Wie Angst vor den Fremden geschürt wird

Ich sehe die Presse in einer großen Verantwortung. Das sie meinen Erwartungen immer wieder nicht gerecht wird, ist kein Wunder – wir leben halt in merkwürdigen Zeiten.

Aber manchmal stolpere ich über „Perlen“, die mich dann doch etwas zweifeln lassen, ob ich überhaupt noch was auf die Printpresse geben darf. Dabei geht es vor allem um, ich sag mal, „subtile“ Stimmungsmache.

In Duisburg gibt es Probleme mit Häusern, die von überwiegend rumänischen Menschen bewohnt werden. Wo diese Probleme herkommen und was man dagegen machen könnte, lassen wir jetzt mal aussen vor. Das Ergebnis ist aber eine gewisse Präsenz in der Presse, die dann den Eindruck erweckt Rumänen=Böse. Das führt dann auch zu lokalpolitischen Problemen:

Wenn wir zum Beispiel über Flüchtlinge in Voerde und deren Unterbringung sprechen, kommt immer wieder „ja aber  in Duisburg !!!!EinsEinsElf“ und man muss dann Gebetsmühlehaft die Unterschiede herausarbeiten.

Und jetzt kommt die Rheinische Post. In einer Zeit, in der auch die bundesdeutsche Stimmung zumindest aufgewühlt ist, findet sich in der Ausgabe vom 16.01.2014 folgende Überschrift (leider nur hinter Paywall):

Prozess: Rumänischer Trickdieb bespuckte Opfer

Und der Artikel beginnt dann:

Auch am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen einen Rumänen wegen Raubes und Diebstahls ist der Angeklagte von etlichen Zeugen belastet worden. Der 19-Jährige hatte die 16 zur Verhandlung stehenden Fälle bereits am ersten Prozesstag vor dem Klever Landgericht gestanden.

Abgesehen davon, dass ich die Sensation nicht verstehe, dass er am zweiten Tag belastet(!) wird, wenn er am ersten Tag schon gestanden (sic!) hat: Welche Rolle bitte spielt seine Nationalität?

Entweder gar keine, weil auch jeder Deutsche oder jeder Mensch aus einem anderen Land als Trickbetrüger und Räuber durch unser und alle anderen Länder ziehen kann. Oder es spielt in sofern eine Rolle, als das ich die Vorurteile der Stammtische bedienen möchte.

Im Grunde ist das wie Meldungen nach dem Muster „x Opfer, darunter y Deutsche“, nur noch schlimmer. Denn rein sachlich spielt es absolut keine Rolle, ob es ein Rumäne oder nicht war.

Bei mir hinterläßt die Art der Berichterstattung in diesem Fall den Eindruck, dass hier zumindest billigend die Angst vor Fremden geschürt werden soll.

Weil Angst ein hervorragendes Mittel ist. Leider auch um die Auflage zu erhöhen.