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Category: Gesellschaft & Wirtschaft

Volvo vs. Hyundai: You get what you pay for?

Volvo vs. Hyundai: You get what you pay for?

Als ich meinen aktuellen Hybrid geholt habe, stand ich vor einem Dilemma:

Mir war klar, dass Verbrenner keine Zukunft haben. Der Markt an Stromern war aber sehr überschaubar und ich hatte gefühlt die Wahl zwischen Pest (Teuer!) und Cholera (Schlecht!). Dazu kam, dass ich ein sehr eigenwilliges Fahrprofil habe: Ich fahre sehr selten Auto, dann aber eher lange Strecken auf denen ich ein hohes Ladevolumen brauche. Das Auto kommt halt immer (erst) dann zum Zug, wenn ich nicht mit dem Rad oder der Bahn fahren kann. Ein für mich sinnvolles E-Auto konnte ich damals nicht finden.

Also fiel meine Entscheidung übergangswseise auf einen Hybrid. Mit einer relativ kurzen Leasing-Dauer, um ihn gegen ein hoffentlich „sinnvolleres“ Auto tauschen zu können. Ein solcher Tausch steht absehbar an und ich habe beschlossen, mir die Zeit zu nehmen, möglichst viele E-Autos zu testen. Von ein paar Tests möchte ich Euch berichten – und die Vergleiche werden alles andere als fair sein und höchst subjektiv.

Wichtig ist mir, neben einem geringen Verbrauch der Komfort und die Sicherheit. Das ist natürlich mit der Grund, warum ich seit vielen Jahren Volvos fahre, die für mich die optimale Kombination aus sparsam, komfortabel und sicher bei hohem Ladevolumen darstellen. Aber es gibt ja auch andere Väter mit hübschen Töchtern. Vielleicht ist ja mal Zeit für was Neues?

Polestar 2
Polestar 2

Das erste getestet Fahrzeug war der Polestar 2. Polestar war früher für Volvo  das, was AMG für Mercedes ist, also die „Performance“-Sparte. Seit dem das Unternehmen einem Chinesischen Konzern gehört, ist man dort aber auch sehr auf Elektro fixiert. Der Polestar 2 ist dabei ein spannendes Auto: Eigentlich ist es ein Volvo, aber halt elektrisch. Inzwischen bietet auch Volvo Vollelektrisch an (XC40, C40), mit der Technik von Polestar.

Der Polestar von Innen - unverwechselbar ein Volvo
Der Polestar 2 von Innen – unverwechselbar ein Volvo

Das bedeutete für mich: Einsteigen und wohlfühlen. Die Sitze sind absolut spitze (Volvo halt), die Bedienung einfach und eingängig und die zahlreichen Helfer für Komfort und Sicherheit lassen keine Wünsche offen. Das Problem das ich hatte: Ich hätte ihn am liebsten direkt mitgenommen – alle folgenden Fahrzeuge müssen sich also an ihm messen lassen.

Was mir super gefällt ist, dass der Wagen beim Beschleunigen erwartungsgemäß einen in die Sitze drückt – was aber für mich noch wichtiger ist: Nach Erreichen der Zielgeschwindigkeit einfach nur dahin gleitet. Flüsterleise und extrem komfortabel. Bei meinem „Testverbrauch“ wäre ich hochgerechnet auf knapp 550km gekommen. Definitiv ist das Fahren des Polestar 2 wie ich mir das Fahren in einem E-Auto vorstelle.

Auf Youtube wurde ich dann auf den Ionic 5 von Hyundai aufmerksam. Vor einigen Jahren hab ich mal nach einem Kleinwagen geschaut und das, was Hyundai damals angeboten hat, war lächerlich. Ernsthaft. Das scheint auch bei der Firma angekommen zu sein, denn der Ionic 5 ist Lichtjahre von den rollenden Destatern entfernt, die Hyundai mal angeboten hat. Jetzt hatte ich die Gelegenheit mal eine ausgiebige Testfahrt (Landstraße, Stadt, Autobahn) machen zu können. Dazu hatte ich mir ein Modell mit Vollausstattung geben lassen.  Spoiler: Damit ist er immer noch gut 10.000€ preiswerter als der Polestar 2. Die Frage: Warum?

Der Ionic5 von innen, sehr luftig, 5x USB-Lader
Der Ionic5 von innen, sehr luftig, 5x USB-Lader

Die Verarbeitung des Hyundai wirkt auf mich sehr gut. Die Sitze sind bequem, wenn auch nicht ganz so gut wie im Volvo – aber selbst die teuren BMW reichen da m. M. n. nicht dran. Das Design des Hyundai ist an einigen Stellen sogar sehr viel futuristischer gehalten, als das eher nüchterne Design des Polestar 2.

Der Unterschied kam dann beim Fahren und ich finde es erstaunlich, wie viel Unterschied Software machen kann. Über das Fahrwerk will ich nicht reden, denn mein Volvo hat ein „Adaptives Luftfahrwerk“ und fährt wie eine Sänfte, der Polestar ist eher sportlich straff, der Hyundai gemütlich ausgelegt. Aber die Assistenzsysteme sind Welten voneinander entfernt. Das ist mir besonders an folgenden Punkten aufgefallen:

Ich fahre fast immer mit Abstandstempomat und „Pilot Assist“ im Volvo, einer Art semiautonomen Fahren, dass der Hyundai in Teilen (Spurführungsassistent) auch hat. Jetzt sind mir 2 grobe Unterschiede aufgefallen:

Tempo 100, Landstraße. Das Auto fährt auf eine Kurve zu. Der Volvo / Polestar 2 zeigt mir die Kurve an und reduziert die Geschwindigkeit auf ein Niveau, dass sich immer sicher und kontrolliert anfühlt. Das geht soweit, dass ich sogar mal Serpentinen ausschließlich mit Pilot Assist gefahren bin, also ohne Pedale oder aktives Lenken. Der Hyundai dagegen? Hält einfach sein Tempo :-O

Das wäre an sich nur halb so schlimm, würde einem die Lenkung und das Fahrwerk beim Hyundai nicht bei jeder Gelegenheit vermitteln, keine schnellen Kurven und Lastwechsel zu mögen. Mit anderen Worten: Fühlt man sich im Volvo / Polestar 2 in Abrahams Schoß und kann dem Auto vertrauen, muss man beim Hyundai genau wissen, ab wann man selber eingreifen muss.

Die zweite, damit zusammenhängende „Macke“ habe ich beim Abbiegen festgestellt. Wenn ich hinter einem Auto abbiege (ich habe den Blinker an) und das Auto vor mir abgebogen ist, weiß der Volvo / Polestar 2, dass ich auch abbiege. Er verringert weiter das Tempo.

Nicht so der Hyundai: Das Auto vor mir ist abgebogen und der Abstands-Tempomat denkt sich – trotz eingeschaltetem Blinker: Ach gib mal Gas, ist ja alles frei. Das Risiko hier entsteht dadurch, dass E-Autos sehr schnell beschleunigen können. Stellt Euch vor Ihr wollt 90° abbiegen und plötzlich drückt Euer Auto so richtig auf die Tube.

Diese beiden Effekte haben den eigentlich guten Abstandstempomaten abgewertet. Gut war er in Sachen Abstand halten und Erkennung von Radfahrern.

Was aber zusätzlich das Gefühl der Unsicherheit erhöht hat: Wenn ich mit dem Volvo / Polestar 2 überholen will, erkennt der Pilot Assist das. Er beschleunigt von selbst um das Überholen schnell zu beenden und wenn ich nicht richtig in die Spur zurückfahre, lenkt er mich in sie zurück. Der Hyundai dagegen reagiert auf Überholmanöver „verzögert“. Ich kann es nicht anders ausdrücken. Es ist, als ob zwischen Lenkimpuls geben und dem Folgen eine „Denksekunde“ liegt.

Eine weitere Merkwürdigkeit ist, dass der Abstandstempomat bei Hyundai wesentlich später, dafür aber stärker bremst. Ich weiß nicht ob das die Leistungsfähigkeit der Rekuperation (Stromgewinnung aus dem Bremsvorgang) verbessert, auf jeden Fall ist es etwas gewöhnungsbedürftig.

Und dann kommt was, das ich gar nicht verstehe:

Der Hyundai hat ein Feature, dass ich absolut super finde: Beim Einschalten des Blinker wird das Bild der jeweiligen Spiegel-Kamera ins zentrale Display eingeblendet. Das reduziert nicht nur den toten Winkel erheblich, ich würde sogar ein kleines Kind auf einem winzigen Fahrrad sehen können – so eine simple Idee, so eine gute Wirkung. Die Hyundai direkt zunichte macht: In einigen (nicht spontan reproduzierbaren) Situationen will mich das Assistenzsystem animieren, auf andere Fahrzeuge zu achten. Dazu macht es einen Warnton und im Display erscheint „achten Sie auf andere Verkehrsteilnehmer“. Auf die ich in dem Moment NICHT achte, weil ich ja die Meldung lese. WTF?

Das verbaute Bose-Audiosystem macht dafür in dem Hyundai ähnlich Spaß wie die Harman-Kardon im Volvo / Polestar 2. Allerdings ist der Polestar 2 von innen noch mal sehr viel leiser als der Ionic 5 – für mich als Hörbuchliebhaber ein großer Unterschied.

Abzüge gibt es allerdings für die Menüführung im Ionic 5. Versucht niemals das Auto während der Fahrt zu bedienen. Das Menü ist so unlogisch und tief verschachtelt, Ihr findet Euch ohne hinschauen nicht zurecht. Hier kann Hyundai vielleicht mal bei Volvo / Polestar abgucken.

Fazit:

Der Hyundai Ionic 5 ist ein E-Auto, das Spaß macht und ein hohes Sicherheitsniveau mitbringt. Allerdings wesentlich weniger Fahrspaß vermittelt als ein Volvo / Polestar 2 und leider einige „Bugs“ in der Software hat, die man noch ausmerzen sollte, weil sie gefühlt die Sicherheit verringern.

Allerdings wird im direkten Vergleich deutlich, dass der Aufpreis bei Polestar für ein wesentlich entspannteres und stimmiges Fahren entrichtet wird.

Und jetzt noch ein kleiner Lacher:

Ich dachte die erste Stunde, der Hyundai hat das schlechteste Head Up Display aller Zeiten, weil ich es trotz maximaler Helligkeit nur im Schatten ablesen konnte. Bis ich durch Zufall heraus fand: Sowohl das, als auch die Subjektiv nicht lesbaren Symbole an den Lenkradtasten lagen an meiner Sonnenbrille.

Ich habe eine Sonnebrille mit Polfilter. Das HuD im Hyundai braucht genau 90° gedreht – halte ich meine Brille hochkant, leuchten die Tasten fröhlich und das HuD ist gut lesbar. Trage ich sie normal, ist es unsichtbar, genau wie die Tasten. Darauf muss man erst mal kommen 😀

 

Ich bin geblitzt worden. Und das ärgert mich. So richtig.

Ich bin geblitzt worden. Und das ärgert mich. So richtig.

Offensichtlich bin ich letzten Monat mit dem Auto gefahren. Und offensichtlich war ich zu schnell. Denn heute bekomme ich von der Stadt Duisburg ein nettes Schreiben nebst nettem Foto. Und der höflichen Bitte, dem Stadtsäckel was Gutes zu tun. Und ich bin verärgert. So richtig.

Was mich so ärgert, sind drei Dinge:

  1. Ich habe meinen eigenen moralischen Standpunkt verlassen. Ich bin der, der den Menschen erklärt, dass auch geringe Geschwindigkeitsüberschreitungen in der Stadt fatale Folgen haben können. Und ich bin der, der mit 8 km/h drüber geblitzt worden ist. Ich bin übrigens auch der, der immer sagt: „Jammer nicht, wärst Du nicht zu schnell gefahren, wärst Du nicht geblitzt worden.“ Tja. So kann man an seinen eigenen Ansprüchen scheitern. 🙁
  2. Das ist einen Monat(!) her. Einen Monat. Ich wußte nicht mal mehr, dass ich vor einem Monat mit dem Auto in Duisburg war. Wie viel wirksamer wäre es gewesen, mich anzuhalten, mir eine Standpauke zu halten und mir zu erklären, dass auch „nur“ 8 km/h drüber einen wesentlichen Unterschied machen können? Ich hätte es verdient. So bin ich mehr damit beschäftigt zu überlegen, wieso ich a) mit dem Auto und b) in Duisburg unterwegs war.

 

3. Der ärgerlichste Punkt ist aber, dass ich nur 15€ bezahlen muss. Soll das ein Witz sein? Sogar mit Barcode, zum schnellen Überweisen mit dem Handy. Welchen Lerneffekt sollen denn bitte 15€ haben, für etwas, das ich vor einem Monat falsch gemacht habe? Anhalten hätte man mich müssen und dann bitte 150€ sofort und auf der Stelle. So scanne ich den Barcode, stecke das Knöllchen in den Reißwolf und werde es vermutlich morgen vergessen haben. Und das kann und darf nicht richtig sein. Zum Vergleich: eine(!) Karte für James Bond im UCI ist teurer, als so gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen zu haben. Wie will ich denn mit solchen „Strafen“ ein (nachhaltiges) Umdenken bewirken?

Also, liebe Verkehrspolitiker in Berlin: Ändert die StVO. Ich möchte mich über mein Fehlverhalten und eine spürbare Buße ärgern. Nicht darüber, dass man offensichtlich in Deutschland nach wie vor nicht wirklich dafür belangt wird, gegen Verkehrsregeln zu verstoßen. Und ja, stellt bitte genug Personen ein, damit direkt angehalten werden kann. Denn vor allem die direkte Konfrontation hilft, Fehlverhalten zu erkennen.

Von Bauern und Kartoffeln

Von Bauern und Kartoffeln

Viele Menschen, ich bin da keine Ausnahme, haben ein verklärtes Bild davon, wie unser Essen in den Supermarkt kommt. Natürlich schrecken wir ab und an auf, wenn man wieder ein Skandal aus dem Schlachthaus präsent ist. Und wir nehmen zur Kenntnis, wenn wegen schlechter Ernten höhere Preise angekündigt werden. Und ja, da war doch diese Demo von Landwirt*innen mit Treckern.

Auf Amazon gibt es jetzt eine Staffel, die in dem Zusammenhang sehr bemerkenswert ist. Es geht um Jeremy Clarkson und seine Farm.

Um das zu verstehen muss man wissen, wer Clarkson ist: Er ist der „Kopf“ eines Dreier-Teams von Moderatoren, die früher auf BBC die Sendung „Top Gear“ und jetzt auf Amazon „The Grand Tour“ moderieren. Er ist ein „Petrolhead“, Autos könne nicht groß und laut genug sein, Greta Thunberg hält er für überbewertet und Umweltschutz ist ein Thema, dass für ihn keine Rolle spielt. Und dann kauft er eine Farm.

Die Sendung beginnt damit, dass er beschließt, seine Farm selbst bewirtschaften zu wollen. Mit Hilfe, im Wesentlichen aber alleine. Und die Sendung beginnt, wie man es vermuten würde: Er kauft den größten Traktor von Lamborghini, den er kriegen kann.

Was dann folgt sind 8 Folgen, in denen man einem Mann dabei zusieht, wie er sein gesamtes Leben neu bewertet. Wie ihm auf ein Mal klar wird, welche Bedeutung die Natur, die Umwelt und die Landwirtschaft haben. Wie die Zusammenhänge sind und warum die Landwirtschaft mehr ist, als mit einem Traktor über den Acker zu rollen. Und wer bei der Geburt der Lämmer… aber ich will nicht spoilern.

Natürlich ist Clarkson Clarkson. Aber man sieht einen Menschen, der begreift, dass das Leben sehr viel mehr ist, als im Supermarkt ein Brot zu kaufen. Bis zum dramatischen Finale, wenn er am Ende eines Jahres ausrechnet, wie viel er verdient hat.

Das Jahr, dass gewählt wurde, ist besonders: Das Wetter scheint in England verrückt zu spielen – und Greta ist plötzlich unterschwellig sehr präsent. Corona wütet und auf ein Mal ist selbst London eine Geisterstadt, wie wir sie zuletzt in „28 Days Later“ gesehen haben. Und so wie Clarkson sich verändert, verändert sich auch das Publikum. Plötzlich sehen wir nicht nur die Felder, sondern die Arbeit. Wir verstehen, wie wichtig die Blühstreifen sind und vielleicht wird uns klar, wie viel Landwirte leisten und was sie dafür bekommen.

Ich wünschte, die Landwirte hier am Niederrhein würden vielleicht mal mit entsprechendem Aufwand eine Serie produzieren, wie ein landwirtschaftliches Jahr hier abläuft. Mit den Hochs und Tiefs und mit ehrlichen Einblicken. Dann würde es vielen Menschen vielleicht auch leichter fallen zu verstehen, was an den Preisen im Supermarkt nicht stimmt. Und vielleicht verstehen wir alle dann wieder, wie wichtig die Landwirtschaft für uns alle ist – auch angesichts berechtigter Kritik, wie z. B. Überdüngung und Massentierhaltung. Wobei die Frage hier lauten muss: Sind unsere Kritikpunkte nicht gegen die Symptome gerichtet, während die Ursache wir, die Verbraucher und unsere Geldbörsen aus Zwiebelleder sind?

Auf jeden Fall ist Clarkson’s Farm die für mich spannendste Produktion seit langem. Und ich finde, viel mehr Menschen sollten sie sehen. Also auch ihr.

 

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Die in diesem Beitrag gesetzten Links zu Amazon sind „Affiliate-Links“. Bei einem Einkauf über diesen Link wird ein geringer Teil des Umsatzes für den gutgeschrieben, der den Link gesetzt hat. Dadurch wird das Produkt für den Kunden nicht teurer, Amazon verdient nur etwas weniger – hat dafür natürlich Werbung für seine Seite. Alle Artikel auf unkreativ.net die einen solchen Link verwenden, sind auch mit der entsprechenden Kategorie gekennzeichnet.

Rente mit 68?

Rente mit 68?

Ich bin ja immer wieder erstaunt, wie flach politische Diskussion sein kann. Nehmen wir die neuste „Panikmeldung“, dass der wissenschaftliche Beirat empfohlen habe, das Renteneintrittsalter auf 68 Jahre zu erhöhen. 

Dazu ein Post von Altmaier auf Twitter:

Und heute morgen hat sich auch der NRW-Minister Laumann im WDR zu Wort gemeldet. Dessen Beitrag hat in die gleiche Kerbe geschlagen, war aber noch übler. 

Er endete damit, dass er froh sei, dass die Politik und nicht die Wissenschaft solche Dinge entscheide. Im Klartext: Fakten sind zweitrangig, Populismus ist wichtiger.

Aber was den Beitrag von Laumann noch schlimmer gemacht hat war, dass er sogar einen Bezug zum Umwelt- und Klimaschutz aufgemacht hat, so nach dem Motto „Zuviel vom Einen gefährdet das Andere“.  What the fuck, können wir mal über das Geld reden, dass wir der Automobilindustrie, den Fluggesellschaften und der Bundeswehr hinten rein blasen?

Was mich aber am Meisten an der ganzen Diskussion stört ist, dass wir weiter so tun, als müssten wir ein krankes System unbedingt am Leben halten. Ja, heute zahlen weniger Menschen für mehr Rentner/innen ein. So what? Dann muss ich einfach mal das System der Rente komplett überdenken. Das wir hier enorme Verluste durch so einen Bullshit wir Rürup und Riester haben, muss mal auf den Tisch.

Und ja, auch das Thema „private Vorsorge“. Ich höre jetzt schon wieder das Schreien, wer sich das denn leisten können soll. Aber wie wäre denn, wenn wir dafür die Rentenversicherungsbeiträge verringern und ein Modell schaffen, in der die Rente eine Basissicherung bietet und darüber hinausgehende Leistungen anderweitig erwirtschaftet werden können?

Das geht ein bisschen in Richtung des Rants, den ich vor ein paar Monaten geschrieben habe. Und die Frage warum ich eigentlich nicht steuerbegünstigt für den Ruhestand sparen kann, wenn ich das will. Weil das auch die Möglichkeit gäbe, in Phasen mit höherem Einkommen und niedrigeren Ausgaben (z. B. vor oder nach Kindern) mehr zu sparen und in anderen Phasen weniger? Warum werden keine steuerlichen Anreize für Arbeitgeber geschaffen?

Machen wir uns doch nix vor: So gut das Rentensystem in Deutschland auch ist, so überholt könnte es sein. Und statt immer nur an den Symptomen zu doktern oder Modelle für Versicherungen zu schaffen, damit die sich dumm und dämlich verdienen können, wäre es doch langsam mal an der Zeit, es so weiter zu entwickeln, dass es denen dient, die es nutzen wollen.

Natürlich ist das aufwändig. Aber wie das mit komplexen Themen so ist: Wenn man anfängt, wenn man noch Zeit hat, hat man sehr viel mehr Freiraum in der Gestaltung, als wenn man wartet, bis man aus der Not heraus agieren muss.

Und ja, speziell für die Herren Altmaier und Laumann sei gesagt: Dabei ist es besonders hilfreich, nicht auf Politik und Lobbyisten zu hören. Sondern auf Wissenschaftler wie Mathematiker, Statistiker und Finanzwissenschaftler. Mit dem Ziel, den Menschen ein System anzubieten, dass sie selbst so nutzen können, wie es für sie am Besten ist.

Und nur zur Vorsicht sei gesagt: Um so früher Menschen in Rente gehen, um so früher machen sie Jobs für junge Leute frei. Die dann wieder Wirtschaftsleistung generieren. Und Eltern, die wissen das ein Kind eine gute Aussicht auf einen Job haben, bekommen vielleicht eher eines. 

 

(Für die Nörgeler: Dieser Text ist kein Rentenkonzept. Sondern in Denkanstoß zum Selbstständigen Weiterdenken. Auch, wenn selber denken heute vielen zu anstrengend scheint 😉 )

Darf ich mich impfen lassen?

Darf ich mich impfen lassen?

Gestern Abend sprach mich eine junge Freundin an. Sie bräuchte moralischen Rat. Und ja, ich weiß auch nicht wieso sie da auf mich kam 😉 Anyway:

Sie hat die Möglichkeit bekommen, über ihren Arbeitgeber, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Und war sich nicht sicher, ob das nicht unmoralisch ist.

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Corona, Grippe, Masken: Why not?

Corona, Grippe, Masken: Why not?

Corona ist unzweifelhaft eine erhebliche Belastung für die ganze Welt und hat massiven Einfluss auf die Gesellschaft. Das geht weit über die kranken und verstorbenen Menschen hinaus und wird uns im Verkehr und in der Arbeitswelt noch lange beschäftigen.

Aber wenn wir mal die positiven Lehren aus Corona ziehen wollen: AHA, also Abstand, Hygiene und Alltagsmaske funktioniert. Nicht nur bei der Eindämmung von Covid-19, sondern eben auch bei anderen ansteckenden Krankheiten. So ist zum Beispiel die jährliche Grippewelle mit üblicherweise vielen Toten schlicht ausgefallen:

Mit bisher nur 519 im Labor bestätigten Fällen geht die wohl schwächste Grippe-Saison seit Jahrzehnten in Deutschland dem Ende entgegen. Für die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) am Robert Koch-Institut (RKI) sind mit diesen geringen Fallzahlen nicht einmal die Kriterien für den Beginn einer Grippewelle erfüllt worden, sagte eine RKI-Sprecherin: „Es hat in dieser Saison überhaupt keine Grippewelle gegeben.“

Quelle: Tagesschau

Und auch die offensichtliche Notwendigkeit von Impfungen scheint bei einem Großteil der Menschen angekommen zu sein. Aus der gleichen Quelle:

Das Interesse an der Grippe-Schutzimpfung war insbesondere zu Beginn der ersten und zweiten Corona-Welle größer als normalerweise. Von März bis Dezember 2020 sind nach Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) rund 3,5 Millionen mehr solcher Impfungen vorgenommen worden als im Vorjahreszeitraum.

Was ich aber hier diskutieren möchte, ist die Frage ob wir wirklich in Zukunft auf Masken, Abstand und Hygiene verzichten wollen. Die Frage klingt erst mal trivial: Ja, wir sollten mehr auf Hygiene achten und nein, wir wollen keine Masken.

Obwohl: Wollen wir das wirklich nicht?

Wenn ich mir andere Länder anschaue, wie z. B. Japan, ist es in deren Kulturen oft selbstverständlich eine Maske zu tragen, wenn man sich krank fühlt. Und warum sollten wir das nicht machen? Und wenn wir davon ausgehen, dass wir ja auch unbemerkt krank sein können, andere aber schützen wollen:

Warum denken wir nicht über eine Maskenpflicht bei Arzt- und Krankenhausbesuchen nach?

Denn mal ohne Witz: Bei vielen Ärzten sitzt man mit keuchenden und hustenden Menschen in einem nicht gut gelüfteten (ist ja kalt 😉 ) Raum zusammen und kann sich mit allem möglichen Anstecken, dass man noch gar nicht hat. Oder man steckt andere an, wenn man z. B. als Besucher ins Krankenhaus geht.

Ich finde, wir sollten also darüber nachdenken, ob wir nicht ohne Zwang und aus reiner Klugheit die Masken nicht nach Corona weg werfen, sondern gelegentlich nutzen. Und ob wir nicht doch eine Pflicht aufrecht erhalten, Masken überall dort zu tragen, wo der Schutz anderer Menschen besonders wichtig ist.

 

 

Corona & Shopping

Corona & Shopping

Corona hat viel in der Welt geändert. Homeoffice z. B. ist stark im Wachstum, die Paketdienste wissen nicht mehr wohin mit all den Paketen und überhaupt. Nur eine Sache hat mich irgendwie irritiert: Die Sache mit dem Einkaufen. Und da ich gerade mit meinem Steuerberater gesprochen habe, schreibe ich das mal kurz nieder und frage: Wieso eigentlich nicht?

Einer der Punkte an denen ich viel mit Menschen in Kontakt komme, ist das Einkaufen im Super- oder Drogeriemarkt. Und ich frage mich, warum eigentlich?

Warum kann ich nicht per App einen Einkauf zusammen klicken, vorfahren, die Waren in den Kofferraum geladen bekommen und wieder weg fahren?

Nehmt mal einen Supermarkt mit Parkplatz. Stellt Euch vor, Ihr hättet eine App, die Euch erlaubt den ganzen Einkauf zusammen zu klicken und zu bezahlen. Dann fahrt ihr auf die „Drive-In-Spur“ und bekommt die Ware ins Auto geladen. Wann Ihr kommt, kann die App dem Händler mitteilen. GPS sei dank, kann ziemlich genau berechnet werden, wann Ihr da seid. Die Interaktion mit anderen Menschen ist auf ein Minimum reduziert und überlegt Euch nur mal die Zeit, die Ihr spart.

Und wie mit dem Homeoffice gilt: Es wird immer Menschen geben, die in den Supermarkt müssen und wollen. Wie es immer Menschen gibt, die zur Arbeit müssen. Aber all die, die nicht müssen, stehen nicht mehr in der Schlange an der Kasse vor ihnen oder halt im Stau. Das ist also nicht das Ende der Supermärkte, sondern eine Corona-Ergänzung.

Das das ganze logischer Weise auch mit dem Lastenfahrrad funktioniert, braucht eigentlich keine eigene Erwähnung, oder? Nur das der Kofferraum dann halt vorne ist 🙂

(Wetten es wird nicht Edeka oder so sein, sondern ein Konzern wie Amazon, der als erstes sowas anbietet?)

 

Trade Republic hat ein Problem

Trade Republic hat ein Problem

Ich habe vor einigen Wochen schon mal gestutzt, was denn dabei TR geht. Heute aber bekomme ich eine Mail, die mich sprachlos macht:

Ich weiß nicht, ob Ihr die ganze Geschichte rund um GameStop und den Hedgefond vs. Reddit verfolgt. Aber wenn nicht, ist das auch nicht schlimm.

Schlimm ist, dass TR auf den Zug aufspringt und den Hedgefond schützt, in dem es Privatanlegern den Handel mit Aktien bestimmter Firmen untersagt. Wohlgemerkt nicht den Handel mit Derivaten oder auf Pump, sondern den regulären Handel.

Und warum?

Wegen erhöhter Volatilität. 😀

Wo kommen wir denn da hin, wenn mein Broker grundlos entscheidet, was ich handeln darf und was nicht. Und zwar ohne Rücksprache mit mir, in der z. B. meine Risiko-Bereitschaft geprüft wird.

Das was hier passiert, ist ein massiver und nicht gerechtfertigter Eingriff in den Markt durch einen Broker. Und das DARF nicht passieren. Denn wir haben eine Börsenaufsicht, die entscheiden kann, ob ein Handel ausgesetzt wird oder nicht.

Dazu kommen Berichte auf Facebook, dass auch der Verkauf wohl nicht funktioniert. Passend dazu hat Trade Republic seit gestern auch noch Probleme mit seinem Handelsplatz.

 

Ich weiß nicht, wie es Euch geht. Aber bei mir hat TR jedes Vertrauen verspielt.

Edith sagt: Es gibt eine Veränderung.