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Willkommen im IoT: Der vernetzte Sportler

22. August 2016
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Viele Menschen reden ja vom Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) und kaum einer kann sich darunter was vorstellen. Dabei gibt es eine Gruppe von Menschen, die schon heute wie selbstverständlich IoT nutzen – und sich vermutlich darüber gar nicht im Klaren sind.

Anders als man das bei Computern und compurisierter Technik erwarten würde, sind es aber nicht die Nerds. Es sind die Sportler. Na gut, vielleicht nerdige Sportler, zu denen ich mich auch zählen würde.

Denn ich lebe in einer Cloud von IoT-Devices, die mich durch den Tag begleiten. Bei dem folgenden Text bewege ich mich in der Welt von Garmin, aber ähnliche Produkte gibt es auch von zahlreichen anderen Herstellern. Ich nutze allerdings Garmin:

An meinem Rad ist ein „allmächtiger“ Radcomputer (Garmin Edge) das Herz des Ganzen: Er miss nicht nur Tempo und zahlreiche andere Daten. Er kann mich über ein Radar im Rücklicht auch informieren, wenn hinter mir Autos sind und wo sie sind. Natürlich kann er auch gleich das Frontlicht abhängig von meinem Tempo regeln und die Digitalkamera am Helm fernsteuern. Meine Strecken überträgt er, wenn ich es möchte, live ins Internet und wenn ich stürze, werden automatisch Angehörige informiert. Und wenn ich in Gruppen fahre, kann ich jederzeit sehen, wo meine Mitfahrer sind.

Das setzt voraus, dass mein Garmin Edge mit meinem Smartphone verbunden ist. Auf dem läuft Garmin Connect, die zentrale Anwendung für alle Technik drumherum. Connect empfängt die Daten vom Radcomputer und kommuniziert mit diesem. Aber nicht nur mit dem.

IMG_8413Sondern zum Beispiel auch mit meinem Fittness-Tracker, der auch aufzeichnet, wie viele Schritte ich gehe und wie viele Stockwerke ich erklimme.

Dort werden Daten noch angereichert um eine Schlafanalyse und Informationen, wie viel ich Esse. Dafür nutze ich MyFittnessPal (MFP), eine sehr populäre App zum Eintragen dessen, was man so über den Tag futtert.  Dazu kommen dann noch die Informationen aus der Waage, die ebenfalls ihre Daten in die zentrale Cloud übermittelt.

Garmin weiß wie groß und schwer ich bin, MFP wie schwer ich sein möchte. Unter Berücksichtigung meiner Aktivitäten legt dann eine Software fest, wie viel ich essen darf, um mein Gewichtsziel zu erreichen. Der Wert erhöht sich entsprechend bei körperlicher Aktivität.

Gleichzeitig wird gelegentlich geprüft, ob ich denn genug Sport treibe: Über den Tag verteilt verdonnert mich der Tracker immer wieder mal durch zartes Vibrieren dazu, den Schreibtisch zu verlassen und ein paar Schritte zu gehen. Laufe ich zu wenig, wird mein Ziel reduziert und ich bekomme motivierende Nachrichten. Laufe ich „zu viel“ wird mein Ziel für die Zukunft nach oben angepasst.

Nebenbei misst mein Armband auch den Tag über meinen Puls, etwas wozu man früher extra einen Brustgurt anglegen musste. Das Einzige, worauf ich willentlich verzichte – was aber natürlich möglich ist – ist eine GPS-Funktion um auch zurückgelegte Strecken am Tag und beim Sport direkt mit dem Armband zu tracken.

Viele der Daten kann z. B. unsere Trainerin direkt nutzen um zu schauen ob und wie wir uns an ihre Pläne halten. Und wo Optimierungsbedarf ist. Alle Daten bleiben schließlich nicht auf meinem Handy: Das dient nur zur Darstellung. Tatsächlich liegen sie natürlich im Buzzword von vor wenigen Jahren: Der Cloud, also auf Servern des Anbieters.

Jetzt kann man natürlich die Frage stellen: Warum und wozu? Geht es mir damit irgendwie besser? Bringen mir all die Daten was? Ja und nein.

Tatsächlich helfen all die kleinen Gadgets, die einen wie eine IoT-Cloud umgeben, dabei, sich bewußter zu ernähren (wenn man es nötig hat) und sich bewußter zu bewegen (wenn man es nötig hat). Da das alleine natürlich nicht unbedingt ausreicht, gibt es immer auch direkt Social Media-Komponenten: Auf MFP unterstützt man sich gegenseitig mit Lob und Rezepten.

IMG_8448Auf Garmin Connect tritt man gegeneinander an. Dabei geht es natürlich auch wieder nur um „Fake-Internetpoints“, aber das Belohnungszentrum im Hirn wird natürlich bei beidem angesprochen und meldet sich durch die Abgabe von Glückshormonen. Erster zu sein ist immer schön, letzter will niemand sein.

Damit schafft die Technik es, Sportler zu Nerds zu machen und weniger aktive Menschen zu mehr Aktivitäten zu animieren.

Natürlich hat die ganze Datensammelwut auch eine Kehrseite. Denn wo Daten sind, sind Begehrlichkeiten. Man erinnere sich nur daran, wie 2011 bekannt wurde, dass der Navi-Hersteller die Bewegungsdaten an die Polizei verkauft hat.

Was wäre jetzt, wenn die Krankenkassen gerne wüßten, was so mit ihren Kunden ist? Natürlich nicht repressiv, sondern in Form von Boni: „Senden Sie uns ihre Daten und wenn Sie sich genug bewegen, bekommen Sie Fakte-Internetpoints!“ Nennen wir die Punkte mal „Sportis“.

Wenn ich dann einkaufen gehe und für gesundes Obst noch ein paar Sportis bekomme. Für die bei MFP eingebuchte Pizza aber welche abgezogen werden? Aus den gewonnen Daten läßt sich eine Vielzahl vom Möglichkeiten ableiten, diese zu monetarisieren. Denn wer glaubt, dass Garmin die „kostenlosen“ Dienste rund um Connect „umsonst“ anbietet, der hat nicht verstanden wie Unternehmen funktionieren.

Aber in allem Negativen wartet auch was Positives. Ein Bekannter von mir hatte bei einem Fahrradwettkampf folgende Pulskurve:

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Man muss kein Arzt sein um zu wissen, dass die Spikes bis 240 nicht normal sind und ein Anzeichen für ein sehr, sehr seriöses Problem mit dem Herzen. Wenn ich jetzt schon mit meinem Armband eh einen Pulssensor 24/7 trage oder mit dem Brustgurt beim Sport mit dem Edge verbunden bin, könnten diese Sensoren eine sehr wichtige Hilfe leisten: Sie könnten mich auf eine mögliche ernsthafte gesundheitliche Gefahr hinweisen und bei Nicht-Reagieren ähnlich wie der Crash-Sensor automatisch Hilfe anfordern. Oder zumindest ans Telefon holen. Und wenn ein GPS-Empfänger verbaut ist, könnte auch eine genaue Ortung erfolgen.

Wie fast alle Technologie, die in unser Leben vordringt gibt es also Entwicklungen auf die wir achten müssen. Und solche die eine spannende Zukunft versprechen, in der z. B. schwere Folgen nach Herzproblemen deutlich verringert werden können, wenn die Nutzer der Technik gewarnt werden.

Im Moment sind die meisten Gerätehersteller nur grob untereinander (ANT+ / BT le) miteinander kompatibel. Die Brücke schlagen hier wieder andere Dienste wie z. B. Strava, die Systemübergreifend zum Wettkampf auffordern – und wieder Daten produzieren, die auch anderweitig einen Nutzen haben können.

Und jetzte stellen wir uns mal vor, in einer zukünftigen Welt können Städteplaner aus den Daten Unfallschwerpunkte ermitteln. Und so wie ich durch Radar weiß was hinter mir ist, bekommen PKW-Fahrer eine Warnung wenn sie sich einem Radfahrer nähern. Bei neu anzulegenden Trassen wird dagegen darauf abgestellt, wo welche Verkehrsart am stärksten zu fördern ist oder wo man bauliche Trennungen vornehmen sollte. Das IoT und die Cloud machen das möglich.

Gehen wir jetzt mal davon aus, dass der Mensch durchaus zu Gutem in der Lage ist, sehe ich einige sehr interessante Dinge auf uns zukommen. Und vielleicht leben wir alle ja wirklich ein bisschen bewußter, wenn uns Software und Hardware hilft, uns ein wenig genauer mit uns selbst auseinander zu setzen?

 

Der Artikel bezieht sich auf Garmin, weil wir überwiegend Garmin-Geräte einsetzen. Ich will nicht verhehlen, dass wir drüben im Radsport-Blog eine Partnerschaft mit Garmin haben. Es gab allerdings keine Aufforderung diesen Blogbeitrag zu schreiben.

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