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W-T-F? Jugendschutz.net

22. Januar 2009
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Ich habe ja heute morgen schon im Lawblog gedacht, ich steh im Wald.  Und dann lese ich im dort mit der #50 einen Kommentar,  bei dem ich denke das ich träume. Schlecht träume, wohl gemerkt:

Ich bin Betreiber von http://www.sterben-macht-frei.de . Eine Seite wo, so wie ich finde, auf durchaus unterhaltsame Weise und mit einem Augenzwinkern das Erhängen erklärt wurde. Samt Tabelle mit den entsprechenden Fallhöhen pro Körpergewicht, und Knüpfanleitung für den berühmten Henkersknoten. Aber trotzdem noch mit Verweis auf die Nummer der Telefonseelsorge, falls das ganze jemand ernst nehmen sollte.

Diese meine Seite habe ich auf Drängen von jugendschutz.net schliessen müssen. Wollte ich doch den in den nunmehr auf der Seite dokumentierten Anschreiben aufgeführten Drohungen entgehen.

Wer oder was ist denn jetzt Jugendschutz.net?

Achso, die hier:

Jugendschutz im Internet

jugendschutz.net wurde 1997 von den Jugendministern aller Bundesländer gegründet, um jugendschutzrelevante Angebote im Internet (so genannte Telemedien) zu überprüfen und auf die Einhaltung von Jugendschutzbestimmungen zu drängen. Ziel ist ein vergleichbarer Jugendschutz wie in traditionellen Medien.

und  die Hervorhebung ist von mir. Quelle: Klick!

Sehe ich das richtig? Da ist eine halb-staatliche, kollerkommunizierende “Einrichtung” unterwegs und “ermahnt” Betreiber von Websites in einem Ton, der ja wohl kaum zu glauben ist? Und will im Internet einen vergleichbaren  Jugendschutz wie in traditionellen Medien? Und weil das da schon so gut funktioniert, gibt es ja bestimmte großbuchstabige “Zeitungen”. Was ist eigentlich los hier? Und die Fachkompetenz der Briefschreiber sieht man schon daran, dass sie offensichtlich nicht mal ihre eigenen Schreiben Korrektur lesen. Zum Erbrechen.

Da kann ich verstehen, dass der Betreiber erstmal “dicht macht”, wer will sich schon mit dem Staat anlegen. Wobei ein solcher vorauseilender Gehorsam natürlich grundlegend falsch ist, weil “jugendschutz.net” mit Sicherheit nicht die Stelle ist, die letztlich über Recht und Unrecht zu entscheiden hat. Geschickter Weise wird das im Brief ja auch verklausuliert zum Ausdruck gebracht – unmittelbar gefolgt von dem Hinweis auf mögliche strafrechtliche Konsequenzen.

Hallo Deutschland, geht es noch?

Nachtrag:

Lest Euch bitte diesen Artikel im Assoziations-Blaster durch: Klick!

  1. 22. Januar 2009, 14:58 | #1

    Wenn die Eltern den Web-Konsum ihrer Blagen nicht kontrollieren, muss es halt der Wohlfahrtsstaat tun.

  2. unkreativ
    22. Januar 2009, 15:04 | #2

    @BN
    Wäre es mal auf den Web-Konsum beschränkt.

    Dummerweise ist das ja ein vielschichtiges Problem, denn oft muss der Staat (z. B. durch Lehrer) versuchen Defizite auszugleichen die entstehen, weil die Eltern auf Grund des Staates nicht mehr in der Lage sind, ihren Kindern eine entsprechende Umgebung zu bauen. Das passt ein wenig zu meinem nächsten Beitrag… :-(

  3. 22. Januar 2009, 15:31 | #3

    Ach, dazu brauchen viele Eltern keinen Grund vom Staat, um ihre Kinder den eigenen Defiziten auszuliefern – das schaffen die auch alleine… Soziale, erzieherische und intellektuelle Verwahrlosung darf sich nicht allein hinter mangelndem Geld verstecken – im übrigen ist das kein Privileg der Menschen, die Sozialleistungen in Anspruch nehmen müssen. So wie es vielen Hartz-IV-Empfängern gelingt, ihren Kinder entsprechenden erzieherischen Schutz angedeihen zu lassen, gibt es auch genug Eltern aus dem gehobenen Mittelstand, die sich der Verantwortung ihren Kindern gegenüber entziehen…

  4. unkreativ
    22. Januar 2009, 15:32 | #4

    Mittelstand und gehobener Mittelstand bedeutet heute sehr oft, dass beide Arbeiten gehen müssen. Mit ebenfalls nachteiligen Folgen, deswegen habe ich mich bewusst nicht auf die Gruppe der Hartz-Bezieher beschränkt. Denn das, da stimme ich Dir völlig zu, wäre falsch und unfair.

  5. 22. Januar 2009, 19:48 | #5

    Erstaunt mich, dass Du bislang noch nicht von den Aktivitäten dieser selbsternannten Jugendschutzbehörde mitbekommen hast. Mitunter reicht es schon, keinen Jugendschutzbeauftragten angegeben zu haben, um von denen angeschrieben zu werden. Du meinst, Du hast keinen Sex auf Deiner Site? Weitgefehlt. Machst Du Witze über Alkohol? Werden irgendwo Jugendliche in zweideutiger Pose dargestellt (voll bekleidetes, witziges Partyfoto), hast Du womöglich mal Hanf geraucht? Böse Falle. Nennen Sie mir bitte ihren Jugendschutzbeauftragten, wir werden in 1 Woche noch mal vorbeischauen …

  6. unkreativ
    22. Januar 2009, 20:13 | #6

    @Pete
    Um so mehr ich mich damit beschäftige, um so merkwürdiger kommt mir das alles vor. Wie gut, dass ich eine Jugendschutzbeauftragte habe ;-)

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