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Kategorie: Digitales Leben

Es mag komisch klingen, aber Euer Telefon hört Euch zu

Es mag komisch klingen, aber Euer Telefon hört Euch zu

Es ist ja keine neue Diskussion, ob Smartphones ihre Nutzer belauschen. Jede/r von uns kennt merkwürdige Ereignisse wie Werbung zu Dingen, über die man gerade erst gesprochen hat. Einen Beweis dafür, dass Smartphones ihre Nutzer ausspionieren können – und wenn sie es können es auch machen – gibt es Momentan wohl noch nicht.

Allerdings scheinen wir der Auflösung auf Umwegen einen Schritt näher zu kommen. „Schuld“ ist Google, bei denen ANDROID als Betriebssystem für diverse Geräte verfügbar ist. Denn Google, und ich mache keine Scherze, will in Zukunft(!) Apps untersagen, ungefragt und heimlich Eure Telefonate zu belauschen:

Google lässt ab dem 11. Mai keine Apps mehr im Play Store zu, die heimlich Telefongespräche aufnehmen. Dies geht aus einer Regeländerung für Entwickler hervor, die an dem Tag in Kraft tritt.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass bis zum 11. Mai es kein Problem war. Und noch besser: für die eigenen Apps gilt das natürlich nicht, die dürfen Euch weiter belauschen – auch ohne Euer Wissen:

Die Änderung betrifft allerdings nicht Wähl-Apps wie Google Phone oder Mi Dialer, die auf einigen Android-Geräten ins System integriert sind.

Quelle: Heise

Könnt Ihr mal einen kurzen Moment in Euch gehen und überlegen, was das bedeutet? Das bedeutet, dass Google sich und (bis zum 11.05) Dritten erlaubt, die Vertraulichkeit des gesprochenen Wortes nach Herzenslust zu brechen, Euch zu belauschen, Eure Gespräche zu speichern, analysieren und zu verwerten.

Aber lasst mich raten: Das wird Euch nicht davon abhalten, Handys, Smart-TV und andere Geräte mit ANDROID zu nutzen, gell? Denn Ihr habt ja nix zu verbergen.

Mein und Dein und Unser

Mein und Dein und Unser

Eines der Dinge, die mich an unserer aktuellen Wirtschaft faszinieren ist, wie leichtfertig die Menschen heute bereit sind für ein Produkt zu bezahlen und es trotzdem nicht zu besitzen. Das wird häufig als „Abo-Modell“ getarnt, wenn z. B. Software nicht mehr gekauft, sondern nur noch gemietet wird. Die Hersteller versprechen, dass man so immer die optimale Software habe, immer alle Updates bekomme.

Was sie nicht sagen: Man ist ihnen ausgeliefert, denn wenn man mit den Konditionen irgendwann nicht mehr einverstanden ist, hängt man am Fliegenfänger. Zahlt man nicht mehr regelmäßig, kann man die Software auch nicht mehr nutzen. Für die Hersteller ein Win-Win: Sie erhalten regelmäßige Cashflows und haben zudem die Kontrolle über die Verwendung der Software.

Aber das ist ja nicht der einzige Punkt. Musik zum Beispiel wird heute fast nur noch gestreamt und online erworben. Zumeist in proprietären Formaten, die bedingen, dass der Musicplayer sich gelegentlich bei einem Lizenzserver versichert, ob man diese Musik überhaupt noch hören darf. Denn gekauft hat man sie im eigentlichen Sinne nicht, man mietet sie vielmehr. Was passiert, wenn auch große Firmen keinen Bock mehr haben, sah man sehr schön bei Microsoft: Das einst als Alternative zum iTunes-Store gehypte Zune wurde dicht gemacht, die Nutzer verloren ihre Musik.

Und was bei Musik möglich ist, die nicht mehr als CD im Regal steht oder wenigstens DRM-freies MP3 auf der Festplatte liegt, geht natürlich auch bei eBooks. Unvergessen der Fall, als Amazon einfach mal gekaufte eBooks von den Readern seiner Kund*innen fernlöschte. Und das ausgerechnet bei den dystopischen Romanen „1984“ und „Animal Farm“.

Und auch im Smart Home kaufen die meisten Leute kaum Geräte, die sicher nur im eigenen Haus laufen. Vielmehr brauchen praktisch alle großen Systeme eine Interntverbindung und nutzen unnötiger und unsicherer Weise „Cloud-Services“. Und auch hier gilt: Hat der Hersteller keinen Bock mehr, hat der Kunde verloren.

Es ist ja nicht so, als erhielten wir als Kund*innen Vorteile dadurch. Oder günstigere Preise. Nein. Wir geben ausschließlich die Kontrolle aus der Hand, binden uns langfristig an Firmen mit undurchsichtigen Verträgen und akzeptieren stillschweigend, dass die Dinge, die wir vermeintlich kaufen, gar nicht in unseren Besitz übergehen. Sondern wir nur das temporäre Recht zur Nutzung erwerben.

Und irgendwie… so richtig scheint das niemanden zu stören, oder?

 

New Watch Day: Garmin Fenix 7x

New Watch Day: Garmin Fenix 7x

Anfang 2017 habe ich relativ viel Geld für eine neue Uhr ausgegeben: Eine Garmin Fenix 5x Saphir (hinter dem Link gibt es nur noch die Nicht-Saphir-Version). Und ich war sofort völlig begeistert – die Uhr wurde mein täglicher (und nächtlicher) Begleiter. Was mich so fasziniert hat war, was Garmin alles in das kleine Gehäuse bekommen hat – inklusive Karten.

Gut, auf Grund der 5-Tasten-Bedienung waren die Karten eher ein Krampf, in Verbindung mit Drittanbietern wie Komoot aber teilweise echt hilfreich. Auch die Idee, von vornherein einen App-Store für Drittanbieter zu integrieren, war nicht die blödeste: Du möchtest Laufen lernen? Lad Dir eine App. Du möchtest andere Ziffernblätter? Lad sie Dir runter. Die Community war ziemlich gut.

Was mich aber total begeisterte war, dass ich die Uhr wirklich gebrauchen konnte: Schwimmen im See oder Schwimmbad, Laufen, Wandern, Joggen, Rennrad, Mountainbike, Rafting, Klettern, nichts wo sie mich im Stich gelassen hätte. Und die Akkulaufzeit? Gut 2 Wochen – ich musste immer über die „ich muss meine Uhr laden“-Fraktion der Apple-Watch-User lachen. Ich wusste teilweise gar nicht wo mein Ladekabel lag 🙂

Dazu kam, dass ich mit der Tastenbedienung vs. Touchscreen schon immer bessere Erfahrungen gemacht hatte. Auch bei meinen anderen Garmin-Geräten, lege ich Wert auf Tasten. Wobei das mit den anderen Geräten so eine Sache war: Der Fenix 5x fehlen Funktionen zum Geocachen, weswegen ich hier mein GPSMap 66t nutze. Auch für die Navigation ist das GPSMap besser geeignet. Das bedeutet aber nicht, dass die Fenix 5x nicht trotzdem fast alles konnte – in vielen Fällen konnte ich also das GPSMap liegen lassen. Und beim Biken? Natürlich ist für die Karte und die Lesbarkeit mein EDGE 820 besser für unterwegs. Ich brauchte es aber z. B. nicht mit Urlaub zu nehmen und an Leihbikes die Halterung anschrauben: Die Fenix kann die gleichen Sensoren (Trittfrequenz, Herzfrequenz, Geschwindigkeit….) auslesen und braucht am Arm keine Rad-Halterung.

Kurzum: Bis auf Spezialfunktionen löste die Fenix 5x alle anderen Garmin-Geräte mehr oder weniger ab. Vor allem, weil ich sie ja eh immer dabei hatte.

Hatte sie Schwächen?

Ja, vor allem 2: Beim Klettersteig-Gehen in engen Schluchten oder der DAV-Anlage in Duisburg war GPS nicht zu gebrauchen. Und das Bahnenschwimmen im Schwimmbad sorgte je nach Software-Version für mehr oder weniger falschen Ergebnissen.  Beides allerdings extrem schwierig zu messen und kein wirklicher Vorwurf, den man der Uhr machen könnte.

Das ich die Saphirglas-Version genommen hatte, lag an Garmin: Dort hatte man mir „versprochen“, dass die Fenix 5x Saphir praktisch unzerstörbar sei. Und nach 5 Jahren wenig zarten Handhabens muss ich sagen: Die Uhr hat alles überlebt und das Glas nicht einen einzigen Kratzer – ohne jede Form von Schutzfolie. Und Gelegenheiten zu Kratzern gab es zu Hauf. Was man der Uhr heute auch ansieht:

Nach der 5X kam die 5x Plus. Größte Änderung war sicherlich „Garmin Pay“, also Zahlen mit der Uhr, das mich nicht interessierte. So blieb ich der 5x treu. Dann kam die Fenix 6x mit einer bahnbrechenden Neuigkeit: Solar. Das fand ich einen geilen Move, denn wenn man viel draußen ist, kriegt man viel Sonne. Die zu nutzen um die Akkulaufzeit zu verlängern, fand ich genial. Aber Garmin machte einen Fehler:

Ich konnte entweder die Solar-Version kaufen. Oder die Saphir-Version. Beides zusammen ging nicht. Damit war die Fenix 6x für mich auch keine Alternative. Und warum auch – selbst nach 5 Jahren kann ich kaum einen nachlassenden Akku vermelden, die Software ist (Garmin-Typisch) über die Jahre auf einen Stand gereift, der gut funktioniert.

Tja… und dann kam 2022. Und eine Mail von Garmin: Die Fenix 7x ist da. Und als würde man bei Garmin endlich auf mich hören, kann man sie als Titan-Version mit Solar und Saphir bestellen. Und ja, ich habe sie bestellt.

Die Neue ist im Umfang deutlich gewachsen, dafür in der Dicke geschrumpft. Letzteres ist eine gute Nachricht, weil ich gelegentlich das Problem hatte, dass die 5x nicht unter die Manschette meines Hemdes gepasst hat. Sie wirkt auch deutlich leichter, wobei ich das nicht nachgemessen habe. Auf jeden Fall ist sie sehr „gefällig“:

 

Neben dem Solar kommen in paar neue Neuerungen dazu. Für mich spannend (keine Ahnung ob die 6 das schon hatte) ist die Möglichkeit, Musik direkt auf der Uhr zu speichern und sie mit meinen Bluetooth-Kopfhörern zu verbinden. Ich kann also ohne Handy aber mit Musik zum Sport. Dann gibt es natürlich wieder besseres GPS, wobei ich bei dem neuen Multiband-Empfänger wirklich mal gespannt bin, wenn es in den Klettersteig geht.

Was die Akku-Laufzeit angeht, sag ich mal „geht so“ 😉

Screenshot von https://www.golem.de/news/sportuhr-im-hands-on-garmin-fenix-7-mit-touchscreen-und-saphirglas-solarstrom-2201-162466.html am 03.02.22
Screenshot von https://www.golem.de/news/sportuhr-im-hands-on-garmin-fenix-7-mit-touchscreen-und-saphirglas-solarstrom-2201-162466.html am 03.02.22

Ohne GPS mit ausreichend Licht ist die Uhr angeblich in der Lage, deutlich über 1 Jahr ohne Nachladen auszukommen. In meinem „Use-Case“ rechne ich mit 1x Aufladen alle 3 bis 4 Wochen. Mehr wird es wohl nicht brauchen.

Neu ist übrigens, dass auch die Saphirglas-Version jetzt einen Touchscreen hat. Erwähnte ich, dass ich Touchscreen nicht mag? Hier hat Garmin mich allerdings auf seine Seite gezogen: Die weiter oben erwähnte Karte ist nämlich jetzt Bedienbar. Während Garmin bei der 5x einen ziemlichen Krampf zum Zoomen, Verschieben und Markieren mit den Tasten einbauen musste, kann ich jetzt einfach über die Karte „swipen“. Und der neue Prozessor ist schnell genug, sie mehr oder weniger flüssig nachzuführen. Davon ab kann ich dann den Touchscreen per Tastendruck systemweit abschalten, so dass in allen anderen Fällen die Bedienung wie gewohnt über die 5 Tasten erfolgt. Bei Sport-Apps deaktiviert die Uhr im Standard eh den Touchscreen, sofern man das nicht umstellt. Hey, plötzlich mag ich das 😀

Und dann gibt es noch die Taschenlampe.

Die was?

Die Taschenlampe 😀

Um das zu verstehen, sind zwei Dinge vielleicht interessant zu wissen:

1. Das Display der Fenix war beleuchtet eh so hell, dass ich sie in ungewohnter Umgebung, z. B. auf Hütten, Nachts einfach genutzt habe um mich zu orientieren.

2. Jedes Handy hat eine Taschenlampe, mein GPSMap hat eine, warum also nicht meine Uhr?

Natürlich kann man jetzt sagen Why, Garmin, why! Bis man auf eine interessante Funktion stößt: Das Pendel!

Die Uhr lässt beim Laufen die weißen LED’s aufblinken, wenn der Arm nach vorne pendelt und die Rote (erwähnte ich, dass die Taschenlampe auch eine rote… egal) blinkt, wenn der Arm nach hinten pendelt. Was sich erst mal völlig gaga anhört, ist eine nützliche Funktion um die Sicherheit zu erhöhen: Wenn ich im Dunkeln Laufen gehe, hat meine Stirnlampe hinten auch eine rote LED-Leuchte, damit ich von beiden Seiten gut zu sehen bin. Hätte ich das nicht oder wäre ich ohne unterwegs, könnte ich zumindest rudimentär meine Sichtbarkeit mit dem Pendel erhöhen. Braucht man das? Nein. Ist es ein witziges Gimmick? Ja.

Alles in allem finde ich die Fenix 7x Saphir Solar eine gelungene Weiterentwicklung im Vergleich zur Fenix 5x. Beim Laufen und Radfahren werde ich von dem neuen Multiband-GPS wohl nicht viel merken, beim Klettern bin ich gespannt. Auch wie sich die Uhr im Schwimmbad schlagen wird, ist eine spannende Frage. Darüber hinaus hoffe ich, dass sie genauso robust ist, wie die 5x und mich die nächsten… sagen wir 5 Jahre genauso zuverlässig auf meinen Abenteuern begleiten wird.

Und jetzt entschuldigt mich, ich muss noch ein bisschen mit der Uhr spielen 😀

Und für Die unter Euch, die gerne mehr über die Sportfunktionen wissen wollen: Klick!

Der Geist in meinem Netzwerk…

Der Geist in meinem Netzwerk…

Ok.

Ich würde mich durchaus als Nerd beschreiben und darüber hinaus als IT’ler. Ich schraube an Rechnern und Netzen, seit ich sie kenne und würde sagen, es gibt wenig, dass mich überrascht. Ich verstehe nicht alles auf Anhieb, aber echte Überraschungen sind selten. Jetzt habe ich eine und kann sie nur mit Spuk erklären 😉

An meinem kleinen Technikschrank war folgende Struktur:

FritzBox als Router und Switch. An der FritzBox: 1 PC mit Kabel, 1 NAS mit 2 Kabeln.

Das wurde jetzt „aufgebohrt“, weil ein zweites NAS dazu kam und ich eh die Idee hatte, dass der Switch in der FritzBox manchmal an seine Grenzen kam, vor allem da zwischenzeitlich 20-30 weitere Devices per WLAN angemeldet sind.

Neue Struktur:

FritzBox als Router, per Kabel mit einem Switch von Zyxel verbunden. An dem zwei NAS mit jeweils 2 Kabeln und der PC mit einem Kabel. Also 5 „Eingänge“ + 1 „Uplink“.

Alles gut, Netz rennt besser als je zuvor. Bis auf eine winzige Kleinigkeit:

War ich es bisher gewohnt, dass Abends, wenn alle Menschen hier auf der Straße streamen, das Netz ab und an weg ist, passiert das jetzt immer ein Mal morgens. Scheinbar zufällig. Dachte ich. Denn es ist nicht zufällig:

Starte ich den Rechner und  beginnt der Windows zu booten, verliert die FritzBox die DSL-Synchronisation.

What. The. Fuck?

Ein anderer Port am Switch für den Rechner löste das Problem nicht. Was es dagegen löste war, den Rechner in die FritzBox zu stecken. Was ja die Idee konterkariert, großen Netzwerktraffic an genau der vorbei zu schleusen.

Aber kann mir mal bitte jemand erklären, warum der Boot-Prozess von Windows das DSL-Signal aus dem Tritt bringt, wenn der Rechner im Switch ist und nicht in der FritzBox? Denn ich habe auch das Ethernet-Kabel vom Rechner zum Switch ausgetauscht und hatte das im Verdacht. Das scheidet aber ja aus, weil es offensichtlich nicht die Nähe des Ethernet-Kabels zum DSL-Kabel ist: Das liegt genau so nah oder fern, wenn ich den Rechner direkt in die FritzBox einstöpsel, als wenn ich den Switch benutze.

Der Einschaltzustand der NAS spielt übrigens keine Rolle. Das Phänomen tritt unabhängig davon auf, ob die an oder aus sind.

Bleibt als Erklärung nur Spuk, oder?

Nikon Z-FC – Follow Up

Nikon Z-FC – Follow Up

Vor ein paar Wochen hatte ich Euch erzählt, dass ich mir eine Nikon Z fc gekauft habe – recht spontan und wie man es dreht und wendet: Weil sie gut aussah 🙂

Nachdem ich sie jetzt ein paar Wochen mit mir rum geschleppt habe, wollte ich Euch mal ein Follow-Up gönnen. Inzwischen habe ich einige Bilder geschossen, ein paar Videos gedreht und die Kamera und ich sind uns durchaus näher gekommen.

Ich fange mal mit drei Punkten an, die mir im Laufe der Zeit als nicht so optimal aufgefallen sind:

  1. Der elektronische Sucher: Egal, wie gut die Mini-Displays werden, sie sind genau das: Mini-Displays und ich werde nie ein Freund davon. Ja, der elektronische Sucher (EVF) hat den Vorteil, dass ich eine „Belichtungsvorschau“ bekommen kann, also einen Eindruck wie das Bild belichtet ist. Das geht bei optischen Suchern natürlich nicht. Dafür ist er immer noch langsamer als es meinem Auge gefallen würde und natürlich löst er gröber auf als ein echtes Bild am Auge. Versteht mich nicht falsch, der EVF ist klasse. Aber halt im Vergleich zu anderen. Nicht zum echten Bild. Plus, und das stört mich wirklich, die Wirkung von Polfiltern ist relativ schwer einzuschätzen.
  2. Das Handling: Erwartungsgemäß ist die Kamera zu klein für meine Hände, um sie länger und ruhig halten zu können. Das ist aber der Preis für das Design und den erwarteten Zweck einer „Reisekamera“. Sie ist mir witziger Weise auch fast zu leicht, vor allem, wenn sie an auf der Schulter hängt. Was witzig ist, weil ich sie ja leicht haben wollte.
  3. Das Bedienen: Die Bedienung gibt, wenn man Nikon kennt, keine Rätsel auf. Was aber toll gewesen wäre: Die Möglichkeit zumindest zwei Profile zu speichern, z. B. eines für Video und eines für Foto. Auf den ersten Blick „beisst“ sich das mit der Philosophie des Drehen und Drücken. Auf den zweiten Blick ist die aber eh manchmal nur Show, z. B. weil man sowohl das Zeiten-Rad, als auch das ISO-Rad oft ohnehin nicht nutzt.

Bei den drei Punkten jammere ich aber auf sehr hohem Niveau und praktisch ausschließlich aus der Perspektive von jemandem, der eh mit allem Neuen so seine Schwierigkeiten hat. Aber kommen wir doch mal zu den positiven Elementen:

  • Die Bildqualität des Sensors ist auf DSLR-Niveau. Sowohl bei Fotos, als auch bei Videos. Die Farben sind kanckig, Haut stellt kein Problem dar und auch im Bereich hoher Iso-Werte ist die Kamera super konstant. Das macht sie gefährlich 😉 Weil man automatisch überlegt, ob man (ich) neben dem F-Mount-Arsenal an Objektiven auch noch (leichtere) Z-Mount-Linsen kauft. Und da gibt es einige 😀
  • Das silberne Kit-Objektiv ist sehr, sehr viel besser, als ich es erwartet habe. Der AF sitzt schnell, wenig Farbverfälschungen an den Säumen (chromatische Aberration) und sehr viel weniger stürzende Linien durch Verzerrungen als z. B. am iPhone. Natürlich kann es nicht mit den Festbrennweiten von Nikon fest halten. Es lässt mich aber meine uralte, tradierte Meinung über Zoom-, besonders über Kit-Zoom-Linsen hinterfragen. Das Objektiv ist eher mit einem 24-120 F4 als den alten 18-55 3,5-5,6 vergleichbar, was die Qualität der Bilder angeht. Wie viel davon die Bildoptimierung in der Kamera (computational imaging) verschuldet, weiß ich nicht – das Ergebnis zählt
  • Die Bedienung gibt jemanden, der Nikon kennt, absolut keine Geheimnisse auf. Man muss sich, wenn man wie ich von den DSLR kommt, ggf. an einige Neuerungen gewöhnen – das geht aber sehr schnell. So schnell, dass man einige Dinge plötzlich bei der D850 vermisst 😉
  • Die Akku-Laufzeit ist phänomenal. Ich hatte überlegt, direkt einen Zweitakku zu bestellen und das aus unerklärlichen Gründen vergessen. Stellt sich raus: Brauche ich nicht. Natürlich mache ich nicht, wie z. B. mit der D700 bei Sportevents mit ständig laufendem AF und Bildstabilisator hunderte Bilder, aber ich hätte z. B: erwartet das Video stärker reinhaut, wie es das z. B. bei der D850 macht.

Alles in allem liefert die Kamera mehr, als ich erwartet habe und sie ist zu einer ständigen Begleiterin geworden: Auf der Schulter, im Tankrucksack auf dem Motorrad, auf der Rückbank im Auto, in der Büro-Tasche im Zug: Ich bin selten ohne anzutreffen.

Damit erfüllt sie einen lang gehegten Wunsch einer „immer dabei“-Kamera, die ich nie hatte, weil ich mit den Suppenzoom-Objektiven und winzigen Chips in den modernen Kompaktkameras nicht zurecht kam. Und genau in die Lücke stößt sie bei mir rein.

Für Euch: Wenn Ihr qualitativ hochwertige Bilder mit einer für die Leistung überraschend preiswerten Kamera haben wollt, eine kleine und leichte Begleitung im Alltag, dann kann ich Euch die Nikon Z fc wirklich nur ans Herz legen.

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Dein Geld? Nein danke!

Dein Geld? Nein danke!

Vor einigen Tagen erst war ich wieder mal in eine Diskussion verstrickt, in der ich versucht habe zu verdeutlichen, dass Amazon eher Symptom als Ursache vieler Probleme ist. Wobei Amazon hier sinnbildlich als der Einkauf im Internet steht. Und ja, wir wissen alle, dass Amazon insbesondere im Umgang mit Mitarbeitern und Mitbewerbern ein ziemlich mieser Laden ist. Aber darum ging es nicht.

Es ging mir, wie so oft, darum, dass der Einzelhandel oftmals versäumt hat, sich auf wandelnde Lebenswirklichkeiten und Kundenbedürfnisse einzustellen. So bin ich z. B. der Klassiker, dem Läden die um 18 Uhr schließen, nicht helfen. Ich habe auch schon versucht, konstruktive Vorschläge zu machen, wie „Pick-up-Stores“*). Leider ist es manchmal alles nicht so einfach.

Und dann passieren so Dinge wie heute, die mich einfach ratlos machen. Ich war unterwegs und hatte noch im Kopf, dass ich eine neue Fahrradhose brauche. Da ich eh unterwegs war, dachte ich: Holste in einem Sportgeschäft, nicht im Internet. Und da gerade ein Fachhändler in der Nähe war, der zwar eine teure Marke vertritt – mir aber dennoch sympathisch ist, bin ich mal kurz hin.

Dem Verkäufer geschildert was ich möchte. „Ham wa nicht“. Ah okay. Kann passieren. Und jetzt kommt das „Amazon-Problem“, denn als Kunde erwarte ich jetzt, folgenden Satz zu hören: „Ich schreib mir mal Deine Nummer auf und ruf Dich an, wenn wir Hose X wieder da haben. Ggf. schicke ich Dir die dann auch“. Das hätte ich erwartet, weil der Laden mich als Kunden möchte und seine besondere Stellung aus dem Dienst am Kunden bezieht.

Gehört habe ich: „derzeit Lieferschwierigkeiten, können wir eh nur ein Mal im Jahr bestellen“. Das ist schon dreist. Zum einen war ich selber lange Jahre im Einzelhandel tätig und das es Dauerartikel gibt, die man nur ein Mal im Jahr bestellen kann, daran zweifel ich einfach mal. Zum anderen fehlte jede Bereitschaft, sich um mich als Kunden zu bemühen. Der sich schon auf den Weg zu mir gemacht hat. Der bereit war, den Aufpreis für ein gutes Ladenlokal und kompetente Beratung zu zahlen.

Und ja, natürlich gibt es keine Knappheit auf dem Markt. 2 Minuten später hatte ich für weniger Geld inklusive Nach-Hause-Lieferung den begehrten Artikel bestellt. Das Problem für den Händler vor Ort? Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich jemals wieder dort versuche ein Kleidungsstück zu kaufen.

Das lässt mich wieder an die Amazon-Diskussion denken. Und es macht mich traurig. Denn wenn genügend Kunden bei dem Händler die gleiche Erfahrung machen wie ich, wird es den Händler absehbar nicht mehr geben. Es wird dann aber nicht heißen, dass der zu gemacht hat, weil er einfach an seinen Kunden vorbei gehandelt hat. Sondern es wird heißen:

„Wieder ein Opfer der ganzen Online-Geschäfte“.

 

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*) Meine Idee damals war, dass es an zentraler Stelle einen Laden gibt, den die Menschen nach der Arbeit anfahren. Und wo die Dinge liegen, die man online oder telefonisch beim lokalen Händler bestellt hat. Ich stoppe ein Mal und hole eine Einkaufstasche mit Lebensmitteln, das bestellte Buch, ein rezeptfreies Medikament und die Hemden aus der Reinigung ab. Das wär schön 🙂

Überhaupt wäre mehr Digital toll. Das gilt nicht nur für die Bestellung von Waren, sondern auch und besonders für die Bezahlung.

 

New Camera Day: Nikon Z fc

New Camera Day: Nikon Z fc

Ich kaufe heute kaum annähernd so viel Kamera-Equipment, wie früher. Zum einen, weil ich anders/weniger fotografiere, zum anderen weil ich selten einen „haben will“-Reflex verspüre. Das war früher ausgeprägter. Anyway, jetzt hatte ich einen tatsächlich unwiderstehlichen „haben will“-Reflex und musste mir sofort nach Verfügbarkeit eine Nikon Z cf kaufen. Die vermutlich meistdiskutierte (und das kontrovers) Nikon, die derzeit auf dem Markt ist.

Und heute kam sie endlich. Nach einer scheinbar ewig langen Wartezeit von 48h seit der Bestellung 😉

Was soll ich sagen: Sie ist absolut fantastisch geworden:

Aber was ist jetzt das besondere an der Nikon Z fc? Und warum wird sie so kontrovers diskutiert? Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Und Euch erklären, was es mit dieser Kamera auf sich hat. Zunächst der „Hauptkritikpunkt“ vieler Youtuber, die schon ein Hand-On veröffentlicht haben:

Rein technisch gesehen ist die Kamera eine Nikon Z50, die vor gut 2 Jahren erschien. Und in der heutigen Zeit scheint das seine so lange Zeit zu sein, dass man Technik, die schon zwei Jahre alt ist, praktisch nicht mehr kaufen, geschweige denn verwenden kann. Natürlich hat die Nikon Z fc einige Verbesserungen per Software, die die Z50 nicht / noch nicht / nicht mehr bekommt. Im Grunde aber, Sensor und Prozessor vor allem, sind sie halt technische Schwestern.

Der Witz ist, dass das völlig egal ist.

Ich habe zwei Brot- und Butter-Kameras, die ich praktisch immer nutze. Das eine ist eine Nikon D700 von 2009(!), das andere eine Nikon D850 aus 2020. Die D850 hat eine Auflösung von mehr als 45 Megapixeln – oh wow. Die D700 kommt mit 12 Megapixeln daher. Und jetzt ratet mal, welche Kamera mehr Fotos schießt? Richtig, die D700. Warum? Weil die Dateien deutlich kleiner sind und der gesamte Workflow (von der Speicherkarte auf den PC, laden in Lightroom, exportieren und im Web hochladen) unfassbar viel weniger Zeit braucht. Die D850 hat natürlich den Vorzug, wenn ich hinterher große Prints mit feinen Strukturen brauche und vor allem beim Video (was die D700 gar nicht kann). Na klar, die D850 hat weniger Rauschen in  höheren ISO, einen größeren Dynamikumfang und bla bla bla. Das einzige Problem: Ich sehe das. Unter anderem weil ich einen Monitor besitze, der das darstellen kann. Ihr? Auf Facebook, Youtube, Instragram, Flickr? Ich würde wetten, dass die meisten von Euch nicht erkennen könnten, ob das Bild mit der „state of the art“ D850 oder ihrer Großmutter,  der D700 geschossen wurde.

Was ich zudem an Nikon liebe ist, dass alle meine Kameras alle Objektive verwenden können, die ich habe. Und einige davon sind so alt wie ich. Das gilt sogar für die kleine „Reisekamera“ Nikon D90, die hier ebenfalls vorhanden ist. Die D90 ist die einzige „Crop-Kamera“ in meinem Gepäck und eine kleine Schwester der D700. Sie macht auch 12 Megapixel, ist als APS-C-Kamera aber kleiner und leichter und (theoretisch) sind APS-C-Objektive auch kleiner und leichter. Die Unterschiede sind dann im Detail: In der D90 ist ein Akku, in der D700 gleich 3 (beide nutzen die gleichen Akkus), die D90 konnte damals als eine der ersten Spiegelreflexen sogar schon Video. Der schärfste Konkurrent der D90 ist aber seit einer Weile ganz wer anders: mein iPhone 12pro.  (APS-C beschreibt die Größe des Sensors in Anlehnung an das früher mal erhältliche APS-Filmformat. „Vollbild“ bezieht sich auf die damals erhältlichen „Kleinbildfilme“. Wikipedia hat da was zu.)

Das iPhone hat bei mir die DSLR als Reisekamera abgelöst. Es kommt ja ebenfalls mit 12 Megapixeln daher (wusstet Ihr das eigentlich?) und macht für ein Handy absolut gute Fotos und Videos. Es steht, sieht man mal von der Möglichkeit, andere Objektive anzusetzen ab, der D90 in nichts nach und ich muss gestehen, seit ich das iPhone 12pro habe, fristet die D90 ein Schatten-Dasein (leider *schnüff*)

Warum erzähle ich Euch das alles?

Seit einiger Zeit kann man beobachten, dass Spiegelreflex-Kameras von Spiegellosen Systemkameras verdrängt werden. Diese haben eine Reihe von Vorteilen, weil sie weniger aufwändig mechanisch zu bauen sind und können, weil hier der Sensor immer genutzt wird, auch neuere Autofokus-Techniken anwenden. Bei Nikon ist das die Z-Serie.

Man kann an die Z-Serie theoretisch auch die „alten“ Objektive anschließen (sowohl APS-C-Objektive, als auch Vollformat-Linsen), aber nur mit einem sogenannten FTZ-Adapter. Das klingt erst mal gut, bis man sieht, wie das aussieht: Die kompaktere Bauweise der Spiegellosen erlaubt nämlich auch, deutlich kleinere Objektive zu bauen.

Das stellte mich vor ein Problem: Ein Wechsel auf die Z-Serie war bisher uninteressant, weil ich sehr viele „alte“ Objektive nutze und die Vorteile der Spiegellosen in erster Linie beim Video liegen. Ich kenn mich, ich würde natürlich auch die Z-Objektive kaufen wollen 🙂

Auf der anderen Seite hätte ich aber gerne eine kleine kompakte Reisekamera, die fast unmögliches ermöglichen muss: einen guten Sensor, Technik aus SLR-Kameras oder Spiegellosen aber in einer Größe, die ich immer dabei haben möchte.

Das Problem hier ist nicht die Kamera selbst, sondern das Gewicht. Hier mal ein willkürlicher Vergleich:

  • Nikon D90 mit Sigma 17-70mm, Batterie und Speicherkarte: 1.313 Gramm
  • Nikon D700 mit 3 identischen Akkus und dem „immerdrauf“ Nikon 24-120: 2.285 Gramm
  • Nikon D850 mit 2 unterschiedlichen Akkus und dem am häufigst verwendeten 85 1,8: 1.847 Gramm

Die Kameras sind einfach, wenn man sie den ganzen Tag trägt, sackschwer. Was nicht schlimm ist, wenn ich zum Fotografieren unterwegs bin. Aber sehr wohl ein Problem wird, wenn es mich einfach nach draußen zieht, gleich ob zu Fuß oder dem Zweirad.

Und daher: Vorhang auf für die Nikon Z fc!

Hier bekomme ich eine spiegellose Systemkamera, an die ich beliebige Objektive anhängen könnte. Sie kommt mit einem kleinen Standard-Zoom und moderner Technik an einem aktuellen APS-C-Sensor. Mit anderen Worten: Sie ist perfekt. Und das nicht nur was die inneren Werte angeht.

Sie ist optisch an die Nikon FM2 angelehnt. Eine Kamera, die ich schon immer toll fand und obwohl ich so viele Nikon-Kameras gekauft und verkauft habe, nie besessen habe. Und ich stehe total auf das „Retro-Design“ der Z cf.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich noch immer kein Freund von Touchscreens bin. Sogar meine Smartwatch hat Tasten 🙂 Und die Z cf kommt mit einem nicht zwingend zu verwendenden Display, dafür aber vielen dedizierten Knöpfen und Schaltern. Und allein das Gefühl, eine Einstellung durch ein Drehen eines Rades, statt per Wischen auf dem Display vorzunehmen…. Daneben kann sie alles, was ich brauche: 20 Megapixel Fotos, rauscharm, 4k-Video und so weiter…. In meinen Augen ist die Z cf die Reisekamera, auf die ich gewartet habe.

Klinge ich verliebt?

Vielleicht ein bisschen 😀

Finde ich, dass Nikon mit der Z cf eine Nischen-Kamera gelungen ist, die viele, viele Menschen begeistern wird? Mit Sicherheit. Werdet Ihr mich in Zukunft wieder verstärkt mit einer Kamera in der Hand, statt des Handy, sehen? Garantiert 🙂

(Übrigens, die Kamera selbst kostet weniger als das iPhone. Vielleicht wäre die auch für Euch interessant. Wer nicht die „Limited-Edition“ in Silber haben will, kann deutlich günstiger einsteigen. Und auch interessante Sets kaufen.

P.S: Ich weiß, was Ihr beim Titelbild gedacht habt, Ihr filthy animals:-D

 

 

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Die in diesem Beitrag gesetzten Links zu Amazon sind „Affiliate-Links“. Bei einem Einkauf über diesen Link wird ein geringer Teil des Umsatzes für den gutgeschrieben, der den Link gesetzt hat. Dadurch wird das Produkt für den Kunden nicht teurer, Amazon verdient nur etwas weniger – hat dafür natürlich Werbung für seine Seite. Alle Artikel auf unkreativ.net die einen solchen Link verwenden, sind auch mit der entsprechenden Kategorie gekennzeichnet.

Warum ich meine Prime Visa gekündigt habe

Warum ich meine Prime Visa gekündigt habe

Ich hatte eine ganze Zeit die Visa-Kreditkarte von Amazon.

Als ich sie damals, ganz am Anfang ihrer Zeit, bestellt habe, war sie sehr verlockend. Es gab einen relativ hohen Startbonus von 70€ und bei jedem Kauf auf Amazon bekam man 3% gutgeschrieben. In Form von „Punkten“, die dann als Bargeldersatz bei Amazon verwendet werden konnten. Und ja, damit umgeht Amazon auch die Buchpreisbindung, weil es die 3% natürlich auch bei Büchern gibt. Für Prime-Mitglieder ist sie kostenlos.

Die Karte wird vertrieben von der Landesbank Berlin(LBB). Und hier beginnt und endet mein Problem.

Zunächst das Positive: Die App zur Karte ist funktional und gut zu bedienen. Der Kundenservice reagiert schnell auf Anfragen aller Art und das nervige „Revolving“ kann man per App ein- und vor allem abschalten.

„Revolving Creditcard“ beschreibt dabei, dass man bei solchen Karten gerne in Teilbeträgen zahlen kann. Angesichts von oft 15% und mehr Zinsen ist das natürlich das Geschäft für das ausgebende Institut. Also werden die Verfügungsrahmen schnell hoch gezogen und es wird beständig dafür geworben, ganz bequem doch nur 5% oder so zurück zu zahlen. Der „Revolving“-Teil kommt dann aus den USA dazu, wo es bei ärmeren Menschen üblich ist, die Schulden einer Karte mit einer anderen Karte zu bezahlen. Man dreht sich also mit mehreren Karten im Kreis.

Würde die LBB jetzt gelegentlich Werbung für die Teilzahlung machen, würde ich mir denken: Jo, das ist halt ihr Geschäft. Insbesondere, da der Zinssatz aktuell 14,98% im Jahr(!) beträgt, ggf. zusätzlich 0,87% des „durchschnittlichen Rechnungsbetrags“ als „Zahlungsschutz“ (den man aber abwählen kann). Preis- und Leistungsverzeichnis Stand 01.04.2021

Was die LBB aber mit zunehmender Frequenz macht, ist Mails schicken, die folgenden Inhalt haben:

Übertragen Sie x Tausend Euro auf Ihr Girokonto für x Monate.

Die Idee ist klar, man soll den Kreditrahmen nutzen und die Liquidität ausgeben und dann nicht rechtzeitig zurück zahlen können. Das Problem bei diesen Mails ist, dass es zwei nahezu identische Versionen gibt:

Ein Mal bietet die LBB 3 Monate Zinsfrei.

Ein Mal werden sofort die Zinsen fällig.

Ja, man kann das im Kleingedruckten lesen. Es wird klein geschrieben aber nicht unmittelbar versteckt. Das Problem ist, dass der gemeine Nutzer oder die gemeine Nutzerin natürlich verleitet wird, darauf herein zu fallen. Vor allem, wenn es Zinslos beginnt und irgendwann plötzlich Zinsen fällig werden.

Für ein Quartal zinsfrei mehrere Tausend Euro zur Verfügung zu haben, kann sinnvoll sein, wenn man weiß, wie man in der Zeit Früchte (Zinsen) daraus ziehen kann. Es ist nicht sinnvoll, wenn man es nicht am Ende zurückzahlen kann. Und es ist auf gar keinen Fall sinnvoll, wenn von Anfang an die Zinsen anfallen.

Was mich ärgert ist, dass eine Landesbank solche Tricks nicht nötig haben sollte. Ja ich verstehe, dass Banken Geld verdienen müssen und wollen. Aber mir kann niemand erzählen, dass es Zufall ist, wie hier Kunden erstens geködert werden, ihren Kreditrahmen auszunutzen und wie mit den Zinsen umgegangen wird.

Und weil ich sowas gar nicht mag, habe ich die Karte gekündigt.

An der Stelle muss ich aber erwähnen, dass die Kündigung binnen 24h umgesetzt wurde und das Restguthaben von meinem Kreditkartenkonto wieder auf meinem Girokonto war. Interessant ist, dass der Dateiname der Kündigungsannahme „Kündigung ohne Angebot.pdf“ gewesen ist. Ich frag mich ja, was man anderen Kunden (vielleicht solchen die hohe Zinserträge generieren?) für Angebote macht 😉