Georg Schramm for President!

Um 11 Uhr heute will (noch) Bundespräsidente Wulff eine Rede halten. 30 Minuten später will Merkel eine Rede halten und es ist sehr wahrscheinlich, dass das das Ende von Wulffs Amtszeit ist. Auslöser ist vermutlich, dass jetzt doch die Staatsanwaltschaft Hannover strafrechtlich gegen den Bundespräsidenten ermittelt und die Aufhebung seiner Immunität fordert. Angesichts der inzwischen sehr niedrigen Hürden für diese Aufhebung ist davon auszugehen, dass das auch erfolgt.

Das ist in der Geschichte Deutschlands einmalig – auch wenn es beruhigend ist, dass es möglich ist.

Unmittelbar danach aber wird die Suche nach dem Nachfolger beginnen. Und in meinen Augen gibt es nur einen. Da meine Partei den nicht nominieren wird, hoffe ich hier sehr auf die Piraten. Denn dieser eine wäre ein Bundespräsident, der von vielen Menschen und breiten Schichten getragen würde. Der möglicherweise zu wenig Politiker und zu viel intelligenter Mensch ist, um sich dem System in einer Wesie zu unterwerfen, wie es viele seiner Vorgänger taten.

Die Rede ist, natürlich, von Georg Schramm:

In diesem Sinne: Spread the Word und fordert, dass Georg Schramm der nächste Bundespräsident werden muss!

 

Sauerlands Abwahl: Sieg der Demokratie und ein Problem für Merkel…

Gut 1,5 Jahre nach der Loveparade haben heute die Bürger Duisburgs ihren Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) mit Schimpf und Schande aus der Stadt gejagt. Trotz hoher Hürden haben fast doppelt so viele Menschen für seinen Abgang gestimmt, wie ihn damals gewählt haben.

Überraschend ist das nicht.

Ich war damals aktiv im Wahlkampf gegen ihn unterwegs und habe sehr gehofft, dass er nicht wiedergewählt wird. Ich hielt ihn für einen charakterlosen Blender, dem es in erster Linie um sein Dasein als „Sonnenkönig“ ging. Doch er wurde wiedergewählt und ich musste das als Demokrat akzeptieren.

Damals übrigens trat Sauerland unter anderem mit Merkel auf. Noch im August 2009 präsentierte sie sich stolz mit Adolf auf der Bühne:

 

 

„Wir haben die Kraft“. Damals eine süffisante Anspielung auf Hannelore Kraft von der SPD, nehme ich an. Ob Merkel sich heute auch noch so für Sauerland in die Bresche werfen würde? Eher nicht.

Sauerland ist eine tragische Figur: So lange alles lief und alle ihn als guten Kumpel in Duisburg wahrnahmen, stimmte sein Weltbild. Doch heute sieht das anders aus, denn an allen Ecken und Enden wird gegen ihn ermittelt, verabschieden sich Weggefährten, verliert er seine Unterstützung. Und das alles seit der Loveparade im Juli 2010.

Das es so kommen musste ist zu erwarten gewesen. Denn das eigentliche politische Problem war ja der Umgang von Adolf mit der Tragödie von Duisburg. Seiner gedankenlosen Beschuldigung der Opfer, wie auch sein nachhaltiges Ablehnen einer jeden Verantwortung. Ich gebe zu, als die Pressekonferenz am 25. Juli 2010 statt fand und ich mit Fritz Pleitgen und anderen ihm unmittelbar gegenüber saß, da wurde aus meiner Abneigung erst Wut und letztlich Hass.

Das Foto muss so gegen halb 12 entstanden sein. Es war der Tag 1 eines Vorgangs der in der Geschichte der bundesdeutschen Politik einmalig ist, denn noch nie zuvor hat ein Politiker im Anschluss fester an seinem Stuhl geklebt als Adolf Sauerland. Und noch nie hat ein Politiker überall die Verantwortung gesehen, nur nicht bei sich. Die Folgen sind hinlänglich bekannt und wurden breit in der Presse diskutiert. Von den Mitarbeitern, die er vorschickte statt zu schützen bis zur total Lähmung der Stadt. Damals habe ich für mich beschlossen, mein politisches Engagement in Duisburg zurück zu fahren – schon weil ich nicht hätte sachlich bleiben oder gar argumentieren können.

Für viele Menschen – und auch mich – begann an diesem Tag 1 eine schwere Phase. Nicht nur mussten wir lernen mit unseren eigenen Gedanken und Erfahrungen umzugehen, vielmehr mussten wir auch begreifen lernen, wie weit ein Politiker aus Machtverliebtheit zu gehen bereit sein kann.

Heute nun haben fast 130.000 Menschen in Duisburg ein Kreuz für den Neuanfang gemacht. Das sind, wenn ich mich recht erinnere, doppelt so viele wie die, die ihn damals gewählt haben. Und bei ungefähr 40% Wahlbeteilgung kann man nur staunen und vor den Duisburgern den Hut ziehen. Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt haben ihre Politikverdrossenheit abgelegt und sind aufgestanden und haben für einen Neuanfang in Duisburg gestimmt.

Für die CDU brechen schwere Zeiten an. Denn Sauerland war der letzte konservative OB im Ruhrgebiet. Und die Abwahl des OB wird auch andere Themen wieder in den Fokus rücken, so z. B. die Frage ob man nicht auch den Bundespräsidenten abwählen kann.

Die Abwahl von Sauerland ist nicht nur ein Fanal für die CDU. Sie ist ein weiteres Zeichen (nach dem Erstarken der Piraten und dem Tod der FDP) für die politische Veränderung in Deutschland. Und ich bin sicher, dass in der Bundeszentrale der CDU aktuell blankes Entsetzen herrscht. Denn jetzt werden immer öfter immer mehr Bürgerinnen und Bürger aufstehen und sich nicht mehr nur als Wahlvieh zur Verfügung stellen, wenn es darum geht Posten zu verteilen. Sondern sie werden auch dann ihre Stimmen abgeben, wenn es darum geht als moralische Instanz zu wirken.

Adolf Sauerland ist ein Getriebener. Er geht am Mittwoch und damit ist das Thema für mich durch – Nachtreten wäre nicht zu rechtfertigen, denn ab heute Abend wird er selbst sein größter Feind sein. Bin ich mir doch sicher, dass er bis heute Abend wirklich geglaubt hat, nicht abgewählt zu werden. Respekt kann ich aber auch nie wieder vor ihm haben. Denn das es so weit kommen musste, wie es in Duisburg nun gekommen ist, daran trägt nur einer Schuld.

Adolf Sauerland (CDU), EX-Oberbürgermeister von Duisburg und politisch Verantwortlicher für 21 Tote auf der Loveparade 2010.

Symbolfoto: Was Sauerland wohl von den Leuten vor der Bühne hielt....
Symbolfoto: Was Sauerland wohl von den Leuten vor der Bühne hielt....

Blitzermarathon?

Über Sinn und Zweck kann man sich streiten:

Macht es Sinn, ausgerechnet Freitags und Samstag morgens zu blitzen, wenn statistisch die wenigsten Pendler auf der Straße sind? Macht es Sinn an Tagen zu blitzen, an denen Autofahrer mit glatten Straßen rechnen? Macht es Sinn, dass Tagelang in der Presse anzukündigen?

Es gibt Leute die sagen, das sei alles nur eine PR-Aktion des NRW-Ministers für Inneres und Kommunales. Auf der anderen Seite stellt man natürlich fest, dass überhöhte Geschwindigkeit eine der Hauptunfallursachen ist und nur mit Flächendruck wirksam zu bekämpfen ist.

Wenn dann allerdings die Blitzer nicht nur angekündigt werden, sondern in Fahrtrichtung gegen den Berufsverkehr blitzen und dabei den Warnblinker eingeschaltet haben, fragt man sich schon was das soll…
(So gesehen heute morgen auf der A59 Fahrtrichtung Dinslaken. Man hätte da erwartet, dass in Richtung Duisburg geblitzt wird.)

Liebe Erika Steinbach…

… wie muss ich das verstehen? So, wie ich das verstehe?

Der Twiter-User @oibelos schrieb:

Anderes aber eben genauso. Schwule + Lesben sind normale Menschen, die natürlich gleiche Rechte haben sollten.

Und sie antworteten:

Sie Rennen ja offene Türen ein. Dissens gibt nur bei Homoehe und Adoption !

Schwule und Lesben sollen die gleichen Rechte haben, nur nicht bei der Ehe (was ist „Homoehe“ eigentlich für ein bescheuertes Wort???) und bei der Adoption? Also ein bisschen gleichberechtigt? So…. Vorzeigegleichberechtigung?

Hach… Sie sind mir eine… 😉

Frau Dr. Jasper, Adolf Sauerland und der Streisand-Effekt

Wäre ich der berühmte Schelm der Böses denkt, würde ich folgende Gedankenkette haben: xtranews aus Duisburg ist ganz klar gegen den dortigen CDU-Oberbürgermeister Adolf Sauerland aufgestellt. Oberbürgermeister Sauerland soll in wenigen Tagen abgewählt werden und hat gute Kontakte zu Frau Dr. Jasper, Rechtsanwältin. Rechtsanwältin Dr. Japser geht jetzt mit einer Abmahnung in eigener Sache gegen xtranews vor. Wie gesagt, der Schelm. Es kann auch ganz anders sein. Aber schauen wir doch mal:

(Edit: hier stand ganz viel, dann las ich den Artikel bei den Ruhrbaronen und stellte fest: ich sag nix neues, als lest da 😛  klick!  Allerdings gehen die mir zu wenig auf den zeitlichen Aspekt ein…)

Besonders spannend finde ich in dem Zusammenhang die zeitliche Nähe zur Abwahl des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland und die zeitliche Entfernung zu dem damaligen Artikel. Denn, wenn man sich recht erinnert wurde xtranews ja schon einmal abgemaht, es ist in meinen Augen logisch, dass man damals und seit dem ein sehr waches Auge auf xtranews hatte.

Spannend wird jetzt der Streisand-Effekt: Niemand hätte mehr Beiträge von 2009 bis 2011 beachtet. Der xtranews-Artikel ist meines Wissens nach von Anfang August 2010(!). Wenn nicht jetzt die Abmahnung gekommen wäre und es logisch gewesen wäre, dass sich der Herausgeber von xtranews dagegen wehren wird – niemand hätte sie mehr zur Kenntnis genommen.  Jetzt werden Menschen wie ich die alten Artikel noch mal lesen. Und bei Google schauen, was es Neues gibt.

 

Hessen: Wie die CDU die Welt sieht

Eigentlich ist das unfassbar:

Politische Immunität ist ein hohes Gut. Sie schützt Politiker vor einer Verfolgung die politische motiviert sein kann. Das können dann z. B. falsche Verdächtigungen sein oder aber auch die öffentliche Brandmarkung für Vergehen über deren Gefahrenpotential man streiten darf.

In Hessen hat der Chef der Linken an einer „ungenehmigten Demo“ teil genommen. Schreibt der HR auf seiner Website und macht da schon den ersten Fehler, m. M. n.

Denn in Deutschland gibt es keine „Genehmigung“ für Demonstrationen. Vielmehr müssen diese angezeigt werden und können dann nur in sehr engem Rahmen verboten werden. Das Demonstrationen nicht von politisch genehmen Entscheidungsträgern genehmigt werden müssen, ist ein hohes Gut unseres Systems. Bei der Demo in Hessen 2010 ist mir kein Verbot bekannt.

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Janine Wissler und Willi van Ooyen, die Fraktionschefs der Linken in Hessen. Das es auch nach Sicht der Staatsanwaltschaft allenfalls eine Bagatelle sein kann zeigt sich, dass diese eine Einstellung der Ermittlung gegen lediglich 500€ angeboten hatte.

Hier müsste der Hessische Landtag ganz klar ein politische Zeichen setzen und sich schützend vor die beiden Politiker stellen. Denn diese haben sich aktiv für den Kampf gegen den Extremismus eingesetzt und sind gerade damit, vor allem als Vertreter der Linken, ihrer Funktion nachgekommen.

Erschreckend ist nicht, dass die CDU mit der FDP trotzdem die Aufhebung der Immunität durchgeführt hat. Geht es doch um den politischen Gegner. Einen Ideologie-Gegner.

Wirklich schlimm ist, wie die CDU ihr agieren begründet:

Wenn eine Staatsanwaltschaft die Aufhebung beantrage, habe man keine andere Wahl, hieß es aus der Koalition.

Entschuldigt mich, ich muss kotzen.

Erika Steinbach und die Medienkompetenz…

Ich muss an meiner Medienkompetenz arbeiten. Dringend.

Denn ich dachte z. B., ein „verifizierter Account“ bei Twitter wäre mit diesem Attribut vertrauenswürdig. Tatsächlich aber scheint das nicht so zu sein, denn der Account @steinbachErika kann eigentlich nur ein Troll sein. Oder?

Auslöser meiner Überlegung ist dieser, mein Weltbild in seinen Grundfesten erschütternde Tweet:

Irrtum. Die NAZIS waren eine linke Partei. Vergessen? NationalSOZIALISTISCHE deutsche ARBEITERPARTEI…..

Ich meine, mal ehrlich: WTF????

Würde eine MdB der CDU/CSU wirklich so etwas von sich geben?

Aber nehmen wir mal einen Moment an, sie habe das wirklich gesagt/geschrieben. Dann würde man sich ein Mal mehr fragen, wieso der Verfassungsschutz solche Menschen nicht auf dem Radar zu haben scheint.

Ich meine, hier müsste dringend die Verfassungstreue mal geprüft werden. Obwohl Verfassungsuntreue wohl der Linken vorbehalten ist. So hat die CDU nämlich gerade die Immunität eines Abgeordneten aufgehoben, weil… der Staatsanwalt das so wollte. Die CDU selbst ist natürlich über jeden Zweifel erhaben. Und ich schweife ab.

Ein interessantes Problem ist jetzt vielleicht, wieso denn so viele ehemalige NSDAP-Funktionäre, die ja laut Steinbach so links sind, ausgerechnet in der CDU unter kamen. Gut, jetzt gibt es natürlich Menschen die sagen, die Wikipedia sei nicht wissenschaftlich fundiert. Frau Steinbach nimmt einen noch einfacheren Weg und wirft in ihrem Glashaus mit Steinen um sich: schließlich sind ja auch einige Ex-NSDAPler in der SPD und Co gelandet. Meine Frage ist nicht beantwortet, der einfache Geist jedoch erfolgreich abgelenkt.

Natürlich kann man ihr Ausgangsargument auch relativ leicht ad absurdum führen, wie es der Twitter-User Telegehirn macht:

UNION der Sozialistischen Sowjetstaaten = UdSSR <–> CDU = Christliche Demokratische UNION! #Steinbach vs #Logik

und

@an_archia @SteinbachErika @compasit Demokratische Volksrepublik Korea=Nordkorea! DEMOKRATISCH!

Vielleicht aber dachte Frau Steinbach, immer unter der Prämisse, dass es wirklich ihr Twitter-Account ist:

Was Heveling kann, kann ich auch und im Niveau-Limbo bin ich unschlagbar!

Quelle: http://www.contentmedia.com/wp-content/uploads/2011/04/CHALLENGE-ACCEPTED.jpg

 

Ich persönlich frage mich immer mehr, wieso es in den Reihen der CDU/CSU immer wieder so auffällige Ausfälle geben kann, die keinerlei ernste Folgen haben. Während bei Linken und anderen bei der kleinsten Kleinigkeit der Verfassungsschutz gleich überwachen muss.

Menschen wie Steinbach sind eine Gefahr für unser Land.

P.S. Fefe weist darauf hin, dass Frau Steinebach nicht zum ersten Mal auffällig wurde:

Frau Steinbach hatte sich vor wenigen Wochen in der Fraktion missverständlich zur polnischen Mobilmachung vor dem Zweiten Weltkrieg geäußert und wenig später den früheren Auschwitz-Häftling und ehemaligen polnischen Außenminister Wladyslaw Bartoszewski als „schlechten Charakter“ beleidigt.

Heveling, Prototyp des Angst-Politikers

Gestern schrieb ich noch, dass ich mich zu der Kampfschrift des zweitklassigen CDU-Politiker Heveling nicht äußern möchte. Sein Text war mir zu populistisch und nichts als  inhaltsloses Gestammel, dass es schwer gefallen wäre, adäquat zu antworten.

Leider legte Herr Heveling nach und mir platzt dann doch die Hutschnur:

„Ich glaube, dass es schon bald eine Generation geben wird, die mit dem Internet ganz anders umgeht. Blogger haben dann keine Relevanz mehr.“

So so, das glaubt er. Und:

Allerdings habe er mit seinem „bewusst provokanten“ Beitrag darauf aufmerksam machen wollen, dass es im Internet eine Gruppe gibt, die die Meinungsführerschaft für sich beansprucht. „Und wer sich kritisch äußert, erlebt Aggression statt Argumentation.“

Aha. Natürlich beansprucht er als MdB nicht die Meinungsführerschaft?

Ich glaube, was man hier liest sind die von Panik überlagerten Gedanken eines Politiker alter Schule. Der nicht verstehen will und nicht verarbeiten kann, dass sich die tradierten Modelle überlebt haben. Dass „Meinungsführerschaft“ eben nicht mehr das ist, was die Politik der Presse sagt und diese druckt.

Heveling hat Recht, wenn er sagt das es eine neue Generation im Internet geben wird. Ich bin ja schon eine vor der Generation die heute die „Generation Facebook“ ist, deren „Timeline“ waren meine „Newsgroup“. Ob er Recht hat damit, dass Blogger keine Bedeutung mehr haben werden, sei dahin gestellt – Time will show.

Was aber aus beiden Texten von und über ihn herausdestilliert werden kann ist seine Angst vor Kontrollverlust. Die Weigerung seines Verstands, dass das alte Parteien- und Herrschaftssystem Vergangenheit ist: der rasche Fall der FDP in die Bedeutungslosigkeit und der schnelle Aufstieg der Piraten sprechen hier eine deutliche Sprache.

Herr Heveling, der von Krieg und Vernichtung, von Blut und Kämpfen redet, für den die Geschichte der französischen Revolution und die Fantasygeschichte um Mordor den Hintergrund seines „Rant“ bilden, dieser Herr Heveling wundert sich dann über den Gegenwind, der ihm entgegen bläst?

Wobei, und gerade das ist an (unfreiwilliger) Komik nicht zu überbieten: so gut wieder jeder Beitrag im Internet, sei es auf Twitter oder in einem Blog, hat mehr Niveau als das, was Herr Heveling im Handelsblatt schrieb.

Das Handelsblatt ist übrigens der Gewinner, denn es ist in aller Munde und derzeit vermutlich das meist gelesene und meist verlinkte Online-Zeitungsangebot überhaupt. Es ist die Frage, ob das Handelsblatt hier nicht die Naivität von Heveling bewußt genutzt hat, um sich in den Fokus zu bringen ohne sich selbst angreifbar zu machen. Wenn dem so ist: Glückwunsch, genialer Schachzug.

Heveling, der Prototyp des Angstpolitikers wird schon bald keine Rolle mehr spielen.

Und auch wenn er es so gerne möchte: er wird den gesellschaftlichen Wandel nicht aufhalten können. Seine Angst ist begründet, denn seine Tage sind gezählt. Er wird es sein, der in die Bedeutungslosigkeit abrutscht und sich in vielen Jahren fragen wird, wie das alles passieren konnte.

Heveling ist einer der letzten Dinosaurier die versuchen, die Evolution zu verhindern.

Heveling erklärte sich als durchaus internetaffin, indem er sagte: „Ich glaube natürlich nicht, dass das Internet bald abgeschaltet wird und ich will das auch gar nicht. Ich bin auch nicht internet- oder fortschrittsfeindlich.

Er ist, wie ich gestern schon schrieb, nichts weiter als ein armer Troll des Internet.

11.02.2012 Bundesweite Proteste gegen ACTA

Es scheint so, dass der Protest gegen ACTA jetzt langsam aber sicher in Europa Fahrt aufnimmt. In Polen kam es sogar trotz Temperaturen von -15°C zu Straßenschlacht-ähnlichen Szenen, als zehntausende Menschen Ihrer Empörung Luft machten.

Solche Bilder kann niemand wollen und sich wünschen, trotzdem sind sie zu erwarten. Der Grund ist offensichtlich, denn ACTA ist nicht nur Beweislastumkehr in Reinkultur und Abschaffung des Rechtsstaats-Prinzip. ACTA ist ein weiterer Versuch, das freie Internet zu vernichten. Und ein weniger martialisches Vokabular wäre nicht hilfreich.

Was ACTA genau ist, kann man sich unter anderem hier zusammengefasst ansehen:

Seit Heute morgen scheint sich der Protest in Deutschland zu organisieren. Über den Twitter-Account „Stopp_ACTA“ finden Vorabsprachen zu geplanten, bundesweiten Protesten am 11. Februar statt.

Wie wichtig es ist, Druck aus der und über die Öffentlichkeit aufzubauen, lernt man wenn man ein PDF liest: Dieses PDF wird an EU-Abgeordnete von den Rechteinhabern und -verwertern verteilt und suggeriert eine schöne neue Welt. Garantierte Umsätze und Renditen dank ACTA. Und auch für die politische Klasse bringt ACTA Vorteile:

Denn ebenso gut wie sich „Raubkopien“ löschen lassen, wäre ACTA das Werkzeug jede beliebige und unliebige Meinung löschen zu lassen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, wie bei jedem Glücksspiel.

ACTA ist nicht ein Abkommen zur Eindämmung von Raubkopien. ACTA ist das Abkommen zur Eindämmung der Freiheit. Auch die der Meinung.

Wulff mich nicht voll…

Da war es also gestern. Das mit Spannung erwartete Interview mit Christian Wulff, unserem Noch-Bundespräsidenten.

In den nächsten Tagen wird noch viel darüber geredet werden, nicht zuletzt über die offenen Widersprüche. Und Menschen, die weit klüger sind als ich, werden sich über seine Worte und die Metabotschaft Gedanken machen.

Trotzdem war ich erstaunt, als ich das Transkript des Interviews bei Netzpolitik.org gelesen habe, dass (ich bin immer wieder erstaunt vom Netz!) quasi „live“ entstand. Denn einige Dinge finde ich schon bemerkenswert:

Interessant ist schon der Einstieg in das Interview, als Wulff gefragt wird, ob er an Rücktritt gedacht hat:

Wulff: Nein, denn ich hatte die ganzen Wochen über große Unterstützung von vielen Bürgerinnen und Bürgern, meiner Freunde, auch der Mitarbeiter. Ich nehme meine Verantwortung gerne wahr, ich habe sie für fünf Jahre übernommen und ich möchte nach fünf Jahren eine Bilanz vorlegen, dass ich ein guter, erfolgreicher Bundespräsident war und mache das mit Freude und aus Überzeugung und weiß, dass ich nichts Unrechtes getan habe, aber nicht alles richtig war, was ich getan habe.
Schausten: Waren Sie es bisher nicht? Ein guter Bundespräsident?
Wulff: Doch, aber es wird ja im Moment gerade über die letzten Wochen gesprochen und da steht es in Abrede und man muss am Ende nach fünf Jahren bewerten und beurteilen.
Ich glaube auch vor drei Wochen über die ersten anderthalb Jahre wäre ein gutes Urteil ausgefallen.

Für mich ist schon erstaunlich, wie Wulff sich selbst lobt und über sich selbst ein Urteil spricht, in dem er ein „guter Präsident“ ist. Das widerspricht meiner Meinung nach auch extrem seiner Aussage, er habe nicht über Rücktritt nachgedacht. Denn wäre er der Präsident, der er vorgibt zu sein, muss er vor allem sich selbst gegenüber eine sehr hohe moralische Messlatte anlegen.

Das hat er in der jüngsten Vergangenheit nicht getan und ich habe den Eindruck, dass er schon in der ersten Fragerunde zu einer Lüge als Antwort greift. Irrtum vorbehalten.

Interessant ist direkt der Hinweis auf all die Menschen, die ihn vorgeblich unterstützen. SO überzeugt ist er dann wohl doch nicht von sich selbst, dass er die anonyme Gruppe der Unterstützer prominent positionieren muss.

Übrigens, wie ein roter Faden zieht sich der Begriff „Freunde“ durch das Interview. Der mich schmerzlich an die Übersetzung „Amigo“ erinnern möchte.

Wulff: Wenn Sie die Erfahrung machen, dass privateste Dinge aus dem privatesten Bereich, zum Teil Jahrzehnte zurückliegend, aus einer schwierigen Kindheit, einer schwierigen Familie, öffentlich gemacht werden und Sie kurz vor Veröffentlichung mit den Fakten konfrontiert werden, dann ist es doch normal, dass man darum bittet, noch ‘mal ein Gespräch zu führen.

Wenn es Fakten sind, sind es Fakten. Wulff sagt hier nicht, dass es sich um Unwahrheiten handeln würde. Ist es aber dann „normal“ „ein Gespräch zu führen“? Ihm muss klar sein, dass es keine Handhabe gegen die Berichterstattung gibt, sofern sie ihn eben nicht verleumdet. Also ist doch m. M. n. der einzige Sinn und Zweck eines solchen Gesprächs – noch dazu am Amtssitz – die Präsentation der eigenen Machtstellung, oder?

Und man muss es doch sehen, 2008 war die Bankenkrise, da wollte Frau Geerkens das Geld bei mir anlegen, zu diesen Zinsen, weil in der Bankenwelt das so auch gar nicht ohne weiteres realisierbar war.

Also eigentlich war das kein Kredit, sondern Wulff war so großzügig? Natürlich wäre der von Wulff gezahlte Zins auch am Kapitalmarkt möglich gewesen. Interessant ist, wie Wulff hier versucht ein „Geschäft auf Gegenseitigkeit“ aufzubauen. Die Frage ist: Warum hätte die Frau Geerkens das machen sollen? Denn anders als die Bank bei der Besicherung des folgenden Kredits, sind die Durchgriffsmöglichkeiten bei solchen privaten Krediten durchaus schwieriger zu realisieren. Frau Geerkens ging also ein höheres Risiko ein.

Und so weiter und so fort.

Das Interview war nicht so bissig, wie es vielleicht hätte sein müssen. Und in meinen Augen hat Wulff genau gar nichts (neues) gesagt. Und zeigt sich damit als Vollblutpolitiker.

Aber genug von mir. Gehet hin und leset: Klick!