Das Grösste von allem – Dubai und Abu Dhabi

Das Grösste von allem – Dubai und Abu Dhabi

Nachdem ich mir das Nördlichste von allem angesehen habe, bin ich ein gutes Stück geflogen und habe den zweiten Punkt meiner geplanten Reise erreicht: Dubai. Und war mir auf Spitzbergen wieder vor Augen geführt worden, wie schlimm es um uns bestellt ist, ist mir in Dubai klar geworden, dass alle Hoffnung vergebens ist.

Aber fangen wir vor an: Ich bin von Düsseldorf aus geflogen und hatte das Vergnügen bei Emirates Gast zu sein. Einer Fluggesellschaft die unter anderem für ihren Service bekannt ist und bei der sich tatsächlich viele andere Fluglinien eine Scheibe abschneiden können. Das Problem war nur: Der Flughafen Düsseldorf.

Ich war 4(!) Stunden vor Abflug da und habe dann 3,5 Stunden gebraucht, bis ich am Gate war. Absolute Hölle des Chaos am Flughafen. Zum Vergleich, auf dem Rückflug habe ich vom Betreten des Flughafen Dubai bis zum Gate knapp unter 30 Minuten gebraucht. Aber da tragen auch mehr Menschen eine Maske….

Anyway, irgendwann waren dann alle Passagiere abgefertigt und der Flieger konnte mit einer Stunde Verspätung dann in die Nacht starten und mich nach Dubai bringen. Dort hatte ich nur wenige Nächte Aufenthalt und ein straffes Programm. Unter anderem weil ich auch noch nach Abu Dhabi wollte.

Dubai ist völlig surreal. Alles muss hier „das Größte“ sein. Die weltgrößte Mall. Das weltgrößte Hochhaus. Alles immer Weltgrößt. Das sieht man dann auch im Stadtbild, das man schlicht nur mit dem Wort „surreal“ umschreiben kann.

Dubai von oben

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch zwei Wochen hätte bleiben können, um all die Hochhäuser zu fotografieren – denn keines sieht wie ein anderes aus. Und wenn Euch die Buchstaben EMAAR auf vielen Gebäuden auffallen: Wenn ich das richtig verstehe, ist das die staatliche Baufirma, der fast alles gehört.

Ein anderer Blick auf Dubai

In Dubai selbst herrschten Temperaturen von 40-45 Grad. In den Innenräumen dagegen um die 20-22 Grad. Selbst die Bahnhaltestellen der Metro sind entsprechend gekühlt. Metro ist ein gutes Stichwort: Dubai lebt für das Auto. Was hier für riesen Kisten rumfahren, ist unglaublich. Dazu alles an Luxusautos, was man sich vorstellen kann – Sprit kostet quasi nix. Gleichwohl scheint man aber langsam in eine Transformation zu kommen. So gibt es eine „Metro“, eine automatisierte Stadtbahn, die von Nord nach Süd durch Dubai geht und die Straßenbahnen, die wenigen, verbindet. Wie absurd das ist sieht man daran, dass man oft in Tunneln und über Brücken 10 Spuren Straße überqueren muss um überhaupt zur Haltestelle zu kommen – oder wie im Fall des Dubai Mall der Fußweg satte 30 Minuten ist. Aber grämt Euch nicht, es gibt ebenerdige Laufbänder.

Und dann steht man an Bauten wie dem Zukunftsmuseum und gafft einfach nur mit offenem Mund.

Das Zukunftsmuseum

Dubai ist gelebte Energieverschwendung. Dazu gibt es alles in Plastik und Recycling ist natürlich nicht vorgesehen. Das fiel mir besonders negativ auf dem Weg in die Wüste auf: der Weg ist gesäumt mit aus den Autos geworfenen PET-Flaschen und anderem Zivilisationsmüll.

Die Wüste bei Dubai

Schaut man sich z. B. „The Palm“, die künstliche Insel in Palmenform an, bekommt man in einem Vortrag gesagt, dass diese Insel im Einklang mit der Natur erschaffen wurde. Während man im Video sieht, wie Berge gesprengt und das Geröll vor dem Festland ins Meer gekippt wird, für die Fundamente.

Wasser, Strom, Beton, Stahl, das alles scheint hier unlimitiert vorhanden zu sein.

Und versteht mich nicht falsch: Dubai ist wahnsinnig spannend und aufregend zu sehen. Es ist halt auch nur ein perfektes Beispiel dafür, was alles schief läuft. So habe ich z. B. nur einen Parkplatz gesehen (alle beschattet), der ein Solardach hatte. Es ist alles einfach irre. Ein anderes Wort will mir dazu nicht einfallen.

Die Wasserspiele in der Wüste, bzw. am Dubai Mall.

Als Zwischenstopp stand ein Besuch in Abu Dhabi an. Ich wollte gerne die Scheich-Zayid-Moschee sehen. Natürlich die Größte der Welt. Und trotzdem als Kulturstätte und Sammelstelle des Glaubens unfassbar beeindruckend. Aber natürlich sind die Dächer mit echtem Gold überzogen – was kostet die Welt.

Die Scheich Zayid Moschee

Von da aus ging es noch in das Louvre Abu Dhabi. Da man sich bekanntlich sonst nichts gönnt, hat man für mehrere hundert Millionen Dollar das Recht erworben, ein eigenes Museum Louvre nennen zu dürfen. Und für einige weitere hundert Millionen Kunst ausgeliehen, um es zu füllen.

Kunst im Louvre Abu Dhabi

Versteht mich nicht falsch: Das Museum ist, vor allem architektonisch der Hammer. Weswegen ich es auch sehen wollte. Es ist einfach einmalig auf der Welt.

Das Louvre Abu Dhabi

Es ist nur…. alles so unfassbar absurd. Ich meine wir sind in der Wüste. Und hier wird gelebt, als wenn es weder einen Mangel an Trinkwasser, noch einen Klimawandel gäbe oder sonst irgendwas. Und wie absurd das alles ist, erahnt man im Vorraum zur Moschee. Wo man bei McDonalds essen gehen kann.

Fastfood in der Moschee

Nachdem ich in Spitzbergen vor dahin schwindenden Gletschern stand und jetzt in Dubai erleben durfte, dass wir irgendwo im Keller eine zweite Welt haben, bin ich schon ziemlich ratlos. Ich habe keine Ahnung, wie man diese beiden Eindrücke verbinden kann. Und sitze jetzt in Deutschland, trenne meinen Müll, fordere die Politik auf die Verkehrs- und Energiewende zu beschleunigen und mich beschleicht das Gefühl vollkommener Machtlosigkeit.

Hat sich Dubai gelohnt?

Ja. Aber.

Das Nördlichste von allem – Spitzbergen

Das Nördlichste von allem – Spitzbergen

Wie vor ein paar Tagen angekündigt, hat es mich nach Spitzbergen verschlagen, eine Insel im Polarkreis. Das Ganze war eine durchaus spannende Reise, an der ich Euch gerne teilhaben lassen möchte. Auch wenn sie etwas chaotisch begann und endete 🙂

Da ich einen Flug früh morgens ab Frankfurt hatte, bin ich am Vorabend mit dem ICE von Duisburg nach dort gefahren. Eine Nacht im Flughafenhotel und am nächsten morgen weiter – was kann da schon schief gehen. Aufzugeben hatte ich nichts, da ich 2 Stück Handgepäck mitnehmen konnte und das ein Koffer und eine Kameratasche waren. Aber, weil ja gerade an den deutschen Flughäfen etwas Chaos herrscht, dachte ich ich bin mal klug und frage im Flughafen, wann am nächsten Morgen die Sicherheitsschleusen aufmachen. Und niemand, wirklich niemand sah sich verantwortlich oder in der Lage, mir eine Auskunft zu geben.

Gut, mein Flug ging irgendwann um 7, also habe ich mir den Wecker so gestellt, dass ich um 4 im Terminal war. Plan: Schnell checken lassen, dann in die Lufthansalounge, in Ruhe frühstücken und dann fliegen. Und ja, was soll ich sagen, so sah es dann um 4 Uhr früh(!) aus:

Schnappschuss der Warteschlange vor der Sicherheitsschleuse am Flughafen Frankfurt

Stellt sich raus: Morgens um 5 gehen schon Flüge nach Malle. Und das wusste am Vortag wohl niemand so richtig (warum auch) und so gerieten die Urlauber in er Reihe langsam aber sicher in sichtbare Nervosität. Und hey, von da wo ich das Foto gemacht habe, waren es auch nur noch 90 Minuten. Wo ist das Facepalm-Icon, wenn man es mal braucht.  Kaum im Flieger war aber erst mal Ruhe und es ging nach Oslo. Das uns Reisende mit malerischen Landschafen zu begrüßen wusste…

Luftbild des Anflugs auf Oslos

Ich hatte ein bisschen Sorge, weil die Umstiegszeit dort recht knapp bemessen war und mein Flieger etwas Verspätung hatte. Diese Sorge stellte sich als vollkommen unbegründet heraus: Die Logistik in Oslo klappt wie am Schnürchen, einschließlich der Passkontrolle und so saß ich pünktlich im Flieger nach Spitzbergen. Und wenige Stunden später hieß mich das Eiland im Polarkreis mit seiner kargen Schönheit willkommen….

Luftbild des Anflugs des Flughafens auf Spitzbergen

Der Flughafen ist winzig und ich hätte nie gedacht, dass dort relativ viel Betrieb ist. Ist aber, weil Spitzbergen, wie ich später lernen sollte, An- und Abfahrtsort vieler Kreuzfahrten durch die nördlichen Meere ist. Entsprechend war ich dann auch nicht überrascht, dort eine Fluglinie aus Österreich zu sehen – ich hätte ja selbst über Wien hier her gekonnt.

Übersichtsfoto des Flughafens Spitzbergen

Spitzbergen selbst ist beeindruckend. Es ist… trostlos. Denn es gibt nicht einen einzigen Baum. Es ist wild und gefährlich, deswegen darf man den Ort Longyearbyen auch nicht ohne Bewaffnung verlassen. Es ist leer – Menschen leben hier, wenn sie wollen, hunderte Meter abseits der Straßen, Wege und Nachbarn. Einige haben sich gar auf kleine Inseln zurückgezogen. Und was spannend ist: Kommen auf 5 Einwohner 1 Auto, so hat jeder Einwohner scheinbar mindestens 2 Schneemobile. Woran das wohl liegen mag.

Das Erste was mich beeindruckt hat, war die „Mitternachtssonne“. Zu der Jahreszeit meines Besuchs wird es einfach niemals dunkel. Auch nicht nennenswert dunkler. Es ist einfach… immer Tag. Das ist schon spannend zu erleben. Ansonsten sieht es ungefähr so aus, wie man sich Nord-Norwegen vorstellen würde 😉

Bunte Häuserzeile auf Spitzbergen

An jeder Ecke sieht man aber, dass es Spitzbergen in der heutigen Form nicht gäbe, wenn es hier nicht viel Kohle geben würde. Die sich zunächst ein amerikanischer Minenbesitzer unter die Finger riss und schließlich hatten die Russen auch ein Wort mitzureden, die zwei Enklaven hier haben. Dabei hat Spitzbergen einen besonderen Reststatus, der dieses miteinander ermöglicht.

Was man auch an jeder Ecke sieht ist, wie weit man hier im Norden ist. Hier ist alles immer das nördlichste. Der nördlichste Pub, die nördlichste Tankstelle, der nördlichste Supermarkt. Unter diesem Superlativ bewegt sich hier erst mal gar nichts 🙂

Angekommen hatte ich zwei Ziele neben der eigentlichen Aufgabe, die Auslöser der Reise war. Das eine Ziel war der Global Seed Vault. Hier werden Samen aller möglichen Pflanzen aus aller Welt bei -18° gelagert. Die Wahl von Spitzbergen war logisch, weil es hier nie wirklich warm wird und weil es Infrastruktur (Strom!) gibt.

Eingang zu "The Vault", dem Gloabal Seed Vault auf Spitzbergen

Es ist übrigens nur ein Gerücht, dass mein Eintreffen hier irgendwas mit dem Eintreffen von Heino Ferch zu tun gehabt hätte, der gerade den Film „Seed“ dreht. Und dafür an meinem Hotel drehte, das mal kurzerhand zu einer Polizeiwache um-firmiert wurde 😀

 

Der Schauspieler Heino Ferch bei Dreharbeiten

Der Teil meines Hotels, der zu einer Polizeiwache wurde

Ein zweiter, fast noch wichtigerer Punkt auf meiner Liste war, mir ein Bild der Gletscher auf Spitzbergen zu machen. Dazu muss man wissen, dass diese riesig sind. Aber eigentlich nur noch ein Schatten ihrer selbst, denn die verbleibende Größe darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie seit 1900 um mehr als 90% ihre Masse verloren haben. Und das das Schmelzen durch den vom Menschen beschleunigten Klimawandel immer schneller von statten geht.

Bild eines Gletschers auf Spitzbergen

Tja. Und nachdem ich dann meine „To-Dos“ abgehakt hatte, überraschte mich die Lufthansa mit einer SMS: „Ihr Rückflug wurde annulliert. Wir informieren Sie über Alternativen.“ Mein Rückflug war, danke auch, genau an dem Tag an dem das Bodenpersonal in Frankfurt streikte. Das wäre unkritisch gewesen, wenn mein Rückflug nicht so getaktet gewesen wäre, das ich zu Hause den Koffer abwerfen würde, eine Nacht schlafe und dann am nächsten Tag mit anderem Gepäck ab Düsseldorf nach Dubai reisen würde. Dank meines Reisebüros war das aber weniger Problem als erwartet:

Ich konnte noch einen Platz auf einem Flieger von Oslo nach Amsterdam ergattern und dann von da aus mit dem ICE nach Duisburg zurück. Die Lufthansa war dabei auch sehr zuvorkommend und versprach, das neue Ticket und die anteiligen Flugkosten für den eigentlich gebuchten Flug umgehend zu erstatten. Ich vertraue da mal drauf.

Tja… und so waren meine viel zu wenigen Tage auf Spitzbergen vorbei. Einer Insel die wie für mich gemacht zu sein schein. Kalt. Karg. Leer. Ich glaube ich liebte fast alles daran. Und es ließ mich mit großer Sorge in den zweiten Teil meiner Reise starten.

Klimawandel? Welcher Klimawandel?

Klimawandel? Welcher Klimawandel?

Ich bin so müde.

Ehrlich. Einfach müde. Und ich verliere den Glauben, dass wir irgendwie noch das Ruder rumreißen können.

Seit Jahren, wirklich JAHREN renne ich rum und warne davor, dass jeder Euro den wir nicht gegen den Klimawandel einsetzen, uns ein vielfaches kosten wird. Das wir nicht mehr fragen dürfen ob, sondern fragen müssen wie schlimm uns der Klimawandel treffen wird. Und während ich kleine Erfolge feiern konnte, wie das Voerde den Klimanotstand ausruft und ein jährliches Monitoring unserer Trinkwasserquellen eingeführt hat, scheitere ich an anderen Stellen beharrlich. Zum Beispiel bei meiner Forderung mehr Einbahnstraßen zu entwickeln und den frei werdenden Raum für Radfahrer und vor allem Bäume, Bäume, Bäume zu verwenden.

Das ich da nicht weiter komme, ist auch Ergebnis der Politik der CDU und FDP. Die bemerkenswert ausdauernd nicht bereit sind, den Klimawandel mit dem notwendigen politischen Ernst zu begegnen. Wenn sie ihn denn überhaupt anerkennen.

Heute morgen nun ein Artikel in der NRZ, nur Print, dass die Gegend hier literally austrocknet. Und parallel dazu online ein Artikel über extremes Niedrigwasser im Rhein. Und es ist ja nicht so, als hätten wir nicht in der Hand was zu tun – nur leider machen wir das Gegenteil: statt eines sofort wirksamen Tempolimits will die FDP lieber weiter Anreize zum Kauf von E-PKW setzen. Mit Geld, dass wir z. B. viel viel sinnvoller für ein dauerhaftes 9€ oder von mir aus 29€-Ticket einsetzen könnten.

Wenn das so weiter geht, sollten wir schon heute überlegen, wie wir den Kids in ein paar Jahren erklären, warum wir sehenden Auges in den Untergang geritten sind. Denn wie gesagt: So langsam verliere ich den Glauben daran, dass wir es irgendwie noch gerade gebogen bekommen.

Der Klimawandel ist da und er wird uns nicht nur Unsummen kosten – sondern auch sehr viele Menschen das Leben.

Von elektrischen Zügen und elektrischen Autos

Von elektrischen Zügen und elektrischen Autos

Was geht, Deutschland?

Kaum gibt es ein billiges Ticket für die Züge, da kaufen sich Millionen Menschen(!) eines. Der sonst typische Pfingststau wird zu einem Bahnstau und alle gucken irritiert:

Sollte es tatsächlich so sein, dass wenn man den Menschen einen günstigen, einfach zu handhabenden Nahverkehr gibt, diese den auch nutzen? Das wäre ja Un-Fass-Bar!

Zeigt sich aber: Es ist wie mit guten Radwegen: Gib den Menschen Infrastruktur jenseits des Autos (plus hohe Spritpreise) und sie nutzen sie. Und das sollte uns allen zu denken geben. Was machen wir jetzt damit? Überlegen wir mal, was dafür spräche, weiter ein billiges 9€-Ticket oder wenigstens ein preiswertes 365€-Ticket anzubieten.

Kampf gegen den Klimawandel.

Auch wenn klar ist, dass wir den Klimawandel nicht allein durch unser individuelles Verhalten einbremsen werden, weil dafür Global viel mehr Anstrengung notwendig wäre, ist der Verkehr in Deutschland auf Platz 2 der Klimatreiber. Jeder KM der nicht mit dem Auto gefahren wird, hilft. So einfach ist die Rechnung. Natürlich braucht es dafür ein Bahnnetz, dass praktisch jedes Dorf anbindet. Das hatten wir aber schon mal und haben es aufgegeben, als wir beschlossen haben, dass die Bahn ein gewinnorientiertes Unternehmen sein muss. Drehen wir das doch wieder um und machen wir die Bahn wieder zu einem Verkehrsmittel, dass jedes Dorf mit den Städten verbindet und die Städte untereinander. Und dann bitte so wie früher, als man ohne Umsteigen praktisch zwischen allen europäischen Metropolen hin und her fahren konnte. Und stellt Euch mal vor, Ihr könnt wirklich überlegen, ob Ihr heute das Auto nehmen müsst oder es stehen lassen könnt. Und nach einer Weile (so wie ich gerade) ob Ihr überhaupt ein Auto braucht.

Soziale Gerechtigkeit.

Ein billiges Bahnticket gibt Menschen mit geringen Einkommen eine hohe Mobilität. Es darf nicht eine Frage des „kann ich es mir leisten“ sein, Freunde in der Nachbarstadt zu besuchen oder gar einen Job dort anzunehmen. Es würde zudem helfen, den Menschen zu erlauben über den Tellerrand zu blicken, wenn sie günstig kreuz und quer durch das Land reisen können und nicht nur auf ihre eigene Stadt beschränkt sind. Es hilft im Arbeitsleben genauso wie im Privatleben und schafft so etwas wie Gerechtigkeit. Natürlich wird es Menschen geben, die sich in die 1. Klasse zurückziehen können, auch im Zug. Aber grundsätzlich unterscheidet der Zug nicht ob Du Banker bist oder Schrauber. Hier sind alle mehr oder weniger gleich. Und überlegt mal welche Möglichkeiten des Urlaubs sich für Menschen ergeben, die sich keine lange Autoreise leisten können und in Zukunft auch keine Flüge (denn die werden auch teuer werden). Und stellt Euch die Familie vor, die über Nacht mit ihren Kindern von Deutschland nach Italien, Spanien, Dänemark reisen kann, ohne sich dafür finanziell übernehmen zu müssen.

Tourismus und Administration

Diese beiden Punkte gehören für mich zusammen. Zum einen rufen bereits jetzt die ersten Bürgermeister*innen danach, dass 9€-Ticket weiterlaufen zu lassen. Das machen sie nicht nur, weil es ihre eigenen Straßen entlastet, sondern auch weil sie wissen, dass sich das positiv auf die Stadtplanung (mehr Grün, weniger Parkplätze) auswirkt und vor allem mehr Touristen in ihre Stadt spülen kann. Dazu gehört auch, dass endlich der Schwachsinn mit den Verkehrsverbünden aufhört und ich z. B. nicht mehr überlegen muss, welche unterschiedlichen (!) Tickets ich kaufen muss, um von hier nach bspw. Köln oder Dresden zu fahren. Alleine dass NRW mehr als ein Ticketsystem hat, ist absurd, verursacht hohe administrative Kosten, verkompliziert das Reisen und macht keinen Spaß. Einfach muss es sein und bezahlbar.

Fernverkehr und Nachtzüge und das Auto

Schnelle Verbindungen wie ICE, Thalys und Co dürfen gerne weiter Geld kosten. Sie sollen eine zweckgebundene Alternative darstellen. Was ich mir aber wünsche ist, dass die europäischen Bahnen nach österreichischem Vorbild das Nachtzugnetz ausbauen. Und zwar massiv. Und das auch für Autos.

Das Aufkommen der E-Autos stellt eine Veränderung der Fahrgewohnheiten dar, wenn alle paar hundert KM nachgeladen muss. Züge wären da optimal: Stellt Euch vor, Ihr macht Urlaub in Österreich. Ihr ladet Abends Euer E-Auto auf den Zug, stöpselt es ein, geht in den Zug. Abendessen, schlafen, Frühstück und am nächsten Vormittag seid Ihr bspw. in Wien, Euer 100% aufgeladenes Auto wird abgeladen und ihr fahrt nur noch die Strecke zum finalen Ort. Schon aus der Logik heraus, denn was haben Züge mehr als genug, wenn nicht Strom, wäre so etwas doch hochgradig sinnvoll. Aber auch was die Entspannung angeht, weil am eben nicht auf der A3 im Stau steht.

Wir müssen weg davon, irre viel Geld für Straßen und Autokaufprämien auszugeben und hin dazu, einen Teil des Geldes in den Ausbau und die Modernisierung des Schienenetzes zu stecken. Und das wir das nicht für nichts machen, sondern das die Menschen bereit sind, das anzunehmen, ihre Reisegewohnheiten zu ändern, das sehen wir am 9€-Ticket. Und schon deswegen darf nicht nach 3 Monaten Schluss sein. Im Gegenteil: Das, was wir heute erleben muss ein politischer Weckruf sein. Die von allen immer geforderter Verkehrswende ist möglich und muss jetzt kommen!

Und hier ist noch ein spanneder Faden dazu, was eigentlich alles schief läuft und warum, was die Bahn angeht, früher wirklich mehr Lametta war:

Kundenservice richtig gemacht: Deuter Sport GmbH

Kundenservice richtig gemacht: Deuter Sport GmbH

Ich habe eine ganze Reihe von Rucksäcken, fürs Fahrrad, zum Klettern, zum Reisen und die meisten davon sind tatsächlich von Deuter Sport. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass ich schon vor gefühlt 100 Jahren einen Rucksack gekauft habe, der praktisch nicht kaputt zu kriegen war. Und mich 365 Tage im Jahr begleitet hat.

Jetzt hatte ich an einem Rucksack ein Problem: Einer der Schnellverschlüsse ist gebrochen – keine Ahnung wie (*draufgetreten hust*).

Das war ärgerlich. Aber Deuter ist ja irgendwie eine Firma die ich gut in Erinnerung habe, also dachte ich: google mal. Und was soll ich sagen?

 

EIne Rucksackschnalle

Online bestellt, 2 Tage später war das Paket da und die neue Schnalle lag in meiner Hand. Und jetzt ratet mal, was die gekostet hat?

Zwei fuffzig.

Nein ernsthaft. 2 Euro 50. Für eine Schnalle für einen Rucksack den ich vor fast 10 Jahren gekauft habe. Na gut, plus Porto. Aber hey, ich war trotzdem angetan – weil das heute nicht selbstverständlich ist, auch wenn es selbstverständlich sein sollte. Für mich aber auch ein klares Zeichen, dass ich mit den Rucksäcken einen guten Kauf gemacht habe – mal abgesehen davon, dass die beim Tragen und Nutzen ohnehin 100% meiner Erwartungen erfüllen.

 

Nein, ich bin nicht mit Deuter in irgendeiner Weise verbunden, bekomme kein Geld, habe meine Bestellung brav bezahlt und mache keine Werbung. Ich erzähle Euch nur von meinen privaten Erfahrungen. Nur falls da jemand auf komische Gedanken kommt.

Es mag komisch klingen, aber Euer Telefon hört Euch zu

Es mag komisch klingen, aber Euer Telefon hört Euch zu

Es ist ja keine neue Diskussion, ob Smartphones ihre Nutzer belauschen. Jede/r von uns kennt merkwürdige Ereignisse wie Werbung zu Dingen, über die man gerade erst gesprochen hat. Einen Beweis dafür, dass Smartphones ihre Nutzer ausspionieren können – und wenn sie es können es auch machen – gibt es Momentan wohl noch nicht.

Allerdings scheinen wir der Auflösung auf Umwegen einen Schritt näher zu kommen. „Schuld“ ist Google, bei denen ANDROID als Betriebssystem für diverse Geräte verfügbar ist. Denn Google, und ich mache keine Scherze, will in Zukunft(!) Apps untersagen, ungefragt und heimlich Eure Telefonate zu belauschen:

Google lässt ab dem 11. Mai keine Apps mehr im Play Store zu, die heimlich Telefongespräche aufnehmen. Dies geht aus einer Regeländerung für Entwickler hervor, die an dem Tag in Kraft tritt.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass bis zum 11. Mai es kein Problem war. Und noch besser: für die eigenen Apps gilt das natürlich nicht, die dürfen Euch weiter belauschen – auch ohne Euer Wissen:

Die Änderung betrifft allerdings nicht Wähl-Apps wie Google Phone oder Mi Dialer, die auf einigen Android-Geräten ins System integriert sind.

Quelle: Heise

Könnt Ihr mal einen kurzen Moment in Euch gehen und überlegen, was das bedeutet? Das bedeutet, dass Google sich und (bis zum 11.05) Dritten erlaubt, die Vertraulichkeit des gesprochenen Wortes nach Herzenslust zu brechen, Euch zu belauschen, Eure Gespräche zu speichern, analysieren und zu verwerten.

Aber lasst mich raten: Das wird Euch nicht davon abhalten, Handys, Smart-TV und andere Geräte mit ANDROID zu nutzen, gell? Denn Ihr habt ja nix zu verbergen.

Klimawandel? Welcher Klimawandel?

Klimawandel? Welcher Klimawandel?

Ich zitiere mich mal selbst:

Manchmal bin ich so müde. Soooo müde. Und ich hätte so gerne Unrecht.

Seit Jahren schon predige ich, dass wir auch in unserer Region genau auf das Grundwasser achten müssen. Insbesondere den Verbrauch, aber auch die Nitratbelastung oder eben das fehlende „Nachwachsen“ durch Dürren. Ich versuche mich als Mitglied im Aufsichtsrat unserer Stadtwerke einzusetzen (u. a. durch Anträge zum Grundwassermonitoring), im Rat der Stadt (durch Ausrufen des Klimanotstands) und auch privat.

Und was ich mir alles anhören durfte. Von der FDP, die meinte das Austrocknen des Rotbachs läge an den Folgen des Bergbaus oder der CDU, man könne vor dem Rathaus kein CO2 sehen. Und auch simple Zahlen, Daten, Fakten, wie z. B. die ständig ansteigenden Temperaturen, reichen nicht um die „sollen sich doch spätere Generationen drum kümmern“ – Politiker aufzurütteln.

Und so erreichen mich aktuell zwei Nachrichten, die weder überraschend sind, noch getrennt von einander stehen dürfen:

Europa hat im Jahr 2021 laut EU-Daten den heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebt. Die durchschnittliche Temperatur von Anfang Juni bis Ende August habe fast ein Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 gelegen, teilte am Dienstag das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus der Europäischen Union mit.

(Quelle: Stern)

„Deutschland hat in 20 Jahren Wasser im Umfang des Bodensees verloren. Das ist unvorstellbar viel Wasser“, sagt Prof. Jay Famiglietti, geschäftsführender Direktor des Global Institute for Water Security an der Universität von Saskatchewan, Kanada und ehemaliger leitender Wasserwissenschaftler am Jet Propulsion Laboratory der NASA in Pasadena, Kalifornien. „Der Wasserrückgang in Deutschland beträgt etwa 2,5 Gigatonnen oder Kubikkilometer im Jahr. Damit gehört es zu den Regionen mit dem höchsten Wasserverlust weltweit.“ Das sei für die Forschenden selbst eine „schockierende Überraschung gewesen”.

(Quelle: National Geographic)

Und kaum jemand scheint sich dafür zu interessieren. Ich verstehe nur nicht, warum?

Zum einen bringt der Klimawandel irre hohe Kosten mit sich und jeder Euro, den wir heute nicht investieren um den Klimawandel zu verlangsamen, wird uns viele zusätzliche Euro in Zukunft kosten.

Weiterhin ist Trinkwasser ein unvorstellbar wichtiges Gut, wenn wir uns auf eine heißere Zukunft einstellen. Klar gibt es theoretische, energieintensive Möglichkeiten wie die Meerwasser-Entsaltzung für den „Fall der Fälle“ – ich muss Euch aber nicht erklären, dass das etwas anderes ist als Grundwasser und eine komplett eigene Infrastruktur zur Stromversorgung und für den Transport braucht. Wer sich also heute hinstellt und auch noch ernsthaft sagt, dass das sinkende Grundwasser angesichts des steigenden Meeresspiegels doch kein Problem sei, der hat sich völlig aus der rationalen Diskussion verabschiedet.

Mal Hand auf’s Herz: Wir wissen, was passiert. Wir wissen, was kommen wird, wenn wir nicht das Ruder herum reißen. Warum genau machen wir (und das meint auch und vor allem politische Entscheider!) genau gar nichts? Sitzen wie das Kaninchen vor der Schlange, stehen wie das Reh auf der Landstraße und warten auf das scheinbar unvermeidbare?

Und ja, vielleicht ist es unvermeidbar, mit den Folgen des Klimawandels leben zu müssen. Aber ich bin überzeugt, dass wir noch immer in der Hand haben zu entscheiden, wie schlimm es wird.

Mein und Dein und Unser

Mein und Dein und Unser

Eines der Dinge, die mich an unserer aktuellen Wirtschaft faszinieren ist, wie leichtfertig die Menschen heute bereit sind für ein Produkt zu bezahlen und es trotzdem nicht zu besitzen. Das wird häufig als „Abo-Modell“ getarnt, wenn z. B. Software nicht mehr gekauft, sondern nur noch gemietet wird. Die Hersteller versprechen, dass man so immer die optimale Software habe, immer alle Updates bekomme.

Was sie nicht sagen: Man ist ihnen ausgeliefert, denn wenn man mit den Konditionen irgendwann nicht mehr einverstanden ist, hängt man am Fliegenfänger. Zahlt man nicht mehr regelmäßig, kann man die Software auch nicht mehr nutzen. Für die Hersteller ein Win-Win: Sie erhalten regelmäßige Cashflows und haben zudem die Kontrolle über die Verwendung der Software.

Aber das ist ja nicht der einzige Punkt. Musik zum Beispiel wird heute fast nur noch gestreamt und online erworben. Zumeist in proprietären Formaten, die bedingen, dass der Musicplayer sich gelegentlich bei einem Lizenzserver versichert, ob man diese Musik überhaupt noch hören darf. Denn gekauft hat man sie im eigentlichen Sinne nicht, man mietet sie vielmehr. Was passiert, wenn auch große Firmen keinen Bock mehr haben, sah man sehr schön bei Microsoft: Das einst als Alternative zum iTunes-Store gehypte Zune wurde dicht gemacht, die Nutzer verloren ihre Musik.

Und was bei Musik möglich ist, die nicht mehr als CD im Regal steht oder wenigstens DRM-freies MP3 auf der Festplatte liegt, geht natürlich auch bei eBooks. Unvergessen der Fall, als Amazon einfach mal gekaufte eBooks von den Readern seiner Kund*innen fernlöschte. Und das ausgerechnet bei den dystopischen Romanen „1984“ und „Animal Farm“.

Und auch im Smart Home kaufen die meisten Leute kaum Geräte, die sicher nur im eigenen Haus laufen. Vielmehr brauchen praktisch alle großen Systeme eine Interntverbindung und nutzen unnötiger und unsicherer Weise „Cloud-Services“. Und auch hier gilt: Hat der Hersteller keinen Bock mehr, hat der Kunde verloren.

Es ist ja nicht so, als erhielten wir als Kund*innen Vorteile dadurch. Oder günstigere Preise. Nein. Wir geben ausschließlich die Kontrolle aus der Hand, binden uns langfristig an Firmen mit undurchsichtigen Verträgen und akzeptieren stillschweigend, dass die Dinge, die wir vermeintlich kaufen, gar nicht in unseren Besitz übergehen. Sondern wir nur das temporäre Recht zur Nutzung erwerben.

Und irgendwie… so richtig scheint das niemanden zu stören, oder?