Specialized, Intellectual Property und das Netz

Ehrlich, ich lachte so hart. Intellectual Property my Ass.

Ich bin ja kein großer Verfechter der Idee, dass man alle möglichen Begriffe oder gar (Magenta-) Farben „urheberrechtlich“ schützen lassen kann. Um deren Verwendendung dann zu reglementieren. Aber manchmal kommt aus Schlechtem auch Gutes – oder zumindest ein guter Lacher. Wie im Fall der Firma Specialized. Und das geht so:

In Kanada, Calgary, hat ein Veteran (das ist für Amerikaner und Kanadier wichtig um die Sympathiepunkte zu verteilen) einen kleinen Radladen mit dem Namen Café Roubaix.

Jetzt kommt der große Konzern Specialized und schickt seine Anwälte: Der Begriff Roubaix wäre registriert für Specialized und man möge bitte den Namen des Ladens ändern und die Domain übergeben. Und natürlich erscheint das zunächst völlig merkwürdig: Kann ein kleiner Laden dem Ruf eines Konzerns gefährlich werden? Kann ein Begriff wie Robaix wirklich geschüchtzt werden? Wird Specialized demnächst auch der französichen Stadt Roubaix nahelegen den Namen zu ändern?

In den sozialen Medien entsteht das, was man erwartet: Ein Shitstorm. Egal ob Twitter, Reddit oder andere soziale Netze, der David-gegen-Goliath-Effekt tritt ein, wie bestellt. Natürlich stehen eigentlich alle auf Seiten des kleinen Cafes und regen sich über Specialized auf. Das kann, wie inzwischen jede Firman wissen dürfte, zu einem wirklichen Problem werden. Denn ist der Ruf erst ruiniert… von daher war ohnehin eigenartig, dass man überhaupt Anwälte auf das Cafe hetzte.

Aber dann wird die Geschichte völlig kurios. Denn noch während die ersten Briefe geschrieben werden und die Presse aufmerksam wird, betritt ein neuer Mitspieler die Bildfläche: Die Firma ASI. Denn die hat seinerzeit den Namen für Rennräder der japanischen Fuji-Gruppe innegehabt.

ASI hat jetzt Specialized eine Lizenz gegeben, bestimmte Komponenten ihres Produktes unter dem Namen Roubaix zu vertreiben. Nicht aber, den Namen auch für Cafes zu nutzen oder in Kanada als eigene Marke einzutragen. Vielmehr behält sich ASI diese Rechte vor – und hat jetzt öffentlich bekannt gegeben, dass sie natürlich dem Cafe die Erlaubnis geben, den Namen zu verwenden.

Somit steht ASI, von denen ich vorher nie gehört habe, als die Guten dar. Der Cafe-Besitzer ist glücklich, „das Internet“ wähnt sich als Sieger. Und Specialized?

Nun, Specialized hat durch den heimtückischen Angriff von ASI jetzt eine Position die nicht mehr zu retten ist. Eigentlich kann man sich jetzt nur noch nach Vorne wagen, von einem bedauerlichen Mißverständnis sprechen. Die bedeutung des Markenschutzes betonen unter Hinweis darauf, dass man natürlich nie vor hatte… also der totale Rückzug.

Was lernen wir daraus?

  1. Specialized war sehr schlecht beraten, überhaupt gegen das Cafe vorzugehen. Die Situaation in der das Unternehmen jetzt ist war vorhersehbar – gleich ob die „Rechtsansprüche“ berechtigt gewesen wären oder nicht.
  2. Intellectual Property ist immer für Überraschungen gut. Selten für Gute, aber manchmal für echter Lacher.
  3. Vielleicht sollten wir über Intellectual Property doch noch mal nachdenken – denn offensichtlich ist heute einiges anders 😉

Autor: unkreativ

Gelegentlich hat der Unkreative das Gefühl, er müsse Euch etwas wissen lassen. Das kann sinnvoll sein. Muss es aber nicht. ;-)

Ein Gedanke zu „Specialized, Intellectual Property und das Netz“

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