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Ach Zensi…

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[Updates am Ende...]

Meine liebste Zensursula, was mache ich nur mit Dir?

Und was machst Du mir mir?

Irgendwie läufst Du dem Blogger, der nicht genannt werden will, den Rang ab. Was vermutlich daran liegt, dass er relativ konstant das Gleiche macht, während Du immer wieder mit Dingen um die Ecke kommst, die – ähhh wie sag ich es – den Wunsch auslösen, den Kopf in den Händen zu verbergen und zu weinen.

Liebe Zensursula, lass es mich mal so sagen:

Du hast vom Internet keine Ahnung und Deine Berater auch nicht. Was noch viel schlimmer ist, ist aber die Tatsache, dass Du weiter und weiter darüber redest, als wüßtest Du, um was es geht. Und das weißt Du schlicht nicht.

So schaue ich heute morgen durch die Presselandschaft und fast alle Medien diskutieren oder rezitieren das Interview, dass Du der Rheinischen Post gegeben hast. Einem in meiner Wahrnehmung eher konservativ orientierten Blatt.

Wo fange ich an?

Vielleicht im Spon:

Ziel es sei, gemeinsam mit den Verantwortlichen sowie jugendlichen Nutzern einen Verhaltenskodex zu entwickeln.

Das ist, mit Verlaub, Blödsinn und gefährlich.

Zunächst der “Verhaltenskodex”, den Du entwickeln möchtest. Also es wird Dich vielleicht überraschen, aber den gibt es schon. Und zwar in Form der Netiquette, die den kleinsten gemeinsamen Nenner darstellt, den man auf einen Satz komprimieren kann:

Auf der anderen Seite sitzt ein Mensch!

Das, was Du nicht wahr haben willst ist, dass die Internet-Bevölkerung eigene Regeln hat, was sie akzeptiert und was nicht. Regelübertretungen werden gehandet, im schlimmsten Fall sogar mit Ausschluß aus einem Medium.

Wenn ich also auf Heise lese:

In Online-Netzwerken, Blogs und Chats müsse ebenso wie im Schulalltag ein “achtsamer und wacher Umgang miteinander” eingefordert werden, sagte von der Leyen in einem Interview mit der Rheinischen Post. “Mobbing im Netz kann nicht toleriert werden.” Respektvoller Umgang müsse in Chats, Blogs oder Foren so selbstverständlich sein, wie man das auch im Schulalltag mit Streitschlichtern oder Vertrauenslehrern einfordere.

… dann kann ich nur den Kopf schütteln. Sogar im IRC gibt es Moderatoren, in jedem normalen Forum eh. Diese achten darauf, dass niemand zu sehr über die Stränge schlägt und sie sind es, die in letzter Instanz Mitgleider sogar rauswerfen. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir hier von einem 10-Personen-Fischzüchterforum oder StudiVZ reden, das Prinzip ist das gleiche.

Deine Forderungen sind somit leere Lufthülsen. Populistisch an die gerichtet, die mit dem Internet nix zu tun haben und vermutlich über 60 sind und CDU/CSU wählen, weil sie mit ihrem Hauptschulabschluss nie was andere gelernt haben.

Ich möchte aber noch ein Zitat aus dem SPON bringen:

Außerdem müssten minderjährige Internet-Surfer über die Gefahren des Netzes aufgeklärt werden – zum Beispiel darüber, “dass sich Erwachsene mit üblen Absichten in ihre Chats einschleichen können”.

Das ist Deine Art, oder? Und die größte Geminsamkeit mit dem Rollstuhlgefährder. Ihr könnt immer nur warnen, am besten vor abstrakten und nicht greifbaren Gefahren.

Habe ich von Dir schon mal gehört, dass es im Interet erstklassige Beratungsangebote gibt? Orte, an die sich Menschen mit sozialen oder psychischen Problemen zurückziehen können um mit Menschen zu reden denen es entweder ähnlich geht oder die ihnen helfen können? Das die Anonymität des Internets hier hilft?

Habe ich Dich schon mal sagen gehört, wie viele soziale Kontakte und Beziehungen das Internet knüpft, weil es den Menschen ermöglicht, ohne eine sofortige optische Rückkopplung miteinander ins Gespräch zu kommen?

Oder hast Du schon mal erwähnt, wie heute jeder Schüler lernen kann, wenn er im Internet ist? Wie er eine Fülle von Informationen bekommt und sein Wissen (auch darüber wo was zu finden ist) immer weiter ausbauen kann? Nein, eher muss ich hören, dass von Internet-Sucht die Rede ist, davon dass kindliche Neugier nicht mehr gedulded wird.

Sehr schön hat Ralf Schwarz geschildert, wie bekloppt das mittlerweile ist: Klick!

Tja.

Jetzt könnte ich natürlich sagen cest la vie und irgendwo ist es ja Dein Job als Mutter der Nation – was Du ja auch wörtlich zu nehmen scheinst. Aber ich kann nicht. Weil immer dann, wenn es wirklich darum geht Menschen zu helfen und den mahnenden Worten im richtigen Moment Taten folgen zu lassen, immer dann beweist Du und beweisen die anderen Vertreter unserer herrschenden Klasse die eigene Unfähigkeit.

Zum Beispiel wenn man ein angebliches “Kinderpornographisches Bild” gemeldet bekommt (die Darstellerin war zur Zeit des Fotos 16) und nicht in der Lage ist, die richtige URL

http://[]/external/ShowTopicAlbumBackground/a4469/l12/l0/F.html#featuredEntry

von der falschen URL

http://[]/external/ShowTopicAlbumBackground/a4469/112/10/F.html#featuredEntry

zu unterscheiden – und damit dann sich beruhig wieder hinzulegen und darauf hinzuweisen, dass da ja eigentlich gar kein Bild ist und man demnnach auch nicht handeln kann.

Und so, liebe Zensursula, gebt Ihr Euch in Berlin Stück für Stück der Lächerlichkeit preis. Bis nichts mehr von dem Respekt übrig ist den man Euch entgegen bringen sollte, weil Ihr ja im Grunde gewählt worden seid, um einen undankbaren Job zu machen: Deutschland nach vorne bringen, auch wenn es weh tut.

Ich sag mal so:

Nach der Wahl ist vor der Wahl und die nächste ist im September. Und ich wünsche mir erdrutschartige Verluste vor allem für die CDU und das Nachwachsen einer neuen Generation von Politikern, die sich aus den Grünen, der SPD und den Piraten rekrutieren. Und auch die Regierung unseres Landes dahin katapultieren, wo der Großteil der Bevölkerung bereits angekommen ist:

Im Informationszeitalter.

Der Herr Prospero hat übrigens auch einen sehr, sehr lesenswerten Artikel geschrieben:

Denn die Netiquette ist so alt wie das Usenet – stellen Sie sich das als Internet in Schwarz-Weiß vor und in kompliziert. Dass sie nicht festgeschrieben ist sondern ständig erweitert wird ist ein Zeichen dafür, dass sie für das Internet entwickelt wurde. Ich empfehle Ihnen mal eine intensive Lektüre. Denn in diesem Kodex sind schon Dinge enthalten, die für alle Internetnutzer als Richtlinien des Handelns verbindlich sein sollten.

Und jetzt geht bitte rüber und lest bei Ralf Schwartz, wie es weitergehen könnte: Klick!

Vielleicht steckt aber hinter dem auch wieder was völlig anderes. Das BTW09-Blog schreibt:

Wenn Ursula von der Leyen ausnahmsweise mal Kreide gefressen hat, sollte man sich davon nicht irritieren lassen. Ein Blick auf den “Rahmenbeschluss des Rates zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs und der sexuellen Ausbeutung von Kindern sowie der Kinderpornografie” lehrt: hier rollt auf alle Chat-Betreiber und sozialen Netzwerke eine Welle von Überwachungs-, Kontroll- und Verbotsmassnahmen zu, die diese im Auftrag des “Kinderschutzes” werden erfüllen müssen.

Also sollten wir unsere Wachsamkeit beibehalten und die Bemühungen verdoppeln, die Verfassungs- und Freiheitsfeinde aus dem Bundestag zu kegeln. Mit ALLEN Mitteln, die uns unsere Demokratie zur Verfügung stellt!

Und wer jetzt noch mag: Hier gibt es einen Verhaltenskodex für #Zensursula: Klick!

  1. 23. Juli 2009, 10:06 | #1

    *hust* Die beiden URLs, die Du da ausgegeben hast, sind identisch — beide sind die falsche Version. In der richtigen heißt es ../I12/I0/.., in der falschen sind die großen I durch die Ziffer 1 ersetzt worden.

    Anssonsten ACK!

    Gruß, Frosch :-)

  2. 23. Juli 2009, 10:10 | #2

    @Sabine Engelhardt
    Danke, korrigiert :-)

  3. 23. Juli 2009, 10:31 | #3

    Die Beteiligten Experten Fachleute Personen geben sich wirklich alle erdenkliche Mühe, ihre Inkompetenz unter Beweis zu stellen.
    Leider weiß nur ein Bruchteil der Bevölkerung diese Anstrengungen zu schätzen, der Rest versteht sie leider nicht.

  4. 23. Juli 2009, 10:45 | #4

    Bei der Frau von der Leyen weiß man nicht: Ist sie wirklich so unbedarft zum Thema Internet? Oder weiß sie, wie unbedarft ihre Zielgruppe ist und sondert deshalb gezielt so viel hydrierte Exkremente zu diesem Thema ab?

    Entweder man keine Ahnung, darf aber Gesetze erlassen. Oder man labert Müll und beschließt diesen, nur um der Wählerschaft zu gefallen.
    In beiden Fällen ist man eine Gefahr für unsere Demokratie.

  5. Manuelito
    23. Juli 2009, 12:32 | #5

    imho: weder noch. hier läuft im hintergrund, daß große pfründebesitzer (pharmaindustrie, medien, verlage, werber etc.) sich durch das internet massiv bedroht fühlen und die politiker mit gefahrenszenarien füttern, damit die das internet aufhalten. das ist wie vor 150 jahren mit der eisenbahn (der herzog von hannover: ich will aber nicht, daß jeder schuster und schneider so schnell reisen kann wie ich) und noch früher mit dem buchdruck (die kirche verbietet das private lesen der bibel). hier ist ein demokratisierungsprozeß im gange, der für macht- und reichtumsverlust bei den großen in der welt sorgt. sie fühlen, daß man ihnen mit dem internet ganz gewaltig an den karren fährt, und deshalb wollen sie zensieren und kontrollieren. guckt den film “us now”: http://www.vimeo.com/4489849

  1. 23. Juli 2009, 10:33 | #1
  2. 23. Juli 2009, 11:12 | #2
  3. 23. Juli 2009, 12:20 | #3
  4. 23. Juli 2009, 13:05 | #4
  5. 23. Juli 2009, 15:15 | #5
  6. 23. Juli 2009, 19:56 | #6
  7. 5. August 2009, 16:02 | #7
  8. 9. August 2009, 02:29 | #8