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Archiv für die Kategorie ‘1984’

Verraten. Von einem Küchengerät

25. August 2015 Keine Kommentare
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Ich bin scheinbar in einem Alter, in dem aus dem Technik-begeisterten Nerd ein Technologiekritiker wird. Immer öfter ertappe ich mich dabei, dass ich mir denke „muss das sein“, „brauchen wir das“  oder „wollen wir das“. Das bezieht sich nicht nur auf Facebook und die Tatsache, dass ich E-Mails immer noch als Plaintext ohne TOFU bevorzuge.

Dann sind da aber auch die Momente in denen ich mich bestätigt fühle. Manchmal mit einer sehr humoristischen Note. Zum Beispiel beim Internet der Dinge:

Ich bin absolut nicht der Meinung, dass jedes noch so dämliche Gadget sich selbst ins Internet einwählen muss. Wenn überhaupt kann man  über zentrale Schaltstellen nachdenken, aber bei vielen Dingen denke ich: Nö. Muss nicht.

Das Fernseher heute online gehen ist ja schon normal. Das soll das einen Mehrwert bringen, welchen habe ich noch nicht genau heraus gefunden. Auf der anderen Seite allerdings übermitteln die Fernseher natürlich auch beliebig Daten, die ich nicht kontrollieren kann. Ah, der Herr hat den Schulmädchenreport nach dem Musikantenstadl geschaut. Nun ja.

Jetzt drängen natürlich auch die „intelligent appliance“ ins Leben. Zum Beispiel der Kühlschrank. Der könnte ja, statt eines herkömmlichen Kalenders aus Papier auch einen auf LCD mit sich bringen. Wäre ja was. Jetzt könnte sich so ein Kalender natürlich seine Daten von einem zentralen Server im Haus holen. Aber das ist vermutlich für den Großteil der Kunden zu aufwändig und ein Single Point of Failure. Also wird Intelligenz in der Form hinter das Display gegossen, dass der Kühlschrank selbst mit dem Internet und darüber mit z. B. dem Google-Kalender aufnimmt.

Und es kommt, was kommen muss:

Samsung hat den ersten intelligenten Kühlschrank, der so unintelligent programmiert ist, dass er leider das Google-Passwort herausposaunt:

Researchers at Pen Test Partners took up the challenge to hack a smart fridge at Defcon’s IoT Village, and discovered that they could man-in-the-middle your Google login credentials from Samsung fridges.

Quelle: BoingBoing

Das ist so Postillon-Like, dass ich erst mal nachschauen musste ob der nicht wirklich dahinter steckt. Steckt er aber nicht. Und im Ergebnis bleibt die Frage, ob wirklich jedes Gerät ins Internet funken muss. Und ob wir das wirklich brauchen…

 

(*) mir ist klar, dass auch ein zentraler Service-Provider z. B. im Router Gefahren birgt. Mir ist auch klar, dass das Schadenspotential u. U. höher ist. Auf der anderen Seite richten sich solche Produkte wie der Kühlschrank hier aber an Menschen die sich keine Gedanken machen können und wollen. Und das ist die eigentliche Gefahr. Denn welcher Otto-Normal-User rechnet denn bitte damit, dass sein Kühlschrank das Zeug hat, eine echte Gefahr für die eigenen Daten darzustellen?

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Ich wäre gerne Du: Warum man keiner E-Mail trauen sollte…

18. August 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Gestern abend, eine beliebige Kneipe (ok, „Zur Kutsche“) in einer beliebigen Stadt (ok, Voerde). Ein paar Männer und Frauen diskutieren über alles mögliche – auch über Computer und Datensicherheit. Irgendwie kommt das Thema auf E-Mail.

„Ja, da muss man halt gucken, von wem die kommt!“

„Nein, das ist total egal, was da steht – das hilft Dir kein bisschen!“

„Doch, Du kannst ja nicht einfach meine Mail übernehmen!“

„Kann ich wohl!“

„Kannst Du nicht!“

„Kann ich sogar mit dem Handy!“

„Beweis!“

„Okay!“

Wer in dem Dialog ich war, ist selbsterklärend. Und so habe ich den Beweis angetreten, dass ich sogar mit einem iPhone ohne Jailbreak so tun kann, als wäre man jemand anderes. Dafür habe ich einfach mal den Namen meines Tischnachbarn genommen und eine E-Mail unter seinem Namen an einen weiteren Freund geschickt. Die Überraschung war besonders groß, weil man zunächst dachte, dass ich zwar den angezeigten Namen manipulieren kann, aber doch nicht die E-Mail-Adresse. Um so größer das Erstaunen, als beim Anklicken der E-Mail auch noch die „echte“ E-Mail-Adresse auftauchte.

Ich hatte etwas Mühe zu erklären, woran das lag. Denn die andere Seite war ja sehr überzeugt davon, dass das nicht sein kann. Nachvollziehbares Argument: Wenn man sich bei einem Dienstleister mit einer bereits vergebenen Adresse versucht anzumelden, geht das ja nicht.

Ich habe dann versucht zu erklären, dass das ein Problem ist, wenn man E-Mail eigentlich nur aus dem Browser kennt. Denn, vereinfacht gesagt, funktioniert E-Mail ja viel trivialer:

Um eine Mail zu versenden, melde ich mich an einem Postausgangsserver. Früher brauchte man dafür oftmals nicht einmal Zugangsdaten, heute habe ich i. d. R. einen Usernamen und ein Kennwort. Dann erwartet der Mailserver von mir eine gültige Adresse für eine Empfänger. Und das war es.

Ab da kann, stark vereinfacht, wirklich alles mögliche kommen. Es kommen dann zum Beispiel Informationen zum Absender, die ich völlig frei wählen kann. Es kommen auch noch so Meta-Informationen wie das Subjekt und dann der Text. Einzig wichtiges Merkmal ist eine Kombination von „Steuerzeichen“, die das Ende der Mail signalisieren.

E-Mail ist damit erstaunlich flexibel. Das ist auf der einen Seite gut, weil sich Mehrwertdienste (Spamfilter, spezielle „Dienste“ wie z. B. bei Outlook/Exchange) integrieren lassen, ohne das andere E-Mail-Programme aus dem Tritt kommen. Auf der anderen Seite öffnet das natürlich dem Betrug Tür und Tor.

Das man eine Mail von einer fremden Adresse bekommt, ist dabei gar nicht mal so unwahrscheinlich. Erst beim Klick auf Antworten sieht der Empfänger unter Umständen, dass die Mail an eine andere Adresse zurück geht (Reply to) als man erwarten würde. Aber dazu muss es gar nicht kommen.

Denn ich wette, wenn ich Euch eine E-Mail schicke und mich als Bekannter ausgebe und Euch bitte, auf diesen super coolen Link zu klicken, was macht Ihr dann? Zumal wenn auf den ersten Blick ja Name und angezeigte E-Mail-Adresse zu stimmen scheinen? Eben. Und schon habe ich u. U. die Kontrolle über Euren Rechner.

Am iPhone ist mir auch kein Weg bekannt, in die Kopfdaten einer E-Mail zu schauen. Denn hier wäre ersichtlich, wenn jemand zu offensichtlich mit dem Absender trickst. Am PC geht das, aber mal ehrlich: Wer von Euch weiß wo er an den Quelltext seiner Mail kommt? Eben!

Abhilfe schafft, wie sollte es anders sein, eine gültige Signatur z. B. mit PGP/GnuPG. Denn damit sehe ich sofort, ob eine Mail von dem Absender ist, der behauptet hat sie geschrieben zu haben. Und ob sie ggf. unterwegs verändert wurde, beispielsweise von einem verseuchten Router.

Es ist um so erschreckender, wie wenig Menschen heute über die Technik wissen, der sie so blind vertrauen. Es ist aber genau so erschreckend, wie stark nach wie vor die Hemmschwelle ist, sich mit Signaturen und Verschlüsselung vertraut zu machen. Ich gestehe, dass z. B. auf einem iOS-Gerät es nicht trivial ist, solche Technik zu installieren. Aber es geht und wenn es ein Mal gemacht ist, ist auch gut.

Und vor allem am PC ist es überhaupt kein nennenswerter Mehraufwand, seine Mails zu signieren und eingehende Mails zu prüfen. Denn nur dann kann man wirklich sicher sein, dass in der Mail steht, was in der Mail stehen soll.

Aber vielleicht ändern solche Präsentationen wie gestern ja was? Wenn man merkt, dass es nicht einmal spezielle „Hackertools“ braucht, um so hinter Licht geführt zu werden…

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2015: Der neue (digitale) Leichtsinn

16. August 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Ich werd ja gerne für einen Spinner gehalten, wenn ich versuche Menschen für mehr Selbstdatenschutz zu sensibilisieren. Wer sollte mich beobachten, wer sollte mich ausforschen und überhaupt: Ich habe doch gar nichts zu verbergen.

Lasst mich kurz am Beispiel von X. erklären, warum das ein Problem ist.

X. und ich, wir kennen uns nicht. Was X. nicht weiß ist, dass er am Freitag im Zug gut 2h neben mir gesessen hat. X. ist in Essen zugestiegen und war bis Bielefeld mein Nachbar. In Essen war er bei einem Kunden, denn X. ist nicht nur in der Kirche aktiv, sondern macht auch irgendwas mit Web und einer größeren Gewerkschaft. In Essen hat er eine Website die er betreut. Oder – wäre ich ein Bösewicht – betreute. Denn die Zugangsdaten für die Website hab jetzt ich. Oder hätte ich jetzt, denn natürlich ist das hier rein fiktiv und ich habe nichts ernsthaft mitgeschrieben. Hätte ich das gemacht, hätte ich seinen Kunden erst über die Schlampigkeit informiert und dann natürlich hervorragend eine eigene Beratungsleistung verkaufen können.

Wieso ich die Zugangsdaten gehabt hätte? X. ist als erstes online gegangen. Mit seinem schicken MacBook, aber leider ohne VPN. Das ist in einem geteilten und noch dazu fremden Netz dumm. Das ist noch dümmer in einem öffentlichen Netz, dass die Kommunikation von WLAN-Devices untereinander erlaubt. Mit meinem Notebook statt Handy hätte ich seinen gesamten Datenverkehr mitschreiben können. Ein professioneller IT-Dienstleister darf sich sowas nicht erlauben!

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Das ist schon nicht so prickelnd. Vor allem, da die Website die er betreut kein HTTPS verwendet, also alle Daten im Klartext über das Netz schickt. Die Administration erfolgt über ein sehr beliebtes „CMS“.

Daneben hat X. dann natürlich auch noch Mails bearbeitet. Zum Beispiel die korrigierte Rechnung von Z., dem ich natürlich jetzt ein Angebot machen könnte, das deutlich unter den Preisen von X. liegt. Aber man muss X. zu Gute halten, dass er die Rechnung sofort an einen Kollegen zur Zahlung weitergeleitet hat.

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X. hat übrigens auch eine junge Tochter, die „Youtube-Stars“ mag. Ich weiß das, weil er sie in ein Fortbildungskonzept für die Jugendarbeit eines kirchlichen Trägers einarbeiten möchte. In Berlin, vermutlich war er gerade auf dem Weg dorthin. Woher ich das alles weiß?

Logischer Weise, weil X das alles in gut lesbarer Größe in sein MacBook tippt. Das sich dank hervorragend blickwinkelstabilem Display auch super aus extremen Winkeln angucken läßt. Was bei Videos ein Traum ist, mag bei Arbeiten im Zug schnell zum Albtraum werden. Ich muss ja nicht mal lange auf das Display schauen, hier und da ein Blick reicht ja.

Übrigens verschlüsselt X. Mails natürlich auch nicht und er signiert sie genau so wenig. Mit den Informationen die ich über ihn hätte sammeln können, hätte ich in seinem Namen auch ganz schön viel Unsinn anrichten können. Ich könnte unter seinem Namen jetzt beliebig Mails versenden – weil er seinen Kunden keinerlei Möglichkeit gibt, die Authenzität des Absenders zu prüfen… Und ich weiß sogar mit welcher Floskel er sich verabschiedet.

Ihr seht also: Selbst wenn man sich nicht einmal bemüht, man kann ganz schön viel aus zufälligen Beziehungen saugen. Und so stellt sich natürlich die Frage, was X. hätte besser machen können.

1. Er hätte vielleicht kluger Weise im Zug gar nicht gearbeitet. Sondern entspannt. Aber wenn er schon arbeiten muss oder will:

2. Es gibt Blickschutzsysteme für Notebooks (z. B. von 3M) die ich zwingend verwenden sollte, wenn ich vertrauliche Informationen bearbeite. Und meine Kunden sind vertraulich.

3. VPN, VPN und VPN: Wann immer ich kabellos in einem Netz bin, dass ich mir mit anderen Teile, gilt es besonders vorsichtig zu sein. Bei LTE/UMTS geben sich die Netzbetreiber schon Mühe, ein Ausspähen von Daten möglichst schwer zu machen. Aber im WLAN? Egal ob verschlüsseltes oder unverschlüsseltes WLAN, grundsätzlich haben alle Teilnehmer im gleichen Netz Zugriff auf meine Daten! Das bedeutet, dass egal was ich tue, meine erste Handlung ist das aktivieren von VPN. Zwar bieten heute viele Websites mit HTTPS und auch Maildienste mit Transportwegsicherung einen gewissen Schutz. Aber dieser Schutz ist nicht überall gegeben und selbst wenn, bietet VPN einen weiteren Sicherheitslayer (den man übrigens auch bei LTE/UMTS nutzen sollte….)

Der Punkt 3 gilt übrigens nicht nur für Daten-Nomaden die unterwegs arbeiten. Sondern für jeden von Euch!

Natürlich hätte X. auch einfach ein bisschen aufmerksamer sein können. Statt im Hintergrund das Staffelfinale von Battlestar Galactica zu gucken, hätte er einfach mal seine Umgebung beobachten können. Dann wäre ihm sicherlich auch aufgefallen, wenn ich auf seinen Bildschirm schaue und wenn ich sogar mein Handy in der Hand direkt neben sein Notebook halte.

Das Problem ist: X. ist kein Einzelfall. Auf jeder Zugfahrt finde ich einen oder mehrere wie X. und das Alphabet hat nicht genug Buchstaben. Und auch außerhalb des Zugs:

Im Cafe, im Bahnhof, schlicht überall sind Menschen unterwegs die unfassbar sorglos mit ihren Daten umgehen. Das kann daran liegen, dass man in Zeiten des NSA-Skandals ziemlich abgestumpft ist. Und sicherlich auch daran, dass man gar nicht vermutet, dass jemand anderes Interesse an den eigenen Daten haben könnte.

Nur leider… die Welt ist schlecht.

Das was ich hätte machen können und nicht gemacht habe: Seid ihr sicher, dass der nächst der kommt ebenfalls darauf verzichtet? Oder sich vielleicht doch den „Spaß“ gönnt mal zu sehen obs ich nicht ein paar € aus Euren Daten gewinnen lassen?

 

Disclaimer: Einen Teil der Dinge die ich weiß, weiß ich gar nicht. Ich habe mich bemüht so wenig wie möglich mitzubekommen und ich betone noch mal: mein iPhone ist nicht in der Lage Daten mitzuschreiben. Ein Notebook dagegen ist nicht abhängig von der Software im AppStore und wer möchte kann ja mal gucken, was z. B. Cain&Abel zu tun vermögen. Ich wollte Euch aber eindringlich klar machen, wie viel man auf einer Bahnfahrt u. U. von sich preis gibt.

Nachtrag: sehr schöner Artikel „Welcome to The Internet of Compromised Things“

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Wie im Film

9. Juli 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Wir erinnern uns:

Im April hatte der Bundesanwalt Range noch mitteilen lassen, dass er nicht in Sachen NSA ermitteln täte:

Die Bundesanwaltschaft hat dementiert, dass sie wegen der neuen Spionage-Affäre im Zusammenspiel zwischen dem Bundesnachrichtendienst und dem US-Geheimdienst NSA Ermittlungen aufgenommen hat.

Quelle: FAZ

In Sachen „Merkel-Fon“ wurde dann aber ja doch ermittelt. Wir haben damals gespottet, dass die Überwachung des Volkes nicht wichtig genug ist, aber wenn es um Merkel geht… aber war wohl nicht so, denn die Ermittlungen wurden ganz schnell eingestellt:

Generalbundesanwalt Harald Range hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Ausforschung des Handys von Kanzlerin Merkel eingestellt. Der Grund dafür ist bürokratischer Natur.

Quelle: Welt

Die bürokratische Natur war das hier:

Der Vorwurf lasse sich nicht gerichtsfest beweisen, teilte die Behörde am Freitag in Karlsruhe zur Begründung mit.

Wie das in der Kürze der Zeit so schnell fest stehen konnte, wird das Geheimnise der handelnden Personen bleiben. Ich persönlich vermute ja starke politische Motive.

Anfang Juli kam das Thema noch einmal auf. Nach Veröffentlichungen von WikiLeaks wurde der US-Botschafter zum Gespräch gebeten. Aber sofort war klar:

Die Bundesanwaltschaft leitet nach den neuen Wikileaks-Enthüllungen über Abhöraktionen des US-Geheimdienstes NSA in Deutschland erst mal kein neues Ermittlungsverfahren ein. Das teilte die Behörde am Donnerstag in Karlsruhe mit.

Quelle: ND

Ebenfalls bemerkenswert schnell und unter dem Radar der meisten. Dumm nur, dass WikiLeaks jetzt noch einmal nachlegt und dem Bundesanwalt all das präsentiert, was er eigentlich hätte ja mal zusammen mit den „Sicherheitsbehörden“ ermitteln können:

Today, Wednesday 8 July at 1800 CEST, WikiLeaks publishes three NSA intercepts of German Chancellor Angela Merkel, together with a list of 56 National Security Agency (NSA) target selectors for the Chancellor and the Chancellery. It lists not only confidential numbers for the Chancellor, but also for her top officials, her aides, her chief of staff, her political office and even her fax machine. The combined German NSA target lists released by WikiLeaks so far shows the NSA explicitly targeted for long-term surveillance 125 phone numbers for top German officials and did so for political and economic reasons, according to its own designations.

Quelle: WikiLeaks

Wäre der Großteil der Deutschen nicht mit Griechenland erfolgreich abgelenkt, müsste die Luft für Range, aber auch Merkel, jetzt bermekenswert dünn werden. Denn mit Nicht-Wissen kann sich jetzt eigentlich niemand mehr ausreden und die Ausreden der Veergangenheit werden überdeutlich zu „Nicht-Wissen-Wollen“ der Verantwortlichen.

Ich bin mal gespannt wie das weiter geht. Der Artikel bei WikiLeaks läßt ja keinen Zweifel daran, dass das Bundeskanzleramt schon länger Bescheid gewusst haben muss.

Damit einher geht auch die jüngste Veröffentlichung über die Mittwissenschaft der deutschen Sicherheitsbehörden:

 Geheime Akten belegen: Deutsche Sicherheitsbehörden hatten spätestens 2002 den Verdacht, dass Briten und Amerikaner im Berliner Regierungsviertel den Mobilfunk abhören.

Quelle: Zeit

Ich bin mal gespannt, wie in 20 oder 30 Jahren über heute gedacht wird. Wenn nach und nach bekannt wird, dass die jetzt öffentlichen Informationen ja wie üblich nur die Spitze des Eisbergs sind.

Etwas nettes hat die ganze Nummer dann aber doch: Es wird klar, dass nicht nur die Bevölkerungen unter dem Auge der Geheimdienste stehen. Sondern auch Regierungen. Was wiederum die Frage aufkommen läßt, wie unabhängig Regierungen noch arbeiten können. Wenn anzunehmen ist, dass bei jeder Gelegenheit ein Herr im Anzug um die Ecke kommt und sagt:

„Nette Politik, die sie da machen wollen. Aber stellen Sie sich mal vor, dieser Koffer mit Fotos Ihrer letzten 50 Shades-Party würde im Zug vergessen werden… „

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Der NRW Justizminister Kutschaty auf dem Weg zum WTF des Jahres

14. Juni 2015 1 Kommentar
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Da blätter ich gerade anhnungslos durch das Internetz und was lese ich auf derwesten?

NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) will Angriffe auf private Computer besser abwehren. Für die Justizministerkonferenz am Mittwoch in Stuttgart kündigte Kutschaty einen Vorstoß gegen Cyberkriminalität an. Nötig sei neben härteren Strafen für Hacker ein gemeinsames Vorgehen der Länder mit Herstellern von Computern und Software bei der Suche nach technischen Lösungen zum Schutz heimischer Computer, sagte Kutschaty dieser Zeitung.

Natürlich könnte man an dieser Stelle darauf hinweisen, welche Regierungsparteien gerade dabei sind, das Netz durch Bundestrojaner und VDS unsicherer zu machen. Oder welche (die gleichen) Parteien mit dem Verbot von entsprechender Software die Suche nach Schwachstellen deutlich erschwert haben. Das wäre aber zu kompliziert.

Statt dessen kann man als Minister ja auch einfach mal was behaupten:

Die jüngste Attacke auf die Computersysteme im Bundestag zeigt aus Sicht des Ministers, dass der größte Schaden durch das Zusammenschalten von Millionen manipulierter Computer angerichtet werden kann.

Wie meinen?

Vielleicht habe ich was nicht mitbekommen, aber die Attacke auf den Bundestag war nach meiner Kenntnis kein DDOS oder sowas, sondern gutes alter Social Engeneering. Schick genug Deppen einen Link, einer klickt schon. Oder eine.

Natürlich hätte Herr K das googlen können. Hätte er die notwendige Kompetenz dazu. Hat er vielleicht sogar und vielleicht wollte er einfach nur nicht?

Der Simplon in mir möchte glauben, dass Kutschaty einfach nicht weiß wovon er redet. El Paranoido ist aber der Meinung, dass er es vielleicht so weiß. Denn was könnte man machen, wenn „Millionen zusammengeschalteter Computer“ Unheil anzurichten drohen? Die Abschalten. Oder besser noch: Beobachten, dass sie gar nicht erst zusammengeschaltet verbösartigt werden. Kann man heute nicht. Aber könnte man morgen vielleicht. Das Zauberwort lautet…

Bundestrojaner

Kutschaty ist zuversichtlich, dass sich die Justizminister auf eine gemeinsame Linie gegen die Hacker verständigen können. „Wenn uns das gelingt, haben wir eines der größten Risiken der Internetnutzung beseitigt.“

Ich kommentiere das jetzt mal nicht weiter. Denkt Euch Euren Teil.

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Vorratsdatenspeicherung: Und DAS sind die, die uns vertreten?

9. Juni 2015 Kommentare ausgeschaltet
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I like Facebook :-)

2. Juni 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Okay,

das ist dann wohl der Tag an dem die Hölle zu friert. Ich, der ich immer alle Leute überzeugen will, sich beim Gesichtsbuch abzumelden, werde die Klitsche jetzt loben.

Denn Facebook macht etwas, was ich mir von sooo vielen (eigentlich allen) Anbietern im Netz wünschen würde: sie integrieren PGP in ihre Mails.

  • Man kann jetzt seinen eigenen öffentlichen Key im Benutzerprofil hinterlegen. Damit verschlüsselt Facebook dann alle Mails an den Empfänger automatisch.
  • Noch wichtiger ist aber, dass Facebook jetzt ausgehende Mails mit dem eigenen PGP-Key signiert.

Ob die Mails von Facebook verschlüsselt sein müssen, kann man diskutieren. Es erscheint widersinnig, hier auf Vertraulichkeit zu setzen, wenn zu gleich bei jeder Gelegenheit weiter personenbezogene Daten gesammelt werden.

Die Signatur dagegen ist ein riesen Schritt zu mehr Sicherheit im Netz. Denn durch die Signatur wird es fast unmöglich, Phishing-Mails wie von Facebook kommend aussehen zu lassen. Der Empfänger kann sich sicher sein, dass die Mail vom wirklichen Absender stammt und unverändert ist. Und so kann man dann z. B. auch auf Links klicken.

Hut ab, ein wichtiger, richtiger Schritt.

Jetzt bitte noch alle anderen Anbieter im Netz, die Mails versenden.

 

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Fussball-WM ohne Deutschland!

29. Mai 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Oh mein Gott, wir werden alle sterben!

Gut, der BND hat halt in ein oder zwei Ländern mehr spioniert. Naja, vielleicht mehr als 20. Aber Scheiß drauf! Und um das Überwachen in Deutschland noch leichter zu machen, kommt mal wieder die verfassungswidrige Vorratsdatenspeicherung? Ach Scheiß drauf!

Die wirklichen Probleme liegen doch ganz anderswo!

Ausgerechnet da, wo es uns wirklich weh tut!

Im Fußball!

Zufälliger Weise findet genau jetzt ein Skandal rund um die FIFA statt. Wegen Bestechung, obwohl die Bestechung doch gerade erst von der FIFA als nicht existent bewertet wurde. Und zur Wiederwahl von Blatter. Und schon titelt die Rheinische Post:

WM ohne Deutschland?

Ja denn wenn wir ausgespäht werden, wenn wir belogen und betrogen werden, wenn wir für dumm verkauft werden, das ist dem Deutschen alles völlig egal. Aber Fußball! Oh mein Gott, FUSSBALL!

Sollen wir Wetten, dass das Thema FIFA nachhaltig die Themen VDS, BND, NSA und NSU aus den Medien drängt? Da wird die Merkel sich aber über so einen schönen Zufall freuen. Gerade jetzt, genau zum richtigen Zeitpunkt wird das öffentliche Interesse so gut kanalisiert. Gott sei Dank, dass es solche Zufälle gibt.

 

P.S. Natürlich wird Deutschland an der WM teilnehmen. Da steckt viel zu viel Kohle hinter. Und anders als bei den echten Skandalen der letzten Monaten würde eine Nicht-Teilnahme vermutlich wirklich zu offenen Konflikten führen.

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Und jetzt noch mal gaaaaanz langsam. Und für zum mitschreiben.

28. Mai 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Es ist wieder so weit… der Unsinn zur VDS geht in die nächste Runde:

„Die Polizei darf bei zahlreichen Delikten den Wohnraum technisch überwachen und Gesprächsinhalte aufzeichnen, darf aber nicht wissen, wer vor vier Wochen mit wem telefoniert hat“, empört sich Schulz. „Das ist eine Pervertierung des Grundrechtsschutzes.“

Quelle: heise

Wie bitte?

Eine Wohnraumüberwachung ist ein erheblicher Eingriff, der nur in wenigen Fällen und mit relativ strikter richterlicher Überwachung durchgeführt werden darf. Damit aber zu begründen, warum man gerne die letzten 4 Wochen Telefonate beliebig einsehen darf ist ja mal dreist.

Wirklich sprachlos macht aber die „Pervertierung des Grundrechtsschutzes“. Denn die Grundrecht sind Abwehrrechte. Gegen den Staat. Die kann man per Definition nicht pervertieren, denn sie sind die letzte Verteidigungslinie, die wir haben.

Und wenn ich dann lese:

Verbindungs- und Standortdaten könnten der Polizei künftig helfen, gegen „Einbrecherbanden, Kinderpornographie und Terrorismus“ vorzugehen.

Dann schnalle ich völlig ab. Gerade diese drei Beispiel eignen sich mal so gar nicht:

  • Einbrecherbanden können die VDS entspannt umgehen. Indem sie nicht oder nicht mit deutschen Anbietern telefonieren
  • Kinderpornographie durch VDS verhindern oder verfolgen? Das immer wieder gern zitierte Ammenmärchen
  • Terrorismus? Sollte es Terrorismus geben, der nicht staatsgemacht ist, werden die Terroristen nicht weniger dämlich sein als die ominösen Einbrecherbanden

Gestern schon hat Maas ja alles dazu gesagt, was man wissen muss. Nämlich das es überhaupt nichts gibt, mit dem man die VDS rechtfertigen könnte.

Aber drehen wir das mal um: Schulz als Chef des BDK wird ja vermutlich selbst Polizist sein. Als solcher hat er einen Eid auf die Verfassung abgelegt. Von daher erwarte ich von ihm seinen Rücktritt von von seinem Dienstherren ein Disziplinarverfahren, sobald auch dieser VDS-Versuch vom Verfassungsgericht gekippt wird. Und das wird er. Weil wir den Grundrechtsschutz so pervertiert haben, dass wir wenigstens ein Gericht noch haben, dass mit Augenmaß abzuwägen vermag.

 

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Die neue Folgenlosigkeit

27. Mai 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Irgendwie ist es doch erschreckend.

Unsere Politiker geben sich nicht einmal mehr die Mühe zu vertuschen, was sie für einen Murks anrichten:

netzpolitik.org: Herr Maas, Sie haben gerade von einem Mehrwert gesprochen. Grundrechtseingriffe müssen aber nicht nur verhältnismäßig sein, sondern auch notwendig. Die EU-Kommission und die Bundesregierung hatten immer Probleme, eine Notwendigkeit nachzuweisen. (…) Können sie die Notwendigkeit beweisen?

Maas: Die Notwendigkeit kann ich nicht beweisen. Weil das Gesetz gibt es ja noch gar nicht.

Quelle: netzpolitik.org

Das ist eine solche Bankrott-Erklärung des Staates das man gar nicht weiß, was man schreiben soll. Weil es das Gesetz nicht nicht gibt, kann man nicht beweisen, dass es notwendig ist? Was ist das bitte für eine verquere Logik?

Wie weit es gekommen ist, kann man sich am Besten daran zusammenreimen, dass selbst der WDR mittlerweile Klartext spricht:

Es lohnt sich, jedes einzelne Argument, das Befürworter der Vorratsdatenspeicherung in dieser Zeit angeführt haben, auseinanderzunehmen. Am Ende bleibt nichts davon übrig – außer größten Bauchschmerzen darüber, dass hier unsere Freiheit einer vermeintlichen Sicherheit geopfert wird. Vermeintlich, weil nach wie vor schlicht der Beweis dafür fehlt, dass die anlasslose Speicherung unserer Kommunikationsdaten irgendetwas bringen wird.

Quelle: wdr.de

Die Überschrift „Lügen für die Vorratsdatenspeicherung“ trifft es dann auch auf den Punkt.

Was interessant wird ist zu beobachten, wer letztlich welchen Nutzen aus solchen Gesetzen ziehen wird. Und wir werden auch mal darüber nachdenken müssen, wie wir zu den kommenden Wahlen damit  umgehen. Eigentlich müsste es eine unparteiische Werbekampagne geben, die einfach mal die Lügen der GroKo aus der aktuellen Periode auflistet und zu Wahlplakaten verarbeitet.

Obwohl… sowas könnte man ja auch selber machen…

Die Sache mit der Merkel und der „No-Spy-Affäre“

27. Mai 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Heute morgen titelt die SZ damit, dass ein Aktenvermerm Merkel in der „No-Spy-Affäre“ in Bedrängnis brächte:

Vor der öffentlichen Verkündung eines angeblichen Angebots für ein No-Spy-Abkommen hatte die Bundesregierung keine solche Zusage von der US-Regierung bekommen. Das ergibt sich aus neuen Unterlagen aus dem Kanzleramt, die Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR einsehen konnten.

Das ist in zweierlei Hinsicht bermekenswert:

1) Wer glaubt denn das Gegenteil?

Im Ernst, nimmt irgendjemand an, dass Merkel trotzt öffentlicher Abwesenheit in der NSA-Affäre nicht genau wissen würde, wie der Stand der Dinge ist? Die Frau hat es von einem Pöstchen in der DDR-Politik bis zur Bundeskanzlerin geschafft. Es wäre unfassbar naiv auch nur eine einzige Sekunde zu glauben sie hätte es nicht gewußt. Es ist doch gar nicht die Aufgabe der Gesellschaft zu beweisen, dass dem so ist. Allenfalls hätte sie glaubthaft machen müssen, dass es nicht so ist. Was sie meines Wissens nach nie direkt getan hat.

 

2) Die No-Spy-Affäre ist kein Skandal

Bei der sogenannten Affäre handelt es sich um gar keine. Es ist vielmehr ein kleiner unwichtiger Nebenschauplatz, der von dem eigentlichen Skandal, der Vertuschungspolitik im NSA-Aufklärungsausschuss ablenkt. Selbst wenn es ein solches Abkommen hätte geben können, hätte sich doch niemand ernsthaft verpflichtet gefühlt, sich daran zu halten.

Wenn man hier hätte skandalieren wollen, hätte man das auf anderem Weg machen müssen. Man hätte die Lüge zum No-Spy-Abkommen mit der Lüge zur Maut zusammen führen sollen. Und das hätte man dann mit Merkels rumgedruckse im Wahlkampf zum Thema gleichgeschlechtlicher Ehe zusammen führen müssen. Damit hätte und müsste und sollte man sie jetzt unter Druck setzen.

Aber statt dessen lassen wir uns mit Nebenschauplätzen ablenken. Nicht gut.

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Ach, das bisschen Abhören…

25. Mai 2015 Kommentare ausgeschaltet
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In was für einer komischen Zeit leben wir eigentlich?

Zum einen wundere ich mich doch sehr darüber, wie man damit umgeht, dass sich die USA (sic!) darüber „beschweren“, wie in Deutschland der Geheimdienst-Skandal rund um NSA und BND aufgeklärt wird. Wobei aufgeklärt werden ja ein Eupehmismus ist. Aber egal.

So schreibt Heise:

Washington nervt es, dass mit der SPD eine deutsche Regierungspartei seit Wochen von den Geheimdiensten beider Länder verlangt, in punkto Ausspähung die Hosen herunterzulassen. Konkret geht es darum, ob eine brisante Liste mit E-Mail-Adressen und Telefonnummern auch gegen den Willen der USA vom Bundestag geprüft werden kann.

Denn übersetzt steht da doch, dass die USA auf die Souveränität von Deutschland einen brauen dampfenden Haufen geben. Gut, warum sollten sie Deutschland mehr Respekt zollen, als anderen Ländern in denen sie sich wie die Herrscher aufspielen. Beunruhigend ist jedoch eher das beredete Schweigen von Merkel und Co. Sollte unsere Bundeskanzlerin nicht da stehen und zumindest behaupten / so tun als wäre ihr das egal was die Amis sagen? Oder noch besser, sich vor das Volk stellen und sagen, es ist egal wie die Amerikaner dazu stehen, es geht um deutsches Recht und deutsche Bürger/-innen.

Ist natürlich nicht zu erwarten. Denn die CDU und die SPD haben kein Interesse an echter Aufklärung. Ganz im Gegenteil behaupte ich sogar, dass Merkel und Gabriel hinter dem Vorhang auch weiterhin versuchen werden, den Untersuchungsausschuss so weit wie möglich zu behindern. Das Leitmotiv ist aber vermutlich nicht, dass der größe Bruder das so will. Sondern eher Selbstschutz, denn es ist davon auszugehen, dass in dem Tümpel „Geheimdienstaffäre“ so viel Kompromat lauert, dass kein Spitzenpolitiker damit zu tun haben will.

Bemerkenswert ist in dem Kontext auch gleich die Schere im Kopf. Ist man auf der einen Seite bemüht immer wieder zu erklären, dass niemand etwas zu befürchten habe der nichts zu verbergen hat, kann man heute auch schon mal Klartext reden. So schreibt Golem:

EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) rechnet damit, dass seine Kommunikation von Geheimdiensten abgehört wird. Deshalb passe er sein Verhalten an, sagte der EU-Kommissar für digitale Wirtschaft der Zeitung Bild am Sonntag (BamS). „Am Telefon spreche ich wirklich Vertrauliches nicht aus. In der Kommission testen wir gerade Krypto-Handys, die es den Abhörern schwer machen.“

Die aus diesen Worten triefende „das ist halt so, da kann man nix machen“-Mentalität und das versteckte „aber mir geht es doch wie Euch“ ist erschreckend. Denn es macht nicht nur klar, dass die Geheimdienste sich längst nicht mehr vorschreiben lassen, wen sie wann wie zu überwachen haben. Sondern auch, dass die Regierungen vollkommen machtlos den Apparaten gegenüber stehen.

Natürlich könnte man die Frage stellen, wieso dann nicht die Geheimdienste aufgelöst werden. Das geht nicht weil… ähhh aus Sicherheitsgründen. Noch mal Heise:

Die stellvertretende Leiterin des Bundespresseamtes, Christiane Wirtz, brachte am Freitag nach intensiven Journalistenfragen den Zielkonflikt auf den Punkt. Es gehe darum, „dass wir in Deutschland auf Geheimdienste nicht verzichten können, dass es darum geht, 80 Millionen Bundesbürger zu schützen, und dazu Geheimdienste notwendig sind. (…) Insofern ist auch die Zusammenarbeit mit befreundeten Diensten notwendig.“

Wieso die Geheimdienste den Menschen Schutz bieten und wovor, hierauf bleibt die Antwort immer vage. Ist Geheim. Versteht sich ja von selbst. Da ist es auch nur eine Randnotiz wert, dass das FBI selbst inzwischen einräumt, dass all die Schnüffelein nicht wirklich helfen.

Oder das der angeblich so konkrete Terrorplan gegen einen Karnevalszug sich dann doch als Luftnummer entpuppt.

Allerdings erwächst daraus eine andere Sorge. Ich schrieb vorige Tage schon was über die Zufälle. Und ebenso wie die zufälligen Zufälle scheint es eine immer dringendere Notwendigkeit zu geben, dass etwas passiert. Und dann haben wir ein Problem: Viele Menschen werden im Falle eines Falles sich in ihrer Angst bestätigt sehen. Aber  mindestens genau so viele Menschen werden an Vorfälle wie das Celler Loch glauben.

Und die Auswirkungen die das schon jetzt auf die Gesellschaft hat, sind ja nur die Spitze des Eisberges. Es wird alles weiter wachsen. Die Angst, die Skepsis, das Misstrauen… und wie das in so Spiralen ist, wird es immer schneller und schlimmer. Bis… ja bis was? Was wäre dann die ultimative Eskalation?

Was wir uns alle dann vorwerfen lassen müssen ist, dass wir es  haben soweit kommen lassen.

 

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Willkommen im Land der tausend Zufälle

17. Mai 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Machen wir uns nix vor: das politische System in Deutschland hat ein Problem – und das ist ein Glaubwürdigkeitsproblem. Das kann man erkennen, daraus kann man Schlussfolgerungen ziehen und Maßnahmen ableiten.

Diese Maßnahmen könnten zum Ziel haben, das Vertrauen in der Bevölkerung zu erhöhen. Dazu ist zum Beispiel Transparenz wichtig. Denn man glaubt gerne, was man versteht. Verstehen kann ich unsere Bundesregierung allerdings gar nicht mehr. Denn statt Maßnahmen zu ergreifen die Skeptiker überzeugen und Zweifler beruhigen, passiert wieder genau das, was immer passiert: Es kommt zu einer schier unglaublichen Sammlung von Zufällen.

So wird z.B. ja nach wie vor Kritik am NSU-Ausschuss hörbar. Die Bundesregierung, so einer der Vorwürfe, habe gar kein Interesse daran, dass Organversagen des Staates aufzuarbeiten. Es wird vertuscht, verheimlicht und letztlich nur zugegeben, was in der Presse schon zu lesen war. Doch obacht, im Moment höchter Not eilt eine seltsame Terror-Kombo herbei und stellt sich einmal mehr super dämlich an und wird mediengerecht hochgenommen. Ähnlichkeiten mit den Sauerland-Terroristen sind rein zufällig.

Und dann ist da noch die Sache mit der Vorratsdatenspeicherung. Warum brauchen wir die gleich? Ach ja, wegen der Kriminalität im Internet.

Das Problem ist nur, dass das ja niemanden mehr so richtig schockt. Was also braucht es? Gewaltige Internetkriminalität! Das ganz große Ding! Einen Super-Mega-Angriff auf… ja auf was? Naja, stellen wir uns vor der Staat bräuchte einen „Hackerangriff“, aber eigentlich darf da erstens niemand externes (Unternehmen?) wirklich zu Schaden kommen. Zweitens muss es so sein, dass man jederzeit die Kontrolle behält (auch über die Kommunikation). Und Drittens muss das Staatswohl gefährdet sein. Und wenn man 1 und 1 zusammenrechnet…

Bislang unbekannte Täter haben nach Informationen von SPIEGEL ONLINE das interne Datennetz des Deutschen Bundestags attackiert. Wie Bundestagssprecher Ernst Hebeker am Freitag auf Anfrage bestätigte, seien „die IT-Systeme des Bundestags“ Ziel eines elektronischen Angriffs geworden. (Quelle: SPON)

Das geradezu absurde ist doch, dass Einrichtungen wie der Bundestag mit Sicherheit jeden Tag, jede Stunde Ziel von mehr oder weniger durchtriebenen „Cyber-Attacken“ sein dürften. Warum also jetzt der Lautsprech? Ahhh warte, das könnte etwas mit der aktuellen Diskussion über Vorratsdatenspeicherung zu tun haben? Denn nach all den Fällen aus denen wir wissen, dass sie genau nicht geholfen hat oder hätte, brauchen wir jetzt einen wo niemand mit 100% Sicherheit sagen kann, dass sie nicht vielleicht doch geholfen hätte. Glücklicher Zufall, dass gerade jetzt, wo auch bei einem der Regierungspartner die Kritik an der VDS wieder laut wird, so ein Fall auftritt!

Und dann ist da noch das Problem mit dem BND und der NSA. Auch hier erleben wir den unbedingten Regierungswillen, eine Aufklärung um jeden Preis zu verhindern. Was es also braucht ist ein Erfolgserlebnis! Ein wichtiges. Eine richtige Bombe. Und was gebraucht wird, wird nicht geliefert, sondern ergibt sich rein zufällig:

Hat der deutsche Geheimdienst BND den Amerikanern bei der Ergreifung von Osama Bin Laden entscheidend geholfen? Das berichtet die „Bild am Sonntag“ (BamS) unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise. Demnach soll ein Agent des Bundesnachrichtendienstes angeblich den Hinweis auf das Versteck des Terroristen in Pakistan gegeben haben. (Quelle: SPON)

Dummerweise hat die Primärquelle, die selten regierungskritische Springer-Presse wohl das Memo nicht bekommen. Das Memo in dem geschrieben stand, dass sich in den USA gerade ein mittelschweres politisches Erdbeeben anbahnt:

It’s been four years since a group of US Navy Seals assassinated Osama bin Laden in a night raid on a high-walled compound in Abbottabad, Pakistan. The killing was the high point of Obama’s first term, and a major factor in his re-election. The White House still maintains that the mission was an all-American affair, and that the senior generals of Pakistan’s army and Inter-Services Intelligence agency (ISI) were not told of the raid in advance. This is false, as are many other elements of the Obama administration’s account. (Quelle: Seymour Hersh)

Und das Hersh recht haben könnte?

Ein Indiz dafür könnte sein, dass es in den USA just in diesem Moment einen glücklichen Zufall gibt:

A senior Islamic State leader was killed, and his wife captured, in a raid in eastern Syria by U.S. Special Operations forces, the first on-the-ground mission in that country targeting wanted extremists, defense officials said on Saturday (Quelle: WallStreetJournal)

Allein…

Es ist ja nicht so das ich nicht glauben möchte, von weisen Frauen und Männern regiert und geschützt zu werden. Es ist nur einfach so, dass ich irgendwie… ein komisches Gefühl im Bauch kriege, wenn so viele Zufälle zusammenfallen, dass ein Lottogewinn dagegen als höchstwahrscheinlich gelten muss.

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Und ich bin der Kaiser von China

7. Mai 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Eine Behörde, die alles sammelt. Man kann ja nie wissen wofür man es braucht. Eine Behörde, die zudem ein Geheimdienst ist. Eine Behörde, die im Moment in der Schusslinie der Öffentlichkeit steht.

Und genau die Behörde, die alles sammelt, was man irgendwann mal irgendwie auswerten kann…

ausgerechnet die löscht die Liste der „Begriffe“ mit denen man wesentliche Tätigkeiten definiert.

Natürlich. Absolut glaubwürdig.

Und ich bin der Kaiser von China.

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Ihr seid so doof, Ihr merkt das nie!

30. April 2015 Kommentare ausgeschaltet
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Als ich gestern darüber schrieb, wie unverschämt uns die Bundesregierung belügt, da dachte sicherlich der eine oder andere: Das kann gar nicht. So dreist kann nicht mal das Merkel sein.

Für WIE doof man uns aber hält, sieht man sehr schön in diesem Video aus der Bundespressekonferenz – jeder weitere Kommentar ist überflüssig, das spricht einfach für sich: (Transkript)

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