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Internet-Zensur via Google?

22. Januar 2009
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Ups?
Da beschäftige ich mich ja heute mit der BPjM und der ganzen Geschichte und dann entdecken meine Augen einen Kommentar von Philipp Lenssen:

So sind z.B. in Google.de-Ergebnissen bestimmte Sachen via schwarzer Liste der Bundesprüfstelle für *jugendgefährdende* Medien auch für Erwachsene (also nach abschalten des sog. SafeSearch-Filters) nicht erreichbar, laut Angaben von “Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter eV” in einer Email mir gegenüber. Nun sag mir doch bitte — wie komme ich denn als Erwachsener an die Zensurliste der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien? Transparenz über diese Zensur wäre doch das mindeste zur Einschätzung der Situation, und da ich eben kein Jugendlicher bin, bin ich ja auch nicht gefährdet. Folgende Antwort darauf wurde mir von der Bundesprüfstelle gegeben: du bekommst diese Liste als Erwachsener nicht, nicht in ihrer Ganzheit. Du kannst nur URL für URL abfragen bei liste@bundespruefstelle.de.

Quelle: Klick!

Das ist mir nicht nur neu, das schockiert mich auch zutiefst. Hat von Euch da schonmal einer von gehört? Irgendjemand irgendwelche Informationen an der Hand? Krasse Scheiße. Pardon my french.

Was kann man machen? Richtig: Nachfragen!

Sehr geehrte Damen und Herrn,
unter der URL

http://www.spreeblick.com/2009/01/22/bundesprufstelle-indiziert-blog/#comment-706126

konnte ich heute lesen:
“So sind z.B. in Google.de-Ergebnissen bestimmte Sachen via schwarzer Liste der Bundesprüfstelle für *jugendgefährdende* Medien auch für Erwachsene (also nach abschalten des sog. SafeSearch-Filters) nicht erreichbar,[...]”

Entspricht dies den Tatsachen?

Mit herzlichen Grüssen,
Stefan Meiners

  1. 22. Januar 2009, 19:59 | #1

    WTF? Echt?

  2. unkreativ
    22. Januar 2009, 20:00 | #2

    @Andreas
    Echt? Ich weiß noch nicht.

  3. 22. Januar 2009, 21:32 | #3

    Die Liste jugendgefährdender Medien (=der “Index”) unterteilt sich in vier Teillisten, zwei öffentlich, zwei nicht-öffentlich. §18 JuSchG

  4. unkreativ
    22. Januar 2009, 21:35 | #4

    @BN
    Danke, aber die Frage ist:
    NUTZT Google diese Liste, bzw. ist Google gehalten sie zu nutzen?

  5. 22. Januar 2009, 23:03 | #5

    Im Rahmen der §§27f. JuSchG ja, wenn man sich nicht dem Risiko der Strafverfolgung aussetzen will (§27 I Nr.1 JuSchG insbes.)

  6. Jonas
    23. Januar 2009, 06:50 | #6

    Also ich hab gestern ein bisschen nach dieser Magersuchtseite gegoogelt, die sie seit neustem indiziert haben und selbst als ich die exakte Adresse (welche ich aus dem Indizierungsbericht kenne) in Anführungszeichen gesetzt hab, wurde mir aus “Rechtsgründen” nichts Relevantes angezeigt. Folgende Angabe zu den Rechtsgründen:

    “Ihre Suche h?tte in den Suchergebnissen einen Treffer generiert, den
    wir Ihnen nicht anzeigen, da uns von einer zust?ndigen Stelle in
    Deutschland mitgeteilt wurde, dass die entsprechende URL unrechtm??ig
    ist.”
    (http://www.chillingeffects.org/notice.cgi?sID=815)

  7. tuht
    23. Januar 2009, 07:17 | #7

    Habt ihr echt noch nie gesehen, dass bei google bei den Suchergebnissen eine Meldung eingeblendet hat, die besagt dass nicht alle Ergebnisse angezeigt werden?

    sucht z.b. mal nach r*tt*n.com (ist nur ein Beispiel, mir ist gerade nichts anderes eingefallen…)

  8. 23. Januar 2009, 07:51 | #8

    @tuht
    Nö, noch nie gesehen, auch diese Suche funktioniert *eigentlich*, d.h. man bekommt Links zu Artikeln, die sich auf diese Seite beziehen, aber keine direkten Links dazu im Firefox, im IE7 dagegen schon. Ein entsprechender Hinweis im Fuchs fehlt aber.

  9. 23. Januar 2009, 08:18 | #9

    Mir ist diese Meldung schon oefter aufgefallen [warum auch immer ich anscheinend staendig nach Begriffen suche, die rechtlich relevante Inhalte erzeugen] – habe mal versucht, die entsprechenden Ergebnisse ueber einen Ami-Proxy ausfindig zu machen, bin aber auch nicht wirklich weitergekommen [Meldung kam aber natuerlich nicht mehr].

  10. Ziviler Ungehorsam jetzt!
    23. Januar 2009, 08:43 | #10

    Also über google.com/ncr erscheint die Seite noch – wenn auch nur noch als cache, die bpjm-Gedankenpolizei liessen anscheinend die Seite schon löschem. Allerdings kann ich leider nicht garantieren ob ihr dann doch wieder auf google.de umgeleitet werdet – auch eine Form von subtiler Zensur dieses Polizeistaates.

    [Url gelöscht. MS]

    Es kann nur eines geben, solange Widerstand gegen diese Kryptofaschisten ausüben durch ziviler Ungehorsam – bspw durch anonymes Hosten im Ausland und sich überhaupt konsequent nur ncoh ausserhalb des .de Bereichs zu betätigen – mit dem Internet liess sich so vieles anstellen um diesen Unrechtsstaat in Sachen Meinungs- und Pressefreiheit ein für allemal ad absurdum wenn sich die Leute nur daran halten würden.

  11. fangorn
    23. Januar 2009, 08:43 | #11

    Mein Mangel an Überraschung ist erstaunlich.

    Macht euch mal die Mühe und vergleicht (z. B. via TOR Netzwerk) die Suchergebnisse von google.com, google.de, google.se und anderen “Inkarnationen”.

    Google filtert nicht nur in China massiv. Im Fall der westlichen Regierungen traut sich bloß keiner, das Zensur zu nennen.

    Von den neuesten Eskapaden von der Leiste und dem Bundeswolferl mal ganz abgesehen.

  12. 23. Januar 2009, 10:58 | #12

    @fangorn
    Ja, Google filtert seit Jahren, anhand welcher Liste oder Kriterien nun genau..
    Darum gehe man hin und benutze: http://www.google.com/intl/en/

  13. marcel
    23. Januar 2009, 10:59 | #13

    ich google seit jahren nur noch mit google.ru

    da mich das zu sehr annervt

  14. 23. Januar 2009, 11:22 | #14

    @Fangorn: kann man auch einfacher ueber z.B. http://www.chillingeffects.org/search-comparator machen [vorausgesetzt, man vertraut der Richtigkeit des Ergebnisses].

    Zum Glueck nutze ich seit einiger Zeit Ixuick, das scheint das nicht der Fall zu sein.

  15. nuke
    23. Januar 2009, 11:43 | #15

    Was einmal im Internet war geht nicht verloren,
    hier ist die Website:
    [Url gelöscht - MS]

  16. 23. Januar 2009, 11:55 | #16

    gibt es denn noch unabhängige andere suchmaschienen? fürher gabs die mal wie sand am meer, aber welche sind heute noch “nicht von google abhängig”?

  17. Jennifer
    23. Januar 2009, 13:09 | #17

    Gute Suchmaschinen:
    1) https://www.ixquick.com/deu/
    2) http://www.metager2.de

    Beides sind Meta-Suchmaschinen: Sie bringen die besten Ergebnisse verschiedener anderer Suchmaschinen.

  18. 23. Januar 2009, 15:31 | #18

    Ahem, warum wurden die Links gelöscht? Sie sind doch nicht verboten, lediglich ein Altersnachweis wird (innert Deutschlands) gefordert, ist bekannt, dass diese adult-Prüfung nicht funktioniert? Keine Möglichkeit, diese Links für nur Deutschland zu sperren?
    Ich habe die Entscheidung gelesen und komme zu dem Schluss, dass es Kranken hiemit verwehrt sein solle, über hre Krankheit öffentlich zugänglich zu schreiben, da die Ansteckungsgefahr zu gross sei. Liege ich da falsch..?

  19. unkreativ
    23. Januar 2009, 15:34 | #19

    @Stuff
    Mit der Indizierung kommt i. d. R. auch ein “Bewerbungsverbot” einher, wenn ich mich recht erinnere. Und da ich gerade beabsichtige, mich mit der BPjM in die Diskussion zu stürzen, möchte ich nicht angreifbar sein. Das ist die Schere im Kopf, die solche Maßnahmen herbeibeschwört. Freiwillige Selbstkontrolle quasi.

    Nein, so falsch liegst Du nicht.

    Was denkst Du über den Vergleich, dass zum Nicht-Essen aufzufordern vergleichbar sei damit, den Konsum von Drogen und Alkohol zu beschwören?

  20. Frank
    23. Januar 2009, 16:03 | #20

    Ach es ist schlecht den Konsum von Drogen und Alkohol zu beschwören? ;-)

  21. unkreativ
    23. Januar 2009, 16:04 | #21

    @Frank
    Geschmaxsache, würde ich sagen :-)

    Für das 12er Gremium offensichtlich.

  22. 23. Januar 2009, 22:18 | #22

    Also ich sitz jetzt zu Hause am Computer und lese mir “die Entscheidung” etwas genauer durch und gerate an eine etwas merkwürdige Sentenz, die denn doch etwas völkisch auf mich wirkt:

    „Das Erziehungsziel ist in unserer pluralistischen Gesellschaft vor allem dem Grundgesetz, insbesondere der Menschenwürde und den Grundrechten, aber auch den mit dem Grundgesetz übereinstimmenden pädagogischen Erkenntnissen und Wertmaßstäben, über die in der Gesellschaft Konsens besteht, zu entnehmen” (Scholz, Jugendschutz, 3. Aufl. 1999, S. 48).”

    Irgendeinem, einem pensionierten Richter übrigens, ist ja schon aufgefallen, dass das Austauschen von “Grundgesetz” mit “Willen des Führers” die Texte überhaupt nicht ändert. Eine Verfassung – nebstbei, ist ja keine, überhaupt gibt es in Deutschland ja allerlei Surrogatbezeichnungen für Einrichtungen einer bürgerlichen Republik wie etwa Staatsangehörigkeit (ein Fatum?) statt Staatsbürgerschaft, Grundgesetz für (!) die Bundesrepublik Deutschland statt Konstitution/Verfassung und auf dem Parlament steht ja immer noch, dass das gesponsert ist: “Dem Deuschen Volke” – aber, ok, eine Verfassung, die “Lebensziele” vorgibt, also den guten vom bösen Menschen trennt, ist alles mögliche, aber keine _bürgerliche_ Verfassung. Und dass jedes Gutmeingremium – als gGmbH organisiert – den Willen des Führers – pardon, die Verfassung, ahem, das Grundgesetz für das Wahre, Schöne und Allerbeste und auch gleich das Kindeswohl für die Landeskinder formuliert und in den entscheidenden Gremien die “Berater” stellt – nein, keine sitcom, die lachen wirklich.

    Da zum Vergleich Hungerkur Alkoholkonsum noch was zu schreiben, das erspar ich mir und Euch…

    Als Lesetip: http://web.archive.org/web/*/http://www.qwm-multi.dk/preussen.pdf

  23. fuel
    23. Januar 2009, 22:46 | #23

    Ich weiß nicht, wie man davon überrascht sein kann?

    02/2005: „Selbstregulierung der Suchmaschinenanbieter“: http://www.heise.de/newsticker/Selbstregulierung-der-Suchmaschinenanbieter–/meldung/56770

    12/2005: Google filtert Piercing-Website: http://www.heise.de/newsticker/Betreiber-einer-Piercing-Site-beklagt-deutsche-Zensur–/meldung/67716

  24. unkreativ
    23. Januar 2009, 22:54 | #24

    @fuel
    Um ehrlich zu sein: Ich wäre niemals auf die Idee gekommen, dass in Deutschland eine solche Technik eingesetzt wird :-(

  25. 26. Januar 2009, 16:03 | #25

    Ich möchte ja nun nicht unbedingt Google in Schutz nehmen, aber meines Wissens nach werden die Ergebnisse auch stark lokalisiert. Es gab da ein Beispiel mit irgendeinem frz. Produkt und einem Namen eines neuseeländischen Bergs. In Frankreich gingen die Treffer eher in Richtung des Produkts, in Neuseeland in die des Bergs.
    Also bitte nicht überreagieren, weil google seine Ergebnisse einfach weiter optimiert.
    Dennoch ist es sicherlich eine gute Idee, ein möglichst breites Spektrum an Suchmaschinen zu nutzen, da ansonsten der Blick sehr leicht beeinflusst werden kann.

  26. unkreativ
    26. Januar 2009, 16:08 | #26

    @Jonas Fietz
    Lokalisieren bedeutet ja in Deinem Beispiel eine Gewichtung. Hier geht es aber darum, dass eine “ominöse Gruppe” von 12 Leuten eine Liste mit Websites definiert, die Dir Google dann gar nicht mehr anzeigt.

    Und Yahoo.

    Und MSN.

    Und so weiter.

    Die Lösung ist hier übrigens furchtbar trivial: Google.com filtert nicht. Google.de filtert. Yahoo.com filtert nicht, Yahoo.de filtert….

  27. 3. März 2009, 18:11 | #27

    Hey Leute, das sollte uns aber wirklich nicht mehr schockieren. Es gibt auch genügend Seiten, die nur aus dem Grund erstellt werden uns zu beeindrucken oder unsere Meinung in eine bestimmte Richtung zu lenken.

    oh oh, hoffentlich habe ich jetzt Niemanden erschreckt. ALSO NOCHMA FÜR ALLE: “ES IST NICHT ALLES GOLD WAS GLÄNZT, aber gelber Schnee ist generell bääähhh!

    …das tun auch die ganz Grossen!!! Also kann diesbezüglich weniger Info auch mal mehr sein! Generell kann ich es nicht befürworten, aber wer kann denn heute noch entscheiden, ob eine Info der Realität entspricht oder nicht. …wer ist guter Cop, wer ist böser Cop??? WIR nutzen die Safe-Search Funktion auf unserer Seite ganz bewußt, um Mami und Papi eine Internetrecherche zu bieten, die auch mal der kleine Max nutzen kann, ohne as man sich sleber erstmal anschauen muß, was denn da angezeigt wird! … http://www.safe-search.de

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