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Aus der Rubrik: “Dinge, die ich nicht glauben kann”.

24. Januar 2009
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Manchmal packt man sich an den Kopf und fasst es nicht. Heute: SPON verlinkt exakt die Texte, wegen denen ana-hana indiziert wurde. Anderer Kontext, gleicher Inhalt. Deswegen auch keine Indizierungsgefahr, weil klare Distanzierung. Was natürlich all die Betroffenen abhalten wird, sich genau dort mit den Texten zu versorgen. *Kopf auf Tisch*

  1. 24. Januar 2009, 19:21 | #1

    Tu dir nicht unnötig weh, sonst wirste wegen Verherrlichung von Selbstverletzung indiziert…

    Ausnahmetatbestände der Indizierung:
    “Wie Kunst, Wissenschaft, Forschung und Lehre kann auch das öffentliche Interesse Vorrang vor einer Indizierung beanspruchen. Das ist z.B. der Fall, wenn es sich um etwas handelt, über das die Allgemeinheit informiert sein sollte oder wenn die Allgemeinheit um Mithilfe zur Aufklärung von Verbrechen gebeten wird und die Darstellung in Form einer Berichterstattung erfolgt.” Quelle: Website der BPjM

  2. unkreativ
    24. Januar 2009, 19:25 | #2

    @BN
    Du, eine Indizierung dürfte hier schon nicht erfolgen, weil SPON ja überall drüber schreibt… ja was eigentlich?

    Aber angenommen, die Formulierung taugt um dem Eindruck entgegen zu wirken, das Thema nicht “ernst genug” zu betrachten, bleibt doch die Frage:

    1) ist es okay, die Texte so zu veröffentlichen, wie sie auf den angegangenen Seiten stehen
    2) wenn nicht, wie tief steckt die Schere dann schon in unserem Kopf?

    Mein Problem ist einfach folgendes: Ich selbst veröffentliche die Texte nicht, weil mir nicht klar ist, nach welchem Muster die BPjM das entweder als Aufklärung oder Verherrlichung betrachten würde. Gleiches gilt dort, selbst wenn der Spiegel ein “Nachrichtenmagazin” ist – denn es wäre nicht das Erste, dass mit Indizierung zu kämpfen hat.

  3. 24. Januar 2009, 19:27 | #3

    jehaw! sie interviews sind wesentlich triggernder als die regeln….

    ich ess dann mal mein gratin weiter *seuftz*

  4. spyro
    24. Januar 2009, 20:20 | #4

    der spiegel verherrlicht aber nicht magersucht, noch ruft er dazu auf magersüchtig zu werden. dort geschieht die veröffentlichung in einem kommentierten umfeld.
    folgte man deiner logik, müsste z.b. der geschichtsunterricht mit dem thema drittes reich abgeschafft werden. im übrigen verlinkt spon nicht auf die indizierte seite.

  5. unkreativ
    24. Januar 2009, 20:25 | #5

    @spyro
    Ich schrieb, er verlinkt die Texte. (Ich meinte, schrieb aber nicht:) Gespeichert auf dem SPON-Server. Ich schrieb nicht, dass er die indizierte Seite verlinkt, was schlechterdings möglich wäre: es gibt sie nicht mehr.

    Der Spiegel verherrlicht nicht, er ruft nicht auf. Völlig richtig. Hat denn das beanstandete Weblog das getan? Bestand es im wesentlichen aus exakt den gleichen Texten (ohne Disclaimer).

    Meine Logik ist nicht die, es dem Spiegel zu untersagen, das zu tun. Aber wenn man unter dem Deckmantel des Jugendschutzes ein Blog indiziert, das Inhaltsähnlich ist, muss der Spiegel sich fragen lassen, wie sorgfältig über den Umgang mit dem Thema nachgedacht wurde.

    Schließlich hat man ja unter anderem Angst, die Texte könnten triggern. Also als Auslöser & Katalysator fungieren. Und meinst Du, das ist weniger der Fall, wenn ein Disclaimer wie bei SPON vorgeschaltet ist?

    Versteh mich recht: Ich kritisiere nicht die Veröffentlichung bei SPON selbst, ich kritisiere die zweierlei Maß, die hier angelegt werden MÜSSEN, weil uns die BPjM in diese Situation gebracht hat.

  6. spyro
    24. Januar 2009, 20:42 | #6

    “Der Spiegel verherrlicht nicht, er ruft nicht auf. Völlig richtig. Hat denn das beanstandete Weblog das getan?”
    ganz klares “ja”. genau das hat sie.

    ich kann die lektüre der entscheidung der bpjm empfehlen.

  7. unkreativ
    24. Januar 2009, 20:43 | #7

    @spyro
    Hier liegt ein Mirror des Blogs. Was genau verleitet Dich zu dem “völlig richtig”, also was empfindest Du?

  8. 24. Januar 2009, 21:03 | #8

    Nein, eine Indizierung darf nicht erfolgen, weil es sich in dem konkreten Artikel um Berichterstattung handelt! Nicht erst seit gestern ist diese Pro-Ana Geschichte Gegenstand des öffentlichen Informationsinteresses, das der Spiegel wie jedes andere Medium befriedigen darf.

    Auch die junge Bloggerin hätte wohl sanktionslos drüber schreiben dürfen, wenn sie nicht “befürwortend und idealisierend” Pro-Ana als “erstrebenswert” bewertet und sich die Texte nicht zu eigen gemacht hätte. Es hat sich dabei ja eben nicht um eine Seite gehandelt, die durch reine “Informationsvermittlung” eine Hilfestellung bieten wollte davon loszukommen, sondern umgekehrt, die Vertiefung der Erkrankung zu fördern. Strenggenommen kann man daran denken, dass sie sich damit möglicherweise schon dem strafbaren Bereich wenigstens näherte (Beteiligung an oder sogar mittelbaren Täterschaft einer Selbstverletzung oder gar lebensbedrohenden Schädigung (Selbsttötung), Einordung umstritten, aber Anfangsverdacht liegt da sicher nahe).

  9. unkreativ
    24. Januar 2009, 21:07 | #9

    @BN
    Und da sind wir wieder am Anfang:
    Hätte es strafrechtlich relevante Inhalte gegeben, hätte man mit einer konkreten Norm dagegen vorgehen können – hat man aber ja nicht. Und die Frage habe ich ja schon mehrfach in den Raum gestellt, was genau an dem auf der Website eigentlich so gefährlich für Betrachter gewesen sein soll, dass die Gefahr bei einer reinen Berichterstattung nicht gegeben ist.

    Und bitte… ich will nicht sagen, der SPON-Artikel soll indiziert werden. Ich will doch nur auf die Absurdität der Situation hinweisen.

  10. 24. Januar 2009, 21:48 | #10

    Da ist gar nichts dran absurd, denn Spiegel und Pro-ana-Hannah oder wie sich die Bloggerin nannte sind zwei vollkommen verschiedene paar Schuhe: Die Prüfstelle entscheidet nicht darüber, ob die Zugriffsmöglichkeit auf die einzelnen Texte jugendgefährdend ist!

    Indiziert wird, weil das konkrete Blog, also das Telemedium als ganzes für jugendgefährdend, d.h. geeignet gehalten wird, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden, weil Anorexie als erstrebenswert glorifiziert wird (Ich rezitiere jetzt nicht das BpjM-PDF). (§18 JugSchG)

    Und es geht hier auch nicht um strafrechtlich relevante “Inhalte” wie bei Neonazi-CDs oder so. Pro-Ana-Texte als solche sind nicht strafbar. Was dagegen strafbar sein könnte (Ist es im Ergebnis möglicherweise nicht, ich weiß es nicht.), ist durch das Blog die Veröffentlichung von Texten und der These “Hungern macht glücklich” aktiv einen Leser dazu anzustiften, ihm zu helfen, oder ihn dazu unter Ausnutzung seines psychischen Konstitutionsmangels zu beeinflußen, sich durch Hungern selbst an der Gesundheit oder am Leben zu schädigen. SPiegel macht das ja gerade nicht. Man müßte eine Strafanzeige schreiben, um die Staatsanwaltschaft diesbezüglich tätig werden zu lassen, die BpjM hat damit Null zu tun….

    Im ürbrigen: “was eigentlich so gefährlich für den Betrachter gewesen sein soll” — es geht hier nicht allgemein um einen “Betrachter”, der geschützt werden soll. Es geht auch nicht in erster Linie um generell alle Jugendliche, sondern konkret um “gefahrgeneigte Jugendliche und heranwachsende Betroffene” (siehe BpjM-PDF!).

  11. 24. Januar 2009, 21:52 | #11

    Aber die mögliche Strafbarkeit ist nicht zwingende Voraussetzung der Jugendgefährdung! Lediglich ein Anhaltspunkt…

  12. unkreativ
    24. Januar 2009, 21:59 | #12

    @BN
    Lieber BN,
    hier drehen wir uns doch im Kreis:
    “Es geht auch nicht in erster Linie um generell alle Jugendliche, sondern konkret um “gefahrgeneigte Jugendliche und heranwachsende Betroffene””
    Richtig. Das ist Intention der BPjM gewesen. Nur, bitte: Was ist denn der qualitative Unterschied zwischen SPON-Publikationen und dem Blog für einen “gefährdeten Jugendlichen”, der mit Google sowieso auf Grund des besseren Rankings eher bei SPON landen würde?

    Einen Straftatbestand aus “Hungern macht glücklich” herleiten zu wollen, halte ich persönlich für absurd. Ich kann hier auch schreiben, jemand möge dieses oder jenes tun (spezifiziert aber unpersönlich) um sich aus dem Genpool zu entfernen. Na und, who cares?

    Wir drohen aber, uns vom Kernproblem zu entfernen: Der Frage ob die Indizierung angemessen war. Kann man einer Jugendlichen(!) auferlegen, dass nur noch Erwachsene(!) Ihren Blog lesen? Nach welchen Kriterien entscheidet das 12er-Gremium?

    Wie kommt man auf die Idee, die Verherrlichung von Drogenkonsum in einen Topf zu werfen mit der Aufforderung nicht mehr zu essen? Während es eine Willensentscheidung braucht, Drogen zu konsumieren (zumindest am Anfang) spricht normalerweise der Überlebensinstinkt gegen eine Verweigerung der Nahrungsaufnahme. Und wenn ein Mensch entscheidet dies zu tun, seinen Willen aufwendet, den Instinkt zu Essen zu unterdrücken und das dann irgendwann gut finde, dann ist das zweierlei: es ist zum einen ein deutliches Zeichen für eine Abweichung von der Norm und zum Zweiten zunächst sein ganz persönliches Problem.

    Denn: Der Erwerb und damit der Konsum von BTM wird durch das BTMG geregelt und verfolgt. Mir ist aber nicht klar, dass es ein Gesetz gegen das Nichtessen gibt. Und genau hier setzt meine Kritik an: Man verbietet einer Minderjährigen über Dinge zu reden, die nicht verboten sind. Dann legt man das willkürlich und mit beachtlichen Klimmzügen als “jugendgefährden” aus, ohne eine empirischen oder wissenschaftlichen Nachweis anzutreten. Das Blog ist dicht.

    Und jetzt frage ich Dich:
    1) Welche Auswirkungen hat dieses Auftreten der BPjM wohl auf das Mädchen?
    2) Welche realen Auswirkungen auf die pro-Ana-Szene besteht?

    Kommen wir noch mal zum SPON: Man zeigt bewusst nicht alle Bilder aus Abu Ghaib oder aus den Konzentrationslagern. Muss man aber dann im Teaser Fotos von sehr schlanken Frauen zeigen, muss man die Texte im Vollzitat publizieren und kann man das wirklich ruhigen Gewissens mit der Berichterstattung begründen?

    Ich will dem SPON nicht das Recht absprechen das zu tun. Ich will der BPjM aber eine – in meinen Augen – krasse Fehlentscheidung anlasten und auf die absolute Absurdität hinweisen.

    Hattest Du Zeit, Dir mal das Blog durchzulesen? Dann kannst Du mir bitte endlich verraten, das macht ja leider niemand, was konkret eigentlich Stein(e) des Anstoßes sind!

    P.S: Bitte mal #3 lesen! Niemand hier kann das besser beurteilen als die Schreiberin…

  13. 24. Januar 2009, 23:41 | #13

    Nein, mein Lieber, der einzige, der sich im Kreis dreht, bist Du selbst! Wenn du den Unterschied zwischen Spiegel und dem Blog nicht erkennst, kann ich dir das wohl auch kaum vermitteln, aber ich versuchs…

    Spiegel stellt die Sach- und vor allem Gefährdungslage dar, richtet sich im übrigen an alle Interessierte Leser ohne die Intention sie zu einer Selbstgefährdung zu veranlassen – die Bloggerin bestärkte gefährdete Gleichgesinnte in ihrem Wahn, dass es richtig und gut ist, was sie tun, und richtet sich ausschließlich an diesen beschränkten Personenkreis mit ausdrücklichen Abschottungstendenzen gegenüber nicht Anorexikern (Mich, einen Übergewichtigen will sie gar nicht ansprechen, ich entspreche ja nicht den Vorstellungen ihres “Glaubensbekenntnisses”, siehe PDF).

    Im übrigen kann ich hier keine Rechtsvorlesungen abhalten, um dir die Grundlagen beizupulen. Aber es sei dir versichert, dass du da einigen Irrtümern unterliegst. Zum einen ist der BTM-Konsum nicht strafbar, wie auch die Selbstverletzung (z.B.durch Nichtessen) oder Selbsttötung nicht strafbar ist. Was strafbar ist, ist der BTM-Besitz und der Handel! ana-Hannah ist auch nicht verboten über Anorexie zu reden. Ihr ist es auch erlaubt, Anorexie gegenüber Erwachsenen zu propagieren. Ihr ist lediglich untersagt, gegenüber Jugendlichen Anorexie zu verherrlichen und zu propagieren – das ist ein gewaltiger Unterschied!

    Was Stein des Anstosses ist, habe ich in den vergangenen Stunden in den Kommentaren wiederholt dargelegt. Aber wenn du immernoch nicht begreifst, warte bitte meinen nächsten Trackback ab, ich schreibe gerade an einer kleinen… Allegorie(?)

    Das arme Mädchen braucht Hilfe, ob mit oder ohne Indizierung. Vielleicht hat die Indizierung ja dafür gesorgt, dass ihre Eltern mit dem Ausmaß ihrer Krankheit konfrontiert werden – who knows?

    Welche realen, faktischen Auswirkungen eine Regelung auf einen Sachverhalt hat, macht die Regelung nicht generell rechtswidrig. Kann man um den moralischen Sinn streiten? Absolut. Aber das hat nicht unbedingt Einfluß auf das Recht.

  14. unkreativ
    24. Januar 2009, 23:44 | #14

    @BN

    Nein, mein Lieber, der einzige, der sich im Kreis dreht, bist Du selbst! Wenn du den Unterschied zwischen Spiegel und dem Blog nicht erkennst, kann ich dir das wohl auch kaum vermitteln, aber ich versuchs…

    Ich drücke mich vermutlich unklar aus, deswegen mal sehr kurz: Der Unterschied ist mir bewußt.

    Spiegel stellt die Sach- und vor allem Gefährdungslage dar, richtet sich im übrigen an alle Interessierte Leser ohne die Intention sie zu einer Selbstgefährdung zu veranlassen – die Bloggerin bestärkte gefährdete Gleichgesinnte in ihrem Wahn, dass es richtig und gut ist, was sie tun, und richtet sich ausschließlich an diesen beschränkten Personenkreis mit ausdrücklichen Abschottungstendenzen gegenüber nicht Anorexikern (Mich, einen Übergewichtigen will sie gar nicht ansprechen, ich entspreche ja nicht den Vorstellungen ihres “Glaubensbekenntnisses”, siehe PDF).

    Auch das ist vorbehaltlos richtig. Meine Frage ging aber in eine andere Richtung: Die, die auf der Suche nach entsprechenden Texten sind, finde diese sehr leicht beim SPON, der sie veröffentlichen darf. Wie sehr lassen sie sich vom Disclaimer dann abhalten oder eines besseren belehren?

    Im übrigen kann ich hier keine Rechtsvorlesungen abhalten, um dir die Grundlagen beizupulen. Aber es sei dir versichert, dass du da einigen Irrtümern unterliegst. Zum einen ist der BTM-Konsum nicht strafbar, wie auch die Selbstverletzung (z.B.durch Nichtessen) oder Selbsttötung nicht strafbar ist. Was strafbar ist, ist der BTM-Besitz und der Handel! ana-Hannah ist auch nicht verboten über Anorexie zu reden. Ihr ist es auch erlaubt, Anorexie gegenüber Erwachsenen zu propagieren. Ihr ist lediglich untersagt, gegenüber Jugendlichen Anorexie zu verherrlichen und zu propagieren – das ist ein gewaltiger Unterschied!

    Ich schrieb: “Der Erwerb…” das umfasst den Handel und das sich Besitz verschaffen. Darf ich Drogen nicht handeln und (mit Ausnahmen) nicht besitzen, ist das gleichbedeutend mit dem Wegfall der Konsum-Möglichkeit. Genau hier beginnen aber ja meine Probleme mit der Begründung der BPjM

    Was Stein des Anstosses ist, habe ich in den vergangenen Stunden in den Kommentaren wiederholt dargelegt. Aber wenn du immernoch nicht begreifst, warte bitte meinen nächsten Trackback ab, ich schreibe gerade an einer kleinen… Allegorie(?)

    Du, ich begreife und ich gebe Dir ja recht. Ich bin nur offensichtlich nicht in der Lage Dir darzulegen, warum all das am eigentlichen Problem vorbei geht.

    Das arme Mädchen braucht Hilfe, ob mit oder ohne Indizierung. Vielleicht hat die Indizierung ja dafür gesorgt, dass ihre Eltern mit dem Ausmaß ihrer Krankheit konfrontiert werden – who knows?

    Bei einem ausländischen Bloghoster? Hardly. Aber Du hast Recht, wer weiß. Auch ob es den Eltern nicht schon längst bekannt war oder ob das Mädchen nicht schon längst tot ist (man beachte die letzte Aktualisierung). Oder aber – und das wären die negativen Folgen – es wird noch schlimmer, weil sie sich nicht mehr nach außen artikulieren kann und womöglich jetzt auf einmal mit ihren Erzeugern konfrontiert wird. Und mit einer Behörde.

    Welche realen, faktischen Auswirkungen eine Regelung auf einen Sachverhalt hat, macht die Regelung nicht generell rechtswidrig. Kann man um den moralischen Sinn streiten? Absolut. Aber das hat nicht unbedingt Einfluß auf das Recht.

    Das ist Richtig. Deswegen stelle ich die Frage nach dem Sinn. Und stelle fest, der ist nicht gegeben. Von hier aus beginne ich für mich eine Verhältnismäßigkeitsprüfung und die führt mich zu dem Ergebnis, dass das Handeln der BPjM nicht angemessen war.

    Insofern reden wir beide von dem gleichen, gehen es nur von unterschiedlichen Standpunkten an: Während Du überlegst und argumentierst, warum das Verhalten der BPjM vielleicht nicht “in Ordnung”, wohl aber rechtmäßig und zweckbestimmt (zweckerfüllend streitest Du auch ab) gewesen ist, gehe ich es von der anderen Seite an.

    Denn, und das ist ja mein Kern: Wenn bereits hier ein Blog indiziert werden kann, sind die Anforderungen sehr, sehr niedrig. Und das wirft für alle Blogger schon sehr bald ein arges Problem auf. Und hier wieder der Rückgriff in Richtung BTMG: Hätte es einen Rechtsverstoß gegeben, der klar definiert ist, würde ich komplett meine Klappe halten. Hier hat aber ein (aus meiner Sicht) beliebiges Gremium der üblichen Verdächtigen für sich beschlossen, was uns (ja, eben auch den Erwachsenen!) zugemutet werden kann – und das ist eine Zumutung. Bitte das Wortspiel zu entschuldigen ;-)

    Aber, und das ist ganz wichtig: Das ist natürlich nur meine Meinung.

    Nochmal: Ich gebe Dir völlig recht. Aus fachlicher Sicht.

  15. Nova
    25. Januar 2009, 10:17 | #15

    du hast recht mit dem, was du über pro-ana und dem spiegel-artikel geschrieben hast. es macht keinen unterschied. die auf spiegel veröffentlichen texte, z. b. das motivationsschreiben ist genauso gefährlich, wenn eine person das genauso in einem text in einem blog schreibt. meiner ansicht nach, ist das von denen genauso unverantwortlich. und eine explizite distanzierung oder eine warnung oder aufklärung sehe ich da auf den ersten blick nicht.

    und so eine indizierung eines solchen blogs bringt gar nichts. man ereicht nur damit, dass sich die person nur weiter versteckt und die ganze sache im geheimen weitergeht. verstehe ich nicht, was das bringen soll.

  16. 25. Januar 2009, 12:12 | #16

    Ah, ich glaube, Anonym hat mir grade eure Position erhellt…
    “die auf spiegel veröffentlichen texte, z. b. das motivationsschreiben ist genauso gefährlich, wenn eine person das genauso in einem text in einem blog schreibt” – Objektiv betrachtet mag das vielleicht sogar stimmen – ich würde eher sagen, das Blog ist noch erheblich gefährlicher, denn der Qualitätsunterschied in der Aussage pro Ana ist zu groß um ihn zu ignorieren.

    Nur kommt es darauf aber für die Indizierung nicht an. Zum einen ist das Blog eine einzige Pro-Ana-Propaganda, der Spiegel nicht. Zum anderen: Selbst wenn der Spiegel den Tatbestand der Jugendgefährdung erfüllen würde (was er nicht tut), hätte er die Privilegierung des Ausnahmetatbestands auf seiner Seite…

  17. Nova
    25. Januar 2009, 14:21 | #17

    Schön, dass ich dazu beitragen konnte. Beides ist gefährlich! Das Blog noch mehr, das steht ja außer Frage. Es ist aber auch bedenklich, wenn der Spiegel diese Texte in voller Länge abdruckt. Kostenlose Anleitung für Pro-Ana, ist doch super. Es scheint mir so nicht der richtige Weg zu sein, auf dieses Thema hinzuweisen. Die BPjM hat das da schon besser gemacht und zwar ohne jedes Text-Detail zu veröffentlichen.

    Dass so ein Propaganda-Blog nicht vertretbar ist, dürfte jedem klar sein. Bei einer Indizierung verschwinden solche Themen erstmal aus der Öffentlichkeit. Wer setzt sich denn dann mit dem Thema noch weiter auseinander? Im Untergrund geht das sowieso weiter, vielleicht auch noch stärker wie vorher. Eine Indizierung ist keine wirkliche Lösung. Sie fördert zum Teil auch den Reiz des Verbotenen.

    Allerdings geht es hier doch auch hauptsächlich um die generelle Indizierung des Bloggers im Allgemeinen oder nicht?

  18. 26. Januar 2009, 13:56 | #18

    Ich denke, die Betroffenen werden sicher weniger durch Spiegel angeleitet, als durch Leute, die selbst betroffen sind. Darin liegt doch letztlich auch die Gefahr, die die Bundesprüfstelle gesehen hat. Es gegenüber der Umwelt zu verheimlichen, gegenüber den “anderen” treibt Pro-Anorektiker sicher nicht zum Spiegel, sondern eher zu den Blogs, Foren etc. von Gleichgesinnten. Man muss es mal umgekehrt sehen… vielleicht sind gefährdete, die sich aber nicht sicher sind, durch den Spiegel in ihren vorhandenen Zweifeln bestätigt und wenden sich dann von der Szene ab, als sich ihr stärker anzuschließen? Es ist ein schmaler Grat… Klar kann die Indizierung das Pro-Ana-Problem nicht lösen, aber dafür ist sie auch nicht da.

    Ja, es geht eher um die generelle Indizierung von Blogs. Mir schmeckt sie aber nicht deshalb, weil ich es für Zensur halte (Das ist es nicht), sondern weil es die Verunsicherung des Bloggers zu erhöhen geneigt ist, sich noch einem weiteren Rechtsregime unterworfen zu sehen. Wenn ich für ein, aus reiner Liebhaberei betriebenes Blog eigentlich regelmäßig Anwälte teuer konsultieren müsste, ist das im Verhältnis einfach überzogen.

  19. 26. Januar 2009, 14:04 | #19

    @Stefan: Sorry, ich hätte meinen versprochenen Artikel/Trackback ja noch machen wollen, aber bekomme es in absehbarer Zeit nicht gebacken. Daher meinen kleinen – mit einem Augen zwinkern zu lesenden Vergleich zu deiner Frage, was an dem Blog denn nun Stein des Anstosses war einfach hier, er knüpft an deiner “Vorliebe” an, den Kopf (bildhaft) auf den Tisch zu schlagen:

    Stellen wir uns vor: Du machst das, weil Du davon überzeugt bist, dass die Erschütterung deines Gehirns für erhöhte Denkleistung, einen höhreren IQ und irgendwann zu einer kommunikativen Verbindung zu Gott führt. So wie du denken auch viele Hunderttausend andere, ihr tauscht euch aus, über die effektivsten Methoden, euch die Köppe einzuschlagen.

    Nun komm ich ins Spiel: Angenommen ich bin eher IQ-durchschnittlich und komme in der 10.Klasse meiner Schule so eben mit. Gute Noten zu bekommen und einen hohen IQ zu haben ist total angesagt, die Bravo-Titelseite zieren Leute wie Stephen Hawking etc. Ich fühle mich dumm, ausgeschlossen und minderwertig. Von irgendwoher verbreitet sich, dass man seinen IQ erhöht, wenn man nur sein Gehirn schön erschüttert. Vielleicht habe ich Wochen vorher bei einem Fußballspiel einen Ball so heftig gegen die Ömme gekriegt, dass ich am Tag darauf eine Klausur mit einer solchen 1+ abschließe, dass ich ernsthaft in Erwägung ziehe, mir künftig regelmäßig mit meinem Baseballschläger einen überzubraten. Ein, zweimal habe ichs schon gemacht – immer heimlich, meine Eltern sollen nichts merken. Ich komme mit ein zwei Mitschülern ins Gespräch, die ähnliche Erfahrungen haben wie ich… alle anderen in meiner Umgebung verstehen nicht, wie man sich mit Freude auf den Kopf schlagen kann, eil das doch weh tut. Ich suche im Internet nach Gleichgesinnten, gehe durch Foren etc., Wie ich an unkreativ.net gekommen bin, kann ich im Nachhinein gar nicht mehr sagen, aber hier ist offenbar ein Mann mit IQ nahe 250 und Meister des Sich-auf-den-Kopf-Schlagens am Werk.

    Er hat ein “Glaubensbekenntnis” auf seinen Seiten, das so beginnt:
    “Ich glaube an Kontrolle eines Schlaginstruments, die einzige Kraft, die mir Ordnung in das Chaos meines Kopfes zu bringen vermag… Ich glaube, dass ich mit meinem niedrigen IQ die schlechteste, wertloseste, nutzloseste Person auf diesem Planeten bin und das ich es absolut nicht wert bin mit diesem niedrigen IQ Zeit und Achtung von jemandem zu beanspruchen. [...] Ich glaube an den perfekten IQ von 300 und bin bestrebt diesen zu erreichen. Ich glaub an die Errettung, in dem ich mich heute noch härter auf den Kopf schlage als gestern. Ich glaube an den IQ als das geniale Maß von Gott, ich glaube an Kopfschmerzen als meinen täglichen Indikator von Erfolg und Niederlage. [...] Ich glaube, das die Welt nur aus “genial” und “strunzdumm” besteht, glaube an die Beulen und Hämatome an meiner Stirn, an die Ablehnung meines eigenen, minderbemittelten Hirns und das Leben in ständigem Schlagen meines Schädels. Hoher IQ bedeutet Genialität un Coolness und deshalb muss ich einen hohen IQ haben und ihn behalten, wenn ich beliebt sein und geliebt werden will.”

    Und da steht was von “Motivationsvertrag”:
    “Oh, du sehnst dich grade nach stupider, niveauloser Verblödung, ja? Was glaubst du, was du tust? Wage es nicht auch nur in die Nähe des intellektuellen Müßiggangs zu kommen. Was willst du? Ein strunzdummer Hansel werden? Ich, dein Intellekt bin dein bester Freund und wenn du dich jetzt der Verblödung hingibst, versagst du, läßt mich im Stich und tötest mich! [...]

    Und schließlich die “10 Gebote”:
    Wenn ich keinen hohen IQ habe, bin ich nicht attraktiv.
    IQ ist wichtiger als gesund zu sein.
    Ich muss alles tun, um einen hohen IQ zu bekommen.
    Ich darf mich nicht dem niveaulosen Müßiggang hingeben, ohne mich schuldig zu fühlen.
    Ich darf keinen Müßiggang betreiben, ohne mich hinterher mehrmals auf den Kopf zu schlagen.
    IQ und das Schlagen auf den Kopf sind Zeichen von Willensstärke, Erfolg und Attraktivität.
    [...]

    Ich lese dass und erkenne mich hundertpro wieder. Finde die perfekten Regeln, mit der ich meine IQ-Steigerung zu erreichen glaube. Du bist der Gott für mich und ich abonnniere deinen Feed. Ich füge deine Aussagen meinen vorhandenen pseudo-medizinischen Erklärungsmechanismen zu und bin dadurch nun noch besser in meinem Streben nach höhrerem IQ geworden. Ich halte mich sklavisch daran, schlage mich nach deiner Anleitung nun regelmäßig auf den Kopf und spüre förmlich, wie ich jeden Tag ein wenig schlauer werde. DU HATTEST JA SOOOO RECHT! Auch finde ich neue Methoden, mir auf den Kopf zu schlagen, die angeblich noch effektiver sind und höhren IQ versprechen, als meine Baseballkeule. Die Marmorplatte meines Couchtisches funktioniert gut!

    Irgendwann Wochen später – nach mehreren Schlägen (Die Ärzte meinen, mindestens 50 zu zählen, aber es können auch mehr sein) fall ich wegen der zwangsläufigen massiven Hirnverletzungen ins Koma und versterbe kurz darauf. Ob sich mein IQ erhöht hat, läßt sich bei der Obduktion nicht feststellen, ist ja auch kaum was vom Hirn übrig.

    Ist Dein Blog für mich nicht gefährlich gewesen? Bist Du dich nicht irgendwie mitverantwortlich für meine tödliche Hirnschädigung?

    Sorry für den langen Text ;-)

  20. unkreativ
    26. Januar 2009, 15:19 | #20

    @BN
    Amusing :-)

    Aber
    “Bist Du dich nicht irgendwie mitverantwortlich für meine tödliche Hirnschädigung?”

    beantworte ich ganz klar mit Nein. Jemand der in der 10. Klasse das für realistisch hält, hat einen Knick im sozialen Interface. Und Dein Beispiel ist bewusst absurd, ließe sich aber auch anders gestalten, z.B. mit HIV.

    Wenn andere von der Brücke springen, springst Du dann auch? ;-)

  21. 26. Januar 2009, 16:10 | #21

    So, und nur genau das tun aber hunderte Betroffene, die die Anorexie für ebenso effektiv, wie richtig halten…aus den gleichen kranken Gründen! Und eben weil sie der Bloggerin hinterherspringen können, sie also quasi die Brücke gebaut hat, ist ihr das Blog indiziert worden. Nur deswegen die Indizierung.

  22. unkreativ
    26. Januar 2009, 16:13 | #22

    weil sie KÖNNEN
    weil sie etwas tun KÖNNTEN, das nicht VERBOTEN ist.

    Hier ist dann mein Problem: Für was gilt das, für was nicht? Wie willkürlich definiere ich das? Überleg mal, die gleiche Institution hat mal Songs von den Ärzten verboten. Die gewannen trotzdem oder genau deswegen an Popularität. Aber haben wir deswegen mehr Schäferhunde?

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