Wem gehört das Internet?

Auf Pastie ist ein interessanter Beitrag von Anonymous aufgetaucht. Mit solchen Beiträgen soll man ja immer sehr vorsichtig sein, allerdings lassen sich Teile der gemachten Aussagen recht leicht von jedem selbst verifizieren.

One company to rule them all
One company to find them;
One company to bring them all
And in the darkness bind them

Im Kurzen geht es darum, dass eine mir bis heute unbekannte Firma die Hoheit über Websites eingenommen hat, darunter Apple, Google, Facebook und andere. Konkret geht es darum, dass die Firma die Domains verwaltet – und damit faktisch kontrolliert, welche Website erreichbar ist und welche nicht.

Der Autor zieht eine interessante Kette von Schlussfolgerungen, die darauf hinaus laufen die folgenden Fragen zu stellen:

  1. Welches Interesse hat ein Unternehmen wie z. B. Google, die sonst solche Sachen selbst machen, die Kontrolle an eine kleine Firma zu übergeben?
  2. Wie konnte nahezu unbeachtet von der Öffentlichkeit eine kleine Firma wesentliche Teile des Netzes binnen eines Jahres unter ihre Kontrolle bekommen?
  3. Besteht ein Zusammenhang mit dem Wunsch der amerikanischen Regierung, einen „Kill Switch“ für das Internet zu etablieren?

Ich würde Euch empfehlen, den Artikel mit gehöriger Medienkompetenz zu lesen, weitere Quellen zu konsultieren und dann eine eigene Meinung zu entwickeln. Meine Meinung ist, dass ich Grund zur Beunruhigung habe.

(via: Fefe)

Eine Terrorwelle rollt durch derWesten…

Sagt mal, was ist denn mit derWesten los?

Nachdem die gestern morgen schon so einen Hammer-Artikel im Angebot hatten, folgte noch  am Abend der nächste Kracher:

Ein absolut unreflektierter Beitrag über die „Bedrohung aus dem Netz“. Panikmache vom Feinsten, ohne jede Substanz und ohne auch nur für 2 Pfennig nachzudenken.

Werner Dohr, Leiter Ermittlung des Kompetenzzentrums Cybercrime beim LKA, sagte auf einem Kongress der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Düsseldorf, elektronische Angriffe auf die Temperatur-Steuerung von Hochöfen könnten zum Beispiel für lange Zeit die Stahlerzeugung lahmlegen. Ähnliche Attacken auf Raffinerien seien möglich und könnten dort zu Produktionsstopps führen.

Oh Really?

An der Stelle sei dann wohl gefragt, was denn bitte solche Steuerungssysteme „im Internet“ zu suchen haben? Sowas dürfte allenfalls im Intranet eines Konzerns zu finden sein und selbst dort hat ein Produktivsystem wie die Hochofensteuerung nichts zu suchen. Was soll so ein Bullshit? Ach ja richtig, da muss jemand die bedeutung des Kompetenzzentrums Cybercrime untermauern. Die Quizfrage ist nur: wieso wird das so unkritisch wiedergegeben?

Der geheimnisvolle „Stuxnet“-Virus, der vor einem Jahr die iranische Atomindustrie getroffen hatte, sei auch auf den Rechnern von 14 deutschen Firmen entdeckt worden, sagte der LKA-Mann. Den Einsatz von „Stuxnet“ durch unbekannte Hacker, deren Standort in Israel vermutet wird, hält er für eine Zäsur in der Geschichte der Internetangriffe. Der Virus hat nach Feststellungen von Experten schon Nachfolger gefunden. Dohr forderte die Wirtschaft auf, beim Schutz stärker vorzubeugen.

Ja ne ist klar. Das sagt ein Mann, der für ein Land arbeitet, dessen Bund 2007 die sogenannte Hackerparagraphen verabschiedet hat. Die damit verbotene Software ist nun genau die Software, mit der man z. B. nach Sicherheitslücken suchen könnte. Damals wurden die Bedenken in den Wind geschlagen. Jetzt also soll die Wirtschaft ohne Arme an die Kekse?

Deutschland entwickelt sich zu einem Schwerpunkt der internationalen Cyber-Kriminalität, glaubt der Kölner Staatsanwalt Markus Hartmann. Die Ermittler hätten Hinweise, wonach erstmals auch Gelder aus dem Drogenhandel flössen, um die kriminelle Hackerszene technisch aufzurüsten. Die Gewinne aus Drogendeals und Cyber-Kriminalität seien weltweit „annähernd gleich hoch“.

Was ist das bitte für ein unsubstantierter Unsinn? Hier wird eine Kriminalitätsart mal eben mit einer ganzen Klasse von in Frage kommenden Delikten (von Mobbing über Sabotage und Spionage bis hin zu Schwerkriminalität) gleich gesetzt? Das wäre so, als zu sagen, dass alle möglichen Straftaten zusammen genommen mehr Schaden anrichten als der Diebstahl von Autos. Eine vollkommen sinnlose Aussage.

Was der Autor, mit dem bezeichnenden Namen Dieter Seher, hier schafft ist ein weiteres „Angstwerk“. Die Menschen sollen Angst haben vor der bösen, der dunklen Seite des Netzes. Neues erfährt man nicht. Aber man erfährt über den Autor, dass sein journalistisches Verständnis sich darauf beschränkt, halbgare Wahrheiten aus dem Munde von Interessensträgern weiterzutragen.

Kein Wunder, dass es den Zeitungen immer schlechter geht.

… wenn Sprengstoff hinzugefügt worden wäre.

[Update am Ende]

Paranoia my ass:

Bernd Kiesewetter und Tobias Fülbeck liefern sich meiner Meinung nach auf derWesten eine Schlacht um den irrsten Irrsinn des Monats. In bester Innenminister-Terror-Panik-Weise.

Was war passiert?

Es wurde eine Tüte gefunden mit elektronischem Spielkram:

In der gefundenen Plastiktüte war eine Vorrichtung mit Handy, Akku, Relais und Lautsprecher. Es sollte wohl eine Sirene werden, die per Anruf losgeht.

So weit, so unspektakulär. Fernbediente „Alarmanlagen“ haben wir auch früher in der Schule gebaut 😉 Aber Terrorwahn wäre nicht Terrorwahn, wenn man nicht aus der harmlosesten Spielsache eine gefährliche Gefahr machen kann. Und das geht durch einfaches Hinzufügen:

Die verwendeten Bauteile seien dazu in der Lage gewesen, eine Bombe zu zünden, wenn Sprengstoff hinzugefügt worden wäre.

Und um sich vor etwaiger Kritik zu schützen fügt man dann das Offensichtliche hinzu (und suggeriert dem einfachen Geist so eine ausgewogene Berichterstattung):

Es wurde jedoch kein Sprengstoff gefunden.

Und dann das große Finale:

Was die angebliche Sirene für einen Sinn gehabt haben soll, ist für die Polizei noch rätselhaft.

Na klar. Ein Rätsel. Und was für ein schweres. Das man auch gar nicht lösen kann, wenn man das Textfragment…

Die Polizei hat einen jungen Mann festgenommen, der am Donnerstag morgen zwischen 6 und 7 Uhr in einem Gebäude direkt gegenüber einer Moschee eine Plastiktüte mit Plastikdrähten in einem Kellerschacht präpariert hatte.

…mit der Tatsache kombiniert, dass genau dort der proNRW-Aufzug vorbeiziehen sollte. Woher ich das weiß? Na, aus dem Artikel der vorher bei derWesten an dieser prominenten Stelle stand. Aber der war wohl nicht reißerisch genug 🙁

Und morgen auf derWesten?

Das Auto des Unkreativen hätte eine Bombe zünden können, wenn Sprengstoff hinzugefügt worden wäre. Sprengstoff wurde jedoch nicht gefunden. Was das angebliche Auto für einen Sinn gehabt haben soll, ist für die Polizei noch rätselhaft.

Aber interessant, für was man heute alles verhaftet wird. Wegen… grobem Unfug? Potentiellem und nicht erfolgtem Stören der öffentlichen Ordnung? Wenn derWesten was auf sich hielte, würde er hier mehr Kritik üben, Fragen stellen und nicht so einen hanebüchenen Terror-Schwachsinn publizieren.

So.

Genug aufgeregt für heute 😀

Freuen wir uns lieber, dass wir in einem Rechtsstaat leben. Nach der Definition von Wolle Schäuble definiert der sich ja so:

„Den Rechtsstaat macht aus, dass Unschuldige wieder frei kommen.“

 

Update:

DerWesten, bzw. die Autoren haben den Text nochmal überarbeitet. Echt, man sollte von allem ein PDF machen, weil die Uhrzeit im Header m. E. n. die des ersten Online stellens ist. Unglaublich. Leider wurde die Überarbeitung weder transparent gemacht, noch genutzt den Text weniger reißerisch zu gestalten. Jetzt taucht aber (wieder) der Hinweis auf den (vermeintlich linken) Hintergrund des (vermeintlichen) Attentäters auf.

Und die Kommentarfunktion ist auch gleich ausgeschaltet?! My ass..

Atomenergie: Japan steigt aus (nicht ganz freiwillig)

Ich will nicht so weit gehen zu sagen, dass wäre das Gute im Schlechten – weil es eigentlich keine Kompensation zu der Tragödie von Fukushima geben kann. Trotzdem bin ich gespannt, was nächste Woche passiert, wenn der letzte japanische Reaktor vom Netz geht:

Der japanische Handelsminister Yukio Edano machte es nun offiziell. Ab dem 6. Mai wird Japan atomstromfrei sein – „für einen Moment“, versicherte er. Am 5. Mai wird auch das AKW Tomari wegen der vorgeschriebenen Routineinspektion vom Netz gehen müssen.

Mit der Erklärung wird auch deutlich, dass die japanische Regierung es nicht schaffen wird, die zwei Reaktoren des AKW Oi in der Präfektur Fukui vor der Abschaltung des letzten AKW wieder ans Netz zu bringen, wie dies beabsichtigt war.

(…)

Wenn nun alle 54 AKWs vom Netz sein werden und die Stromversorgung nicht zusammenbricht, wird dies für die Kritiker der Atomenergie ein Erfolg sein. Die Regierung und die Energiekonzerne haben hingegen Druck auf die Wiederinbetriebnahme von AKWs ausgeübt und vor Stromausfällen im Sommer gewarnt, falls es keinen Atomstrom mehr geben sollte.

Quelle: TP

Wenn dann dort das Gleiche passiert wie hier, nämlich nichts, wird es langsam eng für die Atomlobby…

Internetentwicklungsland Deutschland?

Realität in Prag, undenkbar in einer deutschen Großstadt:

Ich war in den vergangenen Tagen ein paar Mal in Prag. Mein Mobilfunkvertrag erlaubt keine Datenübertragung im Ausland – das wäre mir auch zu teuer. Trotzdem hat mir nix gefehlt, weil jedes Restaurant, jedes Cafe und viele Wohnhäuser in Prag offenes WLAN bieten.

Ohne Angst vor dem „Störer“, der Urheberrechte verletztend Kinderpornos raubmörderkpopiert.

Das muss man sich mal vorstellen: Prag, eine Stadt in der auf jeden Einwohner vermutlich mindestens 1000 Touristen am Tag kommen, bietet mir freies Internet an jeder Ecke. Offensichtlich hat man da kein „Problembewußtsein“, was die im allgemeinen bösen Menschen so alles mit dem eigenen Internetzugang anstellen würden. Und eine davon lebende Abmahnindustrie scheint es auch nicht zu geben. Erstaunlich: Trotzdem war das Internet dort nicht krimineller als hier 😉

Ich lebe in Deutschland also in einem Entwicklungsland. Denn bei uns gibt es „Internet Everywhere“ nur für den, der sich einen Mobiltarif erlauben kann. Internet ist hier also eine Geldfrage und den „Wohlhabenden“ vorbehalten.

Zum Kotzen. Wird Zeit, dass sich was ändert…

Wenn das stimmt, sind wir am Arsch

Der Spiegel kommt heute morgen mit einer ehr beunruhigend Meldung. Allerdings habe ich Zweifel am Wahrheitsgehalt – was unter anderem an der Quelle liegt: Bild.

Die deutschen Geheimdienste überwachen in immer größerem Stil E-Mails und andere Internetkommunikationen: 2010 wurden 37.292.862 E-Mails und Datenverbindungen überprüft, weil darin bestimmte Schlagwörter wie zum Beispiel „Bombe“ vorkamen, wie die „Bild“-Zeitung berichtet.

Nehmen wir an, das stimmt.

Dann würde das bedeuten, dass die deutschen Geheimdienste die gesamte Kommunikation der bundesdeutschen Bürger überwachen. Anlasslos und auf der Suche nach willkürlichen Schlagworten. Dafür spricht, dass wir schon in den 80ern gerne „Füllwörter“ genutzt haben, um das amerikanische Überwachungssystem zu necken 😉

Aber man muss sich die Dimensionen vorstellen: Da ein paar Terrorismusverdächtige kaum im zweistelligen Millionenbereich Mails versenden, muss man hier annehmen, dass die gesamte eMail-Kommunikation und auch andere Dienste gefiltert werden. Das wäre eine Totalüberwachung, von der die Stasi träumen würde.

Dagegen spricht, dass die Quelle die Bild ist. Aber auch, dass die Geheimdienste unbemerkt von der Öffentlichkeit Zugriff auf die zentralen Internetknoten haben müssten – es ist eher unwahrscheinlich, dass es Vereinbarungen mit jedem einzelnen ISP, Mailproviter, etc gibt. Vor allem wenn diese im Ausland sitzen, werden die nicht einfach kooperieren. Also müssten die Geheimdienste den gesatem Datenverkehr mitschneiden und filtern, um an auswertbare Kommunikationsinhalte zu kommen.

Gleichwohl ich es für extrem unwahrscheinlich halte – unmöglich ist es nicht.

Vielleicht sollte ich doch noch mal versuchen, wieder mehr Menschen für eMail-Verschlüsselung zu gewinnen?

Facebook: Und täglich grüßt das Murmeltier

Heute morgen habe ich nicht schlecht gestaunt:

Der lokale Radiosender 1Live berichtete über ein „geleaktes“ Moderationshandbuch von/für Facebook. Die Moderatoren taten gar überrascht, dass ihre Beiträge gelesen werden. Natürlich nicht überrascht genug für die Frage, wie denn jemand meine Beiträge lesen kann, den ich dazu nicht berechtige 😉

Das eigentlich interessante ist die „neue“ Feststellung, dass Facebook als amerikanisches Unternehmen auch die amerikanischen „Werte“ verbreitet: Brüste gehen gar nicht, Gewalt dagegen kann toleriert werden. Soweit nix neues.

Irritierend ist, wie unkritisch eine solche Berichterstattung abläuft:

  1. Es wird die Moderation erwähnt, nicht aber, dass das im Klartext bedeutet, dass eine unbekannte Anzahl von Menschen mit unbekannter Motivation Zugriff auf meine persönlichen Inhalte haben.
  2. „Moderation“, also das Löschen von Inhalten passiert scheinbar „willkürlich“, da je nach Kulturkreis die zu Grunde liegenden Motive nicht erklärbar sind und die Regeln nicht transparent gemacht werden.
  3. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Ein amerikanisches Unternehmen dominiert die Öffentlichkeit im Internet. Wer sich nicht beugt, fliegt.

Stellt sich die Frage, warum mehr und mehr Menschen und Unternehmen dennoch bei Facebook sind und verharren. Logisch erklärbar scheint das nur über das Phänomen der Masse zu sein.

Die Folge allerdings ist ein absolut gleich-geschaltetes Netz. In dem nur die Informationen auftauchen, die Facebook auch sehen möchte. Die so aufbereitet werden, wie Facebook sie sehen möchte. Was Meinung ist, was gesagt wird entscheidet Facebook. Ebenso was gezeigt wird. Die Welt ist, was Facebook will.

Haben wir Deutschen nicht eigentlich mal geschworen, uns nie wieder so willig der Gleichschaltung durch Medien unterzuordnen?

Ich mein ja nur…