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Archiv für die Kategorie ‘gedanken’

Voerde zwischen Sportpark und Schule

25. September 2014 Keine Kommentare
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Manche Dinge sind schon – im besten Fall bemerkenswert. In etwas anderer Ausdrucksweise: Komisch.

In Voerde kann man gerade erleben, wie bei manchen Leuten Politik verstanden wird. Da ist zum Beispiel die FDP. Die immer noch auf ihrer Website davon spricht, eine der Fraktionen im Stadtrat zu sein, auch wenn sie nur noch durch Herrn Benninghoff und ohne Fraktionsstatus dort vertreten ist.

Aber egal. Die FDP also machte einen verzweifelten Versuch, die Gesamtschule in Voerde zu verhindern. Man verstieg sich gar in die Hoffnung, dass man auf der Seite der Gewinner wäre und titelte “Schulpolitik: die Einsicht wächst“. Dumm nur, dass die Eltern in Voerde nun mit großer Mehrheit sich für eine neue Gesamtschule ausgesprochen haben. Jetzt könnte die FDP natürlich einsehen, dass sie auf dem falschen Weg war. Oder zumindest sagen: Hey, okay, wenn es der Wille der Menschen ist, gehen wir diesen Weg mit.

Aber nein. Schweigen im Walde.

Was uns zum zweiten Thema bringt. Der Sportplatzverlagerung in den Babcockwald.

Hier verstieg sich die FDP ja sogar zu der Theorie, dass die Grünen in Voerde irgendwie die grüne Regierungspräsidentin beeinflussen könne. Ich meine, ich fänd das ja geil, wenn unsere kleine 4-Personen-Fraktion so einen Einfluß hätte und es ehrt mich auch irgendwie, dass die FDP uns für so einflussreich hält. Ist natürlich lächerlich.

Obwohl, und das erstaunt mich  jetzt doch, aktuell auch die alte Tante SPD auf eine ähnliche Idee gekommen ist. So kann ich auf derWesten lesen:

Dass die Bezirksregierung die Genehmigung versagt hat, dahinter wähnt Voerdes SPD-Fraktionschef politische Einflussnahme der Grünen auf Landesebene.

Wow, das hat was. Ich meine da steht nicht, dass wir Voerder Grünen das haben. Das hätte auch der Grüne Umweltminister sein können, der die Grüne Regierungspräsidentin beeinflußt, sich an der Argumentation des roten Kreises Wesel… äh Moment?

Ja richtig, die Kritikpunkte der BR liegen auffällig nahe an denen, die der Kreis Wesel bereits im Mai geäußert hat. Und wenn ich dann jetzt lese:

Auch Schneider plädiert für Reparaturen, um die erneute Verzögerung des Baustarts für die Sportvereinigung (SV) 08/29 zu überbrücken. Dem Verein „laufen die Jugendlichen weg“. Auch Benninghoff befürchtet eine „Existenzkrise“ – „wenn sie nicht schon da ist“. Aus seiner Sicht gibt es zum Babcock-Wald keine Alternative. Andere Flächen müsse die Stadt kaufen. Und dann, so fürchtet CDU-Fraktionschef Schneider, wäre „alles vorbei“.

Äh wie meinen?

Und dann wäre alles vorbei? So ganz plötzlich? Ende September? Obwol die BR schon im August gesagt hat, was der Kreis schon im Mai gesagt hat und wir schon seit Jahren sagen? Hallo Mc Fly, jemand zu Hause?

Ich habe drüben im Grünen Blog eine weitere Pressemitteilung veröffentlicht, die das eigentliche Problem anreißt:

SPD und CDU (und FDP) haben die Bürgerbefragung abgewehrt. Sich gegen einen Ratsbürgerentscheid ausgesprochen. Mit viel Tamtam einen Ratsentschluss durchgefochten, von der die BR jetzt sagt: Die Ratsmitglieder waren gar nicht vollständig informiert und die Abwägungen waren falsch.

Statt aber spätestens jetzt(!) an den Verhandlungstisch zurück zu kehren und zu sagen: “Hey, lasst uns alle zusammen gemeinsam eine Alternative entwickeln!”, haben die Spitzen der CDU und SPD-Fraktion offensichtlich Angst vor dem Gesichtsverlust.

Ich frage mich nur, was schlimmer wirkt:

Jetzt ein Mal sagen zu müssen, dass man sich verrant hat und das grüne Angebot annehmen, an den Verhandlungstisch zurück zu kehren. Oder sich in Endzeitszenarien (CDU) und Verschwörungstheorien (SPD, FDP) zu ergehen und dann im nächsten Wahlkampf erklären zu müssen, warum es erstens immer noch keinen neuen Sportplatz gibt. Und zweitens warum es nicht einmal mehr den Verein noch gibt.

Oder anders gesagt: Liebe CDU, liebe SPD, stellt Euch doch bitte nicht so STUR an und lasst uns endlich gemeinsam eine Lösung finden!

Ehrlichkeit

23. September 2014 Keine Kommentare
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Können Politiker ehrlich sein?

Können Politiker ehrlich und erfolgreich sein?

Müssen Politiker unehrlich sein?

Sind unehrliche Politiker erfolgreich?

Sind die Menschen wirklich nicht in der Lage die Wahrheit zu verstehen?

Oder behauptet man die Menschen wären nicht in der Lage, die Wahrheit zu verstehen, um sie an der Nase herum zu führen?

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Netflix, so wird das nix mit uns

22. September 2014 Keine Kommentare
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Netflix könnte das Angebot sein, auf das ich lange gewartet habe. Zu einem vernünftigen Preis Serien gucken, die ich gerne gucken möchte. Und jetzt gibt sich Netflix große Mühe den Eindruck zu erwecken, ein Nepper-Laden zu sein. Und mich nicht als Kunden zu wollen.

Ich wollte heute mal gucken, was Netflix für meine monatlichen Euronen bietet. Die Startseite begrüßt mich dabei so:

Netzlix Startseite

Sagen wir mal, die Informationen sind eher… spärlich. Und ich will mich nicht für einen Testmonat anmelden und (vermutlich umfangreich) persönliche Daten hinterlegen. Ich will erst mal Infos. Also klicke ich nicht auf den kostenlosen Monat, sondern so ins Bild. Macht aber nix, weil der blaue Button und das Bild sin ein einziges Klick-Element:

startseite

Äh ja. Genau das will ich nicht.

Aber auf der Startseite gibt es ja unter dem Bild versteckt noch sowas wie eine FAQ. Da wird bestimmt stehen, was es bei Netflix zu sehen gibt:

netflix
Oder eben auch nicht.

Herzlichen Glückwunsch Netflix: So schnell hat es nur selten ein Unternehmen geschafft, von mir als total unseriös eingestuft zu werden. Und ich bin mal gespannt, wann die erste Verbraucherzentrale Euch abmahnt, weil Ihr hier schnell Daten und Geld wollt – Euch mit Angaben zur Gegenleistung aber mehr als bedeckt haltet.

Schade eigentlich, denn in den USA kenne ich viele Leute die Netflix echt geil finden. So aber wird nix aus uns.

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Wie Dexter bei uns einzog…

10. September 2014 2 Kommentare
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Seit ein paar Tagen teilen wir uns die Wohnung mit Mari, die ungefährt 12 Wochen alt war, als sie bei uns einzog. Inzwischen ist sie doppelt so schwer und groß geworden und ist eigentlich ein sehr liebes Tier. Nur: Offensichtlich langweilt sie sich den ganzen Tag.

Also kam mir der Gedanke, dass man ja aufrüsten könnte. Und gestern Abend ergab sich beim Cachen die Möglichkeit, Retter in der Not zu sein: bei Freunden von Freunden war eine Katzenmama nach 4 Wochen(!) der Meinung, sie will nix mehr mit ihrer Brut zu tun haben. Und die Besitzerin suchte kurzfristig gute Hände zur Aufnahme. Übrig war ein kleiner Kater…

Foto 3 (3)

Um zu verstehen, wie klein klein ist, braucht es einen Maßstab. Imgur sagt immer, Banana for Scale. Gut, Bananen waren aus. Aber Tomaten hatte ich noch:

Foto 4 (3)

Die ersten Stunden mit Mari waren anstrengend. Mari war mal verunsichert, mal eifersüchtig, mal neugierig… aber so richtig konnte sie sich nicht erwärmen. Da ich heute aber aus frei hatte, konnte ich mich um die beiden kümmern. Und ich sag mal a) wir haben wohl Schwein gehabt und b) hoffentlich bleibt das so:

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So macht man Pendlern das Leben schwer.

8. September 2014 1 Kommentar
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Sei flexibel!

Angeblich leben wir ja in einer Gesellschaft, in der weitere Wege zur Arbeit als Gott-gegeben gesehen werden. Nun gut, ich gehöre auch dazu und habe 22km je Richtung zu bewältigen. Kein Problem, ich habe ja einen Bahnhof mehr oder weniger direkt vor der Türe und der Zug bringt mich bequem und sicher nach Voerde. Das ganze Jahr.

Das ganze Jahr?

Mitnichten.

Denn im September macht die Bahn einfach mal dicht. Für den Umbau auf ein elektronisches Stellwerk. Und darüber informiert sie Pendler in  der bekannt ausführlichen Art und Weise. Nicht:

Baustellenplakat der DB in den Bahnhöfen, Quelle: http://bauarbeiten.bahn.de/docs/nrw/infos/BA_Duisburg_13-29092014.pdf

Baustellenplakat der DB in den Bahnhöfen, Quelle: http://bauarbeiten.bahn.de/docs/nrw/infos/BA_Duisburg_13-29092014.pdf

Weder auf dem Plakat, noch auf der dazu gehörogen Website erfährt man tatsächlich, wer wann wie wo betroffen ist. Das ist auch besser so. Denn Pendler auf meiner Strecke häten sonst leicht erfahren können, dass sie nicht nur EIN oder ZWEI mal betroffen sind, sondern gleich DREI mal.

Insgesamt wird der legendäre Schienenersatzverkehr (SEV) uns vom 15. bis 29. September beglücken!

Das weiß ich aber nicht dank der Bahn. Vielmehr hat der VRR mehr oder weniger übersichtlich zusammengefasst, welche Strecke wann wie wo gesperrt sein wird. Der VRR kann einem eh leid tun, weil er ja nicht nur den SEV stemmen muss, sondern auch noch ein zweites Problem fortbesteht:

Dank genialer Planung der Deutschen Bahn kollidiert ja der Ausfall einer stark genutzten Pendlerstrecke mit dem nach wie vor anhaltenden Um- und Ausbau der A59 ind Duisburg.

Also werden die Leute, die ein Auto haben, sich vermutlich zwei Wochen in den Stau stellen. Alle ohne werden versuchen, den SEV zu nutzen – oder auf die Straßenbahnen umzusteigen. Die – kein Witz – wegen der A59-Sperrung auf Abschnitten derzeit als SEV bedient werden.

Na, das können ja zwei spassige Wochen werden. Ich glaub ich fahr mit dem Rad. Hin und zurück. Das dürfte schneller und wesentlich stressfreier werden…

Und was mich richtig daran aufregt ist, dass das alles mit ein klein wenig Planung hätte entzerrt werden können. Aber vermutlich ist das auch der Grund, warum die DB so zurückhaltend mit den Informationen ist. Die Pendler sollen erst merken was die Stunde geschlagen hat, wenn es zu spät ist…

Quizfrage: Wieviel % meines monatlichen Ticket2000 bekomme ich eigentlich erstattet für die zu erwartende Minder-, bzw. Schlechtleistung?

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Liebe öffentlich-rechtlichen Sender…

6. September 2014 Kommentare ausgeschaltet
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… und ja, auch EinsLive:

Können wir uns bitte darauf verständigen, dass die USA nicht mit einer Drohne einen führenden Terroristen unschädlich gemacht haben.

Sondern das sie einen Terrorverdächtigen ohne rechtsstaatlichen Prozess getötet haben?

Denn wenn wir mal darüber nachdenken, ist es heute okay “Terroristen” mit Drohnen zu jagen und ohne jedes unabhägig gesprochene Urteil hinzurichten. Und wen morgen? Eben.

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Schräge Logik in E-Mails

2. September 2014 Kommentare ausgeschaltet
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Ich bekomme regelmäßig (gewollt) elektronische Post von einem “Unternehmen”, die mir irgendwie spanische vorkommt. Denn:

Als Absender ist “noreply@Absenderdomain” eingetragen. So weit, so normal.

Und dann steht unter jeder E-Mail:

“P.S.: Dies ist eine automatisch erstellte E-Mail. Antworten können nicht bearbeitet werden.
Bei Fragen und sonstigen Mitteilungen schreiben Sie bitte eine E-Mail an info@absenderdomain”

Ich meine wtf? Wenn ich mich doch eh nicht an den Absender persönlich wenden soll, sondern an ein generisches Postfach: Wieso tragen die das nicht einfach als Reply-To ein und nutzen E-Mail einfach mal so, wie gedacht?

Ich hab mal nachgefragt…. vielleicht kommt ja eine Antwort ;-)

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Paris, Paris, wir fahren nach Paris ;-)

28. August 2014 Kommentare ausgeschaltet
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Ich bin ja nicht so der Typ für große Städte. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel und Paris hatte bei meinem letzten Besuch (da stand noch die 1 vorn an der Jahreszahl) einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Inzwischen hat sich viel geändert und so habe ich mich gefreut, als ich ein langes Wochenende mit dem Thalys in Paris geschenkt bekommen habe.

Die Anfahrt ist so problemlos, wie man sie sich vorstellt: In Duisburg in den Thalys und mit zwischendurch 300 km/h über Belgien in die Stadt der Diebe, pardon Liebe. Von da aus mit der Metro ins Hotel und erst mal auspacken und dann ab in die Stadt. Hier wäre es schon hilfreich gewesen, wenn wir nicht erst nach dem ersten Spaziergang gemerkt hätten, dass wir im falschen Hotel eingecheckt waren ;-) Ist dem Personal auch nicht aufgefallen.

parisNach dem dann folgenden Umzug in das richtige Hotel, 2 Türen weiter die Straße runter, haben wir uns erst mal ein wenig orientiert. Ist ja schon ziemlich groß die Stadt :-) Gut hilfreich war, dass ich das GPS eingepackt hatte und mir vorher einfach mal ein paar Caches runtergeladen hatte. Das war im Verlauf der nächsten Tage extrem praktisch, weil wir uns an einem Ort immer entschieden haben, welchen wir als nächstes aufsuchen – und das führte und letztlich kreuz und quer durch die Stadt.

Über das Cachen habe ich drüben auf Cacheback schon was geschrieben, das will ich jetzt nicht alles hier wiederholen. Sagen wir, Paris hinterläßt einen gespaltenen Eindruck ;-)

Das trifft übrigens auch auf einen anderen Aspekt zu, nämlich das Radfahren in der Stadt. Auch dem habe ich einen eigenen Artikel gewidmet, drüben bei Just-MTB.

DSC_5807Insgesamt war Paris einen Besuch wert. Ich mag zwar immer noch keine großen Städte und ich hätte die Stadt natürlich auch viel lieber ganz für mich alleine gehabt – na gut, für uns alleine. Aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben.

Was mir dieses Mal besonders gefallen hat war, dass wir oft Sehenswürdigkeiten angelaufen haben, wie den Eifelturm oder die Oper. Um uns dann vom GPS einfach ein paar Querstraßen weiter leiten zu lassen und ein völlig anderes Paris zu erleben.

DSC_5813Was ich schon krass finde ist, dass man im Stadtzentrum mal locker 4€ 50 für eine Cola, 6€ für einen Kaffee und auch schon mal 24€ für einen Burger bezahlen soll. Das Wahnsinnige daran ist, dass es offensichtlich funktioniert. Uns aber erspart blieb, weil wir auf unserer Tour immer wieder wirklich schöne kleine Cafes und Restaurants gefunden haben, die zwar gemessen an den Preisen hier nicht billig, aber schon eher Preiswert gewesen sind.

DSC_5889Ziemlich irre waren auch die teilweise endlosen Schlangen vorn Touristen vor den Sehenswürdigkeiten. Klar, am Eifelturm erwartetman das irgendwie. Aber als wir morgens um 10 (Öffnungszeit: 9:30) in die Katakomben wollten, stand die Schlange ernsthaft und ohne jeden Witz schon ein mal um den ganze Häuserblock.  Ganz ehrlich: hätten wir uns nicht direkt “reinschummeln” können, wir wären draußen geblieben. Das galt übrigens auch für die meisten anderen “Must See”, die wir uns von außen angesehen haben – nicht aber von innen, weil wir einfach keine Lust auf stundenlanges Warten hatten.

DSC_5873Trotzdem ist es natürlich spannend, die Katakomben zu besuchen. Zwischen den Gebeinen von schätzungsweise 6.000.000 Verstorbenen herumzulaufen ist schon eigenartig.

Und es macht natürlich Lust auf mehr, denn ganz Paris scheint untertunnelt zu sein. Bisher sind erst 250km der Tunnel unter der Stadt kartographiert und es gibt eine aktive Gruppe von Parisern, die sich (wohl geduldet?) darum kümmert, auch den Rest zu erforschen. Angesichts der zusätzlichen Tunnel für die Metro scheint es erstaunlich, dass Paris noch auf der Oberfläche steht.

DSC_5839Metro ist ein gutes Stichwort, denn der Nahverkehr in Paris ist natürlich 1a. Wenn wir mal 5 Minuten auf einen Zug warten mussten, war das schon echt lange. Und eigentlich braucht man auch von einem Ende der Stadt zum anderen selten mehr als 20 Minuten. Das ist besonders hiflreich, wenn man zur Alten Oper will und an der neuen Oper aussteigt ;-)

Insgesamt war es ein tolles Wochenende, das uns mit ziemlich vielen Eindrücken am Sonntag in den Zug nach Hause gesetzt hat. Und auch, wenn das aus meinem Mund komisch klingt: Ich würde empfehlen da mal wieder hin zu fahren, wenn ihr länger nicht da gewesen seid ;-)

 

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Die Voerder Diskussion um Asylbewerber-Unterkünfte

27. August 2014 Kommentare ausgeschaltet
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Im Oktober letzten Jahres habe ich hier ziemlich Dampf abgelassen. Damals ging es um die ersten Planungen zur Unterbringung von Asylbewerbern in Voerde und was ich da erlebt habe, hat mich zu ziemlich drastischen Worten hier im Blog veranlasst.

Entsprechend angespannt war ich, als ich auf Einladung der Verwaltung heute Abend zur Friedhofstraße gefahren bin: Die evangelische Kirchengemeinde hat das dortige, unbewohnte Pfarrhaus der Stadt angeboten, um dort Asylbewerber unterzubringen. Und im Rahmen der vorbereitenden Überlegungen hatte man die Anwohner der anliegenden Straßen heute zu einer Diskussionsrunde eingeladen.

Und was soll ich sagen: Ich bin absolut sprachlos.

Und als ich was sagen wollte, wurde aus sprechen auch eher hilfloses Gestammel.

Denn die anwesenden Bürgerinnen und Bürger hatten vor allem Sorge,

  • ob das Haus in einem wirklich bewohnbaren Zustand ist,
  • auch im Winter vernünftig beheizt werden kann und
  • es keine Feuchtigkeit gibt,
  • ob für Einrichtung gesorgt wird und
  • was man als Anwohner tun kann.

Ehrlich gesagt, ich habe nach den Erfahrungen der vergangenen Diskussionen mit einem anderen Gesprächsverlauf gerechnet. Statt dessen haben die Einwohnerinnen und Einwohner meiner schönen Stadt heute eindrucksvoll bewiesen, warum Voerde eigentlich doch eine wirklich schöne Stadt zum Leben sein kann. Denn so viele Gedanken darüber, ob die aufzunehmenden Asylbewerber auch wirklich angemessen untergebracht werden, das ist schon außergewöhnlich. Dazu die Fragen die darauf schließen ließen, dass man sich persönlich einbringen will – einfach klasse.

Klasse ist auch, dass die evang. Kirchengemeinde keine Miete von der Stadt nimmt. Das mag auch teilweise Kalkül sein, weil man als “Vermieter” sicherlich andere Rechtsfolgen zu tragen hat, als so. Aber es ist immer auch ein Zeichen von gutem Willen, wenn man sagt: Hey Kommune, wir haben hier ein Haus das leer steht und Ihr braucht Wohnraum, lasst uns reden.

Super. Wirklich toll. Ich habe mich echt wohl gefühlt und das zum ersten Mal, seit wir über die Wohnraumsituation der nach Voerde kommenden Asylbewerber sprechen!

——-

P.S. Kleine peinliche Nummer am Rande: Ich bin heute mit dem Rad von der Arbeit nach Hause, unter die Dusche und dann mit dem Auto zur Diskussion gefahren. Um dann zu sehen, dass unser Bürgermeister mit dem Rad kam. Da hab ich mich ja doch ein bisschen geschämt. Ich rede mich damit raus, dass ich noch einen Grünen Mitstreiter abgeholt und heim gebracht habe ;-)

Zwei Fragen…

26. August 2014 2 Kommentare
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Guten Morgen!

Ich hätte da gerne mal zwei Fragen, die meine eigenen bescheidenen kognitiven Fähigkeiten übersteigen:

  1. Angesichts des demographischen Wandels jammern alle über Probleme mit der Finanzierung der Renten. Schulen müssen Dicht gemacht werden und die richtigen Arbeitnehmer findet die Wirtschaft ja schon gar nicht mehr.
    Ausländern erlauben sich in Deutschland nieder zu lassen – und dabei zumindest am Anfang natürlich auch Sozialsysteme in Anspruch nehmen zu können, das geht aber nicht. Ihr wißt schon, das Boot ist voll und die sollen sich lieber daheim abschlachten lassen.
    Bin ich der Einzige der sich wundert, dass wir gleichzeitig über Bevölkerungsrückgang und Überalterung jammern, die Grenzen aber immer mehr dicht machen und die Einwanderung immer weiter erschweren?
  2. Oh und wo wir gerade von Terrorgruppen reden: Üblicherweise stellt sich ja immer wieder raus, dass bei allen Konflikten Dritte die Hände im Spiel haben und Terrorgruppen gern auch nur deswegen so “erfolgreich” sind, weil sie von anderen Ländern mit Waffen, Geld usw. ausgerüstet werden.
    Angesichts der ständig neuen Konflikte, Konfliktherde und Konfliktparteien: Bin ich der Einzige, der immer wieder an Ozeanien vs. Eurasien vs. Ostasien denken muss?

Ach ja… die Nachrichten.

18. August 2014 Kommentare ausgeschaltet
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Heute morgen kam mein Zug nicht. Bzw. viel zu spät. Und was macht man dann? Man liest mal durch seinen Twitter-Feed. Oder man versucht es. So lange, bis es einem so die Laune versaut, dass man am Liebsten den Planeten verlassen möchte.

Wenn nämlich schon die Öffentlich-Rechtlichen Medien, in dem Fall die Tagesschau plötzlich Geheimverträge “leaken”, dann weißt Du, das was im Argen ist. So auch im Fall von TTIP/CETA, bei denen es unter anderem darum geht, dass Unternehmen vor geheimen und nicht öffentlichen “Schiedsstellen” gegen Staaten klagen können, wenn sie ihre Gewinne in Gefahr sehen:

Auch in Deutschland laufen bereits ähnliche Klagen. Der schwedische Konzern Vattenfall verklagt die Bundesrepublik wegen des Atomausstiegs. Beim Thema Energie gibt es nämlich bereits ein vergleichbares Abkommen, das Deutschland unterschrieben hat. Die Gewinnaussichten seien erheblich beeinträchtigt, argumentiert der Konzern, somit sei der Investorenschutz betroffen. Neben dem Klageweg über Gerichte hat Vattenfall auch die Investor-Staat-Schiedsstelle angerufen. Das Verfahren läuft noch.

Das wird ein Recht neben dem Recht geschaffen. Bei dem es allerdings nicht um Recht, sondern Profit geht. Und darum, nicht nach außen zu tragen, mit was perfiden Mitteln um jeden Dollar gekämpft wird. Politiker, die solche Abkommen unterstützen und vor allem beschließen, gehören raus geworfen. In hohem Bogen.

Selbiges gilt natürlich auch für Politiker, die durch besondere Bigotterie auffallen. Wie Angela “Spionieren unter Freunden geht gar nicht” Merkel, die auf der einen Seite so tut, als würde sie tooootal empört sein, dass sie (wohlgemerkt nur sie, das Volk war ihr bekanntlich egal) abgehört wird. Und dann liest man in der Welt, Deutschland habe “aus Versehen” Hillary Clinton abgehört. Wie genau hört man jemanden aus Versehen ab?

Jetzt stellt sich heraus, dass der deutsche Auslandsnachrichtendienst offenbar Telefonate von gleich zwei Außenministern – erst von Hillary Clinton und dann von John Kerry – mitgeschnitten hat. Auch die Darstellung, dass die beiden Politiker zufällig ins Visier der BND-Horcher geraten seien, es sich also um einen sogenannten Beifang gehandelt habe und die Mitschriften der abgehörten Gespräche vernichtet werden sollten, wirkt da nicht wirklich entlastend.

Ganz nebenbei wird in dem Zusammenhang auch bekannt, dass Deutschland (unter anderem? Natürlich!) auch die Türkei überwacht. Jeder überwacht jeden und als wäre das nicht schlimm genug, stellt sich eine der Gallionsfiguren der Partei, der ich auch angehört hin und sagt: Naja, im Fall der Türkei ist das ja auch berechtigt! So kann man in der Zeit lesen:

Der Grünen-Außenpolitiker und frühere Fraktionschef Jürgen Trittin hält das Ausspähen des Nato-Partners Türkei durch den Bundesnachrichtendienst (BND) für gerechtfertigt. “Die Sicherheit Deutschlands ist durch die Vorgänge im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien und dem Irak unmittelbar betroffen. Und es stehen Bundeswehrsoldaten an der Grenze zu Syrien”, sagte Trittin der Berliner Zeitung. “Dass ein geheimer Nachrichtendienst dort Erkenntnisse sammelt, kann man ihm nicht vorwerfen. Das ist seine Aufgabe.”

Ähm also ich bin da anderer Meinung. Vielleicht kann man einfach mal in Frage stellen, ob wir nicht bei jedem Land einen ach so triftigen Grund finden. Wir erinnern uns, dass die Freiheit Deutschlands bekanntlich am Hindukusch verteidigt wird. Meine Oma hat immer gesagt, der Klügere gibt nach: hier wäre der Klügere der, der mal nicht mit einer höheren Ebene in einer Spirale antwortet. Derjenige der nicht sagt, Spionage erfordert mehr Spionage. Und das ein führender Grüner so einen Unsinn von sich gibt, läßt wieder die alte Frage aufkommen: Wird man, wenn man im Bundestag sitzt, automatisch so?

Aber hey, im Grunde ist man sich ja wenigstens in Berlin auch einig. Bestimmt auch darin, dass man unser Datenschutzrecht, eines der letzten Rechte das wir Bürger gegen den in allmachtsphantasien schwelgenden Staat in Stellung bringen können, ja im Grunde nicht braucht. Wir brauchen kein starkes deutsches Datenschutzrecht. Ein mittelmäßiges Europäisches tut es auch. Steht zumindest in der FAZ als feuchter Traum unseres Innenministers und Ministerst für Bürgerüberwachung und -Ausspähung:

Der Bundesminister verkündet außerdem, dass „unser liebevoll gestricktes deutsches Datenschutzrecht“ ausgedient habe. Die bisher geltenden Regelungen würden der technischen Entwicklung nicht mehr gerecht. Die Verabschiedung einer EU-Datenschutzverordnung habe deshalb für ihn „überragende Bedeutung“. Die Verordnung werde das deutsche Recht „komplett“ ersetzen.

Genau. Dabei kennen wir das doch zur Genüge: kann man unliebsame Rechtsveränderungen in Deutschland nicht verkaufen, verkauft man sie an die EU um dann sagen zu können: Ja also wir hätten das ja anders gemacht, aber die EU zwingt uns ja…

Vielleicht sollte sich genau dieser Minister übrigens mal darum kümmern, unter den eigenen Teppich zu schauen. Denn wenn man der Berliner Zeitung glauben darf, stellt sich gerade heraus, dass ein weiterer Fall von “Homegrown Terrorism” dann doch wieder nur durch die aktive Mitwirkung von “Sicherheitsbehörden” überhaupt erst möglich wurde:

Der NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages schließt nicht aus, dass Sicherheitsbehörden des Freistaats die Flucht und das Untertauchen des Zwickauer Terrortrios bewusst begünstigt haben. Im Abschlussbericht des Gremiums, der kommenden Woche im Erfurter Landtag diskutiert werden soll, heißt es: „Die Häufung falscher oder nicht getroffener Entscheidungen und die Nichtbeachtung einfacher Standards lassen aber auch den Verdacht gezielter Sabotage und des bewussten Hintertreibens eines Auffindens der Flüchtigen zu.“

ja ja ja.

Und an der Stelle hab ich dann die ernsthaften Kanäle wieder zugemacht und nur noch Katzenbilder geguckt. Besser für meinen Kreislauf.

 

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Das Geschäft mit der Angst

7. August 2014 1 Kommentar
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Das “Schöne” an Angst ist, dass man mit ihr so herrlich bestimmte Verhaltensweisen triggern kann. Vernunft weicht dann oft Unvernunft und selbst Menschen die besonnen sind, lassen sich verleiten Dinge zu akzeptieren, die nicht akzeptabel sind.

Nebenbei kann man mit Angst auch hervorragend von echten Problemen ablenken. Ukraine. Syrien. Afrika. NSA und BND. All die echten Probleme treten in den Hintergrund, wenn man Angst hat. Und von daher ist man als Lenker eines Staates froh, wenn man sein Volk in Angst und Schrecken halten kann. Wer widerspräche schon irren Forderungen nach “Sicherheit durch Überwachung” oder wer diskutiere noch ernsthaft die Sinnhaftigkeit von Freiheitsbeschränkungen, wenn der Terror droht.

http://www.derwesten.de/politik/silvio-k-droht-mit-anschlag-auf-deutsches-atombombenlager-id9673562.html

Screenshot von derwesten http://www.derwesten.de/politik/silvio-k-droht-mit-anschlag-auf-deutsches-atombombenlager-id9673562.html

Wer diskutiert denn noch über Fracking oder Ecclestone, wenn er diese fette rote Überschrift liest. Bildzeitung? Würde man gerne annehmen, ist aber der Westen. Aber auch nur als Beispiel für ganz viele andere “Medien“, die sich an vermeintlicher Terrorgefahr ergötzen. Damit Auflage machen wollen und damit einer Struktur in die Hände spielen, die davon lebt und dadurch wächst, dass die Menschen Angst haben.

Diese Angst soll möglichst Abstrakt sein: US-Atombombenlager, öffentliche, private, kirchliche Einrichtungen etc. Aber doch so konkret, dass sie ein Gesicht hat, dass man mit ihr verbinden kann. Und das ist das Perfide an der Sache: Kaum jemand kann sich dem verschließen. Und wer es schafft, gilt als Außenseiter. Als jemand, der die Realität nicht erkennen will.

Aber was genau ist eigentlich die Realität? Welchen Einfluß hätten “Terroristen”, wenn die Medien ihnen nicht den Nährboden bieten würden, auf denen ihre Angst wächst? Welche Chance hätten Terroristen einem freiheitlichen und toleranten Staat gegenüber, der seine Bürger nicht immer weiter einengt und in ihren Rechten beschneidet, bis diese irgendwann beginnen, sich dagegen aufzulehnen?

Hier stimmt was nicht.

Keine Frage. Es gibt Verwirrte. Es gibt Knallköppe. Und es gibt gefährliche Menschen. Nur unser Umgang mit diesen ist alles andere als Souverän. Wir bauen sie auf, wir bieten ihnen die Plattform und dann nutzen wir sie – ohne ihr Wissen – um eine Umgebung der Angst und Willfährigkeit zu schaffen. Und es gibt sicherlich auch den einen oder die andere Politiker/-in, die gar nicht so böse darüber wäre, wenn es endlich mal wieder knallen würde. Denn die nächste Runde schärferer Gesetze liegt schon in den Schubladen. Es muss nur noch ein wenig köcheln…

Zutiefst beunruhigt

30. Juli 2014 4 Kommentare
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Neben dem ganzen alltäglichen Wahnsinn beunruhigen mich derzeit zwei Dinge…

  • Nah-Ost: Ich verstehe zu wenig von dem Konflikt Israel, Gaza, Hamas und Co. um mitreden zu können. Ich bin nicht mal sicher, was man sagen / denken darf, um nicht Israelfeindlichkeit oder gar Antisemitismus unterstellt zu bekommen. Ich durchschaue das alles nicht und verstehe nicht was da vor sicht geht. Ich sehe nur Leid und Tot und frage mich, was da eigentlich abgeht.
  • Im Moment flammt der kalte Krieg ja wieder voll auf. Sei es in der Unterhaltung (z. B. in der neuen Serie “The Last Ship”) oder im echten Leben ist Russland wieder ein echter Feind. Aber alle Informationen die ich bekomme sind höchst widersprüchlich und machen mir fast den Eindruck, als wolle man von anderen Problemen (z. B. NSA-Affäre) ablenken. Und auch hier: Wer Fragen stellt wie Fefe sieht sich ja auch gleich in eine Ecke gestellt. Wohin genau soll denn ein neuer kalter Krieg führen? Droht am Ende das Ende der kriegsfreien Zeit in Europa? Ist Russland echter “Problembär” oder nur ein künstlich gehyptes Feindbild? Ich verstehe es schlicht nicht.

Ich dachte immer, ich bin in der Lage solche Konflikte soweit zu durchschauen, dass ich mir eine eigene Meinung bilden kann.  Aber bei zahlreichen Konfliktherden kann ich das im Moment nicht. Nicht nur, weil mir die Berichterstattung oft den Eindruck vermittelt, nicht objektiv zu sein. Sondern auch weil kritische Stimmen und Fragen ganz schnell mit Denk- und Äußerungsverboten belegt werden.

Das ist doch Scheiße.

Und wenn mir mal jemand bitte erklären könnte, was wirklich Sache ist? Ich wäre sehr dankbar…

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Es gibt so Tage….

29. Juli 2014 Kommentare ausgeschaltet
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Guten Morgen. Kaffee getrunken? Na, dann kann ja ein Blick in die Zeitung, bzw. das Internet folgen.

Der Justizminister Maas (SPD) schafft defacto mal eben das politische Asyl ab. Ausgerechnet die Form von Asyl, die dringend gebraucht wird, wenn Regierungen gleich wo Amok laufen. Im Fall Maas geht es natürlich um Snowden:

Ich sag mal so, dass was Herr Mass für “schwierig” hält ist letztlich eine Frage des Wollens. Ich konnte noch nicht zur Kenntnis nehmen, dass mal ergebnisoffen oder unter der Prämisse es zu ermöglichen überhaupt ernsthaft geprüft wird. Wenn aber Snowden kein Präzedenzfall ist, was oder wer wäre dann eines? Und sind transnationale Beziehungen so offensichtlich wertvoller als Artikel 1 des Grundgesetzes?

Währenddessen wird in Australien eine riesige Kohlemine genehmigt. Mit “kleinen” Auswirkungen auf die eigentlichen Schätze des Landes:

Wirtschaft geht vor Umweltschutz: Die indische Firma Adani darf in Australien ein gigantisches Bergbau-Projekt umsetzen. Naturschützer sind entsetzt, denn nicht nur ein riesiges Reservoir ist in Gefahr, auch das Great Barrier Reef könnte großen Schaden nehmen.

Aber ich bin sicher, wir brauchen dringed mehr Kohle, die noch mehr CO2 in die Atmosphäre pustet. Und alle die was vom Klimawandel schreien, sind ja eh nur technikfeindliche Idioten. Und so Unwetter, wie sie im Moment fast regelmäßig über uns hereinbrechen, also das hat damit gar nix zu tun:

Wieder starke Gewitter in Nordrhein-Westfalen: Heftiger Regen hat am Montagabend und in der Nacht die Feuerwehren in Atem gehalten. Besonders betroffen war die Region Münster. Dort ist ein Mann in einem überfluteten Keller ertrunken. Aber auch das Ruhrgebiet und Teile des Niederrheins waren betroffen. Für Dienstag gibt es neue Unwetter-Warnungen.

Tja, auf der anderen Seite reiht sich Australien nur in die Linie derer ein, die tun, was getan werden muss. Ganz vorne mit dabei, nicht nur bei der Verfolgung unliebsamer Personen wie Snowden oder Assange ist natürlich auch immer England. Die mal eben fast das ganze Land für Fracking frei geben:

Die Regierung in London hat am Montag die Hälfte der Fläche Großbritanniens für Fracking freigegeben. Dazu gehören „unter bestimmten Umständen“ auch Nationalparks, Naturschutzgebiete und Stätten des Weltkulturerbes. Dafür müssen die Unternehmen allerdings eine „besonders umfassende und detaillierte“ Erklärung abgeben, aus der hervorgeht, dass sie die Bedenken der lokalen Bevölkerung ernst nehmen.

Ich bin sicher, die Unternehmen werden die Schranken ganz doll ernst nehmen. Ne Spaß, werden sie natürlich nicht. Denn dafür hat man ja durch “Freihandelsabkommen” und geheime Schiedsgerichte längst eine Schattenjustiz erfunden. Deren Auswüchse, als Vorwarnung für das was TTIP uns tolles bringen wird, kann man gerade in Kanada sehen:

Ein US-Konzern verklagt Kanada wegen eines Fracking-Verbots – auf Basis eines Freihandelsabkommens. Jetzt könnte auch das Abkommen zwischen EU und Kanada scheitern. (…)

Aber nicht nur in den USA, auch in Deutschland dürften die Vorbehalte Gabriels auf Widerstand stoßen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die deutsche Industrie werben für TTIP, das den Handel vereinfachen und der deutschen Wirtschaft zahlreiche neue Arbeitsplätze bringen soll.

So, ich glaub ich mach das Internet wieder zu und steige von Kaffee um auf Vodka.

Serien Serien

22. Juli 2014 Kommentare ausgeschaltet
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Ich bin ein Serienjunkie.

So. Nachdem das raus ist, geht es mir gleich viel besser. Zeit, sich mal mit meiner Sucht auseinander zu setzen:

Als ich groß wurde (nicht erwachsen), kamen im Vorabendprogramm Serien wie A-Team, ein Colt für alle Fälle. Battlestar Galactica und Trio mit vier Fäusten. Das alles und alle anderen waren Serien, die jeweils ein sehr eigenes Thema besetzt haben und eigentlich in jeder Folge das gleiche Muster hatten. K.I.T.T. hat immer zwei mal den Turbo Boost gezündet und das A-Team hat sich immer in einer auswegslosen Situation einen Panzer gebaut. Ganz selten wurde mal eine Story über zwei Folgen gespannt.

Für mich als Kind / Teenager waren die Serien trotzdem spannend. Für die Erwachsenen waren sie seichte Unterhaltung.

Der Absturz kam  meiner Meinung nach mit den Telenovelas aus dt. Produktion wie GZSZ und den Shows am Nachmittag, seien es die Richtershows oder Talkshows gewesen. Wusste man, dass die alten Vorabendserien nicht ernst zu nehmen waren, forderten die neuen Formate, man solle sie gefälligst respektieren. Damals habe ich meinen Fernseh abgegeben.

Mittlerweile erleben wir bei Serien aber etwas anderes: Den Mut, lange und komplexe Geschichten zu erzählen. Und als Fan möglichst langer Bücher und Buchreihen sprechen solche Serien mich an. Ich liebe es, als “Binge Viewer” ganze DVDs am Stück zu gucken. Ich war mit den Jack Lost und habe mit Walter Drogen gekocht. Ich habe mit Dexter gemordet und mit den True Detectice den gelben König gejagt. Dabei werden Serien mutiger, was die Komplexität angeht und verlangen von ihren Zuschauern mehr, als es bei Lindenstraße und Co je der Fall war: der Geschichte zu folgen. Das Ende von Serien ist heute verstörend (Lost), unbefriedigend (Dexter) oder gar voll und ganz befriedigend (Breaking Bad) und immer wie das Ende eines Buches: Eigentlich will man noch mehr erfahren.

Dabei sind Serien langsam aber sicher dabei, dem Kino ernsthafte Konkurenz zu machen: Kinofilme laufen oft auch wie Serien früher nach Schema F oder sind selbst mit Überlänge zu kurz. Die Versuche, Filme auf epische Länge zu ziehen hat beim Herrn der Ringe funktioniert – aber nur auf DVD. Dabei werden Kinoproduktionen immer teurer und es gibt immer weniger wirklich gute Filme. Klar, der Markt muss sich konzentrieren.

Allerdings ist es schön zu sehen, dass AMC, HBO und wie sie alle heißen sich trauen, gegen das Kino anzutreten. Und auch Serien wie Houes of Cards oder der neue Sherlock sind ja der beste Beweis dafür, dass sich auch “Experimente” lohnen. Ein solches Experiment könnte in Zukunft sein, Filme und Serien enger zu verweben. So etwas könnte sich z. B. für den dunklen Turm anbieten.

Und vielleicht wird es bald so sein, dass die meisten spannenden Produktionen gar nicht mehr im Kino laufen. Sondern eben nur noch als Serien im Stream oder TV. Um sich den Nutzern anzupassen. Vermutlich einhergehend damit wird es dann im Kino nur noch extremes High-Quality zu sehen geben: Ultra-HD und in 3D für deutlich mehr Geld als heute?

Ich bin mal gespannt wie es weiter geht. Auf jeden Fall freut es mich, dass der Tiefpunkt durchschritten zu sein scheint und Serien heute besser denn je sind.

 

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