Die CDU weiß, was sie will!

Die CDU weiß, was sie will!

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Kleiner Scherz. Weiß sie natürlich nicht. Wie immer. Und eigentlich wollte ich das gar nicht kommentieren, aber Ingo Hülser hatte Geburtstag und schrieb mir per WhatsApp, dass er sich einen Blogbeitrag zu dem Thema wünscht. Natürlich ist mir klar, dass er das will, damit über die CDU Voerde gesprochen wird. Aber wer bin ich, ihm einen Wunsch zu versagen?

Screenshot von Facebook, 04.06.2020
Screenshot von Facebook, 04.06.2020

Aus der Sicht der CDU Voerde ist es offensichtlich genug, wenn man überhaupt über sie redet. Den Anspruch, dass es positiv sein soll, hat man vermutlich schon länger aufgegeben.

Und so postet Ingo ein Sharepic mit einem Foto der unfertigen(!) Bebauung im Pestalozzi-Quartier und schreibt:

So stellen wir uns die Wohnraumentwicklung in Voerde nicht vor.

Tja. Einzig: es ist nicht wahr.

In den Kommentaren schreibt Ingo dann, dass man die Meinung der Voerder Bürgerinnen und Bürger dazu hören möchte. Dabei macht der Text ja eindeutig klar: Mit der CDU Hätte es das nicht gegeben!

Äh hätte es nicht?

Ich habe mal im Ratsinformationssystem nachgesehen. Die Drucksache, in der es um die Bebauung dort geht und die sehr detailliert ist, ist die Drucksache_16-635_DS. Ich betone detailliert, weil jeder, der sich damit beschäftigt hat, auch eine Vorstellung hatte, was kommt.

Und jetzt ratet doch mal wie abgestimmt wurde. Ich verrate Euch nicht zu viel, dass Grüne und SPD dafür waren. Aber was denkt Ihr, wie die CDU abgestimmt hat?

Ihr kennt mich. Ihr ahnt, was kommt. Die CDU hat zugestimmt (Beschlusstext_16-635_DS_-oeffentlich-_Stadtrat_17.10.2017).  Langsam, zum Mitschreiben: Die CDU, Vertreten von ihrem Fraktionsvorsitzenden Ingo Hülser, regt sich über eine Bebauung auf, der die CDU, vertreten von ihrem Fraktionsvorsitzenden Ingo Hülser, zugestimmt hat. Kann man sich kaum ausdenken – kommt aber noch besser.

Noch besser, fragt Ihr? Ja, noch besser.

In der damaligen Diskussion wollte die CDU Voerde nämlich eigentlich keinen sozial geförderten Wohnungsraum. Das führte soweit, dass der CDU Fraktionsvorsitzende eine Armutsmigration heraufbeschwor. Seiner Meinung nach würde das so laufen:

Menschen mit nicht sehr hohen Einkommen ziehen in die neuen Wohnungen für Menschen mit nicht so hohen Einkommen.

(Anmerkung von mir: dafür sind sie da)

In die frei gewordenen Wohnungen der Menschen mit nicht sehr hohen Einkommen ziehen Menschen, die ebenfalls kein hohes Einkommen haben.

Ihr glaubt das nicht? Nun, behaupten kann ich viel, aber Ingo selbst legt Wert darauf, dass seine Äußerungen belegbar sind. Deswegen postet er auf Facebook auch den Link zu einem Artikel, der genau das wiedergibt:

Hülser erinnerte an die Sozialstruktur und wies auf die überdurchschnittlich hohe Quote von SGB-2-Empfängern in Voerde hin. Darauf müsse man bei der Entwicklung von Wohnraum reagieren. Er befürchtete, dass durch den Bau der öffentlich geförderten Wohnungen ein Domino-Effekt eintreten könnte und die Sozialstrukturen sich weiter verschlechtern würde.

Quelle: RP, 27.04.2017

Aber, vielleicht urteilt man jetzt vorschnell, wenn man sagt, die CDU Voerde und ihr Fraktionsvorsitzender möchten nur gut und besser verdienenden Menschen Wohnraum andienen (oder gar „Freunden„). Da ist es gut, dass Ingo das noch mal klar stellt. Also nicht, dass das Gaga ist, sondern das sogar die CDU Mitgefühl habe:

Hülser bekräftigte in der Ratssitzung, dass die CDU nichts gegen SGB-2-Empfänger habe, dieses Schicksal können jeden unverschuldet treffen.

 

Was ich so bemerkenswert finde: Wäre ich der Fraktionsvorsitzende der Partei mit dem Christlich (die Älteren erinnern sich an so Dinge wie „Nächstenliebe“), mir wäre der Zeitungsartikel sehr, sehr peinlich gewesen. Den hätte ich doch nicht kurz vor der Kommunalwahl raus geholt, um den Menschen in Voerde noch mal so richtig zu zeigen, wofür die CDU Voerde steht: Unternehmer (in ihren Reihen), Bauherren von ihren Gnaden und Besserverdiener allgemein. Ich wäre doch froh gewesen, wenn niemand mehr daran denkt, dass ich sowas überhaupt geäußert habe.

Naja, aber was soll ich sagen? Die Kommentatorinnen und Kommentatoren auf Facebook haben schon zum Ausdruck gebracht, dass dieses Sharepic ein weiteres Eigentor in einer sehr langen Liste von Social-Media-Fails der CDU in Voerde waren.

Und ich habe meiner Pflicht genüge getan, Ingo einen Blogbeitrag dazu zu schreiben.

Jetzt muss auch mal gut sein.(*)

 

*) Gelogen. Ich werde natürlich keine Gelegenheit auslassen, die Menschen in Voerde darauf hinzuweisen, was für eine Kette von Entgleisungen die CDU „Politik“ nennt. Wie sie über Normalverdiener denkt, wie weit rechts sie politisch steht, zu welch perfiden Mitteln sie im Wahlkampf greift, weil sie offensichtlich nichts mehr zu verlieren hat. Wäre ich Mitglied in der CDU Voerde, ich würde mir die Haare raufen und mich fragen, was einer einstmals so stolzen, demokratischen Kraft wurde.

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Was bisher geschah…

 

 

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