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PACE

20. Mai 2017
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Vor einiger Zeit lief auf Kickstarter eine Kampagne, für PACE, die sehr erfolgreich war. Nun folgt das Produkt und ich hatte die Gelegenheit, es ausführlich zu testen.

PACE ist eine Bluetooth-Device, dass die „On Board“-Schnittstelle Eures Autos mit dem Handy verbindet. Der Hersteller wirbt damit, Pace „spricht“ und macht mein Auto zum Smart-Car:

Außerdem macht es meine Fahrten sicherer, einfacher und es hilft, Problemen auf die Spur zu kommen.

In dem nett aufgemachten Pappkarton verbirgt sich dann das eigentliche Interface, dass sehr unauffällig daher kommt. Und in einem zweiten Karton bekam ich einen sehr stabil wirkenden Handy-Halter mitgeschickt.

Und da ich ein Nerd bin, musste ich natürlich testen, was und ob Pace was taugt. Also ab an den Großen und das Interface eingesteckt. Soviel sei vorweg verraten: Die Technik an sich funktioniert. Einstecken, Taste drücken, in der App verbinden, fertig.

Das ist aber auch leider das Ende der positiven Auflistung. Denn PACE  ist ja 50% Hardware und 50% App. Und genau die letzten 50% sind es, die PACE zum jetzigen Zeitpunkt zu einem Spielzeug ohne nutzen machen:

Die Diagnose-Funktionen können bisher nur Fehler im Motormanagement feststellen. Provozierte Probleme wie fehlendes Wischwasser oder eine defekte Leuchte ignorierte die App – obwohl mein Fahrzeug sie eindeutig signalisiert.

Darüber hinaus behauptete die App auch beharrlich diverse Informationen wären nicht verfügbar, wie z. B. die Rest-Reichweite. Obwohl ich die natürlich abrufen kann. Aber okay, das allein ist noch kein K.O.-Kriterium.

Natürlich wollte PACE nach dem Einstecken erst mal ein Update runterladen. Das Laden des Updates klappte hervorragend. Die Installation auch, aber die App bekam leider nicht mit, dass die Installation abgeschlossen war. Und hing. Dabei kommunizierte sie konstant mit dem Interface und man konnte dem Akku beim Entladen zu sehen.

Das mit dem Akku war übrigens eine Dauererscheinung: Der Batterieverbrauch im Handy ist immens.

Dieses Problem durch Neustart der App gelöst, stand ich vor dem Nächsten:

Für den automatischen Notruf möchte die App, dass ich meine Daten vervollständige. Welche Daten fehlen, verriet sie mir leider nicht. Dafür konnte ich abwechselnd mal nicht mein Geburtsdatum eingeben oder meine Adresse. Meine Handynummer konnte ich schlicht gar nicht eingeben.

Und egal was ich eingegeben habe und was ich versucht habe, der automatische Notruf ließ sich nicht einrichten.

Aber gut, das ist ja nicht alles. Also mal mit Begleitung auf die Autobahn und mal testen:

Dabei sind mir verschiedene Dinge aufgefallen: Das erste ist, wie gut die Konfiguration des Datenbildschirms in den User-Einstellungen versteckt ist. Das Zweite war, dass die einzelnen Kästchen und Schriften so klein sind, dass sie bei fahrendem Auto eigentlich nicht zu lesen sind. Einige Funktionen wie „Karte während der Fahrt anzeigen“ konnte ich zwar finden – die Karte dann aber nicht.

Was ich dafür finden konnte waren falsche Angaben (z. B. Motorleistung, Verbrauch, Turbo-Druck), ständige Abbrüche der Aufzeichnung und spontane Neustarts. Und leider war ich absolut nicht in der Lage, mehr als einen Screen anzulegen, durch die man durch einfaches Wischen hätte scrollen können.

Im Fazit ist PACE sicherlich ein interessantes Produkt. Für den Hobbyschrauber mehr als für den Normal-Fahrer, wenn man die Motordiagnose nutzt, die ich leider nicht testen konnte.

Die App aber macht einen absolut unausgereiften, komplizierten und wenig durchdachten Eindruck. Es erschließt sich einfach absolut kein Sinn, sie während der Fahrt laufen zu lassen. Außer man will den Akku mal zu Höchstleistungen treiben.

Und wenn ich ständig einen „Öko-Score“ von 99 habe, frage ich mich eh ob mein Auto überhaupt noch Sprit verbraucht oder schon welchen produziert 😉

Eigentlich wollte ich PACE für xtranews testen. Das lasse ich aber lieber vorläufig erst einmal sein. Und schaue einfach in einigen Wochen oder Monaten noch mal in den App-Store. Denn ich glaube wirklich, dass PACE ein faszinierendes Tool ist. Aber man hätte vielleicht die Markteinführung noch etwas warten lassen und die App vernünftig entwickeln sollen.

 


Disclaimer: Ich habe das PACE-Paket kostenlos zum Test überlassen bekommen. Vorgaben, was ich zu testen hätte oder zu schreiben, wurden nicht gemacht.

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  1. 20. Mai 2017, 23:16 | #1

    Und ich habe alle Funktionen mit einem 08/15-OBD-Stecker vom Chinesen und der App „Torque“ … Allerdings kostet das alles zusammen keine 20 Euro. Das habe ich Pace auch Twitter auch schon mehr als einmal geschrieben und sie nach ihrem Mehrwert gefragt. Nur nennen konnten sie mir den nicht.
    Dein Test bestätigt meine Vermutungen …

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