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Category: Gesellschaft & Wirtschaft

Voerder Landwirte haben Angst vor der Zukunft?

Voerder Landwirte haben Angst vor der Zukunft?

Heute ist ein Artikel Artikel in der NRZ, der mich richtig wütend macht. Wegen einer wunderschönen Täter-Opfer-Umkehr, die leider genau gar nicht redaktionell eingeordnet wird.

In dem Artikel wird ein Landwirt aus Voerde befragt:

„Sorge bereitet das vor allem den Bauern: „Ich schaue jeden Tag den Wetterbericht“, erzählt xxxx. Der Voerder Landwirt betrachtet das momentane Klima mit Angst.“

Und jetzt ratet mal, wer der Landwirt ist…. Richtig, Ingo Hülser. Und versteht mich nicht falsch, ich glaube ihm, dass er als Landwirt große Sorgen hat. Nur was fehlt ist ein „klitzekleiner“ Hinweis.

Darauf, dass er der Fraktionsvorsitzende der CDU im Rat Voerde ist. Der Fraktionsvorsitzende, der in einer Ratssitzung sagte, wenn er aus dem Fenster schaue, könne er kein CO2 sehen. Der Fraktionsvorsitzende einer Partei, deren Abschnitt „Umwelt“ im Programm zur letzten Wahl diese Position enthielt:

Mit einer Mehrheit im Rat würden wir den Klimanotstand sofort beenden.

Gute befreundet ist Ingo übrigens mit dem Fraktionsvorsitzenden der FDP, der ebenfalls landwirtschaftlich tätig ist. Diese FDP in Voerde behauptete nämlich, dass Austrocknen der Flüsse wäre doch gar kein Zeichen des Klimawandels

Was ich mir in so einem  Artikel wünsche ist eine Einordnung. Nicht nur „alles ist ganz furchtbar“, sondern eben auch: „Die, die es jetzt trifft, tragen politisch eine erhebliche Verantwortung“. Ich erwarte kritisches Nachfragen, auch in Bezug auf die Rolle des Deichgräf Ingo Hülser, der sich zunehmend mit katastrophalen Hochwassergefahren konfrontiert sehen wird. Es ist m. M. n. unredlich so zu tun, als wären das 3 Personen, die nichts miteinander zu tun haben. 

Und CDU und FDP sind scheinbar gegen alles, was man in Sachen Umweltschutz fordert. Egal ob ich ein Grundwasser-Monitoring fordere (das wir aber bekommen haben) oder den Klimanotstand um die Auswirkungen des Handelns auf die Umwelt zu betrachten (den ich bekommen habe). Es ist doch ein makaberer Twist der Geschichte, dass jetzt gerade die, die Jahrzehnte lang die Transformation zu einer ökologisch nachhaltigen Gesellschaft verhindert haben, also gerade die CDU und auch die FDP, jetzt diejenigen sind, die plötzlich Angst haben.

Die sie übrigens nächste Woche wieder vergessen haben werden wenn sie uns erklären, warum ein Tempolimit eine unzulässige Einschränkung ihrer Freiheiten darstellt oder warum das 9€-Ticket leider nicht bezahlbar ist.

Ich habe Mitleid mit Ingo Hülser als Landwirt. Ich habe Sorge um unsere Versorgung mit Lebensmitteln durch die heimische Landwirtschaft. Ich habe aber kein Verständnis mehr dafür, wie man gleichzeitig seine Angst formuliert und als Fraktionsvorsitzender der CDU Voerde weiter einem Kurs folgen wird, der den Zug in den Abgrund eher beschleunigt als bremst.

Aber vielleicht, nur ganz vielleicht, ist das eigene Leid jetzt ja Motivation genug um die eigene (politische) Position zu überdenken und zu verändern. Man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben. 

Von elektrischen Zügen und elektrischen Autos

Von elektrischen Zügen und elektrischen Autos

Was geht, Deutschland?

Kaum gibt es ein billiges Ticket für die Züge, da kaufen sich Millionen Menschen(!) eines. Der sonst typische Pfingststau wird zu einem Bahnstau und alle gucken irritiert:

Sollte es tatsächlich so sein, dass wenn man den Menschen einen günstigen, einfach zu handhabenden Nahverkehr gibt, diese den auch nutzen? Das wäre ja Un-Fass-Bar!

Zeigt sich aber: Es ist wie mit guten Radwegen: Gib den Menschen Infrastruktur jenseits des Autos (plus hohe Spritpreise) und sie nutzen sie. Und das sollte uns allen zu denken geben. Was machen wir jetzt damit? Überlegen wir mal, was dafür spräche, weiter ein billiges 9€-Ticket oder wenigstens ein preiswertes 365€-Ticket anzubieten.

Kampf gegen den Klimawandel.

Auch wenn klar ist, dass wir den Klimawandel nicht allein durch unser individuelles Verhalten einbremsen werden, weil dafür Global viel mehr Anstrengung notwendig wäre, ist der Verkehr in Deutschland auf Platz 2 der Klimatreiber. Jeder KM der nicht mit dem Auto gefahren wird, hilft. So einfach ist die Rechnung. Natürlich braucht es dafür ein Bahnnetz, dass praktisch jedes Dorf anbindet. Das hatten wir aber schon mal und haben es aufgegeben, als wir beschlossen haben, dass die Bahn ein gewinnorientiertes Unternehmen sein muss. Drehen wir das doch wieder um und machen wir die Bahn wieder zu einem Verkehrsmittel, dass jedes Dorf mit den Städten verbindet und die Städte untereinander. Und dann bitte so wie früher, als man ohne Umsteigen praktisch zwischen allen europäischen Metropolen hin und her fahren konnte. Und stellt Euch mal vor, Ihr könnt wirklich überlegen, ob Ihr heute das Auto nehmen müsst oder es stehen lassen könnt. Und nach einer Weile (so wie ich gerade) ob Ihr überhaupt ein Auto braucht.

Soziale Gerechtigkeit.

Ein billiges Bahnticket gibt Menschen mit geringen Einkommen eine hohe Mobilität. Es darf nicht eine Frage des „kann ich es mir leisten“ sein, Freunde in der Nachbarstadt zu besuchen oder gar einen Job dort anzunehmen. Es würde zudem helfen, den Menschen zu erlauben über den Tellerrand zu blicken, wenn sie günstig kreuz und quer durch das Land reisen können und nicht nur auf ihre eigene Stadt beschränkt sind. Es hilft im Arbeitsleben genauso wie im Privatleben und schafft so etwas wie Gerechtigkeit. Natürlich wird es Menschen geben, die sich in die 1. Klasse zurückziehen können, auch im Zug. Aber grundsätzlich unterscheidet der Zug nicht ob Du Banker bist oder Schrauber. Hier sind alle mehr oder weniger gleich. Und überlegt mal welche Möglichkeiten des Urlaubs sich für Menschen ergeben, die sich keine lange Autoreise leisten können und in Zukunft auch keine Flüge (denn die werden auch teuer werden). Und stellt Euch die Familie vor, die über Nacht mit ihren Kindern von Deutschland nach Italien, Spanien, Dänemark reisen kann, ohne sich dafür finanziell übernehmen zu müssen.

Tourismus und Administration

Diese beiden Punkte gehören für mich zusammen. Zum einen rufen bereits jetzt die ersten Bürgermeister*innen danach, dass 9€-Ticket weiterlaufen zu lassen. Das machen sie nicht nur, weil es ihre eigenen Straßen entlastet, sondern auch weil sie wissen, dass sich das positiv auf die Stadtplanung (mehr Grün, weniger Parkplätze) auswirkt und vor allem mehr Touristen in ihre Stadt spülen kann. Dazu gehört auch, dass endlich der Schwachsinn mit den Verkehrsverbünden aufhört und ich z. B. nicht mehr überlegen muss, welche unterschiedlichen (!) Tickets ich kaufen muss, um von hier nach bspw. Köln oder Dresden zu fahren. Alleine dass NRW mehr als ein Ticketsystem hat, ist absurd, verursacht hohe administrative Kosten, verkompliziert das Reisen und macht keinen Spaß. Einfach muss es sein und bezahlbar.

Fernverkehr und Nachtzüge und das Auto

Schnelle Verbindungen wie ICE, Thalys und Co dürfen gerne weiter Geld kosten. Sie sollen eine zweckgebundene Alternative darstellen. Was ich mir aber wünsche ist, dass die europäischen Bahnen nach österreichischem Vorbild das Nachtzugnetz ausbauen. Und zwar massiv. Und das auch für Autos.

Das Aufkommen der E-Autos stellt eine Veränderung der Fahrgewohnheiten dar, wenn alle paar hundert KM nachgeladen muss. Züge wären da optimal: Stellt Euch vor, Ihr macht Urlaub in Österreich. Ihr ladet Abends Euer E-Auto auf den Zug, stöpselt es ein, geht in den Zug. Abendessen, schlafen, Frühstück und am nächsten Vormittag seid Ihr bspw. in Wien, Euer 100% aufgeladenes Auto wird abgeladen und ihr fahrt nur noch die Strecke zum finalen Ort. Schon aus der Logik heraus, denn was haben Züge mehr als genug, wenn nicht Strom, wäre so etwas doch hochgradig sinnvoll. Aber auch was die Entspannung angeht, weil am eben nicht auf der A3 im Stau steht.

Wir müssen weg davon, irre viel Geld für Straßen und Autokaufprämien auszugeben und hin dazu, einen Teil des Geldes in den Ausbau und die Modernisierung des Schienenetzes zu stecken. Und das wir das nicht für nichts machen, sondern das die Menschen bereit sind, das anzunehmen, ihre Reisegewohnheiten zu ändern, das sehen wir am 9€-Ticket. Und schon deswegen darf nicht nach 3 Monaten Schluss sein. Im Gegenteil: Das, was wir heute erleben muss ein politischer Weckruf sein. Die von allen immer geforderter Verkehrswende ist möglich und muss jetzt kommen!

Und hier ist noch ein spanneder Faden dazu, was eigentlich alles schief läuft und warum, was die Bahn angeht, früher wirklich mehr Lametta war:

Kundenservice richtig gemacht: Deuter Sport GmbH

Kundenservice richtig gemacht: Deuter Sport GmbH

Ich habe eine ganze Reihe von Rucksäcken, fürs Fahrrad, zum Klettern, zum Reisen und die meisten davon sind tatsächlich von Deuter Sport. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass ich schon vor gefühlt 100 Jahren einen Rucksack gekauft habe, der praktisch nicht kaputt zu kriegen war. Und mich 365 Tage im Jahr begleitet hat.

Jetzt hatte ich an einem Rucksack ein Problem: Einer der Schnellverschlüsse ist gebrochen – keine Ahnung wie (*draufgetreten hust*).

Das war ärgerlich. Aber Deuter ist ja irgendwie eine Firma die ich gut in Erinnerung habe, also dachte ich: google mal. Und was soll ich sagen?

 

EIne Rucksackschnalle

Online bestellt, 2 Tage später war das Paket da und die neue Schnalle lag in meiner Hand. Und jetzt ratet mal, was die gekostet hat?

Zwei fuffzig.

Nein ernsthaft. 2 Euro 50. Für eine Schnalle für einen Rucksack den ich vor fast 10 Jahren gekauft habe. Na gut, plus Porto. Aber hey, ich war trotzdem angetan – weil das heute nicht selbstverständlich ist, auch wenn es selbstverständlich sein sollte. Für mich aber auch ein klares Zeichen, dass ich mit den Rucksäcken einen guten Kauf gemacht habe – mal abgesehen davon, dass die beim Tragen und Nutzen ohnehin 100% meiner Erwartungen erfüllen.

 

Nein, ich bin nicht mit Deuter in irgendeiner Weise verbunden, bekomme kein Geld, habe meine Bestellung brav bezahlt und mache keine Werbung. Ich erzähle Euch nur von meinen privaten Erfahrungen. Nur falls da jemand auf komische Gedanken kommt.

Mein und Dein und Unser

Mein und Dein und Unser

Eines der Dinge, die mich an unserer aktuellen Wirtschaft faszinieren ist, wie leichtfertig die Menschen heute bereit sind für ein Produkt zu bezahlen und es trotzdem nicht zu besitzen. Das wird häufig als „Abo-Modell“ getarnt, wenn z. B. Software nicht mehr gekauft, sondern nur noch gemietet wird. Die Hersteller versprechen, dass man so immer die optimale Software habe, immer alle Updates bekomme.

Was sie nicht sagen: Man ist ihnen ausgeliefert, denn wenn man mit den Konditionen irgendwann nicht mehr einverstanden ist, hängt man am Fliegenfänger. Zahlt man nicht mehr regelmäßig, kann man die Software auch nicht mehr nutzen. Für die Hersteller ein Win-Win: Sie erhalten regelmäßige Cashflows und haben zudem die Kontrolle über die Verwendung der Software.

Aber das ist ja nicht der einzige Punkt. Musik zum Beispiel wird heute fast nur noch gestreamt und online erworben. Zumeist in proprietären Formaten, die bedingen, dass der Musicplayer sich gelegentlich bei einem Lizenzserver versichert, ob man diese Musik überhaupt noch hören darf. Denn gekauft hat man sie im eigentlichen Sinne nicht, man mietet sie vielmehr. Was passiert, wenn auch große Firmen keinen Bock mehr haben, sah man sehr schön bei Microsoft: Das einst als Alternative zum iTunes-Store gehypte Zune wurde dicht gemacht, die Nutzer verloren ihre Musik.

Und was bei Musik möglich ist, die nicht mehr als CD im Regal steht oder wenigstens DRM-freies MP3 auf der Festplatte liegt, geht natürlich auch bei eBooks. Unvergessen der Fall, als Amazon einfach mal gekaufte eBooks von den Readern seiner Kund*innen fernlöschte. Und das ausgerechnet bei den dystopischen Romanen „1984“ und „Animal Farm“.

Und auch im Smart Home kaufen die meisten Leute kaum Geräte, die sicher nur im eigenen Haus laufen. Vielmehr brauchen praktisch alle großen Systeme eine Interntverbindung und nutzen unnötiger und unsicherer Weise „Cloud-Services“. Und auch hier gilt: Hat der Hersteller keinen Bock mehr, hat der Kunde verloren.

Es ist ja nicht so, als erhielten wir als Kund*innen Vorteile dadurch. Oder günstigere Preise. Nein. Wir geben ausschließlich die Kontrolle aus der Hand, binden uns langfristig an Firmen mit undurchsichtigen Verträgen und akzeptieren stillschweigend, dass die Dinge, die wir vermeintlich kaufen, gar nicht in unseren Besitz übergehen. Sondern wir nur das temporäre Recht zur Nutzung erwerben.

Und irgendwie… so richtig scheint das niemanden zu stören, oder?

 

Wenn einer eine Reise reist…

Wenn einer eine Reise reist…

Vor ein paar Tagen hatte ich mich, auf meine bekannt zurückhaltende Art, über das Fliegen geärgert.

Natürlich konnte und wollte ich es nicht darauf beruhen lassen und bin – was ich vielleicht von Anfang an hätte machen sollen – in ein Reisebüro spaziert. Konkret in das Reisebüro Ankerplatz hier in Voerde, dessen größter Vorteil ist, neben der favorisierten Buchhandlung Lesezeit zu liegen 🙂 Natürlich hatte ich per Mail vorgewarnt, was ich brauche (Flug nach Spitzbergen) und was ich nicht brauche (Wien oder München auf der Route und 17h Reisezeit).

Und tatsächlich konnte Julia Vowinkel-Hochstay, die das Büro leitet, mir ausgesprochen gut helfen. Sie hat mir einen Flug direkt nach Oslo und von dort direkt nach Spitzbergen buchen können und auch gleich ein passendes Hotel gefunden. Und was soll ich sagen: ich fliege um 7 Uhr los und bin noch vor 13 Uhr am Zielort. Also keine 6 Stunden.

Das sie den Flug gefunden hat, finde ich phänomenal. Das zeigt aber auch, wie wichtig solche Dienstleister nach wie vor sind. Denn über das Internet buchen ist schön und gut, dort wird aber vor allem das Massengeschäft bedient und die „ökonomische Priorität“ berücksichtigt. Die halt nicht zwingend im Sinne der Reisenden ist. Und in meinem Fall, als jemand der nicht wirklich sagen kann, dass er die Tricks und Kniffe des Reisegeschäfts kennt, wäre es mir praktisch unmöglich, selber diesen Flug so zu finden und zu buchen.

Was mir jetzt natürlich aufstößt: Mein „kurzer“ Flug – sowohl in Zeit und Strecke – ist natürlich teurer, als wenn ich eine Runde über Wien oder München drehen würde. Das bedeutet, dass die eigentlichen Kosten, wie die Umweltfolgekosten, nach wie vor nicht eingepreist sind. Weswegen es sich für die Fluggesellschaften weiter lohnt, so auf den ersten Blick unsinnige Flüge über die großen Hubs anzubieten. Will man dagegen möglichst wenig fliegen, wird es teurer. Statt billiger, weil eigentlich derjenige, der Luftkilometer vermeidet, besser gestellt sein sollte als der, der Umwege fliegt. Aber Ökonomie und Ökologie passen halt noch lange nicht überall zusammen.

Anyway: Reisebüro Ankerplatz, 5 von 5 Sternen.

Von Renten, Aktien und Angst

Von Renten, Aktien und Angst

Die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP berät gerade auch eine große Reform des Rentensystems. Das wir das anpacken müssen, ist vermutlich unstrittig. Was mich irritiert ist, dass immer sofort Angst ins Spiel kommt. Das geht alles nicht, davon profitieren die Falschen und so weiter.

Vor ungefähr einem Jahr hatte ich dazu schon mal was gepostet. Dabei ging es mir vor allem darum, dass es wenig gangbare Alternativen gibt. Und die, die es gibt, macht der Staat unattraktiv:

Warum also fordert der Staat auf der einen Seite, dass wir privat vorsorgen, erlaubt auf der anderen Seite aber nur 6,65 VL vom Arbeitgeber und maximal 801€ an Erträgen, bevor das Finanzamt wieder zuschlägt?

Das ist für mich nicht logisch.

Natürlich rufen die üblichen Verdächtigen sofort wieder, wie schlimm das alles ist. Selbst erfolgreiche Modelle wie der Staatsfond in Norwegen sehen sich konstanter Kritik ausgesetzt. Dabei liegen die Fakten eigentlich auf der Hand:

  1. Wir müssen weg von einem System, das Lohn als Ausgleich für körperliche Arbeit versteht und hin zu einem System, in dem die Menschen am Gewinn und der Produktivitätssteigerung (ihrer) Unternehmen profitieren können.
  2. Wir müssen weg von einem Steuersystem, das private Vorsorge bestraft und ausschließlich staatliche Lösungen vorzieht, an denen einige wenige sich dumm und dämlich verdienen, während der große Teil leer ausgeht.
  3. Wir können Unternehmen die Chance eröffnen, über steuerbegünstigte Altersvorsorgen Wettbewerbsvorteile im War on Talent zu erhalten.

 

Was auf den ersten Blick vielleicht wie der Traum der FDP aussieht, ist auf den zweiten Blick einer ganz simplen Tatsache geschuldet: Dank sinkender Zahlen jungen Erwerbstätigen und steigender Zahlen von Rentenbezieher*innen, ist das bisherige Rentenmodell nicht mehr tragfähig. Die bisherigen Ansätze kaschieren das Problem, lösen es aber nicht.

Tatsächlich glaube ich nicht, dass wir um ein System herum kommen, dass wirtschaftlich arbeitet. Und dazu gehört auch, dass das Rentensystem selbst in der Lage sein muss, Überschüsse zu erwirtschaften, die dann reinvestiert werden können. Das Rentensystem muss in der Lage sein, Wirtschaftserfolg der Unternehmen, deren Mitarbeiter es absichert, zu partizipieren.

In sofern würde es mich wahnsinnig freuen, wenn wir die neue Regierungsperiode nutzen würden, um wirklich mal eine echte Rentenreform anzustreben. Die sowohl eine sichere und auskömmliche Grundrente im Kern haben muss, wie auch die Möglichkeit der privaten und vor allem ernst zu nehmenden eigenen Vorsorge für das Alter.

Denn machen wir uns nichts vor: Das bisherige System wird den zukünftigen Anforderungen nicht Stand halten. Ein Umbau des Rentensystems wird aber, wenn man es richtig angeht, Jahre dauern. Vermutlich deutlich mehr als eine Legislaturperiode.

In sofern wünsche ich mir, dass Kritiker und Befürworter ein gemeinsames Gesprächsniveau finden. Denn unstrittig ist doch, dass wir etwas machen müssen. Und die Frage was wir machen wollen, kann man doch am Besten in einem gesellschaftlichen Konsens beantworten. Oder?

Das Zerbrechliche Paradies

Das Zerbrechliche Paradies

Ich hatte am Wochenende das Vergnügen, in Oberhausen die Ausstellung „Das zerbrechliche Paradies“ im Gasometer zu besuchen. Dabei handelt es sich um die erste Ausstellung nach der Sanierung der Landmarke und ich war gespannt, wie es sein würde.

Die gute Nachricht ist, dass die Renovierung so durchgeführt wurde, dass man sie als Besucher*in kaum bemerkt. Im Gegenteil, den meisten dürfte nicht einmal auffallen, was sich alles geändert hat.

Im Wesentlichen wurde die innere Struktur beibehalten und modernisiert. Das bedeutet aber auch, dass sich die hauptsächlichen Kritikpunkte nicht geändert haben – die man aber mitkauft, wenn man ins Gasometer geht:

Es ist alles andere als warm. Dafür aber zugig. Und natürlich gibt es im Inneren immer noch keinen Handy-Empfang 😉

Aber wir sind ja auch nicht da, um zu telefonieren. Sondern um Kultur zu erleben. Und hier setzt die Ausstellung nahtlos fort, was zum Beispiel die Ausstellung „Der Berg ruft“ vorher boten:

Eine wunderschöne Ausstellung „wunderschöner“ Bilder.

Die aufmerksame Leserin und der aufmerksame Leser wird jetzt vermutlich angesichts der Gänsefüßchen ein bisschen irritiert sein. Aber lasst mich das erklären.

Ausgestellte Fotos im Gasometer in der Ausstellung "Das zerbrechliche Paradies"
Ausgestellte Fotos im Gasometer in der Ausstellung „Das zerbrechliche Paradies“

Die Ausstellung ist wie immer absolut fantastisch. Der sehr sparsame Einsatz von Lichteffekten, die sehr großen und  fantastisch gemachten Fotos ziehen die Besucher*innen sofort in ihren Bann. Durch die schiere Größe des Gasometer und die große Anzahl von Fotografien, unterbrochen von gut platzierten Multi-Media-Installationen, verteilen sich die Besucherströme auch sehr gut.

Das „Problem“ ist der Aufbau der Ausstellung. Wie üblich erstreckt sie sich über 2 Etagen mit einem „Centerpiece“ in der dritten Etage. Letzteres ist auch eine extrem gelungene Darstellung der Erde im Wandel der Zeit und mit den Spuren, die wir Menschen zu Lande, Wasser und in der Luft hinterlassen. Die Fotos im ersten Stock, die hier auf den Bildern zu sehen sind, setzen den Ton: Wunderschöne Landschaften, wunderschöne Bilder.

Menschen in der Ausstellung "Das zerbrechliche Paradies" vor den ausgestellten Bildern
Menschen in der Ausstellung „Das zerbrechliche Paradies“ vor den ausgestellten Bildern

 

Die zweite Etage dagegen zeigt die Zerbrechlichkeit. Und das auf eine extrem gelungene Art und Weise. Die Bilder dort haben überhaupt nichts mehr von der Leichtigkeit der gezeigten Exponate eine Ebene tiefer. Dafür gehen sie voll ins Herz und machen deutlich, wie illusorisch die Vorstellung ist, wir hätten keinen Einfluss das Weltgeschehen. Und sie machen auch ein wenig Angst, ob…

Aber ich will nicht zu viel verraten.

Ich möchte Euch statt dessen auffordern, die Ausstellung zu besuchen. Sie ist den Eintritt (RuhtopCard frei, Vollzahler 10€, Ermäßigt 8) mehr als Wert und wird Euch für Stunden in ihrer Mitte gefangen halten.

Wenn Ihr dann irgendwann die „Tonne“ wieder verlasst und vielleicht nicht aus der Gegend seid: Macht Euch die Mühe mal auf das Dach des Gasometer zu gelangen. Von dort habt Ihr, wenn das Wetter passt, einen hervorragenden Blick über das gesamte Ruhrgebiet. Und dann versucht Euch vorzustellen, wie dreckig und stark industrialisiert die Gegend rund um das Gasometer vor wenigen Jahrzehnten noch war. Und vielleicht ist das Grün, vielleicht sind die bunten Blätter jetzt im Herbst, vielleicht ist der Blick auf das Große und Ganze noch mal Grund, die Bilder vor dem inneren Auge Revue passieren zu lassen.

Blick über das Ruhrgebiet, hier Richtung Westen, vom Dach des Gasometer Oberhausen
Blick über das Ruhrgebiet, hier Richtung Westen, vom Dach des Gasometer Oberhausen

Wer nicht die Treppen auf die über 100 Meter hohe Plattform laufen will, kann auch den Aufzug nehmen. Wegen Corona allerdings derzeit auf 4 Personen pro Fahrt (sonst 14) beschränkt. Bringt also ggf. etwas Wartezeit mit. Es lohnt sich aber.

Meine Empfehlung wäre, morgens ins Gasometer zu gehen. Da insbesondere am Wochenende ab Mittags die Besucherströme doch erheblich zunehmen. Und solltet Ihr Lehrerin oder Lehrer sein: Ich würde mich freuen, wenn Ihr vielleicht mit Euren SuS eine geführte Tour macht. Ich glaube, dass möglichst viele Menschen sich möglichst oft mit unserem Wirken, den Folgen und unserer Verantwortung auseinandersetzen sollten.

 

Volvo vs. Jaguar: Wann ist viel zu viel?

Volvo vs. Jaguar: Wann ist viel zu viel?

Die Älteren unter Euch werden sich noch erinnern:

Ich stehe gerade vor der Frage, ob ich weiter ein Auto haben will und wenn ja, welches. Das ist nicht so einfach, weil ich von meinem Hybrid auf einen reinen Stromer umsteigen will. Also nehme ich mir mal viel Zeit und teste die Autos, die es so gibt. Diesmal im Angebot: Volvo XC40 Recharge Pure Electric vs. Jaguar iPace EV400.

Vergleichsmodell ist mein XC60: Ich brauche einen gewissen Raum für mich und muss ein relativ hohes Ladevolumen (eher in Umfang als Gewicht) haben. Deswegen bin ich damals von Kombi auf SUV umgestiegen: Die Karre lässt sich höher beladen. Anyway.

Der Volvo XC40 Recharge Pure Electric

… ist nach dem Einsteigen ausgeschieden. Und nach der Probefahrt ganz unten durch gewesen. Das klingt hart, liegt aber am Vergleichsmodell und meinen Eigenheiten. Fangen wir mit letzteren an:

Ich habe durch mein eher ungewöhnliches Verhältnis von Oberkörper- und Beinlänge eine etwas spezielle Sitzposition. Dummerweise gibt es aktuell den Trend, den durch die Elektrifizierung frei werdenden Platz zu verbauen. Sprich: Die Mittelkonsolen bei vielen Autos werden in Richtung Front breiter. Für die Displays, Bedienelemente, haste nicht gesehen. Was dazu führt, dass ich, wenn ich sitze wie ich sitzen will, mit dem rechten Bein unangenehm an/auf der Mittelkonsole liege. Das ist im nur unwesentlich breiteren XC60 komplett anders gelöst. In ein Auto steigen und nicht wohl fühlen ist für mich ein K.O.-Kriterium, da – wenn ich mal fahre – ich lange Strecken fahre und einen hohen Komfort erwarte. Angesichts des Preises.

Ich bin ihn dann trotzdem gefahren (auch weil ich demnächst mal in den neuen C40 hypfen will und hoffe, dass es dort anders ist). Die nominal hunderten von PS sind mir eigentlich wurst: E-Autos haben einen massiven Anzug und Volvo regelt eh bei 180 ab. Aber auf der Haben-Seite: wie der Polestar ist der XC40 super leise, lässt sich perfekt im One-Pedal-Drive steuern und ist, was das angeht, ein echter Volvo.

Bis auf „Kleinigkeiten“. Die dem Auto den Garaus machen.

Ich nutze wahnsinnig viel „Pilot Assist“, eine Mischung aus Spurfolgeassistent und semiautonomen Fahren. Und zu meiner Überraschung ist der neuere XC40 (Modelljahr 2021) hier schlechter als mein XC60 (Modelljahr 2020). Und zwar in einem absolut kritischen Punkt:

Der XC60 passt die Geschwindigkeit nicht nur den voraus fahrenden Fahrzeugen und der erlaubten Geschwindigkeit an. Sondern vor allem auch vor Kurven. Ich musste lange suchen um ein passendes Video zu finden, dass ich hier mit freundlicher Erlaubnis des Erstellers verwende. Wenn Ihr genau auf das Display schaut: Vor Kurven werden diese angezeigt und dann wird die Geschwindigkeit soweit reduziert, dass flüssig durch die Kurve gefahren werden kann:

Und jetzt ratet mal, was der XC40 nicht macht. Und mich damit in eine gefährliche Situation brachte, weil ich überhaupt nicht auf die Idee gekommen wäre, dass ein neueres Auto weniger kann, als ein älteres Auto – bei gleich benannter Funktion.

Die übrigens für einen weiteren Kopfschüttler gut war: Im XC 60 habe ich am Lenkrad links zwei Pfeiltasten. Ist der Abstandstempomat an und ich drück nach rechts, schaltet er auf Pilot Assists. Drücke ich nach links, geht das Auto wieder in den Tempomat. Drücke ich noch mal nach links, geht es in den Limiter, der das Auto auf der erlaubten Geschwindigkeit hält. Aus in dem ich nach rechts drück.

Im XC40? Da geht Pilot Assist an, wenn ich nach rechts drücke. Drück ich nach links passiert… nichts. Die Taste ist nicht belegt. Um ihn aus zu schalten, muss ich wieder nach rechts drücken. Wer denkt sich bitte so einen Unsinn aus?

Die Verarbeitung ist unterhalb des XC60, damit ließe sich noch leben. Aber wie schon eingangs erwähnt: Das Auto ist schlicht zu klein für den Berg von Mensch.

Somit ist der XC40 zwar (technisch) noch besser als der Hyundai, aber eben nicht das, was ich haben will. Schade.

Jaguar iPace EV400

Jaguar hat einen eigentlich ganz schicken Wagen als ersten Stromer raus gebracht, den iPace. Also bin ich den auch mal Probe gefahren. Von innen ist das ein sehr schickes Auto, dass gerade so genug Platz für meine Beine bietet. Ich sitze bequem, das ist ein großer Pluspunkt – trotz ebenfalls nach vorne (noch) breiter werdender Konsole.

Vollkommen irritiert war ich, wie unfassbar laut es in dem Auto bei höheren Geschwindigkeiten wird. Das könnte ich ignorieren, weil ich selten schneller als 120 fahre, aber es verblüffte mich, angesichts der angenehmen Stille im Polestar 2 und XC40.

Was ich gar nicht verstanden habe ist folgendes: Hinter dem Lenkrad ist eine in Klavierlack(!) gehaltene konkave(!) Fläche. Was macht die? Sie spiegelt alles, was am Fenster vorbei zieht und produziert Bewegung an einer Stelle, wo sie nicht sein sollte. Das lenkt furchtbar ab und ich halte das für eine absolute Fehlplanung:

Wie kann sow as passieren?

Das Raumangebot ist bescheiden, wenn man die Vordersitze verlässt. Das ist im Polestar nicht anders. Das Problem ist, dass eine Anhängerkupplung nur manuell abnehmbar für ungefähr 1500€ verfügbar wäre oder ein spezieller Fahrradträger, der keine Kupplung braucht, für ungefähr den gleichen Preis. Und da sind wir schon beim Hauptproblem: Dem Preis!

Selbst in der größten Ausstattungslinie HSE fehlen zahlreiche „Extras“, die ich eigentlich schon fast als Serie erwarten würde. Konfiguriere ich das so, wie ich es möchte, erhalte ich (von der Größe) einen Mittelklasse-Wagen für einen Listenpreis von mehr als 120.000€. What. The. Fuck. Und dafür gibt es eine manuell abnehmbare Hängekupplung.

Zum Vergleich: Der XC60 den ich habe kostet mit vergleichbarer Ausstattung laut Liste nur etwas mehr als die Hälfte. So wahnsinnigen Extras wie „keine Chromleisten am Fenster“ oder „Heckscheiben verdunkelt“.

Und, ganz wichtig: Ein Spurfolgeassistent ist nicht verfügbar.

Neues Fazit

Ich weine, weil es keinen XC60 rein elektrisch gibt 😉 Aktuell ist der Polestar 2 ganz weit vorne, der Hyundai die günstige Alternative. Den Jaguar werfe ich wegen des Preises und der absolut unverschämten Extra-Politik aus dem Rennen. Den XC40, weil er schlicht für mich zu klein gebaut ist.

Ich bin mal gespannt, wie die Suche weitergeht. Vielleicht muss ich doch mal Benz, BMW, VW und Tesla mit in die Auswahl nehmen, was ich eigentlich nicht wollte, da (bis auf Tesla) diese Marken bei mir alle mit Makel behaftet sind. Und Tesla…. der Tesla den ich hätte mir dann doch mit deutlich über 100k wieder sehr viel zu teuer ist.