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Der Hindenburg der FDP?

26. November 2012
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In Voerde läuft gerade eine politische Aktion zur Umbenennung der Hindenburgstraße. Dazu muss man wissen, dass Paul von Hindenburg, um den es hier geht, historisch recht umstritten ist. Ich selbst kann und werde mir kein Urteil darüber erlauben und verlasse mich hier auf Kollegen mit mehr Sachkenntnis.

Erstaunlich ist aber, wie die FDP Voerde, hier vor allem der Fraktionsvorsitzende Benninghoff, sich mit Haut und Haaren gegen die Umbenennung wehrt. Und dabei den Boden der sachlichen Diskussion schon lange verlassen hat. Zitat gefällig? So stand’s heute morgen in der Rheinischen Post:

Die Voerder FDP-Fraktion empfiehlt, das historische Gewachsensein von Kommunen mitsamt ihren Straßennamen zu akzeptieren, anstatt Teile der deutschen Vergangenheit zu löschen. Benninghoff bemerkt giftig: „Symbolpolitik scheint hier fest in linken Händen zu sein. Denen sei gesagt, dass für die Benennung mit linksgrünen Helden doch hinreichend viele Windparks, Gesamtschulen und Krötentunnel zur Verfügung stehen.“

Natürlich könnte ich jetzt in Frage stellen ob es gut ist an Dingen fest zu halten, nur weil sie historisch gewachsen sind. Wie Beschneidungen oder die Verbrennung Rothaariger. Aber das erscheint mir angesichts der Polemik des Herrn B. zu aufwändig.

Statt dessen verweise ich noch einmal auf seine Parteizugehörigkeit. FDP. Man erinnert sich ja an Mövenpicksteuer und Möllemann. Aber ich persönlich denke auch FDP, wenn ich im Wikipedia-Artikel zu Hindenburg folgendes lese:

Hindenburg sollte 1927 zu seinem 80. Geburtstag den alten Familienbesitz Gut Neudeck von einem Freundeskreis um Elard von Oldenburg-Januschau geschenkt bekommen, nachdem Hindenburgs Familie es aus finanziellen Gründen nicht mehr hatte halten können. Die gesammelten Mittel reichten jedoch bei weitem nicht aus und wurden durch Sammlungen in Vereinen, vor allem aber durch Spenden der Wirtschaft so aufgestockt, dass schließlich der Betrag von 1 Million Reichsmark erreicht wurde. Um Erbschaftssteuern zu sparen, wurde es gleich auf seinen Sohn Oskar überschrieben. Dieses im Prinzip legale, aber für einen Mann in seiner Position anrüchige Verhalten schädigte sein Ansehen. Außerdem gab es Korruptionsvorwürfe gegen Hindenburg im Zusammenhang mit dem zwei Jahre darauf verabschiedeten „Ostpreußengesetz“, das den Kreis der Schenker und anderer Junker wirtschaftlich begünstigte. Diese Vorgänge und die anschließenden Auseinandersetzungen und Untersuchungen gingen als Osthilfeskandal in die Geschichte ein. Historiker vermuten, dass diese Verwicklungen Hindenburgs Entscheidung für Hitler beeinflusst haben könnten.

Da muss ich dann doch schmunzeln und denke mir… die FDP ist die FDP ist die FDP.

 

  1. Chris
    26. November 2012, 10:28 | #1

    Mit dem gleichen Argument hätte man ja auch die zahlreichen Stalin- und Hitlerstrassen behalten können. Oder Plätze und Kasernen nach Kriegsverbrechern benannt lassen.

  2. Hackwar
    29. November 2012, 09:53 | #2

    Ich verweise dabei gerne auf Münster, wo wir in einer Farce vor gar nicht all zu langer Zeit den Hindenburgplatz in Schlossplatz umbenannt haben. Das war seit 30 Jahren ein Projekt der Linken (Also der linken Gruppierungen) und nachdem es in den letzten Jahren gleich mehrere Skandale um NS Verbrecher gerade an der Uni Münster gegeben hat und man dann schon einmal die Jöttenstraße umbenannt hat (wo rein eigentlich?), hat man dann auch dieses Thema angegangen. Der CDU Bürgermeister hat dann auf einmal den Vorschlag gemacht, das umzubenennen und im Rat gab es eine sehr breite Mehrheit dafür. Also hat man dann die Straßenschilder entsprechende geändert.

    Und dann kamen auf einmal unsere Erzkonservativen und Neonazis auf den Plan. Sie haben schon nahe an Blut-und-Boden-Rhetorik argumentiert und es wirklich hinbekommen, dass sich genug Deppen bereit erklärt und für einen Bürgerentscheid unterschrieben haben. Großer Wahlkampf von allen Seiten und dann beim Bürgerentscheid hiess es dann etwa 65% für Schlossplatz, 35% für den “altehrwürdigen” Hindenburg.

    Ich glaube, es ging quasi niemandem um die Umbenennung. Es war einzig und allein ein Aufreger, das die CDU schon wieder einknickt und “die dummen linken Zecken” noch eines ihrer Wunschprojekte erfüllt bekommen. :-)

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