Die Bahn-Verschwörung
Ich wusste es. Never make Jokes about that.
Und SIE haben es uns gegeben. Aber so richtig. Aber der Reihe nach:
Gestern war ich mit einer Delegation der Anrainer der Betuwe-Linie in Berlin zu einer Runde mit unserem Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Netter Weise habe ich noch Ulrich Krüger, Bärbel Höhn, Ronald Pofalla, Ulrike Westkamp und diverse andere getroffen. Aber darum geht es ja mal gar nicht.
Pervers war schon, um 5 Uhr 14 mit dem Zug ab Voerde zu fahren. Das kann sich doch keiner Ausdenken. Und das nur, um den ICE um 6 Uhr 10 nach Berlin zu bekommen.
In Berlin angekommen, war erst mal der Bedarf nach “richtigem” Kaffee groß. Die Brühe aus der Bahn kann man ja nicht trinken. Also sind wir mit ein paar Würdenträger in das Hotel Adlon am Brandenburger Tor eingelaufen und haben es uns da gemütlich gemacht. Leute gucken, Kaffee schlürfen, Tag genießen.
Und ich liebe ja solche Details…
Nichts desto trotz waren wir ja zum Arbeiten da, also sind wir dann ins Paul-Löbe-Haus und haben brav am Tisch platz genommen.
Inhaltlich war ich persönlich enttäuscht. Nicht nur von der Auswahl derer, die was sagen durften (z. B. die Bürgermeisterin von Wesel eben NICHT) und denen die was gesagt haben. Und bei denen die was gesagt haben, stand für mich immer die Frage im Hintergrund, warum die niemanden fragen, der sich damit auskennt. Gut, ich war Gast, also habe ich den Mund gehalten. Während der Veranstaltung.
Aber dummerweise wurde mit den Wortbeiträgen dem Minister der Boden bereitet, sich mit Allgemeinplätzen wie der “Suche nach der optimalen Lösung im erkennbaren Zielkonflikt” ermöglicht. Mein Gott, ich hätte den sowas von an der Wand festgenagelt, aber gut, ich war Gast…
Hab das dann hinterher in kleinerer Runde mal zur Sprache gebracht…
Kommen wir zur Rückfahrt nach einem sehr guten Essen…
Unser ICE fuhr pünktlich los. Was dann passiert, kann man eigentlich kaum beschreiben: Wir fuhren ohne Störung bis Hannover. Dort hieß es dann, Abfahrt verzögert sich um 45 Minuten wegen Leitungsschaden in Wunsdorf (oder Wunstorf?). Dann hieß es nach 45 Minuten, alle Reisenden nach Bielefeld sollen aussteigen, der Zug wird umgeleitet und fährt ohne Stop in Bi direkt nach Hamm.
Losgefahren.
Oder besser: Los geschlichen
Bis wir dann standen. In Wunstorf. Neben der kaputten Oberleitung.
Ne, is klar…
Nach vielen “es dauert noch ein wenig…” kam dann die alles entscheidende Ansage: “wir fahren zurück und dann doch über Bielefeld”.
Ne, is klar…
Also lief der Pilot vom einen Ende des Zugs die 450 Meter zum anderen Ende und wir fahren zurück bis zu einem Rangierbahnhof. Dann läuft er wieder 450 Meter zum anderen Ende und wir fahren los. Auf einem anderen Gleis. Bis nach Wunstorf.
Da möchte man doch schreiend aus dem Zug rennen, oder?
Irgendwann kamen wir dann doch in Bielefeld(!) an. Und was macht der Zugbegleiter? Er verabschiedet die Gäste, die bis Bielefeld mitgefahren sind und die – wir erinnern uns – in Hannover ja schon raus geworfen wurden. Wie sagt man im Internet? *facepalm*
Übrigens: Ich als Nicht-Zahler freue mich natürlich darüber, nicht in den Genuss des 20%-Gutscheins für die nächste Tour zu kommen. Und ich freue mich auch über ein(!) Freigetränk aus dem rasch schwindenden Angebot nicht alkoholischer Getränke. So hält man die Leute bei Laune:-/
Irgendwann waren wir dann doch in Duisburg. Wo ich übrigens auf eine völlig entnervte Vorsitzende der jungen Liberalen Wesel getroffen bin. Deren Zug auch “leicht” verspätet war, die ihren Schlüssel vergessen hatte und überhaupt reif für die Insel war. Wen man alles so mitten in der Nacht trifft
Und die Moral von der Geschicht? Wer mit der Bahn zu Tiefensee fährt, um ein ernstes Wort über die Bahn zu reden, sollte nicht mit der Bahn nach Hause fahren. Das könnte schief gehen und Zufälle sind rein zufällig.
P. S.: wer die Twitter-Nachrichten von gestern lesen will: klick!

Ja, ja die Bahn. Da kannst du von Glück reden, wenn ihr keinen Trouble mit der Berliner S-Bahn bekommen habt. Da ist zur Zeit auch eine Menge am Kochen und der Chef darf laut heutiger Radio-Durchsage auch seinen Hut nehmen. Auch die DB soll ihr Fett wegkriegen und es wird gefordert, da die DB die S-Bahn “besitzt” und es ein Staatsunternehmen ist, dass auch Hr. Tiefensee massive in die Zange genommen werden soll. So laut Radio.
Was wäre wohl passiert, wenn du dennoch deinen Mund bei der Diskussion aufgemacht hättest?
Aber bei der “Horror”-Fahrt kann man wirklich, im Zusammenhang gesehen, an einer Verschwörung glauben