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Archiv für die Kategorie ‘mitmenschen’

Faith in Humanity: Winter-Edition

30. Oktober 2014 Kommentare ausgeschaltet
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Alles Böse

16. Juli 2014 Kommentare ausgeschaltet
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Erinnert Ihr Euch noch?

Zeitung lese mach einsam, weil alle im Bus nur noch in die Zeitung starren. Fernsehen macht einsam, dumm und man vereinsamt. Rechteckige Augen inklusive. Computer machen uns zu Einzelgängern, die nicht mehr sozial interagieren können. Computerspiele machen süchtig. Und das Internet läßt die Gesellschaft zwischen Drogen und Porno verrohen.

Da ist es nur konsequent, wenn man das fortsetzt. Aktuell: Smartphones

Immer mehr Jugendliche nutzen ihr Smartphone so häufig, dass Ärzte Alarm schlagen. Die Jugendlichen verlernten analoges Lernen. Inzwischen gibt es Sprechstunden, die sich um Jungen und Mädchen kümmern, die spielsüchtig und handysüchtig sind.

Intensives Kopfschütteln gibt es hier: Ärzte warnen vor Smartphone-Sucht bei Jugendlichen

Das lässt mich immer an die drei Phasen der Technologieadaption im Leben denken. In der ersten Phase erleben wir das Entstehen neuer und faszinierender Technologien, die in unser Leben kommen. In einer zweiten Phase ist die Technik und der Fortschritt normaler Teil unseres Lebens. Und im dritten Abschnitt behaupten wir immer, dass es früher auch ging und alles besser war. In welchem Abschnitt der Autor wohl gerade steckt? ;-)

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Argumente? Welche Argumente?

3. Januar 2014 Kommentare ausgeschaltet
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Letzte Tage habe ich die Frage in den Raum gestellt, ob ich irgendwas verpasst habe. Inzwischen würde ich sagen: Ja, ich muss irgendwas verpasst haben.

Gerade lese ich von Chris Sickendieck auf Twitter:

Und wenn man dem Link folgt, landet man in einem Artikel, der folgende Maßnahme ankündigt:

Die Hamburger Polizei stellt sich erneut auf ein arbeitsreiches Wochenende ein – und trifft daher Vorkehrungen: Ab Sonnabendmorgen, 6 Uhr, werden große Teile Hamburgs zum Gefahrengebiet erklärt. Diese Maßnahme gilt lageabhängig bis auf Weiteres und betrifft vor allem die Region Altona, St. Pauli und Sternschanze.

Äh Gefahrengebiet? Was ist das denn und was hat es damit auf sich? Wer jetzt aber denkt, in dem Artikel würden sachliche Informationen vermittelt, der irrt. Vermutlich direkt per CTRL+C CTRL+V aus einer Pressemitteilung geklöppelt liest man:

Durch die Einrichtung eines Gefahrengebietes können relevante Personengruppen einschließlich ihrer mitgeführten Sachen überprüft und aus der Anonymität geholt werden. Zudem können Platzverweise erteilt, Aufenthaltsverbote ausgesprochen und Personen in Gewahrsam genommen werden.

Was ist das denn für ein Schwampf? Kann ja sein, das ich mich irre aber hat die Polizei nicht schon jetzt das Recht Personen und deren Personalien zu prüfen und bei Bedarf Platzverweise zu erteilen? Oder die legendären “Gefährder” in Gewahrsam zu nehmen?

Aber hey, kein Grund zur Aufregung:

“Die Kontrollen werden wie gewohnt mit Augenmaß durchgeführt (…)”, teilte die Polizei Hamburg mit.

Na dann ist ja alles gut. Oder doch nicht?

Die Wikipedia kennt Gefahrengebiete nämlich nur aus der Luftfahrt. Und selbst wenn man das anwenden würde, fehlt hier schon die zeitliche Bestimmtheit.

Sucht man mit Google dann nach “Polizeirecht Gefahrengebiet” um mal zu erfahren auf welcher Rechtsgrundlage ein solches Gebiet bestimmt und letztlich umgesetzt wird, erhält man erst mal nur Links die Hamburg betreffen. Und selbst beim Republikanischen Anwaltsverein findet sich keine wirklich Rechtsgrundlage.

In dem Fall muss dann die Frage erlaubt sein, ob Chris nicht recht hat mit seinem Vergleich zu einem Polizeistaat. Oder ob man nicht gar vom Unrechtstaat sprechen muss.

Und es ist ein Mal mehr extrem bedauerlich, dass ich hier im Blog solche Fragen stellen muss. Und nicht die Vierte Gewalt sie gestellt hat – sondern nur vorbehaltlos übernommen hat, was da aus dem Fax quoll.

 

Immer die anderen?

30. Dezember 2013 Kommentare ausgeschaltet
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Der Westen hat im Moment auf seiner Homepage gleich zwei Mal Schumi:

Einmal fürchten die Ärtze um sein Leben. Ein Mal eine Fotostrecke.

Denn Klicks bringen Kohle:

Homepage der Westen am 30.12.13 um 17:20

Homepage der Westen am 30.12.13 um 17:20

Ist ja okay. Im Nachrichtenloch zwischen den Jahren und Feiertagen ist man ja über jede Nachricht froh. Und das dann eine solche Nachricht bis zum letzten Tropfen Blut ausgeschlachtet wird, ist wohl zu erwarten.  Was ich dann aber – offen gesagt – Scheisse finde ist dieser Tweet:

Denn alternativ könnte man ja wohl auch sagen:

“Wie skrupellose Medien die Aufmerksamkeit um den verunglückten Miachel #Schumacher für sich nutzen wollen:”

Keine Frage, alle Presseerzeugnisse stürzen sich im Moment auf das Thema und ich kann mir schon vorstellen, wie schon die Nachrufe geschrieben werden. Aber die Scheinheiligkeit, die aus dem Tweet in Verbindung mit der eigenen Homepage tropft, finde ich trotzdem besonders beachtenswert.

Liebe @derwesten-Mitarbeiter, das hätte man mit deutlich mehr Niveau lösen können.

Gib dem Deutschen eine Uniform…

17. Dezember 2013 Kommentare ausgeschaltet
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… und er wird nach Menschen suchen, die er sich unterordnen kann. Über die er Macht ausüben kann. Schwächere. Ältere.

Erinnert Ihr Euch, dass ich vor ein paar Tagen von der Omi schrieb, die jetzt wegen Schwarzfahren im Knast sitzt? Das zeigte schon ganz gut, welche Prioritäten die Gesellschaft sich derzeit leistet.

Aber heute kommt ein neuer “Schwarzfahrer-Omi”-Artikel aus der Tageszeitung, der eigentlich fast noch schlimmer ist.

Betroffen diesmal? Eine Frau im zarten Alter von 82:

Mit dem Ticket 2000 der Bogestra ist Christa K. “seit Jahr und Tag” in Bochum unterwegs. Die Kosten für die Verlängerung des Tickets werden stets automatisch von ihrem Konto abgebucht, weshalb sie sich bisher keine Sorgen machte, dass sie einmal ohne gültiges Ticket in Bus oder Bahn einsteigen würde. Vergangene Woche wurde K. (vollständiger Name der Redaktion bekannt) bei einer Kontrolle in der Straßenbahnlinie 318 jedoch vorgeworfen, ihr Ticket sei abgelaufen. Der Kundenbetreuer stellte der 82-Jährigen einen Bußgeldschein aus und nahm ihr Ticket an sich. Sie sollte 40 Euro Strafe zahlen, wegen Schwarzfahrens.

Der “Kundenbetreuer” ist einer von diesen oft im Rudel auftretenden und selten freundlichen Fahrkartenkontrolleure. Gerne auch mal in den schwarzen Uniformen, die derzeit bei den Sicherheitsfirmen (auch DB) so beliebt sind.

Das Vergehen der guten Frau? Ihre Karte war abgelaufen. Denn auf der Rückseite(!) des Tickets steht unten Links xx/xx – ohne jede Erklärung. Offensichtlich das “Gültig bis”-Datum und offensichtlich hat die Frau rechtzeitig kein neues Ticket erhalten. Und ja, ich musste eben auf mein eigenes Ticket2000 schauen, weil ich bis dato gar nicht wußte, dass mein Ticket2000, also die Karte selbst(!) ablaufen kann.

Ich kann mir die Szene in der Bahn oder dem Bus gut vorstellen. Ich kann mir vorstellen, wie unglaublich beschämend das für die alte Frau gewesen sein muss. Wie sie sich gefühlt haben muss. Und welche Erinnerungen das geweckt haben muss.

Und auch, wenn ich vielleicht total daneben liege: ich kann mir vorstellen, wie geil sich der Kontrolleur, sorry, Kundenbetreuer gefühlt haben muss, es endlich mal einer wehrlosen alten Frau so richtig zeigen zu können!

Gesellschaft 2013. Und Merkel bekommt 4 weitere Jahre. What could possibly go wrong.

Die NRZ vom Postillon gekapert?

12. Dezember 2013 Kommentare ausgeschaltet
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Als ich heute morgen die NRZ gelesen habe, war mein erster Gedanke, der Postillon hätte die Zeitung übernommen. Oder The Onion expandiert nach Deutschland. Irgendwie sowas. Aber vermutlich ist das nur der ganz alltägliche Wahnsinn:

Ich meine, wir gucken ja gerne mal spöttisch auf Amerika herunter. Und ganz besonders dann, wenn die Prüderie mal wieder zuschlägt und ein Kind in der ersten Klasse(!) von der Schule “beurlaubt” wird, weil es einem Mädchen einen Handkuss(!!) gegeben hat:

Wegen eines Kusses auf die Hand seiner Mitschülerin ist ein sechs Jahre alter Junge in den USA für einen Tag vom Schulunterricht suspendiert worden. Nach Angaben der Schulleitung falle die Geste unter den Tatbestand der sexuellen Belästigung,

Aber hey, eigentlich brauchen wir gar nicht so weit gucken, wenn wir Bedarf nach Merkwürdigkeiten haben. Dazu bietet sich auch mehr als genug Gelegenheit in Deutschland. Zum Beispiel, wenn der Gesetzgeber die Öffentliche Hand zwingen will, Transparenz zu erzeugen. Und die sich überlegt, wie man das verhindert. Was macht man zum Beispiel, wenn da mal jemand nachfragt, wie das eigentlich mit Lebensmittelkontrollen ist? Na klar, man verwirrt ihn erst bis zum umfallen und konfrontiert ihn dann mit Absurden Gebühren:

Schon allein die Kostenvoranschläge würden jeden Bürger abschrecken, so Foodwatch. „Hätten wir alle 54 Anträge bis zum Ende verfolgt, hätte uns das 174 000 Euro gekostet“, resümiert Mitarbeiterin Anne Markwardt. In NRW stieß die Organisation auf ein großes Gebühren-Durcheinander: (…)

Andersherum steckt dahinter vermutlich die blanke Not. Und man greift nach jedem Strohalm, um die ausufernden Kosten der öffentlichen Verwaltung zu dämpfen. Nicht wieder rein zu holen, den Versuch hat man aufgegeben. Aber man muss auf der anderen Seite auch berücksichtigen, dass viele Ausgaben unvermeidbar sind. Zum Beispiel für Gefängnisse – und mögen sie noch so absurd erscheinen:

Mit einem immensem Aufwand hatte das Land NRW die Justizvollzugsanstalt (JVA) in Oberhausens Stadtmitte 2011 zum Therapiezentrum für psychisch kranke Gewalttäter mit 18 Unterbringungsplätzen umbauen lassen – letztendlich saß nur ein einziger Häftling für knapp ein Jahr ein. Durch eine Kleine Anfrage des Oberhausener CDU-Landtagsabgeordneten Wilhelm Hausmann an Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) kommt nun heraus, wie viel Geld der mittlerweile geschlossene „Ein-Mann-Knast“ gekostet hat: knapp 4,3 Millionen Euro.

Aber hey, wo wir schon bei Absurd sind: Wenn wir absurde Knäste haben, haben wir natürlich auch absurde Gefangene. Wie zum Beispiel Menschen die fast 90 sind, kaum Geld zum Leben haben und dann in den Knast gehen. Ihr Vergehen? Sie sind schwarz gefahren:

Die Polizei hat in Wuppertal eine 87-jährige Schwarzfahrerin gefasst und ins Gefängnis gebracht. (…) Weil die notorische Schwarzfahrerin 22-mal ohne Fahrschein erwischt worden war, sollte sie sich Anfang September erneut vor Gericht verantworten. Bereits im Juni war sie wegen Schwarzfahrens zu 400 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Eine Boulevard-Zeitung hatte damals die Strafe bezahlt und der nahezu mittellosen Frau die Ersatzhaft erspart. Die Frau soll nebenher putzen gehen, um sich bei ihrer geringen Rente über Wasser zu halten.

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Die ist 87(!) und muss putzen(!) gehen um sich über Wasser zu halten und wir werfen sie in den Knast, weil sie schwarz gefahren ist. Auf der anderen Seite hat sie da 3 Mahlzeiten am Tag und kann es sich erlauben die Heizung einzuschalten :-(

Trauriger Weise ist das nicht der Postillon und auch nicht The Onion. Sondern bittere Realität. Mag man die Posse um die Grundschüler noch mit einem “ts, diese Amerikaner” abtun, muss man sich doch bei dem Rest echt fragen, was in unserem Land eigentlich schief geht.

Und ich würde gerne laut schreien, angesichts der Omi, die mit fast 90 noch putzen geht um über die Runden zu kommen und dann noch in den Knast muss. Das ist doch alles nicht mehr zu ertragen.

Sagt mal, ist das echt die Welt in der IHR leben wollt? Wenn nicht, warum seid Ihr dann alle so still? Nehmt das so kommentarlos hin? Wo sind die Proteste? Wo ist der Aufschrei?

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Verdammte Zwiebeln ;-)

8. Dezember 2013 Kommentare ausgeschaltet
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Ich weiß, wo Du letzten Sommer (Bus) gefahren bist…

20. November 2013 Kommentare ausgeschaltet
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Wir sind mittlerweile so abgestumpft, dass neue Überwachungsträume uns kaum noch emotional erreichen. Aktuelles Beispiel: Die Pläne des VRR.

Anders als heute zum Beispiel bei Ticket 1000 oder 2000 sollen die Karten-Inhaber dann bei jeder einzelnen Fahrt an elektronischen Erfassungsgeräten ein- und auschecken. Die VRR-Verantwortlichen wollen auf dieser Basis Fahrgästen zunächst gezielter Informationen übermitteln können, so im Fall von Verspätungen.

Langfristig sei an einen neues „gerechteres“ Preissystem gedacht – zum Beispiel mit kilometergenauen oder zeitabhängigen Abrechnungen, sagte VRR-Sprecher Johannes Bachteler unserer Mediengruppe.

Quelle: DerWesten

Das ist natürlich ausgemachter Schwachsinn: Es wird kein “gerechteres Preissystem” geben und die “gezielten Informationen” werden schöne Werbung sein. Tatsächlich geht es darum, betriebswirtschaftlich optimieren zu können: Minimaler Einsatz für maximalen Profit. Das ist an sich auch nicht verkehrt (aus Unternehmenssicht), aber es kann und darf ja wohl nicht mit einer Totalüberwachung einhergehen.

Denn die Geheimdienste freuen sich: Ich kann zwar demnächst mein Handy zu Hause lassen, wenn ich mich unbeobachtet bewegen will, aber die KFZ-Scanner auf der Straße und die totale Überwachung des ÖPNV werden schon dazu führen, dass man jederzeit genau weiß, wann ich wo gewesen bin. Dazu passend hat die Deutsche Bahn ja schon vor langem die Vorlage einer Kreditkarte und seit neustem auch des Personalausweises bei den Fahrkarten eingeführt.

Es gibt, abgesehen von ökonomischen Träumen, keinen Grund für den VRR, seine Fahrgäste komplett zu überwachen. Ich gehe noch weiter: Mit Abgeltung eines Pauschalpreises hat der VRR gar nicht das Recht zu kontrollieren wie oft ich von wo nach wo fahre.

Wer übrigens glaubt, dass das alles Zukunftsmusik vom VRR ist: Kennt Ihr Spyday?

Spyday ist eine App, die als Spiel daher kommt: bewegt man sich in der Nähe von Haltestellen, kann man “Aufgaben” (kleine Kobel-Spiele) sammeln und die für Punkte lösen. Das geht natürlich auch während der Bus oder die Bahn fährt und die Reihenfolge plus Timestamp der aufgesammelten Aufgaben liefert wunderbare Bewegungsprofile, die zumindest an die eMail-Adresse des Spielers gebunden sind. Perfekt, um zum Beispiel die Pendlerbewegungen von Schülern und Arbeitnehmern aufzuzeichnen.

Und wißt Ihr was mich richtig sauer macht? Wie die Bundesregierung wartet der VRR mit seinen Plänen nicht, bis die NSA-Welle vorbei ist, sondern hofft scheinbar, zwischen all den Snowden-Veröffentlichungen nicht ernst genommen zu werden. Dabei sind es gerade auch die privaten Datentöpfe, von denen eine große Gefahr ausgeht.

Aber was schreib ich das? Regt sich außer mir doch eh keiner auf…

Wie man Leute erschreckt: Social Media

19. November 2013 Kommentare ausgeschaltet
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Ohne Worte:

Voerde 2013 – Mein Haus, Mein Grund, Mein Populismus!

2. Oktober 2013 2 Kommentare
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[Zu diesem Blogbeitrag gibt es eine Fortsetzung…]

 

Der geneigte Leser weiß, dass ich Voerde sehr mag. Eine Stadt, klein genug um gemütlich zu sein und groß genug um zu bieten, was ich suche. Eine Mischung aus unterschiedlichen Menschen aller sozialer Klassen, manigfaltiger Herrkunft und gemeinsam “Voerder”.

Und doch hat Voerde auch eine hässliche Seite. Ein zu einer Fratze verzerrtes Gesicht einer Stadt, in der tief verwurzelt eine braune Suppe wabert, die sich immer wieder Ventile sucht, um in die Gesellschaft zu strömen.

Gestern habe ich dieses hässliche Gesicht von Voerde wieder erlebt. Ich habe erlebt, wie eindimensional Menschen denken können. Ich habe erlebt, wie schmal der Grat zwischen Egoismus und Fremdenhass ist. Ich habe erlebt, was Angst macht. Mehr…

Die krude Logik des BKA

21. Februar 2013 Kommentare ausgeschaltet
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Man kann diskutieren, ob “Das Internet” öffentlicher oder privater Raum ist. Dabei ist die Diskussion müßig. Denn selbst im “echten Leben” verschwindet die Grenze zwischen öffentlich und privat zunehmend:

Früher hätte man gesagt: Was in den eigenen 4 Wänden geschiet ist privat, was draussen passiert ist öffentlich. Durch den massiven Einsatz von Handys wird aber zum Beispiel aus der privaten Veranstaltung Telefonieren eine semi-öffentliche: Einstmals als 1:1-Kommunikation gedacht, ist es heute 1:n, wenn die Leute in der Bahn mithören. Ich telefoniere öffentlich und doch privat.

Und wenn ich Freunden draußen was erzähle? Dann bekommen andere das möglicher Weise mit, aber es ist dennoch eher privat und ich würde nicht annehmen, dass jemand sich notiert, wann ich mit wem über was gesprochen habe.

Im Internet ist das angeblich ganz anders, obwohl es doch fast gleich ist:

Schreibe ich etwas hier im Blog ist es öffentlich, jeder kann es lesen, tatsächlich tun das aber nur Freunde, Bekannte und Suchmaschinen-Opfer.  Das ist für mich öffentlich. Verschließe ich Artikel mit Kenntworten, die nur die Zielgruppe kennt, dann ist das schon eher privat. Und wenn ich eine eMail schreibe, ist es komplett privat. An anderer Stelle müßte man sehr fein unterscheiden: Wann z. B. ist ein IRC-Chat privat und wann öffentlich?

Ich hab mal gelernt, öffentlich ist wenn etwas einer nicht bestimmbaren Menge Menschen zugägng gemacht wird. Gilt das in einem Chatraum mit einer bekannten Anzahl Teilnehmer? Und wie gilt das bei einem Handytelefonat, dem alle möglichen Leute zu hören?

Es ist also nicht mehr so leicht zu sagen, was öffentlich und was privat ist. Natürlich könnte man jetzt sagen, dass die Leute halt nur zu Hause telefonieren sollen und eMail ausreicht. Aber das ist ewig gestrig und verschließt die Augen vor dem technisch-kulturellem Wandel, dem wir immer während ausgesetzt sind.

Es braucht also andere Ansätze. Einer davon ist Anonymität: Ich kann ungezwungen im “öffentlichen Raum” telefonieren. Weil die umstehenden Passanten zwar Wort- und Gesprächsfetzen mitbekommen, diese aber nicht bekannten Personen zuordnen können, sind die Inhalte dennoch “verschlüsselt” und ergeben nur für die Gesprächspartner einen Sinn.

Weiterhin braucht es ein unbeobachtetes Environment: Ebenso wie ich mich zu Hause unbeobachtet fühlen können sollte, muss es möglich sein im öffentlichen Raum Menschen zu treffen und mit ihnen zu interagieren, ohne das davon Notiz genommen wird.

Stellt Euch mal vor, Ihr trefft Freunde in einer Bar und der Wirt notiert, wer sich da mit wem wann wie lange getroffen hat. Das käme ich Euch mehr als spanisch vor, oder? Und die Schwelle zum Mikro, dass Eure Gespräche aufzeichnet ist gar keine wirkliche Schwelle mehr.

Was im “echten Leben” abstrus wirkt, ist für das BKA im immer noch nicht verstandenen Internet normal. Aus Sicht des BKA rührt das wohl daher, dass jeder irgendwie verdächtig ist. Anders kann ich mir nicht erklären, warum man dort den Menschen die sich online bewegen, jede Privatsphäre abspricht:

“Wer im Internet ist, hat den Privatraum verlassen und befindet sich quasi im öffentlichen Raum.”

  Spon schreibt:

Die Äußerung des BKA-Vizechefs ist radikal, er stellt die Gültigkeit von Grundrechten im Netz in Frage. Das BKA bestätigt auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE den Wortlaut. Wie viele sogenannte Post-Privacy-Aktivisten ist Maurer der Ansicht, man solle grundsätzlich jede Aktivität im Netz als öffentlich betrachten.

Ermittler könnten viel leichter Beweise sichern, Verdächtige belauschen und ihre Rechner ausspähen, sollten Onlineaktivitäten tatsächlich einmal grundsätzlich als öffentliches Handeln gelten.

Man muss mal versuchen, dass auf das wirkliche Leben zu übertragen: Weil Ihr im öffentlichen Raum telefoniert, darf man Euer Telefon abhören. Weil Ihr in einer Kneipe redet, darf man Euch belauschen und Eure Gläser zur Sicherung der Fingerabdrücke nutzen.

Das was dahinter steht ist das Modell, in dem jeder Mensch verdächtig ist und es keine unschuldigen Menschen mehr gibt. Und das wiederum ist ein Zeichen dafür, wie schnell sich die Spirale dreht in der sich Deutschland von einer freiheitlichen Grundordnung in Richtung eines Systems bewegt, dass Anleihen aus totalitären Polizeistaaten zeigt.

Und was mir hier am meisten fehlt sind Politiker die sich hin stellen und sagen: so nicht!

Denn auch das Internet ist ein normaler Kommunikationsraum wie die Straße. Und wer dort jede Privatheit abschafft, schafft sie auch auf der Straße ab. Wer gegen Anonymität im Internet ist, ist auch gegen Anonymität bei Demonstrationen. Und all das sind Bestrebungen, die Deutschland nicht würdig sind.

Warum nur? Warum macht er das?

10. Februar 2013 1 Kommentar
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Es gibt Situationen in denen man sich fragt: Warum macht der das?

Ich glaube, im Wesentlichen gibt es zwei große Lebensmodelle. Davon ist eines eher passiv und eines eher aktiv ausgerichtet. In dem aktiven Lebensmodell sind die Beteiligten immer auf “der Jagd” nach was Neuem. Und dazu gehöre ich.

Damals habe ich angefangen zu joggen, weil ich eine neue Herausforderung gebraucht habe und mich selbst gefragt habe, was ich am wenigsten gut kann. Da war Laufen die Antwort. Ein paar Jahre später, das Laufen klappte ganz gut, habe ich mich gefragt was nun? Und mich mit Ü30 an der Uni eingeschrieben. Und ich bin in die Politik gegangen.

Das klappte auch und mit der Endphase der Uni stand wieder die Frage vor der Türe, was nun. Da kam das Mountainbiken genau richtig: Fahrrad fahren habe ich ja schon immer geliebt und MTB ist halt soganz anders als Rennrad – sieht man von der grundlegenden Physik ab. Hier ist ein Ziel jetzt die Zillertal-Challenge als Finisher zu fahren.

Dieses Wochenende sind schon knapp 120km Trainingsdistanz gefallen und über die drei statt zwei Tage am Stück in Östereich mache ich mir keinen großen Kopf. Und das mit den Anstiegen bekomme ich bis dahin in den Griff – 150 Trainingstage to go. Und ein paar Marathon-Rennen und CTF stehen bis dahin ja auch noch an.

Sollte das klappen, wird sich das Mountainbiken in mein Leben integrieren wie Cachen und Rennradfahren: Dinge die ich gerne mache. Und vermutlich werde ich dann entweder im Job was Neues suchen oder ein neues Hobby.

Manchmal überlege ich ob ich das mache weil mir woanders was fehlt. Und ich glaube, die Antwort ist nicht, dass mir woanders was fehlt.Ich bin wohl einfach der Typ, der Herausforderungen liebt. Der sich selbst immer wieder beweisen will, dass da noch was geht.

Und sein wir mal ehrlich: Der Schmerz und die Anstrenung, das Glücksgefühl, nach dem man eine Herausforderung geschafft hat, das ist schon was feines.Und all das hilft auch, ausgeglichen durchs Leben zu gehen.

Klar ist man mal von Menschen und Situationen gefrustet. Aber ich glaube die aktiven Menschen sind einfach ausgeglichener und weltoffener.Bleibt die Frage was mit der anderen Gruppe ist?Im besten Fall haben die einen geregelten Tagesablauf und scheuen nur Veränderungen.

Im schlechtesten Fall werden sie irgendwann einsam, dick, depressiv  und ohne Arbeit in ihrer Höhle hocken und alles und jeden  um sich herum hassen. Weil sie nicht verstehen, dass andere Menschen aktiver und glücklicher sind. Weil sie selbst nicht verstehen, dass nicht ihre Umwelt schuld an ihrer Misere ist – sondern sie selbst.

Für mich kein Lebensstil.

Bitte spenden Sie hier… also nicht bei mir, sondern bei denen!

8. Februar 2013 2 Kommentare
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Die Matschhühner wollen das kommende 24h-Rennen in Duisburg nutzen, um mit einer Spendenaktion darauf aufmerksam zu machen, dass es in unserer Mitte Armut gibt.

Die Spenden sollen verwendet werden, um den Verein Immersat e. V. zu unterstützen:

Das Immersatt setzt sich für gesunde Ernährung und die Förderung von elementarer Bildung bei Kinder und Jugendliche in Armut ein. Dazu gehört zum Beispiel eine Hausaufgabenbetreuung, Schreib- und Leseförderungen, die Frühstücksbeutel Aktion, täglich ein warmes Mittagessen oder das Bereitstellen von frischen Obstkörben an den örtlichen Schulen.

Ich finde das gut und richtig und deswegen bitte ich Euch hier entlang: Klick!

Alternativer Textvorschlag für den Spiegel…

14. Dezember 2012 Kommentare ausgeschaltet
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Ich habe heute morgen auf dem Weg zur Arbeit noch gesagt, ich bin entsetzt wie leicht es ist die Menschen dumm zu halten. Und kaum rollen die ersten Tweets der Nachrichtenagenturen an mir vorbei, wird mir auch klar: Beim dumm halten gehen Politik und Presse Hand in Hand – und ich rede ausnahmsweise mal nicht vom Leistungsschutzrecht ;-)

Im SpOn gibt es heute einen Artikel unter der reißerischen Überschrift

Hacker machen Kim Jong Un zur “Person des Jahres”

Wäre der Spiegel ein ernst zu nehmendens Nachrichtenmagazin hätte dann in dem Artikel nicht gestanden:

“Bei der Leserabstimmung zur “Person des Jahres 2012″ auf der Internetseite des “Time”-Magazins erhielt Kim 5,6 Millionen Stimmen – und gewann damit mit großem Vorsprung. Die renommierte US-Zeitschrift teilte allerdings mit, dass das Ergebnis größtenteils auf Kampagnen verschiedener Hacker-Gruppen zurückzuführen sei. Diesen hätten den Diktator mit speziellen Klick-Programmen nach vorne gebracht.”

Denn das ist so dumm, dass es weh tut.

Dabei ziele ich gar nicht mal mehr so darauf ab, dass Hacker natürlich keine Menschen sind die “spezielle Klick-Programme” nutzen. Sondern darauf, dass hier der Eindruck erweckt wird, ein paar wenige hätten hier Schaden angerichtet. Tatsächlich aber handelte es sich hier um eine im Internet entworfene und orchestrierte konzertierte Aktion, die einen erheblichen Aufwand verursachte.

Tatsächlich stammt das Ganze von 4chan, wo nach meinen Beobachtungen eher weniger Hacker als mehr Spinner, teilweise hochintelligent, unterwegs sind. Bei weitem ging es nicht nur darum, den Diktator an die Spitze zu wählen – dort standen schon andere Despoten und selbst der Chef von Facebook.

Und der Spiegel hätte zum Beispiel so berichten können:

Internet verhöhnt Kim Jong Un als Person des Jahres

New York – In einer Internetabstimmung des Time Magazine wurde der nordkoreanische Dikator Kim Jong Un als Person des Jahres gewählt. Ursache dafür dürfte die Mobilisierung eines großen Teils der Internetgesellschaft gewesen sein. Geführt von dem Imageboard “4chan” haben tausende Nutzer Kim Jong Un an die Spitze der Liste gewählt. Die Nominierung ist insofern nicht ungewöhnlich, als das auch schon Hitler und Stalin “Person of the Year” waren.

Ungewöhnlich ist, dass es den Kreativen auch gelang, die Rangfolge aller nachfolgenden so zu steuern, dass die ersten Buchstaben der jeweiligen Namen “KJU GASCHAMBER” ergaben – das Kürzel des Diktator-Namens plus Gaschamber, also Gaskammer. Ein bitteres Wortspiel aus 4chan, das zugleich eine mögliche Zukunft als auch seine Herrschaft umschreiben könnte.

Und so weiter… man müssten dann noch erklären, warum der amerikanische  Bezug zur Gas Chamber ein anderer ist als der Europäische und man könnte noch erklären was 4chan ist oder so. Potential en Masse.
Statt dessen aber hat der Spiegel vorgezogen, es sich leicht zu machen und einfach mal wieder Unsinn zu schreiben. In der Hoffnung, dass ein paar Buzzwords ausreichen, große Betroffenheit zu erzeugen. In der Version von 8 Uhr am 13.12.2012 hatte SpOn das mit den Plätzen 2 bis x übrigens noch nicht geblickt.

Bicycle Culture by Design

4. Dezember 2012 Kommentare ausgeschaltet
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Einer der besten TED-Beiträge des Jahres. Schon die ersten 5 Minuten haben mich ziemlich irritiert, weil ich so nie darüber nachgedacht habe…