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Etwas stimmt nicht in unserer Gesellschaft…

29. März 2012
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Wir alle waren mal Kinder. Die Schule mochten viele von uns nicht und Nachmittags hingen wir gerne mal ab. Lungernten rum. Spielten Fußball auf Wiesen, kletterten im Wald und tobten mit den Nachbarskindern durch den Garten von Oma Erna.

Leistungsdruck?

Den gab es. Unsere Eltern sorgten dafür, dass wir regelmäßig zur Schule gingen und im Optimalfall war zumindest ein Elternteil daheim, wenn wir wieder kamen. Es gab Essen, die Hausaufgaben wurden gemacht und der Rest des Tages? Den hatten wir frei.

Dann kam die “Ganztagsschule” und plötzlich war der Nachmittag auch Schule. Dann veränderte sich die Gesellschaft grundlegend und plötzlich kommt kaum eine Familie aus, wenn nur ein Elternteil arbeitet. Und dann verändert sich die Gesellschaft weiter und am Ende…

Am Ende geht es bei Kindern nicht mehr ums Kind sein. Es geht darum, schnell und effektiv ein Leistungsträger zu werden:

Die 14- bis 17-Jährigen in Deutschland stehen unter Druck. Das ist ein Ergebnis der Sinus-Studie. Junge Menschen glauben, dass sie in der Gesellschaft nur dann angesehen werden, wenn sie einen guten Schulabschluss erreichen und auch im Beruf viel leisten. Den meisten ist klar: Sie dürfen keine Zeit vertrödeln und müssen schon früh einen Weg einschlagen, der zu einem guten Job und Erfolg führt.

Teilweise werden auch Tatsachen offenbar, die niemanden überraschen dürften, über die wir trotzdem nicht sprechen. Zum Beispiel Reich vs. Arm:

Die prekären Lebenswelten machen den Autoren der Studie Sorgen. Sie berichten von 14- und 15-jährigen sozial benachteiligten Jugendlichen, die ihre Zukunftschancen bei Null sehen und sich damit abgefunden haben, nach der Schule keine Lehrstelle zu finden und letztendlich in Hartz IV zu landen.

So gebe es beispielsweise Jugendliche, die sagten: “Ich würde die Hartz-IV-Leute, die zu Hause sitzen und keine Lust zum Arbeiten haben, dazu verdonnern, Arbeiten zu müssen. Leute aus niedrigem Stand, unterem Stand, die sich verhalten, als wären sie sonst wer. Das sind zum größten Teil Ausländer, die sich so verhalten, als könnten sie alles und die Welt beherrschen.”

Ich kann nur empfehlen, den Bericht der ARD zu lesen: Klick!

Und vielleicht setzen wir uns dann mal in Ruhe hin und überlegen, ob das denn so richtig sein kann. Ob es das ist, was wir wollen. Und wenn wir feststellen, dass es das nicht ist, sollten wir wohl endlich mal anfangen, das Ruder herum zu reißen.

  1. 29. März 2012, 10:04 | #1

    Europa schafft sich ab. Sicher werden die Chinesen in dreißig Jahren unseren anstrengungslosen Wohlstand sichern, indem sie ihre T-Shirts in Deutschland nähen lassen und nicht in Kuba – die Lohnkosten werden einfach überzeugen. Wir ernten, was wir seit Herzogs Ruckgerede gesät haben: Sozialkompott. Es ist auch deshalb von erschreckender Dummheit, weil die Fraktion, die Deutschland als rohstoffarmes Land stets bedroht sieht, die für die Zukunft nötige Bildung mutwillig zerstört.

  2. Chris
    29. März 2012, 15:27 | #2

    Früher [tm] gab es auch noch reichlich Stellen für ungelernte oder schlechter ausgebildete Leute. Nehmen wir mal die Müllabfuhr: Da waren 5-6 Leute auch einem Fahrzeug. Heute sinds vielleicht 2 oder 3. Wenn nicht sowieso diese tollen Fahrzeuge unterwegs sind, wo der Fahrer die Mülltonnen vollautomatisch aufsammelt. Oder Schulen: Früher hatte jede Schule selbstverständlich einen Hausmeister. Und eigene Putzkräfte. Die waren dann da, wenn sie gebraucht worden sind und haben auch sonst die Augen aufgehalten. Heute geht das mehr oder weniger ausnahmslos über externe Firmen, die nicht vor Ort sind. Das sind alles Arbeitsplätze die heute weggespart worden sind.
    Da konnte man von solchen Jobs auch real leben. Wieviele Leute die real arbeiten, bekommen heute trotzdem Zuschüsse zum Lohn? Das ist das Problem.
    Das dann Leute versuchen, solchen Gegebenheiten möglichst zu entkommen, kann ich gut verstehen. Hinzu kommt dann das Gerede von der Frühförderung (ich kann es wirklich nicht mehr hören) und den Chancen die ein Kind haben muss. Aus eigener Erfahrung weiss ich, das Kinder gut damit bedient sind, wenn sie ein wenig Programm haben (also ein Sportkurs oder so) und ansonsten einfach auch mal machen dürfen. Englisch mit 2 und Ballett und Klavier mit 3 machen einfach nur Streß.

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