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Archiv für die Kategorie ‘soziologie’

Welcome to the Mittelalter

7. Dezember 2016 2 Kommentare
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2016?
Nicht wirklich. Wenn ich sowas lese:

„Tailands Militärregierung ermittelt wegen einer wenig schmeichelhaften Biografie des neuen Königs Vajiralongkorn gegen den britischen Sender BBC. Der Verdacht laute auf Majestätsbeleidigung, bestätigte ein Sprecher der Militärjunta an diesem Mittwoch.“

Quelle: FAZ

Bei Erdogan / Böhmermann konnte man ja noch eine Ausrede finden… aber hier?

Und macht Euch keine Hoffnung, das wäre ja alles weit weg. Denn darf ich Euch an Anfang des Jahres erinnern? Hier, mitten in Deutschland:

Wegen Gotteslästerung ist ein ehemaliger Lehrer in Nordrhein-Westfalen zu einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Der 67-Jährige muss als Bewährungsauflage 500 Euro zahlen, entschied das Amtsgericht Lüdinghausen. Der Mann hatte die Rückscheibe seines Autos großflächig mit Sprüchen wie „Jesus – 2000 Jahre rumhängen und immer noch kein Krampf!“

Quelle: SPON

Au Backe.

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Die FDP, das Stöckchen und der Unterhaltungswert

1. Dezember 2016 Keine Kommentare
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Die FDP Voerde hat auf ihrer Website nach langem Schweigen mal wieder eine politische Äußerung getätigt. Das war eine so schöne Steilvorlage, dass ich es mir (natürlich) nicht habe nehmen lassen, eine ähnlich polemische Replik zu schreiben.

Die beabsichtigte Wirkung wurde auch voll erzielt: Nur kurz danach veröfffentlichte die FDP einen weiteren Artikel, der auf der Oberfläche vor gefühlter Wut und Schaum vor dem Mund tropft. Mir scheint es so, dass alle starken Emotionen wie Hass, Wut und Liebe den Menschen im Denken einschränken.

Insofern bräuchte der Artikel eigentlich auch keine Erwiderung: Die Ausführungen der FDP und der nachgeschobene Beitrag zeigen sehr deutlich wo die FDP steht. Und wie es um die FDP steht.

Und trotzdem ist ein Punkt von außerordentlicher Auffälligkeit:

Wahrscheinlich ist es ein Problem mit der Logik, wird doch im „Beitrag“ der Grünen ernsthaft bestritten, dass auf einer verengten Fahrbahn weniger Platz zum Ausweichen bleibt, falls eine Person (Fußgänger oder Radfahrer) bspw. aus Unachtsamkeit (Unfallursache Nr.1!) plötzlich auf die Fahrbahn vor ein herannahendes Fahrzeug gerät. So eine Situation ist im grünen Paralleluniversum im wahrsten Sinne des Wortes undenkbar, daher wird sie flugs wegdefiniert bzw. -geschwafelt.

Merke: zulässige Unfallursachen gemäß grüner Diktion sind ausschließlich Abbiegefehler, mangelnder Abstand und zu hohe Geschwindigkeit – andere Auslöser wie Unachtsamkeit sind Erfindungen liberaler Lügenpropaganda.

Hier kommen wir jetzt zu dem Problem „denken wenn ich wütend bin“:

Ganz bewußt habe ich in meinem Beitrag von den Hauptunfallursachen gesprochen. Hätte der Autor oder die Autorin (man versteckt sich leider hinter Pseudonym) jetzt die Emotionen runtergeschraubt und wenigstens mal Wikipedia genutzt, hätte man lernen können, dass das tatsächlich ein feststehender Begriff der Verkehrsunfallstatistik  ist:

Die Hauptunfallursachen ergeben sich aus der Häufigkeit der Unfälle nach der Verkehrsunfallstatistik des Bundes und der Länder. An ihnen orientieren sich die Maßnahmen der Verkehrsüberwachung.

Hauptunfallursachen nach der vorgenannten Verkehrsunfallstatistik sind:

Statt sich also auf die tatsächlich mögliche Kritik an dieser Zählweise zu stürzen, verfällt die Autorin oder der Autor in eine Schreibweise, die für mich stark an PEGIDA und die besorgten Bürger erinnert: „Grüne Diktion“ und „Liberale Lügenpropaganda“ werden genutzt, um sich selbst in die Opferrolle zu begeben.

Das ist in vielerlei Hinsicht ausgesprochen interessant.

Kategorienpolitik, soziologie Tags:

Wenn Jobs nicht die Lösung – sondern das Problem sind.

26. November 2016 Keine Kommentare
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Wenn Ihr mich kennt, wißt Ihr, dass ich zwei Dinge propagiere:

  1. Die Zeit der Vollbeschäftigung ist vorbei: Angenommen es gibt keinen neuen Weltkrieg, der einen großen Teil der Menschheit ausrottet und unsere Güter und Dienste zerstört. Dann wird es nie wieder Vollbeschäftigung geben. Im Gegegenteil: Würden wir das Potential der Automatisierung ausnutzen und auch noch all die „künstlichen“ Jobs löschen, ein Großteil der Menschen wäre arbeitlos. Daraus folgt:
  2. Wir müssen uns dringend darüber unterhalten, wie Gesellschaft in Zukunft funktioniert. Hint: Die Teilhabe an der Gesellschaft darf nicht mehr über Erwerbstätigkeit definiert werden. Statt Arbeitslose als „Schmarotzer des Sozialsystems“ zu betrachten, die „wir“ irgendwie durchfüttern, müssen die Gewinne aus der Automatiosation und aus der Wertschöpfung so verteilt werden, dass alle genug haben. Und die die noch arbeiten gehen, eben etwas mehr. Ja, das geht stark in Richtung Bedingungsloses Grundeinkommen.

Bei Fefe bin ich jetzt auf einen extrem guten Essay gestoßen: What if jobs are not the solution but the problem?

 Work means everything to us Americans. For centuries – since, say, 1650 – we’ve believed that it builds character (punctuality, initiative, honesty, self-discipline, and so forth). We’ve also believed that the market in labour, where we go to find work, has been relatively efficient in allocating opportunities and incomes. And we’ve believed that, even if it sucks, a job gives meaning, purpose and structure to our everyday lives – at any rate, we’re pretty sure that it gets us out of bed, pays the bills, makes us feel responsible, and keeps us away from daytime TV.

These beliefs are no longer plausible. In fact, they’ve become ridiculous, because there’s not enough work to go around, and what there is of it won’t pay the bills – unless of course you’ve landed a job as a drug dealer or a Wall Street banker, becoming a gangster either way. (continue)

Wenn Ihr des Englischen mächtig seid und etwas Zeit habt: Dringende Leseempfehlung!

Kategoriengelesen, ökonomisch, politik, soziologie Tags:

Mehr! Geld! Für! Bildung!

6. Oktober 2016 Kommentare ausgeschaltet
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Wenn es noch einen Beweis braucht, dass wir dringend unsere Bildungspolitik überarbeiten müssen, dann habe ich hier einen.

Xtra3 hat einen einen Reporter zum „Kongress“ des Koop-Verlags geschickt. Und ich bin entsetzt, denn was lustig wirken soll, macht einfach nur Angst. Weil ich davon überzeugt bin, die Leute glauben was sie sagen:

Kategorien1984, politik, soziologie Tags:

Facebook: Von der Cholera zur Pest

20. Juni 2016 Kommentare ausgeschaltet
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Vor ziemlich genau 5 Jahren habe ich mich bei Facebook abgemeldet. Das hatte hauptsächlich die zwei Gründe, dass ich Facebook nervig und eine Gefahr für das offene Netz fand.

Daran hat sich nichts geändert, gleichwohl habe ich mich Ende letzter Woche neu angemeldet. Aus einem einfachen Grund: es stehen zwei Wahlen an, von denen eine für mich besonders wichtig wird. Und ich möchte gerne mit den Menschen dazu kommunizieren. Und da ich niemanden zwingen kann, sein Habitat zu verlassen, muss ich halt zu ihnen. Hilft ja nix.

In den wenigen Tagen die ich jetzt wieder bei Facebook bin, habe ich knapp 750 „Freunde“ gefunden. Von denen ich vielleicht 1% wirklich kenne. Da ich aber nicht sehr selektiv die „Freundschaften“ angenommen habe, vermittelt mir meine Timeline schon einen interessanten Einblick.

Das wiederum macht mir schon Angst. Denn zu den beiden oben genannten Gründen, warum man Facebook links liegen lassen sollte, kommt nun ein Dritter: Facebook ist eine Gefahr für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Auf FB werden völlig gedankenlos die absurdesten Meldungen und Videos verbreitet – aus den obskursten Quellen. Das wird freudig geliked und geteilt, mal politisch streng rechts, mal streng links aber immer völlig gaga.

Es scheint, als wäre „denken vor dem klicken“ völlig ausgestorben und durch ein „ich will dazu gehören – dafür klicke ich“ ersetzt worden. Eine Verarbeitung dessen was man da sieht und teilt scheint nicht statt zu finden.

In der Folge bewegt sich jede Diskussion aus der neutralen Mitte schnell in ein extremes Lager. Meiner Meinung nach aber mit deutlicher Tendenz nach Rechts, weil man offensichtlich dort die Nachrichten produziert, die die Menschen lesen wollen. Um sich in ihrer Angst, Furcht vor anderen oder einfach nur in ihrer Dummheit bestätigt sehen wollen. Diese Effekte verstärken sich in einem interessanten Ausmaß, bis letztlich auch die „gefangen“ werden, deren IQ man so hoch einschätzt, dass sie eigentlich auf solche Schwachsinns-Posts nicht reagieren dürften.

Vielleicht wäre das mal für die eine oder andere Doktor-Arbeit interessant zu analysieren: Wie sehr Facebook die Mitte der Gesellschaft destabilisiert.

Au wei. Das kann ja eine lustige Zeit da werden….

#verafake – oder: Ehre, wem Ehre gebührt

13. Mai 2016 Kommentare ausgeschaltet
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Das Netz diskutiert über den neuen „Geniestreich“ von Jan Böhmermann. Und ich muss sagen: Zu recht, ein erneuter Volltreffer.

Nur: mir fehlte da was. Nämlich die Erwähnung von Fernsehkritik.tv. Denn Holger Kreymeier kämpft schon seit Jahren gegen den Müll im Trash-TV der Privaten. Und hate schon vor relativ langer Zeit insbesondere auch Sendungen wie Schwiegertochter gesucht auf’s Korn genommen.

Unvergessen Tim Mälzer zu dem Thema – und das schon 2010(!):

Ich nehme an, dass einem Team wie dem von Böhmermann das alles nicht verborgen geblieben ist. Und hätte mir gewünscht, dass man hier ein paar „Credits“ an Holger vergibt.

Das eigentliche Problem hat übrigens der Mafnificent Bastard zusammengefasst:

 

 

Kategorienfilm, gedanken, soziologie Tags:

Die FDP will das Bedingungslose Grundeinkommen und Schäubel dagegen…. ach…

21. April 2016 Kommentare ausgeschaltet
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Wir leben in einer Welt, in der durch moderne Technik und Organisation mehr Arbeitsplätze „vernichtet“ werden, als geschaffen. Gleichzeitig steigt aber der vorhandene Wohlstand, wenn auch ungleich verteilt. Ein Lösungsansatz könnte das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) sein, dass jetzt sogar in der Schweiz zur Diskussion steht.

Entsprechend irritiert, aber grundsätzlich positiv überrascht war ich, als ausgerechnet die FDP jetzt einen Vorstoß für ein „BGE-Light“ wagte. In der Welt konnte ich lesen:

 Vor dem Hintergrund der veränderten Arbeitswelt macht sich die FDP für einen radikalen Kurswechsel in der Rentenpolitik stark. Ein entsprechender Antrag, der der „Welt“ vorliegt, soll beim Bundesparteitag am kommenden Wochenende verabschiedet werden. Danach soll das starre Renteneintrittsalter abgeschafft werden. Ab dem 60. Lebensjahr soll jeder Arbeitnehmer selbst entscheiden können, ob und wann er in den Ruhestand geht.

Die Hinzuverdienstgrenzen sollen wegfallen, sodass das Arbeiten für Rentner attraktiver wird. „Wer seine Rente früher bezieht, erhält eine geringere Rente, wer später in Rente geht, eine höhere“, heißt es in dem Antrag. Die Berechnung erfolge über einen „jahrgangsindividuellen Faktor“, der sich aus der Lebenserwartung der jeweiligen Generation ergebe.

Das ist für die Rente das, was das BGE für alle sein will: Es gibt einen finanziellen Grundstock, mit dem man (gut!) leben kann. Will ein Arbeitgeber einen klugen Kopf, zahlt er auf das BGE drauf, also weniger als ein Gehalt. Muss aber genug zahlen um den BGE-Bezieher zu motivieren. Eigentlich eine klasse Sache.

Ein bisschen Schade ist, dass die FDP das für die Rente derzeit anspricht und nicht generell.

Denn in der EU ist ja zum Beispiel die Jugendarbeitslosigkeit ein Problem. Will ich aber, dass die weniger werdenden Stellen durch jüngere Leute besetzt werden, muss ich dafür sorgen, dass die älteren Arbeitnehmer sich früher in ein entspanntes Rentenleben verabschieden und damit die Stellen frei machen.

Das liegt ja eigentlich auf der Hand. Deswegen könnte man erstaunt sein, wenn Schäuble das Gegenteil in der FAZ fordert:

Finanzminister Schäuble warnt vor den Folgen der Alterung und wirbt für ein höheres Renteneintrittsalter. Die Junge Union hat sogar schon einen konkreten Vorschlag.

Das ist natürlich absolut unklug und kann eigentlich nur dadurch erklärt werden, dass es die Rentenkassen erleichtert, wenn die Menschen sich zu Tode arbeiten. Aber gut, CDU halt. Die Junge Union steht da natürlich in nix nach:

Deren Vorsitzender Paul Ziemiak schlägt in einem Beitrag für die „Rheinische Post“ vor, das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre zu erhöhen

Bleibt die Frage ob die FDP wirklich an das BGE gedacht hat. Oder das einfach als Sprungbrett für die alte Laier der privaten Vorsorge nutzen will. Vermutlich letzteres, aber es ist trotzdem gut, wenn das Thema ein Mal mehr auf’s Tablett gelegt wird.

Denn machen wir uns nix vor: Wir werden etwas ändern müssen.

Und noch haben wir die Wahl. Ob im Sinne der Menschen oder im Sinne der CDU.

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Sei auf der Hut – und gewiss: WIR beobachten dich.

18. April 2016 Kommentare ausgeschaltet
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Es scheint für unsere Regierung zunehmend problematisch zu sein, dass Menschen sich anonym bewegen wollen. Anonym Geld (bar) übergeben? Ein Unding. Anonym Telefonieren? Ach hör auf. Unbeobachtet Auto fahren? Terrorist, ganz klar.

Und jetzt neu im Theater: die flächendeckende Rund-um-die-Uhr-Überwachung des ÖPNV.

Völlig unbestritten mag Videoaufzeichnung im Einzelfall helfen, Täter zu finden. Aber Taten verhindern? Kaum. Und das all die Überwachung vor Terror schützt, glaubt doch allenfalls jemand, der auch glaubt was in der Bild-Zeitung steht.

Bleibt also die Frage nach dem Warum. Dem Motiv.

Was verspricht sich der Staat davon, wenn sie ihre Bürger auf Schritt und Tritt überwacht? Baustein für Baustein eine Gesellschaft baut in der Verdächtig wirkt, der sich der Überwachung entzieht?

Und warum scheint es, mit wenigen Ausnahmen, niemanden zu stören?

Kategorien1984, politik, soziologie Tags:

Wenn Extrem nicht mehr reicht…

17. April 2016 Kommentare ausgeschaltet
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Wer ins Fernseh will, muss dem Zuschauer etwas bieten.

Und der Zuschauer hat Erwartungen.

Kategoriensoziologie Tags:

Georg Schramm trifft den Punkt

21. Februar 2016 Kommentare ausgeschaltet
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Hach…

wenn ich ein Vorbild hätte, er wäre es:

Liebes Deutschland: Mach doch mal was aus dem vorhandenen Potential

2. Februar 2016 Kommentare ausgeschaltet
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Es ist ja nicht erst seit gestern bekannt, dass wir in Deutschland ein massives Problem mit den Einwohnerzahlen haben. Dazu trägt natürlich auch die dramatische Überalterung der Gesellschaft bei. Und so ist es eigentlich nur logisch, dass alle mit ein wenig Grips im Kopf die Frage stellen müssten:

Sind all die Menschen die nach Deutschland kommen wollen nicht eher notwendig?

Und ja, sie sind es. Der Spiegel griff das Thema schon 2010 auf und 2015 legte die Welt noch einmal nach und prognostizierte, dass Deutschland bis 2050 eine halbe Million Zuwanderer braucht. Und zwar nicht insgesamt – sondern pro Jahr!

Jetzt legt der Spiegel noch mal nach:

Manchmal ist ein Problem die Lösung für ein anderes Problem. Der deutsche Mittelstand etwa klagt über einen erheblichen Fachkräftemangel, wie das aktuelle Mittelstandsbarometer der Wirtschaftsberatung Ernst & Young (EY) belegt: 62 Prozent der Betriebe können freie Stellen nicht besetzen, 49 Prozent müssen deshalb gar Aufträge ablehnen. Hochgerechnet gehen dem Mittelstand dadurch fast 46 Milliarden Euro an Umsatz im Jahr verloren, insgesamt fehlen ihm 326.000 Arbeitskräfte. Gleichzeitig dürfte der Zuzug von Flüchtlingen in diesem Jahr für 380.000 zusätzliche potenzielle Arbeitskräfte sorgen, schätzt die Bundesagentur für Arbeit (BA) – also etwas mehr, als dem Mittelstand fehlen.

Im weiteren Verlauf des Artikels wird dann aber schnell klar: Das Problem ist gar nicht das die Menschen die zu uns kommen nicht arbeiten wollen. Sie dürfen schlicht nicht.

Einig sind sich der Mittelstandsexperte und der Arbeitsmarktforscher allerdings in einem anderen Punkt: Die Unsicherheit im deutschen Aufenthaltsrecht stellt ein sehr großes Hindernis dar. „Solange unklar ist, ob ein Flüchtling dauerhaft in Deutschland arbeiten darf, werden Betriebe vor Investitionen etwa in die Ausbildung zurückschrecken“, sagt IAB-Forscher Brücker. „Aus Sicht der Betriebe sind Investitionen in Flüchtlinge riskant, solange sie kein dauerhaftes Bleiberecht haben“, meint EY-Partner Englisch.

Und damit ist es für die Betriebe mit (zu hohen) Unsicherheitsfaktoren belastet, jemanden einzustellen. Wenn es denn überhaupt ginge.

Das dahinter liegende Problem ist, dass wir zwar in Europa die Freizügigkeit genießen, also jeder Europäer hier arbeiten dürfte. Nur ist der Zustrom aus diesen Ländern eben bei weitem nicht groß genug um das Delta aufzufangen. Gleichzeitig gibt es aber nur sehr wenige und teilweise ungewöhnlich beschwerliche Wege, legal und zum Arbeiten aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland zu kommen.

Während wir also über den „ungebremsten Zustrom von Flüchtlingen“ debattieren und sie durch immer perfidere Gesetze zu Illegalen erklären und durch immer tödliche Grenzen abhalten wollen, zeigt sich im Inneren unseres schönen Landes das wir diese Menschen brauchen. Und da darf man doch mal die Frage stellen:

Was stimmt hier nicht?

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Von Terroristen und Selbstmördern

21. Januar 2016 Kommentare ausgeschaltet
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Im Intercept gibt es einen sehr interessanten Artikel, warum eine IT-gestützte Suche nach Terroristen wenig erfolgversprechend ist. Allerdings lernte ich gerade aus dem Artikel auch noch etwas komplett anderes:

The briefing suggested that the algorithm Facebook uses to spot and prevent possible suicides might be a helpful model for a technology to locate terrorists, asking: “Are there other areas where online providers have used technology to identify harmful content and remove it? … Something like Facebook’s suicide process flow?”

Also Facebook leitet aus dem Verhalten seiner Nutzer ab ob sie selbstmordgefährdet sind?

Diese Technik kann also mit 65% Wahrscheinlichkeit ermitteln, ob jemand sich das Leben nehmen möchte. Und natürlich kann man sagen, dass das helfen könnte Menschen davor zu bewahren sich umzubringen. Man kann allerdings auch die Frage stellen ob Facebook in irgendeiner Form das moralische Recht hat, eine Analyse der psychischen Verfassung seiner Kunden vorzunehmen. Oder anders ausgedrückt: bei einer so niedrigen Wahrscheinlichkeit kommt es zwangsläufig zu False-Positive-Meldungen – was das für Folgen haben kann, kann man sich vorstellen.

Ebenso kann man sich vorstellen, welche Gruppen Interesse an solchen Daten hätten: Versicherungen, Arbeitgeber, …

Und ich stelle mal die Vermutung an das den wenigsten Facebook-Nutzern klar ist, dass im Hintergrund Software darüber entscheidet in welcher mentalen Verfassung sie sich möglicher Weise gerade befinden.

Wow. Krass.

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Gut, dass wir nicht paranoid sind.

21. Januar 2016 Kommentare ausgeschaltet
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Ich lese manchmal Nachrichten und wünschte mir, dass es Enten wären. Ich möchte aufwachen und feststellen, dass alles nur ein wirrer Traum war.

So wie heute morgen, als ich beim Spiegel folgendes las:

Ein zehn Jahre alter muslimischer Junge aus der englischen Grafschaft Lancashire ist von der Polizei befragt worden, weil er in einem Schulaufsatz schrieb, er lebe in einem „Terroristenhaus“. Das berichtet die BBC. Der Junge habe sich verschrieben und eigentlich Reihenhaus gemeint („terraced house“ statt „terrorist house“).

Die Lehrer hätten das nicht als Schreibfehler erkannt und den Jungen daher den geltenden Anti-Terror-Gesetzen zufolge der Polizei gemeldet. Der Counter-Terrorism and Security Act 2015 fordert Lehrer auf, Verdächtiges zu melden.

Laut BBC befragten Ermittler den Sohn und untersuchten einen Computer im Haus der Familie.

Das ist so dermaßen absurd, dass man zunächst glauben möchte, dass sich das gar nicht zugetragen haben könnte. Das das gar nicht sein kann, ich meine weder kann man so bescheuert sein, noch kann eine zivilisierte Gesellschaft so denunziatorisch werden und so panisch in ihrer Angst, dass selbst kleine Kinder nicht mehr außen vor gelassen werden.

Leider aber erinnert mich die Nachricht an eine von vor wenigen Tagen, als ich bei der Washington Post folgendes las:

A 10-year-old girl received a pat-down in a North Carolina airport after she left a Capri Sun juice pouch in her bag, according to her father, who filmed the incident and posted footage on YouTube.

Sehr schön übrigens die Erklärung, man habe ja nur Regel befolgt:

But a TSA spokesman said that the pat-down followed agency guidelines.

Ich meine, mal ehrlich und unter uns: Bin ich wirklich der einzige, den das massivst beunruhigt, was gerade passiert? Und nein, es ist nicht der Terrorismus, vor dem ich hier Angst habe. Es ist unsere Bereitschaft, vor einer selbst geschaffenen Angst zu kapitulieren und alle Werte über Board zu werfen – für eine vermeintliche Sicherheit vor einem vermeintlichen Feind.

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Die Welt als Terror-Tollhaus

13. Januar 2016 3 Kommentare
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Es ist kaum auszuahlten – und so bizarr vorhersehbar. Scheinbar gesteuert von einer derzeit herrschenden Allmachtsphantasie wird alles und jeder genutzt, um mehr Überwachung, mehr Krieg, mehr irgendwas durchzusetzen. Und die Muster sind immer die gleichen:

In Paris will ein mit einem Messer(!) bewaffnerter Mann in eine Polizeistation und wird wenig überraschen erschossen. Gut, eigene Schuld, bitte die Geschichtsbücher schließen, der Typ war irre. Auf die eine oder andere Art und Weise.

Heute aber muss er ein Terrorist sein.

Und welch glückliche Fügung, dass er angeblich eine SIM-Karte aus Deutschland im Handy hatte. Denn das rechtfertigt doch sofort wieder den Ruf nach der Vorratsdatenspeicherung. An deren Daten endlich auch die Geheimdienste wollen. Wann sie wollen. Natürlich sind hier die Hardliner der CDU ganz vorne. Aber als ob die SPD nenneswert dagegen halten würde :-/

Dabei alleine bleibt es nicht. Denn sofort wird in Recklinghausen jeder Flüchtling mit dem „Attentätter“ über einen Kamm geschert. Und man nennt das euphemistisch „Sicherheitsabfrage zu jedem Flüchtling„. Ich nenne das Racial Profiling.

Und kaum kommt es zu einem Attentat in Istanbul ist sofort klar: Es muss ISIS gewesen sein. Logisch, damit hat die NATO den perfekten Grund in sich noch militärischer zu geben. Für die USA wären jetzt schon alle Hemmungen gefallen.

Dann noch Deutsche unter den Toten? Das wird ja immer „besser“. Und schon titelt sogar der öffentlich rechtliche Rundfunk leicht panisch-paranoid „Selbstmordattentat in Istanbul – Gezielter Angriff auf Deutsche?“ und man fragt sich: wozu?

Muss hier ein äußerer Feind gestärkt in die Wahrnehmung, damit wir unsere internen Probleme vergessen? Zum Beispiel die Welle von politisch rechts motiviertem Terror der gerade über unser Land zieht?

Während dessen wird darüber diskutiert ob und wann man die Nationalität von Straftätern veröffentlichen soll. Könnten wir uns vielleicht darauf einigen, dass Nationalitäten und Religionen keine Straftaten direkt begehen, sondern Menschen? Es ist doch vollkommen egal, ob ein Deutscher, Niederländer, Türke oder Syrer eine Straftat begeht: Die Strafe muss für alle die gleiche sein, im gleichen Rechtsraum. Und der einzige Grund die Nationalität oder Abstammung zu nennen ist doch einen bestimmten Eindruck forcieren zu wollen.

Ähnlich schwachsinnig wie „unter den Toten 6 Deutsche, davon 2 Frauen und ein Kind“. Ein Toter ist ein Toter. Ein tragischer Verlust. Der nicht mehr wert wird, wenn er ein bestimmtes Alter, Geschlecht oder eine Nationalität hat. Es ist völlig egal ob ein Syrer in der Türkei Deutsche getötet hat: ein Täter hat eine abscheuliche Tat begannen bei der Menschen ums Leben kamen. Punkt.

Könnten wir uns also vielleicht alle wieder ein wenig beruhigen? Wieder vor der eigenen Tür kehren? Und aufhören uns ständig irgendwelche Feindbilder (Der Syrer, Der Afrikaner, Der Moslem, Der Katholik) zu bauen?

Einfach mal wieder… wie intelligente und vernunftbegabte Menschen handeln?

Denn wo das endet, wenn wir es nicht schaffen, sieht man sehr schön in den USA. Wo jetzt der falsche Name schon verhindert, Computerspiele spielen zu können.

Ich würd ja gerne lachen, aber…

9. November 2015 Kommentare ausgeschaltet
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