Wenn mir die Rheinische Post die Tränen in die Augen treibt

Ich blättere morgens immer durch die RP auf der Suche nach Lokalmeldungen die interessant sind. Der Rest der Totholzpresse interessiert mich nicht – da ist die RP allerdings in guter Gesellschaft mit anderen Produkten. Aber heute morgen hat mit schon die Startseite der RP Tränen in die Augen getrieben:

Millionen Vodafone-Daten in Ratingen gestohlen

Wie vermutlich inzwischen bekannt sind, sind bei der Vodafone Kundendaten kopiert worden:

Erneut erschüttert ein Datenskandal die Republik. Bei Deutschlands zweitgrößtem Telefonkonzern Vodafone mit Hauptsitz in Düsseldorf kopierte ein externer Dienstleister mit viel Spezialwissen die Daten von zwei Millionen Kunden.

Das traurige ist, dass die RP ja offensichtlich selbst weiß, dass die Daten kopiert und eben nicht entwendet wurden. Sie sind noch da, sogar ein mal mehr als vorher. Wieso dann diese reißerische Überschrift? Vielleicht weil man die Leser für so einfach gestrickt hält, dass die Überschrift anders nicht wirken würde?

Und dann der lokale Bezug: es ist sowas von Latte, wo die Daten liegen: In Ratigen, New York oder Plön:

Denn bei den Daten, die im Vodafone-Rechenzentrum in Ratingen gespeichert sind,(…)

Was soll eine solche überflüssige Erwähnung wo das Rechenzentrum ist? Wobei dort mit Sicherheit (wenn Vodafone klug ist) nicht die einzige Kopie der Daten liegt. Stichwort Redundanz. Aber so stellt man eine räumliche Nähe zum Sitz der Zeitung (Düsseldorf) her und unterstreicht, dass es sich um eine schwere Straftat in unserer Mitte handelt.

Aber was erwarte ich eigentlich noch? Ich halte die RP ja eh mehr oder weniger für die Hauspost von CDU und FDP und von daher wundert es mich dann auch nicht, wenn in der heutigen Ausgabe ein (in meinen Augen) völlig unsinniger Kommentar zu Steinmeiers Stinkefinger gebracht wird:

So ein Foto wird ein Spitzenpolitiker im Leben nicht mehr los. Bei jeder politischen Krise, beim kleinsten Fehltritt im In- wie im Ausland würde ein Kanzler Steinbrück dieses Bild in den Zeitungen sehen. So weit wird es wohl nicht kommen. Mit dem Foto dürfte er die feine Rückenwind-Brise der vergangenen Wochen zunichtegemacht haben.

Der letzte Satz drück ja sehr schön das Wunschdenken der Kanzlerin aus. Und ignoriert wie viele Millionen Bürger in Deutschland sich endlich wieder eine Regierung wünschen, die Klartext spricht. Die sich nicht vor den USA duckt, die selbstbewußt auftritt und Probleme anpackt. Statt, wie es Merkels Spezialität ist, alles einfach auszusitzen…

Oh man.

Gut, dass ich kein Zeitungsabo bezahle. Ich würde mich fremdschämen galore.

Autor: unkreativ

Gelegentlich hat der Unkreative das Gefühl, er müsse Euch etwas wissen lassen. Das kann sinnvoll sein. Muss es aber nicht. ;-)