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Tag: 2022

Das Grösste von allem – Dubai und Abu Dhabi

Das Grösste von allem – Dubai und Abu Dhabi

Nachdem ich mir das Nördlichste von allem angesehen habe, bin ich ein gutes Stück geflogen und habe den zweiten Punkt meiner geplanten Reise erreicht: Dubai. Und war mir auf Spitzbergen wieder vor Augen geführt worden, wie schlimm es um uns bestellt ist, ist mir in Dubai klar geworden, dass alle Hoffnung vergebens ist.

Aber fangen wir vor an: Ich bin von Düsseldorf aus geflogen und hatte das Vergnügen bei Emirates Gast zu sein. Einer Fluggesellschaft die unter anderem für ihren Service bekannt ist und bei der sich tatsächlich viele andere Fluglinien eine Scheibe abschneiden können. Das Problem war nur: Der Flughafen Düsseldorf.

Ich war 4(!) Stunden vor Abflug da und habe dann 3,5 Stunden gebraucht, bis ich am Gate war. Absolute Hölle des Chaos am Flughafen. Zum Vergleich, auf dem Rückflug habe ich vom Betreten des Flughafen Dubai bis zum Gate knapp unter 30 Minuten gebraucht. Aber da tragen auch mehr Menschen eine Maske….

Anyway, irgendwann waren dann alle Passagiere abgefertigt und der Flieger konnte mit einer Stunde Verspätung dann in die Nacht starten und mich nach Dubai bringen. Dort hatte ich nur wenige Nächte Aufenthalt und ein straffes Programm. Unter anderem weil ich auch noch nach Abu Dhabi wollte.

Dubai ist völlig surreal. Alles muss hier „das Größte“ sein. Die weltgrößte Mall. Das weltgrößte Hochhaus. Alles immer Weltgrößt. Das sieht man dann auch im Stadtbild, das man schlicht nur mit dem Wort „surreal“ umschreiben kann.

Dubai von oben

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch zwei Wochen hätte bleiben können, um all die Hochhäuser zu fotografieren – denn keines sieht wie ein anderes aus. Und wenn Euch die Buchstaben EMAAR auf vielen Gebäuden auffallen: Wenn ich das richtig verstehe, ist das die staatliche Baufirma, der fast alles gehört.

Ein anderer Blick auf Dubai

In Dubai selbst herrschten Temperaturen von 40-45 Grad. In den Innenräumen dagegen um die 20-22 Grad. Selbst die Bahnhaltestellen der Metro sind entsprechend gekühlt. Metro ist ein gutes Stichwort: Dubai lebt für das Auto. Was hier für riesen Kisten rumfahren, ist unglaublich. Dazu alles an Luxusautos, was man sich vorstellen kann – Sprit kostet quasi nix. Gleichwohl scheint man aber langsam in eine Transformation zu kommen. So gibt es eine „Metro“, eine automatisierte Stadtbahn, die von Nord nach Süd durch Dubai geht und die Straßenbahnen, die wenigen, verbindet. Wie absurd das ist sieht man daran, dass man oft in Tunneln und über Brücken 10 Spuren Straße überqueren muss um überhaupt zur Haltestelle zu kommen – oder wie im Fall des Dubai Mall der Fußweg satte 30 Minuten ist. Aber grämt Euch nicht, es gibt ebenerdige Laufbänder.

Und dann steht man an Bauten wie dem Zukunftsmuseum und gafft einfach nur mit offenem Mund.

Das Zukunftsmuseum

Dubai ist gelebte Energieverschwendung. Dazu gibt es alles in Plastik und Recycling ist natürlich nicht vorgesehen. Das fiel mir besonders negativ auf dem Weg in die Wüste auf: der Weg ist gesäumt mit aus den Autos geworfenen PET-Flaschen und anderem Zivilisationsmüll.

Die Wüste bei Dubai

Schaut man sich z. B. „The Palm“, die künstliche Insel in Palmenform an, bekommt man in einem Vortrag gesagt, dass diese Insel im Einklang mit der Natur erschaffen wurde. Während man im Video sieht, wie Berge gesprengt und das Geröll vor dem Festland ins Meer gekippt wird, für die Fundamente.

Wasser, Strom, Beton, Stahl, das alles scheint hier unlimitiert vorhanden zu sein.

Und versteht mich nicht falsch: Dubai ist wahnsinnig spannend und aufregend zu sehen. Es ist halt auch nur ein perfektes Beispiel dafür, was alles schief läuft. So habe ich z. B. nur einen Parkplatz gesehen (alle beschattet), der ein Solardach hatte. Es ist alles einfach irre. Ein anderes Wort will mir dazu nicht einfallen.

Die Wasserspiele in der Wüste, bzw. am Dubai Mall.

Als Zwischenstopp stand ein Besuch in Abu Dhabi an. Ich wollte gerne die Scheich-Zayid-Moschee sehen. Natürlich die Größte der Welt. Und trotzdem als Kulturstätte und Sammelstelle des Glaubens unfassbar beeindruckend. Aber natürlich sind die Dächer mit echtem Gold überzogen – was kostet die Welt.

Die Scheich Zayid Moschee

Von da aus ging es noch in das Louvre Abu Dhabi. Da man sich bekanntlich sonst nichts gönnt, hat man für mehrere hundert Millionen Dollar das Recht erworben, ein eigenes Museum Louvre nennen zu dürfen. Und für einige weitere hundert Millionen Kunst ausgeliehen, um es zu füllen.

Kunst im Louvre Abu Dhabi

Versteht mich nicht falsch: Das Museum ist, vor allem architektonisch der Hammer. Weswegen ich es auch sehen wollte. Es ist einfach einmalig auf der Welt.

Das Louvre Abu Dhabi

Es ist nur…. alles so unfassbar absurd. Ich meine wir sind in der Wüste. Und hier wird gelebt, als wenn es weder einen Mangel an Trinkwasser, noch einen Klimawandel gäbe oder sonst irgendwas. Und wie absurd das alles ist, erahnt man im Vorraum zur Moschee. Wo man bei McDonalds essen gehen kann.

Fastfood in der Moschee

Nachdem ich in Spitzbergen vor dahin schwindenden Gletschern stand und jetzt in Dubai erleben durfte, dass wir irgendwo im Keller eine zweite Welt haben, bin ich schon ziemlich ratlos. Ich habe keine Ahnung, wie man diese beiden Eindrücke verbinden kann. Und sitze jetzt in Deutschland, trenne meinen Müll, fordere die Politik auf die Verkehrs- und Energiewende zu beschleunigen und mich beschleicht das Gefühl vollkommener Machtlosigkeit.

Hat sich Dubai gelohnt?

Ja. Aber.

Das Nördlichste von allem – Spitzbergen

Das Nördlichste von allem – Spitzbergen

Wie vor ein paar Tagen angekündigt, hat es mich nach Spitzbergen verschlagen, eine Insel im Polarkreis. Das Ganze war eine durchaus spannende Reise, an der ich Euch gerne teilhaben lassen möchte. Auch wenn sie etwas chaotisch begann und endete 🙂

Da ich einen Flug früh morgens ab Frankfurt hatte, bin ich am Vorabend mit dem ICE von Duisburg nach dort gefahren. Eine Nacht im Flughafenhotel und am nächsten morgen weiter – was kann da schon schief gehen. Aufzugeben hatte ich nichts, da ich 2 Stück Handgepäck mitnehmen konnte und das ein Koffer und eine Kameratasche waren. Aber, weil ja gerade an den deutschen Flughäfen etwas Chaos herrscht, dachte ich ich bin mal klug und frage im Flughafen, wann am nächsten Morgen die Sicherheitsschleusen aufmachen. Und niemand, wirklich niemand sah sich verantwortlich oder in der Lage, mir eine Auskunft zu geben.

Gut, mein Flug ging irgendwann um 7, also habe ich mir den Wecker so gestellt, dass ich um 4 im Terminal war. Plan: Schnell checken lassen, dann in die Lufthansalounge, in Ruhe frühstücken und dann fliegen. Und ja, was soll ich sagen, so sah es dann um 4 Uhr früh(!) aus:

Schnappschuss der Warteschlange vor der Sicherheitsschleuse am Flughafen Frankfurt

Stellt sich raus: Morgens um 5 gehen schon Flüge nach Malle. Und das wusste am Vortag wohl niemand so richtig (warum auch) und so gerieten die Urlauber in er Reihe langsam aber sicher in sichtbare Nervosität. Und hey, von da wo ich das Foto gemacht habe, waren es auch nur noch 90 Minuten. Wo ist das Facepalm-Icon, wenn man es mal braucht.  Kaum im Flieger war aber erst mal Ruhe und es ging nach Oslo. Das uns Reisende mit malerischen Landschafen zu begrüßen wusste…

Luftbild des Anflugs auf Oslos

Ich hatte ein bisschen Sorge, weil die Umstiegszeit dort recht knapp bemessen war und mein Flieger etwas Verspätung hatte. Diese Sorge stellte sich als vollkommen unbegründet heraus: Die Logistik in Oslo klappt wie am Schnürchen, einschließlich der Passkontrolle und so saß ich pünktlich im Flieger nach Spitzbergen. Und wenige Stunden später hieß mich das Eiland im Polarkreis mit seiner kargen Schönheit willkommen….

Luftbild des Anflugs des Flughafens auf Spitzbergen

Der Flughafen ist winzig und ich hätte nie gedacht, dass dort relativ viel Betrieb ist. Ist aber, weil Spitzbergen, wie ich später lernen sollte, An- und Abfahrtsort vieler Kreuzfahrten durch die nördlichen Meere ist. Entsprechend war ich dann auch nicht überrascht, dort eine Fluglinie aus Österreich zu sehen – ich hätte ja selbst über Wien hier her gekonnt.

Übersichtsfoto des Flughafens Spitzbergen

Spitzbergen selbst ist beeindruckend. Es ist… trostlos. Denn es gibt nicht einen einzigen Baum. Es ist wild und gefährlich, deswegen darf man den Ort Longyearbyen auch nicht ohne Bewaffnung verlassen. Es ist leer – Menschen leben hier, wenn sie wollen, hunderte Meter abseits der Straßen, Wege und Nachbarn. Einige haben sich gar auf kleine Inseln zurückgezogen. Und was spannend ist: Kommen auf 5 Einwohner 1 Auto, so hat jeder Einwohner scheinbar mindestens 2 Schneemobile. Woran das wohl liegen mag.

Das Erste was mich beeindruckt hat, war die „Mitternachtssonne“. Zu der Jahreszeit meines Besuchs wird es einfach niemals dunkel. Auch nicht nennenswert dunkler. Es ist einfach… immer Tag. Das ist schon spannend zu erleben. Ansonsten sieht es ungefähr so aus, wie man sich Nord-Norwegen vorstellen würde 😉

Bunte Häuserzeile auf Spitzbergen

An jeder Ecke sieht man aber, dass es Spitzbergen in der heutigen Form nicht gäbe, wenn es hier nicht viel Kohle geben würde. Die sich zunächst ein amerikanischer Minenbesitzer unter die Finger riss und schließlich hatten die Russen auch ein Wort mitzureden, die zwei Enklaven hier haben. Dabei hat Spitzbergen einen besonderen Reststatus, der dieses miteinander ermöglicht.

Was man auch an jeder Ecke sieht ist, wie weit man hier im Norden ist. Hier ist alles immer das nördlichste. Der nördlichste Pub, die nördlichste Tankstelle, der nördlichste Supermarkt. Unter diesem Superlativ bewegt sich hier erst mal gar nichts 🙂

Angekommen hatte ich zwei Ziele neben der eigentlichen Aufgabe, die Auslöser der Reise war. Das eine Ziel war der Global Seed Vault. Hier werden Samen aller möglichen Pflanzen aus aller Welt bei -18° gelagert. Die Wahl von Spitzbergen war logisch, weil es hier nie wirklich warm wird und weil es Infrastruktur (Strom!) gibt.

Eingang zu "The Vault", dem Gloabal Seed Vault auf Spitzbergen

Es ist übrigens nur ein Gerücht, dass mein Eintreffen hier irgendwas mit dem Eintreffen von Heino Ferch zu tun gehabt hätte, der gerade den Film „Seed“ dreht. Und dafür an meinem Hotel drehte, das mal kurzerhand zu einer Polizeiwache um-firmiert wurde 😀

 

Der Schauspieler Heino Ferch bei Dreharbeiten

Der Teil meines Hotels, der zu einer Polizeiwache wurde

Ein zweiter, fast noch wichtigerer Punkt auf meiner Liste war, mir ein Bild der Gletscher auf Spitzbergen zu machen. Dazu muss man wissen, dass diese riesig sind. Aber eigentlich nur noch ein Schatten ihrer selbst, denn die verbleibende Größe darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie seit 1900 um mehr als 90% ihre Masse verloren haben. Und das das Schmelzen durch den vom Menschen beschleunigten Klimawandel immer schneller von statten geht.

Bild eines Gletschers auf Spitzbergen

Tja. Und nachdem ich dann meine „To-Dos“ abgehakt hatte, überraschte mich die Lufthansa mit einer SMS: „Ihr Rückflug wurde annulliert. Wir informieren Sie über Alternativen.“ Mein Rückflug war, danke auch, genau an dem Tag an dem das Bodenpersonal in Frankfurt streikte. Das wäre unkritisch gewesen, wenn mein Rückflug nicht so getaktet gewesen wäre, das ich zu Hause den Koffer abwerfen würde, eine Nacht schlafe und dann am nächsten Tag mit anderem Gepäck ab Düsseldorf nach Dubai reisen würde. Dank meines Reisebüros war das aber weniger Problem als erwartet:

Ich konnte noch einen Platz auf einem Flieger von Oslo nach Amsterdam ergattern und dann von da aus mit dem ICE nach Duisburg zurück. Die Lufthansa war dabei auch sehr zuvorkommend und versprach, das neue Ticket und die anteiligen Flugkosten für den eigentlich gebuchten Flug umgehend zu erstatten. Ich vertraue da mal drauf.

Tja… und so waren meine viel zu wenigen Tage auf Spitzbergen vorbei. Einer Insel die wie für mich gemacht zu sein schein. Kalt. Karg. Leer. Ich glaube ich liebte fast alles daran. Und es ließ mich mit großer Sorge in den zweiten Teil meiner Reise starten.