Heveling, Prototyp des Angst-Politikers

Gestern schrieb ich noch, dass ich mich zu der Kampfschrift des zweitklassigen CDU-Politiker Heveling nicht äußern möchte. Sein Text war mir zu populistisch und nichts als  inhaltsloses Gestammel, dass es schwer gefallen wäre, adäquat zu antworten.

Leider legte Herr Heveling nach und mir platzt dann doch die Hutschnur:

„Ich glaube, dass es schon bald eine Generation geben wird, die mit dem Internet ganz anders umgeht. Blogger haben dann keine Relevanz mehr.“

So so, das glaubt er. Und:

Allerdings habe er mit seinem „bewusst provokanten“ Beitrag darauf aufmerksam machen wollen, dass es im Internet eine Gruppe gibt, die die Meinungsführerschaft für sich beansprucht. „Und wer sich kritisch äußert, erlebt Aggression statt Argumentation.“

Aha. Natürlich beansprucht er als MdB nicht die Meinungsführerschaft?

Ich glaube, was man hier liest sind die von Panik überlagerten Gedanken eines Politiker alter Schule. Der nicht verstehen will und nicht verarbeiten kann, dass sich die tradierten Modelle überlebt haben. Dass „Meinungsführerschaft“ eben nicht mehr das ist, was die Politik der Presse sagt und diese druckt.

Heveling hat Recht, wenn er sagt das es eine neue Generation im Internet geben wird. Ich bin ja schon eine vor der Generation die heute die „Generation Facebook“ ist, deren „Timeline“ waren meine „Newsgroup“. Ob er Recht hat damit, dass Blogger keine Bedeutung mehr haben werden, sei dahin gestellt – Time will show.

Was aber aus beiden Texten von und über ihn herausdestilliert werden kann ist seine Angst vor Kontrollverlust. Die Weigerung seines Verstands, dass das alte Parteien- und Herrschaftssystem Vergangenheit ist: der rasche Fall der FDP in die Bedeutungslosigkeit und der schnelle Aufstieg der Piraten sprechen hier eine deutliche Sprache.

Herr Heveling, der von Krieg und Vernichtung, von Blut und Kämpfen redet, für den die Geschichte der französischen Revolution und die Fantasygeschichte um Mordor den Hintergrund seines „Rant“ bilden, dieser Herr Heveling wundert sich dann über den Gegenwind, der ihm entgegen bläst?

Wobei, und gerade das ist an (unfreiwilliger) Komik nicht zu überbieten: so gut wieder jeder Beitrag im Internet, sei es auf Twitter oder in einem Blog, hat mehr Niveau als das, was Herr Heveling im Handelsblatt schrieb.

Das Handelsblatt ist übrigens der Gewinner, denn es ist in aller Munde und derzeit vermutlich das meist gelesene und meist verlinkte Online-Zeitungsangebot überhaupt. Es ist die Frage, ob das Handelsblatt hier nicht die Naivität von Heveling bewußt genutzt hat, um sich in den Fokus zu bringen ohne sich selbst angreifbar zu machen. Wenn dem so ist: Glückwunsch, genialer Schachzug.

Heveling, der Prototyp des Angstpolitikers wird schon bald keine Rolle mehr spielen.

Und auch wenn er es so gerne möchte: er wird den gesellschaftlichen Wandel nicht aufhalten können. Seine Angst ist begründet, denn seine Tage sind gezählt. Er wird es sein, der in die Bedeutungslosigkeit abrutscht und sich in vielen Jahren fragen wird, wie das alles passieren konnte.

Heveling ist einer der letzten Dinosaurier die versuchen, die Evolution zu verhindern.

Heveling erklärte sich als durchaus internetaffin, indem er sagte: „Ich glaube natürlich nicht, dass das Internet bald abgeschaltet wird und ich will das auch gar nicht. Ich bin auch nicht internet- oder fortschrittsfeindlich.

Er ist, wie ich gestern schon schrieb, nichts weiter als ein armer Troll des Internet.

Autor: unkreativ

Gelegentlich hat der Unkreative das Gefühl, er müsse Euch etwas wissen lassen. Das kann sinnvoll sein. Muss es aber nicht. ;-)