Voerde 2013 – Mein Haus, Mein Grund, Mein Populismus!

[Zu diesem Blogbeitrag gibt es eine Fortsetzung…]

 

Der geneigte Leser weiß, dass ich Voerde sehr mag. Eine Stadt, klein genug um gemütlich zu sein und groß genug um zu bieten, was ich suche. Eine Mischung aus unterschiedlichen Menschen aller sozialer Klassen, manigfaltiger Herrkunft und gemeinsam „Voerder“.

Und doch hat Voerde auch eine hässliche Seite. Ein zu einer Fratze verzerrtes Gesicht einer Stadt, in der tief verwurzelt eine braune Suppe wabert, die sich immer wieder Ventile sucht, um in die Gesellschaft zu strömen.

Gestern habe ich dieses hässliche Gesicht von Voerde wieder erlebt. Ich habe erlebt, wie eindimensional Menschen denken können. Ich habe erlebt, wie schmal der Grat zwischen Egoismus und Fremdenhass ist. Ich habe erlebt, was Angst macht. „Voerde 2013 – Mein Haus, Mein Grund, Mein Populismus!“ weiterlesen

Die krude Logik des BKA

Man kann diskutieren, ob „Das Internet“ öffentlicher oder privater Raum ist. Dabei ist die Diskussion müßig. Denn selbst im „echten Leben“ verschwindet die Grenze zwischen öffentlich und privat zunehmend:

Früher hätte man gesagt: Was in den eigenen 4 Wänden geschiet ist privat, was draussen passiert ist öffentlich. Durch den massiven Einsatz von Handys wird aber zum Beispiel aus der privaten Veranstaltung Telefonieren eine semi-öffentliche: Einstmals als 1:1-Kommunikation gedacht, ist es heute 1:n, wenn die Leute in der Bahn mithören. Ich telefoniere öffentlich und doch privat.

Und wenn ich Freunden draußen was erzähle? Dann bekommen andere das möglicher Weise mit, aber es ist dennoch eher privat und ich würde nicht annehmen, dass jemand sich notiert, wann ich mit wem über was gesprochen habe.

Im Internet ist das angeblich ganz anders, obwohl es doch fast gleich ist:

Schreibe ich etwas hier im Blog ist es öffentlich, jeder kann es lesen, tatsächlich tun das aber nur Freunde, Bekannte und Suchmaschinen-Opfer.  Das ist für mich öffentlich. Verschließe ich Artikel mit Kenntworten, die nur die Zielgruppe kennt, dann ist das schon eher privat. Und wenn ich eine eMail schreibe, ist es komplett privat. An anderer Stelle müßte man sehr fein unterscheiden: Wann z. B. ist ein IRC-Chat privat und wann öffentlich?

Ich hab mal gelernt, öffentlich ist wenn etwas einer nicht bestimmbaren Menge Menschen zugägng gemacht wird. Gilt das in einem Chatraum mit einer bekannten Anzahl Teilnehmer? Und wie gilt das bei einem Handytelefonat, dem alle möglichen Leute zu hören?

Es ist also nicht mehr so leicht zu sagen, was öffentlich und was privat ist. Natürlich könnte man jetzt sagen, dass die Leute halt nur zu Hause telefonieren sollen und eMail ausreicht. Aber das ist ewig gestrig und verschließt die Augen vor dem technisch-kulturellem Wandel, dem wir immer während ausgesetzt sind.

Es braucht also andere Ansätze. Einer davon ist Anonymität: Ich kann ungezwungen im „öffentlichen Raum“ telefonieren. Weil die umstehenden Passanten zwar Wort- und Gesprächsfetzen mitbekommen, diese aber nicht bekannten Personen zuordnen können, sind die Inhalte dennoch „verschlüsselt“ und ergeben nur für die Gesprächspartner einen Sinn.

Weiterhin braucht es ein unbeobachtetes Environment: Ebenso wie ich mich zu Hause unbeobachtet fühlen können sollte, muss es möglich sein im öffentlichen Raum Menschen zu treffen und mit ihnen zu interagieren, ohne das davon Notiz genommen wird.

Stellt Euch mal vor, Ihr trefft Freunde in einer Bar und der Wirt notiert, wer sich da mit wem wann wie lange getroffen hat. Das käme ich Euch mehr als spanisch vor, oder? Und die Schwelle zum Mikro, dass Eure Gespräche aufzeichnet ist gar keine wirkliche Schwelle mehr.

Was im „echten Leben“ abstrus wirkt, ist für das BKA im immer noch nicht verstandenen Internet normal. Aus Sicht des BKA rührt das wohl daher, dass jeder irgendwie verdächtig ist. Anders kann ich mir nicht erklären, warum man dort den Menschen die sich online bewegen, jede Privatsphäre abspricht:

„Wer im Internet ist, hat den Privatraum verlassen und befindet sich quasi im öffentlichen Raum.“

  Spon schreibt:

Die Äußerung des BKA-Vizechefs ist radikal, er stellt die Gültigkeit von Grundrechten im Netz in Frage. Das BKA bestätigt auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE den Wortlaut. Wie viele sogenannte Post-Privacy-Aktivisten ist Maurer der Ansicht, man solle grundsätzlich jede Aktivität im Netz als öffentlich betrachten.

Ermittler könnten viel leichter Beweise sichern, Verdächtige belauschen und ihre Rechner ausspähen, sollten Onlineaktivitäten tatsächlich einmal grundsätzlich als öffentliches Handeln gelten.

Man muss mal versuchen, dass auf das wirkliche Leben zu übertragen: Weil Ihr im öffentlichen Raum telefoniert, darf man Euer Telefon abhören. Weil Ihr in einer Kneipe redet, darf man Euch belauschen und Eure Gläser zur Sicherung der Fingerabdrücke nutzen.

Das was dahinter steht ist das Modell, in dem jeder Mensch verdächtig ist und es keine unschuldigen Menschen mehr gibt. Und das wiederum ist ein Zeichen dafür, wie schnell sich die Spirale dreht in der sich Deutschland von einer freiheitlichen Grundordnung in Richtung eines Systems bewegt, dass Anleihen aus totalitären Polizeistaaten zeigt.

Und was mir hier am meisten fehlt sind Politiker die sich hin stellen und sagen: so nicht!

Denn auch das Internet ist ein normaler Kommunikationsraum wie die Straße. Und wer dort jede Privatheit abschafft, schafft sie auch auf der Straße ab. Wer gegen Anonymität im Internet ist, ist auch gegen Anonymität bei Demonstrationen. Und all das sind Bestrebungen, die Deutschland nicht würdig sind.

Warum nur? Warum macht er das?

Es gibt Situationen in denen man sich fragt: Warum macht der das?

Ich glaube, im Wesentlichen gibt es zwei große Lebensmodelle. Davon ist eines eher passiv und eines eher aktiv ausgerichtet. In dem aktiven Lebensmodell sind die Beteiligten immer auf „der Jagd“ nach was Neuem. Und dazu gehöre ich.

Damals habe ich angefangen zu joggen, weil ich eine neue Herausforderung gebraucht habe und mich selbst gefragt habe, was ich am wenigsten gut kann. Da war Laufen die Antwort. Ein paar Jahre später, das Laufen klappte ganz gut, habe ich mich gefragt was nun? Und mich mit Ü30 an der Uni eingeschrieben. Und ich bin in die Politik gegangen.

Das klappte auch und mit der Endphase der Uni stand wieder die Frage vor der Türe, was nun. Da kam das Mountainbiken genau richtig: Fahrrad fahren habe ich ja schon immer geliebt und MTB ist halt soganz anders als Rennrad – sieht man von der grundlegenden Physik ab. Hier ist ein Ziel jetzt die Zillertal-Challenge als Finisher zu fahren.

Dieses Wochenende sind schon knapp 120km Trainingsdistanz gefallen und über die drei statt zwei Tage am Stück in Östereich mache ich mir keinen großen Kopf. Und das mit den Anstiegen bekomme ich bis dahin in den Griff – 150 Trainingstage to go. Und ein paar Marathon-Rennen und CTF stehen bis dahin ja auch noch an.

Sollte das klappen, wird sich das Mountainbiken in mein Leben integrieren wie Cachen und Rennradfahren: Dinge die ich gerne mache. Und vermutlich werde ich dann entweder im Job was Neues suchen oder ein neues Hobby.

Manchmal überlege ich ob ich das mache weil mir woanders was fehlt. Und ich glaube, die Antwort ist nicht, dass mir woanders was fehlt.Ich bin wohl einfach der Typ, der Herausforderungen liebt. Der sich selbst immer wieder beweisen will, dass da noch was geht.

Und sein wir mal ehrlich: Der Schmerz und die Anstrenung, das Glücksgefühl, nach dem man eine Herausforderung geschafft hat, das ist schon was feines.Und all das hilft auch, ausgeglichen durchs Leben zu gehen.

Klar ist man mal von Menschen und Situationen gefrustet. Aber ich glaube die aktiven Menschen sind einfach ausgeglichener und weltoffener.Bleibt die Frage was mit der anderen Gruppe ist?Im besten Fall haben die einen geregelten Tagesablauf und scheuen nur Veränderungen.

Im schlechtesten Fall werden sie irgendwann einsam, dick, depressiv  und ohne Arbeit in ihrer Höhle hocken und alles und jeden  um sich herum hassen. Weil sie nicht verstehen, dass andere Menschen aktiver und glücklicher sind. Weil sie selbst nicht verstehen, dass nicht ihre Umwelt schuld an ihrer Misere ist – sondern sie selbst.

Für mich kein Lebensstil.

Bitte spenden Sie hier… also nicht bei mir, sondern bei denen!

Die Matschhühner wollen das kommende 24h-Rennen in Duisburg nutzen, um mit einer Spendenaktion darauf aufmerksam zu machen, dass es in unserer Mitte Armut gibt.

Die Spenden sollen verwendet werden, um den Verein Immersat e. V. zu unterstützen:

Das Immersatt setzt sich für gesunde Ernährung und die Förderung von elementarer Bildung bei Kinder und Jugendliche in Armut ein. Dazu gehört zum Beispiel eine Hausaufgabenbetreuung, Schreib- und Leseförderungen, die Frühstücksbeutel Aktion, täglich ein warmes Mittagessen oder das Bereitstellen von frischen Obstkörben an den örtlichen Schulen.

Ich finde das gut und richtig und deswegen bitte ich Euch hier entlang: Klick!

Alternativer Textvorschlag für den Spiegel…

Ich habe heute morgen auf dem Weg zur Arbeit noch gesagt, ich bin entsetzt wie leicht es ist die Menschen dumm zu halten. Und kaum rollen die ersten Tweets der Nachrichtenagenturen an mir vorbei, wird mir auch klar: Beim dumm halten gehen Politik und Presse Hand in Hand – und ich rede ausnahmsweise mal nicht vom Leistungsschutzrecht 😉

Im SpOn gibt es heute einen Artikel unter der reißerischen Überschrift

Hacker machen Kim Jong Un zur „Person des Jahres“

Wäre der Spiegel ein ernst zu nehmendens Nachrichtenmagazin hätte dann in dem Artikel nicht gestanden:

„Bei der Leserabstimmung zur „Person des Jahres 2012“ auf der Internetseite des „Time“-Magazins erhielt Kim 5,6 Millionen Stimmen – und gewann damit mit großem Vorsprung. Die renommierte US-Zeitschrift teilte allerdings mit, dass das Ergebnis größtenteils auf Kampagnen verschiedener Hacker-Gruppen zurückzuführen sei. Diesen hätten den Diktator mit speziellen Klick-Programmen nach vorne gebracht.“

Denn das ist so dumm, dass es weh tut.

Dabei ziele ich gar nicht mal mehr so darauf ab, dass Hacker natürlich keine Menschen sind die „spezielle Klick-Programme“ nutzen. Sondern darauf, dass hier der Eindruck erweckt wird, ein paar wenige hätten hier Schaden angerichtet. Tatsächlich aber handelte es sich hier um eine im Internet entworfene und orchestrierte konzertierte Aktion, die einen erheblichen Aufwand verursachte.

Tatsächlich stammt das Ganze von 4chan, wo nach meinen Beobachtungen eher weniger Hacker als mehr Spinner, teilweise hochintelligent, unterwegs sind. Bei weitem ging es nicht nur darum, den Diktator an die Spitze zu wählen – dort standen schon andere Despoten und selbst der Chef von Facebook.

Und der Spiegel hätte zum Beispiel so berichten können:

Internet verhöhnt Kim Jong Un als Person des Jahres

New York – In einer Internetabstimmung des Time Magazine wurde der nordkoreanische Dikator Kim Jong Un als Person des Jahres gewählt. Ursache dafür dürfte die Mobilisierung eines großen Teils der Internetgesellschaft gewesen sein. Geführt von dem Imageboard „4chan“ haben tausende Nutzer Kim Jong Un an die Spitze der Liste gewählt. Die Nominierung ist insofern nicht ungewöhnlich, als das auch schon Hitler und Stalin „Person of the Year“ waren.

Ungewöhnlich ist, dass es den Kreativen auch gelang, die Rangfolge aller nachfolgenden so zu steuern, dass die ersten Buchstaben der jeweiligen Namen „KJU GASCHAMBER“ ergaben – das Kürzel des Diktator-Namens plus Gaschamber, also Gaskammer. Ein bitteres Wortspiel aus 4chan, das zugleich eine mögliche Zukunft als auch seine Herrschaft umschreiben könnte.

Und so weiter… man müssten dann noch erklären, warum der amerikanische  Bezug zur Gas Chamber ein anderer ist als der Europäische und man könnte noch erklären was 4chan ist oder so. Potential en Masse.
Statt dessen aber hat der Spiegel vorgezogen, es sich leicht zu machen und einfach mal wieder Unsinn zu schreiben. In der Hoffnung, dass ein paar Buzzwords ausreichen, große Betroffenheit zu erzeugen. In der Version von 8 Uhr am 13.12.2012 hatte SpOn das mit den Plätzen 2 bis x übrigens noch nicht geblickt.

E. St. – ein WTF jagt den Nächsten

Erika Steinbach war ja schon  mehrfach eine Erwähnung wert. Und auch die aktuellen Ereignisse lassen sie nicht kalt.

Kurz zum Hintergrund:

In Berlin, vor dem Brandenburger Tor protestieren seit Tagen Asylbewerber aus gutem Grund dagegen, wie sie behandelt werden. Die Berliner Stadtverwaltung versucht die Demos aufzulösen, in dem unter anderem Decken und Schlafsäcke nachts(!) von der Polizei einkassiert werden.

Und die Reaktion von Erika Steinbach:

Alles Fake? Oder meint die Gute das Ernst???

„Eurokrise“: Ich hätte gerne eine Frage…

Wie kann es eigentlich sein, dass Banken in Griechenland, Spanien, etc. weich fallen und mit Milliarden gerettet werden,

…während die Bürger teilweise aus den Wohnungen geworfen werden, sich nichts zu essen kaufen können und im wahrsten Sinn dahin siechen?

Ich persönlich hätte gedacht, dass die Bevölkerungen sich erheben, die verantwortlichen Banker und Politiker aus dem Land jagen, dass es ggf. sogar zu richtigen Aufständen kommt.

Tatsächlich aber scheint der Mensch im Allgemeinen eher fast alles mit sich machen zu lassen. Warum eigentlich?

Oh, und noch eine kleine Nummer: Hier mal ein Wahlplakat der CDU von 1999 🙂

Überraschung! Investor will mit Invest Geld verdienen…

Also,

das ist wirklich überraschend. Total neu. Bisher noch nie dagewesen.

In einem ZDF-Interview kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass der Investor Berggruen Karstadt nicht etwa gekauft hat, weil er ein Menschenfreund ist – sondern weil er mit „altbewährten“ Methoden ein paar Euros machen wollte.

Alles, was in dem Artikel beschrieben ist, von den Cash Generating Units bis hin zur Ausnutzung von Leverage-Effekten ist seit Ewigkeiten das Standard-Vorgehen bei solchen Übernahmen. Dazu gehört natürlich auch, den Kaufpreis nicht selbst zu entrichten, sondern über Fremdkapital des erworbenen Unternehmens zu finanzieren, die Schuldenlast trägt dann das Unternehmen.

Besonders treffend ist ein Satz ganz am Anfang:

Und natürlich die Eigenschaften und Wesenszüge, die man in die Person von Herrn Berggruen hineininterpretierte. Alle Beteiligten, insbesondere aus Politik und Gewerkschaft, wollten an das Wunder von Essen glauben.

Und ich wundere mich immer noch, dass es Entscheider gibt, die einen solchen Glauben hegen und pflegen. Und dann ihre Mitmenschen, von denen ich nicht erwarte zu wissen, wie „Wirtschaft“ funktioniert, mitnehmen und davon überzeugen, alles würde gut.

Wobei, letztlich wird alles gut.

Für den Investor.

Sprach – Los

Ich bin selten sprachlos. Manchmal aber bin ich so sprachlos, dass ich gar nicht weiß, was ich sagen soll.

Stellt Euch einen gepflasterten Weg vor, der einen Hügel hinauf führt. Jetzt stellt Euch eine… ähm… sehr stark adipöse weibliche Person vor, die diesen Weg hinauf stapft. Jetzt stellt Euch einen kleinen Jungen vor. Einen sehr kleinen Jungen. Der gerne rennt. Und jetzt stellt Euch vor, dass dieser Junge nicht den gepflasterten Weg hoch läuft, sondern auf dem Ascheparkplatz eine Weile parallel läuft und dann zuerst auf den Füßen und dann mit Händen und Füßen die Wiese hoch kraxelt, die die Böschung des Weges bildet.

Und jetzt stellt Euch die Frau vor, die von oben herab auf ihren Sohn (?) schaut und in offensichtlicher Missbilligung seiner Wegwahl sagt:

„Kannst Du nicht ein Mal normal sein???“

WAS bitte ist heute für Kinder normal? Ich frag für meinen Verstand…

Die Bundesregierung und der Art. 2 des Grundgesetzes

Das die Bundesregierung oftmals das Grundgesetz als Hemmnis zu begreifen scheint, ist soweit nix neues. Um so glücklicher ist man vermutlich, wenn man Formulierungen findet wie:

„In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“

Denn dann macht man schnell ein Gesetz und Schwupps…

Gerade höre ich auf WDR 2, dass man wegen der Kritik der Rabbiner-Konferenz ganz schnell ein neues Gesetz braucht. Demnach, so WDR 2 und der verlinkte Artikel, hat der Chef der Rabbiner-Konferenz die Bundesregierung unter Zugzwang gesetzt:

„Sollte das Kölner Urteil in Gesetzesform gegossen werden, würde dies bedeuten, dass es für einen großen Teil der jüdischen Gemeinden „keine Zukunft in Deutschland“ geben werde, mahnte Goldschmidt.“

Das dürfe, so die Reporterin auf WDR 2, nicht sein: Deutschland sei das Land des Holocaust und hier sei dafür zu sorgen, dass Juden sich entfalten können.

Gut.

Grundsätzlich stimme ich dem zu. Soll jeder Glauben, was er will.

Nur…

Es geht hier um Beschneidung. Da werden die Geschlechtsteile von kleinen Jungen – in der Regel wohl gegen deren Willen – verstümmelt. Für mich ist das analog zur Verstümmlung weiblicher Genitalien, gegen die die Bundesregierung ja mit viel Kraft angeht.

Das soll jetzt aus „religiösen Gründen“ erlaubt werden und hier kommt der Eingangs erwähnte Satz zum Tragen. Denn im Artikel 2 des Grundgesetzes steht:

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Und eben weil dieser Eingriff durch ein Gesetz möglich ist, haben sich jetzt bis auf die Linke mal eben alle Fraktionen bereit erklärt, die Verstümmlung von Jungen auf Grund der religiösen Ansichten der Eltern zu legitimieren.

Ich persönlich finde das zum Kotzen.

Jeder darf mit sich machen, was er will. Das aber Kindern Gewalt angetan wird, weil die Eltern einem Glauben folgen in dem Gott perfekt ist und den Menschen mit einem durch den Menschen zu korrigierenden Fehler geschaffen hat, geht gar nicht.

Es ist mir auch nicht ersichtlich, warum rituelle Beschneidungen von Mädchen was anderes sein sollen als rituelle Beschneidungen von Jungen irgendwo auf der Welt.

Ein solches Gesetz zur Legitimation von Beschneidungen ist grundsätzlich abzulehnen, da es mit der Menschenwürde und dem Recht auf körperliche Unversehrtheit der Betroffenen unvereinbar ist. Die Religionsfreiheit der Eltern darf nicht höher gewertet werden, als das gesundheitliche Wohl der Kinder!

Isolierte Gesamtsicht

Es gibt ja immer zwei Ansätze, wenn man vor einer Reihe von problematischen Situationen steht:

Man kann sie isoliert betrachten – oder die Frage nach einem Zusammenhang stellen.

Quelle: Dieses „Internet“

Die FDP setzt eine Steuererleichterung für Hotelbetreiber durch. Die CDU bemüht sich um die Energieversorger. Gemeinsam beschließt man in 57 Sekunden durch Fernbleiben ein Gesetz zum Ausverkauf der Daten. Ein Gesetz nach dem anderen muss vom Bundesverfassungsgericht gekippt werden. Die Demokratie muss dem Markt weichen, die staatliche Souveränität wird auf dem Altar des ESM geopfert. Die Rechte dank ACTA und Nachfolgern beschnitten, der Mensch zu einer überwachten Spielfigur der Märkte. Dank Harzt-IV lebt ein großer Teil der Bevölkerung in unwürdiger Armut und dient als billigste „Human Ressources“ für Geschäftemacher.

Polizisten knüppeln Menschen nieder und schreiben dann eine Anzeige wegen Widerstand. Der Verfassungsschutz läuft völlig aus dem Ruder und Neonazis begehen 10 Morde vollkommen unbehelligt. Eine gr0ße deutsche Tageszeitung schwärmt von den Zuverdienstmöglichkeiten als Dealer. Bahnhofgroßprojekte werden mit Wasserwerfern durchgesetzt und Investmentbanker schreiben Politiker Drehbücher zur Mehrung ihres Vermögens.

Ich könnte noch Stunden so weiter machen und all die Sachen aufzählen, die mir dieses Jahr und in den vergangenen Jahren aufgefallen sind.

Alles Einzelfälle?

Oder haben wir ein gesamtgesellschaftliches Problem, bei dem der legendäre Fisch vom Kopf her stinkt?

Arbeitslos? Hartz IV? Kein Problem, hier warten 6.000€ extra!

Über manche Artikel kann ich nicht nur den Kopf schütteln – sie entsetzen mich regelrecht.

So wie der aktuelle Artikel „Crystal Meth und das Geschäft mit der Zombiedroge“ auf derwesten. In dem darf ich lesen, wie ein Arbeitsloser zwar Hartz-IV bezieht, nebenbei aber erfolgreich dealt.

Natürlich alles in gewaltfreier Atmosphäre, unbehelligt von den Nachbarn und der Polizei und mit mal locker 6.000€ im Monat nebenher. Inklusive der Gewinnspannenbeschreibung von verschiedenen Drogen im Vergleich.

Lieber derWesten, hakts?

Wenn ich ein jugendlicher Kerl wäre, arbeitslos und ohne Perspektive und ich würde in einem angesehenen Nachrichtenportal eine solche Beschreibung lesen, was würde ich dann denken? Ich würde mir ernsthaft die Frage stellen, warum eigentlich nicht? Schließlich sind die Konsumenten ja eigenverantwortlich und niemand muss Drogen nehmen und wenn doch, warum soll ich nicht daran verdienen? Ohne Streß mit der ARGE, dem Finanzamt oder Mutti.

Ich schätze mal der Artikel sollte eine Warnung vor dem Gebrauch von Crystal werden. Was er wurde ist eine Jobbeschreibung für die Dealer von morgen. Playstation zocken inklusive.

Und jetzt entschuldigt mich, ich geh mal kurz erbrechen.

Rule #1: Schuld hat immer der andere!

Manchmal bin ich schon reichlich fassungslos.

Aktuell wegen einer Nachricht auf heise.de, in der ich lesen kann, was das Problem der Kino-Betreiber ist:

So mancher Kinosessel bleibt leer, weil die Filmfans lieber zu Hause auf der Couch bleiben und dort ihre legal oder illegal beschafften Filme schauen. Mit Investitionen in neueste Technik und Ambiente versucht die Branche schon länger, dagegenzusteuern. Auch mit Live-Übertragungen von Opernaufführungen, Konzerten und speziellen Events wie Lady-Nights oder Familientagen soll neues Publikum in die Lichtspielhäuser gelockt werden.

Ja ne, is klar?

Ich behaupte mal, so mancher Kinosessel bleibt leer, weil viele Leute sich den Besuch im Kino gar nicht leisten können. Neue Technik ist fein, aber die Preise gehen mal gar nicht. Wenn man sich mal überlegt:

Am Sonntag war ich mit Freunden im Kino und habe schon „ermäßigte“ Karten für eine Nicht-3D-Vorstellung bekommen. Und trotzdem noch 8€ je Karte gezahlt, also 32 Euro für vier Karten. Das ist der reine Eintritt, ohne auch nur ein kleines Paket Popcorn oder Getränk – auf eine Familie gesehen finde ich das ganz schön viel Geld. 3D kostet Extra, Überlänge kostet Extra, Internetbuchung kostet Extra, gute Plätze kosten Extra.

Vielleicht sollte man aufhören über die illegalen Filmgucker als Problem zu sprechen und sich fragen, ob statt Theater- und Opernaufführungen nicht angemessenere Preise eher geeignet wären, mehr Leute ins Kino zu locken? Denn Kino ist zweifellos viel geiler, als auf dem Monitor daheim zu schauen. Allerdings kann ein jeder sein Geld auch nur ein einziges Mal ausgeben…

Und wenn wir mal ehrlich sind, liebe Kinobetreiber: Schlechte Zeiten sehen anders aus, als die 20 Millionen Überschuss die allein Cinemaxx letztes Jahr gemacht hat. Und auch die anderen Zahlen sprechen eine klare Sprache:

Bereits im vergangenen Jahr konnte der Kinomarkt bei Besucherzahlen und Umsatz zulegen. Fast 130 Millionen Besucher wurden vor die Leinwände gelockt, gut 2,3 Prozent mehr als in 2010. Der Umsatz wuchs zum dritten Mal in Folge und erreichte gut 960 Millionen Euro, unter anderem auch wegen höherer Ticketpreise.

 

Jammern, auf hohem (Preis-)Niveau?