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Schadet Facebook der Kultur?

29. März 2011
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In einem Blogbeitrag habe ich vor einigen Tagen dargelegt, warum und in wie weit Facebook für mich untragbar geworden ist. Da in den Kommentaren ein paar Fragen aufgeworfen wurden und ich auch noch mal darüber nachgedacht habe, greife ich das noch mal auf:

Beim Googlen bin ich auf einen Beitrag auf BasicThinking gestoßen, der sich mit einer ähnlichen Fragestellung auseinander setzt:

Was aber ist, wenn die nächste Webgeneration, ob 3.0 oder 4.0, ganz anders wird als geplant und einfach “Facebook” heißt? Und jetzt kommt der Witz: Es deutet sich bereits an.

Auch er sieht das Risiko zentraler Kontrolle und der Allmacht des Betreibers, der zukünftig darüber entscheidet wer “leben” darf und wer nicht. Und inzwischen zeichnet sich auch ab, dass meine Ansichten zur mangelnden Transparenz von renommierten Personen geteilt werden.

Warren Buffet, der vermutlich 3. reichste Mann der Welt warnt davor, in Soziale Netze zu investieren – einfach weil man im Grunde nichts über sie weiß. Zumindest weiß man nicht viel an belastbaren Fakten. Was man aber sehen kann ist, wie die dahinter stehenden Unternehmen aus Nichts versuchen Wert zu generieren. Und das dieser Wert nicht vorhanden sein muss, sondern dass Nutzer, Werber und Investoren nur glauben müssen, dass es den Wert gibt. Dafür scheut man dann auch keine Mühe und versucht z. B. den Börsengang von Facebook mit dem Ex-Sprecher von Obama aufzuwerten.

Das ist in meinen Augen ein gefährliches Spiel. Denn niemand hat derzeit wirklich Einblick und wie schnell ein Hype zu Ende gehen kann, sieht man an MySpace:

Vor wenigen Jahren noch war MySpace das weltweit größte Online-Netzwerk mit knapp 100 Millionen Mitgliedern. […] haben dem Portal alleine von Januar bis Februar dieses Jahres etwa 10 Millionen Nutzer den Rücken gekehrt. Setzt sich der Trend fort, dürfte MySpace noch in diesem Jahr ohne Nutzer dastehen und der Besitzer News Corporation gezwungen sein, die Plattform dicht zu machen.

Als Ursache gibt man unter anderem die Dominanz von Facebook an, ich beschrieb das als Monokultur im Internet. Und mit MySpace endet ja eine Plattform, die nicht wenige Künstler hervorgebracht hat.

Wer genau sagt uns jetzt eigentlich, dass es Facebook nicht so ergehen kann und vermutlich wird?

Aber was ist bis dahin passiert?

Es werden viele Blogs verschwunden sein, private Websites nicht mehr gepflegt sein, viele Unternehmen ihre Präsenzen vernachlässigt haben – denn schließlich “bloggt” man heute auf Facebook, man wirbt auf Facebook, man handelt auf Facebook.

Und dann beschließt Facebook, dass DU nicht mehr mitspielen darfst, weil Du… ja was eigentlich? Ist auch egal, denn Facebook entscheidet, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Und dann beschließt ein “Facebook-Killer”, dass man Facebook nicht mehr braucht. Deine Daten migrieren geht nicht (Facebook wäre doof, wenn sie das zuließen). Deine alten Beiträge beim neuen Anbieter wieder einstellen? Wer will sich denn den Aufwand gönnen?

Im günstigsten Fall (Fortbestand Facebook) entsteht also ein Internet, dass von Facebook dominiert und kontrolliert wird. Und im schlimmsten Fall haben wir plötzlich eine “Kulturlücke”, wenn es Facebook dereinst wie MySpace geht.

Und angesichts der möglichen Risiken erlauben wir Facebook die Kontrolle zu übernehmen?

 

(Weitere Gedankensplitter folgen…)

  1. 29. März 2011, 08:35 | #1

    Morgen. Nur kurz zur Info: Der Text, den du oben zitierst, ist nicht von Robert Basic, sondern von mir. Robert bloggt seit zwei Jahren nicht mehr bei BT, sondern auf robertbasic.de. Bin selbst gespannt, wie das weiter geht. Wir sollten uns mehr ins freie Web hinauswagen.

  2. bombjack
    29. März 2011, 09:31 | #2

    War da nicht mal was mit AOL? Kann mich dunkel an eine Diskussion erinnern über “warum AOL nicht so gut ist” und ein Argument war, dass da der Nutzer praktisch gezwungen wird in der “AOL-Sphäre” zu bleiben bzw. er was durch den AOL-Proxy gefiltertes vorgesetzt bekommt.

    Btw. filtern……gab da auch vor kurzem einen Artikel wie z.B. Facebook gezielt für Nutzer Themen auswählt und andere “unter den Tisch” fallen läßt.

    Zusätzlich sei noch an ein Projekt von Alvar erinnert, was die Risiken die es da so gibt aufzeigt: http://odem.org/insert_coin/
    Ganz zu schweigen von dem “Büssow-Komplex” http://odem.org/informationsfreiheit/ und siehe da dort kam das Thema “Sperrverfügungen” schon mal in einem anderen Zusammenhang auf den Tisch…

    bombjack

  3. 29. März 2011, 09:50 | #3

    @Jürgen Vielmeier
    Danke, korrigiert!

  4. 29. März 2011, 15:47 | #4

    Ah, ich verstehe besser und besser.

    Ich glaube, ich war vor nem Jahr das letzte Mal bei Myspace eingeloggt. Muss ich mal löschen.:D

  5. cashpunker
    1. April 2011, 16:20 | #5

    Facebook und viele Plattformen im “freien” Web stehen in fester Verbindung mit einer vielzahl an Partnern. Die machen ihr Geld mit kostenlosen Profilen?
    Also mal spekulativ: Wie bitte betreiben die diese Seite? Ganz einfach, sie stellen Werbeflächen zur Verfügung. Diese werden, je nach beliebtheit und Anzahl der angemeldeten User bewertet. Jetzt kommt also ein Interessent und möchte sein Produkt, was auch immer das sein mag, bestmöglich platzieren um möglichst viele potentielle Interessenten anzusprechen. Nun ist aber auf einer angezeigten Seite nur ein begrenzeter Raum, für die Anbieter der Ware, vorgesehen. Eigentlich ist das zum Vorteil des Users, der sich ja nicht bei Facebook anmeldet um Werbung zu schauen, wie man beim Fernsehen ja auch nicht 24h Werbung schaltet.
    Also versucht man doch als Geschäftsführer oder Anbieter die Werbung auf einer Plattform möglichst effektiv zu Platzieren um den größtmöglichen Nutzen aus den minimalistischten Investitionen zu erreichen. KostenNutzen – Prinzip.
    Wenn jetzt der Betreiber einer Werbeplattform anbietet, die daten Vertraulich zu behandeln, dann kann das nicht ernst gemeint sein.
    Er wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst auswerten, um eben dem Geldgeber-dem Werbenden-einen segenreichen Auftritt zu ermöglichen -je nachdem was der Werber bereit ist zu zahlen-. Die Daten werden für interne Zwecke ausgewertet und Analysiert -ob nun mannuell oder wohl eher elektronisch- um sie für Großunternehmen schmackhaft zu gestalten.
    Beispiel Facebook:
    -Ich habe es selbst “getestet”.
    Wenn man zu gutmütig mit seinen Interessen ist und z.B. Angiebt, dass man Simpsons gerne guckt dann erhält man wenige Wochen später einen Eintrag an seine Pinnwand mit irgendeinem Hinweis zum Thema:Simpsons. Ganz einfach. Und nun ist man ja, wie man selber in seiner Gutmütigkeit bekanntgegeben hat, ein Simpsons Fan und so schließt sich der Kreis und der Werber hat sehr effizient seine Zielgruppe erreicht.
    Also man macht es sich bei Facebook ja einfach, indem man Anbietet eben diese Interessen wie: Musik, Filme, Bücher usw. selbstständig Einzutragen. Das wird hemmungslos ausgenutzt und wie bereits Erläutert, dauert nur Wochen bis die erste Werbung an der Pinnwand erscheint.
    Geheimnis gelüftet, oder ist es überhaupt ein Geheimnis?
    Egal jedenfalls möchte ich zu Facebook noch anmerken–>Börsengang=Untergang.
    Die Börse ist nichts für virtuelle Plattformen. Enorme Risiken. Wieviel ist eine Internetseite wert??? Absurde späkulation auf eine virtualität die in wenigen Tagen zum alten Eisen gehören könnte. Das hat absolut nichts mehr mit realer Marktwirtschaft zu tun!
    Facebook stellt nichts her, es produziert sich aus sich selbst heraus! Und profitiert einzig und allein vom Kontakt zum User der belästigt wird durch Werbung.
    Das kann nicht lange gut gehen, oder die verdummung schreitet voran und irgendein Idiot bewertet Facebook gut. Dann nimmt alles seinen Lauf, Facebook wird zum MegaKonzern und nutzt alle nur erdenklichen Schandtaten um im Geschäft zu bleiben.
    User wollen Kommuniezieren und Interessen austauschen. Die Seite lädt extrem Zäh und ist völlig Überladen. Das wird zu störungen führen, die den User natürlich gewaltig nerven.
    Man weicht aus auf einer Millionen anderen Websites und Facebook war einmal.
    Könnte 5 Jahre dauern oder auch 10. Zuviele Faktoren und die Unberechenbare Dynamik der Individuuen lassen genauere Prognosen nicht zu. Jedoch gibt es Facebook Fans und MySpace Fans. Jappy Fans und Flirtfever Fans. Welche Gruppe hier den meisten Eindruck macht und welche Seiten zukünftig Etablieren ist ausschlaggebend für die Zukunft von Facebook.
    Ich werde aber nicht im Traum daran denken mir eine Aktie von einem Internetdienstanbieter zu holen, das wäre selbstmord.

  6. Alice
    6. April 2011, 12:36 | #6

    Eine Frage des Verbraucherschutzes und offener Standards.

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