Durchgangslager Westerbork

Gestern Abend fand im Gymnasium Voerde anlässlich des 77. Jahrestages eine Veranstaltung mit Eva Weyl statt. Die Veranstaltung stand dabei unter dem Titel: „Damit ihr es nicht vergesst„.

Eva Weyl ist eine der Überlebenden des Durchgangslager Westerbork, von dem ich ehrlich gesagt noch nie gehört hatte. Und was sie zu erzählen hatte, ist wirklich so bedeutend, dass man es nicht vergessen wird. Denn sie hat nicht nur mit dem erhobenen Zeigefinger referiert. Sondern sie hat versucht zu zeigen, wie sie als kleines Mädchen (sie war 6) den „Umzug“ ins Lager und das Leben dort erlebt hat.

Dabei ist Westerbork nicht mit Auschwitz zu vergleichen – war aber ein Baustein in der Kette der Vernichtungsmaschinerie der Nazis. Was mich dabei am meisten beeindruckt hat war, wie Juden selbst duch geschicktes Social Engeneering dazu gebracht wurden, sich selbst zu bewachen und zu organisieren.

„Es waren nur ganz selten Nazis im Camp.“

Dabei ist überraschend, dass Frau Weyl durchaus auch humorige Elemente einbaut. Wer also einen Vortrag nur über Leid und Tod erwartet hat, der war falsch. Wer aber einen Vortrag ohne Tiefe erwartet hat, der auch.

Denn hinter der „lockeren“ Atmosphäre und dem fast schon entspannten Umgang mit dem Thema verbargen sich einige sehr tiefgehende Fragen. Fragen danach wie es dazu kommen konnte, dass tausende Menschen sich mit einer Situation abfanden vor dem Hintergrund des „so schlimm wird es schon nicht werden“. Wie es sein konnte, dass Juden Juden verrieten.

Aber auch, und das ist das eigentlich erschreckende, wie viele Parallelen sich zu den „Registrierzentren für Flüchtlinge“ ziehen lassen. Natürlich planen CDU und SPD nichts in der Art von Westerbrock. Aber es ist erschreckend, wie fließend die Grenzen zwischen legitimen Interessen und unmenschlichem Handeln zu sein scheinen.

Vor allem vor diesem Hintergrund ist es natürlich besonders schade, dass die Fraktionsvorsitzenden der CDU, SPD aber auch der PDL Frau Weyl gester nicht ihren Respekt durch Anwesenheit gezollt haben.

Ich bin heute, gut 12h später, immer noch nicht so richtig in der Lage in Worte zu fassen was da gestern eigentlich passiert ist. Denn auch ich neige dazu, zu stark in Schwarz (böse Nazis) und Weiss (gute Menschen heute) zu denken. Und vergesse die Zwischentöne.

Dafür habe ich wieder gemerkt, wie wenig ich im Endeffekt über unsere Vergangenheit weiß. Und das obwohl ich Wissen normalerweise aufsauge wie ein Schwamm. Und das wiederum führt mich zu dem Gedanken das ich hoffe, dass das Wissen der verbliebenen Augenzeugen gut aufgezeichnet und der Welt zugänglich gemacht wird.

Denn nur wenn wir begreifen, wie es zum Holocaust gekommen ist, können wir lernen bessere Menschen zu sein.

Und ich wünsche jedem PEGIDA-Mitläufer die Gelegenheit, ein Mal eine Augenzeugin wie Eva Weyl zu hören. Wer das macht, wer sie sieht und hört und ihre Gegenwart erlebt, der kann nicht mehr gegen Asylbesucher auf die Straße gehen. Völlig ausgeschlossen.


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Autor: unkreativ

Gelegentlich hat der Unkreative das Gefühl, er müsse Euch etwas wissen lassen. Das kann sinnvoll sein. Muss es aber nicht. ;-)