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Voerder (Real)Satire: Von Baggerlöchern und Wölfen

23. Februar 2017 Keine Kommentare
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Hab ich nicht gestern von der merkwürdigen Logik der FDP geschrieben, als man die vielen Verkehrstoten bedauerte und zugleich forderte, der Innenminister möge weniger gegen Geschwindigkeitsverstöße und mehr gegen Einbrecher leisten?

Heute kommt wieder so ein Ding, bei dem ich mich frage ob das Satire ist. Vermutlich ist es Satire. Sogar ganz sicher.

Also, die FDP schreibt auf Facebook, dass die Grünen irgendwie schuld daran sind, dass die Wölfe in den USA die Hirsche fressen. Oder so ähnlich. Das hat dann was mit dem Mais für die Biogasanlagen zu den, wegen derer man die Rotoren von Windkraftanlagen nicht recyclen kann. Vielleicht habe ich das auch falsch verstanden.

Aber irgendwas hat das mit Zement zu tun:

„Die Anlagen fressen Unmengen hochwertiger Baumaterialien wie Stahl und Zement, die in ihrer Herstellung sehr energieaufwändig sind.“

Und den Teil verstehe ich. Denn der Landtagsabgeordnete Ellerbrock (FDP) ist ja ein Verfechter des Kies-Abbau am Niederrhein. Kies und Zement gibt Beton und darauf stehen die Windkrafträder. Und wir brauchen viele Windkrafträder auf Sockeln aus Beton, damit die FDP ihren Traum wahr machen kann. Steht in der Welt:

Wenn es nach Ellerbrock geht, sollte sich die Region vielmehr mit Unterstützung der Kies- und Sandindustrie weiterentwickeln. Der Geograf hat für den unteren Niederrhein ein Projekt mit dem Thema „Ijsselmeer an Rhein und Ruhr“ entworfen. Ellerbrock stellt sich einen Seenverbund vor, wobei die Kies- und Sandindustrie „als Mittel zum Zweck einer wertschöpfenden Landschaftsentwicklung“ mit eingesetzt werden könnte.

Und damit man den Kies auch gut verkauft bekommt, setzt sich die FDP im Kreis Wesel (zu dem, als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, auch Voerde gehört) für einen möglichst niedrigen Preis ein und lehnt den Kies-Euro als Steuerungselement natürlich ab.

Also: Weil die amerikanischen Wölfe Hirsche fressen, verdrängen heimische Windkraftanlagen die ursprünglich am Niederrhein sesshaft gewesenen Biogasanlagen, damit die FDP Ihr Ijsselmeer an Rhein und Ruhe bekommt.

Wenn das keine Satire ist, was dann?

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Die merkwürdige „Logik“ der FDP in Voerde

22. Februar 2017 Keine Kommentare
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Die FDP in Voerde zeichnet sich ja in letzter Zeit dadurch aus, zu allen landes- und bundespolitischen Themen (bevorzugt auf Facebook) eine Meinung zu haben. In der Lokalpolitik dagegen schweigt sich die Ratsfrau und jetzige Fraktionsvorsitzende dagegen beharrlich aus.

Das ist schade, denn wenn die FDP mal lokalpolitisch äußert, ist das ja schon mal… sagen wir missverständlich. Und da würde man ja gerne drüber diskutieren. Allerdings erkenne ich ein Muster, denn als stets rückwärts gewandte Partei setzt sich die FDP in Voerde ja gerne für schnelle Straßen ein. Wegen des besseren Ausweichens, Ihr wisst schon.

Dazu passt auch ihre aktuelle Äußerung auf Facebook:

Mittlerweile kennt fast jeder NRW-Bürger Menschen, die Opfer von Einbrechern wurden, aber Innenminister Jäger (SPD) verbrennt lieber kostbare Dienststunden der Polizisten für sinnlose PR-Aktionen, statt ähnlich großmaßstäbliche Aktionen gegen professionelle Einbrecherbanden zu organisieren.

Bezug ist dieser Artikel der WAZ:

Die Zahl der Verkehrstoten auf den NRW-Autobahnen hat im vergangenen Jahr drastisch zugenommen. Vor allem zu hohe Geschwindigkeit, Ablenkung durch das Smartphone oder zu geringer Sicherheitsabstand hätten dazu geführt, dass allein 80 Menschen auf Autobahnen umgekommen sind, erklärte Innenminister Ralf Jäger (SPD) bei der Präsentation der Verkehrsunfall-Statistik 2016. Im Gegensatz zum Vorjahr bedeutete das einen Anstieg um ein Drittel.

Jetzt muss ich vielleicht erklären, dass diese Zahlen aus einem IT-System kommen, für das ich verantwortlich bin. Das bedeutet, ich beschäftige mich ständig unter anderem mit den Zahlen im Verkehrsbereich und jeder „Zähler“ ist ein Toter mehr in meiner „Statistik“. Mich persönlich macht das sehr betroffen, wenn Menschen sterben.

Die Blitzermarathon von Jäger mag man unnötig finden. Aber sie sollen ja in erster Linie für das Thema unangepasste Geschwindigkeit sensibilisieren. Denn, wie auch die WAZ schreibt: Zu hohes Tempo ist die Unfallursache Nummer 1 und je höher die Geschwindigkeit, desto geringer die Überlebenswahrscheinlichkeit.

In dem Kontext bitte ich jetzt, noch mal das durchzulesen was die FDP schreibt: Sie wirft dem Innenminister vor, dass er viele Dienststunden für Aktionen gegen Raser aufwendet, statt ähnlich gegen Einbrecher vorzugehen.

Das ist aus zweierlei Gründen unfassbar:

  1. Die FDP Voerde setzt tote Menschen mit Einbrüchen gleich. Das ist eine unglaubliche Verachtung allen Verkehrstoten gegenüber. Denn so schlimm ein jeder Einbruch für die betroffenen Menschen ist: Der Verlust von Menschenleben wiegt ungleich schwerer.
  2. Die FDP Voerde verkennt die Realität. Denn zu behaupten, dass man nur das eine (Verkehrsmaßnahmen) aber nicht das andere (Einbruchsbekämpfung) machen kann, ist natürlich Humbug. So gibt es z. B. schon länger „MOTIV“ oder „Riegel vor„.

Das Abwägen von Menschenleben gegen Einbrüche an sich finde ich schon schlimm. Aber mit der Angst der Bevölkerung spielen, in dem man suggeriert, dass in einem emotional hoch belasteten Bereich nichts oder zu wenig getan würde, ist absolut neben der Spur.

Persönlich bin ich der Meinung, dass es besonders perfide ist, wenn man solche „Realitätsverschiebungen“ dann wie die FDP zum Wahlkampf nutzen will.

Kategorienpolitik, wahlkampf Tags:

John Wick 2

16. Februar 2017 Keine Kommentare
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Wochenende ist Kinozeit und deswegen war ich gestern im UCI und habe mir den zweiten Teil aus der John Wick-Reihe angesehen:

Der Film ist ein bisschen irritierend, weil er eigentlich genau da ansetzt wo der erste Teil aufgehört hat – aber wo der Hund herkommt, dass erklärt niemand.

Wenn man aber das mal außen vor läßt, ist John Wick Chapter Two eigentlich ein John Wick Hoch 2. Es ist im Grunde wie im ersten Teil,  nur mit mehr Gangstern, mehr Autos, mehr Frauen, mehr Knarren und mehr Toten. Ich glaube in den ersten 5 Minuten etwa so viel wie im kompletten ersten Film.

Dazwischen aber ist es ein kurzweiliger, irgendwie spannender und definitiv unterhaltsamer Film. Wer John Wick im ersten Teil mochte, wird erleichtert feststellen, dass der zweite Teil auf praktisch dem gleichen Niveau spielt.

Wer also auf hirnlose Action steht, der ist hier genau richtig 😀

Kategorienfilm Tags:

Will noch jemand in die USA?

16. Februar 2017 Keine Kommentare
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Ich gehe ja eh davon aus, dass man mich nicht rein läßt 😉 Aber die spannende Frage ist, ob man überhaupt noch in die USA reisen wollen kann. Nicht nur, dass man sich ja schon bei der Beantragung des Visa relativ nackig machen muss – jetzt plant man auch weitere persönliche Lebensbereiche der „Besucher“ zu analysieren.

Heise berichtet:

Kelly sagte, die Überprüfung der Internetaktivitäten könne Teil eines Maßnahmenpakets für die schärfere Überprüfungen von Besuchern sein, mit der auf mögliche Bedrohungen reagiert werden solle. Es gehe vor allem um die Staatsangehörigen der sieben Länder, gegen die US-Präsident Donald Trump ein Einreiseverbot verhängt hat, aber nicht nur.

Und dann kommt der Klopper:

„Wir denken über eine ausgeweitete oder zusätzliche Überprüfung nach. Es könnte sein, dass wir an ihre sozialen Medien heran wollen, mit den Passwörtern“, sagte Kelly. „Wenn jemand in unser Land möchte, wollen wir ihn zum Beispiel fragen: Was für Webseiten besuchen Sie?“ Wenn sie wirklich in die USA wollten, würden sie kooperieren, sagte Kelly.

Ihr wollt uns besuchen? Aber ihr steht der Regierung kritisch gegenüber? Oder schaut Euch ab und an gar Pornos an? Ihr schreibt auf Twitter das Trump doof ist und habt auf Facebook mal Interesse an der Lage im Sudan oder Syrien geäußert? Ui Ui Ui.

Die Geschwindgkeit und die Schamlosigkeit mit der sich die USA (aber halt leider in Teilen auch die EU) von einer freiheitlichen Grundordnung zu einer der totalen Überwachung bewegen, ist beängstigend. Die einzig richtige Reaktion wäre, nicht mehr in die USA zu reisen und ich für meinen Teil werde auch vorerst mit Sicherheit keinen Flug buchen.

Leider aber wird Kelly recht haben: Den meisten Leuten wird diese weitere elementare Verletzung ihrer persönlichen Lebensräume egal sein. Und die nächste. Und die nächste. Bis wir uns irgendwann verwundert die Augen reiben und merken, dass es gar keine Privatsphäre mehr gibt.

 

Kategorien1984, politik Tags:

2017, Hetero, Homo, AFD

15. Februar 2017 Keine Kommentare
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Habt Ihr auch gehofft, dass 2017 endlich das Jahr wird, in dem auch der (die) letzte aufhört darüber zu diskutieren ob Mann und Frau richtiger ist als Mann und Mann oder Frau und Frau?

Das darf natürlich nicht sein. Und so treten die gewohnten Tugendwächter wieder in Erscheinung, allen voran Beatrix von Storch, die auf Twitter verlauten lässt:

Und der Anlass des Ganzen? Ein Werbespot der Telekom für die „Familienkarte“, die das Unternehmen eben für alle Formen der Familie öffnet: Ob per Heirat, Vertrag oder einfach aus dem Gefühl heraus.

Die Telekom macht da vieles richtig. Die AFD dagegen zeigt mal wieder ihr wahres Gesicht. Schöner Kommentar dazu auch auf Queer.de.

Kategorienökonomisch, politik Tags:

AFD-Watch

15. Februar 2017 Keine Kommentare
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Ich gehe ja davon aus, dass mit ein bisschen Pech die AFD bei der Landtagswahl die drittstärkste Fraktion in NRW stellen wird. Um später sagen zu können „ich habe es Euch ja gesagt“ und damit hinterher niemand sagen kann, er hätte nicht gewußt, was die wirklichenm Intentionen der AFD waren, baue ich hier mal eine kleine Sammlung auf.

Heute: „Was kostet es eigentlich, jugendliche Flüchtlingen zu sterilisieren?“

Der sächsische AfD-Landtagsabgeordnete André Wendt hat mit einer Anfrage an die Landesregierung für Irritationen gesorgt, in der er sich zu den Kosten für Hilfen bei der Sterilisation für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge erkundigt. Die Grünen-Fraktion im Landtag bezeichnete die Anfrage als Teil der „politischen Strategie der AfD, die auf breite öffentliche Empörung abzielt“. Linkenchefin Katja Kipping schrieb auf Twitter, die Anfrage enthülle „die menschenverachtende Nazi-Gesinnung der AfD“.

Quelle: NRZ, 15.02.2017

Kategorienpolitik Tags:

Viel Spaß mit Stromio: Wie man seine Kunden vergrault

13. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Ich war (bin noch wenige Tage) Stromkunde bei Stromio, wo ich einen Ökostrom-Tarif hatte (habe). Das ich Stromio verlasse, ist ein in meinen Augen typischer Beispielvorgang dafür, wie wenig Unternehmen heute auf ihre Kunden wert legen.

  1. Akt:

Stromio hat mir einen Brief geschrieben, dass man leider, leider die Strompreise erhöhen müsse. Der Grundpreis sei 143,29€ im Jahr und die Kilowattstunde würde 33 Cent kosten. Das fand ich relativ teuer und ein kurzer Check der üblichen Vergleichsportale ergab: das ist teuer. Aber: Stromio weist ordentlich auf das entstehende Sonderkündigungsrecht hin.

2. Akt:

Ich habe bei Stromio angerufen und mein Leid geklagt. Die Antwort war überraschend: Ja, für Bestandskunden gäbe es ein Alternativangebot: Der Grundpreis wäre dann 84,43€ und die Kilowattstunde 22,84 Cent. An der Stelle fühle ich mich schon mal extrem verarscht: Warum bietet Stromio das nicht direkt bei der Preiserhöhung an, sondern schreibt erst mal nur den deutlich höheren neuen Preis in ihr Schreiben? Hofft man einfach darauf, dass die Kunden das schon irgendwie laufen lassen würden? Und trotzdem: bei dem bei uns angenommenen jährlichen Stromverbrauch viel zu teuer.

Zwischenfazit

Wenn ich mich von einem Unternehmen auf den Arm genommen fühle, fällt mir die Trennung relativ leicht. Wenn man in dem Schreiben gesagt hätte, „ihr Tarif verteuert sich… wir bieten ihnen an, in folgenden Tarif zu wechseln“ hätte ich vielleicht gar nicht so sehr auf den Preis geschaut – denn eigentlich war ich mit den Leistungen und der Kommunkation bisher zufrieden. Spätestens nach dem Telefonat war aber klar: Selbst wenn Stromios Angebot konkurenzfähig gewesen wäre: Ich hätte gekündigt.

3. Akt

Man kann aber auf alles noch einen drauf setzen: Bei allen seit Oktober 2016 über das Internet geschlossenen Verträgen muss der Anbieter auf die Kündigung über das Internet akzeptieren. Mein Vertrag ist älter, also habe ich mal geschaut was passiert, wenn ich das Schreiben (mit Unterschrift) als PDF an Stromio sende. Natürlich ist das Original auf dem Postweg, ich ahnte ja was kommt. Und richtig:

Mit Bedauern haben wir Ihren Kündigungswunsch erhalten.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihre Kündigung per E-Mail nicht anerkennen können. Gemäß den für Sie gültigen Allgemeinen Geschäftsbedingungen bedarf eine Kündigung des Liefervertrages der Schriftform. Eine Kündigung in Textform (beispielsweise Computerfax, E-Mail, SMS) ist nicht ausreichend. Ihre Kündigung senden Sie uns daher bitte per Brief mit Unterschrift des Vertragspartners zu.

Ich halte das für rechtlich nicht haltbar, denn meine Unterschrift war in dem PDF. Ist mir aber egal, ich streite mich nicht. Ich ziehe ein…

Fazit

Offensichtlich hat man es bei Stromio nicht nötig die Kunden ernst zu nehmen oder auch nur auf Augenhöhe zu behandeln. Statt einen Kundenservice zu bieten, bei dem man sich ernst genommen fühlt, bekommt man erst auf explizite Nachfrage ein vernünftiges Angebot. Und die Kündigung per PDF nicht akzeptieren zu wollen ist auch für sich schon ein starkes Stück. Andersherum fällt einem das Abschied nehmen so natürlich ein ganzes Stück leichter. Und andere Anbieter haben auch schöne Ökostrom-Angebote.
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Kategorienökonomisch Tags:

SPLIT

10. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Wochenende ist Kinozeit und so bin ich Mittwoch ins UCI gewandert, um „SPLIT“ zu sehen.

Ich kann gar nicht so genau sagen, was ich erwartet habe. Vermutlich einen Film in dem es viel Blut und Schockmomente gibt. Irgendwie ist das ja schon fast normal, wenn ein Psycho drei junge Frauen entführt. Am Ende darf ja nur eine davon überleben, gell?

Außerdem habe ich einen Spannungsbogen erwartet, der auf ein fulminantes Finale hinausläuft. Und was meine Erwartungen angeht, bin ich vom Regisseur M. Night Shyamalan dann doch enttäuscht worden.

Denn statt eines „Schockers“ hat er mit „SPLIT“ einen absolut soliden und spannenden Film abgeliefert. Der den Zuschauer in den erste Minuten direkt in seine Mitte nimmt, ihm die Augen aufmacht und aufhält und sagt: So wirst Du jetzt bis zum Ende des Films bleiben.

Die absolut Oskar-reife Darstellung von James McAvoy trägt ihren Teil dazu. Er ist ähnlich überragend, eigentlich noch besser, als Christian Bale in „The Machinist“.

Dabei ist der Film nie darauf angewiesen, den Zuschauer zu schocken oder auch nur zu überraschen. Im Gegenteil, von Anfang an wird die Geschichte  mit offenen Karten erzählt, was sie in sich noch grausamer macht. Wobei, das ist wichtig, diese Grausamkeit sich nur vor dem inneren Auge abspielt.

Wenn ich überlege, dass nur ungefähr 5 Leute in Split saßen, gleichzeitig aber hunderte Menschen sich „50 Shades“ angesehen haben: Ich glaube ich habe die bessere Wahl getroffen.

Denn für 2017 ist das defintiv der beste Film, den ich bisher gesehen habe.

Und in meiner „All Time Favorite“-List ist Split auf Anhieb in die Top 10 gesprungen.

Kategorienfilm Tags:

Doch nicht die Russen?

7. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Vor ein paar Tagen habe ich in den sozialen Medien mal einen Gedanken geäußert:

Mir fällt auf, dass seit einiger Zeit explosionsartig Websites entstehen, die extremes Gedankengut propagieren. Von Extrem-Veganern über Hardcor-Impfgegnern, von wir-werden-alle-sterben-Chemtrailern bis hin zu Knoblauch-gegen-Krebs-Spinnern. Und natürlich auch politisch, insbesondere stark rechtslastige „Die Regierung muss weg“-Websites.

Was mich am Zufall zweifeln lässt ist nicht nur die Menge der Websites, sondern vor allem die technisch hohe und oft auch textliche Qualität. Das passt nicht dazu, dass die meisten Menschen nur noch das Internet=Facebook sehen und gar nicht in der Lage scheinen, eigene Webpräsenzen aufzusetzen. Auch irritiert mich, dass besonders bei der neuen Rechten ja kaum jemand in der Lage zu sein scheint einen geraden Satz zu sprechen: und die sollen plötzlich ganze Aufsätze schreiben?

Wie ich das so poste kommen natürlich direkt die ersten Kommentatoren und sagen: Ganz klar, die Russen beeinflußen den Wahlkampf. Das macht Sinn, ist der Russe an sich ja das ultimative Böse *facepalm*

Auf die Frage nach einer seriösen Quelle zu solchen Annahmen wird auf „die Presse“ verwiesen. Das sei schließlich mittlerweile sowas wie Allgemeinwissen. Doof nur, dass die Presse das nicht her gibt. Im Gegenteil, auf tagesschau.de lese ich:

Nach Informationen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ fanden sie keine eindeutigen Beweise für eine russische Desinformationskampagne. „Wir haben keine Smoking Gun gefunden“, heißt es in Regierungskreisen.

Interessant ist, dass mans ich eine Hintertür offen lässt:

Denn aus der schwierigen Suche nach den Beweisen lassen sich zwei Schlüsse ziehen. Entweder gibt es den vermuteten Angriff durch Russland nicht. Oder die russischen Dienste sind schlau genug, sich nicht erwischen zu lassen. Die deutschen Agenten neigen eindeutig zur zweiten Version.

Das die Agenten damit ihre eigene Unfähigkeit unter Beweis stellen, während man zugleich an einer einfachen Erklärung fest halten möchte, überrascht nicht. Gleichwohl wirft es einige ernste Fragen auf:

Wenn es keine „Smoking Gun“ zu finden gab, bedeutet das wirklich, dass es sich um einen zufällig entstandenen Cluster handelt? Und wer wäre eigentlich noch möglicher Strippenzieher, wenn es sich um eine gesteuerte Aktion handelt? Oder könnte zufälligerweise die Kommunikationsstrategie verschiedener extremer Strömungen sich so ähneln, dass der Eindruck entsteht es gäbe eine militante-tierschützende-vegane-homöopathische-usfeindliche-regierungsfeinliche-deutschlandablehnende Taktik?

Es wäre durchaus interessant, wenn mal die eine oder andere Uni sich des Phänomens der Kommunikation im Internet annehmen würde. Mich würde wirklich interessieren ob mein Eindruck täuscht oder ob was dran ist. Und wenn ja: Was.

Kategorienfragestunde, gedanken, internettes Tags:

WLAN? Rechtssicher in Deutschland

6. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Merket auf, Ihr Ungläubigen, denn ich verkünde die Frohe Botschaft(TM):

Wer in Deutschland ein offenes WLAN betreibt, haftet nicht mittelbar oder unmittelbar für Rechtsverletzungen, die darüber begangen werden. Auch abgemahnt werden darf der Betreiber nicht.

Glaubt Ihr nicht? Ich auch nicht, aber so schreibt mir der Bundestag:

Die ganz Alten unter Euch werden sich erinnern: Im Januar 2011, also vor ziemlich genau 6 Jahren, habe ich eine Petition für mehr Rechtssicherheit beim Betrieb von WLAN-Netzen gestartet. Zwischendurch kamen Zwischennachrichten, dass man leider das Thema noch nicht abschließen konnte. Doch frohlocket und jauchzet, nur eineinhalb Wahlperioden später teilt man mir mit:

Mit dem Gesetz wird klargestellt, dass das Providerprivileg, d. h. der in § 8 Absatz 1 TMG geregelte Haftungsausschluss von Accessprovidern, auch für WLAN-Betreiber gilt. Zudem gilt die Regelung für alle gleichermaßen, es gibt also keine Unterschei dung zwischen großen oder kleinen, gewerblichen oder privaten Anbietem. (…)
,,Die Beschränkung der Haftung umfasst horizontal jede Form der Haftung für rechtswidriges Verhalten jeder Art. Das gilt tür die straf-, verwaltungs- und zivilrechtli che Haftung sowie für die unmittelbare und mittelbare Haftung für Handlungen Dritter. Die Haftungsprivilegierung des Diensteanbieters nach § 8 Absatz 1 und 2 um fasst z. B. uneingeschränkt auch die verschuldensunabhängige Haftung im Zivilrecht nach der sogenannten Störerhaftung und steht daher nicht nur einer Verurteilung des Vermittlers zur zahlung von Schadensersatz, sondern auch seiner Verurteilung zur Tragung der Abmahnkosten und der gerichtlichen Kosten im Zusammenhang mit der von einem Dritten durch die Übermittlung von lnformationen begangenen Rechtsverletzung entgegen.“

Alles klar? Na gut, so ganz sicher ist sich die Bundesregierung nicht, denn nochmal ausdrücklich drüber reden möchte sie nicht:

Der von den Fraktionen DIE LINKE. und von BÜNDNIS 9O/DIE GRÜNEN gestellte Antrag, die Petition der Bundesregierung – dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – zur Erwägung zu überweisen, ist mehrheitlich abgelehnt worden

Das lässt mich jetzt natürlich ein bisschen ratlos zurück. Denn auf der einen Seite sagen IT- und Rechtsspezialisten ja gerade, dass die Rechtsunsicherheit weiter besteht.  Der Bundestag, genauer der Petitionsausschuss ist da aber anderer Meinung.

Und jetzt?

Auf jeden Fall freue ich mich, dass ich das Ende meiner ersten Petition noch erleben durfte. Und das es auch nur 6 Jahre gedauert hat, mir mitzuteilen, dass mein Problem gar keines (mehr) ist.

Ob uns das jetzt weiter bringt? Ich weiß es nicht. Aber wen es interessiert, hier ist der Volltext der Antwort an mich. Und ja, die beginng wirklich bei Seite 34. Was auf den Seite 1 bis 33 steht, ist wohl unwichtig 😉

170131_Petition

Kategorieninternettes, politik Tags:

La La Land

6. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Ich hatte das „Vergnügen“ La La Land zu sehen – einen der im jungen Jahr am meisten gehypten Filme. Und nach dem Ansehen war ich echt… sauer.

Ich habe ein paar Tage überlegt, warum. Vermutlich deswegen:

Der Film leidet an einer flachen Story, farblosen Charakteren und fehlenden Emotionen. Auch die „Alternative Realität“ am Ende konnte das nicht ausräumen. Dabei bedient sich der Film der Technik und Gesellschaft von Heute und träumt doch gleichzeitig von Anfang bis Ende von der guten alten Zeit.

Und das alles zusammen ist einfach unglaublich fade.

Für mich persönlich der am meisten überbewertete Film seit langem.

Kategorienfilm Tags:

Du weisst…

6. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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… dass Dein Land im Arsch ist, wenn Deine Unternehmen solche „Werbungen“ schalten.

Wenn man sich überlegt, was ein fast fünfeinhalb Minuten langer Werbespot während des SuperBowl kosten muss: Wenn man als Unternehmen dann die unmenschlichen Entscheidungen des eigenen Präsidenten in den Vordergrund stellt…. wow.

Und wenn es dann nur eine gekürzte Fassung in die Ausstrahlung schafft, weil die Langfassung „zu kontrovers“ ist, dann weißt Du, dass eigentlich nicht der Präsident alleine das Problem ist.

Kategorienpolitik Tags:

Fußfesseln und alles wird gut!

2. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Man,

seit heute morgen können wir alle beruhigt aufatmen: Auf Bundesebene kommt endlich die Fußfessel. Mit der Fußfessel kann man Gefährder besser im Auge halten. Gefährder ist niemand, der etwas getan hat oder gar verurteilt wurde. Eigentlich ist ein Gefährder jemand von dem man glaubt, dass er möglicherweise irgendwann irgendwo irgendwie eine Straftat begehen könnte.

Natürlich ist das vollkommen rechtstaatlich unbedenklich. Warum sollte man nicht Menschen an die Funk-Fessel legen – ohne Urteil. Wer könnte schon was dagegen haben. Schließlich geht es auch und vermutlich vor allem um eine spezielle Zielgruppe:

Meines Erachtens sollte der Anwendungsbereich behutsam erweitert werden, um auch islamistische Gefährder zu erfassen

Ah ja. Damit verhindert man bestimmt Pannen wie beim Fall Amri.

Und es ist gut und wichtig, dass wir darüber reden. Denn wenn wir nicht über das Allheilmittel Fußfessel gegen nicht verurteilte Menschen reden, könnte ja jemand auf die Idee kommen, wie wir damit das Problem der mehr als 260 untergetauchten, strafrechtlich verurteilten Nazis umgehen. Oder der Gefahr der Reichsbürger, die alleine in Sachsen mehr als 250 Straftaten verübten. Übrigens scheint Ostdeutschland eh ein wundersames Fleckchen Erde zu sein, wo einzelne Menschen schon mal 700-800 Waffen horten können, nachdem sie untergetaucht sind, nachdem man ihnen verboten hat, Waffen zu besitzen.

Das dann ausgerechnet in Sachsen auch besonders viele Übergriffe aus Ausländer stattfinden, ist da wirklich nur eine Randnotiz.

Stellt Euch nur mal vor, wir würden ernsthaft über solche Dinge sprechen und sie in einen Kontext setzen. Dann freuen wir uns doch lieber, dass der Bund lieber Menschen in „Haft“ nehmen will, die nie ein Richter verurteilt hat. Die aber zufällig genau der Gruppe Menschen angehören, vor der all die besorgten Bürger, gerne auch in und aus dem Osten der Republik so gerne warnen.

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Neue Taktik der AFD?

30. Januar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Auch interessant:

In den letzten Tagen ist mir mehrfach berichtet worden, dass die AFD sich an Jäger „ranwanzt“. Das ist auch verständlich:

Die AFD möchte Waffenbesitz legalisieren und eine der Gruppen die waffenrechtlich oft im Fokus ist, sind die Jäger. Anders als Sportschützen, die nur gelegentlich mal im Zusammenhang mit Amok-Läufen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken, sind Jäger auch gerne Gegenstand der Politik.

Und meistens driften die Vorstellungen der Jäger und der Politiker auch deutlich auseinander. Die einen fühlen sich missverstanden, die anderen haben möglicherweise nicht ausreichend Feingefühl. Was auch immer der Grund sein mag, warum sich Politik und Jäger oft nicht grün sind (sorry für das Wortspiel), die Taktik der AFD ist durchschaubar aber nicht doof:

Da kann man sich jetzt seinen Teil denken. In meinem Teil geht die eine oder andere Alarmlampe an, wenn ich sowas mitbekomme. Und getreu dem Motto: „Holzauge sei wachsam“ würde ich Euch bitten, im Freundes- und Bekanntenkreis zu lauschen, welche „Peergroup“ gerade noch von der AFD um worben wird.

Bei den Jägern in NRW, die gerne mit unserem grünen Umweltminister über Kreuz liegen, hoffe ich auf genug Wachsamkeit, falls es auch in unserem Bundesland solche Anwerbeversuche geben sollte. Über die Gefahren muss ich wohl nix sagen.

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Wie rechts ist Deutschland?

25. Januar 2017 Kommentare ausgeschaltet
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Der Tagesspiegel hat einen interessanten Artikel darüber veröffentlicht, wie groß und gewaltbereit das rechte Spektrum in Deutschland ist. Denn es wird ja gerne so getan, als wäre linke und rechte Gewalt vergleichbar gefährlich.

Auch die einzelnen Gruppierungen beleuchtet der Artikel. Interessant sind zwei Dinge:

  1. Die AFD wird als „übermächtig“ (gegenüber der NPD) erwähnt, aber nicht weiter ausgeführt. Hier traut sich der Tagesspiegel vielleicht noch nicht, die AFD als die große rechte Partei ins Rampenlicht zu führen. Das könnte man meiner Meinung nach spätestens seit dem durchschaubaren „guter Rechter  – böser Rechter“-Spiel von Petry und Höcke
  2. Der Artikel geht zwar kurz auf soziale Medien ein. Er lässt jedoch die Chance verstreichen die selbstverstärkenden Mechanismen der sozialen Medien zu beleuchten: Viele Menschen beginnen zu glauben, dass rechte Ansichten „normal“ sind und man sie auch offen vertreten kann und soll. Dabei findet auch ein Überschwappen auf Leute statt, die eigentlich weniger dem Spektrum zuzuordnen sind – tatsächlich aber aus Angst, Sorge und mangeld Faktenkenntniss für bestimmte Aussagen empfänglich sind.

Insbesondere Punkt 2 macht mir Bauchschmerzen: Es besteht die Gefahr, dass ein erfolgreiches Abschneiden der AFD bei der Landtagswahl NRW einen Mitnahme-Effekt für die Bundestagswahl erzeugt. Einige Menschen werden sich denken: „Wenn so viele die wählen, kann ich die auch wählen, um denen da oben mal was zu geigen“ und „Nach der Wahl ist ja in NRW nix schlimmes passiert, was kann da schon im Bund schief gehen“.

Wir sollten langsam gesamtgesellschaftlich endlich das Problem „Rechtsterror“ ernst nehmen. Denn die neue Rechte ist ja nicht doof, sondern vereint sehr geschickt den „Straßenkampf“ mit der Politik der vorsichtig gewählten Worte (Petry) und der Politik des Polterns (Höcke). Das spricht mehr Menschen an, als uns lieb sein kann.

Und es ist unsere Aufgabe, dem etwas entgegen zu setzen.

Kategorienpolitik, soziologie Tags: