SPD – was geht?
Firefox fragt in seinem letzten Beitrag hier, ob die SPD uns für blöd hält.
Ich kann das verneinen.
Wenn sie uns aber nicht für blöd hält, was ist dann los? Des Rätsels Lösung ist so denkbar einfach, wie es nur geht: In der SPD rumort es ganz gewaltig.
Ich habe heute mal eine Reihe von Gesprächen geführt, von Nicht-Mitgliedern über Mitgliedern, zu Kommunalpolitikern und Abgeordneten verschiedenste Ausprägung und ich bekomme ziemlich genau eine Rückmeldung, nämlich die Basis macht Druck.
Dabei geht es nicht nur um Abgeordnete, die heute erfahren haben, welchen “Nutzen” die geleakten Sperrlisten für die haben, die sich entsprechendes Material besorgen wollen und die überhaupt keine Ahnung von den Alternativen oder Auswirkungen hatten. Es geht auch um die Abgeordneten, denen im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle heiß gemacht wird.
Ich halte das für ein gutes Zeichen. Denn wie ich immer wieder betone, gibt es viele Menschen (auch aktive Politiker) in den Ebenen Kommune und Land, die schon lange der Meinung sind, dass die Bundes-SPD umschwenken muss. Und deswegen verweise ich nochmal auf meinen Hinweis, warum es wichtig ist, gerade jetzt SPDler nicht aus der SPD austreten sollten.
Fehler – fast alle – kann man korrigieren. Das Korrektiv in der SPD ist jetzt die Gemeinschaft der klugen Köpfe.
Und wie man sieht: Der Druck macht nicht vor Namen und Positionen halt. Siehe Frau Zypries…

Ich erwarte einmal mit “Spannung”, ob es nicht nur auf eure Region bleibt, sondern auch andere Länder mitziehen. Allein der Glaube will noch nicht gaaaanz so schnell aufkommen, denn dieses ewige Hin und Her, mal dafür, mal dagegen, trotziges Ignorieren der Basis und und und sind da kein sonderliches Vertrauen und Glaubwürdigkeit aufbauendes Prozedere.
meine ich ernst.
Gut zu wissen aber, dass anscheinend etwas passiert und gut zu wissen, dass diese von mir angebliche Verschaukelei seitens der SPD einen trivialen Hintergrund hat.
Danke für die Korrektur meiner Meinung
Sorry aber so lange ‘da oben’ die gleichen sitzen, bringt euch das bei mir an Glaubwürdigkeit als Partei rein gar nichts. Denn ich muss annehmen, dass sie sich dem Druck nur beugen soweit nötig, im Zweifel also jetzt etwas vorspielen und es dann nach der Wahl wieder vergessen haben werden.
Nichtsdestotrotz find ich den Aufstand sehr begrüßenswert.
> … Abgeordnete, die heute erfahren haben…
Das glaubt doch kein Mensch! Ich nenn das “Fahne in den Wind hängen”!!!! Da fragt man sich doch, was die den ganzen lieben langen Tag machen/gemacht haben. Da wundert es doch keinen mehr, dass die WIRKLICHEN Probleme (Soziales, Umwelt, etc.) nicht angegangen werden. Hauptsache der eigene Posten ist sicher… Was kümmern mich die anderen 80 Mio…. *kopfschüttel* Ich geh ins Bett – vielleicht träum ich von “blühenden Landschaften”.
@Thaniell: Ich persönlich bin parteilos und sehe es selbst so, dass ein Wechsel defintiv anzustehen hat. Nicht nur in der Riege der “Älteren”, sondern im Allgemeinen. (http://unkreativ.net/wordpress/?p=6200)
Ob es nun “gedanklich” zitiert wurde oder tatsächlich so ist, kann ich nicht sagen. Höchstens der Chef persönlich. Aber merkwürdig ist dieser Punkt schon, wo der Gedanke auftauchen kann, ob da einige die letzten Wochen und Monate in Cryostase verbracht haben.
@FireFox
Es ist natürlich kein wortwörtliches Zitat. Und was die Merkwürdigkeit angeht:
Früher habe ich immer gedacht, dass Politiker doch sowas wissen und mitbekommen müssen. Mittlerweile sehe ich das anders:
Wie soll ein Mensch (und entgegen anderslautender Gerüchte gehören Politiker auch dazu) in einer Zeit, in der es keine Universalgelehrten mehr geben kann, denn Montags über Schulpolitik, Dienstags über Polizeigesetze, Mittwochs über Bankenrettung reden und wirklich bei allen Themen und Abstimmungen sprachfähig sein?
Ich glaube, wir haben mittlerweile ein sehr großes Problem damit, dass sich zu wenig Menschen um zu viel Inhalte kümmern. Und stellt Euch erst mal die Bereiche vor, zu denen in Europa für wie viele Länder Politik gemacht wird?
Nach meiner Meinung können die meisten Politiker daher nur noch die von der Partei / Fraktion vorgegebenen Wege beschreiten und sich vielleicht noch Fragen, welche Äußerung klug und welche unklug ist. So kann sich doch z. B. der “gemeine Abgeordnete” nur noch fragen: “was macht die Bild mit mir, wenn ich nicht für Kinderporno-Sperren stimme?” Will sagen, ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass es keine Dummheit oder Bosheit ist, sondern in den meisten Fällen schlicht Unwissen und der Zwang, sich Parteikonform und PC zu verhalten. Um weder von der Presse noch vom Wähler negativ wahrgenommen zu werden.
Eine Lösung?
Ich habe keine. Es würde nichts bringen, Paralmentarierer aufzustocken. Auch bringt es sicherlich nichts, wenn man zu jedem Thema beliebig viele Arbeitsgruppen aufmacht. Ein Dilemma.
Ein Manager in einem Unternehmen hat es da sicherlich um ein Vielfaches leichter…
@unkreativ: Die Lösung wäre zumindest in Ansätzen mal beim Volk kritisch nachzufragen. Die Welle der Entrüstung im Netz und der dazugehörigen Kultur der nachkommenden Generation hätte ein Alarmsignal sein müssen, oder?
Sicherlich, da gebe ich dir recht, kann man nicht alles über alles wissen. Muss man auch nicht. Dann gäbe es auch keine Vielfalt mehr in der Gesellschaft (siehe alles wäre grau in einem Einheitsmatsch). Aber mit etwas Zeit und ohne massiven Druck bei bestimmten und wichtigen Anliegen, wie bei möglichen Eingriffen in Grundrechte, kann man mitunter ein “sich umhören” erwarten, oder sehe ich da etwas falsch?