Freud und Leid

Freud und Leid

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Es ist erschreckend und erfreulich und jetzt weiß ich auch nicht:

Auf dem Foto ist ein sehr neuer und sehr großer Spielplatz in Dinslaken zu sehen. Der ist im Moment wie alle anderen gesperrt. Erfreulich ist, dass sich alle an das Verbot halten. Und doch blutet mir das Herz, wenn ich darüber nachdenke, wie viele Kinder hier normalerweise spielen und lachen und schreien. Wie die Eltern am Rand und auf der Wiese sitzen. Wie einfach gelebt wird.

Ich bin gestern eine Halden-Runde gefahren und habe dabei mal auf die Umgebung geachtet.

Tatsächlich sind die meisten Straßen wie ausgestorben. Die Spiel- und Sportplätze sind leer und es sind kaum Autos unterwegs. Im Rotbachtal war es anders, hier waren zahlreiche Menschen unterwegs. Aber immer nur als Paar oder Familie, mit Abstand zu anderen.

Positiv aufgefallen ist mir, wie viel Menschen und Radfahrer einander gegrüßt haben. Fast so als sei man froh, noch andere Menschen zu sehen.

Es hat schon was Dystopisches. In einer irren Geschwindigkeit scheinen wir das Leben und die Welt angehalten zu haben. Dinge, die gestern noch Normal und Selbstverständlich schienen, sind heute in weite Ferne gerückt. Selbst das „mal eben eine Pizza essen gehen“ wirkt so, als hätten wir es zuletzt vor hundert Jahren gemacht.

Zu gleichen Teilen wird diese Pause der Gesellschaft schaden, wie ihr gut tun. Wir werden viele Arbeitslose mehr haben, wenn die Rettungspakete nicht greifen. Wir werden massive wirtschaftliche Verluste aufholen müssen, wenn das überhaupt geht. Gleichzeitig werden wir weniger das Klima und die Umwelt belasten, als wir es bisher getan haben, die Natur wird kurz durchatmen können – Delfine in Venedig werden nicht die einzige Überraschung sein.

Vielleicht nutzen wir auch die Gelegenheit, um uns mal wieder zu besinnen. Auf Familie. Auf Freunde. Auf Menschen. Vielleicht stellen wir uns auch mal die Frage ob die Hast und die Jagd nach mehr in den letzten Jahren wirklich das war, worauf es ankam. Oder ob wir nicht alle das eigentliche Ziel aus den Augen verloren haben – wobei jeder sein eigenes Ziel haben wird.

Letztlich liegt es jetzt an uns: Natürlich können wir jetzt bedauern, wie schlimm alles ist. Selbstmitleid ist da immer gern gesehen. Wir können die Zwangspause aber auch nutzen um zu planen. Wie der Verkehr in Zukunft aussehen soll, wie wir mit den wirklich wichtigen Berufsgruppen umgehen und ja, auch mit der Frage wohin unser eigenes Leben uns führen wird, wenn wir uns wieder „normal“ frei bewegen können.

Vielleicht ist Corona mit all seinen schrecklichen Auswirkungen auch der Weckruf, den wir dringend gebraucht haben um zu erkennen, dass der eingeschlagene Weg letztlich nur in einer Katastrophe enden konnte – gleich ob es ein katastrophaler Virus ist oder die Klimakrise, auf die wir bis letzte Woche noch sehenden Auges zu-gerast sind.

Lasst uns kurz innehalten. Lasst uns die Situation neu bewerten.

Und dann lasst uns gemeinsam lernen.

Damit morgen besser wird als gestern.

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Nachtrag: Die Delfine waren zu schön um wahr zu sein.

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