Archiv

Archiv für die Kategorie ‘gedanken’

Steuern und Gehälter

25. April 2017 Keine Kommentare
No Gravatar

Ich finde Steuern sinnvoll. Denn damit wir all das bezahlt, was unsere Gesellschaft braucht und will: Straßen, Schulen, ein Sozialsystem und so weiter. In sofern klage ich eigentlich nicht über Steuern die ich Zahle. Ohne Steuern kann der Staat nix machen.

Manchmal aber möchte man sich schon ärgern:

Ich bin ja nun Mal Beamter des Landes NRW. Und die haben in den letzten Jahren für weniger Geld länger pro Woche und im Leben arbeiten dürfen und die Gehaltsentwicklung hält nichtmal mit der Inflation schritt. Geschweige denn mit den besonderen Ausgaben z. B. für die Private Krankenversicherung.

In diesem Jahr, ist es Zufall, dass es das Wahljahr trifft?, hat der Innenminister mal die Spendierhosen an: in 2017 gibt es zum 01.04 eine Erhöhung um 2%, mindestens aber 75€. Na gut, der April ist fast rum und vielleicht gibt es die im Mai. Und Brutto versteht sich.

Zum 01.01.2018 soll es dann noch mal 2,35% geben. Damit ist der Reichtum greifbar.

Oder nicht?

Denn still und heimlich steigt auch die Abgabenlast. In meinem Fall pro Gehaltserhöhung um 0,4%. Ja, richtig gelesen: von den tollen 2% kommen nur 1,6% bei mir an, die 0,4% verschwinden in der Tasche des Bundes. Und von den 2,35% kommenden Jahres sind es dann auch nur 1,95%.

Zum Vergleich: Im März lag die Inflation bei 1,6%. Also mache ich dieses Jahr Plus Minus Null.

Vielen Dank auch.

Kategoriengedanken, politik Tags:

Der kurze Moment der Hoffnung

13. April 2017 Keine Kommentare
No Gravatar

Aktuell kann man wieder sehr schön sehen, warum eine GroKo nicht gut für das Land ist:

Vorige Tage noch war ich froh gemut, dass die Bundesregierung die Zeichen der Zeit erkannt hat und eine Verkehrswende einleitet. Genährt hat diese Hoffnung eine Studie des Bundes(!)umweltministeriums, nach der ein Großteil der Menschen in Deutschland sich eine andere, als die PKW-zentrierte, Verkehrspolitik wünscht.

Aber nichts währt ewig und schon heute macht die SZ jede Hoffnung zu nichte:

Noch im November hatte der zuständige Staatssekretär im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann, unter Verweis auf die steigenden Nutzerzahlen im Nahverkehr auch höhere GVFG-Zahlungen in Aussicht gestellt. Der Betrag von derzeit etwa 330 Millionen Euro, den der Bund jährlich für Großprojekte im Rahmen des GVFG zur Verfügung stellt, solle aufgestockt werden. Inoffiziell war die Rede von 70 Millionen Euro mehr. Keine Riesensumme und trotzdem eine fast historische Zäsur in der deutschen Verkehrspolitik: Denn seit 1997 hat der Bund diese Zahlungen für den Nahverkehr nicht erhöht. (…)

Doch nun wird klar: Die Wende bleibt aus. Berlin wird die Mittel nun doch nicht erhöhen. Die Bundesregierung friert die Mittel stattdessen sogar auf Jahre hin ein. Aus dem Paket von Grundgesetzänderungen, das die Regierung zur Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen vorgelegt hat, geht hervor, dass die Mittel bis 2025 nicht erhöht werden können. Dort ist die Förderhöhe von 332 Millionen Euro festgeschrieben. Änderungen sind erst in acht Jahren möglich. Dann könnte die Zahlung sogar ganz eingestellt werden.

Da möchte man sich Haare raufen und laut schreiend im Kreis laufen. Denn das passt ja hervorragend dazu, dass der Bund weiter nur Mittel in homöopathischen Dosen für die Fahrradinfrastruktur zur Verfügung stellen möchte:

Autobahnen dagegen kosten, wenn man Statista glauben will, mal eben locker 10 Millionen Euro pro km.  Das wäre bei einem angenommenen Mittelwert von 1 Million Euro pro km Radschnellweg das 10-Fache.

Das ist auch der Grund, warum ich nur von guten Nachrichtchen sprechen möchte. Denn nach der Logik würde ja bei 25 Millionen für Radschnellwege 250 Millionen für Autobahnen geplant sein. Wenn man davon ausgeht, dass der Bund den Radverkehr wirklich ernsthaft als Alternative zum Autofahren aufwerten will.

Irgendwie beschleicht mich dieses „das kann doch alles nicht wahr sein“-Gefühl. Denn es ist doch mittlerweile unübersehbar, dass die Menschen in Deutschland das Auto nicht mehr als Mittelpunkt des Lebens und der Fortbewegung sehen:

Der Führerschein verliert bei jungen Menschen immer mehr an Bedeutung. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Fahrschüler in den kommenden Jahren deutlich einbrechen wird. Gründe dafür sind die demografische Entwicklung, ein gutes Mobilitätsangebot in den Städten und der Attraktivitätsverlust des Autos als Statussymbol.

Man ist geneigt, der Bundespolitik hier eine böse, besser: autofixierte, Absicht zu unterstellen. Anders kann man eigentlich nicht mehr erklären, warum die Vorschläge aus Berlin immer wieder die eigentlich guten Ansätze einer Verkehrswende ad absurdum führen – und damit das Auto weiter pushen.

Doch nicht die Russen?

7. Februar 2017 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Vor ein paar Tagen habe ich in den sozialen Medien mal einen Gedanken geäußert:

Mir fällt auf, dass seit einiger Zeit explosionsartig Websites entstehen, die extremes Gedankengut propagieren. Von Extrem-Veganern über Hardcor-Impfgegnern, von wir-werden-alle-sterben-Chemtrailern bis hin zu Knoblauch-gegen-Krebs-Spinnern. Und natürlich auch politisch, insbesondere stark rechtslastige „Die Regierung muss weg“-Websites.

Was mich am Zufall zweifeln lässt ist nicht nur die Menge der Websites, sondern vor allem die technisch hohe und oft auch textliche Qualität. Das passt nicht dazu, dass die meisten Menschen nur noch das Internet=Facebook sehen und gar nicht in der Lage scheinen, eigene Webpräsenzen aufzusetzen. Auch irritiert mich, dass besonders bei der neuen Rechten ja kaum jemand in der Lage zu sein scheint einen geraden Satz zu sprechen: und die sollen plötzlich ganze Aufsätze schreiben?

Wie ich das so poste kommen natürlich direkt die ersten Kommentatoren und sagen: Ganz klar, die Russen beeinflußen den Wahlkampf. Das macht Sinn, ist der Russe an sich ja das ultimative Böse *facepalm*

Auf die Frage nach einer seriösen Quelle zu solchen Annahmen wird auf „die Presse“ verwiesen. Das sei schließlich mittlerweile sowas wie Allgemeinwissen. Doof nur, dass die Presse das nicht her gibt. Im Gegenteil, auf tagesschau.de lese ich:

Nach Informationen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ fanden sie keine eindeutigen Beweise für eine russische Desinformationskampagne. „Wir haben keine Smoking Gun gefunden“, heißt es in Regierungskreisen.

Interessant ist, dass mans ich eine Hintertür offen lässt:

Denn aus der schwierigen Suche nach den Beweisen lassen sich zwei Schlüsse ziehen. Entweder gibt es den vermuteten Angriff durch Russland nicht. Oder die russischen Dienste sind schlau genug, sich nicht erwischen zu lassen. Die deutschen Agenten neigen eindeutig zur zweiten Version.

Das die Agenten damit ihre eigene Unfähigkeit unter Beweis stellen, während man zugleich an einer einfachen Erklärung fest halten möchte, überrascht nicht. Gleichwohl wirft es einige ernste Fragen auf:

Wenn es keine „Smoking Gun“ zu finden gab, bedeutet das wirklich, dass es sich um einen zufällig entstandenen Cluster handelt? Und wer wäre eigentlich noch möglicher Strippenzieher, wenn es sich um eine gesteuerte Aktion handelt? Oder könnte zufälligerweise die Kommunikationsstrategie verschiedener extremer Strömungen sich so ähneln, dass der Eindruck entsteht es gäbe eine militante-tierschützende-vegane-homöopathische-usfeindliche-regierungsfeinliche-deutschlandablehnende Taktik?

Es wäre durchaus interessant, wenn mal die eine oder andere Uni sich des Phänomens der Kommunikation im Internet annehmen würde. Mich würde wirklich interessieren ob mein Eindruck täuscht oder ob was dran ist. Und wenn ja: Was.

Kategorienfragestunde, gedanken, internettes Tags:

Heute vor 3 Jahren…

23. Januar 2017 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Vor drei Jahren stand an dieser Stelle eine Nachricht von Golem, dass bis heute Facebook 80% seiner Nutzer verlieren würde.

Und ich wollte das auf Wiedervorlage packen. Was ich hiermit gemacht habe. Und? Wie sieht es aus?

Kategoriengedanken, infos, internettes Tags:

Ekel am Morgen – Danke SpOn.

12. Januar 2017 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Wenn Frauen sexuell belästigt werden, ist das schlimm. Keine Frage. Es ist einfach unserer Zivilisation nicht angemessen, wenn Männer „sich nehmen was sie wollen, weil sie können“. Schlimm ist aber auch, wenn Frauen den Vorwurf, belästigt worden zu sein, nutzen um gegen Männer vorzugehen.

Heute morgen im Spiegel lese ich dazu einen Beitrag von Frau Stokowski, bei dem mir schlecht wird. Der Grund ist einfach: Jeder aufgeklärten Frau muss klar sein, dass der falsche Vorwurf der sexuellen Belästigung erhebliche Probleme mit sich bringt. Denn wenn es mal raus kommt, führt es zwangsläufig zu einem Glaubwürdigkeitsverlust für tatsächliche Opfer.

Für Frau Stokowski allerdings ist in erster Linie bedauerlich, das die „Geheimwaffe“ nicht funktioniert wie gewünscht:

Jedes Mal, wenn ein prominenter Mann mit Vorwürfen der Belästigung oder Vergewaltigung konfrontiert ist, hört man von irgendwo, dass Frauen in dieser Hinsicht die absolute Macht über Männer hätten. Mit einem Wisch könnten wir damit Karrieren, Firmen, Familien und ganze Existenzen zerstören. Eine Art Geheimwaffe, die aber gar nicht so geheim ist. (…)

Es gibt für Leute, die mit Missbrauchs- oder Belästigungsvorwürfen konfrontiert wurden, Schlupflöcher von der Größe des Weißen Hauses. Auch kann man danach weiterhin noch ein gefeierter Regisseur sein, (…)

(Hervorhebung von mir)

Nur zum Verständnis: Frau Stochowski beklagt, dass es für Männer die mit Vorwürfen (nicht: Beweisen, Urteilen oder irgend etwas anderem handfesten) „Schlupflöcher“ gäbe, die die Wirksamkeit der „Waffe“ reduzieren. Das sie das auch so meint, erschließt sich aus dem Rest des Beitrags:

Wenn es so einfach wäre, jemanden wegen Belästigung, Missbrauch oder Vergewaltigung verurteilen zu lassen oder zumindest im großen Stil unbeliebt und machtlos zu machen, dann müssten Frauen mit einem Mindestmaß an krimineller Energie das doch tun. Dann hätten linksextreme Feministinnen längst die AfD zerstört. Ich schwöre: längst. (…)

Es wäre kein so großes Opfer, wenn man die dadurch loswerden könnte. Hätte, wäre, könnte, wenn: Es geht nicht.

Nur zum Verständnis: Es geht wegen der „Schlupflöcher“ nicht. Sonst jätte man mit einem Mindestmaß an krimineller Energie der Gesellschaft doch einen großen Dienst erweisen können. Und der Karriere, weil der Vorgesetzte gehen musste. Und der Nachbarin, weil man deren Mann endlich los wurde, den man noch nie leiden konnte.

Dieser Beitrag von Frau Stochowski ist so ziemlich das Schlimmste, was ich seit langem gelesen habe. Weil er den falschen(!) Vorwurf der sexuellen Belästigung unter Berücksichtigung aller möglicher Folgen…

Mit einem Wisch könnten wir damit Karrieren, Firmen, Familien und ganze Existenzen zerstören.

… zu einem quasi legitimen Mittel im Kampf um die Vorherrschaft macht und nur zu bedauern sei, dass es immer noch Möglichkeiten gäbe, sich dagegen erfolgreich zu wehren. Was an sich schon schwer ist, denn wie zum Teufel soll man als Mann beweisen etwas nicht getan zu haben, dessen bloße Behauptung Empörungswellen auslöst?

Wenn Frau Stochowski schreibt:

Wer das glaubt, muss aber irgendwie auch erklären können, warum auf diese Art nicht reihenweise unliebsame Männer aus dem Weg geschafft werden.

Dann muss ich dagegen halten: Niemand weiß, wie viele ihre Unschuld beteuernden Menschen, die tatsächlich niemals etwas falsches gemacht haben, nur auf Grund einer glaubhaften, aber gelogenen Aussage einer vermeintlich betroffenen Frau ruiniert wurden.

 

Kategoriengedanken Tags:

War ja auch zu schön – und deswegen hält man die Fresse

20. Dezember 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Nach dem verheerenden Anschlag in Berlin schossen sofort die üblichen Spekulationen ins Internet. All die rechten Vollhonks fühlten sich sofort berufen, heraus zu schreien, dass nun Blut an Merkels Händen klebe. Und das es doch bestimmt und mit Sicherheit ein „Flüchtling“ gewesen sei.

Die Presse machte, wie so oft, nicht die beste Figur. Und das ist ein schönes Zeichen dafür, warum man eben nicht sofort mit Sondersendungen und Live-Tickern agieren sollte. Vielmehr sollte man den Spezialisten der Polizei Zeit geben, ihre Arbeit zu machen.

Aber was rede ich. Das ist am Ende 2016 ebenso passe, wie die Konzentration auf tatsächliche Fakten. Und wenn die dann auch noch ins Begehr des rechten Mobs passen, hat man eine Ahnung, was passieren wird. Und spätestens mit diesem Post von DasErste war der Damm gebrochen und der Hass ließ sich freien Lauf in den Sozialen Medien:

Nicht ein einziger Fakt, dafür 4 Annahmen, die sich auf Gerüchte stützen. Und der Hinweis, dass das nicht bestätigt ist. Die Frage warum man es trotzdem herausposaunt, ist wohl Nebensache.

Heute hört sich das ganz anders an, z. B. auf der Wesbeite der Welt ab 2m 48s.:

Die Angaben des mutmaßlichen Täters seien überprüft und als korrekt erachtet worden. „Wir haben den falschen Mann“, heißt es in der Berliner Polizei. „Und damit eine neue Lage.

So was interessiert den Mob natürlich nicht. Der ist entfesselt.

Als mir klar war, was da passiert, habe ich mir eine Social-Media-Pause gegönnt. Und nach all dem, was ich so aus dem Freundeskreis höre, war das auch gut. Wohin das noch führen soll und wird, vermag ich mir heute gar nicht vorstellen.

Kategoriengedanken Tags:

Wie…

8. Dezember 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

…arschgeil ist das denn bitte???

Kategoriengedanken Tags:

wir dürfen nicht vergessen

26. November 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Kategoriengedanken, mitmenschen, politik Tags:

Geh raus, haben sie gesagt. Wird dir gefallen, haben sie gesagt.

20. November 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Ein beliebter Scherz unter Nerds ist ja, dass die Grafik im echten Leben zwar gut sein, Storyline und Handling aber für die Tonne. Und wenn man dann mal die Sci-Fi-Literatur betrachtet, kommt noch ein wesentliches Element hinzu:

Immer wenn es um virtuelle Realitäten geht, wie in Neuromancer, Otherworld und anderen, wird auch die Grafik bemängelt. Viele der Geschichten drehen sich darum, dass Menschen süchtig nach VR werden, weil ihnen dort eine Welt vorgespielt wird, die so viel schöner, bunter und Actionreicher ist als die triste Wirklichkeit.

Das ist ein interessantes literarisches Motiv, dessen Anfänge aus einer Zeit stammen, als es noch keine richtige VR gab. Deswegen kann man sich leicht vorstellen, wie verlockend es gewesen sein muss, aus diesen Gefühlen eine Sucht zu entwickeln, die Protatgonisten immer wieder in die virtuelle Welt treibt.

Heute ist VR ein kleines bisschen weiter, aber so wirklich „die Sinne betörend“ ist es ja eigentlich noch nicht.

Oder?

Beim Surfen im Netz bin ich auf einen absolut faszinierenden Blogbeitrag von Tobias van Schneider gestoßen:

In the first couple minutes after any VR experience you feel strange, almost like you’re detached from reality. (…)

But what stays is a strange feeling of sadness & disappointment when participating in the real world, usually on the same day. The sky seems less colorful and it just feels like I’m missing the „magic“ (for the lack of a better word).

Das ist unglaublich faszinierend zu lesen. Denn man kennt ja gewissen Sucht-Erscheinungen von verschiedenen Medien. Beziehungsweise postulierte Suchterscheinungen: Vom Online sein, vom mit dem Handy spielen, von Nachrichten schreiben und Surfen auf Facebook.

Aber wie viel stärker muss es sein, wenn diese Technologie direkt und unmitebar auf die Sinne einwirkt? Mindestens auf Augen und Ohren, aber halt auch auf Tastsinn und zukünftig auf den Gleichgewichtssinn?

Ich hätte nicht gedacht, dass die „Onlinesucht“, wie ich sie aus meinen Büchern kenne, schon heute ein Faktor ist. Und ich bin gespannt, wie unsere Gesellschaft auf diese Entwicklung reagiert. Ein mögliches Szenario, ebenfalls aus den Büchern, ist ja, dass wir die Wirklichkeit verfallen lassen – mit zunehmendem Eintauchen in digitale Wirklichkeiten.

Und mein persönlicher Eindruck ist, dass wir natürlich auch auf diese Art der revolutionären Technik genau gar nicht vorbereitet sind. Und das Erste was viele Leute davon erleben werden, der Ruf nach Verboten sein wird. Wetten?

Kategoriengedanken, technik Tags:

Wie damals die NSDAP salonfähig wurde – oder: Warum heute CDU und FDP gemeinsam mit der AFD stimmen

14. November 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Als ich noch zur Schule ging, fand ich es ätzend, wie oft wir im Geschichtsunterricht über die Entstehung des Dritten Reiches gesprochen haben. Rückblickend war das offensichtlich sehr sinnvoll. Denn gerade im Bezug auf die AFD fühle ich mich immer wieder in die Zeit damals zurückversetzt. Was nicht nur an den ewig-gestrigen Forderungen der AFD liegt.

Das offensichtlich die am rechten Rand ohnehin stark fischende CDU keine Berührungsängste haben dürfte, verwundert da nicht. Das die um ihr überleben kämpfende FDP zu aller Art Unsinn bereit ist, nimmt man ja auch eher als „ist halt so“ hin.

Wenn aber die CDU und die FDP gemeinsam mit der AFD gegen die SPD agieren, dann müssen alle Alarmsirenen losheulen. Und zwar mit Lautstärke 11 von 10.

In Berlin kam es jetzt zu einem solchen Verhalten. Anlass dafür war die SPD-Frau und Rechtsanwältin Franziska Drohsel, die sich in den Bezirksrat wählen lassen wollte. Deren politische Gegner werfen ihr vor, bis 2009(!) den Verein Rote Hilfe unterstützt zu haben. Dieser Verein ist nicht verboten, wird jedoch vom Verfassungssschutz als Linksextrem eingestuft. Wikipedia definiert sein Wirken wie folgt:

Die Rote Hilfe unterstützt Beschuldigte, Angeklagte und Straftäter aus dem linken Spektrum. Dies geschieht primär durch juristische Unterstützung derjenigen, die bei politischen Aktivitäten verhaftet wurden, die von Strafverfolgung betroffen sind oder gegen die Ermittlungsverfahren anhängig sind. Die Rote Hilfe leistet Unterstützung durch Medienarbeit, Beratung und gemeinsame Vorbereitung von Prozessen, Organisieren von Demonstrationen und bezuschusst vor allem Rechtsanwalts- und Verfahrenskosten.

Im Ergebnis führte dies jetzt dazu, dass Franziska Drohsel nicht in den Bezirksrat einzieht. Nachdem im ersten Wahlgang die CDU, FDP und AFD gegen sie stimmten, zog sie ihre Kandidatur zurück. Dieser Vorgang ist in der neueren Geschichte Deutschlands sicherlich einmalig.

Die Berliner Zeitung zitiert dazu den SPD Fraktionsvorsitzenden Volker Semler wie folgt:

„Dieser im Bezirk bisher einmalige Vorgang, eine legitime Stadtratskandidatur mit aus der Vergangenheit hergeholten Begründungen im Schulterschluss mit der AfD zu verhindern, ist eine schwere Hypothek für die Arbeit des Bezirksamtes.“
Insgesamt ist das Verhalten der CDU und der FDP hier mehr als kritisch zu hinterfragen. Ohne Not macht man sich zum Erfüllungsgehilfen der AFD und „bestraft“ eine Politikerin dafür, vor annähernd 10 Jahren in einer nie verbotenen Organisation Mitglied gewesen zu sein. Dieser Vorgang ist alarmierend undemokratisch und sollte allen Menschen in Deutschland als Warnung dienen!
Kategoriengedanken, politik Tags:

Der Landtagskandidat der AFD Wesel

12. November 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Die AFD schickt für den Landtagswahlkampf Stefan Kawinski ins Rennen. Und das verspricht einen gewissen Unterhaltungswert.

Vorab: Ich hatte inzwischen die Gelegenheit, Stefan etwas näher kennen zu lernen und glaube, dass er eigentlich das Richtige will, sich aber bei der Wahl des Werkzeugs einen Bärendienst erweist. Allerdings erwächst daraus ein gewissesn kommödiantisches, sich selbst befeuerndes Werk von aneinander gereihten Merkwürdigkeiten.

Stefan Kawinsikif fiel mir das erste Mal auf, als er ein Sharepic postete. Leider kann ich das in seiner Timeline nicht mehr finden, aber man hat ja Screenshots 😉

14720551_208345259595876_8578439377324745956_n

Seine Qualifikation, so damals seine Aussage, sei Berufserfahrung. Und die hat er. Sehr viel als Berufskraftfahrer. Was ich einen gesellschaftlich wichtigen Beruf finde – mir aber doch überlege, warum man sich selbst so ins Bein schießt. Denn als Berufskraftfahrer gilt man ja leider nicht unbedingt als Bildungselite. Wenn ich aber doch den Beleg bringen möchte, dass die AFD soweit vor den Grünen ist…

 

Nun ja. Geschenkt.

Stefan Kawinski hat aber auch Angst, missverstanden zu werden. Deswegen postet er auch ein Sharepic, dass seine persönlichen Standpunkte definiert:

img_9140Das ist gleich in mehreren Punkten interessant:

  • Schon im ersten Satz, wenn auch in komisch klingendem Deutsch (gegen jede statt von jeder): Mit diesem Satz will er sagen: Seht her, ich bin nicht rechtsextrem und finde rechtsextrem so Scheisse wie linksextrem. Das ist natürlich putzig von jemandem, der einer offen rechten Partei angehört. Zumal wenn es dann so weiter geht:
  • Er bekennt sich zur Deutschen Kultur und den damit verbundenen Bräuchen. Damit meint er mit Sicherheit Nikolaus (Grieche), Weihnachten (Konsumfest und Wintersonnenwende), St. Martin (Ungarn), Ostern (Heidnisch). Ich könnte ewig so weiter machen, aber ich glaube er ist sich einfach nicht im Klaren, wovon er redet. Wobei…
  • Sein Wunsch, alles sei so wie früher, der ist schon sehr konkret. Deutschland wieder aufbauen, nachdem es völlig zerstört wurde (nachdem wir einen Krieg geführt haben, an dem seine Großeltern vermutlich beteiligt waren). Der Tankwart der das Auto voll tankt, wenn der Man von der Arbeit nach Hause kommt, wo die Frau die Bude geputzt, die Kinder erzogen und das Essen gekocht hat. Gut, so kann man leben wollen. Daraus aber Politik machen? In 2016? Really?
  • Dann kommt das erste Mal das deutsche Recht. Ich hätte mir gewünscht sein erster Satz wäre „Ich bekenne mich zum Grundgesetz und der freiheitlich demokratischen Grundordnung“. Hier aber setzt er das Grundgesetz in Kontext mit der Sharia, offensichtlich völlig unbeeindruckt von der Tatsache, dass es gerade das Grundgesetz ist, dass einen sakulären Staat erlaubt. Wenn ihm das vielleicht bei Gelegenheit mal jemand erklären könnte?
  • Und schließlich fordert er einen gesunden Patriosmus den jedes Land zum Funktionieren bräuchte, abgeschlossen mit der rhetorischen Frage warum es in Deutschland anders sein sollte. Warum ein Land sowas brauchen soll, das gesunder Patriotismus überhaupt ist, das sind alles Nebensachen, über die man offensichtlich nicht diskutieren braucht.

Ingesamt wirkt das wie ein missglückter Befreiunngsschlag. „Ich bin doch gar nicht so übel“ und „ihr wollt es doch auch“ ist dann bei näherem Hinsehen halt doch nur rechts Stammtischgebrabbel.

Stefan ist übrigens ein richtig emsiger Arbeitnehmer. Der, wenn ich richtig gezählt habe, sogar deutlich länger auf dem Bock sitzt als erlaubt. Und trotzdem auf die Tränendüse drücken muss. Weil einfach am Ende des Monats kein Geld mehr übrig ist.

img_9141

Übrigens findet man dafür noch den einen oder anderen Hinweis in seiner Timeline.

Zum Beispiel seine Nähe zur jungen Freiheit:

img_9149

Seine Haltung zum öffentlich rechtlichen Rundfunk:

img_9143

Seine Links zu „unser Mitteleuropa“ (die Seite verlinke ich mit Absicht nicht, Ansehen lohnt aber):

img_9142

Sexualkunde ist ihm natürlich auch ein Dorn im Auge. Vor allem darf man doch Kinder nicht dazu animieren, sich durch experimentieren an die eigene Sexualität heran zu tasten. Damit einher geht auch eine starke Ablehnung des „Gender“. Wenn ihm mal kurz jemand das Wort übersetzen würde? Aber weil er halt so dagegen ist, hält er es halt mit der AFD Deutschland.

img_9146

img_9147img_9148

 

Das ist alles so irre, dass man nicht ernsthaft glauben mag, was man da liest. Wenn man sich mit der AFD Wesel ingesamt beschäftigt, wird es übrigens durchweg noch kurioser.

Kategoriengedanken, politik Tags:

SUPER-Illu: das neue Kampfblatt der Rechten?

7. Oktober 2016 Kommentare ausgeschaltet
No Gravatar

Aus dem Bereich: Dinge die mich fassungslos machen!

Vor ein paar Tagen habe ich hier über die gefährliche Verbindung von CDU, AFD, SUPER-Illu und dem rechten „Problem“ im Osten geschrieben. Offensichtlich habe ich mit meiner Ahnung nicht ganz so daneben gelegen, wie mir lieb wäre.

Denn heute lese ich auf der Seite des CDU-Politikers Arnold Vaatz (Dresden) seine Kolumne in der… richtig: SUPER-Illu. Und seine Erklärung für die rechte Gewalt im Osten ist so logisch wie stichhaltig, dass ich kaum weiß, was man dem noch hinzufügen könnte:

„Und hier sind die Hemmschwellen schon seit Jahrzehnten aus dem Weg geräumt: Durch eine gewalttätige westdeutsche Linke“

Ab hier ergießt er sich dann in einer in meinen Augen irren Theorie die alles erklärt, nur eben nicht den sprunghaften Anstieg rechter Gewalt. Oder kann mir mal kurz einer erklären, was ein Graffitti damit zu tun hat, wenn gewalttätige Menschen einen 5jährigen in seinem Zuhause zusammenschlagen?

Offensichtlich ist die CDU im Osten in Teilen sehr nah an der AFD, die wiederum mit der SUPER-Illu und dem Burda-Verlag willfährige Helfer finden konnte. Zum Kotzen.

Kategoriengedanken Tags:

Wer nichts zu verbergen hat….

17. September 2016 2 Kommentare
No Gravatar

Im Spiegel bin ich gestern auf einen interessanten Artikel gestoßen. Es geht vorgeblich um die vermeintlichen IS-Terroristen, die man in Schleswig Holstein entdeckt hat. Allerdings bedient der Artikel m. M. n. eine ganz andere Zielrichtung, als die Berichterstattung über Terror. Deswegen arbeite ich mal Absatz für Absatz durch ihn durch:

Die drei mutmaßlichen Kämpfer des „Islamischen Staates“ (IS), die neun Monate lang in Asylunterkünften in Schleswig-Holstein lebten, haben nach Auffassung der Ermittler großen Aufwand betrieben, um unentdeckt zu bleiben.

Hier lesen wir: Wer seine Kommunikation vor dem Staat verbirgt, ist verdächtig. Denn tatsächlich haben die Männer ja Asylanträge gestellt und damit genau das Gegenteil gemacht, von sich verstecken. Es geht hier nicht um die Personen, sondern deren Kommunikation:

Die drei Männer kommunizierten nach Informationen des SPIEGEL laut ersten Ermittlungsergebnissen über die Messengerdienste Telegram, Viber und Skype, die wegen ihrer Verschlüsselung von den deutschen Behörden schwer zu überwachen sind.

Ich nutze Threema. Das eigentlich gar nicht zu überwachsen sein dürfte. Skype und Co gehen meines Wissens nach nur per Quellen-TKÜ. Aber hier wird der Eindruck von der Einleitung noch mal untermauert und durch die konkrete Nennenung wird deutlich gemacht: Verschlüsselung ist böse, denn sie verhindert, dass der Staat uns vor Terror schützt. Und nur Terroristen verschlüsseln!

Zudem wechselten sie offenbar mehrmals die Sim-Karten ihrer Telefone. In einem Fall mietete einer der Männer eine temporäre Telefonnummer im Internet, über die eine Verbindung zu einer „relevanten Person“ in Rakka, der IS-Hochburg in Syrien, zustandegekommen sein soll. Bis auf das Wort „Hallo“ wurde allerdings nichts gesagt.

Eine Verbingung zustande gekommen sein soll? Also nix genaues weiß man nicht. Aber der Absatz unterstreicht das Bestreben der Bundesregierung, anonyme SIM-Karten und damit anonyme Kommunikation zu unterbinden. Denn nur Terroristen wollen anonym kommunizieren, alle anderen haben nix dagegen, wenn  der Staat beliebig soziale Graphen aufbaut.

US-Dienste waren an der Überwachung der drei Verdächtigen maßgeblich beteiligt.

Jetzt hört endlich auf mit NSA-Skandal, Snowden und der ständigen Kritik an der Datenweitergabe des BND an die Amerikaner. Alleine kann Deutschland Eure Sicherheit nicht gewährleisten.

Bei der Durchsuchung ihrer Wohnungen am Dienstag entdeckten die Ermittler mehrere Computer, Mobiltelefone und 1500 Dollar in bar, allerdings weder Sprengstoff noch Waffen.

Wir haben zwar nix schlimmes gefunden, aber ausländische Währungen in der Währung, die überall auf der Welt akzeptiert wird, das ist bei Flüchtlingen doch total unüblich. Ebenso der Besitz von Mobiltelefonen und Computern. Na, fällt Euch was auf?

Ibrahim M., Mohamed A. und Mahir Al-H. waren Ende vergangenen Jahres aus Syrien nach Griechenland gekommen. Sie wurden am 13. November 2015 in Mytilini auf Lesbos als Flüchtlinge registriert – dem Tag, an dem IS-Terroristen in Paris 130 Menschen töteten.

Erinnert Ihr Euch noch an den ersten Absatz aus dem Artikel? Jetzt sind sie nicht verdächtig, weil sie versteckt waren, sondern sich an dem Tag registrieren ließen, an dem in Paris die Anschläge waren. Das kann doch kein Zufall sein…

Alle drei wurden schließlich am 7. Dezember im schleswig-holsteinischen Boostedt erkennungsdienstlich behandelt. Danach wurden sie als potenzielle Gefährder zum Teil rund um die Uhr verdeckt überwacht.

Warum sie potentielle Gefährder sein sollen, erfahren wir leider nicht. Und merkt Ihr was? Für die Rund-um-die-Uhr-Überwachung müsst Ihr kein Täter sein. Ihr müsst auch nicht Gefährder sein, also Menschen von denen man annimmt, dass sie Täter werden. Es reicht schon „potentieller“ Gefährder zu sein. Also vermutlich jemand der gerne anonym telefoniert oder einen verschlüsselten Messenger verwendet.

Die Behörden sorgten dafür, dass sie in räumlicher Nähe zueinander untergebracht wurden, um sie besser observieren zu können. Die Asylanträge der drei wurden bewusst nicht entschieden, um weiteres Beweismaterial sammeln zu können. Die Ausbeute nach rund neunmonatiger Observation war gering.

Also weil wir annehmen, dass sie zusammen gefährlich sind, bringen wir sie zusammen um zu sehen wie gefährlich sie sind und sehen im Ergebnis, dass wir so klug sind wie zuvor. Alles klar?

Und dann, der ultimative Beweis der Schuld:

Allerdings sollen die Pässe der drei Männer aus derselben syrischen Fälscherwerkstatt stammen wie die Dokumente zweiter Attentäter aus Paris.

Ähm ja. Mal abgesehen davon, dass es vermutlich wenig Fälscherwerkstätten gibt und bei gleicher Herkunft sowas nicht unüblich sein dürfte, ist hier der Schlusssatz im Artikel NICHT, dass die Observation wenig brachte. Sondern, dass die Pässe möglicherweise gefälscht wurden und zwar möglicherweise von den Fälschern die auch die Ausweise der Attentäter von Paris (siehe „Zufall“ weiter oben) gefälscht haben.

Im Fazit lernen wir aus dem Artikel also gar nichts. Wir lesen aber einen Artikel, der in jedem einzelnen Punkt die Sicherheits- und Überwachungshysterie der Bundesregierung widerspiegelt.

Wenn das „guter“ Journalismus ist, der sich so kritiklos auf könnte, sollte und müsste und die Bundesregiergung sagt verlässt, dann haben wir in Deutschland auch kein Problem zu erklären, warum die AFD solche Erfolge feiert.

Kategorien1984, gedanken, politik Tags:

Autofahren ohne Nachdenken. Geht, ist dann aber halt Scheisse.

3. September 2016 3 Kommentare
No Gravatar

Es gibt ja durchaus Momente im Straßenverkehr, bei denen man sich fragt: Was zur Hölle hat der jenige (oder die) sich dabei gedacht? Haben die überhaupt gedacht oder war das der Versuch ohne aktiviertes Großhirn zu existieren?

Eine solche Situation gab es gestern in Wesel. Und ich muss ehrlich sagen, ich bin fassungslos. Aber so total.

Auf dem folgenden Bild seht Ihr das Endergebnis: Polizei, Feuerwehr, einen großen Strafzettel und eine teure Rechnung für einen Autofahrer.
IMG_8556[1]

Was war passiert?

Ich habe mich genötigt gesehen, einen PKW-Fahrer auf dem Zubringer zur A3 zu bitten anzuhalten. Der Grund dafür war einfach: Ein Loch im Tank, durch das eine erhebliche Menge Kraftstoff auslief und quer durch Wesel eine Spur zog. Auf mein Drängen(!) hin rief er dann auch endlich mal die Feuerwehr.

IMG_8555[1]

Und ich die Polizei.

Natürlich kann man sagen: Ja mei, ein Auto kann mal kaputt gehen. Und es kann auch mal ein Loch im Tank sein. Muss man deswegen gleich die Polizei rufen? Muss man sich deswegen gleich aufregen? Ein Faß aufmachen? Das ist doch total über….

Und deswegen jetzt hier die Vorgeschichte:

Nach einer Sitzung gestern war ich in Wesel tanken. Dabei habe ich gesehen, dass zwei aufgeregte Frauen neben mir einen weiteren Tankstellenkunden auf sein Auto hinwiesen. Unter dem fleissig der gerade getankte Super-Kraftstoff hervorlief. Erst auf Drängen der Frauen(!) ist er dann in den Kassenraum und hat sich einen Eimer mit Bindemittel geben lassen. Er ging streuen, ich bezahlte.

Als ich gerade raus ging, kam der Herr rein und sagt: Ich glaub das reicht nicht. Stellte den Eimer hin und ging.

Zu seinem Auto.

Stieg ein.

Fuhr los.

An der Stelle war ich völlig von der Rolle.

Erstens sind Tankstellen so gebaut, dass auslaufender Kraftstoff nicht ins Grundwasser oder die Kanalisation laufen kann. Der stand also theoretisch am best möglichen Ort für so eine Panne.

Zweitens aber, und das war noch krasser, stand an der Tankstelle sogar ein ADAC-Engel und half gerade einem anderen PKW. Dem gelben Engel ein Wort zugerufen und ich wette, er wäre sofort herbeigeeilt um zu helfen. Eine Wanne zum unterstellen hätte man sicher auch im Bereich der Tanke gefunden. Alles kein Drama. Aber nein, der Typ fuhr einfach los.

1Auf dem Foto hier seht ihr wie er gerade am ADAC vorbei gefahren ist und auf die Straße abbiegt. Im Bogen zwischen dem BMW und dem ADAC hindurch. Der schwarze Strich unter seinem Auto ist das Benzin. Wir standen beide in die gleiche Fahrtrichtung. Der ADAC-Wagen hatte seine gelben Leuchten an. Völlig unmöglich, dass er den (von mir rechts stehend) übersehen haben könnte.

Und so ist der, I kid you not, dann am Bahnhof vorbei in Richtung Autobahn gefahren. Nach mir die Sintflut.

Ich frage mich was der gedacht hat wie weit er damit kommt? Wie kann man so absurd neben der Spur sein, dass man weiß das man ein größeres Loch im Tank hat und trotzdem auf die Autobahn wollen? Wie kann man so überhaupt losfahren, statt Maßnahmen zu treffen, eine drohende ökologische Katastrophe zu verhindern?

Ehrlich.

Ich raffe es nicht.

 

Kategoriengedanken, mitmenschen, ökologisch Tags:

Lohfink: Liebe Leute, kommt mal wieder runter

23. August 2016 2 Kommentare
No Gravatar

Normalerweise halte ich mich aus solchen Vergewaltigungs-Prozessen heraus, die mehr in der Öffentlichkeit stattfinden als da wo sie hin gehören. Manchmal aber bin ich doch sprachlos und frage mich ernstlich, was eigentlich gerade schief läuft. Und das nicht erst, seit versucht wurde, Kachelmann auch nach seinem Freispruch öffentlich hinzurichten.

Dementsprechend war mir heute morgen klar, dass das bestimmende Thema heute das Urteil gegen Frau Lohfink sein wird. Normalerweise wäre hier Klappe halten angesagt, wegen der Schere im Kopf: Egal was für eine Position Du beziehst (vor allem als Mann), irgendwer wird immer ausflippen.

Einer der ersten Blogbeiträge die mir zu dem Thema heute morgen in die Timeline gespült wurden, war der von Frau Maja. Nach dem Lesen dachte ich mir drei Dinge:

  1. Die tatsächlichen Beweggründe des Gerichts spielen keine Rolle – warum nicht?
  2. Die geschilderte Angst irritiert mich, weil der hier geschilderte Sachverhalt kaum alltäglich scheint.
  3. Das Gleichnis mit dem Alkohol irritiert mich.

Vor allem das mit dem Alkohol: Eine Vergewaltigung ist nicht mehr oder weniger schlimm, wenn das Opfer (oder der Täter) vorher Alkohol konsumiert hat. Auch wenn man jetzt die verminderte Schuldfähigkeit anführen mag, für mich persönlich ist Vergewaltigung eine Tat die unabhängig von äußeren Einflüssen statt finden: Alkohol ist so wenig ein valider Grund wie das Tragen „aufreizender Kleidung“.

Trotzdem macht die Bloggerin den Vergleich auf, dass sie sich jetzt ja nicht mehr betrinken könnte.

Mir stellt sich die Frage ob man sich überhaupt, als Mann oder Frau, in irgendeiner Umgebung betrinken sollte. Denn das ist für mich etwas, dass ich völlig separat bewerte. Betrunkene stellen gerne eine Gefahr für sich und ihre Umwelt dar.

Insofern halte ich es auch für gefährlich zu sagen, dass wenn keine K.O.-Tropfen attestiert werden konnten (neben anderen Ungereimtheiten, die das Urteil laut Presse aufzeigt) – ist es dann klug zu sagen, dass es egal ist ob K.O.-Tropfen oder Alkohol im Spiel waren? Die Schlussfolgerung ist natürlich richtig, dass es keinen Unterschied machen darf ob das Opfer betrunken war oder nicht. Es muss aber einen machen, wenn die Tat noch mals verschlimmert wurde, wenn das Opfer unter Drogen gesetzt wurde.

Ich habe Frau Maja in einem Tweet darauf hingewiesen, dass ich das für problematisch halte. Leider bietet Twitter nur 140 Zeichen und ich wäre gerne in eine Diskussion darüber eingestiegen. Die Antwort aber überraschte mich doch:

. achso! Also ich besoffen bin und mich jemand vergewaltigt bin ich selbst schuld? Ich bin es so leid sowas zu lesen. *kotz*

Da frage ich mich doch: Geht’s noch?

Als hätte ich das gesagt. Im Gegenteil: Frau Maja verbreitet hier schlicht die Unwahrheit, wenn sie sagt, ich hätte gesagt das Vergewaltigungsopfer selbst schuld sind, wenn sie betrunken vergewaltigt werden. Was für ein Käse.

Aber genau diese Art der hochemotionalen Reaktion ist es, die es so schwierig macht hier ein wirklich wichtiges Thema zu diskutieren. Nämlich den Spagat zwischen wirksamen Schutz vor Vergewaltigung, der angemessenen Bestrafung und dem Schutz vor dem falschen Vorwurf der Vergewaltigung. Und eben auch der Bestrafung bei falschen (erfundenen?) Vorwürfen.

Damit hat sich für mich Frau Maja leider selbst aus der Diskussion auf die denkbar ungünstigste Art und Weise verabschiedet. Ihre nachfolgenden Tweets sind auch kein bisschen besonnener, sondern bringen eine extreme Wut zum Ausdruck. Weil natürlich sind die Leute die anderer Meinung sind, Anti-Feministen.

Ich weiß nicht ob ich der einzige bin, der der Meinung ist, dass Unwahrheiten und hoch emotionale Wutausbrüche genau das sind, was der Feminismus nicht braucht. Ich würde mir wünschen, dass Menschen, die ich eigentlich wegen ihrer Intelligenz schätze, erkennen, wie wichtig es ist hier ein wenig mehr Fingerspitzengefühl zu zeigen.

Und weswegen ich hoffe, dass wir in der gesamten Diskussion ein Level finden, das nicht von Emotion sondern von Sachlichkeit geprägt ist.

Wenn uns das nicht gelingt, werden zukünftig die besonnenen Kräfte die Diskussion scheuen. Weil sie keine Lust haben, durch Wutreaktionen wie hier dokumentiert in eine Ecke gestellt zu werden. Ich will mir nicht vor einem Post überlegen müssen, ob irgendjemand das wieder bewußt falsch versteht. Sondern ich möchte das wir uns alle als vernunftbegabte Wesen gegenüber stehen und begreifen, dass andere Meinungen nicht immer „das Böse“ sind.

Nachtrag: Ich fand den Beitrag von Udo Vetter zu dem Thema sehr lesenswert:

Damit zeigt sich, dass der Fall der denkbar schlechteste war, um ein zweifellos wichtiges Thema zu diskutieren. Nämlich die Frage, ob in Deutschland die sexuelle Selbstbestimmung ausreichend geschützt ist.

Kategoriengedanken Tags: