Canada 2012: Lake Louise

Lake Louise ist ein Ort, den viele von Postkarten kennen. Saphirblaues bis smaragdgrünes Wasser und ein riesen Luxushotel auf der einen Seite, wie ein Gletscher auf der anderen Seite. Idylle pur. Von früh morgens an werden die Touristen in Bussen heran  gekarrt. So will man Kanada erleben und dafür zahlt man gerne.

Und zahlen kann man. Nicht nur das Hotel am Ufer ist teuer. Der gesamte künstliche Ort Lake Louise ist eine einzige Touristenmeile. Nur Hotels, Souvenier-Shops, überteuerter Minimarkt und teure Restaurants.

Aber das nimmt man gerne in Kauf. Gibt es doch DEN See Kanadas zu bewundern.

Was die wenigsten wissen: Steht man am Hotel und schaut man auf den See, ist man nur wenige Kilometer vom echten Kanada entfernt. Dem Kanada, das man eigentlich erleben will, wenn man her kommt. Ursprünglich, hart und kalt. Selbst im Sommer.

Um das zu erleben, braucht man nur dem Weg am See zu folgen. Erst noch ist man unter Touristen, doch kommen die ersten Anstiege, werden die Touristen weniger. Und weniger. Bis man, je nach Wetterlage, fast allein unterwegs ist.

Kommt man an die Wegschilder, sollte man ihnen zum Six-Glacier-Teahouse folgen. 6 KM später befindet man sich auf fast 2200 Metern über Normal Null, wenn plötzlich eine Hütte vor einem Auftaucht. Das Teahouse.

Wir lassen es aber erst noch rechts liegen und biegen links auf einen kleinen schmalen Weg ab. Noch ein Kilometer, dann sind wir am „Outlook“. Und das, was wir dort sehen, seht Ihr auf dem Foto: Berge, Schnee und Eis (das unten ist Gletscher mit einer dünnen Geröllschicht!). Der Wind pfeifft und es ist überraschen kalt hier oben. Ganz Mutige gehen noch weiter und suchen die alte Gipfelhütte. Das letzte Team vor uns musste jedoch umdrehen: Schon in Sichtweite kamen sie nicht heran.

Uns reicht der Outlook heute. Schon weil das Wetter sich kontinuierlich verschlechtert und der Regen zu nimmt.

Wir gehen zum Teahouse und gönnen uns Tee und Scones mit Marmelade. Alles frisch, versteht sich. Die Lebensmittel und Zutaten kommen ein Mal im Jahr mit dem Helikopter und das Personal bleibt immer für 5 Tage am Stück oben. Hier lebt der Hüttenhund, der Hausrabe (*Tock Tock Tock*, wer an Zoltan denkt, liegt so falsch nicht), Fatty das Dicke Streifenhörnchen und zwei Vögel, deren Namen ich vergessen habe. So wie der Chef mit Frau. Und eben den Angestellten. Was verleitet junge Frauen so einen Job anzunehmen?

Wer bis hier gewandert ist, weiß meistens was er tut.

Um so erschreckender die Touristen, die sich in Jeans und Baumwollshirt auf den Berg trauen. Die Frauen mit Flip-Flops und Highheels(!). Der Tourist mit dem Regenschirm.

Auf dem Rückweg machen wir einen „kleinen“ Abstecher zum Mirrorlake. Jahreszeitlich bedingt ist dieser eher eine Mirrorpfütze. Und von da über den letzten Anstieg geht es dann hinab zurück zum Lake Louise. Am Ende sind 25km Distanz und 1500 Höhenmeter (nur auf) auf dem Tacho. Der Körper im Eimer, der Geist erfrischt.

Nur so zum Spaß ging es zwei Tage später wieder auf den Berg: Ich hatte beim ersten Mal zwei Caches versteckt (T4 und T4,5). Beide bekam ich nicht freigeschaltet, weil man im Nationalpark keine Dosen mehr legen darf. Mit Ausnahmen die nicht auf mich zutrafen. Also mussten die Dosen weg und das geht nur, wenn man sie weg holt. Aber der Weg ist das Ziel und so ging es dann noch mal hinauf. Wieder im Regen.

Übrigens dem einzigen ernst zu nehmenden Regen in der ganzen Zeit.

 

Autor: unkreativ

Gelegentlich hat der Unkreative das Gefühl, er müsse Euch etwas wissen lassen. Das kann sinnvoll sein. Muss es aber nicht. ;-)