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ver.di-Montagsdiskussion oder wenn Herr Sauerland wutschnaubend den Saal verlässt

18. August 2009
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Das ist ein Bild, dass der Postillion nicht so schnell vergessen wird: Ein wutschnaubender, zutiefst empörter OB, der eiligen Schrittes das Plenum verlässt. Hätte er gekonnt, er hätte sicherlich noch mit den Türen geknallt. Dabei hatte Herr Brandt doch nur eine einfache Frage gestellt… Doch der Reihe nach.

Während des Wahlkampfes drücken die Termine. Es ist ja nicht selten, dass drei oder sogar noch mehr Termine an einem Tag absolviert werden müssen. Besonders jetzt in der heißen Phase, wo es nur noch zwei Wochen bis zum Wahltag sind. Und so passierte, wie Herr Brandt in aller Seelenruhe erklärte nachdem der OB sich vertreten ließ, folgendes: ver.di hatte sowohl ihn als auch den OB angefragt. Der Unternehmerverbund habe allerdings auch genau den Termin angeboten. Nun hatte Brandt vorgeschlagen, den Termin um eine Stunde vorzuverlegen – was dann ja auch getan wurde von Seiten ver.dis. Nun hatte zu Beginn der Diskussion – die übrigens weitaus besser geleitet wurde als die im Kleinen Prinzen letztens – Herr Sauerland schon erwähnt, dass er gegen halb Sechs das Plenum verlassen müsse. Das hatte Herr Brandt nicht kommentiert. Sehr wohl aber stellte er die Frage – und sah dabei demonstrativ auf die Uhr – als Sauerland deutlich früher als 17:30 Uhr das Plenum verließ, warum man denn jetzt schon aufbrechen müsse.

Und das brachte den ohnehin im Laufe der Diskussion immer nervöser werdenden Sauerland definitiv auf einen Stand, den man mit “wutschnaubend” noch schonend umschreiben konnte. “Meine Termine bestimme ich selbst”, schnauzte er Brandt an. Überhaupt würde dieser ja ständig auf die Nichtteilnahme des OBs an Terminen anspielen. Da scheinen nicht nur Herr Brandt sondern auch diverse andere ja einen durchaus wunden Punkt des OBs getroffen zu haben. Seltsamerweise aber war vorher von einem Zeitdruck nichts zu spüren – Sauerlands Antworten auf die Fragen waren weitschweifig, er überschritt öfters die vorgeschriebene Redezeit von 2 Minuten, während Brandt dies nur ein einziges Mal tat und sich an die Regeln der Diskussion hielt.

Muss man über Herrn Dierkes, der ja Verschwörungen dort wittert wo keine sind, noch ein Wort verlieren? Man kann sich vorstellen wie der Postillion verblüfft registrierte, dass ausgerechnet der auf dem Podium sass – ein Mensch, der das Internet offenbar noch weniger verstand als Zensursula. Man kann nur hoffen, dass er aus dieser Sache etwas gelernt hat. (Wer jetzt nicht so ganz versteht, was der Postillion meint: Google, Bing oder Yahoo sind der Freund für Informationshungrige, aber auch hier im Blog wird man eventuell einiges über ihn finden.) Noch verblüffter wäre wohl Herr Dierkes gewesen wenn ihm der Postillion persönlich vorgestellt worden würde – immerhin wäre dies tatsächlich im Bereich des Möglichen gewesen. Schließlich stand der Postillion direkt neben ihm. DAS Gesicht hätte der Postillion ja nur zu gerne gesehen…

Privatisierung, Privatisierung, Privatisierung und den Markt machen lassen ist das Credo, dass man von der FDP aus der Runde mitnehmen kann. Allerdings nur nach vorheriger Prüfung – sicherlich. Die Frage, ob eine Stadt sich sowas wie die GEBAG leisten können muss sprach Bände. Außer, dass die Stadt natürlich auch ausbilden müsse – was vom Regierungspräsidenten in Düsseldorf momentan verhindert worden sei – waren dann nur noch die Forderung nach Migranten als Auszubildende und einige Worte über die Rolle der Frau zu vernehmen. Der einzige Vorteil: Diesmal war es eine Dame, die für die FDP im Rat sitzt. Der Postillion hat sich leider den Namen nicht notiert – sie ist zuständig für Migration innerhalb der FDP-Ratsfraktion. Man wird recherchieren und diese Info dann nachtragen. Ansonsten immer wieder pochen auf den Bund und das Land.

Etwas Farbe – pardon – brachte Dieter Kantel von den Grünen ins Spiel. Aber nur ein wenig. Auf die direkte Frage nach dem Töppersee, der von Algen verseucht sei und ob man da nicht was ausbaggern könnte, kam die Antwort, man müsse erstmal nach anderen Lösungen suchen. Ah ja. Der Töppersee ist DAS Naherholungsgebiet in Rheinhausen – und der Postillion ließ sich versichern, dass wegen der Gänse und der Algen dort momentan die Erholung eher ausfallen würde. Da gibt man dem Grünen mal eine Eins-A-Vorlage…
Aber virtuelles Kraftwerk zusammen mit den LINKEN, das können sie dann. Wenn der Postillion das richtig verstand wird kein neues Kraftwerk als Ersatz für ein altes gebaut sondern das wird virtuell nachgebildet. Regenerative Energien. Und Einstieg in den Ausstieg aus CO2. Ein Kernthema natürlich. Ansonsten ein “Weiter so” für die nächsten Jahre. Zusammen mit der CDU. Kam da noch was? Nein.

Das Sozialticket für Duisburg – wenn es einen Linksrutsch im Rat geben sollte wäre das sofort beschlossene Sache, so Brandt. Wobei der Postillion nicht so ganz unterscheiden kann was zwischen Sozialticket und Sozialpass für ein Unterschied besteht auf dem Dierkes beharrte. Man verzeihe ihm, dass er die ganzen gesammelten Werke der LINKEN nun so unbedingt im Kopf hat. Dass die LINKEN in Duisburg die Linie der Landes-Partei durchziehen wolle machte Dierkes wiederholt klar. Ebenso: Die LINKE sei kein Mehrheitsbeschaffer. Das muss man dann mal sehen – oder glaubt jemand, die LINKE würde auf die Chance zur Macht verzichten? Freiwillig? Wenn die Mehrheit für ein rot-rotes Bündnis reichen würde? Das kann man wohl ernsthaft in Frage stellen.

Spannend wäre die Frage, ob die SPD zu einem solchen Bündnis bereit ist. Denn wenn man ehrlich ist, so bleiben letztendlich zwei Blöcke übrig: Entweder SPD und PDS gehen zusammen oder es bleibt bei CDU/Die Grünen. Die FDP wird wohl kaum eine bedeutende Rolle in Duisburg spielen. Eine große Koalition wäre noch eine Möglichkeit – allerdings glaubt der Postillion nicht, dass es zum KGUE kommt – zum kleinsten gemeinsamen Übel.

Immerhin: Je mehr man solche Veranstaltungen besucht oder darüber berichtet, desto eher wird man eine Meinung zu den Kandidaten finden können. Vor allem dann wenn ein zornig wütender OB Sauerland den Saal verlässt – das ist ein Bild, das prägt. Sehr sogar.

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