Fliegen ist doch für’n Ar****

Fliegen ist doch für’n Ar****

Es kann sein, dass ich Ende August nach Spitzbergen muss. Dummerweise ist Spitzbergen in realistischer Zeit nur mit dem Flugzeug zu erreichen. Das ist ärgerlich, aber gut, fliege ich halt mal wieder.

Düsseldorf ist der nächste Flughafen. Erste Preisabfrage ergibt:

16 Stunden? Deren Ernst?

Anyway, die meisten Flüge scheinen über München oder gar Österreich zu gehen. München wäre auch mit dem ICE gut erreichbar und man könnte da vielleicht sogar einen Tag oder Zwei verbringen. Da der Flug von Düsseldorf nach München ja wegfällt, ist das ja vermutlich deutlich günstiger.

Ha. Ha.

 

Was zur Hölle? Das kann doch nicht deren Ernst sein. Was ist das überhaupt für ein Unfug, mich über München nach Oslo fliegen zu lassen? Geht das nicht direkter?

Stellt sich raus: Ja geht. Ist aber nicht so einfach zu realisieren. Weil auf keiner der Seiten die ich probiert habe, konnte ich eine sinnvollere Kombination finden. Dabei gibt es die:

1. Ich fahre mit dem ICE von Duisburg nach Amsterdam

2. Ich fliege von Amsterdam nach Oslo, dauert so ca. 90 Minuten.

3. Ich fliege von Oslo nach Spitzbergen, dauert so ca. 3h


Macht eine Gesamtflugdauer von weniger als 5h, zzgl 2h mit dem ICE von Duisburg nach Amsterdam. Ohne Umweg über München und Wien, ohne tagelanges warten, nur leider praktisch nicht buchbar. Denn ratet mal was passiert, wenn ich Amsterdam -> Spitzbergen angebe? Richtig…. ich fliege erst mal nach Wien. Was aber immerhin fast 50 Euro billiger ist als der Flug der Richtung Süden schon bei Frankfurt wieder abkippt, während der mit der noch am ehesten passenden Richtung (Stockholm) mehr als 60€ teurer ist, als der Flug über Wien. Ich dreh durch!

Mal abgesehen davon das ich mich schon verarscht fühle, dass Düsseldorf – Spitzbergen über München billiger ist, als München – Spitzbergen: Das kann doch echt nicht deren Ernst sein, dass der Flug von Amsterdam ernsthaft nach Wien umgeleitet wird, bis er nach Oslo geht, um von dort…

Halleluja. Ich kann das gar nicht in Worte fassen, wie angefressen ich gerade bin. Das ist alles dermaßen sinnlos, unökologisch und nur schwer ökonomisch erklärbar. Und eine absolute Verar*** des Kunden. Ich fasse es nicht.

Und falls Ihr Euch noch nicht genug verarscht fühlt:

Der günstigste Flug von Amsterdam nach Oslo ohne Gepäck aber dann mit einem Koffer kostet 178€ + 55€ = 233€

Bucht man den Flug inklusive einem Koffer, so kostet der Flug 238€. Vermutlich rechnet einfach niemand mehr nach…

 

Alle Screenshots von Expedia.de am 17.01.2022 zwischen 13:00 und 13:30 Uhr.

Batterieautos sind nicht die Lösung. Der ÖPNV ist sie.

Batterieautos sind nicht die Lösung. Der ÖPNV ist sie.

Ich hatte gerade wieder das Vergnügen gefragt zu werden, warum ich nicht glaube, dass ein Umstieg von fossilen Verbrennern zu elektrisch geladenen Autos (EV, Electric Vehicle) unsere Probleme löst. Und dabei hätte ich gedacht, es liegt auf der Hand:

Ja, EV verbrauchen über ihren Lebenszyklus sehr viel weniger Ressourcen als Verbrenner und verursachen sehr viel weniger CO2. Selbst wenn sie nicht ausschließlich mit grünem Strom geladen werden. Aber auch EV sind nicht ohne Problem:

Aktuell sieht man das sehr schön daran, wie gewaltig der Bedarf an Lithium, Kupfer und Cobalt ist. Und von keinem der Drei gibt es oder wird es eine grüne Variante geben. Von den Problemen der Menschen die für Hungerlöhne mit dem Abbau beschäftigt sind und daran erkranken und sterben werden, ganz zu schweigen. Aber wir brauchen irre Mengen dieser Materialien für die Akkus. Und wie Ihr Euch denken könnt, natürlich brauchen wir auch riesige Mengen Trinkwasser zu deren Gewinnung.

Diese Materialien umgeben Euch überall. In Form von Lithium-Akkus. In Euren Smartwatches, Handys, Notebooks und praktisch fast allen Geräten und ja, eben auch in EV. Und auch die anstehende „Batterierevolution“ zu sogenannten „Solid State“-Batterien wird nicht helfen. Zwar verbrauchen wir dann weniger Kupfer und Cobalt, aber Lithium werden wir weiter brauchen. Und um das mal klar zu sagen: Die Löcher die wir durch den Tagebau kennen, sind dagegen ein Witz.

Wer also glaubt, dass nur der Tausch des einen gegen ein andere Auto die Erlösung bringt, liegt leider nach wie vor falsch. Denn das Problem ist schon heute: Wir haben schlicht zu viele Fahrzeuge für den MIV (Motorisierten Individualverkehr). Denn machen wir uns mal nackig: Da wo früher Familien ein Auto hatten, wenn es hoch kam 2, hat heute jedes Familienmitglied das alt genug für den Führerschein ist, in der Regel auch ein Auto. Das produziert wird und Schaden anrichtet – unabhängig davon ob es überhaupt gefahren wird. Und wenn es gefahren wird? 2 Tonnen plus X für eine Person. Oder mal Zwei.

Die Lösung muss daher ein weiter konsequenter Ausbau des ÖPNV sein und die „Verdrängung“ des Autos z. B. au den Innenstädten. Die Energie-, Rohstoff- und Umweltbilanz öffentlicher Verkehrsmittel ist logischer Weise deutlich besser als die eines Fahrzeugs für eine einzelne Person. Und wir müssen wieder dahin kommen, dass wir nicht fragen „lasse ich heute mal das Auto stehen“, sondern „muss ich wirklich heute ein Auto benutzen“. Und dann merken wir auch ganz schnell wieder, dass wir mit sehr viel weniger Autos auskommen werden. 

Und dann, erst dann, fangen wir an, die Probleme zu lösen.

Aber nicht, in dem wir unseren Verbrenner 1:1 gegen einen EV tauschen.

Und nachdem ich lange gesucht habe, habe ich ein – wie ich finde – gutes Erklärbär-Video zu dem ganzen Kontext auf Youtube gefunden. Nehmt Euch mal die Zeit:

Keinen Millimeter nach Rechts!

Keinen Millimeter nach Rechts!

Seit einiger Zeit sammeln sich Montags in Dinslaken „besorgte Bürger*innen“ und politisch (sehr) weit rechts stehende Menschen, um gegen die Corona Vorsichtsmaßnahmen zu protestieren. Entschuldigung, spazieren zu gehen.

Die „Omas gegen Rechts“, ein lockerer Zusammenschluss von Frauen, hatte darauf keinen Bock mehr und über Social Media zu einer Gegenveranstaltung aufgerufen. Und ohne viel Lärm versammelten sich gestern mehr als 600 Menschen um ein Zeichen zu setzen.

Dabei wurde auch zum Gedenken an die Verstorbenen Lichter aufgestellt, was die ganze Stimmung noch mal beeinflusste. Während dessen mobilisierte auch die Gegenseite und brachte überregional fast 500 Menschen auf die Straße, die fast friedlich und still ihren „Spaziergang“ vollzogen. Bemerkenswert war, dass unter den Maskengegnern im Zug auch Maskenträger waren.

Das Tolle an der Veranstaltung der „Omas gegen Rechts“ gestern war, dass die Zivilgesellschaft endlich mal gezeigt hat, dass sie eben nicht stillschweigend die „Spaziergänge“ duldet. Sondern das sie ein Problem damit hat. Und ich habe mich gefreut, so viele Menschen zu sehen, die mit ihrer Anwesenheit klar gemacht haben: „Nicht mit uns!“

Und vielleicht müssen wir solche Veranstaltungen wiederholen. So lange, bis die wenigen lauten Quer- und Leerdenker endlich begreifen, dass sie erstens nicht die Mehrheit sind und zweitens auf dem Holzweg.

Mal kurz was kaufen – Stefan-Edition

Mal kurz was kaufen – Stefan-Edition

Mein NAS (eine Art externe Festplatte, nur nicht per USB angeschlossen, sondern über Netzwerk) ist praktisch voll. Das passt ganz gut, weil ich ohnehin auf zwei getrennte Geräte für Multimedia-Inhalte und Backups umsteigen wollte. Und es trifft sich noch besser, dass ein begehrtes Gerät gerade im Sonderangebot bei einem Händler zu haben war.

Also gekauft.

Das Problem: Die Geräte werden beide jeweils über 2 Netzwerkkabel an der Fritz-Box angeschlossen. Die hat aber nur 4 Ports und mein Computer wäre das fünfte Kabel. Das geht also nicht.

Also einen Switch gekauft. Worauf achte ich Genie natürlich nicht? Ob der Switch denn auch Ports bündeln kann – für die Nicht-Nerds: Zwei Netzwerkkabel bedeuten zwei Netzwerkanschlüsse mit eigenen Adressen, es sei denn, das Gerät kann zwei zu einem Anschluss bündeln. Also einen anderen Switch gekauft.

Damit die Sachen endlich nicht mehr so lieblos in der Ecke stehen, ein kleines Regal für Router, NAS-Geräte, USV (Unterbrechungsfreie Stromversorgung) gesucht und gefunden.

Jetzt steht alles toll nah bei einander. Was hab ich natürlich nicht? Kurze Netzwerkkabel um die Geräte ordentlich zu verbinden. Also habe ich neue Netzwerkkabel besorgt.

Schick. Alles gut. Alles fein.

Äh….

Das Netzwerkkabel von meinem Computer ist mit 3 Meter genau 50cm zu kurz um an den neuen Switch zu passen. Das nächst verfügbare Kabel in meinem Schrank ist aber 10 Meter lang. Also noch mal los, noch ein Kabel kaufen.

Was lernen wir daraus?

Nicht nur macht jeder Gang schlank, man unterhält auch seine Händler ganz wunderbar, wenn man wie ich alles so perfekt im voraus plant und berechnet 😀

Die Welt erobern – nur ohne Krieg?

Die Welt erobern – nur ohne Krieg?

Nach 2 Weltkriegen mit Millionen und Millionen an Toten wissen wir: Krieg ist kein adäquates Mittel, um die Welt zu erobern. Gibt es denn eine Alternative?

Vielleicht. Und vielleicht erleben wir gerade, wie eine Nation Stück für Stück ihren Einfluss über die ganze Welt ausbaut. Und für mich fühlt sich das alles inzwischen sehr dystopisch an. Auch weil ich mir schon länger die Frage stelle, wie Politik damit umgeht. Denn ich bin ja bei Weitem nicht der Einzige, der sich hier was zusammenreimt.

Innenpolitisch ist es natürlich spannend und auch bedrohlich, wie die kommunistische Partei in China die Menschen unter Kontrolle hält. Für mich als Nerd ist das vor allem an den Stellen bemerkenswert, in denen IT zum Einsatz kommt. Zum Beispiel beim Social Scoring, also einem automatisierten Punktesystem, dass Menschen belohnt, die sich „konform“ verhalten und jene bestraft, die das nicht machen. Das kann dazu führen, dass man von bestimmten Verkehrsmitteln, Bildungsangeboten oder gar Wohnungen ausgeschlossen wird. Das mathematische Verfahren, dass über das Leben bestimmt, ist natürlich streng geheim (hallo Schufa, erinnert Dich das an was?).

Und damit nicht genug, erschreckt China jetzt mit einer neuen Automatisierung: Ab sofort können „Gerichtsprozesse“ (in Anführungszeichen, damit klar ist, dass die nicht mit Prozessen in Rechtsstaaten verglichen werden können) komplett Autonom verlaufen. Dafür hat man eine künstliche Intelligenz programmiert, die man mit „realen“ Fällen trainiert hat. Dieses System ist nicht nur in der Lage die Prozesse durchzuführen – es entscheidet sogar schon, wann und gegen wen es überhaupt welche Anklagen erhebt. Beispielsweise auch in Fällen, die durch das Social Scoring ausgelöst werden.

Aber nicht nur nach Innen baut die kommunistische Partei ihre Macht und Kontrolle immer weiter aus. Das sieht man z. B. daran, dass China große Flächen an Land in Afrika aufkauft. Das soll zum einen die Versorgungssicherheit Chinas stärken. Schwächt aber natürlich zum anderen die Versorgung vor Ort massiv. Es vergrößert aber auch auf ganz legalem Weg die Fläche des Staates um Enklaven in anderen Nationen. In einem Ausmaß, dass sich kaum beschreiben lässt.

Doch China wäre nicht China, wenn sie nicht auch ökonomisch Macht weiter ausbauen würden. Sie überfluten ja schon lange den Weltmarkt mit billigsten Waren, für die es eine intensive Luft- und Wasserlogistik braucht. Hier ist der Einfluss von China aktuell eher gering. Was bietet sich da besseres an, als eine „Neue Seidenstraße“ zu etablieren. Dabei handelt es sich, vereinfacht, um eine Zugstrecke von China bis Duisburg. Ein solches Projekt kann für die Anrainerstaaten Vorteile bringen, die sich solche Mammutprojekte oft nicht leisten können. Hier springt China mit „billigen“ Krediten ein, über die es sich massiven politischen Einfluss auf die betroffenen Länder sichert. 

Parallel dazu hat China eine Strategie gestartet, die Menschen und Länder weltweit möglichst erfolgreich digital zu erfassen. Als Paradebeispiel dafür dient z. B. auch TikTok, die derzeit populärste und wohl auch dystopische Social-Media-App. Hierüber erhält China Zugriff aus sensible Daten von Milliarden von Menschen und deren Smartphones. Es braucht aber nur wenig Phantasie, dass China sich damit nicht zufrieden geben wird. Stellen wir uns nur ein KI-Projekt vor, dass die Bilder von Milliarden von Usern archiviert und analysiert – insbesondere auch die Hintergründe und Landschaften. Zusammen mit Sprache und Text kann China so still und heimlich die ganze Welt kartographieren und über weiche soziale Taktiken auf die Menschen einwirken.

Und wenn das mit sanftem Druck nicht funktioniert? Dann kann man auch schon mal die Muskeln spielen lassen: Selbst an deutschen(!) Universitäten versucht China ohne Scham Einfluss darauf zu nehmen, was wann wie und wo gelehrt wird. Und das China bestimmte Inhalte im In- und Ausland massiv unterdrückt, wissen wir nicht nur vom Tian’anmen-Massaker.

China ist also dabei, wirtschaftlich und politisch seinen Einfluss über die ganze Welt weiter auszubauen. Dafür nutzt es die Mechanismen, die der „freie Markt“ praktisch aufdrängt und seine massive Finanz- und Wirtschaftskraft. Die „westliche“ Politik scheint keine Antwort darauf zu haben oder die Gefahren nicht ernst genug zu nehmen. Oder in Teilen schon selbst nicht mehr handlungsfähig zu sein, weil man sich wissentlich und willentlich von China abhängig gemacht hat.

Und so kommen wir zurück zur Eingangsfrage: Gibt es eine Möglichkeit, die Kontrolle über große Teile der Welt zu erlangen, ohne Krieg zu führen? Die Antwort kennen wir noch nicht, aber wir können China dabei beobachten, wie es genau das probiert.

Wer weiß? Vielleicht führen wir dann auch absehbar Social Scoring-Systeme und KI-gestützte System in der Rechtsprechung ein. Das würde zumindest die Überführung in ein anderes, deutlich düsteres System vereinfachen. Oder wir denken einfach an das, was gerade in China passiert, wenn wir über (automatisierte) Überwachung und Entscheidungsfindung sprechen. Und vielleicht sprechen wir auch endlich mal über den Elefanten im Raum?

 

Ebay: nur um ganz, ganz, ganz sicher zu gehen ;-)

Ebay: nur um ganz, ganz, ganz sicher zu gehen ;-)

Ich bin nicht oft auf eBay unterwegs, gelegentlich mal um ein Buch zu kaufen oder ein paar Batterien. Verkaufen mache ich noch seltener. Aber heute, da wollte ich ausnahmsweise mal was verkaufen.

Im Dialog zur Erstellung des Angebots wurde ich darauf hingewiesen, dass ich meine Daten überprüfen müsste. Ah ja. Und aus gesetzlichen Gründen braucht es jetzt ein Geburtsdatum. Welches Gesetz? Keine Ahnung.

Spannend wurde es aber, dass eBay mir mitteilte, ich müsste ein Konto anlegen um den Verkaufserlös direkt überwiesen zu bekommen. Paypal sei nicht mehr möglich. Warum? Aus Sicht von eBay, weil man sich von Paypal getrennt hat.

Naja, mache ich das halt. Etwas irritiert bin ich, dass ich das Konto neu anlegen muss – es ist bereits für die Gebühren hinterlegt. Noch irritierter bin ich aber, als Sekunden später mein Posteingang eine Mail nach der anderen ankündigt: von der Schufa.

Irgendwo im Kleingedruckten (natürlich nicht so, dass man es im Prozess wahrnimmt) hat eBay sich das Recht gegönnt, für ein zahlungsempfangendes(!) Konto die eingegebenen Daten mit der Schufa abzugleichen.

Aber nicht ein Mal. Sondern gleich 8 mal. Vermutlich nur um ganz, ganz sicher zu gehen:

 

Offensichtlich nähern wir uns auch hier in atemberaubendem Tempo den USA an, was die Kommunikation mit Auskunfteien angeht. Und ich bin mal gespannt, wohin das führt. Ich frage mich z. B. was passiert wäre, wenn ich ein Konto angegeben hätte, dass nicht auf meinen Namen läuft. Könnte ja ein Lebensgefährtinnenkonto sein. Würde mir das verweigert? Ich kann es jetzt leider nicht mehr ausprobieren.

 

Der Benzinpreis als Symbol des Politikversagens

Der Benzinpreis als Symbol des Politikversagens

Ich war heute tanken.

Das ist in sofern bemerkenswert, als das ich ja nur sehr selten Auto fahre – und in der Folge sehr selten tanken. Deswegen war natürlich heute der aufgerufene Preis im Vergleich zum letzten Mal schon heftig.

Und es lässt mich grübeln. Denn Land auf, Land ab wird ja über den Benzinpreis diskutiert. Aber diskutieren wir richtig?

Klar ist doch: Benzin wird immer teurer werden. Erstens wird es aus einem limitierten Rohstoff hergestellt, um den auch andere Anwender konkurrieren. Die Verarbeitung und der Transport ist ein Mammutprojekt und die notwendigen Steuerungsmaßnahmen gegen den Klimawandel werden ihr übriges beitragen.

Wir sind dagegen schon fast süchtig nach dem billigen Stoff. Was waren alle glücklich, als Diesel in der Corona-Krise für knapp einen Euro zu haben war. Weil sie nicht verstanden, was das letztlich für den Markt bedeutet. Was beschweren sich heute alle über die Preise, die jedoch inflationsbereinigt gar nicht besonders hoch sind.

Allerdings ist der Benzinpreis und das Klagen der Menschen ein Ausdruck von Politikversagen.

Ich tanke unter anderem deswegen so super selten, weil ich wahnsinnig privilegiert bin: Ich kann meine Einkäufe fußläufig erledigen. Wohne in der Nähe des Bahnhofs und habe eine direkte Zugverbindung zur Arbeit. Das Jobticket ist verhältnismäßig günstig – was juckt mich der Spritpreis?

Aber eben dieses Privileg, dass ich genieße, steht längst nicht jedem zur Verfügung. Und die lange fehlgeleitete Politik hat zu folgendem Szenario geführt:

  • Während umweltschädliches Fliegen massiv subventioniert wird, gilt das für die umweltfreundliche Bahn nicht
  • Nur ein Bruchteil der Investitionen im Verkehrsbereich gegen in die Bahn, davon ein noch winzigerer Teil in den ÖPNV
  • Es gibt immer noch kein Recht auf Homeoffice
  • Finanzpolitik fördert pendeln, statt arbeiten zu Hause oder nah am Wohnort

Natürlich werden hohe Treibstoffkosten die Menschen dazu bewegen, weniger, langsamer zu fahren und Menschen und Umwelt werden sich freuen. Das behebt aber noch nicht das Problem, dass der ÖPNV in vielen Bereichen keine Alternative ist und Fahrrad fahren oftmals tödlich – gerade erst wieder in Düsseldorf.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass Politik den Menschen die Wahrheit sagt:

Ja, Benzin und Diesel werden immer teurer.

Nein, Benzin und Diesel in PKW haben keine Zukunft.

Ja, der Bund, die Länder und Kommunen müssen massiv in den ÖPNV und Radwege investieren.

Ja, heimatliches oder heimatnahes Arbeiten muss bevorzugt und gefördert werden.

Viele Politiker sind ja der Meinung, man könne den Menschen nicht die Wahrheit zumuten. Deswegen werden Nebelkerzen wie der vorübergehende Verzicht auf Steueranteile beim Treibstoff diskutiert. Das ist aber natürlich keine Dauerlösung, weil das gleichzeitig den finanziellen Handlungsraum einschränkt.

Es ist dringend geboten, die Verkehrswende zum Prio 1 – Thema zu machen. Verkehr muss nachhaltiger, vernetzter, elektrischer werden. Da beißt die Maus keinen Faden ab.