Archiv

Autor Archiv

Du hast nichts getan – trotzdem beobachten wir Dich!

21. Januar 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

In der Welt ist ein Artikel erschienen, der eine andere Aussage hat, als man zunächst vermuten würde.

Vordergründig geht es um „Islamisten“ und darum, dass man in der EU keine einheitliche Vorstellung davon hat, was ein islamistischer Gefährder eigentlich ist. Allerdings hat der Artikel einen zweiten Inhalt, der wesentlich beunruhigender ist als die Frage woran man denn einen gemeingefährlichen Islamisten nun erkennt – oder auch nicht.

Der zweite Aspekt ist der des Gefährders:

Unter dem Sammelbegriff [Gefährder, Anmk. des Autors] werden in Deutschland Personen zusammengefasst, denen die Umsetzung einer erheblichen Straftat zugetraut wird. (…)

Demnach ist ein Gefährder „eine Person, bei der bestimmte Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass sie politisch motivierte Straftaten von erheblicher Bedeutung, insbesondere solche im Sinne des Paragrafen 100a der Strafprozessordnung (StPO), begehen wird“. (…)

Regelmäßig wird ihr Aufenthaltsort festgestellt. Immer wieder werden sie auch observiert.

Wir reden hier nicht von Menschen die für eine Tat bestraft wurden. Wir reden hier von Menschen von denen man animmt, dass sie vielleicht in Zukunft eine Straftat begehen könnten oder wollen. Und solche Gefährder gibt es natürlich nicht nur im Bereich des Islamismus.

Für mich ist das nur sehr schwer mit meinem Verständnis von Rechtstaat in Einklang zu bringen. Darf der Staat Menschen, die sich nichts zu schulden haben kommen lassen, aus Verdachtsgründen so behandeln? Es gibt ja eine Theorie, dass wenn man jemanden nur lang genug beobachtet, das man ihn dann zwangsläufig auch bei Rechtsverstößen erwischt.

Und was mir auch nicht klar ist: Gibt es eine unabhängige Stelle (Richter?) der prüft ob solche Maßnahmen überhaupt zulässig sind und nicht vielleicht nur willkürlich? Werde ich eigentlich informiert, wenn man mich für einen Gefährder hält?

Laut Wikipedia gibt es dafür die sogenannte „Gefährderansprache„:

Als Gefährder werden im Zusammenhang mit der öffentlichen Sicherheit und Gefahrenabwehr Personen bezeichnet, bei denen kein konkreter Hinweis vorliegt, dass sie eine Straftat planen, aber bei denen „bestimmte Tatsachen die Annahme der Polizeibehörden rechtfertigen, dass sie Straftaten von erheblicher Bedeutung, insbesondere solche im Sinne des § 100a der Strafprozessordnung (StPO)[1], begehen“ werden.

(…)

Die Polizei kann bei bekannten Gefährdern eine Gefährderansprache durchführen, um deren weiteres Verhalten zu beeinflussen. Die individuelle Ansprache soll signalisieren, dass „polizeiliches Interesse an seiner Person besteht, die Gefährdungslage bei der Polizei registriert wird und die Lage ernst genommen wird“.

(übrigens verwendet die Welt vermutlich nur zufällig die gleiche Formulierung wie Wikipedia *kicher*)

Ich fasse also zusammen: Es gibt bei der Polizei jemanden der annimmt, ich könnte etwas böses im Schilde führen. Damit lande ich in einer Datenbank und werde unter Umständen angesprochen nach dem Motto: „Wir beobachten dich…“. Na super. Danach ist das Leben ja mit Sicherheit total entspannt, weil man ja gut beweisen kann, dass man etwas NICHT tun wird.

Vielleicht sehe ich das zu negativ. Aber ist die Verhinderung von Straftaten durch intensives Beobachten von Menschen von denen man annimmt, dass sie möglicherweise mal eine Straftat begen an der Stelle nicht ein wenig too much?

Kategorien1984, politik Tags:

Gut, dass wir nicht paranoid sind.

21. Januar 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Ich lese manchmal Nachrichten und wünschte mir, dass es Enten wären. Ich möchte aufwachen und feststellen, dass alles nur ein wirrer Traum war.

So wie heute morgen, als ich beim Spiegel folgendes las:

Ein zehn Jahre alter muslimischer Junge aus der englischen Grafschaft Lancashire ist von der Polizei befragt worden, weil er in einem Schulaufsatz schrieb, er lebe in einem „Terroristenhaus“. Das berichtet die BBC. Der Junge habe sich verschrieben und eigentlich Reihenhaus gemeint („terraced house“ statt „terrorist house“).

Die Lehrer hätten das nicht als Schreibfehler erkannt und den Jungen daher den geltenden Anti-Terror-Gesetzen zufolge der Polizei gemeldet. Der Counter-Terrorism and Security Act 2015 fordert Lehrer auf, Verdächtiges zu melden.

Laut BBC befragten Ermittler den Sohn und untersuchten einen Computer im Haus der Familie.

Das ist so dermaßen absurd, dass man zunächst glauben möchte, dass sich das gar nicht zugetragen haben könnte. Das das gar nicht sein kann, ich meine weder kann man so bescheuert sein, noch kann eine zivilisierte Gesellschaft so denunziatorisch werden und so panisch in ihrer Angst, dass selbst kleine Kinder nicht mehr außen vor gelassen werden.

Leider aber erinnert mich die Nachricht an eine von vor wenigen Tagen, als ich bei der Washington Post folgendes las:

A 10-year-old girl received a pat-down in a North Carolina airport after she left a Capri Sun juice pouch in her bag, according to her father, who filmed the incident and posted footage on YouTube.

Sehr schön übrigens die Erklärung, man habe ja nur Regel befolgt:

But a TSA spokesman said that the pat-down followed agency guidelines.

Ich meine, mal ehrlich und unter uns: Bin ich wirklich der einzige, den das massivst beunruhigt, was gerade passiert? Und nein, es ist nicht der Terrorismus, vor dem ich hier Angst habe. Es ist unsere Bereitschaft, vor einer selbst geschaffenen Angst zu kapitulieren und alle Werte über Board zu werfen – für eine vermeintliche Sicherheit vor einem vermeintlichen Feind.

Kategorien1984, gedanken, politik, soziologie Tags:

Große Bilder werfen ihren Schatten voraus: Suicide Squad

20. Januar 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Kategorienfilm Tags:

Unsitten bei E-Mails

19. Januar 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Ich bin ja ein Internetter von recht früh an und habe viele Angewohnheiten, die sich daraus erklären. So zum Beispiel meine Abneigung gegen TOFU. Oder HTML-E-Mails.

Von daher bin ich der Meinung, dass Plain-Text am Besten geeignet ist, Inhalte zu übermitteln. Plus der Tatsache, dass die Mails klein und schnell bleiben und auf allen Anzeige-Geräten gut aussehen. Wie schnell nämlich HTML-Mails Menschen in den Wahnsinn treiben, kann man z. B. bei Geocaching.com gerade schön erleben. Das muss doch nicht sein.

Es gibt aber eine zweite, fast noch üblere Unsitte: Das Einbinden entfernter Inhalte. Dabei werden Grafiken die in der Mail sind nicht mit der Mail versendet. Das kann man positiv sehen – die Mail ist kleiner. Oder Negativ, weil beim Abruf der Grafiken auf dem Server natürlich der Zugriff geloggt wird – perfekte Lesebestätigung, auch wenn ich gar keine versenden will.

Die Unsitte, externe und potentiell auch gefährliche Inhalte nachzuladen, kann man in Mailprogrammen (erstaunlicher Weise sogar auf dem iPhone) extrem einfach unterbinden. Alles super. Wenn  da nur nicht ein klitzekleines Problem wäre. Nämlich Mails die dann so aussehen:

paypal

Ehrlich, das ist doch ein schlechter Witz.

Könnten bitte alle die E-Mails versenden demnächst wieder anfangen den Kopf einzuschalten? Das wäre sehr fein!

Kategorieninternettes, technik Tags:

Feinstaub-Schizophrenie :-)

18. Januar 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Irgendwie ist das schon kurios.

Stuttgart, da wo man alte und wirkungsvolle Bäume fällt für einen Bahnhof den niemand will, muss bereits heute Feinstaubalarm ausrufen.

Natürlich wird als aller erstes wieder über irgendwelche Verbote diskutiert. Denn wenn wir was gut können, dann verbieten. Wir könnten statt dessen natürlich auch den ÖPNV stärken: Zwar sind Busse deutlich stärkere Verschmutzer, aber auf die Menge der Fahrgäste gerechnet könnte es Sinn machen. Aber ÖPNV… ach ich sag mal:

… schwierig 😉

Wobei es in der Theorie halt auch wieder einfach wäre: An Tagen wie heute kostenloser ÖPNV. Wenn man dann allerdings schon am Limit ist, ist das natürlich auch keine Hilfe. Pendler auf nach 9 Uhr verschieben ist ja auch eher semi.

Gut Arbeitgeber könnten endlich mal ernsthaft überlegen ob Heim- / Telearbeit nicht eine Win-Win-Lösung wäre. Mehr Zufriedenheit bei den Arbeitnehmern, höhere Produktivität für die Firma und weniger Umweltbelastung durch wegfallende Pendlerfahrten.

Auch die Politik könnte was machen, in dem sie zum Beispiel mal schaut wieso in den Niederlanden und Dänemark eigentlich so viele Menschen mit dem Rad fahren. Oder mal nach Österreich schauen, wo es bis zu 25% Zuschuss für den Kauf eines Lastenrades gibt.

In dem Kontext könnte man dann auch gleich über Städteplanung nachdenken und die Frage stellen, ob immer noch der PKW-Verkehr das Leitmotiv für Verkehrsplaner sein sollte.

Aber das wäre wenig Deutsch. Statt dessen lamentieren wir und klagen andere. Dann hat man am Ende vielleicht ein Urteil und vielleicht macht man wieder Symbolpolitik zu Gunsten der Autobauer.

Aber eine nachhaltige Lösung sieht doch irgendwie anders aus.

Kategoriengedanken, ökologisch, ökonomisch Tags:

The Revenant

18. Januar 2016 1 Kommentar
No Gravatar

Nun ja, Wochenende ist Kino-Zeit und warum nicht „The Revenant“ schauen?

Machen wir es kurz: Abgesehen von einer furchtbaren, Hirnbluten verursachenden Unlogik ist der Film schlicht unfassbar langweilig. Undjedes weitere Wort darüber wäre eines zu viel.

 

P.S.: Und wieder leidet Leo wegen einer Frau. Die zwar ÜBERHAUPT NICHTS mit der Geschichte zu tun hat, aber immer wieder als geisterhaftes Wesen auftaucht, damit er auch gut leiden kann. Einmal, bitte nur ein einziges Mal einen Film mit DiCaprio ohne!

KategorienKino Tags:

Amalthea

14. Januar 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Ich bin ein Bücherwurm. Und ich liebe lange Bücher, gerne auch gut gemachte Hörbücher. SciFi ist durchaus ein Genre das ich mag und so dachte ich, ich schaue mir mal Amalthea an. Als Hörbuch schlappe 34,5 Stunden Hörgenuss. Soweit die Theorie.

Die Realität derweil sah leider anders aus. Nämlich so, dass ich nach gut 7 Stunden das Hörbuch genervt vom Gerät gelöscht habe. Und bei 7 Stunden behaupte ich mal, dass ich dem Buch wirklich eine Chance gegeben habe.

Eine Chance die der Autor gleich dreifach nicht verdient hatte.

Zu aller erst ist das Buch erstaunlich langweilig. Man kann sich nicht mit den Charakteren richtig identifizieren und alle sind irgendwie… austauschbar. Nebensächlich. Da helfen auch die Liebesgeschichten im All oder unter Senioren nicht. Es ist einfach flach.

Das zweite Problem ist das der Autor bestimmte Dinge wohl gelernt hat und viel zu häufig anbringt. Wie die unterschiedlichen Umlaufbahnen, die ca 1 Million mal genannt werden wollen. Und bestimmte Dinge die immer und immer wieder mit der gleichen Erklärung vorgestellt werden, wie Radio-Isotropen-Generatoren die kontinuierlich Wärme… aber ich schweife ab.

Das dritte Problem ist dann, dass die Geschichte nicht voran kommt, weil sich der Autor ständig in irgendwelchen absolut nebensächlichen Nebengeschichten verliert, die die Handlung nicht voran treiben.

Und so war dann heute morgen im Zug der Entschluss gefallen, dass mir meine Lebenszeit zu schade ist, um noch mal weitere 28h mit dieser Geschichte zu verschenken.

Vielleicht bin ich aber auch einfach nicht der richtige Leser gewesen.

Kategoriengedanken, gelesen Tags:

Für die Freunde des gepflegten Horrors

14. Januar 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

.

Handlungsanweisung:

  1. Kopfhörer aufsetzen
  2. Vollbild
  3. Schön laut machen

 

Kategorienfilm Tags:

Konkrete Gefahr?

14. Januar 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Heute morgen, fette Headline in der SZ:

Zeitung warnt vor konkreter Terrorgefahr für Deutschland

Ja wow. Wir werden alle sterben. Ich will mich gerade von meinen Liebsten verabschieden, da fällt mir auf, dass…

  • die „Zeitung“ die für ihre Seriösität bekannte Bild ist: „Die Bild-Zeitung berichtet“
  • es keinerlei Bestätigung gibt: „laut einem unbestätigten Bericht“
  • und die Bezüge klar erkennbar sind: „Als das wahrscheinlichste Szenario gelten demnach „multiple, teilweise über mehrere Tage zeitversetzte Anschläge gegen verschiedene Zielkategorien“ mithilfe von Schusswaffen, unkonventionellen Sprengsätzen und Brandbomben. „

Also ist alles möglich, nichts ist klar und dann gleitet der Bericht ab in einen Vergleich zum Anschlag von Istanbul: „Ob es sich bei dem Attentäter von Istanbul um ein Mitglied der Terrormiliz des sogenannten Islamischen Staats (IS) handelt, ist nach wie vor unsicher.“

Ernsthaft, liebe SZ?

Ist das dieser „Qualitätsjournalismus“, der uns allen viel Geld wert sein soll?

Kategoriengelesen, politik Tags:

Die Welt als Terror-Tollhaus

13. Januar 2016 3 Kommentare
No Gravatar

Es ist kaum auszuahlten – und so bizarr vorhersehbar. Scheinbar gesteuert von einer derzeit herrschenden Allmachtsphantasie wird alles und jeder genutzt, um mehr Überwachung, mehr Krieg, mehr irgendwas durchzusetzen. Und die Muster sind immer die gleichen:

In Paris will ein mit einem Messer(!) bewaffnerter Mann in eine Polizeistation und wird wenig überraschen erschossen. Gut, eigene Schuld, bitte die Geschichtsbücher schließen, der Typ war irre. Auf die eine oder andere Art und Weise.

Heute aber muss er ein Terrorist sein.

Und welch glückliche Fügung, dass er angeblich eine SIM-Karte aus Deutschland im Handy hatte. Denn das rechtfertigt doch sofort wieder den Ruf nach der Vorratsdatenspeicherung. An deren Daten endlich auch die Geheimdienste wollen. Wann sie wollen. Natürlich sind hier die Hardliner der CDU ganz vorne. Aber als ob die SPD nenneswert dagegen halten würde :-/

Dabei alleine bleibt es nicht. Denn sofort wird in Recklinghausen jeder Flüchtling mit dem „Attentätter“ über einen Kamm geschert. Und man nennt das euphemistisch „Sicherheitsabfrage zu jedem Flüchtling„. Ich nenne das Racial Profiling.

Und kaum kommt es zu einem Attentat in Istanbul ist sofort klar: Es muss ISIS gewesen sein. Logisch, damit hat die NATO den perfekten Grund in sich noch militärischer zu geben. Für die USA wären jetzt schon alle Hemmungen gefallen.

Dann noch Deutsche unter den Toten? Das wird ja immer „besser“. Und schon titelt sogar der öffentlich rechtliche Rundfunk leicht panisch-paranoid „Selbstmordattentat in Istanbul – Gezielter Angriff auf Deutsche?“ und man fragt sich: wozu?

Muss hier ein äußerer Feind gestärkt in die Wahrnehmung, damit wir unsere internen Probleme vergessen? Zum Beispiel die Welle von politisch rechts motiviertem Terror der gerade über unser Land zieht?

Während dessen wird darüber diskutiert ob und wann man die Nationalität von Straftätern veröffentlichen soll. Könnten wir uns vielleicht darauf einigen, dass Nationalitäten und Religionen keine Straftaten direkt begehen, sondern Menschen? Es ist doch vollkommen egal, ob ein Deutscher, Niederländer, Türke oder Syrer eine Straftat begeht: Die Strafe muss für alle die gleiche sein, im gleichen Rechtsraum. Und der einzige Grund die Nationalität oder Abstammung zu nennen ist doch einen bestimmten Eindruck forcieren zu wollen.

Ähnlich schwachsinnig wie „unter den Toten 6 Deutsche, davon 2 Frauen und ein Kind“. Ein Toter ist ein Toter. Ein tragischer Verlust. Der nicht mehr wert wird, wenn er ein bestimmtes Alter, Geschlecht oder eine Nationalität hat. Es ist völlig egal ob ein Syrer in der Türkei Deutsche getötet hat: ein Täter hat eine abscheuliche Tat begannen bei der Menschen ums Leben kamen. Punkt.

Könnten wir uns also vielleicht alle wieder ein wenig beruhigen? Wieder vor der eigenen Tür kehren? Und aufhören uns ständig irgendwelche Feindbilder (Der Syrer, Der Afrikaner, Der Moslem, Der Katholik) zu bauen?

Einfach mal wieder… wie intelligente und vernunftbegabte Menschen handeln?

Denn wo das endet, wenn wir es nicht schaffen, sieht man sehr schön in den USA. Wo jetzt der falsche Name schon verhindert, Computerspiele spielen zu können.

Ich bin dann mal weg

11. Januar 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Wer mich kennt, der weiß das ich kein Freund deutschen Kinos bin. Egal wie sehr wir es versuchen, wir können einfach nicht Film.

Um so irritierter waren meine üblichen Kino-Begleiter, als ich vorschlug „Ich bin dann mal weg“ zu schauen. Die Verfilmung des Buches von HaPe Kerkeling.

Ich hatte das Buch nicht gelesen. Ich hatte auch den Trailer nicht gesehen. Alles was ich wußte war ganz grob um was es ging und das HaPe nicht HaPe spielen würde. Alles darüber hinaus? Keine Ahnung.

Was mich motiviert hat ist sicherlich mein eigener Wunsch nach Draussen. Nach Weg. Nach und Tschüss. Aber reicht das? Und sicherlich spielte auch eine Rolle das ich kürzlich „Picknick mit Bären“ gesehen habe.

Und so ging es gestern ins Kino, und der Saal war überraschend voll.

Fangen wir mit den negativen Dingen an: Die Deutschen können keinen Film. Schon gar nicht wenn es darum geht gute, geeignete Schauspieler zu finden. Das war schon unangenehm. Und der Film geht sehr grenzwertig in Richtung: „Finde Gott und alles wird gut“. Aber nur grenzwertig.

Denn kommen wir zu dem positiven Überraschungsmoment: Mit einigen kleinen, gut gesetzten Szenen zum Lachen und einigen, gut gesetzten Szenen zum Bedrückt sein und vielen guten Szenen zum Nachdenken ist der Film wirklich gut geworden. Er ist nicht langatmig oder langweilig und er schafft es, ein Kino komplett zu entspannen.

Schönes, greifbares Moment dessen war, als beim Nachspann einfach niemand aufstand.

Was bleibt jetzt als Fazit?

Erstens: ich hab das Buch bestellt.

Zweitens: Vielleicht können die Deutschen ja doch Film. Zumindest ein bisschen.

Und wer mal was völlig anderes sehen will, sollte sich durchaus mal diesen Film ansehen. Wenn man keine Action und Spannung erwartet, sondern einen Reisebericht nach Spanien und zu sich sehen will, ist man genau richtig. Und man lernt einen HaPe Kerkeling kennen, der vielen vermutlich bis heute völlig verborgen geblieben ist. Zumindest mir.

Kategorienfilm Tags:

Der Krampf um „Mein Kampf“

8. Januar 2016 2 Kommentare
No Gravatar

Ich bin… irritiert.

Seit vielen Jahren glaube ich ja schon, dass die Diskussion um Hitlers Buch „Mein Kampf“ am ehesten von dem Mythos lebt den ein Buch umgibt, das nicht verkauft werden darf. Vermutlich ist es inhaltlich eher… strange. Nach allem was man so hört ist Hitler ja nicht unbedingt der begnadete Autor.

Trotzdem würde ich es gern lesen. Weil mich immer schon interessiert, was unsere Geschichte ausmacht und ich glaube in all den historischen Fakten und interpretierten Wahrnehmungen ist eine solche Quelle historisch höchst interessant.

Jetzt gibt es also „Hitler, Mein Kampf: Eine kritische Edition„. Naja, geben ist auch eher so eine Sache: Bei Amazon z. B. ist das 59€(!) teure Buch derzeit gar nicht verfügbar.

Was mich aber so irritiert ist folgendes:

Zunächst scheint man der Meinung,  dass man uns nur eine kommentierte Fassung zumuten kann. Warum? Weil Nazis sich dafür interessieren, was Historiker kommentieren? Weil der Normalbürger sonst Gehirngewaschen wird? Weil geschichtsinteressierte Menschen wie ich nicht kritisch lesen können? Ich finde das sehr befremdlich.

Noch befremdlicher finde ich aber, was ich heute auf „derWesten“ lesen durfte:

In Duisburg hingegen hat Buchhändlerin Elisabeth Everts „unerwartet viele Nachfragen“ erhalten, „von Menschen, die wir bis dato nicht kannten und bei denen wir ahnen, aus welcher politischen Ecke sie kommen“. Wer das Buch bei ihr verlange, „muss uns nachweisen, dass man es tatsächlich für wissenschaftliche Zwecke nutzen will“. Dann würde Everts es auf Verlangen bestellen.

Wie jetzt? Ich soll einer Buchhändlerin nachweisen, dass ich ein Buch für wissenschaftliche Zwecke nutzen will? Das ist ja schon in sich unschlüssig: einen Beweis für eine Absicht zu erbringen ist ja schon mal per se nicht möglich. Aber ist das ernsthaft eine Gesinnungsprüfung? Aber geht noch besser:
„Nein, wir bieten das Buch nicht an“, sagt zum Beispiel Elisabeth Evertz, Chefin der alt eingesessenen Duisburger Buchhandlung Scheuermann. Auch wenn das renommierte Münchner „Institut für Zeitgeschichte“ (IfZ) hinter der Neu-Veröffentlichung steht, ist dessen umfangreich kommentierte „kritische Edition“ für Everts „noch immer eine Neu-Ausgabe von Hitlers Text. Den zu vertreiben verstößt gegen meine Auffassung von meinem Beruf als Buchhändlerin“.

Manche Buchhändler gehen gar so weit zu entscheiden, welche Bücher sie für lesenswert halten und welche nicht?

Ernsthaft? Der Beruf einer Buchhändlerin definiert sich darüber zu entscheiden wer welches Buch lesen darf? Legale Bücher, wohlgemerkt?

Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob die Leute eigentlich wissen, was sie da machen und sagen. Und dann hoffe ich immer, dass es nicht so ist.

Kategorieninfos Tags:

Schwere Ausschreitungen in einem serbischen Flüchtlingslager…

7. Januar 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Kategorieninternettes, mitmenschen, unsinn Tags:

Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht

5. Januar 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Manchmal…

… ist es so kurios.

Also…

Nachdem raus kam, dass Merkel von den Amerikanern bespitzelt wurde, hat Obama sie und andere unter einen besonderen Schutz gestellt. Spionage gegen andere Menschen ist okay, gegen Merkel nicht. Alles klar.

Certain allies, including German Chancellor Angela Merkel and French President François Hollande, were added to a so-called protected list, making their communications off-limits to the NSA.

Dann aber hat Obama erlaubt, die engsten Vertrauten von Merkel abzuhören. Also wenn Merkel mit ihren Beratern sprach war das kein Abhören von Merkel, sondern nur Zufall.

As a workaround, however, the White House authorized the NSA to target the communications of a select group of those leaders‘ top advisers.

Warum?
Weil man gerne wissen wollte, was Mama Angela mit Herrn Putin so spricht.
In the case of Ms. Merkel, U.S. intelligence veterans feared losing access to her private communications with Russian President Vladimir Putin.
Jetzt muss man wissen, dass das quasi Notwehr gewesen ist, weil man sich sicher war, dass der BND die Amerikaner ausforscht.
(…)especially given their belief that the intelligence agencies of many close U.S. allies, including Germany’s BND federal intelligence service, spy on the White House.
Okay…
Allerdings muss man Obama zu Gute halten, dass das Ausspionieren schon früher begann, nämlich wohl 2002.
The NSA started eavesdropping on the communications of friendly heads of state long before Mr. Obama came to office in 2009.
Da war allerdings Merkel auch noch nicht so richtig das Ziel. Sondern Schröder. Und es ging auch gar nicht um Putin, sondern um die deutsche Position zur „Einführung westlicher Werte und Demokratie“ im Irak.
The spy agency zeroed in on Ms. Merkel’s predecessor, Gerhard Schröder, when he was chancellor around 2002 in response to his government’s opposition to then-President George W. Bush’s plans to invade Iraq, former U.S. officials say.
Gut, bei Merkel war es auch nicht nur Putin.
The Bush administration wanted to better understand Ms. Merkel’s position on international negotiations designed to curtail Iran’s nuclear program, former officials said.
Und letztlich muss man den Amerikanern auch irgendwie ökonomisches Handeln unterstellen, denn schließlich nutzten sie ja beim Wechsel von Schröder auf Merkel einfach bestehende Technologie weiter, statt sie verkommen zu lassen.
When Ms. Merkel took over in Germany, there was little hand-wringing about whether to target her. „The machinery was in place. The machinery never stops,“ a former Bush administration official said.
Ich glaube man muss wirklich den ganzen Artikel auf Nsadaq.com 1 bis 20 mal gelesen haben um die verquere Logik zu verstehen, die hinter den „Sicherheitsbehörden“ steht. Und dann bliebt eigentlich nur eine einzige Analogie:
Kategorien1984, infos, politik Tags:

Wenn die Wahrheit nur die halbe Wahrheit ist

5. Januar 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Besonders in der Politik muss man oft nicht auf das achten was man lesen kann – sondern vor allem auf das was man nicht liest. Das kann man gerade wieder besonders schön sehen.

Gestern berichtete (auch) derWesten über Quecksilber in den Abgasen der Kohlekraftwerke und der Forderung der Grünen nach strengeren Grenzwerten:

Stein- und Braunkohlekraftwerke schädigen nicht nur das Klima, sie stoßen auch gesundheitsschädliche Gifte wie Quecksilber aus. Nach einer Studie, die die Grünen-Bundestagsfraktion in Auftrag gegeben hat und die dieser Zeitung vorliegt, bliesen die 53 deutschen Kohlemeiler im Jahr 2013 rund sieben Tonnen Quecksilber aus. „Es ist technisch möglich, den Quecksilberausstoß von Kohlekraftwerken zu reduzieren, das muss endlich passieren“, fordert der Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. (…)

Moderne Filtertechnik könne helfen, rund 85 Prozent der Giftwerte großer Braun- und Steinkohlekraftwerke zu vermeiden, meinen die Hamburger Forscher. „Alles andere ist gesundheits- und umweltpolitisch grob fahrlässig“, sagte der Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. „Deutschland ist mit Griechenland und Polen der traurige Spitzenreiter bei der Quecksilberfreisetzung in Europa.“ Der Politiker forderte die Bundesregierung auf, ähnlich strenge Emissionswerte wie in den USA einzuführen.

Und heute geht die Steag Voerde direkt in Verteidigungshaltung in auf derWesten liest man:

Zu der Forderung, die strengeren amerikanischen Grenzwerte sollten eingeführt werden, erklärt ein Pressesprecher der Steag, die die Kohlekraftwerke in Voerde betreibt: „Steag-Kraftwerke halten sowohl die derzeitigen als auch die ab 2019 verschärften Grenzwertvorgaben bereits heute ein.“ Der derzeit in Deutschland geltende Grenzwert von 30 Mikrogramm pro Kubikmeter werde eingehalten. Ab 2019 soll ein Grenzwert von zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gelten. Für das Kraftwerk West wurde im Jahresmittel 2015 ein Quecksilber-Emissionswert von 1,68 bzw. 2,18 Mikrogramm/Kubikmeter erreicht und für das Kraftwerk Voerde ein Wert von 1,71 bzw. 1,92.

Das ist natürlich Augenwischerei. Denn es ging nicht darum das die aktuell geltenden Grenzwerte nicht eingehalten werden – sondern das die erlaubten Grenzen viel zu hoch sind.

Denn über das Jahr setzt die Steag Voerde derzeit fast 120 kg Quecksilber frei. (Selbe Quelle wie zuvor)

Natürlich kann man sich hinstellen und sich gut fühlen wenn man sagt: 30 Mikrogramm sind erlaubt, bei uns sind es keine 3. Dann darf man sich aber nicht wundern, wenn man nicht ernst genommen wird.

Kategoriengedanken, infos, ökologisch, politik Tags: