Die Schwarz-Gelbe Fratze lässt blicken
“Bloß keine Linken”, höre ich immer wieder. “Die bringen dem Land den Ruin, die Grünen”, höre ich darauf weiter. “Schwarz-Gelb ist das, was uns nach vorn bringt”, muss ich mir daraufhin anhören und verdrehe schon die Augen.
Ich sage mir immer, dass diese Leute es nicht besser wissen .. sie wollen es anscheinend auch nicht besser wissen. Sie vermeiden es bewusst sich zu informieren und wenn ich ihnen die Fakten auf den Tisch lege, sehe ich lediglich betretenes Schweigen und die Zahnräder fangen langsam an sich wieder zu bewegen. Ist auch logisch, wenn diese auf Grund der Denke und das Nichtzulassen von anderen Meinungen und Informationen verrostet sind. Da bedarf es mal einen kräftigen Schwall flutschenden Öles, damit sich deren Apparat wieder bewegt.
Sicherlich bin ich politisch “vorbelastet”. Das wissen die engsten Bekannten und kann der eine oder andere Leser meiner gesammelten Ergüsse auch heraus interpretieren. Was ich denke ist, dass Schwarz-Gelb eines der schlimmsten Situationen für Deutschland sein wird, die wir uns überhaupt vorstellen können. Wieso eigentlich? Vielleicht sollte man sich auch mal die Zeit nehmen und einfach lesen, was die so machen wollen. Steht ja da alles schwarz auf weiß drin!
Nun ja – die CDU hat natürlich mitunter die schlimmsten Grundrechtsverletzungen in der Geschichte der Nachkriegszeit verursacht. Schon allein dafür sind sie unwählbar. Und eben allein dafür sollte vielleicht mal darüber nachgedacht werden ein strafrechtliches Exempel zu statuieren. Bevor hier einige anfangen zu schreien: auch die SPD mit einigen ihrer Vertreter im Bundestag sollte da nicht ungeschoren davon kommen, denn auch für Abgeordnete gilt das Halten an das Grundgesetz – egal ob Gewissen oder nicht.
Die FDP dagegen stemmt sich im Wahlkrampf mit aller Macht in Richtung “Wahrung der Bürgerrechte”. Das ist ein löbliches Ziel, wenn es denn auch stimmen würde. Sprachlos, aber nicht unvorbereitet, erfährt man so nach und nach, wieviel die FDP so von Bürgerrechten hält. Allein in Sachsen hat man einen bürgerrechtsfreundlichen Koalitionsvertrag beschlossen, der so bürgerrechtsfreundlich ist, wie es der Todfeind von “Superman” nur sein kann.
Man liest da Dinge, wie ”Ausweitung von Telefon-Überwachung auch auf Internet-Telefonie”, “weiteren Stellenabbau von Polizeien”, “mobile Kennzeichenerfassung”, “effektive Videoüberwachung öffentlicher Plätze” und Verkehrsmittel – alles Dinge, die “bürgerrechtsfreundlich” sind.
Um so mehr bin ich überrascht und erfreut, wenn Mitglieder der Etablierten beginnen zu realisieren, was hier im Land eigentlich faul ist. Menschen, die etwas bewegen wollten, aber deren Parteispitze nicht auf die Basis hören wollte. Menschen, die sich einer Bewegung anschließen und eine andere verlassen, weil sie in dieser Bewegung erhört werden und die Möglichkeit haben, gegen das Ausufern des Grundrechteabbaus sich einzusetzen. Unsere Grundrechte sind unserer aller Basis und zeigen dem Staat seine Grenzen auf.
Wieviel Angst muss der Staat vor seinem Volk haben, wenn er dessen Rechte immer weiter einschränkt – und das auch noch unter zwar mitunter “löblichen”, aber vorgeschobenen Gründen und das ganze Volk wird verdachtunabhängig protokolliert und überwacht? Wie dumm müssen wir sein, dass wir Versprechungen, wie Steuersenkungen glauben? Sind wir nicht auch darauf reingefallen, als uns Frau Merkel etwas von “Mehr Netto” erzählte, aber das mit 19% Mehrwertsteuer ausgleichen musste? Wieviel ist denn am Geld hinten raus verblieben? Schon einmal eine Rechnung gemacht?
Ist es nicht traurig, dass wir all das haben zugelassen? Ist es nicht traurig, dass wir alle nicht eher etwas dagegen getan haben, um dem Einhalt zu gebieten? Sind wir alle schon so intellektuell ausgehölt worden, dass wir nicht mehr ohne Hilfe und Hinweise erkennen können, was man mit uns anstellt?
Was erwartet eigentlich der Großteil in Deutschland? Das sich etwas verbessert, wenn man zwischen Rot, Gelb und Schwarz umherspringt mit seinem Kreuz? Glaubt jemand wirklich, frei nach Volker Pispers, dass Scheiße besser wird, bloß weil man sie in eine Vase packt?
Es gibt an der Stelle nur eine Möglichkeit – sich umorientieren und hinterfragen, wer außer Schwarz und Gelb und vielleicht auch leicht Rot für etwas steht, womit man sich identifizieren kann. Eine Farbe, die etwas symbolisiert und mobilisiert, die aufweckt und Selbstbeteiligung ermöglicht. Vor allem sollte man sich die Frage stellen, ob der Grundrechteabbau legitim für einen ist, oder nicht. Es ist egal, ob die Farbe dann Grün, oder tief Rot ist. Von mir aus wählt euer Schwarz oder Gelb .. aber bedenkt, dass Demokratie nicht allein durch das Kreuz auf dem Wahlschein statt findet. Demokratie kommt von uns allen und wer etwas ändern möchte, der sollte sich auch dafür einsetzen und nicht nur meckern.
Wer ist denn der Souverän in diesem Land? Wer sollte die Geschicke in diesem Land lenken? Das seid ihr und ich alle zusammen und nicht nur die dort “oben”. Also tut etwas dafür, engagiert euch, wirkt mit und wenn das Mitwirken noch so klein ist – ihr habt etwas dazu beigetragen.
Aus technischer Sicht (bzw. aus Sicht eines IT-lers) würde ich in solch einer Situation, wie wir sie die letzten Jahre erleben durften, sagen: “Alles löschen und neu installieren! Den Virus wird man sonst nicht mehr los!”, oder aber das ganze System neu flashen, denn besser wird es auf keinen Fall!
Spätestens am 27.9.2009 heißt die Devise für mich “Klar machen zum Ändern“.

Respekt, guter Artikel der Wachrüttelt.
Leider ändert die Wahl einer kleineren Partei nicht das Verhälten der Volksparteien die Bürger zu verarschen und zu entmündigen. Es liegt eher in der Natur der Sache, daß Machtträger alles daran setzen diese Macht zu halten. Das haben Parteien, Gewerkschaften und Organisationen gemeinsam. Die Grünen sind das beste Beispiel dafür, was passiert wenn Revoluzer mit den “Großen” auf Augenhöhe mitstinken wollen. Man passt sich an bis zur Bedeutungslosigkeit.
Eine echte Lachnummer ist die Wahlwerbung der FDP. “Damit sich Arbeit wieder lohnt” und “Mehr Netto vom Brutto”. Da hängt sich die Spaßpartei doch glatt das linke Mäntelchen um. Wenn sich der Bock als Gärtner anbietet muss er das Volk schon für mächtig verblödet halten. Die Wahlergebnisse bestätigen die Annahme das die FDP damit richtig liegt.
Bislang bin ich immer Wählen gegangen, im Glauben die Demokratie zu unterstützen. Dann hatte ich ich jedesmal die Wahl zwischen Erbrechen und Durchfall. Diese ganze “Ja, ich bin ein guter Bürger und gehe natürlich Wählen” Werbung der Regierung kotzt mich jetzt schon an.
Vielleicht biete ich meine Stimme für nen Euro auf Ebay an
Gruß
Michael
@Michael Scheven: Ich kann dich schon verstehen – wirklich. Mir ging es bis vor wenigen Monaten nicht anders. Worauf es mir persönlich ankommt ist, dass jeder selbst entscheidet, wen er wählt – das ist auch das gute Recht. Aber wichtig ist, dass man das demokratische Grunddenken nicht allein am Kreuzchen auf dem Wahlschein festmacht, sondern das man sich, auch wenn es noch so gering ist, an der Demokratie beteiligt. Sei es nun kommunal, im Land oder auf Bundesebene – sei es gesellschaftlich, indem man Leute davon überzeugen kann sich aktiv für eine Sache zu begeistern. Schon allein deswegen habe ich mich versucht im Rahmen meiner Möglichkeiten alleinig und in einer Gemeinschaft zu engagieren.
Man darf sich nicht auf andere alleinig verlassen, sondern muss – auch wenn es schwer fällt und ist – sich selbst am Kragen packen und etwas tun.
Aber bevor du deine Stimme versteigerst: Gib sie der Person oder Partei und sei sie noch so klein, mit der du dich am ehesten inhaltlich arrangieren kannst. Die politische Macht der Nichtwähler ist nicht unerheblich (Wieviele waren das bei der letzten Wahl? über 40%?) – stell dir einfach vor, wenn 10 Millionen Nichtwähler auf einmal doch wählen gehen und ihrem Grundverständnis von politischen Zielen Ausdruck verleihen. ich mag mir gar nicht ausdenken, wenn diese zB. nicht CDU wählen würden, was dann passiert
Auch wenn ich deine Aufmunterung zu aktivem demokratischen Handeln als etwas zu optimistisch (bezüglich der zu erwartenden Wirkung) ansehe, werde ich in mich gehen und mich weiter mit diesem Thema auseinandersetzen. Politisch aktiv zu sein bedeutet für mich, lernen, lernen und nochmals lernen (Halbwissen genügt da nicht). Sowie ein angehen von einbetonierten Meinungen und Strukturen. Kann man sich neben Familie und Beruf den notwendigen Zeit- und Energieeinsatz leisten? Was bringe ich an Befähigung mit? Ich kann denken und reden. Allerdings bin ich Aufrichtig. Das disqualifiziert mich. Es wäre auf jedenfall eine Lehrstunde für blauäugige Idealisten. Ich ziehe mich zur Entscheidungsfindung zurück.
Gruß
Michael
@Michael Scheven: Zu optimistisch mag sein. Lernen, lernen und nochmals lernen ist ein Muss. Da stimme ich dir zu. Allein politisch nur ein zentrales Thema im Auge ohne aber Kenntnis von anderen Dingen zu haben, geht nicht und es verfließt eine Menge Zeit dadurch sich selbst eine Meinung über andere Themen zu bilden.
Diese Meinungsbildung sollte auch breit gestreut aus unterschiedlichen Quellen erfolgen, denn heutzutage kann man sich kaum mehr auf eine einzige Quelle verlassen.
Ich selbst habe Zeit dafür aufgebracht – neben Frau und Kind und versuche dies nicht ein bestimmtes Level derzeitig überschreiten zu lassen.
Die Befähigung? Ein selbst denkender Mensch ist Voraussetzung. Auch die Befähigung, wie bereits erwähnt, sich Meinungen selbst bilden zu können und diese auch ohne Streitereien bis auf den Gegenbeweis/ glaubbaren begründeten Gegenargumentation auch verteten und verteidigen. In meinen Augen gehört ebenzu die Aufrichtigkeit und Offenheit dazu, was dich an dieser Stelle befähigen würde. Es nützt keinem etwas, wenn man nicht aufrichtig ist. Man muss wissen, woran man ist.
Letztendlich sind wir als Ganzes diejenigen, die die Geschicke leiten sollten. Als Gemeinschaft zusammen mehrheitlich. Es ist unsere Aufgabe Mehrheiten zu bilden durch nachweisbare und glaubhafte Argumentation ohne Jemanden auf Grund anderer Ansichten zu diffamieren.
Steht glaube ich auch alles im Grundgesetz
Zum Beispiel im Sinne wie : “Parlamentarier/Abgeordnete wirken an der Willensbildung mit” und nicht “sie beschließen den Willen bzw. entscheiden”. Sprich wir alle haben auch ein Wörtchen mitzureden … das ist etwas, was ich derzeit die letzten Jahre massiv vermisst habe …
Merkel und Westerwelle was soll das geben? Ob die sich zusammenraufen und was von deren beider Versprechungen vor der Wahl wohl übrig bleibt? Wir werden sehen.