Die Geschichte der Börse ist eine Geschichte voller Mis(s)(t)verständnisse…

Irgendwie ist das schon kurios:

Wir hängen die gesamte „Weltwirtschaft“ an den Tropf des „Markt“ und glauben zu wissen was wir tun. Wie irre das manchmal ist, dokumentiert für mich folgende Meldung aus der SZ von heute zur Wiederwahl von Obama:

Der Schweizer Fondsmanager Marc Faber, der von Anlegern aufgrund des von ihm verantworteten Gloom Boom & Doom Reports gern Dr. Doom genannt wird, zeigt sich in einem Interview mit Bloomberg-TV (teilweise transkribiert von Business Insider) erstaunt, dass die Wiederwahl von Barack Obamas nicht noch einen viel größeren Einbruch an den Aktienmärkten ausgelöst hat: „Der S&P ist nur 30 Punkte gefallen. Ich hätte gedacht, dass der Markt um mindesten 50 Prozent einbrechen müsste. Mr. Obama ist ein Desaster für die Unternehmen und ein Desaster für die Vereinigten Staaten“. Auf die Frage, wie Investoren nun ihre Anlagen schützen sollen, scherzte der Börsenexperte: „Sie sollten sich Maschinengewehre kaufen“.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Nicht nur entscheiden heute Ratingagenturen über Wohl und Wehe eines Staates, vielmehr sind die Börsen jetzt wichtige Stakeholder bei politischen Wahlen. Im Umkehrschluss ist es nur noch eine Frage der Zeit bis man auf die Idee kommen wird, Wahlen abzuschaffen, weil diese ja die Märkte beunruhigen. Mit dem Argument der Marktberuhigung sind in der letzten Zeit ja schon ganz andere Dinge durchgebracht worden.

Wenn man sich überlegt, dass seit um 1500 bereits Börsen gibt, ist das wenig plausibel. Zumal der Sinn einer Börse ja eigentlich ein ganz anderer war: Dort sollte geregelt gehandelt werden, wenn Firmeneigner Kapital brauchen und dafür Anteile an ihrem Unternehmen (die Aktie) veräußern.

Heute geht es an der Börse um alles. Aber mit Sicherheit nicht mehr um Anteile an Unternehmen im Sinne von Unternehmerschaft. Es geht um Gewinnbeteiligung, Spekulation und den Sieg des (finanz-) Starken über den Schwachen. Und immer stärker wird die Börse und der an ihr vertretene Markt zu einer politischen Einflussgröße.

Ich erlaube mir die Frage, ob das wirklich das ist, was wir wollen?

Oder sollte die Politik nicht langsam wieder den Mut aufbringen und genug Courage zeigen, die Börse und den Markt wieder in ihre Grenzen zu verweisen und eine klare Linie zwischen Politik für das Volk und den Handel zwischen Unternehmern und Geldgebern ziehen?

Nur so ein Gedanke…

Autor: unkreativ

Gelegentlich hat der Unkreative das Gefühl, er müsse Euch etwas wissen lassen. Das kann sinnvoll sein. Muss es aber nicht. ;-)

2 Gedanken zu „Die Geschichte der Börse ist eine Geschichte voller Mis(s)(t)verständnisse…“

  1. Kurz und knapp:

    http://www.heise.de/tp/foren/S-OT-Voellig-egal/forum-233821/msg-22167056/read/

    zwar nur ein Aspekt….aber der ganze Mist mit den Aktien hat wie Du schon schreibst überhaupt nichts mehr zu tun, für dass dies mal eingeführt worden ist….Firmen Geld für Investitionen zu verschaffen…

    Ich denke da z.B. an die Dotcom-Blase…meine Mutter hat da erst recht nett Gewinn gemacht, nur dann kam das böse Erwachen und unter dem Strich waren es dann Verluste….und was gilt die Wette, dass ein Herr Sommer mit seiner Telekom-Aktie keine solchen Verluste eingefahren hat, sondern diese von den „kleinen Anlegern“ stammten?

    bombjack

  2. Der Artikel ist wirklich sehr interessant. Ich habe mit in jüngster Vergangenheit ebenfalls mit dieser Thematik, hierbei vor allem mit den Börsen beschäftigt. Die Börsen stellen im Hintergrund einen wichtigen Bestandteil für das Funktionieren einer Marktwirtschaft dar. Der Großteil der Geschäfte, hierbei vor allem in der Finanzwelt, welche Privatinvestoren betreffen, wird über eine Börse gehandelt. Hierbei werden Börsen in der Regel als Selbstverständlichkeit betrachtet und nur sehr wenige machen sich hierbei darüber Gedanken welche Funktionen die Börsen überhaupt erbringen. Eine Unterscheidung, hier vor allem nach den Geschäftsarten z.B. Devisen, Wertpapiere, Derivate … erhöht die Spezialisierungsmöglichkeit und gleichzeitig die Funktionserbringung. Zusammenfassend muss man festhalten, dass das Vorhandensein von Börsen den Grundbaustein einer funktionierenden Finanzwelt / Wirtschaft darstellt.

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