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Gasgroßkraftwerke für die Zukunft?

16. Februar 2011
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Im Streit um die Frage nach einer Nachhaltigen Energiegewinnung für die Zukunft der Menschheit geht es immer mehr um die Frage, ob sich Großkraftwerke rentieren.

Deren Vorteil ist bei einer langen Laufzeit von 40 und mehr Jahren nicht nur die quasi garantierte Einnahmequelle für den Energieversorger – sondern vielmehr auch das Festschreiben der Machtverhältnisse.

Im Zuge des Unkonventionellen-Gas-Rausch ist es daher auch nicht verwunderlich, wenn die bekannten Big Player hier ansetzen:

Einer jetzt erschienenen Studie der Unternehmensberatung McKinsey zu Folge sollen Gas-Kraftwerke 70% weniger Emissionen erzeugen, als vergleichbare Kohlekraftwerke.

Was, finanziert unter anderem von E.On, Royal Dutch Shell, Statoil und anderen, zunächst wie eine gute Nachricht klingt, verliert bei näherem Hinschauen schnell an Reiz:

Stellt man nämlich die Frage nach der Quelle des Gases, landet man schnell bei Unkonvetionellem Gas, denn konventionelles Gas ist in seiner Verfügbarkeit stark beschränkt. Im Zusammenhang damit gehen jedoch Schätzungen von nur noch 20% CO2-Einsparungen aus.

Das Geld, dass für die Förderung von unkonventionellem Gas benötigt wird, steht in der gleichen Zeit natürlich nicht den erneuerbaren Energien zur Verfügung. Das Konzept der Förderung von unkonventionellem Gas in Verbindung mit Großkraftwerken zementiert jedoch das Energie-Oligopol der Versorger, dass schon heute eine massive Ausweitung der Nutzung erneuerbarer Energie verhindert.

Und natürlich darf man an der Stelle auch fragen, warum es eigentlich sein muss, dass hier in Gaskraftwerke investiert wird, wo es andere, durchaus interessante Technologien wie Geothermie gibt.

Man könnte jetzt annehmen, dass Geothermie-Kraftwerke interessant werden, wenn die Vorräte an Gas zu Neige gehen. Ein Schelm wer böses dabei denkt ;-)

Übrigens, Stichwort Grundlast:
Eines der Argumente der Energie-Lobby ist ja, dass man die Großkraftwerke für die Bereitstellung einer gesicherten Energie-Menge benötigt. Tatsächlich dürfte es eher so sein, dass man sie zum Geld verdienen braucht: Technisch bedingt können Großkraftwerke nur sehr schwer in ihrer Leistungserzeugung eingeregelt werden. Da ist es schneller möglich zum Beispiel Windkraftanlagen herunter zu fahren.

Mit der Mär vom Energiemangel wird also weiter den Großkraftwerken gehuldigt, die wir in der Menge nicht brauchen und mit der Technik nicht wollen. Die Folgen dieser falschen und von partikularen Interessen geleiteten Politik werden dann die Generationen nach uns zu schultern haben – was die Shareholder von heute wenige stört.

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