünftiges Angebot. Und die Kündigung per PDF nicht akzeptieren zu wollen ist auch für sich schon ein starkes Stück. Andersherum fällt einem das Abschied nehmen so natürlich ein ganzes Stück leichter. Und andere Anbieter haben auch schöne Ökostrom-Angebote.
—–BEGIN PGP SIGNATURE—–
Version: GnuPG v2

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SPLIT

10. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Wochenende ist Kinozeit und so bin ich Mittwoch ins UCI gewandert, um „SPLIT“ zu sehen.

Ich kann gar nicht so genau sagen, was ich erwartet habe. Vermutlich einen Film in dem es viel Blut und Schockmomente gibt. Irgendwie ist das ja schon fast normal, wenn ein Psycho drei junge Frauen entführt. Am Ende darf ja nur eine davon überleben, gell?

Außerdem habe ich einen Spannungsbogen erwartet, der auf ein fulminantes Finale hinausläuft. Und was meine Erwartungen angeht, bin ich vom Regisseur M. Night Shyamalan dann doch enttäuscht worden.

Denn statt eines „Schockers“ hat er mit „SPLIT“ einen absolut soliden und spannenden Film abgeliefert. Der den Zuschauer in den erste Minuten direkt in seine Mitte nimmt, ihm die Augen aufmacht und aufhält und sagt: So wirst Du jetzt bis zum Ende des Films bleiben.

Die absolut Oskar-reife Darstellung von James McAvoy trägt ihren Teil dazu. Er ist ähnlich überragend, eigentlich noch besser, als Christian Bale in „The Machinist“.

Dabei ist der Film nie darauf angewiesen, den Zuschauer zu schocken oder auch nur zu überraschen. Im Gegenteil, von Anfang an wird die Geschichte  mit offenen Karten erzählt, was sie in sich noch grausamer macht. Wobei, das ist wichtig, diese Grausamkeit sich nur vor dem inneren Auge abspielt.

Wenn ich überlege, dass nur ungefähr 5 Leute in Split saßen, gleichzeitig aber hunderte Menschen sich „50 Shades“ angesehen haben: Ich glaube ich habe die bessere Wahl getroffen.

Denn für 2017 ist das defintiv der beste Film, den ich bisher gesehen habe.

Und in meiner „All Time Favorite“-List ist Split auf Anhieb in die Top 10 gesprungen.

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Doch nicht die Russen?

7. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Vor ein paar Tagen habe ich in den sozialen Medien mal einen Gedanken geäußert:

Mir fällt auf, dass seit einiger Zeit explosionsartig Websites entstehen, die extremes Gedankengut propagieren. Von Extrem-Veganern über Hardcor-Impfgegnern, von wir-werden-alle-sterben-Chemtrailern bis hin zu Knoblauch-gegen-Krebs-Spinnern. Und natürlich auch politisch, insbesondere stark rechtslastige „Die Regierung muss weg“-Websites.

Was mich am Zufall zweifeln lässt ist nicht nur die Menge der Websites, sondern vor allem die technisch hohe und oft auch textliche Qualität. Das passt nicht dazu, dass die meisten Menschen nur noch das Internet=Facebook sehen und gar nicht in der Lage scheinen, eigene Webpräsenzen aufzusetzen. Auch irritiert mich, dass besonders bei der neuen Rechten ja kaum jemand in der Lage zu sein scheint einen geraden Satz zu sprechen: und die sollen plötzlich ganze Aufsätze schreiben?

Wie ich das so poste kommen natürlich direkt die ersten Kommentatoren und sagen: Ganz klar, die Russen beeinflußen den Wahlkampf. Das macht Sinn, ist der Russe an sich ja das ultimative Böse *facepalm*

Auf die Frage nach einer seriösen Quelle zu solchen Annahmen wird auf „die Presse“ verwiesen. Das sei schließlich mittlerweile sowas wie Allgemeinwissen. Doof nur, dass die Presse das nicht her gibt. Im Gegenteil, auf tagesschau.de lese ich:

Nach Informationen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ fanden sie keine eindeutigen Beweise für eine russische Desinformationskampagne. „Wir haben keine Smoking Gun gefunden“, heißt es in Regierungskreisen.

Interessant ist, dass mans ich eine Hintertür offen lässt:

Denn aus der schwierigen Suche nach den Beweisen lassen sich zwei Schlüsse ziehen. Entweder gibt es den vermuteten Angriff durch Russland nicht. Oder die russischen Dienste sind schlau genug, sich nicht erwischen zu lassen. Die deutschen Agenten neigen eindeutig zur zweiten Version.

Das die Agenten damit ihre eigene Unfähigkeit unter Beweis stellen, während man zugleich an einer einfachen Erklärung fest halten möchte, überrascht nicht. Gleichwohl wirft es einige ernste Fragen auf:

Wenn es keine „Smoking Gun“ zu finden gab, bedeutet das wirklich, dass es sich um einen zufällig entstandenen Cluster handelt? Und wer wäre eigentlich noch möglicher Strippenzieher, wenn es sich um eine gesteuerte Aktion handelt? Oder könnte zufälligerweise die Kommunikationsstrategie verschiedener extremer Strömungen sich so ähneln, dass der Eindruck entsteht es gäbe eine militante-tierschützende-vegane-homöopathische-usfeindliche-regierungsfeinliche-deutschlandablehnende Taktik?

Es wäre durchaus interessant, wenn mal die eine oder andere Uni sich des Phänomens der Kommunikation im Internet annehmen würde. Mich würde wirklich interessieren ob mein Eindruck täuscht oder ob was dran ist. Und wenn ja: Was.

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