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Windenergie Voerde: Ein Schildbürgerstreich?

29. November 2011
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Ein Unternehmer hat in Voerde ein Windkraftfeld geplant. In einem als “Vorranggebiet” ausgewiesenen Gelände wollte er Windkraftanlagen installieren. Das Vorranggebiet, der Name läßt es vermuten, soll vorrangig genau dazu dienen.

Der Haken an der Sache: Das Vorranggebiet für Windkraft ist von Vogelschutzgebieten umgeben.

Und es kommt wie es kommen muss: Das LANUV hat nun begutachtet, dass der Bau von Windkraftanlagen die Wildgänse gefährden könnte.

Beide Behörden führen an, dass durch den Bau der Windkraftanlagen eine „erhebliche Beeinträchtigung“ der nordischen Wildgänse des Vogelschutzgebietes Unterer Niederrhein nicht ausgeschlossen werden könne.

Das ist verwunderlich, denn mir ist noch kein Haufen toter Vögel rund um Windkraftanlagen aufgefallen. Ebenso verstehe ich den Unmut des Unternehmers:

Jansen hält die Einschätzung von LANUV und Kreis für „nicht nachvollziehbar“; er glaubt, dass „persönliche Antipathien gegen Windkraft“ eine Rolle spielen und verweist auf die neu gebaute Rheinbrücke in Wesel. Das Bauwerk stelle mit seiner Höhe und seinen Abspannungen ein „viel viel größeres Hindernis“ für Wildgänse dar. „Die Frage ist, ob da mit gleichen Maßstäben gemessen wird.“

Denn die Brücke ist in der Tag ja gewaltig und steht, so gesehen, mitten im Weg.

Ich glaube nicht, dass das LANUV per se Bedenken gegen Windkraft hat. Allerdings stellen sich schon weitere Fragen. Wie zum Beispiel die, warum ein Steinkohlekraftwerk, dass Jahr für Jahr Millionen von Tonnen CO2 in die Atmosphäre pustet weiter geduldet wird – neue regenerative Energieerzeuger aber mit einem recht schwachen Argument behindert werden.

Auch stellt sich die Frage, ob der damalige Ratsbeschluss nicht angesichts der Flächenverhältnisse an Schilda erinnert:

Die von der Stadt nach einem Ratsbeschluss von 1998 ausgewiesene Konzentrationszone für Windkraft ist nahezu vollständig von Flächen des Vogelschutzgebietes umgeben. Dieses wurde ausgeweitet, als die Windkraft-Vorrangzone in Voerde bereits existierte.

Wusste die Stadt damals nichts von der geplanten Ausweitung? Wenn ja, wieso nicht? Und wieso wurde nicht schon bei der Erweiterung der Schutzflächen das Problem widerstrebender Interessen erkannt und angegangen?

In Voerde ist man jetzt um Schadensbegrenzung bemüht:

Die Stadt Voerde versucht nun, in „absehbarer Zeit“ ein Gespräch zu initiieren, an dem Kreis, Investor und eventuell weitere Behördenvertreter mit am Tisch sitzen, um doch noch eine Lösung in der Sache herbeizuführen. Der Ausgang ist nicht zuletzt auch für sie von großer Bedeutung, geht es doch um die Frage, ob von ihr festgelegte Vorrangzone für Windkraft in der Form überhaupt Sinn macht. „Das würde uns schon treffen“, betont Bürgermeister Leonhard Spitzer mit Blick auf einen negativen Bescheid des Kreises.

Aber ob das letztlich hilft?

Im Zweifel würde man, zu Gunsten des Artenschutzes, die Konzentrationszone (wer hat sich den Begriff eigentlich ausgedacht??) vermutlich verkleinern oder gar aufheben.

Und die Steag wird bis auf  Weiteres das Klima schädigen dürfen…

(Zitate aus einem Artikel auf derWesten)

  1. Peter Janoczek
    29. November 2011, 13:14 | #1

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    aus meiner Sicht ist es mir viel wichtiger zu erfahren, für wen denn hier die Energie erzeugt werden soll.
    Es gibt bei uns und auch im gesamten Ruhrgebiet sehr viele Projekte, wo der hier aufwendig und nicht gerade umweltneutral erzeugte Strom für andere Länder erzeugt wird.
    Als Beispiel die Windparks in Norddeutschland produzieren ausschließlich für Dänemark und der Strom der hier in Voerde/Duisburg produziert wird geht nach Österreich.
    Bei all den Investionen und auch Umweltbelastungen ist mir nicht bekannt, daß wir als Bürger dieser Regionen durch bessere Preise davon profitieren !!!
    Aber mit dem Ruhrgebiet und seinem Image kann man es ja machen – zumal ich mir sicher bin, daß diese Empfangsländer auch nicht an den Kosten für den Ausbau der Energieversorgungsnetze beteiligt werden.
    So werden Gewinne wieder privatisiert und Verluste/Kosten sozialisiert.
    Darüberhinaus behalten Länder wie Österreich Ihre schöne Natur und wir bleiben die belächelte schmutzige Region – es ist mir unbegreiflich warum wir uns nicht endlich dagegen wehren immer nur gemolken zu werden !!!

    Mit freundlichen Grüßen
    Peter Janoczek

  2. 29. November 2011, 13:24 | #2

    @Peter Janoczek
    Das Problem ist, dass nach wie vor große Mengen Strom gehandelt und dann “virtuell” verschickt werden – hier gibt es sehr viele Missverständnisse, die schon beim Sprachgebrauch anfangen. Tatsache ist aber: Es ist für alle Billiger und damit ökonomisch sinnvoller, Strom bedarfsgerecht dort zu erzeugen und zu verbrauchen, wo er benötigt wird.

    Bis wir allerdings dahin kommen, ist es noch ein weiter Weg – weil die Netze eben immer anders konzipiert waren.

    Und natürlich spielt vor allem bei der Verbrennung von Kohle der “lieber dort als hier”-Gedanke eine wichtige Rolle.

  3. 29. November 2011, 16:40 | #3

    Wo sollten die Rotoren denn hin?

    Ein Windpark zwischen Mehrumer Deich und der neuen Weseler Brücke wäre jedenfalls aus meiner Sicht auch völlig landschaftszerschandelnd. Das ist sensationelle niederrheinische – auch: (Auen-) Landschaft dorten.

    Die Windparks mögen doch bitte linksrheinisch, etwa weiterhin rund um Geldern, erweitert werden, wo die Landschaft nicht so schutzwürdig ist.

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