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Oh Mein Gott – wo bitte ist der reset-knopf???

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Es gibt Tage, die gibt es gar nicht.

Komme gerade zurück von der letzten Veranstaltung des Abends, der Zeugnis-Übergabe an die Abgänger der 10. Klasse der Realschule Voerde. Tolle Party, tolles Programm, tolle Stimmung, falsche Kamera ;-)

Nur leider kann ich mich nicht so richtig freuen.

Grund dafür ist, was gerade in Deutschland abgeht.  Das ist mittlerweile so (schlimm?) (irre?) (gefährlich?) das ich beginne, keine Worte mehr zu finden um mich auszudrücken. Ich. Sprachlos.

Beginnen wir mit dem “Bildungsstreik”. Der ist schon ‘ne merkwürdige Idee, aber der Kern ist ja sinnvoll. Nämlich immer und immer wieder auf die Mißstände hinweisen. Auf Änderungen drängen. Und wenn ich dann lese, dass im Spiegel geschrieben steht:

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU), formal auch für Bildung zuständig, kritisierte die Demonstrationen der Studenten und Schüler in einem Radiointerview. Die Proteste seien “gestrig”, sagte sie im Bezug auf die Kritik an der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen. Der Bologna-Prozess sei “alternativlos” und biete viele Chancen.

Quelle: Fefe

… dann könnte ich ausrasten. Hab das schon im Radio vorhin gehört und gedacht, dass seine akkustische Halluzination gewesen. Weiß die eigentlich noch, was sie da redet?

Aber aber, das ist natürlich noch nicht alles. Denn auch in Sachen Internet-Zensur geht es weiter. Die Bild-Zeitung macht wenig überraschend die Laienhafte zur Gewinnerin des Tages. Wir erinnern uns: Der Lebensabschnittsgefährte der Krogmann, die sich ja mit dem Dörmann “geeinigt” hat, um nicht zu sagen sich komplett durchgesetzt hat… also dieser Lebensgefährte ist jedenfalls wohl der stellvertretende Chefredakteur der BILD.

Schon da will man sein frisch erlegtes Essen wieder auf die Tastatur speien.

Aber wartet, es kommt noch besser. Wirklich!

Denn im Kölner Stadtanzeiger, nach Gerüchten ein Hausblatt der CDU, steht ein Artikel, der so schlimm ist, dass ich ihn Euch nicht unkommentiert zumuten will. Zumindest nicht als erstes. Gott sei Dank muss ich das Kommentieren aber nicht übernehmen, das hat Netzpolitik.org schon gemacht. Ich würde nämlich Gift und Galle spucken und meine Beherrschung verlieren, angesichts so genialer Highlights wie:

“Die Kritiker der Initiative von der Leyens verfechten ein völlig falsches Freiheitsverständnis. Sie meinen Freiheit ohne Verantwortung. Dabei ist völlig klar, dass das Internet der Kontrolle bedarf – über die Kinderpornografie hinaus.”

Aber nicht, dass wir uns falsch verstehen:

Auch das ist noch nicht das Negativ-Highlight des Tages. Das kommt aus Berlin von einem Politikprofessor(!) der Humboldt-Universität. Von der hatte ich eine gute Meinung, bis ich auf folgenden Kommentar bei Netzpoltik.org gestoßen bin.

Ein Politikprofessor(!), der in der aktuellen Diskussion beginnt mit:

Das Gesetzesvorhaben sollte bloß sicherstellen, dass das, was für Printmedien gilt, auch im Internet gelten soll: dass der Erwerb von Kinderpornografie unter Strafe steht.

Ich bin F-A-S-S-U-N-G-S-L-O-S.

Gut, wenn man dann auch die Gegenseite zur Kenntnis nimmt. So hat sich zum Beispiel der Online-Beirat der SPD zu Wort gemeldet und ich weiß, dass innerparteilich viele in die gleiche Richtung denken.

Gerade eben noch in einem Gespräch mit einem Funktionär der SPD über Tauss gesprochen. Auch in dem Zusammenhang. Nämlich, dass ich Tauss dankbar bin, sich für die namentliche Abstimmung morgen einzusetzen. Und er, dass er es bedauert, dass Tauss nicht mehr antritt.

Aber es gibt auch in der Presse helle Stellen. Zum Beispiel beim Merkur oder im Handeslblatt (Thomas Knüwer). Es ist allerdings fraglich, ob die wenigen Perlen den Schaden kompensieren können, den viele andere “Journalisten” anrichten. Ich würde es mir wünschen, aber ich befürchte was anderes.

Übrigens gibt es natürlich auch auf der Seite der Anti-Zensurgesetz-Fraktion die eine oder andere Merkwürdigkeit. Zum Beispiel die per Twitter verbreitete Aufforderung, seine Website mit einem Skript gegen Besucher aus Behörden- und Regierungenetzen abzuschirmen. Unter dem Titel “Zensiert zurück!”.

Ich stelle mal kurz die Frage nach dem Sinn, die Seiten, die Politikern notwendiges Hintergrundwissen vermitteln könnten, vor ihnen zu verbergen. Deswegen gibt es sowas hier auch nicht.

An der Stelle möchte ich übrigens eine Karikatur von Klaus Stuttman einblenden:

[Bild nicht gefunden]

Haben wir wirklich nichts gelernt? Sind wir wirklich kein Stück weiter? Oder ist es vielleicht sogar so, dass wir gar nichts lernen sollen?  Ich weiss es nicht und deswegen endet dieser Beitrag mit einem Zitat von Fefe, über das Ihr (und das gilt vor allem für die Damen und Herren aus der Politik die hier mitlesen) mal nachdenken solltet…

Aber Spaß beiseite, die haben da gerade eine gesamte Generation gegen sich aufgebracht. Erst die Vorratsdatenspeicherung, dann die Internetzensur, und jetzt die Bildung, das geht alles gegen die selbe Generation: unseren Nachwuchs. Die alten Säcke verstehen zu wenig von den Dingen um sie herum, um zu kapieren, dass sie davon genau so betroffen sind. Und leider sieht unsere Demographie so aus, dass die Alten die Mehrheit sind. So weit ist es gekommen, dass man ernsthaft auf das Wegsterben der Politiker setzen muß, wenn man über Auswege aus dem Unglück nachdenkt, dass sie über uns gebracht haben.

  1. 17. Juni 2009, 22:23 | #1

    Volle Zustimmung. Ich dachte, ich muss mir schon Sorgen machen, dass sich mein Blog nur noch mit “Schwarzen” Nachrichten beschäftigt. Angesprochen wurde ich darauf schon, ob ich vielleicht schon manisch in dieser Hinsicht wäre.
    Derzeit habe ich nicht einmal mehr ein passendes Wort dafür, was innerlich hochkocht. Trauer? Wut? Fassungslosigkeit? Trawufalo?
    Es ist jedenfalls beängstigend. Auf der anderen Seite hoffe ich darauf, dass das stetige immense Mobilisieren der Kritiker weiter zunimmt, sodass auch endlich die Beratungsresistenz in der Regierung kapiert, was für ein “Wählermob” sie sich verprellt haben.

  1. 24. Juni 2009, 23:01 | #1