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Artikel Tagged ‘Deutschland’

Bicycle Culture by Design

4. Dezember 2012 Kommentare ausgeschaltet
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Einer der besten TED-Beiträge des Jahres. Schon die ersten 5 Minuten haben mich ziemlich irritiert, weil ich so nie darüber nachgedacht habe…

Wahrheit ist Lüge ist Wahrheit. In Schwarz-Gelb.

28. November 2012 Kommentare ausgeschaltet
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So ein wenig habe ich ja immer die Hoffnung, dass Regierungen irgendwann mal mit der Wahrheit anfangen. Entweder freiwillig, weil sie verstehen das sie Vertreter des Volks und nicht Vormund unmündiger Kinder sind. Oder auf Druck des Volks weil die Bevölkerung einfach keinen Bock mehr hat, sich die wirklichen Fakten und die echten Wahrheiten vorenthalten zu lassen.

Wie wenig die schwarz-gelbe Bundesregierung allerdings von Wahrheit hält, sieht man am aktuellen Armutsbericht. Um den Menschen nicht zu deutlich zu zeigen, wie beschissen es um sie steht und wie man sie verarscht, schreibt man den Bericht einfach um. So berichtet N-TV unter Berufung auf die SZ heute:

Die Bundesregierung hat ihren Armuts- und Reichtumsbericht in einigen entscheidenden Passagen deutlich geschönt. Das berichtet die “Süddeutsche Zeitung”. So ist die klare Aussage “Die Privatvermögen in Deutschland sind sehr ungleich verteilt” in der Einleitung des Regierungsdokuments nicht mehr zu finden. Dies geht aus einem Vergleich des Entwurfs mit der überarbeiteten Fassung vom 21.November hervor, die der “Süddeutschen Zeitung” vorliegt.

(…)

Die erste Fassung der amtlichen Analyse, die das Bundesarbeitsministerium alle vier Jahre erstellt, war Mitte September an die anderen Ressorts gegangen. Zwei Monate später fehlen nun bestimmte Sätze, mit denen die Beamten des Ministeriums von Ursula von der Leyen (CDU) einen durchaus kritischen Blick auf die Republik warfen.

Besonders schön finde ich auch:

In der ersten Variante stand: “Während die Lohnentwicklung im oberen Bereich positiv steigend war, sind die unteren Löhne in den vergangenen zehn Jahren preisbereinigt gesunken. Die Einkommensspreizung hat zugenommen.” Diese verletze “das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung” und könne “den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden”. Stattdessen wird nun angeführt, dass sinkende Reallöhne “Ausdruck struktureller Verbesserungen” am Arbeitsmarkt seien. Denn zwischen 2007 und 2011 seien im unteren Lohnbereich viele neue Vollzeitjobs entstanden und hätten Erwerbslose so eine Arbeit bekommen.

Wenn der DGB dann so zitiert wird, die Bundesregierung würde verschleiern, so ist das ein Euphemismus erster Güte. Das ist kein Verschleiern mehr. In meinen Augen wird hier bewusst die Bevölkerung von der Regierungskoalition belogen und betrogen.

Was allerdings nicht überrascht.

Willkommen im Herbst…

25. November 2012 Kommentare ausgeschaltet
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Und ohne, dass sie es wussten, hatten die Herbststürme von Mittwelt begonnen.

Stephen King, “Drei”

So und jetzt ratet mal, nach wie viel KM wir uns heute gegen den Wind gedreht haben…

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Die Geschichte der Börse ist eine Geschichte voller Mis(s)(t)verständnisse…

8. November 2012 2 Kommentare
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Irgendwie ist das schon kurios:

Wir hängen die gesamte “Weltwirtschaft” an den Tropf des “Markt” und glauben zu wissen was wir tun. Wie irre das manchmal ist, dokumentiert für mich folgende Meldung aus der SZ von heute zur Wiederwahl von Obama:

Der Schweizer Fondsmanager Marc Faber, der von Anlegern aufgrund des von ihm verantworteten Gloom Boom & Doom Reports gern Dr. Doom genannt wird, zeigt sich in einem Interview mit Bloomberg-TV (teilweise transkribiert von Business Insider) erstaunt, dass die Wiederwahl von Barack Obamas nicht noch einen viel größeren Einbruch an den Aktienmärkten ausgelöst hat: “Der S&P ist nur 30 Punkte gefallen. Ich hätte gedacht, dass der Markt um mindesten 50 Prozent einbrechen müsste. Mr. Obama ist ein Desaster für die Unternehmen und ein Desaster für die Vereinigten Staaten”. Auf die Frage, wie Investoren nun ihre Anlagen schützen sollen, scherzte der Börsenexperte: “Sie sollten sich Maschinengewehre kaufen”.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Nicht nur entscheiden heute Ratingagenturen über Wohl und Wehe eines Staates, vielmehr sind die Börsen jetzt wichtige Stakeholder bei politischen Wahlen. Im Umkehrschluss ist es nur noch eine Frage der Zeit bis man auf die Idee kommen wird, Wahlen abzuschaffen, weil diese ja die Märkte beunruhigen. Mit dem Argument der Marktberuhigung sind in der letzten Zeit ja schon ganz andere Dinge durchgebracht worden.

Wenn man sich überlegt, dass seit um 1500 bereits Börsen gibt, ist das wenig plausibel. Zumal der Sinn einer Börse ja eigentlich ein ganz anderer war: Dort sollte geregelt gehandelt werden, wenn Firmeneigner Kapital brauchen und dafür Anteile an ihrem Unternehmen (die Aktie) veräußern.

Heute geht es an der Börse um alles. Aber mit Sicherheit nicht mehr um Anteile an Unternehmen im Sinne von Unternehmerschaft. Es geht um Gewinnbeteiligung, Spekulation und den Sieg des (finanz-) Starken über den Schwachen. Und immer stärker wird die Börse und der an ihr vertretene Markt zu einer politischen Einflussgröße.

Ich erlaube mir die Frage, ob das wirklich das ist, was wir wollen?

Oder sollte die Politik nicht langsam wieder den Mut aufbringen und genug Courage zeigen, die Börse und den Markt wieder in ihre Grenzen zu verweisen und eine klare Linie zwischen Politik für das Volk und den Handel zwischen Unternehmern und Geldgebern ziehen?

Nur so ein Gedanke…

Bestechung? Sponsoring? Spenden? Legal? Illegal? Scheissegal?

26. Oktober 2012 Kommentare ausgeschaltet
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Dr. Angela Merkel – für eine strahlende Zukunft!

19. Oktober 2012 Kommentare ausgeschaltet
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Was für viele vor allem jüngere Leser dieses Blogs eine Überraschung sein mag: nicht schon immer war Dr. Merkel unsere Bundesmutti.

Nein, dereinst, als sie Kohls Ziehtochter wurde, wurde sie zunächst Umweltministerin in Niedersachsen. Damit war sie mitverantwortlich dafür, dass die Asse zu einem Lager für radioaktiven Müll wurde. Und nicht nur den Menschen, die in der Umgebung wohnen bereitet das Unbehagen.

So berichtete auch 2009 die ARD:

Von Anfang an war das Endlager Asse in Niedersachsen instabil. Grundwasser ist in den Salzstock eingedrungen, höhlt das Bergwerk aus. Der Schacht droht dadurch einzubrechen. Und nicht nur das: Die Lauge zersetzt die Fässer mit dem Atommüll. Dadurch ist das Wasser kontaminiert. Die Öffentlichkeit erfuhr davon nichts.

Durch die Hohlräume entsteht eine Spannung im Wirtsgestein, also im Salz, die verseuchte Lauge kann so nach oben gedrückt werden und ins Grundwasser eindringen. Der GAU eines jeden Endlagers.

Angela Merkel ist seit langem mit dem Thema Endlagerung vertraut. Als ehemalige Bundesumweltministerin war sie sogar mitverantwortlich für den fahrlässigen Umgang mit dem Atommüll.

So richtig wahr haben wollte das nur nie jemand. Dummerweise ist im Zuge des Atomausstiegs die Diskussion um ein “Endlager” wieder offener geführt worden. Und unter dem Druck der Öffentlichkeit sah man sich gezwungen, auch die bestehenden Standorte nochmal kritisch und mehr oder weniger unabhängig untersuchen zu lassen. Das Ergebnis ist nicht überraschend, aber beängstigend:

Das marode Salzbergwerk Asse hätte nie zur Lagerung von Atommüll genutzt werden dürfen. Zu diesem Schluss kommt der niedersächsische Untersuchungsausschuss nach mehr als dreijähriger Arbeit in seinem Abschlussbericht.

Politik, Atomwirtschaft und Wissenschaft hätten kritische Stimmen seit den sechziger Jahren beiseite geschoben, um das Endlagerproblem zu lösen und die Eignung von Salzstöcken nachzuweisen. Das gefährliche Eindringen von Wasser in die Asse sei bekannt gewesen, aber ignoriert worden.

Quelle: Zeit online

Die Frage ist, wem Merkel damals wie heute einen Gefallen tut. Klar, den Betreibern der AKW, denn die bisherigen Lagerorte waren schnell gefunden und verhältnismäßig preiswert. Denn wenn man jetzt ernsthaft suchen und sich Gedanken machen muss, wird man feststellen: Endlagerung kostet. Und es darf bezweifelt werden, dass diese Kosten bereits eingepreist sind.

Wobei auch das kein Problem sein wird. Wie bei dem Schwachsinn mit der Umlage für erneuerbare Energien wird man auch hier eine Möglichkeit finden, den Steuerzahler noch mal zur Kasse zu bitten…

Die Strom-Lüge

12. Oktober 2012 Kommentare ausgeschaltet
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Manchmal ist so ein Morgen einfach nicht geeignet, die Nachrichten zu lesen. Zum Beispiel wenn man die Sache mit dem Strompreis liest:

“Strom wird durch die Energiewende in den nächsten Jahren noch deutlich teurer werden. Das steht für den Chef des drittgrößten deutschen Stromproduzenten Vattenfall, Tuomo Hatakka, fest.”

Wie bitte?

Schon im ersten Satz “durch die Energiewende”. Von einem Atomkraftwerkbetreiber!

Ich geh kotzen.

Denn Tatsache ist, dass die Energiewende den Strom billiger macht. Der Strompreis ist an den Handelsplätzen so niedrig wie noch nie und es ist nicht erkennbar, warum er steigen sollte. Doch halt, natürlich ist erkennbar, warum er steigt:

Zum Beispiel wenn die Big4 gigantische und sinnfreie Off-Shore-Anlagen für Windkraft bauen und einen großen Teil der Kosten über den Strompreis und den Rest über Umlagen (z. B. für die notwendigen Kabeltrassen) auf die Kunden abwälzen und zugleich im Sinne der Aktionäre immer mehr Geld kassieren, weil Milliarden Euro Gewinne nicht reichen.

Und unsere Bundesregierung?

Die faselt von Betroffenheit und man solle noch mehr Strom sparen. So ein Schwachsinn!

Man kann und sollte so viel Strom verbrauchen wie es geht, sofern er regenerativ erzeugt ist und damit den Konsum fossiler Brennstoffe reduziert!

Was eine vernünftige (im Sinne des Volkes, nicht der Aktiengesellschaften!) Regierung machen müsste wäre dringen dafür zu Sorge zu tragen, dass die grundlegende Versorgung mit elementaren Ressourcen wie Wasser und Strom (oder auch die Bahn!) eben nicht dem Markt und seinem Streben nach immer mehr Gewinn untergeordnet werden.

Wenn ich den Scheiß höre, dass Strom ja wegen der Erneuerbaren unbezahlbar zu werden droht, ich könnte ausrasten!

 

“Eurokrise”: Ich hätte gerne eine Frage…

10. August 2012 Kommentare ausgeschaltet
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Wie kann es eigentlich sein, dass Banken in Griechenland, Spanien, etc. weich fallen und mit Milliarden gerettet werden,

…während die Bürger teilweise aus den Wohnungen geworfen werden, sich nichts zu essen kaufen können und im wahrsten Sinn dahin siechen?

Ich persönlich hätte gedacht, dass die Bevölkerungen sich erheben, die verantwortlichen Banker und Politiker aus dem Land jagen, dass es ggf. sogar zu richtigen Aufständen kommt.

Tatsächlich aber scheint der Mensch im Allgemeinen eher fast alles mit sich machen zu lassen. Warum eigentlich?

Oh, und noch eine kleine Nummer: Hier mal ein Wahlplakat der CDU von 1999 :-)

Geschützt: Nicht verstehen. Wollen.

8. August 2012 Kommentare ausgeschaltet
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Die Bundesregierung und der Art. 2 des Grundgesetzes

13. Juli 2012 10 Kommentare
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Das die Bundesregierung oftmals das Grundgesetz als Hemmnis zu begreifen scheint, ist soweit nix neues. Um so glücklicher ist man vermutlich, wenn man Formulierungen findet wie:

“In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.”

Denn dann macht man schnell ein Gesetz und Schwupps…

Gerade höre ich auf WDR 2, dass man wegen der Kritik der Rabbiner-Konferenz ganz schnell ein neues Gesetz braucht. Demnach, so WDR 2 und der verlinkte Artikel, hat der Chef der Rabbiner-Konferenz die Bundesregierung unter Zugzwang gesetzt:

“Sollte das Kölner Urteil in Gesetzesform gegossen werden, würde dies bedeuten, dass es für einen großen Teil der jüdischen Gemeinden “keine Zukunft in Deutschland” geben werde, mahnte Goldschmidt.”

Das dürfe, so die Reporterin auf WDR 2, nicht sein: Deutschland sei das Land des Holocaust und hier sei dafür zu sorgen, dass Juden sich entfalten können.

Gut.

Grundsätzlich stimme ich dem zu. Soll jeder Glauben, was er will.

Nur…

Es geht hier um Beschneidung. Da werden die Geschlechtsteile von kleinen Jungen – in der Regel wohl gegen deren Willen – verstümmelt. Für mich ist das analog zur Verstümmlung weiblicher Genitalien, gegen die die Bundesregierung ja mit viel Kraft angeht.

Das soll jetzt aus “religiösen Gründen” erlaubt werden und hier kommt der Eingangs erwähnte Satz zum Tragen. Denn im Artikel 2 des Grundgesetzes steht:

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Und eben weil dieser Eingriff durch ein Gesetz möglich ist, haben sich jetzt bis auf die Linke mal eben alle Fraktionen bereit erklärt, die Verstümmlung von Jungen auf Grund der religiösen Ansichten der Eltern zu legitimieren.

Ich persönlich finde das zum Kotzen.

Jeder darf mit sich machen, was er will. Das aber Kindern Gewalt angetan wird, weil die Eltern einem Glauben folgen in dem Gott perfekt ist und den Menschen mit einem durch den Menschen zu korrigierenden Fehler geschaffen hat, geht gar nicht.

Es ist mir auch nicht ersichtlich, warum rituelle Beschneidungen von Mädchen was anderes sein sollen als rituelle Beschneidungen von Jungen irgendwo auf der Welt.

Ein solches Gesetz zur Legitimation von Beschneidungen ist grundsätzlich abzulehnen, da es mit der Menschenwürde und dem Recht auf körperliche Unversehrtheit der Betroffenen unvereinbar ist. Die Religionsfreiheit der Eltern darf nicht höher gewertet werden, als das gesundheitliche Wohl der Kinder!

Isolierte Gesamtsicht

12. Juli 2012 1 Kommentar
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Es gibt ja immer zwei Ansätze, wenn man vor einer Reihe von problematischen Situationen steht:

Man kann sie isoliert betrachten – oder die Frage nach einem Zusammenhang stellen.

Quelle: Dieses “Internet”

Die FDP setzt eine Steuererleichterung für Hotelbetreiber durch. Die CDU bemüht sich um die Energieversorger. Gemeinsam beschließt man in 57 Sekunden durch Fernbleiben ein Gesetz zum Ausverkauf der Daten. Ein Gesetz nach dem anderen muss vom Bundesverfassungsgericht gekippt werden. Die Demokratie muss dem Markt weichen, die staatliche Souveränität wird auf dem Altar des ESM geopfert. Die Rechte dank ACTA und Nachfolgern beschnitten, der Mensch zu einer überwachten Spielfigur der Märkte. Dank Harzt-IV lebt ein großer Teil der Bevölkerung in unwürdiger Armut und dient als billigste “Human Ressources” für Geschäftemacher.

Polizisten knüppeln Menschen nieder und schreiben dann eine Anzeige wegen Widerstand. Der Verfassungsschutz läuft völlig aus dem Ruder und Neonazis begehen 10 Morde vollkommen unbehelligt. Eine gr0ße deutsche Tageszeitung schwärmt von den Zuverdienstmöglichkeiten als Dealer. Bahnhofgroßprojekte werden mit Wasserwerfern durchgesetzt und Investmentbanker schreiben Politiker Drehbücher zur Mehrung ihres Vermögens.

Ich könnte noch Stunden so weiter machen und all die Sachen aufzählen, die mir dieses Jahr und in den vergangenen Jahren aufgefallen sind.

Alles Einzelfälle?

Oder haben wir ein gesamtgesellschaftliches Problem, bei dem der legendäre Fisch vom Kopf her stinkt?

Der Euro – Turbotot der Demokratie?

22. Juni 2012 Kommentare ausgeschaltet
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Ich bin ehrlich gesagt im Moment reichlich ratlos. Es geht um den Europäischen Stabilitätspakt…

Vor einigen Tagen war ich ja fassungslos, als auf dem Parteitag der Grünen verkündet wurde, man würde die Verhandlungen um die Zustimmung zum Fiskalpakt gegen die Bundesregierung und zur Durchsetzung eigener Ziele verwenden wollen:

Ich hielt das für grundfalsch, weil ich der festen Überzeugung bin, dass der Fiskalpakt drei unmittelbare Folgen haben wird:

  • Entmachtung der nationalen Parlamente
  • Unkontrollierbare Finanzmärkte
  • Abbau demokratischer Strukturen

Die mittelbaren und langfristigen Folgen kann ich gar nicht abschätzen – dafür verstehe ich letztlich auch zu wenig von den Details. Und trotzdem ist es nicht nur ein Bauchgefühl, dass bei mir die Alarmglocken schrillen läßt.

Denn passend zur Diskussion wird der Druck erhöht: Moody’s stuft 13 Großbanken herab, so liest man. Das erhöht natürlich den Druck, denn wer will schon die Kernschmelze bei der Deutschen Bank verantworten?

Bei der Deutschen Bank ging es um zwei Stufen runter von einem guten “Aa3″ auf ein befriedigendes “A2″.

Passend dazu meldet sich die Chefin des Internationalen Währungsfond IWF und gibt schon mal den Kurs vor:

Das Geld müsse “ohne Umweg über die Staaten” an die Banken gegeben werden, sagte Lagarde nach einem Treffen der Euro-Gruppe am Donnerstag in Luxemburg.

Und genau das ist vermutlich auch eines der Ziele: Die Durchsetzung der Wirtschaftsinteressen ohne die Bremse der (nationalen und demokratisch legitimierten) Parlamente.

In solchen Zeiten ist es bezeichnend, wenn ausgerechnet Blätter wie die SZ anfangen, sich sehr kritisch gegen den Fiskalpakt zu stellen:

Als Beratung kann man das, was da geplant ist, nicht bezeichnen; es ist eine Kundgabe der Missachtung, eine Beleidigung also: Der Zeitplan zur Verabschiedung dieser Gesetze verhöhnt das Urteil des Verfassungsgerichts vom vergangenen Dienstag und er verspottet die parlamentarische Demokratie.

Weil die Kanzlerin als die Königin des Rettungsschirms dastehen will, degradiert sie die Abstimmung im Parlament zu einer Farce. Sie will den Triumph der Exekutive. Das Verfassungsgericht wird das nicht mitmachen. In den neuen Verträgen geht es um ungeheure Milliardensummen, dort finden sich Rechtskonstruktionen, wie sie das Recht bisher nicht kennt. Es wird eine ESM-Firma geschaffen, die über dem Recht und über den Gesetzen steht, die zwar klagen, aber nicht verklagt werden kann, die tun und lassen kann, was sie will.

Es ist beschämend, dass SPD und Grüne jetzt versuchen, parteipolitische Machtspiele zu spielen. Und das es ausgerechnet und ausschließlich die Linke ist, die sich gegen den Fiskalpakt zu stemmen scheint. Fast noch absurder mutete es dann an, wenn SPD-Chef Gabriel verkündet, es sei nichts besonderes, dass das Bundesverfassungsgericht angerufen wurde.

Doch genau das ist es. Es ist besonders und es sollte uns allen Angst machen! So kann man zum Beispiel in der FAZ lesen:

Die Gesetze zum Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM und zum Fiskalpakt können nicht wie geplant zum 1. Juli in Kraft treten, obwohl es am Donnerstag eine Einigung zwischen Regierung und Opposition gegeben hat. Bundespräsident Joachim Gauck teilte am Donnerstagnachmittag mit, dass er einer Bitte des Bundesverfassungsgerichtes nachkommen will und beide Gesetze, die am Freitag nächster Woche von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden sollen, vorerst nicht ausfertigen will.

„Das Bundesverfassungsgericht hat heute den Bundespräsidenten vorsorglich gebeten, von einer Ausfertigung der Gesetze zum ESM und zum Fiskalvertrag zunächst abzusehen, um dem Gericht ausreichend Zeit zur Prüfung angekündigter oder bereits vorliegender Eilanträge zu geben“, sagte ein Sprecher des Bundespräsidenten. Der Bundespräsident beabsichtigte, dieser Bitte in Übereinstimmung mit der ständigen Staatspraxis zwischen den Verfassungsorganen und aus Respekt gegenüber dem Bundesverfassungsgericht stattzugeben.

(…)

Beim Bundesverfassungsgericht zeigte man sich entsetzt, dass offenbar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versucht habe, Gauck dazu zu bewegen, die Gesetze sogleich auszufertigen und dadurch Rechtsschutz zu verhindern. Hätte sich Gauck nicht umstimmen lassen, so wäre das aus Sicht der Karlsruher Richter einer „Verfassungskrise“ gleichgekommen.

Das muss man sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen.

Für mich bleibt im Fazit ein tiefes Bedauern über die Mitwirkung der Grünen am Fiskalpakt. Und wie damit intern umgegangen wird. Und im gleichen Moment habe ich eine sehr tiefe Angst vor dem, was aus unserer Demokratie in den nächsten Jahren zu werden droht…

Facebook an der Börse: Nix gelernt?

23. Mai 2012 1 Kommentar
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Es gab so oft schon Situationen, aus denen man hätte lernen können. Wenn man denn hätte lernen wollen. Wollte man nicht, die Gier war größer. Oder wie Vince Ebert sagt:

“Forscher wissen schon seit langem: Die Aussicht auf ein Schnäppchen lähmt die Großhirnrinde. Geiz macht also nicht geil, sondern blöd!”

Und genau das kann man jetzt mit der Gier auch sehen. Bei Facebook. Denn genau wie von mir erwartet, rauscht die Aktie in den Keller:

Die Facebook-Aktie rauscht derweil weiter in den Keller. Am dritten Handelstag brach das Papier weiter um annähernd neun Prozent auf 31 Dollar ein – der Ausgabepreis lag bei 38 Dollar. Ein Anleger, der zum Ausgabepreis gekauft hatte, verlor somit bis zum späten Dienstag fast ein Fünftel seines Geldes.

Damit legt das soziale Netzwerk einen der übelsten Börsengänge der vergangenen Jahre hin. Nach Daten des Anbieters Dealogic, die das “Wall Street Journal” veröffentlichte, ist kein anderer US-Börsengang im Milliardenbereich seit 2007 so schlecht gelaufen. Von insgesamt 24 Börsenstarts standen demzufolge nach drei Handelstagen acht im Minus – die Negativliste führt klar Facebook.

Quelle: ZDF

Wer hier überrascht ist, ist doof. Anders kann man das nicht sagen, schon gar nicht nach dem Platzen der (Börsenspekulations-)Blasen der vergangenen zehn Jahre.

Fakt ist einfach: Facebook hat ein sehr enges Geschäftsfeld und ist stark abhängig von zwei externen Faktoren. Dabei hat es keine oder kaum eigene Assets, die eine realistische Bewertung in der Höhe erlauben würden, mit der Facebook zum Börsengang bewertet wurde. Überdie ist Facebook in seinem Lebenszyklus genau wie Myspace und Co berechenbar und jeder der was von Private-Equity-Finanzierungen weiß: Ein IPO (Börsengang) wird dann gemacht, wenn für die Investoren die meiste Kohle aus dem Unternehmen heraus zu tragen ist. Es ist ein EXIT der Geldgeber. Muss man das noch genauer erklären?

Facebook ist nicht das neue Apple, Google oder Microsoft. Facebook ist die globale T-Aktie.

Ökostrom macht den Strom teuer!

22. Mai 2012 Kommentare ausgeschaltet
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Kein Witz. Mein ich so, wie es da steht. Ganz genau so!

Wie das sein kann? Wo ich doch sonst immer das Gegenteil behaupte und sogar erst Gestern den Grünen im Kreis Wesel bei einer entsprechenden Pressemitteilung geholfen habe? In der  ich dann behaupte, dass die Industrie nicht unter realen Strompreiserhöhungen wegen Ökostrom zu leiden hat? Nun, das kann sein,weil…

Wenn man sich die Energielandschaft in Deutschland anschaut, wird diese von einem Oligopol beherrscht. Den Big-4, wie man sie liebevoll nennt. Und die jammern unter anderem über einbrechende Gewinne wegen des Wegfalls des Atomstroms. Nicht über Verluste. Über Gewinneinbußen.

Und genau diese Big 4 haben kein, aber auch gar kein Interesse an dezentraler Stromerzeugung durch viele kleine Quellen. Die wollen große Anlagen, die man nur zentral steuern kann und die viel Gewinn abwerfen. Damit das schnell geht, mit dem Gewinn, braucht man aber eine Möglichkeit bei den Investitionen zu sparen oder den Return on Investment zu erhöhen. Bei den Atomkraftwerken war es vor allem ersteres durch indirekte Subventionen im Bereich Forschung, Endlagerung, Nachlässe bei Versicherungen etc.

Aberdie Großen wären nicht Groß, wenn sie nicht wüßten auch aus Ökostrom eine Cash-Cow zu machen. Und das geht so: Wir bauen riesige Windparks, die so teuer sind, dass sie sich nur für Großkonzerne lohnen und nebenbei die Netzbetreiber belohnen. Dann gehen wir hin und legen die Kosten nicht allein dem Betreiber auf. Sondern frech dreist dem Kunden.

Wer jetzt meint, das kann nicht sein, dem rate ich zwei Artikel in Verbindung zu setzen.

1) Rheinische Post: RWE will Windparks im Meer massiv ausbauen

RWE will sich vom Braunkohle- und Atom-Konzern zum grünen Versorger wandeln. Gestern nahm RWE ein Spezialschiff zur Installation von Offshore-Windparks in Betrieb. Das Schiff hat ausfahrbare Stahlbeine und soll von Bremerhaven aus den Windpark “Nordsee Ost” errichten, der 30 Kilometer nördlich von Helgoland liegt und künftig 300 000 Haushalte mit Strom versorgen soll.

 

2) Der Westen: Windpark-Umlage läßt Strompreis klettern

Im Gesetzentwurf, der dieser Zeitung vorliegt, heißt es deshalb: „Die Kosten werden im Rahmen einer Offshore-Anbindungsumlage“ bundesweit abgewälzt und in den Stromrechnungen ausgewiesen.

Der Gesetzentwurf kommt dabei aus dem CDU-Bundesumweltministerium (ehemals Röttgen, jetzt Altmaier) und wird den Segen von Mutti haben. Denn Bundeskanzlerin Merkel läßt die Big 4 sicher nicht hängen, nachdem sie den Ausstieg vom Ausstieg aus der Atomenergie ja nicht mehr halten konnte – Angesichts der Katastrophe von Fukushima.

Interessant ist, dass der Westen lediglich die eine, die Rheinische Post lediglich die andere Seite betrachtet. Oder will mir jemand ernsthaft weiß machen, hier handele es sich um eine zufällige Verkettung von Ereignissen?

Was hier passiert, ist das alte Muster von Kosten und Verluste sozialisieren und Gewinne privatisieren. Das ist dann die “Energiewende” und der “nationale Konsens”, die der neue CDU-Bundesumweltminister Altmaier heute versprach…

Mir hat mal ein NRW-Landtagsabgeordneter der SPD gesagt, wer in der Politik was werden und bleiben will, der legt sich nicht mit RWE an. Ich finde es ist an der Zeit, daran etwas zu ändern!

I, Economy. I am Master. Be my Slave.

22. Mai 2012 Kommentare ausgeschaltet
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Erst gestern habe ich unter dem Titel “Panik um der Panik Willen?” mich mit der Situation der Beschäftigten beschäftigt. Und heute finde ich bei Fefe einen aktuellen Bericht aus einem amerikanischen Superlagerhaus und über die dortigen Arbeitsbedingungen.

Wirkliche Zweifel an den Schilderungen habe ich nicht. Und auch in Deutschland halte ich das in weiten Teilen für möglich. Was ich jedoch besonders interessant finde ist nicht die spontane Assoziation mit Amazon und Co. Sondern mit der Deutschen Post:

Vor einigen Monaten lief im ARD eine Doku über die “Paketsklaven” bei DHL. Die natürlich nicht bei DHL angestellt waren, sondern bei einem Subunternehmen. Und was lese ich in dem Bericht? Natürlich, dass die Mitarbeiter in den Lagerhäusern über Subunternehmen rein kommen. Aber am spannensten ist doch:

The stuff we order from big online retailers lives in large warehouses, owned and operated either by the retailers themselves or by third-party logistics contractors, a.k.a. 3PLs. These companies often fulfill orders for more than one retailer out of a single warehouse. America’s largest 3PL, Exel, has 86 million square feet of warehouse in North America; it’s a subsidiary of Deutsche Post DHL, which is cute because Deutsche Post is the German post office, which was privatized in the 1990s and bought DHL in 2002, becoming one of the world’s biggest corporate employers.

Und hey. Was in den USA funktioniert, funktioniert fast überall.

Ich frage mich wie wir an einen Punkt kommen konnten, an denen der “freie Markt” bei angebotener und nachgefragter Arbeitsleistung keinen Preis im Equilibrium mehr entstehen läßt. Sondern Leute für Almosen sich selbst bis zur Erschöpfung, vielleicht sogar noch weiter selbst ausbeuten.

Wie können wir Unternehmen erlauben, so mit Mitarbeitern umzugehen? Wie können wir Regierungen erlauben, dies zuzulassen?

Wie können wir selbst die Augen davor verschließen?