Erste Erfahrungen mit dem neuen Auto

Erste Erfahrungen mit dem neuen Auto

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Wie das manchmal so ist, kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. Und so kam es, dass ich leider schon 1.000km mit dem neuen Auto fahren musste. Aber das kann ich ja nutzen, um mal einen Erfahrungsbericht und einen Vergleich zu bringen:

Das für mich Wichtigste ist u. a. der Verbrauch. Mein „Altes“ lag zwischen 6 (Autobahn, Sommer), 6,5 (Mix, Sommer) und 7 Liter (Mix, Winter). Die gute Nachricht ist, dass das „Neue“ nicht mehr verbraucht – aber eben auch nicht wirklich weniger – ich finde mich immer zwischen 6 und 7 Litern. Was für mich meine Theorie bestätigt, dass kleinere Motoren nicht zwingend sparsamer sind.

Wobei für mich das „Hauptproblem“ ist, dass im Bekanntenkreis ein deutlich stärker motorisierter BMW gefahren wird, der ohne besonders sparsame Fahrweise weniger(!) verbraucht, als mein Mildhybrid, gut einen Halben Liter. Und das bei größerem Gewicht, deutlich mehr Hubraum und Zylindern. PS sowieso.

Leider habe ich zu wenig technisches Verständnis damit zu belegen, dass meine Theorie richtig ist, ich sehe mich aber durchaus bestätigt.

Kommen wir zum Fahren 😉

Natürlich vergleiche ich hier Äpfel mit Birnen. Auf der einen Seite ein 10 Jahre alter Handschalter (6 Gänge) gegen einen neuen Hybrid-Antrieb mit Automatik (8 Gänge). Auch was die Bedienung angeht unterscheiden sich hier die Autos natürlich um Welten: Hatte das alte Auto noch schöne Knöpfe für alles, hat das neue Auto jetzt einen Touchscreen.

Das macht die Bedienung nicht unbedingt einfacher und ist meiner Meinung nach auch eine Entwicklung in die falsche Richtung. Denn ein solches zentrales Tablet lenkt definitiv mehr ab, als die einfach zu ertastenden Knöpfe.

Zumal, das ist ein weiteres Problem, oft mehr als ein Tastendruck notwendig ist. Das Menü des Neuen ist logisch aufgebaut, aber da das ändert nix daran, dass ich die Tasten nicht erfühlen kann und mehr drücken muss als vorher.

Dafür ist der „Tacho“, also das Display vor mir als Fahrer, deutlich informativer und zeigt mir alle relevanten Infos. Das hat den Vorteil, dass ich nicht auf das zentrale Display schauen muss. Die Anzeige variiert je nach Notwendigkeit.

Aber kommen wir zum Nerdfaktor, also der Frage was für Features hat das Auto und wie nutze ich sie?

Das alte Auto hatte bereits Xenon und Adaptives Kurvenlicht. Xenon ist sehr viel heller als die Halogenlampen und wer es ein Mal genutzt hat, will nix anderes mehr. Das Kurvenlicht hat tatsächlich die Scheinwerfer bewegt und damit immer den Bereich vor dem Auto ausgeleuchtet. Das war schon gut.

Jetzt habe ich LED. Und was für ein Unterschied!

Ehrlich gesagt bin ich total fasziniert davon, wie das funktioniert. Und es funktioniert: im Grunde habe ich jetzt nicht mehr nur das „normale“ Abblend-Licht immer an, sondern „Fernlicht“. Dabei regelt das Auto die Scheinwerfer so, dass voraus fahrenden Autos nicht in den Rückspiegel geleuchtet wird und man kann auf Landstraßen und Autobahnen (da wo das Licht voll aufdreht) genau sehen, wie immer die Bereiche ausgeblendet werden, in denen sich andere Menschen oder Fahrzeuge befinden. Vor allem wenn man mit aufgeblendeten Scheinwerfern in den Gegenverkehr kommt und immer genau die Bereiche ausgeblendet werden, in denen sich andere Autos befinden, deren Fahrer sonst geblendet würden. Absolut bemerkenswert und beeindruckend. Das Kurvenlicht ist noch mal besser geworden, die Helligkeit sowieso. Ich halte das für einen extremen Gewinn an Sicherheit.

Gut für die Sicherheit sind außerdem die zahlreichen Safety-Features, die teilweise unerwartet stark in meine Fahrweise eingreifen:

  • Nähert sich von seitlich hinten ein Fußgänger oder Auto meinem PKW, kann ich nicht zurücksetzen. Das Auto warnt mich und bleibt stehen.
  • City Safety, also die autonome Notbremsung funktioniert jetzt bis über 50 km/h, nicht mehr nur bis 30. Dabei erkennt das Auto auch Kreuzungsverkehr, Radfahrer, Hunde und wie eh und je Fußgänger.
  • Der adaptive Tempomat hält zwischen 0 und 200 (nicht getestet) immer den notwendigen Abstand zum Vordermann und kann auch „richtig“ bremsen. Das durfte ich im Nebel(!) testen, als mein Vordermann auf ein Mal meinte stehen bleiben zu müssen. Dabei wird wohl auch die Umgebung berücksichtigt: Ist ein Unfall durch Bremsen möglicherweise nicht zu verhindern, würde auch ausgewichen, sofern rechts oder links genug Platz ist.
  • Kommt mir jemand auf meiner Spur entgegen, versucht der Volvo auszuweichen oder bremst.
  • Will ich die Spuren auf der Autobahn wechseln und von von hinten nähert sich ein schnelleres Auto, werde ich erst gewarnt. Versuche ich trotzdem die Spur zu wechseln, drückt mich der Lenkassistent zurück in meine Spur.
  • Wechsel ich mit Lenkassistent die Spuren und wechsel nicht vollständig oder schnell genug, drückt mich der Assistent in die neue Spur.
  • Fahre ich zu schnell auf eine engere Kurve zu, reduziert der Wagen das Tempo auf eine Geschwindigkeit, die ein gefahrloses Durchfahren möglich macht.

Der absolute Hammer aber ist „Pilot Assist“, ein teilautnomes Fahren. Teilautonom, weil es nicht erlaubt ist, die Hände vom Lenker zu nehmen. Eingeschaltet lenkt der Volvo von alleine und dabei ist ihm egal ob in der Stadt oder auf der Autobahn, ob ich mit Tempo 20 mit dem Tempomat hinter einem Radfahrer bin oder mit 120 alleine auf der Autobahn. Und bei Stau? Da orientiert sich das Ding sogar zum Fahrbahnrand und macht damit eine Rettungsgasse frei. Die Präzision mit der dabei die Straße und das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer ausgewertet wird, ist absolut bestechend. Sehr fein ist auch der Überhol-Assistent der dafür sorgt, dass man wie vorgeschrieben zügig überholt.

Für mich als jemand der sehr ungern Auto fährt, sind die Assistenten ein Segen.

Aber ich denke mir auch, wie hoch der Sicherheitsgewinn wäre, wenn sie verpflichtend sein würden. Der adaptive Tempomat z. B. hält ja immer den Sicherheitsabstand abhängig von der Geschwindigkeit und auch wenn jemand das als „Einladung“ versteht vor mir die Spur zu wechseln, wird der wieder hergestellt. Das reduziert massivst die Unfallgefahr. Im Stop and Go übernimmt die Technik komplett und verhindert damit, dass ich meinem Vordermann aufs Auto rolle – sollte ich mal unachtsam sein. Die Assistenten die verhindern, dass ich beim Spurwechsel andere gefährden würde. Ganz toll finde ich als Radfahrer, mit welcher Sicherheit und welchem Abstand das neue Auto in der Stadt hinter Radfahrern bleiben kann. Das nimmt den Druck, überholen zu „müssen“, weil man selbst halt eher schlecht langsam fährt.

Das trägt natürlich alles zu „Vision Zero“ bei, dem Ziel von Volvo das in ihren Autos und ihre Autos ab 2020 niemand mehr ums Leben kommen soll.

Was den Hybrid angeht: Ich kann nicht sagen, wann der E-Motor arbeitet oder nicht. Die Übergänge sind so fließend, dass zum Beispiel beim Anhalten an der Ampel man weder mitbekommt (man kann es sehen), wann der Verbrenner weg ist, noch das man beim Anfahren das „Ruckeln“ bemerkt, dass oft entsteht wenn man das Gas tritt, der Motor anspringt und dann das Auto los fährt.

Was noch? Zwei Dinge (plus Eins) irritieren mich:

Natürlich erkennt der Volvo die erlaubte Geschwindigkeit und ich kann den Limiter verwenden, um diese nicht zu überschreiten – das Limit wird also dem Erlaubten angepasst (bis zu 10km/h Überschreitung können dabei toleriert werden).  Ich kann aber nicht den Limiter mit dem Tempomaten kombinieren: Nutze ich den Tempomaten muss ich dessen Geschwindigkeit selbst auf das Erlaubte einstellen. Warum? Es dürfte aus technischer Sicht ein Leichtes sein, Limiter und Tempomat zu koppeln, was insbesondere auf Autobahnen mit häufig wechselnden Höchstgeschwindigkeiten eine Wohltat sein dürfte.

Irritiert bin ich, wenn ich darüber nachdenke warum andere fahren wie sie fahren: Denn durch die sehr ruhige (im Economy-Modus, den ich fast immer nutze) und sehr passive Fahrweise des Volvo fallen mir die komischen Verhaltensweisen anderer noch stärker als Früher auf:

Hatte ich schon immer das Gefühl, dass andere Verkehrsteilnehmer oft nicht gleichmäßig fahren können, weiß ich das jetzt: Ich bekomme die Geschwindigkeit des Fahrzeugs vor mir angezeigt und sehe, wie schwer es den Menschen fällt gleichmäßig zu fahren – was aber am meisten Sprit spart und auch dazu beitragen kann, Unfälle zu vermeiden. Natürlich ist das kein Problem im eigentlichen Sinne, weil ich ja technisch unterstützt einfach dahinter bleiben oder überholen kann. Aber beides bedeutet, dass entweder gebremst und beschleunigt (beim Dahinter bleiben) oder beschleunigt und gebremst wird (beim Überholen). Ich möchte einfach nur mit der erlaubten Geschwindigkeit und nicht schnell als 100 / 120 über die Autobahnen und es wäre super, wenn die Technik stärker genutzt würde, einen gleichmäßigen Verkehrsfluß zu erzeugen. Das würde der Umwelt helfen, die Menschen am Steuer entspannen und ebenfalls Unfällen vorbeugen.

Das Plus Eins ist, dass die Volvo Sprachsteuerung natürlich immer noch nicht funktioniert, wie man sich das vorstellt. Das ist aber ein Randaspekt, da  ich durch die sehr gute Integration von Apple Car Play eh Siri benutze, die auch über das Lenkrad bedienen kann.

Das Fazit ist, dass 10 Jahre in der PKW-Entwicklung irre Veränderungen bedeuten. Und auch wenn mein altes Auto schon sehr viel an technischen Funktionen mit brachte, ist es erstaunlich, was heute alles geht. Wie schnell der Volvo beschleunigt und ob ich schon ein Modell mit dem Limit bei 180 habe, kann ich übrigens gar nicht sagen. Brauchte ich noch nie. Es gibt war einen „Performance“-Mode, aber wozu? Der Volvo ist kein Auto zum Schnell fahren, er ist ein Auto zum entspannt Reisen.

Nur eine Frage bleibt: Das Auto erkennt Kreisverkehre, Kreuzungen, Abstände, Geschwindigkeitsschilder und was weiß ich. Aber warum zum Teufel keine Anhaltezeichen? Ist kein „Leitfahrzeug“ vor mir, würde der Volvo bei eingeschaltetem Tempomat einfach über eine rote Ampel, ein Stopp-Schild oder ein Vorfahrt-Achten-Schild hinweg fahren.  Technisch erklären kann ich mir das nicht, denn die Schilder und auch die Ampelfarben sind relativ einfach zu erkennen und ich gehe davon aus, dass nicht wie früher eine Monochrom-Kamera verwendet wird. (Das alte Auto konnte mit gelben Fahrbahnmarkierungen (höher priorisiert als Weiße) nicht anfangen und hat schon mal nasse Linien als Straßenmarkierung fehlinterpretiert, das macht das neue Auto nicht)

Und jetzt freue ich mich, dass ich ab morgen endlich wieder Bahn fahren kann. Denn Autofahren nervt trotz aller Assistenten immer noch und gefühlt täglich mehr. Es sind einfach zu viele Autos auf den Straßen und ich bin sehr froh, mich und mein Auto da wieder raus nehmen zu können 🙂

 

 

 

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