Durchsuchen nach
Category: Spitzbergen

Das Nördlichste von allem – Spitzbergen

Das Nördlichste von allem – Spitzbergen

Wie vor ein paar Tagen angekündigt, hat es mich nach Spitzbergen verschlagen, eine Insel im Polarkreis. Das Ganze war eine durchaus spannende Reise, an der ich Euch gerne teilhaben lassen möchte. Auch wenn sie etwas chaotisch begann und endete 🙂

Da ich einen Flug früh morgens ab Frankfurt hatte, bin ich am Vorabend mit dem ICE von Duisburg nach dort gefahren. Eine Nacht im Flughafenhotel und am nächsten morgen weiter – was kann da schon schief gehen. Aufzugeben hatte ich nichts, da ich 2 Stück Handgepäck mitnehmen konnte und das ein Koffer und eine Kameratasche waren. Aber, weil ja gerade an den deutschen Flughäfen etwas Chaos herrscht, dachte ich ich bin mal klug und frage im Flughafen, wann am nächsten Morgen die Sicherheitsschleusen aufmachen. Und niemand, wirklich niemand sah sich verantwortlich oder in der Lage, mir eine Auskunft zu geben.

Gut, mein Flug ging irgendwann um 7, also habe ich mir den Wecker so gestellt, dass ich um 4 im Terminal war. Plan: Schnell checken lassen, dann in die Lufthansalounge, in Ruhe frühstücken und dann fliegen. Und ja, was soll ich sagen, so sah es dann um 4 Uhr früh(!) aus:

Schnappschuss der Warteschlange vor der Sicherheitsschleuse am Flughafen Frankfurt

Stellt sich raus: Morgens um 5 gehen schon Flüge nach Malle. Und das wusste am Vortag wohl niemand so richtig (warum auch) und so gerieten die Urlauber in er Reihe langsam aber sicher in sichtbare Nervosität. Und hey, von da wo ich das Foto gemacht habe, waren es auch nur noch 90 Minuten. Wo ist das Facepalm-Icon, wenn man es mal braucht.  Kaum im Flieger war aber erst mal Ruhe und es ging nach Oslo. Das uns Reisende mit malerischen Landschafen zu begrüßen wusste…

Luftbild des Anflugs auf Oslos

Ich hatte ein bisschen Sorge, weil die Umstiegszeit dort recht knapp bemessen war und mein Flieger etwas Verspätung hatte. Diese Sorge stellte sich als vollkommen unbegründet heraus: Die Logistik in Oslo klappt wie am Schnürchen, einschließlich der Passkontrolle und so saß ich pünktlich im Flieger nach Spitzbergen. Und wenige Stunden später hieß mich das Eiland im Polarkreis mit seiner kargen Schönheit willkommen….

Luftbild des Anflugs des Flughafens auf Spitzbergen

Der Flughafen ist winzig und ich hätte nie gedacht, dass dort relativ viel Betrieb ist. Ist aber, weil Spitzbergen, wie ich später lernen sollte, An- und Abfahrtsort vieler Kreuzfahrten durch die nördlichen Meere ist. Entsprechend war ich dann auch nicht überrascht, dort eine Fluglinie aus Österreich zu sehen – ich hätte ja selbst über Wien hier her gekonnt.

Übersichtsfoto des Flughafens Spitzbergen

Spitzbergen selbst ist beeindruckend. Es ist… trostlos. Denn es gibt nicht einen einzigen Baum. Es ist wild und gefährlich, deswegen darf man den Ort Longyearbyen auch nicht ohne Bewaffnung verlassen. Es ist leer – Menschen leben hier, wenn sie wollen, hunderte Meter abseits der Straßen, Wege und Nachbarn. Einige haben sich gar auf kleine Inseln zurückgezogen. Und was spannend ist: Kommen auf 5 Einwohner 1 Auto, so hat jeder Einwohner scheinbar mindestens 2 Schneemobile. Woran das wohl liegen mag.

Das Erste was mich beeindruckt hat, war die „Mitternachtssonne“. Zu der Jahreszeit meines Besuchs wird es einfach niemals dunkel. Auch nicht nennenswert dunkler. Es ist einfach… immer Tag. Das ist schon spannend zu erleben. Ansonsten sieht es ungefähr so aus, wie man sich Nord-Norwegen vorstellen würde 😉

Bunte Häuserzeile auf Spitzbergen

An jeder Ecke sieht man aber, dass es Spitzbergen in der heutigen Form nicht gäbe, wenn es hier nicht viel Kohle geben würde. Die sich zunächst ein amerikanischer Minenbesitzer unter die Finger riss und schließlich hatten die Russen auch ein Wort mitzureden, die zwei Enklaven hier haben. Dabei hat Spitzbergen einen besonderen Reststatus, der dieses miteinander ermöglicht.

Was man auch an jeder Ecke sieht ist, wie weit man hier im Norden ist. Hier ist alles immer das nördlichste. Der nördlichste Pub, die nördlichste Tankstelle, der nördlichste Supermarkt. Unter diesem Superlativ bewegt sich hier erst mal gar nichts 🙂

Angekommen hatte ich zwei Ziele neben der eigentlichen Aufgabe, die Auslöser der Reise war. Das eine Ziel war der Global Seed Vault. Hier werden Samen aller möglichen Pflanzen aus aller Welt bei -18° gelagert. Die Wahl von Spitzbergen war logisch, weil es hier nie wirklich warm wird und weil es Infrastruktur (Strom!) gibt.

Eingang zu "The Vault", dem Gloabal Seed Vault auf Spitzbergen

Es ist übrigens nur ein Gerücht, dass mein Eintreffen hier irgendwas mit dem Eintreffen von Heino Ferch zu tun gehabt hätte, der gerade den Film „Seed“ dreht. Und dafür an meinem Hotel drehte, das mal kurzerhand zu einer Polizeiwache um-firmiert wurde 😀

 

Der Schauspieler Heino Ferch bei Dreharbeiten

Der Teil meines Hotels, der zu einer Polizeiwache wurde

Ein zweiter, fast noch wichtigerer Punkt auf meiner Liste war, mir ein Bild der Gletscher auf Spitzbergen zu machen. Dazu muss man wissen, dass diese riesig sind. Aber eigentlich nur noch ein Schatten ihrer selbst, denn die verbleibende Größe darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie seit 1900 um mehr als 90% ihre Masse verloren haben. Und das das Schmelzen durch den vom Menschen beschleunigten Klimawandel immer schneller von statten geht.

Bild eines Gletschers auf Spitzbergen

Tja. Und nachdem ich dann meine „To-Dos“ abgehakt hatte, überraschte mich die Lufthansa mit einer SMS: „Ihr Rückflug wurde annulliert. Wir informieren Sie über Alternativen.“ Mein Rückflug war, danke auch, genau an dem Tag an dem das Bodenpersonal in Frankfurt streikte. Das wäre unkritisch gewesen, wenn mein Rückflug nicht so getaktet gewesen wäre, das ich zu Hause den Koffer abwerfen würde, eine Nacht schlafe und dann am nächsten Tag mit anderem Gepäck ab Düsseldorf nach Dubai reisen würde. Dank meines Reisebüros war das aber weniger Problem als erwartet:

Ich konnte noch einen Platz auf einem Flieger von Oslo nach Amsterdam ergattern und dann von da aus mit dem ICE nach Duisburg zurück. Die Lufthansa war dabei auch sehr zuvorkommend und versprach, das neue Ticket und die anteiligen Flugkosten für den eigentlich gebuchten Flug umgehend zu erstatten. Ich vertraue da mal drauf.

Tja… und so waren meine viel zu wenigen Tage auf Spitzbergen vorbei. Einer Insel die wie für mich gemacht zu sein schein. Kalt. Karg. Leer. Ich glaube ich liebte fast alles daran. Und es ließ mich mit großer Sorge in den zweiten Teil meiner Reise starten.

Wenn einer eine Reise reist…

Wenn einer eine Reise reist…

Vor ein paar Tagen hatte ich mich, auf meine bekannt zurückhaltende Art, über das Fliegen geärgert.

Natürlich konnte und wollte ich es nicht darauf beruhen lassen und bin – was ich vielleicht von Anfang an hätte machen sollen – in ein Reisebüro spaziert. Konkret in das Reisebüro Ankerplatz hier in Voerde, dessen größter Vorteil ist, neben der favorisierten Buchhandlung Lesezeit zu liegen 🙂 Natürlich hatte ich per Mail vorgewarnt, was ich brauche (Flug nach Spitzbergen) und was ich nicht brauche (Wien oder München auf der Route und 17h Reisezeit).

Und tatsächlich konnte Julia Vowinkel-Hochstay, die das Büro leitet, mir ausgesprochen gut helfen. Sie hat mir einen Flug direkt nach Oslo und von dort direkt nach Spitzbergen buchen können und auch gleich ein passendes Hotel gefunden. Und was soll ich sagen: ich fliege um 7 Uhr los und bin noch vor 13 Uhr am Zielort. Also keine 6 Stunden.

Das sie den Flug gefunden hat, finde ich phänomenal. Das zeigt aber auch, wie wichtig solche Dienstleister nach wie vor sind. Denn über das Internet buchen ist schön und gut, dort wird aber vor allem das Massengeschäft bedient und die „ökonomische Priorität“ berücksichtigt. Die halt nicht zwingend im Sinne der Reisenden ist. Und in meinem Fall, als jemand der nicht wirklich sagen kann, dass er die Tricks und Kniffe des Reisegeschäfts kennt, wäre es mir praktisch unmöglich, selber diesen Flug so zu finden und zu buchen.

Was mir jetzt natürlich aufstößt: Mein „kurzer“ Flug – sowohl in Zeit und Strecke – ist natürlich teurer, als wenn ich eine Runde über Wien oder München drehen würde. Das bedeutet, dass die eigentlichen Kosten, wie die Umweltfolgekosten, nach wie vor nicht eingepreist sind. Weswegen es sich für die Fluggesellschaften weiter lohnt, so auf den ersten Blick unsinnige Flüge über die großen Hubs anzubieten. Will man dagegen möglichst wenig fliegen, wird es teurer. Statt billiger, weil eigentlich derjenige, der Luftkilometer vermeidet, besser gestellt sein sollte als der, der Umwege fliegt. Aber Ökonomie und Ökologie passen halt noch lange nicht überall zusammen.

Anyway: Reisebüro Ankerplatz, 5 von 5 Sternen.