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Kategorie: Verkehr

Fliegen ist doch für’n Ar****

Fliegen ist doch für’n Ar****

Es kann sein, dass ich Ende August nach Spitzbergen muss. Dummerweise ist Spitzbergen in realistischer Zeit nur mit dem Flugzeug zu erreichen. Das ist ärgerlich, aber gut, fliege ich halt mal wieder.

Düsseldorf ist der nächste Flughafen. Erste Preisabfrage ergibt:

16 Stunden? Deren Ernst?

Anyway, die meisten Flüge scheinen über München oder gar Österreich zu gehen. München wäre auch mit dem ICE gut erreichbar und man könnte da vielleicht sogar einen Tag oder Zwei verbringen. Da der Flug von Düsseldorf nach München ja wegfällt, ist das ja vermutlich deutlich günstiger.

Ha. Ha.

 

Was zur Hölle? Das kann doch nicht deren Ernst sein. Was ist das überhaupt für ein Unfug, mich über München nach Oslo fliegen zu lassen? Geht das nicht direkter?

Stellt sich raus: Ja geht. Ist aber nicht so einfach zu realisieren. Weil auf keiner der Seiten die ich probiert habe, konnte ich eine sinnvollere Kombination finden. Dabei gibt es die:

1. Ich fahre mit dem ICE von Duisburg nach Amsterdam

2. Ich fliege von Amsterdam nach Oslo, dauert so ca. 90 Minuten.

3. Ich fliege von Oslo nach Spitzbergen, dauert so ca. 3h


Macht eine Gesamtflugdauer von weniger als 5h, zzgl 2h mit dem ICE von Duisburg nach Amsterdam. Ohne Umweg über München und Wien, ohne tagelanges warten, nur leider praktisch nicht buchbar. Denn ratet mal was passiert, wenn ich Amsterdam -> Spitzbergen angebe? Richtig…. ich fliege erst mal nach Wien. Was aber immerhin fast 50 Euro billiger ist als der Flug der Richtung Süden schon bei Frankfurt wieder abkippt, während der mit der noch am ehesten passenden Richtung (Stockholm) mehr als 60€ teurer ist, als der Flug über Wien. Ich dreh durch!

Mal abgesehen davon das ich mich schon verarscht fühle, dass Düsseldorf – Spitzbergen über München billiger ist, als München – Spitzbergen: Das kann doch echt nicht deren Ernst sein, dass der Flug von Amsterdam ernsthaft nach Wien umgeleitet wird, bis er nach Oslo geht, um von dort…

Halleluja. Ich kann das gar nicht in Worte fassen, wie angefressen ich gerade bin. Das ist alles dermaßen sinnlos, unökologisch und nur schwer ökonomisch erklärbar. Und eine absolute Verar*** des Kunden. Ich fasse es nicht.

Und falls Ihr Euch noch nicht genug verarscht fühlt:

Der günstigste Flug von Amsterdam nach Oslo ohne Gepäck aber dann mit einem Koffer kostet 178€ + 55€ = 233€

Bucht man den Flug inklusive einem Koffer, so kostet der Flug 238€. Vermutlich rechnet einfach niemand mehr nach…

 

Alle Screenshots von Expedia.de am 17.01.2022 zwischen 13:00 und 13:30 Uhr.

Batterieautos sind nicht die Lösung. Der ÖPNV ist sie.

Batterieautos sind nicht die Lösung. Der ÖPNV ist sie.

Ich hatte gerade wieder das Vergnügen gefragt zu werden, warum ich nicht glaube, dass ein Umstieg von fossilen Verbrennern zu elektrisch geladenen Autos (EV, Electric Vehicle) unsere Probleme löst. Und dabei hätte ich gedacht, es liegt auf der Hand:

Ja, EV verbrauchen über ihren Lebenszyklus sehr viel weniger Ressourcen als Verbrenner und verursachen sehr viel weniger CO2. Selbst wenn sie nicht ausschließlich mit grünem Strom geladen werden. Aber auch EV sind nicht ohne Problem:

Aktuell sieht man das sehr schön daran, wie gewaltig der Bedarf an Lithium, Kupfer und Cobalt ist. Und von keinem der Drei gibt es oder wird es eine grüne Variante geben. Von den Problemen der Menschen die für Hungerlöhne mit dem Abbau beschäftigt sind und daran erkranken und sterben werden, ganz zu schweigen. Aber wir brauchen irre Mengen dieser Materialien für die Akkus. Und wie Ihr Euch denken könnt, natürlich brauchen wir auch riesige Mengen Trinkwasser zu deren Gewinnung.

Diese Materialien umgeben Euch überall. In Form von Lithium-Akkus. In Euren Smartwatches, Handys, Notebooks und praktisch fast allen Geräten und ja, eben auch in EV. Und auch die anstehende “Batterierevolution” zu sogenannten “Solid State”-Batterien wird nicht helfen. Zwar verbrauchen wir dann weniger Kupfer und Cobalt, aber Lithium werden wir weiter brauchen. Und um das mal klar zu sagen: Die Löcher die wir durch den Tagebau kennen, sind dagegen ein Witz.

Wer also glaubt, dass nur der Tausch des einen gegen ein andere Auto die Erlösung bringt, liegt leider nach wie vor falsch. Denn das Problem ist schon heute: Wir haben schlicht zu viele Fahrzeuge für den MIV (Motorisierten Individualverkehr). Denn machen wir uns mal nackig: Da wo früher Familien ein Auto hatten, wenn es hoch kam 2, hat heute jedes Familienmitglied das alt genug für den Führerschein ist, in der Regel auch ein Auto. Das produziert wird und Schaden anrichtet – unabhängig davon ob es überhaupt gefahren wird. Und wenn es gefahren wird? 2 Tonnen plus X für eine Person. Oder mal Zwei.

Die Lösung muss daher ein weiter konsequenter Ausbau des ÖPNV sein und die “Verdrängung” des Autos z. B. au den Innenstädten. Die Energie-, Rohstoff- und Umweltbilanz öffentlicher Verkehrsmittel ist logischer Weise deutlich besser als die eines Fahrzeugs für eine einzelne Person. Und wir müssen wieder dahin kommen, dass wir nicht fragen “lasse ich heute mal das Auto stehen”, sondern “muss ich wirklich heute ein Auto benutzen”. Und dann merken wir auch ganz schnell wieder, dass wir mit sehr viel weniger Autos auskommen werden. 

Und dann, erst dann, fangen wir an, die Probleme zu lösen.

Aber nicht, in dem wir unseren Verbrenner 1:1 gegen einen EV tauschen.

Und nachdem ich lange gesucht habe, habe ich ein – wie ich finde – gutes Erklärbär-Video zu dem ganzen Kontext auf Youtube gefunden. Nehmt Euch mal die Zeit:

Von Pilzen und Fahrrädern

Von Pilzen und Fahrrädern

Ich hatte gestern das Vergnügen, mit dem RE19 nach Arnhem zu fahren. Gerüchteweise gibt es da bekiffte Politiker… äh ich meine Politiker mit denen man übers Kiffen, vulgo die Freigabe von Cannabis, reden kann. Das soll aber heute hier nicht das Thema sein.

Thema soll sein, dass Arnhem für uns Menschen aus dem Ruhrgebiet viel zu bieten hat. Nämlich vor allem eine Innenstadt, in der es keine Autos gibt. Dafür aber unzählige Fußgänger*innen, Radfahrende, Geschäfte, Bistros, Cafes und Kneipen. Immer und immer wieder bin ich angetan davon, wie lebendig Städte wirken können, wenn man die Autos raus und an den Rand drängt.

Und dann habe ich entdeckt, dass es nördlich den “Park Sonsbeek” gibt. Mit wunderschönen alten, großen Bäumen. Einem tollen Bach mit Mini-Wasserfall und einem schicken Restaurant-Cafe.

Wenn ich mal so sagen darf: Von der niederländischen Version des C’est la vie können wir uns noch einiges abgucken!

Volvo vs. Jaguar: Wann ist viel zu viel?

Volvo vs. Jaguar: Wann ist viel zu viel?

Die Älteren unter Euch werden sich noch erinnern:

Ich stehe gerade vor der Frage, ob ich weiter ein Auto haben will und wenn ja, welches. Das ist nicht so einfach, weil ich von meinem Hybrid auf einen reinen Stromer umsteigen will. Also nehme ich mir mal viel Zeit und teste die Autos, die es so gibt. Diesmal im Angebot: Volvo XC40 Recharge Pure Electric vs. Jaguar iPace EV400.

Vergleichsmodell ist mein XC60: Ich brauche einen gewissen Raum für mich und muss ein relativ hohes Ladevolumen (eher in Umfang als Gewicht) haben. Deswegen bin ich damals von Kombi auf SUV umgestiegen: Die Karre lässt sich höher beladen. Anyway.

Der Volvo XC40 Recharge Pure Electric

… ist nach dem Einsteigen ausgeschieden. Und nach der Probefahrt ganz unten durch gewesen. Das klingt hart, liegt aber am Vergleichsmodell und meinen Eigenheiten. Fangen wir mit letzteren an:

Ich habe durch mein eher ungewöhnliches Verhältnis von Oberkörper- und Beinlänge eine etwas spezielle Sitzposition. Dummerweise gibt es aktuell den Trend, den durch die Elektrifizierung frei werdenden Platz zu verbauen. Sprich: Die Mittelkonsolen bei vielen Autos werden in Richtung Front breiter. Für die Displays, Bedienelemente, haste nicht gesehen. Was dazu führt, dass ich, wenn ich sitze wie ich sitzen will, mit dem rechten Bein unangenehm an/auf der Mittelkonsole liege. Das ist im nur unwesentlich breiteren XC60 komplett anders gelöst. In ein Auto steigen und nicht wohl fühlen ist für mich ein K.O.-Kriterium, da – wenn ich mal fahre – ich lange Strecken fahre und einen hohen Komfort erwarte. Angesichts des Preises.

Ich bin ihn dann trotzdem gefahren (auch weil ich demnächst mal in den neuen C40 hypfen will und hoffe, dass es dort anders ist). Die nominal hunderten von PS sind mir eigentlich wurst: E-Autos haben einen massiven Anzug und Volvo regelt eh bei 180 ab. Aber auf der Haben-Seite: wie der Polestar ist der XC40 super leise, lässt sich perfekt im One-Pedal-Drive steuern und ist, was das angeht, ein echter Volvo.

Bis auf “Kleinigkeiten”. Die dem Auto den Garaus machen.

Ich nutze wahnsinnig viel “Pilot Assist”, eine Mischung aus Spurfolgeassistent und semiautonomen Fahren. Und zu meiner Überraschung ist der neuere XC40 (Modelljahr 2021) hier schlechter als mein XC60 (Modelljahr 2020). Und zwar in einem absolut kritischen Punkt:

Der XC60 passt die Geschwindigkeit nicht nur den voraus fahrenden Fahrzeugen und der erlaubten Geschwindigkeit an. Sondern vor allem auch vor Kurven. Ich musste lange suchen um ein passendes Video zu finden, dass ich hier mit freundlicher Erlaubnis des Erstellers verwende. Wenn Ihr genau auf das Display schaut: Vor Kurven werden diese angezeigt und dann wird die Geschwindigkeit soweit reduziert, dass flüssig durch die Kurve gefahren werden kann:

Und jetzt ratet mal, was der XC40 nicht macht. Und mich damit in eine gefährliche Situation brachte, weil ich überhaupt nicht auf die Idee gekommen wäre, dass ein neueres Auto weniger kann, als ein älteres Auto – bei gleich benannter Funktion.

Die übrigens für einen weiteren Kopfschüttler gut war: Im XC 60 habe ich am Lenkrad links zwei Pfeiltasten. Ist der Abstandstempomat an und ich drück nach rechts, schaltet er auf Pilot Assists. Drücke ich nach links, geht das Auto wieder in den Tempomat. Drücke ich noch mal nach links, geht es in den Limiter, der das Auto auf der erlaubten Geschwindigkeit hält. Aus in dem ich nach rechts drück.

Im XC40? Da geht Pilot Assist an, wenn ich nach rechts drücke. Drück ich nach links passiert… nichts. Die Taste ist nicht belegt. Um ihn aus zu schalten, muss ich wieder nach rechts drücken. Wer denkt sich bitte so einen Unsinn aus?

Die Verarbeitung ist unterhalb des XC60, damit ließe sich noch leben. Aber wie schon eingangs erwähnt: Das Auto ist schlicht zu klein für den Berg von Mensch.

Somit ist der XC40 zwar (technisch) noch besser als der Hyundai, aber eben nicht das, was ich haben will. Schade.

Jaguar iPace EV400

Jaguar hat einen eigentlich ganz schicken Wagen als ersten Stromer raus gebracht, den iPace. Also bin ich den auch mal Probe gefahren. Von innen ist das ein sehr schickes Auto, dass gerade so genug Platz für meine Beine bietet. Ich sitze bequem, das ist ein großer Pluspunkt – trotz ebenfalls nach vorne (noch) breiter werdender Konsole.

Vollkommen irritiert war ich, wie unfassbar laut es in dem Auto bei höheren Geschwindigkeiten wird. Das könnte ich ignorieren, weil ich selten schneller als 120 fahre, aber es verblüffte mich, angesichts der angenehmen Stille im Polestar 2 und XC40.

Was ich gar nicht verstanden habe ist folgendes: Hinter dem Lenkrad ist eine in Klavierlack(!) gehaltene konkave(!) Fläche. Was macht die? Sie spiegelt alles, was am Fenster vorbei zieht und produziert Bewegung an einer Stelle, wo sie nicht sein sollte. Das lenkt furchtbar ab und ich halte das für eine absolute Fehlplanung:

Wie kann sow as passieren?

Das Raumangebot ist bescheiden, wenn man die Vordersitze verlässt. Das ist im Polestar nicht anders. Das Problem ist, dass eine Anhängerkupplung nur manuell abnehmbar für ungefähr 1500€ verfügbar wäre oder ein spezieller Fahrradträger, der keine Kupplung braucht, für ungefähr den gleichen Preis. Und da sind wir schon beim Hauptproblem: Dem Preis!

Selbst in der größten Ausstattungslinie HSE fehlen zahlreiche “Extras”, die ich eigentlich schon fast als Serie erwarten würde. Konfiguriere ich das so, wie ich es möchte, erhalte ich (von der Größe) einen Mittelklasse-Wagen für einen Listenpreis von mehr als 120.000€. What. The. Fuck. Und dafür gibt es eine manuell abnehmbare Hängekupplung.

Zum Vergleich: Der XC60 den ich habe kostet mit vergleichbarer Ausstattung laut Liste nur etwas mehr als die Hälfte. So wahnsinnigen Extras wie “keine Chromleisten am Fenster” oder “Heckscheiben verdunkelt”.

Und, ganz wichtig: Ein Spurfolgeassistent ist nicht verfügbar.

Neues Fazit

Ich weine, weil es keinen XC60 rein elektrisch gibt 😉 Aktuell ist der Polestar 2 ganz weit vorne, der Hyundai die günstige Alternative. Den Jaguar werfe ich wegen des Preises und der absolut unverschämten Extra-Politik aus dem Rennen. Den XC40, weil er schlicht für mich zu klein gebaut ist.

Ich bin mal gespannt, wie die Suche weitergeht. Vielleicht muss ich doch mal Benz, BMW, VW und Tesla mit in die Auswahl nehmen, was ich eigentlich nicht wollte, da (bis auf Tesla) diese Marken bei mir alle mit Makel behaftet sind. Und Tesla…. der Tesla den ich hätte mir dann doch mit deutlich über 100k wieder sehr viel zu teuer ist.

 

Volvo vs. Hyundai: You get what you pay for?

Volvo vs. Hyundai: You get what you pay for?

Als ich meinen aktuellen Hybrid geholt habe, stand ich vor einem Dilemma:

Mir war klar, dass Verbrenner keine Zukunft haben. Der Markt an Stromern war aber sehr überschaubar und ich hatte gefühlt die Wahl zwischen Pest (Teuer!) und Cholera (Schlecht!). Dazu kam, dass ich ein sehr eigenwilliges Fahrprofil habe: Ich fahre sehr selten Auto, dann aber eher lange Strecken auf denen ich ein hohes Ladevolumen brauche. Das Auto kommt halt immer (erst) dann zum Zug, wenn ich nicht mit dem Rad oder der Bahn fahren kann. Ein für mich sinnvolles E-Auto konnte ich damals nicht finden.

Also fiel meine Entscheidung übergangswseise auf einen Hybrid. Mit einer relativ kurzen Leasing-Dauer, um ihn gegen ein hoffentlich “sinnvolleres” Auto tauschen zu können. Ein solcher Tausch steht absehbar an und ich habe beschlossen, mir die Zeit zu nehmen, möglichst viele E-Autos zu testen. Von ein paar Tests möchte ich Euch berichten – und die Vergleiche werden alles andere als fair sein und höchst subjektiv.

Wichtig ist mir, neben einem geringen Verbrauch der Komfort und die Sicherheit. Das ist natürlich mit der Grund, warum ich seit vielen Jahren Volvos fahre, die für mich die optimale Kombination aus sparsam, komfortabel und sicher bei hohem Ladevolumen darstellen. Aber es gibt ja auch andere Väter mit hübschen Töchtern. Vielleicht ist ja mal Zeit für was Neues?

Polestar 2
Polestar 2

Das erste getestet Fahrzeug war der Polestar 2. Polestar war früher für Volvo  das, was AMG für Mercedes ist, also die “Performance”-Sparte. Seit dem das Unternehmen einem Chinesischen Konzern gehört, ist man dort aber auch sehr auf Elektro fixiert. Der Polestar 2 ist dabei ein spannendes Auto: Eigentlich ist es ein Volvo, aber halt elektrisch. Inzwischen bietet auch Volvo Vollelektrisch an (XC40, C40), mit der Technik von Polestar.

Der Polestar von Innen - unverwechselbar ein Volvo
Der Polestar 2 von Innen – unverwechselbar ein Volvo

Das bedeutete für mich: Einsteigen und wohlfühlen. Die Sitze sind absolut spitze (Volvo halt), die Bedienung einfach und eingängig und die zahlreichen Helfer für Komfort und Sicherheit lassen keine Wünsche offen. Das Problem das ich hatte: Ich hätte ihn am liebsten direkt mitgenommen – alle folgenden Fahrzeuge müssen sich also an ihm messen lassen.

Was mir super gefällt ist, dass der Wagen beim Beschleunigen erwartungsgemäß einen in die Sitze drückt – was aber für mich noch wichtiger ist: Nach Erreichen der Zielgeschwindigkeit einfach nur dahin gleitet. Flüsterleise und extrem komfortabel. Bei meinem “Testverbrauch” wäre ich hochgerechnet auf knapp 550km gekommen. Definitiv ist das Fahren des Polestar 2 wie ich mir das Fahren in einem E-Auto vorstelle.

Auf Youtube wurde ich dann auf den Ionic 5 von Hyundai aufmerksam. Vor einigen Jahren hab ich mal nach einem Kleinwagen geschaut und das, was Hyundai damals angeboten hat, war lächerlich. Ernsthaft. Das scheint auch bei der Firma angekommen zu sein, denn der Ionic 5 ist Lichtjahre von den rollenden Destatern entfernt, die Hyundai mal angeboten hat. Jetzt hatte ich die Gelegenheit mal eine ausgiebige Testfahrt (Landstraße, Stadt, Autobahn) machen zu können. Dazu hatte ich mir ein Modell mit Vollausstattung geben lassen.  Spoiler: Damit ist er immer noch gut 10.000€ preiswerter als der Polestar 2. Die Frage: Warum?

Der Ionic5 von innen, sehr luftig, 5x USB-Lader
Der Ionic5 von innen, sehr luftig, 5x USB-Lader

Die Verarbeitung des Hyundai wirkt auf mich sehr gut. Die Sitze sind bequem, wenn auch nicht ganz so gut wie im Volvo – aber selbst die teuren BMW reichen da m. M. n. nicht dran. Das Design des Hyundai ist an einigen Stellen sogar sehr viel futuristischer gehalten, als das eher nüchterne Design des Polestar 2.

Der Unterschied kam dann beim Fahren und ich finde es erstaunlich, wie viel Unterschied Software machen kann. Über das Fahrwerk will ich nicht reden, denn mein Volvo hat ein “Adaptives Luftfahrwerk” und fährt wie eine Sänfte, der Polestar ist eher sportlich straff, der Hyundai gemütlich ausgelegt. Aber die Assistenzsysteme sind Welten voneinander entfernt. Das ist mir besonders an folgenden Punkten aufgefallen:

Ich fahre fast immer mit Abstandstempomat und “Pilot Assist” im Volvo, einer Art semiautonomen Fahren, dass der Hyundai in Teilen (Spurführungsassistent) auch hat. Jetzt sind mir 2 grobe Unterschiede aufgefallen:

Tempo 100, Landstraße. Das Auto fährt auf eine Kurve zu. Der Volvo / Polestar 2 zeigt mir die Kurve an und reduziert die Geschwindigkeit auf ein Niveau, dass sich immer sicher und kontrolliert anfühlt. Das geht soweit, dass ich sogar mal Serpentinen ausschließlich mit Pilot Assist gefahren bin, also ohne Pedale oder aktives Lenken. Der Hyundai dagegen? Hält einfach sein Tempo :-O

Das wäre an sich nur halb so schlimm, würde einem die Lenkung und das Fahrwerk beim Hyundai nicht bei jeder Gelegenheit vermitteln, keine schnellen Kurven und Lastwechsel zu mögen. Mit anderen Worten: Fühlt man sich im Volvo / Polestar 2 in Abrahams Schoß und kann dem Auto vertrauen, muss man beim Hyundai genau wissen, ab wann man selber eingreifen muss.

Die zweite, damit zusammenhängende “Macke” habe ich beim Abbiegen festgestellt. Wenn ich hinter einem Auto abbiege (ich habe den Blinker an) und das Auto vor mir abgebogen ist, weiß der Volvo / Polestar 2, dass ich auch abbiege. Er verringert weiter das Tempo.

Nicht so der Hyundai: Das Auto vor mir ist abgebogen und der Abstands-Tempomat denkt sich – trotz eingeschaltetem Blinker: Ach gib mal Gas, ist ja alles frei. Das Risiko hier entsteht dadurch, dass E-Autos sehr schnell beschleunigen können. Stellt Euch vor Ihr wollt 90° abbiegen und plötzlich drückt Euer Auto so richtig auf die Tube.

Diese beiden Effekte haben den eigentlich guten Abstandstempomaten abgewertet. Gut war er in Sachen Abstand halten und Erkennung von Radfahrern.

Was aber zusätzlich das Gefühl der Unsicherheit erhöht hat: Wenn ich mit dem Volvo / Polestar 2 überholen will, erkennt der Pilot Assist das. Er beschleunigt von selbst um das Überholen schnell zu beenden und wenn ich nicht richtig in die Spur zurückfahre, lenkt er mich in sie zurück. Der Hyundai dagegen reagiert auf Überholmanöver “verzögert”. Ich kann es nicht anders ausdrücken. Es ist, als ob zwischen Lenkimpuls geben und dem Folgen eine “Denksekunde” liegt.

Eine weitere Merkwürdigkeit ist, dass der Abstandstempomat bei Hyundai wesentlich später, dafür aber stärker bremst. Ich weiß nicht ob das die Leistungsfähigkeit der Rekuperation (Stromgewinnung aus dem Bremsvorgang) verbessert, auf jeden Fall ist es etwas gewöhnungsbedürftig.

Und dann kommt was, das ich gar nicht verstehe:

Der Hyundai hat ein Feature, dass ich absolut super finde: Beim Einschalten des Blinker wird das Bild der jeweiligen Spiegel-Kamera ins zentrale Display eingeblendet. Das reduziert nicht nur den toten Winkel erheblich, ich würde sogar ein kleines Kind auf einem winzigen Fahrrad sehen können – so eine simple Idee, so eine gute Wirkung. Die Hyundai direkt zunichte macht: In einigen (nicht spontan reproduzierbaren) Situationen will mich das Assistenzsystem animieren, auf andere Fahrzeuge zu achten. Dazu macht es einen Warnton und im Display erscheint “achten Sie auf andere Verkehrsteilnehmer”. Auf die ich in dem Moment NICHT achte, weil ich ja die Meldung lese. WTF?

Das verbaute Bose-Audiosystem macht dafür in dem Hyundai ähnlich Spaß wie die Harman-Kardon im Volvo / Polestar 2. Allerdings ist der Polestar 2 von innen noch mal sehr viel leiser als der Ionic 5 – für mich als Hörbuchliebhaber ein großer Unterschied.

Abzüge gibt es allerdings für die Menüführung im Ionic 5. Versucht niemals das Auto während der Fahrt zu bedienen. Das Menü ist so unlogisch und tief verschachtelt, Ihr findet Euch ohne hinschauen nicht zurecht. Hier kann Hyundai vielleicht mal bei Volvo / Polestar abgucken.

Fazit:

Der Hyundai Ionic 5 ist ein E-Auto, das Spaß macht und ein hohes Sicherheitsniveau mitbringt. Allerdings wesentlich weniger Fahrspaß vermittelt als ein Volvo / Polestar 2 und leider einige “Bugs” in der Software hat, die man noch ausmerzen sollte, weil sie gefühlt die Sicherheit verringern.

Allerdings wird im direkten Vergleich deutlich, dass der Aufpreis bei Polestar für ein wesentlich entspannteres und stimmiges Fahren entrichtet wird.

Und jetzt noch ein kleiner Lacher:

Ich dachte die erste Stunde, der Hyundai hat das schlechteste Head Up Display aller Zeiten, weil ich es trotz maximaler Helligkeit nur im Schatten ablesen konnte. Bis ich durch Zufall heraus fand: Sowohl das, als auch die Subjektiv nicht lesbaren Symbole an den Lenkradtasten lagen an meiner Sonnenbrille.

Ich habe eine Sonnebrille mit Polfilter. Das HuD im Hyundai braucht genau 90° gedreht – halte ich meine Brille hochkant, leuchten die Tasten fröhlich und das HuD ist gut lesbar. Trage ich sie normal, ist es unsichtbar, genau wie die Tasten. Darauf muss man erst mal kommen 😀

 

Für ne Pizza nach Nizza – warum ich mir den Verkehr in Südfrankreich mal anschaute…

Für ne Pizza nach Nizza – warum ich mir den Verkehr in Südfrankreich mal anschaute…

In 2019 habe ich viele Wochenenden damit verbracht, mir mal Mobilitätskonzepte in anderen Orten und Ländern anzusehen. Vor allem in den Niederlanden war ich öfter und habe bestaunt, wie viel sich die Lebensqualität verbessert, wenn man Autos aus den Innenstädten verbannt. Und auch in Brüssel habe ich die Transformation zu einer autofreien City bestaunt.

Jetzt ergab sich die Möglichkeit, mir mal Nizza anzusehen. Nizza verbindet man allerdings eher mit Cote d’Azur, Leben wie Gott in Frankreich und Sonne, Strand und Meer. “Blöderweise” war mein Zeitfenster beschränkt auf den 25. bis 29. Dezember. Anders geht es leider beruflich nicht.

Erste Frage:
Wie kommt man eigentlich nach Nizza? Die einfachste Antwort ist: Mit dem Flieger. Tatsächlich kann man für relativ kleines Geld von Düsseldorf direkt nach Nizza. Aber: Fliegen ist für das Klima die schlechteste aller Alternativen.

Weniger CO2 produziert man mit dem Auto. Google behauptet das es 1200km sind. Das wären bei sehr sparsamer Fahrweise ca. eine Tankfüllung. Bei sparsamer Fahrweise (Tempomat zwischen 100 und 120) wäre es aber nicht in 12 Stunden zu schaffen und schon 12 Stunden zu fahren ist ein ziemlicher Akt.

Schneller fahren wäre dann mit ca 1,5 bis 2 Tankfüllungen “erkauft” unter Ausstoß erheblich größerer Mengen CO2 (vom Rest sprechen wir gar nicht erst). Und die Kosten (inkl. Maut, Verschleiß und allem drum und dran) sind auch nicht zu verachten.

Also auch nicht optimal.

Eher ohne Erwartung habe ich dann mal nach einer Bahnverbindung gegoogelt und war überrascht:

Von Voerde aus würde ich nach Duisburg fahren.

Dort steige ich den Thalys, der mich bis Paris fährt. Dort steige ich in einen TGV um, der direkt in Nizza am Bahnhof halten würde. Reisezeit inklusive Mittagessen in Paris ca 12 Stunden. Das ist eine schöne Überraschnung.

Dazu kommt, dass man bei rechtzeitiger Buchung für den Thalys sehr wenig Geld bezahlt. In Frankreich ist das Buchen von Bahntickets dann super komfortabel mit der SNCF-App möglich. Die viel  besser ist als die DB-App: Sie zeigt mir abhängig von der Auslastung die Preise an (wer Zeit hat, zahlt weniger) und selbst der gerade stattfindende Streik war in der App in der Form angezeigt, als das nicht fahrende Züge direkt ausgeblendet wurden.

Also habe ich beschlossen, mir mal anzusehen, wie ein Tourismus-Hotspot wie Nizza mit dem Verkehr Anno 2019 umgeht. Und so stand ich dann irgendwann am Bahnhof in Nizza 🙂

Da ich ja neben der Politik auch dem Cachen gerne mal fröhne, habe ich mich natürlich gefreut, dass es direkt am Bahnhof einen Cache gibt. Und der liegt, wie sollte es anders sein, an der Bahnhof-eignen Tiefgarage für Fahrräder:

Alter, in Voerde wäre ich schon froh, wenn wir Container für die Räder hätten. Aber gleich eine Tiefgarage??? Das ist fast wie in den Niederlande, die ja auch ganze Fahrradparkhäuser an den Bahnhöfen bauen.

Vor dem Bahnhof befand sich eine große Mietfahrrad-Station. Dabei ist mir folgendes aufgefallen:

  1. Es gibt zwei große Anbieter. Die Blauen, stark frequentierten und sehr preiswerten Leihräder und die Roten E-Bikes. Beide Anbieter machen das Ausleihen und Abgeben ähnlich einfach wie ich das von Metropolad-Ruhr kenne.
  2. Es gibt einige Leihmotorroller, aber keine Leih-E-Scooter
  3. Es gibt viele private E-Scooter, die die Leute dann wie selbstverständlich mit in den Bus / die Bahn nehmen, sie also für die Verbindungswege nutzen.

Bahn und Bus sind die nächste Überraschung: Nizza ist mit einem klugen Netz von Straßenbahnen und Bussen überplant. Eine Wochenkarte (7 Tage) für die gesamte Stadtregion (inkl. der angrenzenden Städte) kostet nur 15€. Seit Mitte des Jahres gibt es die zweite von 3 Straßenbahnlinien, die die Stadt durchkreuzen. Dabei handelt es sich um “Hybrid-Bahnen”: Da wo es möglich ist (Tunnel, einige Teile der Stadt) gibt es Stromleitungen, die die Bahn nutzt. An anderen Stellen (Innenstadt, im Hafen, etc) läuft sie dann im Batteriebetrieb. Das erspart es, die ganze Stadt mit Stomleitungen zu behängen und funktioniert einwandfrei.

Die (anonymen) Tickets werden dabei in der Art getrackt, dass jeder Einstieg bewertet wird. In meinem Gefühl werden die daraus gewonnenen Daten sehr gut genutzt um bedarfsgerecht Busse und Bahnen fahren zu lassen. Langes Warten gibt es nirgendwo.

Wenn man dann z. B. mit dem Bus von Nizza nach Monaco fahren möchte, ist das nicht im Preis inbegriffen. Zu meiner großen Überraschung kostet das Ticket nach Monaco allerdings sage und schreibe 1 Euro 50. Kein Scherz.

Mit dem Zug von Nizza nach Cannes? Je nach Tageszeit 7-10€ je Richtung mit dem Zug.

Und jeder, wirklich jeder nutzt den ÖPNV. Das dürfte vor allem an den Preisen liegen. Denn wenn ich z. B. mal die Möglichkeiten für Schüler vergleiche, denke ich direkt an den VRR, den VRS, Zusatztickets und 60€ und mehr (Young Ticket) pro Monat. Und die Franzosen?

Schülerkarte für die gesamte Region Süd kostet 110€. Im Jahr!

Wie geil ist das denn bitte?

Allerdings sind günstige Tickets, ein dichtes und modernes Netz nicht die einzigen Bausteine, die man in Nizza gewählt hat. Denn zusätzlich macht man (in Cannes übrigens auch) den Autofahrern klar, dass sie in der Stadt nix verloren haben. Und auch nicht am Hafen:

Die Hafenstraße wurde von 4 KFZ-Spuren auf 2 verkleinert. Eine der übrigen Spuren wurde für Räder umgebaut, die zweite Spur für Fußgänger. Gleiches Bild in der Innenstadt, wo ganz viele Straßen zu Einbahnstraßen wurden.

Mit baulich getrennten Rad und Fußwegen!

Parallel dazu hat man angefangen in den Straßen wo an beiden Rändern geparkt werden kann, nur eine Seite für Autos frei zu geben. Die andere Seite ist baulich geschützt nur noch für Fahrräder und Motorroller (von denen es sehr viele, oft schon elektrisch, in der Stadt gibt:

Das Ergebnis ist eine Stadt, in der Menschenmassen selbst außerhalb der Saison zum normalen Straßenbild gehören und Autos Seltenheitswert bekommen:

Und das ich mal in einer Stadt in Südfrankreich stehe und in der Abendsonne über schöne Radwege sinniere, hätte ich so vor ein paar Jahren nicht erwartet:

Aber seid mal ehrlich, das sieht doch einfach nur geil aus, oder? Platz für Fußgänger, Radfahrer und ja, auch die Autos und Busse kommen durch:

Hier sieht man jetzt von Links nach Rechts: Fußweg, Fahrradweg in zwei Richtungen, bauliche Trennung, KFZ-Spur, Fußweg und am Rande erkennt man noch die Fahrspur in die andere Richtung.

Hallo, warum können wir sowas hier nicht haben? Und zwar nicht als Ausnahme, sondern als Regel?

Ich will Euch nix vor machen, ich habe mich in den Verkehr in Nizza City verliebt. Das ist so gut geregelt, dass es nirgendwo ernstlich Stau gibt. Wer mit dem Auto fahren muss, der kann aber niemand will, weil es so viel einfacher, schneller und günstiger ist, den ÖPNV zu nutzen. Im Ergebnis riecht man keine Abgase und kann sich auch von Lärm ungestört praktisch überall hinsetzen. Absolut genial.

Nizza reiht sich damit für mich in die Liste der Städte ein, die zeigen was geht, wenn man den Mut hat Verkehr anders zu denken, als wie es tun: Dem KFZ nicht den Mittelpunkt und die höchste Priorität einzuräumen, sondern dem Menschen.

Dafür bekommt man dann sehr viel Lebensqualität in den Innenstädten, wenn sich Radfahrer, E-Scooter-Fahrer, Rollerfahrer und Fußgänger die Fläche gut teilen können, wenn man jederzeit mit dem Bus oder der Bahn von A nach B kommt und sich bei Lust und Laune auch einfach ins nächste Cafe setzen kann.

Ich bin beeindruckt. Oder um es in Landessprache zu sagen:

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Kommen wir zum Touri-Teil 🙂

Nizza ist wirklich schön und man kann stundenlang an der Hafen-Promenade spazieren, die Altstadt erkunden und auch Kultur gibt es im Überfluss. Ich empfehle auch und gerne das Chagall-Museum: Spannender Weise erfährt man hier, dass Marc Chagall gerne an die Orte gereist ist, über die er Auftragsarbeiten gefertigt hat. In einer Zeit, als es keine Billigflieger gab 😉

Besonders schön finde ich, dass es viel zu entdecken gibt – besonders irritierend finde ich das es relativ wenig Geocaches gibt.

Wer in Nizza ist kann, wie beschrieben, mit dem Bus einen Tag nach Monaco. Meiner Meinung nach eine sehr überbewertetet Stadt, die zwar sehr schöne Dinge wie das Ozeoanografische Museum oder den Außergewöhnlichen Garten hat, insgesamt aber Laut und und mit PKW überladen wirkt. Auch das Casino kann man sich natürlich mal ansehen 😉

Ebenso kann man mal einen Tag nach Cannes düsen und sich sich z. B. den Walk of Fame dort ansehen. Ein paar Geocaches gibt es auch.

Was sich ebenso lohnt: Einfach mal bei der Reise mit dem Bus oder der Bahn an einem der kleinen Orte aussteigen. Man findet viele richtig tolle Plätze mit schönen Stränden und guten Restaurants.

Überhaupt: Essen. Oh mein Gott, das Essen. 😀 Ich bin jeden Tag >15km gelaufen und habe kein Gramm abgenommen 😀

P.S: Das Nationalgericht von Nizza 😉 scheint übrigens tatsächlich Pizza zu sein. Neben sehr vielen sehr guten Restaurants für alles mögliche gab es auch sehr viele sehr gute Restaurants für Pizza 😀

Gib Gas, Alter!

Gib Gas, Alter!

Eigentlich mutet das schon paradox an: Während Deutschland sich nicht einmal zu einem Tempolimit von 120 km/h entscheiden mag, senken die Niederlande ihres jetzt sogar auf 100 km/h ab.

Und das von einer Regierung, die beim Antritt sogar noch gegen das Tempolimit opponiert hat. Jetzt aber einsehen musste, dass es eben deutliche Maßnahmen braucht.

Und es gibt, abgesehen vom Umweltschutz, noch zwei weitere Gründe für ein solches Limit. Das eine ist die Entspannung, denn schnell fahren ist deutlich belastender für die Fahrerin und den Fahrer, als „Cruisen“.

Dazu kommt dann noch die Sicherheit, denn die Unfallfolgen sind bei abnehmender Geschwindigkeit statistisch deutlich weniger schlimm. Was natürlich auch daran liegt, dass man bei Gefahrenbremsungen von 100 km/h an oder von 200 km/h an ganz andere Bremswege braucht, bzw. andere Restgeschwindigkeiten beim Aufprall hat.

Für mich persönlich kommt noch das Geld sparen dazu: Zwischen 80 und 100 verbraucht mein Auto sehr wenig Sprit. Zwischen 100 und 120 deutlich mehr und darüber tut einfach weg. Geizig wie ich bin weiß ich, dass ich bei ungefähr 100 km/h im Schnitt eben weit über 1.000km mit einer Tankfüllung schaffe. Alles drunter ärgert mich einfach.

So, und jetzt ein kleiner Exkurs in die Realität: Wann überhaupt könnte ich denn schnell fahren? Ja, es gibt Ecken in denen geht das außerhalb der Stoßzeiten. Da ist die A3 Richtung Holland oder auch Strecken im Süden der Republik in Richtung Frankfurt erlauben schon mal länger schnell zu fahren. Wie auch die eine oder andere Strecke im Osten unseres schönen Landes.

Aber die Realität sieht doch meistens anders aus. Ich kann da ausnahmsweise mal mitreden, weil ich im Auftrag meines (Dienst-)Herren derzeit in einer Polizeiwache sitze, die mit dem ÖPNV nicht erreichbar ist, wenn man von täglicher An- und Abfahrt ausgeht. Aber auch mit dem Auto ist es eben die Pest, weil selbst wenn ich um weit vor 6 Uhr zu Hause los fahre, ich habe die Wahl zwischen Pest und Cholera: A59, A59 + A40 oder A59 + A42. Egal was ich nehme, ich stehe und schleiche vor mich hin. Und obowhl der größte Teil meiner Strecke aus Landstraße und Autobahn besteht, schaffe ich nicht mal 50 km/h im Schnitt: 

Boardcomputer des Skoda, den ich heute gefahren bin.
Boardcomputer des Skoda, den ich heute gefahren bin. Viel langsamer bin ich mit dem Rad auch nicht….
 

Ich sehne mich ernsthaft danach, wenn ich demnächst wieder mit dem Zug zur Arbeit pendeln kann. Und denke mir jeden Morgen im Stau: Warum reden wir nicht wirklich mal über Umweltschutz und meinen damit keine neue Abwrackprämie, sondern den Ausbau der Radwege und des ÖPNV und finanzielle Anreize dafür?

Und umso öfter ich morgens im Schleichtempo über die Autobahn rolle, umso deutlicher wird mir, wie merkwürdig das „Wir wollen kein Tempolimit!!!“ der Deutschen ist. In Bezug auf Umweltschutz, in Bezug auf Unfallprävention aber eben auch in Bezug dazu, dass Autofahren für die meisten Menschen eh längst zur Qual wurde.