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Archiv für die Kategorie ‘soziologie’

Liebes Deutschland: Mach doch mal was aus dem vorhandenen Potential

2. Februar 2016 Keine Kommentare
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Es ist ja nicht erst seit gestern bekannt, dass wir in Deutschland ein massives Problem mit den Einwohnerzahlen haben. Dazu trägt natürlich auch die dramatische Überalterung der Gesellschaft bei. Und so ist es eigentlich nur logisch, dass alle mit ein wenig Grips im Kopf die Frage stellen müssten:

Sind all die Menschen die nach Deutschland kommen wollen nicht eher notwendig?

Und ja, sie sind es. Der Spiegel griff das Thema schon 2010 auf und 2015 legte die Welt noch einmal nach und prognostizierte, dass Deutschland bis 2050 eine halbe Million Zuwanderer braucht. Und zwar nicht insgesamt – sondern pro Jahr!

Jetzt legt der Spiegel noch mal nach:

Manchmal ist ein Problem die Lösung für ein anderes Problem. Der deutsche Mittelstand etwa klagt über einen erheblichen Fachkräftemangel, wie das aktuelle Mittelstandsbarometer der Wirtschaftsberatung Ernst & Young (EY) belegt: 62 Prozent der Betriebe können freie Stellen nicht besetzen, 49 Prozent müssen deshalb gar Aufträge ablehnen. Hochgerechnet gehen dem Mittelstand dadurch fast 46 Milliarden Euro an Umsatz im Jahr verloren, insgesamt fehlen ihm 326.000 Arbeitskräfte. Gleichzeitig dürfte der Zuzug von Flüchtlingen in diesem Jahr für 380.000 zusätzliche potenzielle Arbeitskräfte sorgen, schätzt die Bundesagentur für Arbeit (BA) – also etwas mehr, als dem Mittelstand fehlen.

Im weiteren Verlauf des Artikels wird dann aber schnell klar: Das Problem ist gar nicht das die Menschen die zu uns kommen nicht arbeiten wollen. Sie dürfen schlicht nicht.

Einig sind sich der Mittelstandsexperte und der Arbeitsmarktforscher allerdings in einem anderen Punkt: Die Unsicherheit im deutschen Aufenthaltsrecht stellt ein sehr großes Hindernis dar. „Solange unklar ist, ob ein Flüchtling dauerhaft in Deutschland arbeiten darf, werden Betriebe vor Investitionen etwa in die Ausbildung zurückschrecken“, sagt IAB-Forscher Brücker. „Aus Sicht der Betriebe sind Investitionen in Flüchtlinge riskant, solange sie kein dauerhaftes Bleiberecht haben“, meint EY-Partner Englisch.

Und damit ist es für die Betriebe mit (zu hohen) Unsicherheitsfaktoren belastet, jemanden einzustellen. Wenn es denn überhaupt ginge.

Das dahinter liegende Problem ist, dass wir zwar in Europa die Freizügigkeit genießen, also jeder Europäer hier arbeiten dürfte. Nur ist der Zustrom aus diesen Ländern eben bei weitem nicht groß genug um das Delta aufzufangen. Gleichzeitig gibt es aber nur sehr wenige und teilweise ungewöhnlich beschwerliche Wege, legal und zum Arbeiten aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland zu kommen.

Während wir also über den „ungebremsten Zustrom von Flüchtlingen“ debattieren und sie durch immer perfidere Gesetze zu Illegalen erklären und durch immer tödliche Grenzen abhalten wollen, zeigt sich im Inneren unseres schönen Landes das wir diese Menschen brauchen. Und da darf man doch mal die Frage stellen:

Was stimmt hier nicht?

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Von Terroristen und Selbstmördern

21. Januar 2016 Kommentare ausgeschaltet
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Im Intercept gibt es einen sehr interessanten Artikel, warum eine IT-gestützte Suche nach Terroristen wenig erfolgversprechend ist. Allerdings lernte ich gerade aus dem Artikel auch noch etwas komplett anderes:

The briefing suggested that the algorithm Facebook uses to spot and prevent possible suicides might be a helpful model for a technology to locate terrorists, asking: “Are there other areas where online providers have used technology to identify harmful content and remove it? … Something like Facebook’s suicide process flow?”

Also Facebook leitet aus dem Verhalten seiner Nutzer ab ob sie selbstmordgefährdet sind?

Diese Technik kann also mit 65% Wahrscheinlichkeit ermitteln, ob jemand sich das Leben nehmen möchte. Und natürlich kann man sagen, dass das helfen könnte Menschen davor zu bewahren sich umzubringen. Man kann allerdings auch die Frage stellen ob Facebook in irgendeiner Form das moralische Recht hat, eine Analyse der psychischen Verfassung seiner Kunden vorzunehmen. Oder anders ausgedrückt: bei einer so niedrigen Wahrscheinlichkeit kommt es zwangsläufig zu False-Positive-Meldungen – was das für Folgen haben kann, kann man sich vorstellen.

Ebenso kann man sich vorstellen, welche Gruppen Interesse an solchen Daten hätten: Versicherungen, Arbeitgeber, …

Und ich stelle mal die Vermutung an das den wenigsten Facebook-Nutzern klar ist, dass im Hintergrund Software darüber entscheidet in welcher mentalen Verfassung sie sich möglicher Weise gerade befinden.

Wow. Krass.

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Gut, dass wir nicht paranoid sind.

21. Januar 2016 Kommentare ausgeschaltet
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Ich lese manchmal Nachrichten und wünschte mir, dass es Enten wären. Ich möchte aufwachen und feststellen, dass alles nur ein wirrer Traum war.

So wie heute morgen, als ich beim Spiegel folgendes las:

Ein zehn Jahre alter muslimischer Junge aus der englischen Grafschaft Lancashire ist von der Polizei befragt worden, weil er in einem Schulaufsatz schrieb, er lebe in einem „Terroristenhaus“. Das berichtet die BBC. Der Junge habe sich verschrieben und eigentlich Reihenhaus gemeint („terraced house“ statt „terrorist house“).

Die Lehrer hätten das nicht als Schreibfehler erkannt und den Jungen daher den geltenden Anti-Terror-Gesetzen zufolge der Polizei gemeldet. Der Counter-Terrorism and Security Act 2015 fordert Lehrer auf, Verdächtiges zu melden.

Laut BBC befragten Ermittler den Sohn und untersuchten einen Computer im Haus der Familie.

Das ist so dermaßen absurd, dass man zunächst glauben möchte, dass sich das gar nicht zugetragen haben könnte. Das das gar nicht sein kann, ich meine weder kann man so bescheuert sein, noch kann eine zivilisierte Gesellschaft so denunziatorisch werden und so panisch in ihrer Angst, dass selbst kleine Kinder nicht mehr außen vor gelassen werden.

Leider aber erinnert mich die Nachricht an eine von vor wenigen Tagen, als ich bei der Washington Post folgendes las:

A 10-year-old girl received a pat-down in a North Carolina airport after she left a Capri Sun juice pouch in her bag, according to her father, who filmed the incident and posted footage on YouTube.

Sehr schön übrigens die Erklärung, man habe ja nur Regel befolgt:

But a TSA spokesman said that the pat-down followed agency guidelines.

Ich meine, mal ehrlich und unter uns: Bin ich wirklich der einzige, den das massivst beunruhigt, was gerade passiert? Und nein, es ist nicht der Terrorismus, vor dem ich hier Angst habe. Es ist unsere Bereitschaft, vor einer selbst geschaffenen Angst zu kapitulieren und alle Werte über Board zu werfen – für eine vermeintliche Sicherheit vor einem vermeintlichen Feind.

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Die Welt als Terror-Tollhaus

13. Januar 2016 3 Kommentare
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Es ist kaum auszuahlten – und so bizarr vorhersehbar. Scheinbar gesteuert von einer derzeit herrschenden Allmachtsphantasie wird alles und jeder genutzt, um mehr Überwachung, mehr Krieg, mehr irgendwas durchzusetzen. Und die Muster sind immer die gleichen:

In Paris will ein mit einem Messer(!) bewaffnerter Mann in eine Polizeistation und wird wenig überraschen erschossen. Gut, eigene Schuld, bitte die Geschichtsbücher schließen, der Typ war irre. Auf die eine oder andere Art und Weise.

Heute aber muss er ein Terrorist sein.

Und welch glückliche Fügung, dass er angeblich eine SIM-Karte aus Deutschland im Handy hatte. Denn das rechtfertigt doch sofort wieder den Ruf nach der Vorratsdatenspeicherung. An deren Daten endlich auch die Geheimdienste wollen. Wann sie wollen. Natürlich sind hier die Hardliner der CDU ganz vorne. Aber als ob die SPD nenneswert dagegen halten würde :-/

Dabei alleine bleibt es nicht. Denn sofort wird in Recklinghausen jeder Flüchtling mit dem „Attentätter“ über einen Kamm geschert. Und man nennt das euphemistisch „Sicherheitsabfrage zu jedem Flüchtling„. Ich nenne das Racial Profiling.

Und kaum kommt es zu einem Attentat in Istanbul ist sofort klar: Es muss ISIS gewesen sein. Logisch, damit hat die NATO den perfekten Grund in sich noch militärischer zu geben. Für die USA wären jetzt schon alle Hemmungen gefallen.

Dann noch Deutsche unter den Toten? Das wird ja immer „besser“. Und schon titelt sogar der öffentlich rechtliche Rundfunk leicht panisch-paranoid „Selbstmordattentat in Istanbul – Gezielter Angriff auf Deutsche?“ und man fragt sich: wozu?

Muss hier ein äußerer Feind gestärkt in die Wahrnehmung, damit wir unsere internen Probleme vergessen? Zum Beispiel die Welle von politisch rechts motiviertem Terror der gerade über unser Land zieht?

Während dessen wird darüber diskutiert ob und wann man die Nationalität von Straftätern veröffentlichen soll. Könnten wir uns vielleicht darauf einigen, dass Nationalitäten und Religionen keine Straftaten direkt begehen, sondern Menschen? Es ist doch vollkommen egal, ob ein Deutscher, Niederländer, Türke oder Syrer eine Straftat begeht: Die Strafe muss für alle die gleiche sein, im gleichen Rechtsraum. Und der einzige Grund die Nationalität oder Abstammung zu nennen ist doch einen bestimmten Eindruck forcieren zu wollen.

Ähnlich schwachsinnig wie „unter den Toten 6 Deutsche, davon 2 Frauen und ein Kind“. Ein Toter ist ein Toter. Ein tragischer Verlust. Der nicht mehr wert wird, wenn er ein bestimmtes Alter, Geschlecht oder eine Nationalität hat. Es ist völlig egal ob ein Syrer in der Türkei Deutsche getötet hat: ein Täter hat eine abscheuliche Tat begannen bei der Menschen ums Leben kamen. Punkt.

Könnten wir uns also vielleicht alle wieder ein wenig beruhigen? Wieder vor der eigenen Tür kehren? Und aufhören uns ständig irgendwelche Feindbilder (Der Syrer, Der Afrikaner, Der Moslem, Der Katholik) zu bauen?

Einfach mal wieder… wie intelligente und vernunftbegabte Menschen handeln?

Denn wo das endet, wenn wir es nicht schaffen, sieht man sehr schön in den USA. Wo jetzt der falsche Name schon verhindert, Computerspiele spielen zu können.

Ich würd ja gerne lachen, aber…

9. November 2015 Kommentare ausgeschaltet
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gefunden bei Fefe:

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Ein erneuter Sieg der Rassisten?

28. August 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Geschichte wiederholt sich. Wie schon in den Neunzigern, können auch heute die Freizeitrassisten einen Erfolg für sich verbuchen:

Die Politik will die Asylgesetzgebung ein Mal mehr verschärfen.

Bundesinnenmister Thomas de Maizière (CDU) will mit einem neuen Gesetzespaket die Zahl der Asylanträge reduzieren und Abschiebungen beschleunigen. Quelle: Zeit

Damit kippt zum zweiten Mal die Bundesregierung schnell um als man bis 3 zählen kann und gibt den Rechten das Gefühl, dass mit Gewalt und Hass auch Politik gemacht werden kann. Ein schreckliches Zeichen, dass damit gesendet wird – wohl um den bei der CDU traditionellen Kampf um rechte Wählerstimmen fortzusetzen.

Und das zu einem Zeitpunkt, wo selbst die Polizei auf den offensichtlichen Irrsinn hinweist:

Bislang sei es immer als Straftat gewertet worden, ohne gültigen Aufenthaltstitel nach Deutschland zu kommen, so der BDK. Daraus entstünden zwangsläufig in jedem Fall Ermittlungsverfahren mit den entsprechenden Konsequenzen, die später im Fall der Gewährung von Asyl wieder eingestellt werden müssten. Dieses Vorgehen aber erscheine „widersprüchlich“. So gebe es nämlich überhaupt keine legale Möglichkeit für Flüchtlinge, nach Deutschland einzureisen und ihr Recht auf Asyl in Anspruch zu nehmen, heißt es in dem Dokument. Quelle: Spiegel

Es ist absolut unerträglich. Und in dem Kontext muss man dann auch die Wut der Menschen sehen, die sich immer stärker auch unmittelbar gegen Politiker entlädt – nicht nur durch die zu trauriger Berühmtheit gelangten Rassistin, die Merkel beleidigt hat. Heute beim Refugees-Welcome-Fest war unter anderem der Grüne Özdemir ein gern gesehener Gast. Der Landeschef von der CDU dagegen…

I like

2. Juni 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Ich halte nix von Fernseh.

Und noch weniger von den Talentsuchshows.

Obwohl… das hier hat mich dann doch irgendwie… erwischt!

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Fussball-WM ohne Deutschland!

29. Mai 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Oh mein Gott, wir werden alle sterben!

Gut, der BND hat halt in ein oder zwei Ländern mehr spioniert. Naja, vielleicht mehr als 20. Aber Scheiß drauf! Und um das Überwachen in Deutschland noch leichter zu machen, kommt mal wieder die verfassungswidrige Vorratsdatenspeicherung? Ach Scheiß drauf!

Die wirklichen Probleme liegen doch ganz anderswo!

Ausgerechnet da, wo es uns wirklich weh tut!

Im Fußball!

Zufälliger Weise findet genau jetzt ein Skandal rund um die FIFA statt. Wegen Bestechung, obwohl die Bestechung doch gerade erst von der FIFA als nicht existent bewertet wurde. Und zur Wiederwahl von Blatter. Und schon titelt die Rheinische Post:

WM ohne Deutschland?

Ja denn wenn wir ausgespäht werden, wenn wir belogen und betrogen werden, wenn wir für dumm verkauft werden, das ist dem Deutschen alles völlig egal. Aber Fußball! Oh mein Gott, FUSSBALL!

Sollen wir Wetten, dass das Thema FIFA nachhaltig die Themen VDS, BND, NSA und NSU aus den Medien drängt? Da wird die Merkel sich aber über so einen schönen Zufall freuen. Gerade jetzt, genau zum richtigen Zeitpunkt wird das öffentliche Interesse so gut kanalisiert. Gott sei Dank, dass es solche Zufälle gibt.

 

P.S. Natürlich wird Deutschland an der WM teilnehmen. Da steckt viel zu viel Kohle hinter. Und anders als bei den echten Skandalen der letzten Monaten würde eine Nicht-Teilnahme vermutlich wirklich zu offenen Konflikten führen.

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Der Vatikan – mein Fels in der Brandung der Zeit

27. Mai 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Ich erzähle gerne, dass mein Leben als Kind prima war. Ich wußte genau, der Westen (USA) – das sind die Guten. Und im Osten (damals UDSSR) leben die Bösen. So weit so klar.

Im Laufe der Jahre hat sich das geändert und heute misstraue ich den USA bei allem und frage mich warum so viele Deutsche Angst vor Russland haben, dass sich in der vergangenen Dekade oder zwei nicht annähernd so agressiv und verlogen verhalten hat wie die USA.

Da ist es gut, wenn man in solch verwirrenden Zeiten einen Fels in der Brandung hat. Etwas, das die Zeit zu überdauern scheint. Etwas das schon immer da war und auch immer da zu sein scheint. Wenn in dem Fall auch leider.

Der Vatikan ist dieser Fels in der Brandung. Denn heute steht auf derWesten:

Der Vatikan hat das irische Ja zur Ehe für homosexuelle Paare als „Niederlage für die Menschheit“ bezeichnet. „Ich bin sehr traurig über dieses Ergebnis, die Kirche muss diese Realität berücksichtigen, aber in dem Sinne, ihre Verpflichtung zur Evangelisierung zu stärken“, sagte Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin am Dienstag bei einer Veranstaltung in Rom. „Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen“, zitierte ihn Radio Vatikan weiter.

Ich meine, dass es prima ist, sowas zu lesen.

Versteht mich nicht falsch: Die Einstellung die da zum Ausdruck kommt ist zum kotzen. Absolut. Ich freue mich nur persönlich darüber, dass mir wenigstens ein „Feindbild“ erhalten bleibt. Stellt Euch mal vor, der Vatikan wäre auf ein Mal für gleichgeschlechtliches Beziehungsleben? Ich weiß ja nicht wie es Euch geht, aber ich wäre verstört 😉

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Die Revolution beginnt. Oder so etwas ähnliches.

26. Mai 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Man fragt sich ja immer wie eine Revolution wohl starten würde. Große Demos die in Schlachten münden? Oder eher, stille, subversive Akte die das „Establishment“ auf’s Korn nehmen? Und wie wäre das  in Deutschland, wo eine Revolution da enden könnte, wo die dafür geplante Demo nicht erlaubt würde?

Oder kommt in Deutschland die Revolution doch eher durch die Hintertür?

Nicht erst gestern ist das Gerücht aufgekommen, dass es Beamte geben soll, deren produktivste Phase der Besuch des Behörden-WC ist. Gut, als Beamter muss ich dem entschieden widersprechen, aber das Gerücht ist da und scheint aufgenommen.

Und ich habe den Eindruck, dass subversive Elemente unserer Gesellschaft den Beamten-Apparat nun dort treffen wollen, wo es am meisten weh tut. Anders kann ich mir das nämlich nicht erklären:

Denn erst der BND:

Unbekannte sollen auf der Baustelle für die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) Wasserhähne gestohlen und damit das Gebäude unter Wasser gesetzt haben.

Jetzt das BMI:

Im neu errichteten Berliner Bundesinnenministerium haben laut einem Bericht der „Berliner Zeitung“ unbekannte Diebe im großen Stil Wasserhähne und andere Sanitärausstattung gestohlen.

Wenn Ihr mich fragt: da steckt System dahinter. Das ist das, was wir zukünftig mit „das war damals der Anfang von“ beschreiben werden 😉

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Die Lügen von Tröglitz und Anderswo

7. April 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Huch?

Da sind wir jetzt aber überrascht: In Tröglitz gab es also einen Brand in der geplanten Flüchtlingsunterkunft. Wer hätte das erwarten können – nachdem ja Rechte schon den Bürgermeister aus dem Amt gejagt hatten.

Und wie überrascht jetzt wieder alle sind. „Wir hätten früher auf die Straße gemusst!“ „Wir werden keinen Schritt weichen!“ „Flüchtlinge sind hier willkommen“. Hach, so kleine Halb- und Un-Wahrheiten sind Balsam für die Seele, nicht wahr? Vielleicht mal wieder eine Lichterkette?

Mich macht das einfach nur noch wütend. Nicht nur, dass Gesellschaft und Politik weiter die Augen verschließen vor der Gefahr von Rechts. Selbst wenn man sich hinstellt und sie offen benennt hilft das nur begrenzt. Die FDP in Voerde z. B. bezeichnete mich ja dann so:

(…)und das ausgerechnet aus der Feder desjenigen, der noch vor kurzem die Voerder Bürger pauschal als (Zitat) “tiefververwurzelte, wabernde braune Suppe” diffamierte, wie hier nachzulesen ist? Sehr glaubwürdig – aber nur, wenn man gewohnheitsmäßig mit Denunzianten und agitierenden Trollen Umgang pflegt, die mangels Masse zu keiner sachlichen Auseinandersetzung fähig sind.

Alles klar?

Anlass war damals das hier:

Die beiden Mitglieder der Grünen; Ratsmitglied Stefan Meiners und sachkundiger Bürger und Pressesprecher UlrichLütke, haben Anfang Oktober 2013 durch schriftliche Beiträge die Stadt Voerde und viele ihrer Bürger in eine Ecke gestellt, in die diese nicht gehören. Beide waren trotz unserer Aufforderung nicht bereit, ihre Äußerungen zurückzunehmen oder sich dafür zu entschuldigen. Das ist aber typisch für Menschen, die anonym austeilen, aber nicht einstecken können. Meiners hat sich öffentlich (unkreativer weblog vom 02.10.2013) u.a wie folgt geäußert: „Und doch hat Voerde auch eine hässliche Seite … ein zu einer Fratze verzerrtes Gesicht einer Stadt, in der tief verwurzelt eine braune Suppe wabert ….Gestern habe ich dieses hässliche Gesicht von Voerde wieder erlebt … Was mich unfassbar wütend gemacht hat war, dass der Mob Applaus dafür spendete, wenn mal wieder über Wertverlustraten oder Kriminalitätsanstiege spekuliert wurde“.

Für die FDP in Voerde gibt es kein rechtes Problem. Gut, die waren auch nicht mit dem rechten Pack im gleichen Zug auf dem Rückweg von den Demoablegern PEGIDA / NOPEGIDA aus Duisburg. Und vermutlich hat man die Aufkleber in F’feld an den Laternen auch nicht sehen wollen. Oder können. Und genau dieses Wegschauen ist es, dass rechte Stammtischparolen wieder gesellschaftsfähig werden lässt.

Und jetzt kommt aus Hünxe, unserer Nachbargemeinde eine Mail auf  Umwegen hier an, die ich mal anonymisiert großflächig zitieren möchte – kommentiert, weil ich einfach unglaublich sauer darauf bin, was manche Menschen von sich geben:

Gerüchten zufolge plant die Gemeinde Hünxe am Hunsdorfer Weg gegenüber dem Raiffeisenmarkt die Aufstellung von Containern für Asylbewerber.

Gerüchte sind immer was feines…

Jeder ist gegenüber Asylbewerbern offen,  möchte Sie aber nicht vor der eigenen Haustür haben. So dürfte sich das  auch in diesem Fall ergeben.

Okay, das muss man dem Autor lassen: Er ist zumindest in der Lage, ehrlich mit seinen Gefühlen umzugehen: Asylbewerber? Ja bitte, aber nicht vor meiner Türe.

Eine Beteiligung oder Information der Bürger hat es hierzu noch nicht gegeben, was ich für sehr bedenklich halte.

Genau. Denn der Bürger möchte mitreden. Also nur in speziellen Fällen. Da vergisst er dann gerne mal das Wesen der parlamentarischen Demokratie. Gut, um das Alltagsgeschäft soll sich die Politik kümmern, aber das hier, das ist ganz was anderes.

Offensichtlich scheint es so, dass der Ortsteil Drevenack nicht begünstigt wird und eher zu den leicht belastbaren Faktoren gilt. Dem ist nicht so, denn auch Drevenacker zahlen die erhöhten Grundsteuern und finanzieren die Gemeinde und darüber hinaus dürfte der Anteil der Drevenacker an der zuzuweisenden Einkommensteuer ebenfalls über dem Durchschnitt der Hünxer Bürger liegen.

Mein Lieblingsabsatz. Wahlweise als „Wir sind die Besserverdiener und nicht mit sowas zu belasten“ oder mit „Wir bezahlen nicht für so einen Scheiss“ zu übersetzen, bringt der Autor hier die tatsächlichen Vorbehalte ins Spiel. Es kann doch nicht sein, dass ich Steuern bezahle und dafür auch noch Asylbewerber ertragen muss? Soll sich doch ein ärmerer Ortsteil drum kümmern! Schließlich lebt man in einem Ortsteil, der begünstigt werden muss. Mal unter uns, wie kommt man auf so einen offensichtlichen Unfug?

Als Gegenleistung wird nun offensichtlich ein neues Containerdorf geschaffen. Dies ist nicht im Sinne der Drevenacker.

Gegenleistung für die Steuern? Also das geht nun wirklich nicht. Also es geht schon, aber bitte nur im Sinne der Drevenacker. Es würde mich interessieren, in welchem Ausmaß man dort ansonsten Einfluß auf die Verwendung von Steuergeldern hat? Bzw. welche Gegenleistung man angemessen fänd.

Es erscheint mir daher sinnvol, diese Problematik kontrovers zu diskutieren und zu einer tragfähigen Lösung zu kommen, Auf dem nicht abgestimmten Weg einen Stabdort auszuwählen, das Grundstück zu erwerben( sofern es noch nicht im Eigentum der Stadt ist ) und Bürger damit zu konfrontieren, ist weder bürgerfreundlich sondern im Gegenteil wertvernichtend und zwar nicht nur materiell.

Ein nicht materieller Wertverlust? Siehe oben: man kann den Menschen ja wirklich nicht zumuten, das Leid anderer sehen zu müssen. Oder was möchte der Autor mir sagen? Materieller Wertverlust? Wieder Grundstückswert vs. Leben, Sicherheit und Gesundheit? Eine tragfähige Lösung muss erarbeitet werden? Tragfähig kann ja wohl nur sein, den armen Autor der Mail nicht mit Ausländern zu belästigen.

 

Ich bitte Sie daher, sich mit der Problematik sachgerecht auseinanderzusetzen und die Interessen der Drevenacker nicht außer Acht zu lassen.

Geil oder? Erst rechtes Stammtischgepöbel und dann soll man sich sachgerecht mit dem Thema auseinandersetzen. Aber bitte nur so, wie es dem Autor, der sich ja als Stellvertreter aller Drevenacker sieht, gefällt?

Und das vermutlich auch ist, weil ihm vermutlich wieder kaum einer entgegentritt.

Da packt man sich an den Kopf: Was ist eigentlich passiert, dass Menschen sich nicht mehr schämen, einen solchen Schwachsinn nicht nur zu schreiben, sondern auch als Mail zu versenden? Und sich im Recht fühlen?

Und ja, wir sehen an Tröglitz wohin das führt. Und auch wenn es in Voerde nicht wahr haben will (andere allerdings auch nicht): Die gleich Einstellung findet man auch bei uns. Und das wurde in der Vergangenheit schon mehr als deutlich.

Ich habe überlegt, ob man zu der Mail wirklich was bloggen soll. Aber ich denke man muss. Weil ich denke man darf nicht solchen Hohlbirnen die Meinungshoheit überlassen, die emotional erregt (siehe Tippfehler in der Mail) solchen rechten Stuss von sich geben.

Und auch wenn der Verfasser über sich das Gegenteil sagen würde, er ist ganz klar fremdenfeindlich eingestellt. Es liegt an uns, es ihm und jedem der in die gleiche Kerbe schlägt aufzuzeigen. Und auch die Grenzen aufzuzeigen. Und zu sagen:

Es reicht! Wir werden nicht taten- und wortlos zusehen, wie sich dieser billige Westentaschenrassismus als Gesellschaftsfähig etabliert.

 

Echt oder Falsch? Egal, das ist auf jeden Fall Internet-Gold

19. März 2015 Kommentare ausgeschaltet
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… schon alleine durch den Bild-Typen 😀

 

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Ich lachste so hart…

19. März 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Die Mär von der Vollbeschäftigung

11. März 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Viele Jahre behielten zahlreiche Politiker den Gedanken an die Vollbeschäftigung für sich. Nun reden plötzlich sehr viele davon: Der Arbeitsmarkt ohne Arbeitslose wird Wirklichkeit, hatte zuletzt Frank-Jürgen Weise angekündigt, Chef der Agentur für Arbeit. Die Bundeskanzlerin erhob die Vollbeschäftigung ebenfalls zum Ziel – und Horst Seehofer hat sie den Bayern längst versprochen. Schließlich wächst die Wirtschaft bundesweit und die Arbeitslosenzahlen sinken stetig. Aber profitiert auch die breite Mitte vom großen Jobwunder?

Zeit, 11.03.2015

Es muss für die Politik eine Art Lebenseinstellung sein, die Menschen für Dumm zu verkaufen. Anders kann man sich manche Sachen gar nicht erklären und schon gar nicht, wieso schon wieder von Vollbeschäftigung schwadroniert werden darf, ohne das man dafür aus dem Amt gejagt wird.

Denn machen wir uns nix vor: Vollbeschäftigung wird es hoffentlich nie wieder geben. Hoffentlich, weil die einzige realistische Möglichkeit dafür wäre, dass es einen Krieg gibt. Denn nur wenn viel, sehr viel, zerstört ist und Werte neu geschaffen werden müssen und wenn die maschinelle Industrie am Boden liegt, wäre menschliche Arbeitskraft in notwendigem Umfang von nöten.

Selbst die OECD weist ja immer wieder, und witziger Weise auch heute wieder darauf hin, dass wir in keinem Boom leben:

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die Euro-Länder zu einem gemeinsamen Reformpaket für mehr Wirtschaftswachstum und Beschäftigung aufgefordert.

„Wir müssen unsere Anstrengungen verstärken für eine ambitionierte Reformagenda, die zu einem nachhaltigen Wachstumsmodell führt, das allen zugutekommt“, sagte OECD-Chef Angel Gurría vor einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vertretern weiterer internationaler Spitzenorganisationen.

Spiegel, 11.03.2015

Zunächst müsste nämlich die Wirtschaft wachsen, sehr stark wachsen, um eine so starke zusätzliche Nachfrage nach Arbeitsleistung zu generieren. Zusätzlich aber auch dürfte das Effizienz steigernde Potentail an Maschinenarbeit nicht mehr verfügbar sein, um überhaupt menschliche Interaktion erforderlich zu machen.

Highly unlikely, wie der Franzose sagt.

Ich bin der festen Überzeugung, dass es nie wieder so etwas wie Vollbeschäftigung geben wird. Es wird „Hilfsarbeit“ geben, die die Maschinenfertigung unterstützt und hoch bezahlte Jobs in R&D. Es wird viel geistige Arbeit geben und wenig körperliche. Und es wird eine Situation eintreten, in der längst nicht mehr alle Menschen arbeiten müssen.

Nicht mehr arbeiten müssen ist aber etwas, was unsere Gesellschaft scheut wie der Teufel das Weihwasser. Der Gedanke an eine Gesellschaft in der nur die arbeiten, die es wollen scheint unerträglich. Und statt unsere Geschicke in aber genau diese Richtung zu lenken, auch nur einmal in diese Richtung zu denken, wird weiter das Volksopium, die Mär von der Vollbeschäftigung, verteilt.

Das ist nicht ehrlich. Es ist auch nicht fair. Es ist schlicht verarsche am Volk.

Arbeit muss Urlaub werden!

26. Januar 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Ich gebe zu, die Überschrift klingt erst einmal Banane. Aber was ich damit meine hoffentlich nicht:

Warum genau reden wir immer noch über Arbeitslose, als wäre das ein Mangel? Es ist doch einfach so: Vollbeschäftigung wird es nie wieder geben. Statt das aber einzusehen und endlich das zu machen, was wir sollten, verweigern wir uns der Realität.

Wir besteuern weiter überwiegend Arbeit und nicht Kapital. Und erlauben uns die Illusion, Erwerbsleben wäre untrennbar aus „einem Erwerb nachgehen“ und „um zu Leben“ geformt.

Statt dessen sollten wir nicht länger die knappen Ressourcen besteuern, sondern die in scheinbar limitloser Ausprägung. Eine Billion pumpt allein die EZB an „frischem Geld“, dass niemand ernstlich erwirtschaftet. Das einfach da ist. Das nutzen wir natürlich nicht um die Gesellschaft voran zu bringen.

Dabei wäre das so dringend notwendig. Wir müssen einen Gesellschaftszustand anstreben, in dem die arbeiten gehen, die arbeiten gehen wollen. In dem es einen wahren „War on Talents“ gibt, der die Arbeitgeber zwingt, sozial verantwortliche Arbeit (Krankenpfleger, Pädagogen etc) um ein Vielfaches besser zu bezahlen als heute. Und Jobs ohne gesamgesellschaftlichen Benefit deutlich schlechter. Eine Gesellschaftsform, in der man nicht arbeitet weil man muss, sondern weil man will. Und vielleicht nur ein paar Wochen im Jahr, um sich ein paar $ extra zu verdienen, z. B. für eine Reise.

Modelle und Modellrechnungen wie das BGE gibt es genug. Allein es fehlt der Mut und der Wille der Regierenden. Und damit meine ich nicht die Politiker. Denn ich glaube, die  haben zwar viel zu reden, aber wenig zu sagen. Daran könnten wir dann übrigens auch arbeiten. Das Politiker wieder für das Volk und den Staat (Polis, Ihr wisst schon) und nicht für Partikularinteressen da sind.

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