ÖPNV: Manche Diskussionen

Die Benzinpreise explodieren, die Umwelt ist am Ende. Eine der Ursachen, da ist man sich einig, ist der MIV, der Motorisierte Individual Verkehr.

Entspannung könnte der ÖPNV bringen. Züge und Bahnen sind ökonomisch und ökologisch sinnvoll – sofern der Strom regenerativ erzeugt wird 😉

Die Probleme aber sind viele. Zum einen die nicht enden wollenden Gier der immer öfter als „private Gesellschaften“ organisierten Verkehrsunternehmen. Hier sei als Beispiel sowohl VRR und DB angesprochen, die auch bei hervorragenden Gewinnen dreist die Preisschraube drehen. Statt durch niedrige Preise mehr Menschen auf die Schiene zu bringen.

Ein zweites Problem ist der „Optimierungswille“, bei dem man versucht immer mehr Menschen mit immer weniger Zügen zu transportieren. Das merken vor allem Menschen >180cm. Die heute schon in den Doppelstockwagen nicht mehr richtig sitzen können, weil der Sitzabstand nicht reicht. Von Komfort rede ich schon lange nicht mehr.

Ganz kurios wird es aber wie bei der aktuellen Diskussion um die Mitnahme von Fahrrädern. Die ist hochgradig sinnvoll, wenn  z. B. dann von/zum Bahnhof nicht mit Tram oder Bus weitergefahren wird, sondern eben mit dem Rad. Das entlastet Geldbeutel und Umwelt. Manche, so wie ich, fahren dann sogar mit dem Rad abends heim.

Ich hab ja schon nicht verstanden, warum ausgerechnet beim „YoungTicket“ die Fahrradmitnahme nicht inklusive ist. Und noch viel weniger verstehe ich nicht, warum man jetzt versucht, Fahrrad-Pendler und andere Pendler gegeneinander auszuspielen. Die WAZ hat da ein schönes Beispiel:

Was ist eigentlich ein Fahrrad? Darüber streiten in diesen Tagen Verkehrsverbände, Politiker, Vertreter von Blinden und Freizeit-Radler. Sie müssen klären, welche Räder in Zügen mitfahren dürfen. Die Diskussion treibt teils absurde Blüten: Plötzlich könnten auch Bobbycars als Fahrrad durchgehen.

Tatsächlich ist die Diskussion wieder nur geeignet, Frust herauf zu beschwören. Denn wenn man sich den Artikel und die Kommentare durchliest wird schnell klar: Über das eigentliche Problem redet keiner – Kapazitätsmangel.

Ich kann z. B. verstehen wenn Pendler in überfüllten Zügen sich ärgern, wenn 4-5 Klappsitze blockiert sind, weil da ein Rad steht. Abgesehen davon, dass auf den Sitzen niemand sitzen möchte, weil sie so schmal und eng sind, dass man zwangsläufig mit dem Nachbarn kuschelt.

Auch die Radfahrer sind frustriert. Liegen oft x Fahrräder aufeinander, an manchen großen Bahnhöfen geht ein wilde sortieren los. Lackschäden inklusive.

Obwohl, hier muss ich mal eine Lanze für die Biker brechen: Keine andere Pendlergruppe geht so rücksichtsvoll miteinander um, inklusive Gutem Tag und Tschüss – ob man sich kennt oder nicht.

Das Problem verursacht die Bahn selbst. „Mehrzweckabteile“ und fehlender Platz für Gepäck sind das eine, zu wenig und zu kurze Züge das andere.

Eine Problemlösung gab es früher schon mal, die Älteren werden sich erinnern: Es gab eine Weile im Fernverkehr Züge mit Fahrradhängern. Das Vorderrad hängte man schräg zum Gang in einen Haken, das Hinterrad steckte man in eine passende Haltervorrichtung. 10 Räder sauber nebeneinander auf dem Platz, der heute nur für wenige Räder reicht.

An jedem RE ein Halbabteil so ausgerüstet und als Mehrzweckabteil für nur Fahrräder und Rollstühle eingerichtet, bitte mit entsprechend breiter Tür und ein Großteil aller Probleme wäre Geschichte.

Dazu noch Gänge, Abgänge und Sitze auf denen man vernünftig sitzen kann und von RE bis ICE die Möglichkeit, Koffer vernünftig durch die Gänge zu bekommen und gut abstellen zu können…

… und schon wäre die Laune der Pendler gehoben.

Aber so einfach werden es uns Bahn und Verkehrsverbünde nicht machen, fürchte ich.

Autor: unkreativ

Gelegentlich hat der Unkreative das Gefühl, er müsse Euch etwas wissen lassen. Das kann sinnvoll sein. Muss es aber nicht. ;-)

2 Gedanken zu „ÖPNV: Manche Diskussionen“

  1. Ein Fehler ist der Gedanke, das der ÖPNV Gewinn machen muss. Und so werden dann Fahrpreise angehoben, Strecken gestrichen oder ausgedünnt und Reparaturen und Wartung zurückgefahren. Wohin das führt, sieht man bei der Berliner S-Bahn. Der öffentliche Nahverkehr ist ohnehin subventioniert, dann sollte man auch den Schritt dahin machen und sich von der Gewinnidee zu verabschieden.

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