Danke CDU, danke FDP, Ihr habt NICHTS gelernt

Danke CDU, danke FDP, Ihr habt NICHTS gelernt

Gestern prostete der Grüne Bundestagskandidat für den Kreis Wesel, Hans Peter Weiß, ein Sharepic auf Facebook. In diesem wies er darauf hin, dass der Regionalpan für den Kreis Wesel alleine 1200 Hektar Abgrabungsfläche für Kies und Sande vorsieht. Politisch verantwortlich für diese skandalöse Entscheidung ist die NRW- Landesregierung aus Schwarz-Geld. 

(1200 Hektar = 12.000.000 Quadratmeter. Fußballfelder haben 4.500 bis 10.800 Quadratmeter, wir reden also von 1,111 bis 2667 Fußballfeldern. NUR im Kreis Wesel!) 

Eine solche Entscheidung, gerade vor den aktuellen Bildern der Überschwemmungen in NRW und Feuer in Süd-Europa ist an machtarroganz nicht zu überbieten. Wieso machtarroganz? Schon vor ein paar Jahren sagte ein FDP-Politiker auf einer Kies-Veranstaltung zu mir, sein Ziel wären ausreichend viele und miteinander verbundene Baggerseen, um mit dem Segelboot bis ans Meer zu kommen. 

Aber wieso regt mich das so auf, dass hier Kies und Sand abgebaut wird? Das fördert doch (wenige) Arbeitsplätze und sichert Gewerbesteuern?

Nun, ein Großteil des Kies und Sand wird in die Niederlande und Belgien verschifft. Aus einer großen Menge wird mit viel CO2-Einsatz dann Beton zum Bauen gewonnen. Natürlich kann man Beton auch in Teilen recyceln, aber warum, wenn es auch neu geht? 😉

Zurück bleiben riesige Löcher in der Landschaft, die nicht mehr bepflanzt werden können – weder mit Blühwiesen für Insekten, noch mit Bäumen. Statt dessen laufen diese Löcher mit Grundwasser voll. Das ist gleich dreifach problematisch:

1. Baggerseen können nur wenig zusätzlichen Regen aufnehmen und bieten bei Starkregen keine Entlastung durch Flächenversickerung

2. Grundwasser, dass zur Bewässerung von Feldern, vielleicht sogar zur Trinkwassergewinnung genutzt werden könnte, läuft in einen See.

3. Dieser See bietet eine riesige Verdunstungsfläche.

 

Stellt Euch das nur mal kurz vor: Es wird in Europa durch den Klimawandel heißer. Wassers wird kostbarer und statt es im Boden geschützt zu lassen, „zerren“ wir es an die Sonne und lassen es verdunsten. Und das hat einen ganz, ganz unangenehmen Nebeneffekt:

Wie wir im Juli eindrucksvoll in NRW sehen konnten, speichert die wärmere Luft mehr Wasser, dass wir ihr quasi auf dem Silbertablett hin halten. Das wiederum führt zu Starkregen, der mangels freier Flächen nicht versickern kann, sondern unsere Städte überflutet.

Und ein zweites Problem an dem verdunsteten Wasser: Regnet es über dem Meer ab oder Flüssen die es ins Meer leiten, ist es als Trinkwasser erst mal weg.

Man sollte glauben, dass 2021 die Politik verstanden habe, dass ein „weiter so“ mit den ewig gleichen Argumenten wie „denkt doch an die Arbeitsplätze!“ nicht mehr möglich ist. 

Weit gefehlt. Die Abgrabunbgspläne hier zeigen sehr schön: Die Verantwortlichen haben entweder nichts verstanden oder, was noch schlimmer wäre, sie haben verstanden und sind trotzdem weiter bereit, eine lebenswerte Welt dem kurzfristigen Profit zu opfern.

Und ich weiss nicht, was schlimmer ist…

 

New Camera Day: Nikon Z fc

New Camera Day: Nikon Z fc

Ich kaufe heute kaum annähernd so viel Kamera-Equipment, wie früher. Zum einen, weil ich anders/weniger fotografiere, zum anderen weil ich selten einen “haben will”-Reflex verspüre. Das war früher ausgeprägter. Anyway, jetzt hatte ich einen tatsächlich unwiderstehlichen “haben will”-Reflex und musste mir sofort nach Verfügbarkeit eine Nikon Z cf kaufen. Die vermutlich meistdiskutierte (und das kontrovers) Nikon, die derzeit auf dem Markt ist.

Und heute kam sie endlich. Nach einer scheinbar ewig langen Wartezeit von 48h seit der Bestellung 😉

Was soll ich sagen: Sie ist absolut fantastisch geworden:

Aber was ist jetzt das besondere an der Nikon Z fc? Und warum wird sie so kontrovers diskutiert? Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Und Euch erklären, was es mit dieser Kamera auf sich hat. Zunächst der “Hauptkritikpunkt” vieler Youtuber, die schon ein Hand-On veröffentlicht haben:

Rein technisch gesehen ist die Kamera eine Nikon Z50, die vor gut 2 Jahren erschien. Und in der heutigen Zeit scheint das seine so lange Zeit zu sein, dass man Technik, die schon zwei Jahre alt ist, praktisch nicht mehr kaufen, geschweige denn verwenden kann. Natürlich hat die Nikon Z fc einige Verbesserungen per Software, die die Z50 nicht / noch nicht / nicht mehr bekommt. Im Grunde aber, Sensor und Prozessor vor allem, sind sie halt technische Schwestern.

Der Witz ist, dass das völlig egal ist.

Ich habe zwei Brot- und Butter-Kameras, die ich praktisch immer nutze. Das eine ist eine Nikon D700 von 2009(!), das andere eine Nikon D850 aus 2020. Die D850 hat eine Auflösung von mehr als 45 Megapixeln – oh wow. Die D700 kommt mit 12 Megapixeln daher. Und jetzt ratet mal, welche Kamera mehr Fotos schießt? Richtig, die D700. Warum? Weil die Dateien deutlich kleiner sind und der gesamte Workflow (von der Speicherkarte auf den PC, laden in Lightroom, exportieren und im Web hochladen) unfassbar viel weniger Zeit braucht. Die D850 hat natürlich den Vorzug, wenn ich hinterher große Prints mit feinen Strukturen brauche und vor allem beim Video (was die D700 gar nicht kann). Na klar, die D850 hat weniger Rauschen in  höheren ISO, einen größeren Dynamikumfang und bla bla bla. Das einzige Problem: Ich sehe das. Unter anderem weil ich einen Monitor besitze, der das darstellen kann. Ihr? Auf Facebook, Youtube, Instragram, Flickr? Ich würde wetten, dass die meisten von Euch nicht erkennen könnten, ob das Bild mit der “state of the art” D850 oder ihrer Großmutter,  der D700 geschossen wurde.

Was ich zudem an Nikon liebe ist, dass alle meine Kameras alle Objektive verwenden können, die ich habe. Und einige davon sind so alt wie ich. Das gilt sogar für die kleine “Reisekamera” Nikon D90, die hier ebenfalls vorhanden ist. Die D90 ist die einzige “Crop-Kamera” in meinem Gepäck und eine kleine Schwester der D700. Sie macht auch 12 Megapixel, ist als APS-C-Kamera aber kleiner und leichter und (theoretisch) sind APS-C-Objektive auch kleiner und leichter. Die Unterschiede sind dann im Detail: In der D90 ist ein Akku, in der D700 gleich 3 (beide nutzen die gleichen Akkus), die D90 konnte damals als eine der ersten Spiegelreflexen sogar schon Video. Der schärfste Konkurrent der D90 ist aber seit einer Weile ganz wer anders: mein iPhone 12pro.  (APS-C beschreibt die Größe des Sensors in Anlehnung an das früher mal erhältliche APS-Filmformat. “Vollbild” bezieht sich auf die damals erhältlichen “Kleinbildfilme”. Wikipedia hat da was zu.)

Das iPhone hat bei mir die DSLR als Reisekamera abgelöst. Es kommt ja ebenfalls mit 12 Megapixeln daher (wusstet Ihr das eigentlich?) und macht für ein Handy absolut gute Fotos und Videos. Es steht, sieht man mal von der Möglichkeit, andere Objektive anzusetzen ab, der D90 in nichts nach und ich muss gestehen, seit ich das iPhone 12pro habe, fristet die D90 ein Schatten-Dasein (leider *schnüff*)

Warum erzähle ich Euch das alles?

Seit einiger Zeit kann man beobachten, dass Spiegelreflex-Kameras von Spiegellosen Systemkameras verdrängt werden. Diese haben eine Reihe von Vorteilen, weil sie weniger aufwändig mechanisch zu bauen sind und können, weil hier der Sensor immer genutzt wird, auch neuere Autofokus-Techniken anwenden. Bei Nikon ist das die Z-Serie.

Man kann an die Z-Serie theoretisch auch die “alten” Objektive anschließen (sowohl APS-C-Objektive, als auch Vollformat-Linsen), aber nur mit einem sogenannten FTZ-Adapter. Das klingt erst mal gut, bis man sieht, wie das aussieht: Die kompaktere Bauweise der Spiegellosen erlaubt nämlich auch, deutlich kleinere Objektive zu bauen.

Das stellte mich vor ein Problem: Ein Wechsel auf die Z-Serie war bisher uninteressant, weil ich sehr viele “alte” Objektive nutze und die Vorteile der Spiegellosen in erster Linie beim Video liegen. Ich kenn mich, ich würde natürlich auch die Z-Objektive kaufen wollen 🙂

Auf der anderen Seite hätte ich aber gerne eine kleine kompakte Reisekamera, die fast unmögliches ermöglichen muss: einen guten Sensor, Technik aus SLR-Kameras oder Spiegellosen aber in einer Größe, die ich immer dabei haben möchte.

Das Problem hier ist nicht die Kamera selbst, sondern das Gewicht. Hier mal ein willkürlicher Vergleich:

  • Nikon D90 mit Sigma 17-70mm, Batterie und Speicherkarte: 1.313 Gramm
  • Nikon D700 mit 3 identischen Akkus und dem “immerdrauf” Nikon 24-120: 2.285 Gramm
  • Nikon D850 mit 2 unterschiedlichen Akkus und dem am häufigst verwendeten 85 1,8: 1.847 Gramm

Die Kameras sind einfach, wenn man sie den ganzen Tag trägt, sackschwer. Was nicht schlimm ist, wenn ich zum Fotografieren unterwegs bin. Aber sehr wohl ein Problem wird, wenn es mich einfach nach draußen zieht, gleich ob zu Fuß oder dem Zweirad.

Und daher: Vorhang auf für die Nikon Z fc!

Hier bekomme ich eine spiegellose Systemkamera, an die ich beliebige Objektive anhängen könnte. Sie kommt mit einem kleinen Standard-Zoom und moderner Technik an einem aktuellen APS-C-Sensor. Mit anderen Worten: Sie ist perfekt. Und das nicht nur was die inneren Werte angeht.

Sie ist optisch an die Nikon FM2 angelehnt. Eine Kamera, die ich schon immer toll fand und obwohl ich so viele Nikon-Kameras gekauft und verkauft habe, nie besessen habe. Und ich stehe total auf das “Retro-Design” der Z cf.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich noch immer kein Freund von Touchscreens bin. Sogar meine Smartwatch hat Tasten 🙂 Und die Z cf kommt mit einem nicht zwingend zu verwendenden Display, dafür aber vielen dedizierten Knöpfen und Schaltern. Und allein das Gefühl, eine Einstellung durch ein Drehen eines Rades, statt per Wischen auf dem Display vorzunehmen…. Daneben kann sie alles, was ich brauche: 20 Megapixel Fotos, rauscharm, 4k-Video und so weiter…. In meinen Augen ist die Z cf die Reisekamera, auf die ich gewartet habe.

Klinge ich verliebt?

Vielleicht ein bisschen 😀

Finde ich, dass Nikon mit der Z cf eine Nischen-Kamera gelungen ist, die viele, viele Menschen begeistern wird? Mit Sicherheit. Werdet Ihr mich in Zukunft wieder verstärkt mit einer Kamera in der Hand, statt des Handy, sehen? Garantiert 🙂

(Übrigens, die Kamera selbst kostet weniger als das iPhone. Vielleicht wäre die auch für Euch interessant. Wer nicht die “Limited-Edition” in Silber haben will, kann deutlich günstiger einsteigen. Und auch interessante Sets kaufen.

P.S: Ich weiß, was Ihr beim Titelbild gedacht habt, Ihr filthy animals:-D

 

 

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Cui Bono, liebe CDU?

Cui Bono, liebe CDU?

Es sind schon merkwürdige Zeiten, in denen wir leben. Man könnte sogar sagen: Irre Zeiten.

Kassel liegt gut zwei Stunden von Erfurt entfernt. Erfurt ist die Landeshauptstadt von Thüringen und in Kassel wurde der CDU Politiker Lübcke von einem Rechtsterroristen (vulgo: Einzelfall) ermordet.

In Thüringen will die A*D, eine rechtsextreme Partei, über ein Misstrauensvotum die aktuelle Regierung stürzen und Bernd Höcke ins Amt heben. Die Demokratie hat jetzt folgendes Problem: Aktueller Amtsinhaber ist Bodo Ramlow, ein Linker.

Und es kommt, was kommen muss:

Die CDU wird nicht mitwählen. (Grafik)

Offiziell, weil man der A*D keine Bühne bieten wollen würde.

Ich glaube das nicht.

Wäre die CDU wirklich so massiv gegen die A*D in Thüringen eingestellt, würde sie meiner Meinung nach mit den anderen Fraktionen ein Wahlergebnis herbeiführen, nachdem sich Höcke nie wieder traut sich einer Wahl zu stellen.

Und die Wahrheit blitzt auch im letzten Satz durch, wenn die CDU Thüringen in bester Tradition mit Hufeisen wirft: Sie schafft es nicht, sich klar gegen Rechts zu positionieren, ohne dann doch zu sagen, dass sie eigentlich (viel mehr?) gegen Links ist.

Aber was könnte dann hinter dem Verhalten der CDU stecken?

Ich glaube folgendes:

  1. Die CDU hofft, dass Höcke mehr Stimmen als die der A*D bekommt, um mit dem Finger auf andere zeigen zu können.
  2. Die CDU weiß, das sie aus den eigenen Reihen Stimmen an Höcke geben würde.

Warum ich das denke?

Die Fraktionsspitze kann das in geheimer Wahl nicht verhindern. Jeder an der Wahl teilnehmende kann glaubhaft versichern, er hätte Höcke nicht gewählt. Würde Höcke mehr Stimmen als die der A*D bekommen, wären sich die meisten Menschen einig, dass diese Stimmen wohl vermutlich von der CDU kämen.

Und das wäre für den angeschlagenen Kanzlerkandidaten Laschet der Todesstoß. Zum ersten Mal steht die CDU vor der Situation einen Kandidaten aufgestellt zu haben, der alles macht um nicht gewählt zu werden und der nach Innen (von Merz) torpediert wird und nach außen (von Söder) getrollt.

Eine Wahl von Höcke mit den Stimmen der CDU wäre das endgültige Aus. Selbst die älteren Stammwähler der Union würden sich in größeren Mengen eine Alternative suchen oder einfach im September gar nicht mehr wählen.

Ich persönlich halte also das Verhalten der CDU Thüringen für eine Notbremse aus Angst vor sich selbst.

(Und es wäre nur halb so auffällig, wenn sich die CDU den letzten Satz gekniffen hätte. Aber sie kann halt nicht anders.)

 

 

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Was bisher geschah:

Dein bester neuer Freund: BOB

Dein bester neuer Freund: BOB

Auf Grund der Geschehnisse der letzten Tage möchte ich mit Euch noch mal über ein Thema reden, dass man nur all zu gerne in die Ecke der Prepper rückt, also der Menschen, die sich auf das Ende der Welt vorbereiten. Dem ist aber nicht so, das worüber ich heute mit Euch reden will, hätte vielen Menschen in den letzten Tagen helfen können – oder hat ihnen geholfen.

Die Rede ist von einem “Fluchtrucksack” oder auch “Bug out Bag” oder halt “BOB“. Allerdings konzentriere ich mich auf den “kleinen” Fluchtrucksack, nicht auf den 72h-BOB, mit dem man sich 3 Tage komplett selbst versorgen kann.

Dabei geht es mir mehr darum Euch zu erklären, was das ist, als eine vollständige Liste der Dinge zu präsentieren, die Ihr da rein packen solltet. Dafür gibt es mehr als genug Listen im Internet und wer sich intensiver mit der “Krisenvorsorge” beschäftigen möchte, kann das beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz machen. Das hier wird nur ein grobes “what and why”. Hilfreich könnte aber auch sein, sich das PDF von der genannten Website (Ratgeber Notfallvorsorge PDF) herunterzuladen und offline verfügbar zu machen (we call it “ausdrucken”).

Auslöser für mich, darüber zu bloggen, war dieser Tweet von Einhornglitzer. Und die darunter sich entwickelnde Diskussion, in der klar wurde, dass viele Menschen noch nie von einem BOB gehört haben.

In der einfachsten Version habt Ihr für jedes(!) Familienmitglied einen fertigen Rucksack der so positioniert ist, dass Ihr ihn schnell greifen könnt, wenn Ihr – warum auch immer – das Haus verlassen müsst. Für jeden einen eigenen, weil jeder eigene Sachen braucht. Und weil, auch wenn Ihr das nicht hören mögt, Ihr von Euren Liebsten getrennt werden könntet. Katastrophen sind da leider erbarmungslos.

Ein BOB muss dabei folgende Funktionen erfüllen: Er muss alles enthalten, was dringend notwendig ist und Euch erstens durch das Schlimmste bringt und zweitens unterstützt, zurück ins ein geordnetes Leben zu finden. Dabei muss er nicht groß sein, meiner ist ein relativ kleiner und preiswerter Rucksack. Wichtiger ist ja auch, was drin ist.

Viele Leute empfehlen, von wichtigen Dokumenten eine Kopie in den BOB zu packen. Ich habe mich dafür entschieden, meine Dokumente – die ich eh alle Digital habe – auf einen wasserdichten USB-Stick zu packen. Sowohl als JPG-Bild, als auch als PDF-Dokument, weil das die beiden am weitesten verbreiteten Formate sind. Bei Familien sollte in jedem Rucksack ein Stick mit allen Dateien sein.

Wichtige Dateien sind unter anderem:

  • Pass und andere wichtige Ausweise wie Führerschein etc.
  • Impfdokumente und andere Dokumente zur persönlichen Gesundheit
  • Informationen zu Bankkonten und Zahlungskarten (OHNE Geheimzahlen, logisch oder?)
  • Adressen und Kontaktdaten (Mail, Telefon) wichtiger Personen
  • Ersatzschlüssel

Daneben ein Satz trockene Wäsche – damit die trocken bleibt, bitte wasserdicht verpacken. Ihr ahnt gar nicht, wie viel Luxus eine trockene Unterhose und Socken sein können. Ich achte dabei auf möglichst leichte Sachen (Funktionswäsche), das ist aber ein kann, kein muss. Nehmt auch was zum Feuermachen mit und ein gutes Taschenmesser. Als “Grillanzünder” eignen sich übrigens Tampons: Die sind oft einzeln in Folie verpackt und lassen sich gut auseinander friemeln. Pfadfinder kombinieren die mit Vasline 😉

Denkt an was zu Trinken. Durst ist das Erste, was Euch ereilt und sauberes Wasser kann ein Problem sein. Wenn noch Zeit ist, füllt pro Person 2 Wasserblasen. Für den Fall das keine Zeit ist, schmeisst Euch einen LifeStraw ins den Rucksack. Zu Essen kann man alles möglich einpacken, Hauptsache nicht Wärmeempfindlich und lange haltbar. Müsli-Riegel oder Power-Riegel aus dem Sport sind durchaus gut geeignet. Die Hartgesottenen werfen einfach Panzerkekse in den Rucksack. Die halten praktisch Ewig und sind (mit der Vaseline) ebenfalls gute Grillanzünder.

Zu den zwei am Häufigsten vergessenen Dingen gehören übrigens Sachen der persönlichen Hygiene. Also kauft Euch ein Reiseset, eine Packung Feuchttücher und verpackt eine Rolle Toilettenpapier wasserdicht. Letztere lässt sich kleiner verpacken, wenn man den Pappkern vorher entfernt.

Dann nehmt Ihr noch ein altes Verbandsset aus dem Auto, dass Ihr ohne Umverpackung in den Rucksack steckt. Zusammen mit einer Grundausstattung an Medikamenten, vor allem gegen Schmerzen, Fieber und Durchfall. Dazu kommen noch 2-3 Paar Einmalhandschuhe und wenn Ihr habt ein billiges Paar Gartenhandschuhe.

Die Erwachsenen bekommen noch ein dünnes Buch, 4 Batterien AA und 4 Batterien AAA einegpackt, dazu eine gute(!) Taschenlampe, die mit AA oder AAA-Batterien betrieben wird. Kinder kriegen was zu Spielen in den Rucksack.

So. Das sind die Basics. Ab hier könnt und dürft Ihr selber weitermachen und Dinge hinzufügen, die Euch wichtig scheinen. Ich habe z. B. eine wasserdichte Powerbank, einen Satz gängiger USB-Kabel (Iphone, USB-C, Mikro USB) und ein kleines Solarpanel mit dabei. Das Panel lädt die Powerbank, die den Rest.

Und wenn die Rucksäcke fertig sind, positioniert Ihr sie so, dass sie auf dem Weg raus schnell greifbar sind. Wer erst in den Keller oder auf den Dachboden muss, hat was falsch gemacht.

Und dann noch was zu den Daten: Es ist durchaus klug, wichtige Daten (auch) in der Cloud liegen zu haben. Achtet aber bitte darauf, dass Ihr die dann ausreichend verschlüsselt – aber so, dass Ihr auch im Stress einer Notfall-Situation selber wieder in der Lage seid, daran zu kommen. Darüber hinaus solltet Ihr einen größeren USB-Stick als Backup Eurer PC-Daten haben, der so liegt, dass ihr zwar erstens jede Woche ein aktuelles Backup darauf machen könnt, aber auch eben so, dass Ihr ihn im Krisenfall nicht vergesst. Da gehört alles drauf, was nicht so super wichtig ist, dass es im Rucksack verbleibt, dass Euch aber lieb und teuer ist. Das ihr mindestens 1x die Woche ein Backup machen solltet, wisst Ihr ja.

So… jetzt Ihr: Fragen? Anmerkungen?

 

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Warum ich meine Prime Visa gekündigt habe

Warum ich meine Prime Visa gekündigt habe

Ich hatte eine ganze Zeit die Visa-Kreditkarte von Amazon.

Als ich sie damals, ganz am Anfang ihrer Zeit, bestellt habe, war sie sehr verlockend. Es gab einen relativ hohen Startbonus von 70€ und bei jedem Kauf auf Amazon bekam man 3% gutgeschrieben. In Form von “Punkten”, die dann als Bargeldersatz bei Amazon verwendet werden konnten. Und ja, damit umgeht Amazon auch die Buchpreisbindung, weil es die 3% natürlich auch bei Büchern gibt. Für Prime-Mitglieder ist sie kostenlos.

Die Karte wird vertrieben von der Landesbank Berlin(LBB). Und hier beginnt und endet mein Problem.

Zunächst das Positive: Die App zur Karte ist funktional und gut zu bedienen. Der Kundenservice reagiert schnell auf Anfragen aller Art und das nervige “Revolving” kann man per App ein- und vor allem abschalten.

“Revolving Creditcard” beschreibt dabei, dass man bei solchen Karten gerne in Teilbeträgen zahlen kann. Angesichts von oft 15% und mehr Zinsen ist das natürlich das Geschäft für das ausgebende Institut. Also werden die Verfügungsrahmen schnell hoch gezogen und es wird beständig dafür geworben, ganz bequem doch nur 5% oder so zurück zu zahlen. Der “Revolving”-Teil kommt dann aus den USA dazu, wo es bei ärmeren Menschen üblich ist, die Schulden einer Karte mit einer anderen Karte zu bezahlen. Man dreht sich also mit mehreren Karten im Kreis.

Würde die LBB jetzt gelegentlich Werbung für die Teilzahlung machen, würde ich mir denken: Jo, das ist halt ihr Geschäft. Insbesondere, da der Zinssatz aktuell 14,98% im Jahr(!) beträgt, ggf. zusätzlich 0,87% des “durchschnittlichen Rechnungsbetrags” als “Zahlungsschutz” (den man aber abwählen kann). Preis- und Leistungsverzeichnis Stand 01.04.2021

Was die LBB aber mit zunehmender Frequenz macht, ist Mails schicken, die folgenden Inhalt haben:

Übertragen Sie x Tausend Euro auf Ihr Girokonto für x Monate.

Die Idee ist klar, man soll den Kreditrahmen nutzen und die Liquidität ausgeben und dann nicht rechtzeitig zurück zahlen können. Das Problem bei diesen Mails ist, dass es zwei nahezu identische Versionen gibt:

Ein Mal bietet die LBB 3 Monate Zinsfrei.

Ein Mal werden sofort die Zinsen fällig.

Ja, man kann das im Kleingedruckten lesen. Es wird klein geschrieben aber nicht unmittelbar versteckt. Das Problem ist, dass der gemeine Nutzer oder die gemeine Nutzerin natürlich verleitet wird, darauf herein zu fallen. Vor allem, wenn es Zinslos beginnt und irgendwann plötzlich Zinsen fällig werden.

Für ein Quartal zinsfrei mehrere Tausend Euro zur Verfügung zu haben, kann sinnvoll sein, wenn man weiß, wie man in der Zeit Früchte (Zinsen) daraus ziehen kann. Es ist nicht sinnvoll, wenn man es nicht am Ende zurückzahlen kann. Und es ist auf gar keinen Fall sinnvoll, wenn von Anfang an die Zinsen anfallen.

Was mich ärgert ist, dass eine Landesbank solche Tricks nicht nötig haben sollte. Ja ich verstehe, dass Banken Geld verdienen müssen und wollen. Aber mir kann niemand erzählen, dass es Zufall ist, wie hier Kunden erstens geködert werden, ihren Kreditrahmen auszunutzen und wie mit den Zinsen umgegangen wird.

Und weil ich sowas gar nicht mag, habe ich die Karte gekündigt.

An der Stelle muss ich aber erwähnen, dass die Kündigung binnen 24h umgesetzt wurde und das Restguthaben von meinem Kreditkartenkonto wieder auf meinem Girokonto war. Interessant ist, dass der Dateiname der Kündigungsannahme “Kündigung ohne Angebot.pdf” gewesen ist. Ich frag mich ja, was man anderen Kunden (vielleicht solchen die hohe Zinserträge generieren?) für Angebote macht 😉

 

Ich bin geblitzt worden. Und das ärgert mich. So richtig.

Ich bin geblitzt worden. Und das ärgert mich. So richtig.

Offensichtlich bin ich letzten Monat mit dem Auto gefahren. Und offensichtlich war ich zu schnell. Denn heute bekomme ich von der Stadt Duisburg ein nettes Schreiben nebst nettem Foto. Und der höflichen Bitte, dem Stadtsäckel was Gutes zu tun. Und ich bin verärgert. So richtig.

Was mich so ärgert, sind drei Dinge:

  1. Ich habe meinen eigenen moralischen Standpunkt verlassen. Ich bin der, der den Menschen erklärt, dass auch geringe Geschwindigkeitsüberschreitungen in der Stadt fatale Folgen haben können. Und ich bin der, der mit 8 km/h drüber geblitzt worden ist. Ich bin übrigens auch der, der immer sagt: “Jammer nicht, wärst Du nicht zu schnell gefahren, wärst Du nicht geblitzt worden.” Tja. So kann man an seinen eigenen Ansprüchen scheitern. 🙁
  2. Das ist einen Monat(!) her. Einen Monat. Ich wußte nicht mal mehr, dass ich vor einem Monat mit dem Auto in Duisburg war. Wie viel wirksamer wäre es gewesen, mich anzuhalten, mir eine Standpauke zu halten und mir zu erklären, dass auch “nur” 8 km/h drüber einen wesentlichen Unterschied machen können? Ich hätte es verdient. So bin ich mehr damit beschäftigt zu überlegen, wieso ich a) mit dem Auto und b) in Duisburg unterwegs war.

 

3. Der ärgerlichste Punkt ist aber, dass ich nur 15€ bezahlen muss. Soll das ein Witz sein? Sogar mit Barcode, zum schnellen Überweisen mit dem Handy. Welchen Lerneffekt sollen denn bitte 15€ haben, für etwas, das ich vor einem Monat falsch gemacht habe? Anhalten hätte man mich müssen und dann bitte 150€ sofort und auf der Stelle. So scanne ich den Barcode, stecke das Knöllchen in den Reißwolf und werde es vermutlich morgen vergessen haben. Und das kann und darf nicht richtig sein. Zum Vergleich: eine(!) Karte für James Bond im UCI ist teurer, als so gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen zu haben. Wie will ich denn mit solchen “Strafen” ein (nachhaltiges) Umdenken bewirken?

Also, liebe Verkehrspolitiker in Berlin: Ändert die StVO. Ich möchte mich über mein Fehlverhalten und eine spürbare Buße ärgern. Nicht darüber, dass man offensichtlich in Deutschland nach wie vor nicht wirklich dafür belangt wird, gegen Verkehrsregeln zu verstoßen. Und ja, stellt bitte genug Personen ein, damit direkt angehalten werden kann. Denn vor allem die direkte Konfrontation hilft, Fehlverhalten zu erkennen.

Ups, they did it again: Die CDU Voerde, die FDP Voerde und die Hufeisen

Ups, they did it again: Die CDU Voerde, die FDP Voerde und die Hufeisen

Nicht erst seit gestern bin ich der Meinung, dass die CDU Voerde ein Problem hat, sich vom rechten Rand der Politik abzugrenzen. Unter anderem auch, weil selbst bei direkten Nachfragen eher windelweiche Antworten kommen. Und aktuell beweisen die “Christ”-Demokraten in Voerde wieder, wie meisterhaft sie Hufeisen werfen können.

Aber fangen wir vorne an:

Der Integrationsrat der Stadt Voerde möchte gerne, wie viele andere Städte auch, ein Mahnmal errichten. Das richtet sich primär gegen den NSU und ist auch getrieben von den Ereignissen in Hanau. Der Name ist “10+1”, weil hier 10 Bäume stellvertretend für die bekannten Opfer des NSU gesetzt werden sollen und ein Baum für die unbekannten Opfer rechter Gewalt.

Da der Integrationsrat selbst keine Anträge in den Stadtrat einbringen kann, haben die Grünen Voerde gemeinsam mit ihm einen Antragstext ausgearbeitet. Dieser wurde allen im Rat vertretenen Parteien zur Mitzeichnung vorgelegt.

Unterschrieben haben:

  • Die Grünen
  • Die SPD
  • Die PARTEI
  • Der Einzelvertreter der Partei Die Linke

Nicht unterschrieben haben:

  • CDU
  • FDP
  • WGV
FDP auf Facebook
Quelle: https://www.facebook.com/gruene.voerde/posts/2349773438500634

Die FDP teilte allerdings auf Facebook mit, dass sie den Antrag gut fänd und mittragen würde. Unmittelbar vor Beginn der Ratssitzung bekräftige ein Ratsmitglied der FDP gegenüber den Grünen sogar, dass man selbstverständlich hinter dem Antrag stünde.

Die CDU meldete sich gar nicht, hat aber wohl im Integrationsrat Zustimmung signalisiert. Mit den Antragsstellern wurde vor der politischen Diskussion kein Kontakt gesucht.

Und dann kam die Ratssitzung am 29.06.2021 und Ihr ahnt, worauf es hinausläuft:

Auf ein Mal hatte die CDU ein Problem mit dem Antrag. Das ginge so nicht, man müsse den Antrag erweitern, er müsse sich auch gegen Linksextremismus und islamistischen Terror wenden. In bester Hufeisentheorie wollte man den Antrag in einen Ausschuss verweisen und verwässern.

Die FDP sprang ihr bei und wollte den Antrag auch nicht mehr so mittragen. Nach hitziger Diskussion wurde dann (wegen der Nebenfrage der Finanzierung des Mahnmals) der Antrag in den Kultur- und Sportausschuss verschoben.

Das ist für die CDU ein Punktsieg. Der nächste Kultur- und Sportausschuss findet am 22. September statt. Und damit in der gleichen Woche wie die Bundestagswahl. Zu dem Zeitpunkt dürften die meisten Menschen bereits gewählt haben oder entschieden haben, wen sie wählen.

Allerdings ist das ein Pyrrhus-Sieg gewesen, weil die politisch links orientierten Fraktionen durchgesetzt haben, dass keine der von der CDU und FDP geforderten Änderungen in den Antrag übernommen werden und dieser unverändert in den Ausschuss verwiesen wird.

Ergänzungsantrag FDP und CDU
Quelle: https://www.facebook.com/fdpvoerde/posts/1951245238368396

Erwartungsgemäß haben CDU und FDP jetzt einen “Ergänzungsantrag” (NRZ) gestellt, der die von der CDU angestrebte Verwässerung beinhaltet.

Der Antrag der CDU und FDP ist umso unangenehmer, als das klar ist, was passieren wird, wenn im Ausschuss darüber beraten wird:

  • Stimmen die Grünen, SPD, PARTEI und Linke dem Vorschlag der CDU/FDP zu, wäre der Antrag 10+1 vollkommen entkernt. Das verbietet sich also selbstverständlich.
  • Stimmen sie jedoch dagegen, werden CDU und FDP behaupten, die anderen politischen Fraktionen würden sich weigern, die Gefahr linker oder ausländisch motivierter Kriminalität anzuerkennen, denn sonst hätten sie ja zugestimmt.

Ihr merkt wie perfide das Spiel ist?

Ich lehne mich mal aus dem Fenster und äußere zwei Vermutungen:

  1. Das Verhalten von CDU und FDP ist bewußt so gewählt, dass eine Diskussion über rechten Terror aus dem Wahlkampf gehalten werden soll. Denn auch die FDP, bzw. Mitglieder der FDP Voerde sind hier schon auffällig geworden. Bundesweit gibt es ja nicht erst seit Kemmerich den Hashtag #AFPD
  2. Das Verhalten der CDU und FDP ist symptomatisch für den Unwillen, rechten Terror und rechtsextreme Umtriebe als die größte und am schnellsten wachsende Gefahr in Deutschland erkennen und benennen zu wollen. Durch das Nicht-Zulassen eines Mahnmals für die Opfer des NSU-Terrors und durch das konsequente Werfen mit Hufeisen kann zudem potentiellen Wählern der A*D eine politische “Alternative” für die Bundestagswahl vorgegaukelt werden – was nicht möglich wäre, würde man sich aktiv gegen Rechts stellen.

Persönlich finde ich das Verhalten der FDP noch niederträchtiger, als das der CDU. Bei der CDU in Voerde erwarte ich praktisch, dass sie sich so verhält. Als FDP erst in sozialen Medien entrüstet tun, wenn man auf eine mögliche Ablehnung angesprochen wird und dann gleichwohl dagegen zu stimmen, ist schon eine ganz eigene Klasse.

Aktuell produziert der WDR einen Beitrag zu der Nummer, den ich nach Erscheinen hier veröffentlichen werde. Und ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich gerne darauf hinweisen werde, wie CDU und FDP hier versuchen, rechte Gewalt durch Gleichsetzung mit linker Kriminalität zu verharmlosen (schaut mal in den Ergänzungsantrag, was zuerst erwähnt wird).

Aber hey, wie schon gesagt: Überrascht gewesen wäre ich, wenn CDU und FDP Voerde dem Antrag einfach zugestimmt hätten. Aber, höre ich Euch sagen, uns war doch allen klar, wie es laufen würde. Oder?

 

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Was bisher geschah:

Von Bauern und Kartoffeln

Von Bauern und Kartoffeln

Viele Menschen, ich bin da keine Ausnahme, haben ein verklärtes Bild davon, wie unser Essen in den Supermarkt kommt. Natürlich schrecken wir ab und an auf, wenn man wieder ein Skandal aus dem Schlachthaus präsent ist. Und wir nehmen zur Kenntnis, wenn wegen schlechter Ernten höhere Preise angekündigt werden. Und ja, da war doch diese Demo von Landwirt*innen mit Treckern.

Auf Amazon gibt es jetzt eine Staffel, die in dem Zusammenhang sehr bemerkenswert ist. Es geht um Jeremy Clarkson und seine Farm.

Um das zu verstehen muss man wissen, wer Clarkson ist: Er ist der “Kopf” eines Dreier-Teams von Moderatoren, die früher auf BBC die Sendung “Top Gear” und jetzt auf Amazon “The Grand Tour” moderieren. Er ist ein “Petrolhead”, Autos könne nicht groß und laut genug sein, Greta Thunberg hält er für überbewertet und Umweltschutz ist ein Thema, dass für ihn keine Rolle spielt. Und dann kauft er eine Farm.

Die Sendung beginnt damit, dass er beschließt, seine Farm selbst bewirtschaften zu wollen. Mit Hilfe, im Wesentlichen aber alleine. Und die Sendung beginnt, wie man es vermuten würde: Er kauft den größten Traktor von Lamborghini, den er kriegen kann.

Was dann folgt sind 8 Folgen, in denen man einem Mann dabei zusieht, wie er sein gesamtes Leben neu bewertet. Wie ihm auf ein Mal klar wird, welche Bedeutung die Natur, die Umwelt und die Landwirtschaft haben. Wie die Zusammenhänge sind und warum die Landwirtschaft mehr ist, als mit einem Traktor über den Acker zu rollen. Und wer bei der Geburt der Lämmer… aber ich will nicht spoilern.

Natürlich ist Clarkson Clarkson. Aber man sieht einen Menschen, der begreift, dass das Leben sehr viel mehr ist, als im Supermarkt ein Brot zu kaufen. Bis zum dramatischen Finale, wenn er am Ende eines Jahres ausrechnet, wie viel er verdient hat.

Das Jahr, dass gewählt wurde, ist besonders: Das Wetter scheint in England verrückt zu spielen – und Greta ist plötzlich unterschwellig sehr präsent. Corona wütet und auf ein Mal ist selbst London eine Geisterstadt, wie wir sie zuletzt in “28 Days Later” gesehen haben. Und so wie Clarkson sich verändert, verändert sich auch das Publikum. Plötzlich sehen wir nicht nur die Felder, sondern die Arbeit. Wir verstehen, wie wichtig die Blühstreifen sind und vielleicht wird uns klar, wie viel Landwirte leisten und was sie dafür bekommen.

Ich wünschte, die Landwirte hier am Niederrhein würden vielleicht mal mit entsprechendem Aufwand eine Serie produzieren, wie ein landwirtschaftliches Jahr hier abläuft. Mit den Hochs und Tiefs und mit ehrlichen Einblicken. Dann würde es vielen Menschen vielleicht auch leichter fallen zu verstehen, was an den Preisen im Supermarkt nicht stimmt. Und vielleicht verstehen wir alle dann wieder, wie wichtig die Landwirtschaft für uns alle ist – auch angesichts berechtigter Kritik, wie z. B. Überdüngung und Massentierhaltung. Wobei die Frage hier lauten muss: Sind unsere Kritikpunkte nicht gegen die Symptome gerichtet, während die Ursache wir, die Verbraucher und unsere Geldbörsen aus Zwiebelleder sind?

Auf jeden Fall ist Clarkson’s Farm die für mich spannendste Produktion seit langem. Und ich finde, viel mehr Menschen sollten sie sehen. Also auch ihr.

 

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Rente mit 68?

Rente mit 68?

Ich bin ja immer wieder erstaunt, wie flach politische Diskussion sein kann. Nehmen wir die neuste „Panikmeldung“, dass der wissenschaftliche Beirat empfohlen habe, das Renteneintrittsalter auf 68 Jahre zu erhöhen. 

Dazu ein Post von Altmaier auf Twitter:

Und heute morgen hat sich auch der NRW-Minister Laumann im WDR zu Wort gemeldet. Dessen Beitrag hat in die gleiche Kerbe geschlagen, war aber noch übler. 

Er endete damit, dass er froh sei, dass die Politik und nicht die Wissenschaft solche Dinge entscheide. Im Klartext: Fakten sind zweitrangig, Populismus ist wichtiger.

Aber was den Beitrag von Laumann noch schlimmer gemacht hat war, dass er sogar einen Bezug zum Umwelt- und Klimaschutz aufgemacht hat, so nach dem Motto „Zuviel vom Einen gefährdet das Andere“.  What the fuck, können wir mal über das Geld reden, dass wir der Automobilindustrie, den Fluggesellschaften und der Bundeswehr hinten rein blasen?

Was mich aber am Meisten an der ganzen Diskussion stört ist, dass wir weiter so tun, als müssten wir ein krankes System unbedingt am Leben halten. Ja, heute zahlen weniger Menschen für mehr Rentner/innen ein. So what? Dann muss ich einfach mal das System der Rente komplett überdenken. Das wir hier enorme Verluste durch so einen Bullshit wir Rürup und Riester haben, muss mal auf den Tisch.

Und ja, auch das Thema „private Vorsorge“. Ich höre jetzt schon wieder das Schreien, wer sich das denn leisten können soll. Aber wie wäre denn, wenn wir dafür die Rentenversicherungsbeiträge verringern und ein Modell schaffen, in der die Rente eine Basissicherung bietet und darüber hinausgehende Leistungen anderweitig erwirtschaftet werden können?

Das geht ein bisschen in Richtung des Rants, den ich vor ein paar Monaten geschrieben habe. Und die Frage warum ich eigentlich nicht steuerbegünstigt für den Ruhestand sparen kann, wenn ich das will. Weil das auch die Möglichkeit gäbe, in Phasen mit höherem Einkommen und niedrigeren Ausgaben (z. B. vor oder nach Kindern) mehr zu sparen und in anderen Phasen weniger? Warum werden keine steuerlichen Anreize für Arbeitgeber geschaffen?

Machen wir uns doch nix vor: So gut das Rentensystem in Deutschland auch ist, so überholt könnte es sein. Und statt immer nur an den Symptomen zu doktern oder Modelle für Versicherungen zu schaffen, damit die sich dumm und dämlich verdienen können, wäre es doch langsam mal an der Zeit, es so weiter zu entwickeln, dass es denen dient, die es nutzen wollen.

Natürlich ist das aufwändig. Aber wie das mit komplexen Themen so ist: Wenn man anfängt, wenn man noch Zeit hat, hat man sehr viel mehr Freiraum in der Gestaltung, als wenn man wartet, bis man aus der Not heraus agieren muss.

Und ja, speziell für die Herren Altmaier und Laumann sei gesagt: Dabei ist es besonders hilfreich, nicht auf Politik und Lobbyisten zu hören. Sondern auf Wissenschaftler wie Mathematiker, Statistiker und Finanzwissenschaftler. Mit dem Ziel, den Menschen ein System anzubieten, dass sie selbst so nutzen können, wie es für sie am Besten ist.

Und nur zur Vorsicht sei gesagt: Um so früher Menschen in Rente gehen, um so früher machen sie Jobs für junge Leute frei. Die dann wieder Wirtschaftsleistung generieren. Und Eltern, die wissen das ein Kind eine gute Aussicht auf einen Job haben, bekommen vielleicht eher eines. 

 

(Für die Nörgeler: Dieser Text ist kein Rentenkonzept. Sondern in Denkanstoß zum Selbstständigen Weiterdenken. Auch, wenn selber denken heute vielen zu anstrengend scheint 😉 )