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Kategorie: Finanzen

Der Benzinpreis als Symbol des Politikversagens

Der Benzinpreis als Symbol des Politikversagens

Ich war heute tanken.

Das ist in sofern bemerkenswert, als das ich ja nur sehr selten Auto fahre – und in der Folge sehr selten tanken. Deswegen war natürlich heute der aufgerufene Preis im Vergleich zum letzten Mal schon heftig.

Und es lässt mich grübeln. Denn Land auf, Land ab wird ja über den Benzinpreis diskutiert. Aber diskutieren wir richtig?

Klar ist doch: Benzin wird immer teurer werden. Erstens wird es aus einem limitierten Rohstoff hergestellt, um den auch andere Anwender konkurrieren. Die Verarbeitung und der Transport ist ein Mammutprojekt und die notwendigen Steuerungsmaßnahmen gegen den Klimawandel werden ihr übriges beitragen.

Wir sind dagegen schon fast süchtig nach dem billigen Stoff. Was waren alle glücklich, als Diesel in der Corona-Krise für knapp einen Euro zu haben war. Weil sie nicht verstanden, was das letztlich für den Markt bedeutet. Was beschweren sich heute alle über die Preise, die jedoch inflationsbereinigt gar nicht besonders hoch sind.

Allerdings ist der Benzinpreis und das Klagen der Menschen ein Ausdruck von Politikversagen.

Ich tanke unter anderem deswegen so super selten, weil ich wahnsinnig privilegiert bin: Ich kann meine Einkäufe fußläufig erledigen. Wohne in der Nähe des Bahnhofs und habe eine direkte Zugverbindung zur Arbeit. Das Jobticket ist verhältnismäßig günstig – was juckt mich der Spritpreis?

Aber eben dieses Privileg, dass ich genieße, steht längst nicht jedem zur Verfügung. Und die lange fehlgeleitete Politik hat zu folgendem Szenario geführt:

  • Während umweltschädliches Fliegen massiv subventioniert wird, gilt das für die umweltfreundliche Bahn nicht
  • Nur ein Bruchteil der Investitionen im Verkehrsbereich gegen in die Bahn, davon ein noch winzigerer Teil in den ÖPNV
  • Es gibt immer noch kein Recht auf Homeoffice
  • Finanzpolitik fördert pendeln, statt arbeiten zu Hause oder nah am Wohnort

Natürlich werden hohe Treibstoffkosten die Menschen dazu bewegen, weniger, langsamer zu fahren und Menschen und Umwelt werden sich freuen. Das behebt aber noch nicht das Problem, dass der ÖPNV in vielen Bereichen keine Alternative ist und Fahrrad fahren oftmals tödlich – gerade erst wieder in Düsseldorf.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass Politik den Menschen die Wahrheit sagt:

Ja, Benzin und Diesel werden immer teurer.

Nein, Benzin und Diesel in PKW haben keine Zukunft.

Ja, der Bund, die Länder und Kommunen müssen massiv in den ÖPNV und Radwege investieren.

Ja, heimatliches oder heimatnahes Arbeiten muss bevorzugt und gefördert werden.

Viele Politiker sind ja der Meinung, man könne den Menschen nicht die Wahrheit zumuten. Deswegen werden Nebelkerzen wie der vorübergehende Verzicht auf Steueranteile beim Treibstoff diskutiert. Das ist aber natürlich keine Dauerlösung, weil das gleichzeitig den finanziellen Handlungsraum einschränkt.

Es ist dringend geboten, die Verkehrswende zum Prio 1 – Thema zu machen. Verkehr muss nachhaltiger, vernetzter, elektrischer werden. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Von Renten, Aktien und Angst

Von Renten, Aktien und Angst

Die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP berät gerade auch eine große Reform des Rentensystems. Das wir das anpacken müssen, ist vermutlich unstrittig. Was mich irritiert ist, dass immer sofort Angst ins Spiel kommt. Das geht alles nicht, davon profitieren die Falschen und so weiter.

Vor ungefähr einem Jahr hatte ich dazu schon mal was gepostet. Dabei ging es mir vor allem darum, dass es wenig gangbare Alternativen gibt. Und die, die es gibt, macht der Staat unattraktiv:

Warum also fordert der Staat auf der einen Seite, dass wir privat vorsorgen, erlaubt auf der anderen Seite aber nur 6,65 VL vom Arbeitgeber und maximal 801€ an Erträgen, bevor das Finanzamt wieder zuschlägt?

Das ist für mich nicht logisch.

Natürlich rufen die üblichen Verdächtigen sofort wieder, wie schlimm das alles ist. Selbst erfolgreiche Modelle wie der Staatsfond in Norwegen sehen sich konstanter Kritik ausgesetzt. Dabei liegen die Fakten eigentlich auf der Hand:

  1. Wir müssen weg von einem System, das Lohn als Ausgleich für körperliche Arbeit versteht und hin zu einem System, in dem die Menschen am Gewinn und der Produktivitätssteigerung (ihrer) Unternehmen profitieren können.
  2. Wir müssen weg von einem Steuersystem, das private Vorsorge bestraft und ausschließlich staatliche Lösungen vorzieht, an denen einige wenige sich dumm und dämlich verdienen, während der große Teil leer ausgeht.
  3. Wir können Unternehmen die Chance eröffnen, über steuerbegünstigte Altersvorsorgen Wettbewerbsvorteile im War on Talent zu erhalten.

 

Was auf den ersten Blick vielleicht wie der Traum der FDP aussieht, ist auf den zweiten Blick einer ganz simplen Tatsache geschuldet: Dank sinkender Zahlen jungen Erwerbstätigen und steigender Zahlen von Rentenbezieher*innen, ist das bisherige Rentenmodell nicht mehr tragfähig. Die bisherigen Ansätze kaschieren das Problem, lösen es aber nicht.

Tatsächlich glaube ich nicht, dass wir um ein System herum kommen, dass wirtschaftlich arbeitet. Und dazu gehört auch, dass das Rentensystem selbst in der Lage sein muss, Überschüsse zu erwirtschaften, die dann reinvestiert werden können. Das Rentensystem muss in der Lage sein, Wirtschaftserfolg der Unternehmen, deren Mitarbeiter es absichert, zu partizipieren.

In sofern würde es mich wahnsinnig freuen, wenn wir die neue Regierungsperiode nutzen würden, um wirklich mal eine echte Rentenreform anzustreben. Die sowohl eine sichere und auskömmliche Grundrente im Kern haben muss, wie auch die Möglichkeit der privaten und vor allem ernst zu nehmenden eigenen Vorsorge für das Alter.

Denn machen wir uns nichts vor: Das bisherige System wird den zukünftigen Anforderungen nicht Stand halten. Ein Umbau des Rentensystems wird aber, wenn man es richtig angeht, Jahre dauern. Vermutlich deutlich mehr als eine Legislaturperiode.

In sofern wünsche ich mir, dass Kritiker und Befürworter ein gemeinsames Gesprächsniveau finden. Denn unstrittig ist doch, dass wir etwas machen müssen. Und die Frage was wir machen wollen, kann man doch am Besten in einem gesellschaftlichen Konsens beantworten. Oder?

Warum ich meine Prime Visa gekündigt habe

Warum ich meine Prime Visa gekündigt habe

Ich hatte eine ganze Zeit die Visa-Kreditkarte von Amazon.

Als ich sie damals, ganz am Anfang ihrer Zeit, bestellt habe, war sie sehr verlockend. Es gab einen relativ hohen Startbonus von 70€ und bei jedem Kauf auf Amazon bekam man 3% gutgeschrieben. In Form von „Punkten“, die dann als Bargeldersatz bei Amazon verwendet werden konnten. Und ja, damit umgeht Amazon auch die Buchpreisbindung, weil es die 3% natürlich auch bei Büchern gibt. Für Prime-Mitglieder ist sie kostenlos.

Die Karte wird vertrieben von der Landesbank Berlin(LBB). Und hier beginnt und endet mein Problem.

Zunächst das Positive: Die App zur Karte ist funktional und gut zu bedienen. Der Kundenservice reagiert schnell auf Anfragen aller Art und das nervige „Revolving“ kann man per App ein- und vor allem abschalten.

„Revolving Creditcard“ beschreibt dabei, dass man bei solchen Karten gerne in Teilbeträgen zahlen kann. Angesichts von oft 15% und mehr Zinsen ist das natürlich das Geschäft für das ausgebende Institut. Also werden die Verfügungsrahmen schnell hoch gezogen und es wird beständig dafür geworben, ganz bequem doch nur 5% oder so zurück zu zahlen. Der „Revolving“-Teil kommt dann aus den USA dazu, wo es bei ärmeren Menschen üblich ist, die Schulden einer Karte mit einer anderen Karte zu bezahlen. Man dreht sich also mit mehreren Karten im Kreis.

Würde die LBB jetzt gelegentlich Werbung für die Teilzahlung machen, würde ich mir denken: Jo, das ist halt ihr Geschäft. Insbesondere, da der Zinssatz aktuell 14,98% im Jahr(!) beträgt, ggf. zusätzlich 0,87% des „durchschnittlichen Rechnungsbetrags“ als „Zahlungsschutz“ (den man aber abwählen kann). Preis- und Leistungsverzeichnis Stand 01.04.2021

Was die LBB aber mit zunehmender Frequenz macht, ist Mails schicken, die folgenden Inhalt haben:

Übertragen Sie x Tausend Euro auf Ihr Girokonto für x Monate.

Die Idee ist klar, man soll den Kreditrahmen nutzen und die Liquidität ausgeben und dann nicht rechtzeitig zurück zahlen können. Das Problem bei diesen Mails ist, dass es zwei nahezu identische Versionen gibt:

Ein Mal bietet die LBB 3 Monate Zinsfrei.

Ein Mal werden sofort die Zinsen fällig.

Ja, man kann das im Kleingedruckten lesen. Es wird klein geschrieben aber nicht unmittelbar versteckt. Das Problem ist, dass der gemeine Nutzer oder die gemeine Nutzerin natürlich verleitet wird, darauf herein zu fallen. Vor allem, wenn es Zinslos beginnt und irgendwann plötzlich Zinsen fällig werden.

Für ein Quartal zinsfrei mehrere Tausend Euro zur Verfügung zu haben, kann sinnvoll sein, wenn man weiß, wie man in der Zeit Früchte (Zinsen) daraus ziehen kann. Es ist nicht sinnvoll, wenn man es nicht am Ende zurückzahlen kann. Und es ist auf gar keinen Fall sinnvoll, wenn von Anfang an die Zinsen anfallen.

Was mich ärgert ist, dass eine Landesbank solche Tricks nicht nötig haben sollte. Ja ich verstehe, dass Banken Geld verdienen müssen und wollen. Aber mir kann niemand erzählen, dass es Zufall ist, wie hier Kunden erstens geködert werden, ihren Kreditrahmen auszunutzen und wie mit den Zinsen umgegangen wird.

Und weil ich sowas gar nicht mag, habe ich die Karte gekündigt.

An der Stelle muss ich aber erwähnen, dass die Kündigung binnen 24h umgesetzt wurde und das Restguthaben von meinem Kreditkartenkonto wieder auf meinem Girokonto war. Interessant ist, dass der Dateiname der Kündigungsannahme „Kündigung ohne Angebot.pdf“ gewesen ist. Ich frag mich ja, was man anderen Kunden (vielleicht solchen die hohe Zinserträge generieren?) für Angebote macht 😉

 

Ich bin geblitzt worden. Und das ärgert mich. So richtig.

Ich bin geblitzt worden. Und das ärgert mich. So richtig.

Offensichtlich bin ich letzten Monat mit dem Auto gefahren. Und offensichtlich war ich zu schnell. Denn heute bekomme ich von der Stadt Duisburg ein nettes Schreiben nebst nettem Foto. Und der höflichen Bitte, dem Stadtsäckel was Gutes zu tun. Und ich bin verärgert. So richtig.

Was mich so ärgert, sind drei Dinge:

  1. Ich habe meinen eigenen moralischen Standpunkt verlassen. Ich bin der, der den Menschen erklärt, dass auch geringe Geschwindigkeitsüberschreitungen in der Stadt fatale Folgen haben können. Und ich bin der, der mit 8 km/h drüber geblitzt worden ist. Ich bin übrigens auch der, der immer sagt: „Jammer nicht, wärst Du nicht zu schnell gefahren, wärst Du nicht geblitzt worden.“ Tja. So kann man an seinen eigenen Ansprüchen scheitern. 🙁
  2. Das ist einen Monat(!) her. Einen Monat. Ich wußte nicht mal mehr, dass ich vor einem Monat mit dem Auto in Duisburg war. Wie viel wirksamer wäre es gewesen, mich anzuhalten, mir eine Standpauke zu halten und mir zu erklären, dass auch „nur“ 8 km/h drüber einen wesentlichen Unterschied machen können? Ich hätte es verdient. So bin ich mehr damit beschäftigt zu überlegen, wieso ich a) mit dem Auto und b) in Duisburg unterwegs war.

 

3. Der ärgerlichste Punkt ist aber, dass ich nur 15€ bezahlen muss. Soll das ein Witz sein? Sogar mit Barcode, zum schnellen Überweisen mit dem Handy. Welchen Lerneffekt sollen denn bitte 15€ haben, für etwas, das ich vor einem Monat falsch gemacht habe? Anhalten hätte man mich müssen und dann bitte 150€ sofort und auf der Stelle. So scanne ich den Barcode, stecke das Knöllchen in den Reißwolf und werde es vermutlich morgen vergessen haben. Und das kann und darf nicht richtig sein. Zum Vergleich: eine(!) Karte für James Bond im UCI ist teurer, als so gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen zu haben. Wie will ich denn mit solchen „Strafen“ ein (nachhaltiges) Umdenken bewirken?

Also, liebe Verkehrspolitiker in Berlin: Ändert die StVO. Ich möchte mich über mein Fehlverhalten und eine spürbare Buße ärgern. Nicht darüber, dass man offensichtlich in Deutschland nach wie vor nicht wirklich dafür belangt wird, gegen Verkehrsregeln zu verstoßen. Und ja, stellt bitte genug Personen ein, damit direkt angehalten werden kann. Denn vor allem die direkte Konfrontation hilft, Fehlverhalten zu erkennen.

Rente mit 68?

Rente mit 68?

Ich bin ja immer wieder erstaunt, wie flach politische Diskussion sein kann. Nehmen wir die neuste „Panikmeldung“, dass der wissenschaftliche Beirat empfohlen habe, das Renteneintrittsalter auf 68 Jahre zu erhöhen. 

Dazu ein Post von Altmaier auf Twitter:

Und heute morgen hat sich auch der NRW-Minister Laumann im WDR zu Wort gemeldet. Dessen Beitrag hat in die gleiche Kerbe geschlagen, war aber noch übler. 

Er endete damit, dass er froh sei, dass die Politik und nicht die Wissenschaft solche Dinge entscheide. Im Klartext: Fakten sind zweitrangig, Populismus ist wichtiger.

Aber was den Beitrag von Laumann noch schlimmer gemacht hat war, dass er sogar einen Bezug zum Umwelt- und Klimaschutz aufgemacht hat, so nach dem Motto „Zuviel vom Einen gefährdet das Andere“.  What the fuck, können wir mal über das Geld reden, dass wir der Automobilindustrie, den Fluggesellschaften und der Bundeswehr hinten rein blasen?

Was mich aber am Meisten an der ganzen Diskussion stört ist, dass wir weiter so tun, als müssten wir ein krankes System unbedingt am Leben halten. Ja, heute zahlen weniger Menschen für mehr Rentner/innen ein. So what? Dann muss ich einfach mal das System der Rente komplett überdenken. Das wir hier enorme Verluste durch so einen Bullshit wir Rürup und Riester haben, muss mal auf den Tisch.

Und ja, auch das Thema „private Vorsorge“. Ich höre jetzt schon wieder das Schreien, wer sich das denn leisten können soll. Aber wie wäre denn, wenn wir dafür die Rentenversicherungsbeiträge verringern und ein Modell schaffen, in der die Rente eine Basissicherung bietet und darüber hinausgehende Leistungen anderweitig erwirtschaftet werden können?

Das geht ein bisschen in Richtung des Rants, den ich vor ein paar Monaten geschrieben habe. Und die Frage warum ich eigentlich nicht steuerbegünstigt für den Ruhestand sparen kann, wenn ich das will. Weil das auch die Möglichkeit gäbe, in Phasen mit höherem Einkommen und niedrigeren Ausgaben (z. B. vor oder nach Kindern) mehr zu sparen und in anderen Phasen weniger? Warum werden keine steuerlichen Anreize für Arbeitgeber geschaffen?

Machen wir uns doch nix vor: So gut das Rentensystem in Deutschland auch ist, so überholt könnte es sein. Und statt immer nur an den Symptomen zu doktern oder Modelle für Versicherungen zu schaffen, damit die sich dumm und dämlich verdienen können, wäre es doch langsam mal an der Zeit, es so weiter zu entwickeln, dass es denen dient, die es nutzen wollen.

Natürlich ist das aufwändig. Aber wie das mit komplexen Themen so ist: Wenn man anfängt, wenn man noch Zeit hat, hat man sehr viel mehr Freiraum in der Gestaltung, als wenn man wartet, bis man aus der Not heraus agieren muss.

Und ja, speziell für die Herren Altmaier und Laumann sei gesagt: Dabei ist es besonders hilfreich, nicht auf Politik und Lobbyisten zu hören. Sondern auf Wissenschaftler wie Mathematiker, Statistiker und Finanzwissenschaftler. Mit dem Ziel, den Menschen ein System anzubieten, dass sie selbst so nutzen können, wie es für sie am Besten ist.

Und nur zur Vorsicht sei gesagt: Um so früher Menschen in Rente gehen, um so früher machen sie Jobs für junge Leute frei. Die dann wieder Wirtschaftsleistung generieren. Und Eltern, die wissen das ein Kind eine gute Aussicht auf einen Job haben, bekommen vielleicht eher eines. 

 

(Für die Nörgeler: Dieser Text ist kein Rentenkonzept. Sondern in Denkanstoß zum Selbstständigen Weiterdenken. Auch, wenn selber denken heute vielen zu anstrengend scheint 😉 )

Trade Republic again: Weg ist mein Geld….

Trade Republic again: Weg ist mein Geld….

Update weiter unten.

Wie viele von Euch wissen, stehe ich Neo-Brokern und Neo-Banken kritisch gegenüber. Nicht, das ich sie nicht teste, ich habe oft nur Zweifel am Geschäftsmodell und Geschäftsgebahren. Quell steter Frustration ist hier in Deutschland vor allem Trade Republic (1, 2). Und da aller guten Dinge 3 sind, hat TR wieder zugeschlagen. Der Support hat auf mein Ticket noch nicht reagiert, aber ich erwarte eh nur die üblichen, nichts sagenden, Textbausteine.

Diesmal ist „Geld verschwunden“. Also Geld verschwindet ja nicht, es hat nur ein anderer 😉 In meinem Fall habe ich am 01. April einen Abbuchungsauftrag von Trade Republic auf mein hinterlegtes Konto initiiert. Der Gesetzgeber hat festgelegt, wie lange  Überweisungen in Deutschland dauern dürfen. Es gilt (mit Ausnahme von Feiertagen und Wochenenden):

Es soll nur einen Bankarbeitstag brauchen, um Geld von Konto A nach Konto B zu überweisen. Das gilt sowohl für alle elektronischen als auch Online-Überweisungen. (Quelle)

Schauen wir mal:

01. April: Donnerstag, kein Feiertag

02. April: Freitag, Feiertag

03. April – 04. April: Wochenende

05. April: Montag, Feiertag

06. April: Dienstag, jetzt sollte das Geld da sein

07. April: Mittwoch, spätestens jetzt müsste das Geld aber da sein

08. April: Donnerstag, nichts

09. April 10:30 Uhr: Immer noch kein Geldeingang.

Also ich mag mich täuschen. Aber irgendwie ist meiner Meinung nach die Zeitspanne zwischen dem 01. und 09. April etwas länger als der berühmt berüchtigte eine Tag. Selbst mit dem langen Osterwochenende.

Ich finde das spannend zu beobachten, wie TR wirklich _alles_ macht, um das Vertrauen der Kunden zu verspielen. Ansprechpartner? Vergesst es. Persönliche Antworten? Vergesst es. Planbare Dividenden? Vergesst es. Und jetzt auch: Auszahlungen? Vergesst es?

Und gerade hier wird es kritisch: Wenn die Kunden das Gefühl haben, nicht an ihr Geld zu kommen, kann so was ganz schnell einen „Bankrun“ verursachen. Und was würde passieren, wenn eine große Menge von Kunden gleichzeitig alle Aktien verkaufen und das Geld zurück buchen würden? Ich denke wir können uns darauf verständigen, dass es dann sehr dunkel um und für TR wird. Was wiederum die Frage aufwirft:

Wenn es zu einem Zahlungsproblem kommt – was immer möglich ist und oft triviale technische Ursachen hat – warum kommuniziere ich das dann nicht aktiv mit dem Kunden? Denn das solche Probleme nicht auffallen ist angesichts der in Deutschland rechtlich verbindlich vorgegeben Kontrollsysteme bei Geldinstituten meiner Meinung nach ausgeschlossen.

Also warum?

Nachtrag 11:15 Uhr:

Nachdem ich das Social Media Team von TR auf Instagram kontaktiert habe, kommt jetzt tatsächlich eine Mail vom Support. Wir lernen: Die Regeln sind für TR andere und „upsi“ technische Fehler fallen halt schon mal nicht auf:

09.04.2021, 10:48 MESZ
Die Abrechnung zwischen unseren Partnern und uns erfolgt immer zum Ende des Tages. Aus diesem Grund dauert eine Auszahlung in der Regel bis zu 3 Bankarbeitstage. Ich habe Deine Auszahlung überprüft und festgestellt, dass diese aufgrund eines technischen Fehlers nicht korrekt ausgeführt wurde. Dieser ist mittlerweile behoben. Durch diesen Zwischenfall musste ich Deine Auszahlung erneut anstoßen. Deswegen verzögert sich diese um wenige Tage. Ich bitte Dich, dies zu entschuldigen!

Das erinnert fatal an die Geschichte mit den Dividenden, wo erst auf beharrliches Nachhaken ein Fehler eingeräumt wurde:

23.09.2020, 11:35 MESZ
Ich habe gerade unser Buchungssystem überprüft und bei der XXX Dividendenausschüttung steht der Status auf „fehlerhaft durchgeführt“. Wir befinden uns in Verbindung mit unserem Handelspartner um auf eine schnelle  Lösung zu finden.
 
Das ist alles. Aber nicht Vertrauensbildend.
Trade Republic hat ein Problem

Trade Republic hat ein Problem

Ich habe vor einigen Wochen schon mal gestutzt, was denn dabei TR geht. Heute aber bekomme ich eine Mail, die mich sprachlos macht:

Ich weiß nicht, ob Ihr die ganze Geschichte rund um GameStop und den Hedgefond vs. Reddit verfolgt. Aber wenn nicht, ist das auch nicht schlimm.

Schlimm ist, dass TR auf den Zug aufspringt und den Hedgefond schützt, in dem es Privatanlegern den Handel mit Aktien bestimmter Firmen untersagt. Wohlgemerkt nicht den Handel mit Derivaten oder auf Pump, sondern den regulären Handel.

Und warum?

Wegen erhöhter Volatilität. 😀

Wo kommen wir denn da hin, wenn mein Broker grundlos entscheidet, was ich handeln darf und was nicht. Und zwar ohne Rücksprache mit mir, in der z. B. meine Risiko-Bereitschaft geprüft wird.

Das was hier passiert, ist ein massiver und nicht gerechtfertigter Eingriff in den Markt durch einen Broker. Und das DARF nicht passieren. Denn wir haben eine Börsenaufsicht, die entscheiden kann, ob ein Handel ausgesetzt wird oder nicht.

Dazu kommen Berichte auf Facebook, dass auch der Verkauf wohl nicht funktioniert. Passend dazu hat Trade Republic seit gestern auch noch Probleme mit seinem Handelsplatz.

 

Ich weiß nicht, wie es Euch geht. Aber bei mir hat TR jedes Vertrauen verspielt.

Edith sagt: Es gibt eine Veränderung.

Die Schufa, der Minuszins, die Gier.

Die Schufa, der Minuszins, die Gier.

tl;dr: Die Schufa will Zugriff auf die Kontobewegungen. Und reiht sich damit nur in eine lange Liste von Unternehmen ein, denen die PSD2 der EU das erlaubt. Das Problem ist nicht die Schufa, sondern die Gesetzgebung.

 

Hach, manchmal bin ich ja doch ein bisschen verwundert, wie blauäugig manche Menschen durch das Leben gehen. Und über was sich ereifert wird und was dabei übersehen wird. So titelt die SZ heute:

„Schufa will Konten der Deutschen durchstöbern“

Und achtet mal auf den URL: „schufa-superscore-kontoauszug-konto-horror“. Horror. Blanker Horror. Ich sag es Euch. Nur, warum?

Zunächst gilt: Wo ein Trog, da kommen die Schweine. Und wenn es einen Datentrog gibt, wollen da ganz viele ran. Das ist zunächst neutral zu bewerten. Denn die Frage ist nicht warum die Schufa das will. Sie will damit Geld verdienen. Die Frage ist, warum die EU mit der sogenannten „Payment Service Directive 2“ vorgesehen hat, dass sogenannte „Fintechs“ auf Eure Kontostände zugreifen dürfen.

Ich will die Ideen und das Für uns Wider hier nicht diskutieren. Das dauert zu lange. Tatsache ist einfach: Die EU erlaubt es und dann ist es doch kein Wunder, dass Unternehmen das auch machen wollen.

Die Schufa als ein Unternehmen in einem oligopolischen Markt träumt da schon länger von. Bisher weiß sie nur, welche Kredite Ihr habt. Euer tatsächliches Vermögen kennt sie nicht. Und das würde sie gerne kennen. Muss sie das kennen? Nein, muss sie nicht. Denn keine Bank müsste mit der Schufa kooperieren. Und eigentlich müsste die deutsche Gesetzgebung der Schufa (und den anderen Scoring-Unternehmen) viel stärkere Riegel vorschieben:

  1. Wie die Scores gebildet werden, muss bekannt sein
  2. Die Ablehnung der Teilnahme an solche Scoring-Verfahren muss möglich sein, ohne das der Kreditzins massiv verschlechtert wird

Wir stellen also fest, die Schufa macht nur, was EU und deutsche Gesetzgebung ihr erlauben. Und ist sie die einzige Institution?

Natürlich nicht. Denn viele Menschen lassen schon längst Unternehmen ihre Kontodaten analysieren – und finden das Geil. Vince Ebert hat mal gesagt:

„Geiz ist nicht geil. Die Aussicht auf ein Schnäppchen lähmt die Großhirnrinde. Geiz macht also nicht geil, Geiz macht blöde“.

Kennt Ihr Kredite mit Minus-Zinsen?

Normalerweise ist das so: Banken müssen für Geld, dass sie haben, Strafzinsen bei den Zentralbanken zahlen, wenn sie es lagern. Sie wollen es also „los werden“. Das führt dazu, dass sehr solvente Kreditnehmer (Kommunen, Land und Bund) Kredite für negative Zinsen bekommen. Die Logik: Es ist billiger, dem Kreditnehmer einen Zins X aus zuschütten, so lange dieser niedriger, als der Zins Y der Zentralbanken ist.

Jetzt könnte man ja auf die Idee kommen, wenn diverse Internetportale Euch Kredite zu Minuszinsen anbieten, wäre das auch so. Ist es aber nicht, was ihr daran seht, dass es um winzig kleine Summen geht. 1000€ zu -0,5% beispielsweise.

Und was muss man dafür machen? Richtig, den Unternehmen Zugriff auf das Konto gewähren. Für mindestens die letzten 3 Monate. Angeblich, um die Zahlungsströme zu kontrollieren. Eines der Unternehmen, die so was anbieten schreibt:

„Lösung: Mithilfe des einmaligen Abrufs der Umsätze Ihres Gehaltskontos in den letzten 3 Monaten können wir Ihre Angaben automatisiert prüfen. Dadurch kann die Kreditwürdigkeitsprüfung innerhalb weniger Minuten erfolgen. „

Äh, die Kreditwürdigkeit steht binnen Sekunden fest. Denn die bekommt man unter anderem von der Schufa und Programmen, die das Risiko bewerten. Man liest auch:

„Im Rahmen dieser Prüfung werden Ihre Angaben zu laufenden Einnahmen und Ausgaben mit offiziellen Belegen abgeglichen. Problem: Würden Sie uns diese Belege in Papierform per Post einreichen, würde sich die Prüfung um mehrere Tage verzögern.“

Also ich weiß ja nicht, aber ich musste noch nie bei einer Finanzierung meine Kontoauszüge über 3 Monate vorlegen. Das ist auch nicht notwendig. Es sei denn natürlich, man möchte viel mehr Daten als die Information über Eure Kredite. Und was kann man mit so Daten machen? Richtig, Geld. Denn dieses Unternehmen sagt sehr freizügig:

„Der XXX-Negativzins-Kredit wird möglich, indem XXX bei jedem ausgezahlten Kredit eine Zuzahlung leistet.“

Und jetzt denkt mal nach: Wenn die zuzahlen, bedeutet das, dass sie die Gewinne aus den Krediten mit Zins schmälern. Warum sollten sie das tun? Richtig, weil sie mit den Daten noch viel mehr Geld verdienen, als sie es über die Zinsen könnten.

Natürlich wird man Euch erklären, dass man die Daten nicht verkauft. Das muss man auch gar nicht. Denn der Teufel liegt im Detail: Die Interessenten für solche Daten wollen gar nicht wissen, wie Eure Kontobewegungen sind. Sie wollen wissen, wie, womit und wofür sie Euch zielgerichtet ansprechen können.

Das heißt, der Kreditvermittler hier sagt nicht:

„Hey, Firma XY, ich weiß was der Z letzten Monat ausgegeben hat“

Sondern der Kreditvermittler sagt:

„Hey, Firma XY, ich habe hier eine Liste mit Personen, die ein hohes Interesse an Deinem Produkt haben könnten. Was zahlst Du für die Adressen?“

Somit ist es wahr, dass nicht die Daten, die ausgelesen werden, verkauft werden. Sondern die daraus gewonnenen Informationen werden versilbert.

Warum erzähle ich Euch das?

Weil ich Euch zeigen will, dass es überhaupt nicht verwunderlich ist, dass die Schufa auch an diese Daten will. Stellt Euch vor, was für eine Macht ein Unternehmen hat, dass genau weiß, wann welches Geld rein kommt, wann Ihr was bezahlt und so weiter.

Und wisst Ihr, wen das richtig ärgert? Echte Banken. Denn genau DIE dürfen das mit Euren Daten aktuell nicht machen.

Wenn Euch das also ein Horror ist, was die Schufa da plant, dann müsst Ihr Euch nicht über die Schufa aufregen. Auch nicht über Kreditvermittler, die Euch für 50-60€ „Negativzins“ zu gläsernen Schweinchen machen.

Ihr müsst der Politik klar machen, dass Ihr das nicht wollt. Sprecht mit Euren Politikern in den Kommunen, beim Land und beim Bund. Lasst sie wissen, dass die PSD2 der EU vielleicht eine nette Idee war, um neue Mitspieler in den Finanzmarkt zu holen. Das aber die Gesetzgebung dringend dahin angepasst werden muss, dass

  1. Ihr jederzeit wisst, wer welche Daten will
  2. Ihr jederzeit wisst, was damit passiert
  3. Ihr verweigern dürft ohne Nachteile zu erfahren

Das hier ist ein klassisches Beispiel für Politik-Versagen. Und irgendwo auch ein Indiz für den Umgang der Presse mit solchen Dingen: Ein Artikel „die Schufa – HORROR“ bringt halt mehr Klicks, als ein so langer Erklärbär-Text wie meiner.

Aber es liegt an uns, mit Nachdruck dagegen zu halten. Und zwar nicht nur, in dem wir der Schufa das verweigern und nicht auf solche Lock-Angebote angehen. Denn sonst wird es irgendwann so sein, dass Ihr eine Verweigerung mit deutlich höheren Zinsen bezahlen müsst. Wir (Ihr!) müssen an der Stelle auch klar die mit ins Boot holen, die dagegen was tun können.

 

 

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Artikel-Foto: Adobe Spark

Warum Ihr nicht reich werdet.

Warum Ihr nicht reich werdet.

Ich beobachte in den sozialen Medien, insbesondere auf Instagram gerade einen interessanten Trend.

Zahlreiche Accounts mit den abenteuerlichsten Namen schreiben darüber, wie sie „in Aktien investieren“ um damit „Finanziell Unabhängig“ zu werden.

Gemein haben diese Accounts in der Regel drei Dinge.

  1. Sie investieren offensichtlich nicht sehr lange und auch nur mit sehr wenig Geld. Wer sich damit rühmt im Mittel im Monat 6€ Dividenden zu kassieren, hat nicht viel Kapital eingesetzt und / oder eine bescheidene Rendite.
  2. Sie investieren alle gleich und wie aus dem „Lehrbuch“: ETF’s auf World, Dax, Emerging Markets, Aktien bevorzugt „Dividenden-Aristokraten“. Möglichst breit diversifiziert.
  3. Sie alle haben offensichtlich keine Ahnung und verhalten sich wie Lemminge.

Punkt 3 möchte ich Euch gerne erklären:

Beginnen wir damit, worin die Leute investieren. Sie investieren vor allem in die Titel, von denen ihnen alle sagen, das man in sie investieren solle, weil alle in sie investieren. Das ist problematisch, denn:

  • Investieren alle in die gleichen Papiere, sind die teuer.
  • Im Falle einer Krise verkaufen alle die gleichen Papiere, was die „Verluste“ explodieren lässt.

Dazu kommt, dass die meisten der (vermutlich jungen) „Investoren“ der „Diversifikationsfalle“ erliegen, die ebenfalls aus zwei Komponenten besteht:

  • Bei den großen ETFs, wo vor allem große institutionelle Anleger bei automatisierten Schwellen in großen Mengen verkaufen, ist das Kursrisiko nicht kleiner durch breite Diversifikation der Papiere im ETF. Es ist vielmehr höher durch die höhere Volatilität im Krisenfall: Die Kurse sinken, erste verkaufen. Die Kurse sinken weiter, die Institutionellen verkaufen, die Kurse stürzen ab, die Privaten geraten in Panik und realisieren horrende Verluste.
  • Wenn ich so weit wie möglich das Risiko wegdiversifiziere, fällt damit automatisch auch die Rendite sehr klein aus. Denn, das scheinen viele nicht wahrhaben zu wollen: Es besteht praktisch immer ein Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko.

Warum die (jungen) Menschen sich so verhalten, ist leicht zu erklären:

  • Auf dem Sparbuch und Tagesgeld gibt es keine Zinsen.
  • Jeder erklärt ihnen, an der Börse könnten sie mit überschaubarem Aufwand gute Renditen machen.

Was fehlt ist oft Verständnis für Wirtschaft.

Was nutzt es, wenn Papiere als „todsicher“ beworben werden, weil „über die Jahrzehnte die Börse immer Erfolg verspricht“?

Es erinnert an Frugalisten, wenn die junge Menschen so viel Kohle wie möglich in Wertpapiere stecken und auf alles verzichten – weil sie glauben, dann mit 40 nicht mehr arbeiten zu müssen. Weil ihnen „Influencer“ vorrechnen, wie geil sich ihr Vermögen mit „Zins“ und „Zinseszins“ (gemeint ist meist Wertentwicklung und reinvestieren der Dividenden) vermehrt. Dabei vergessen werden gerne Dinge wie Inflation, Kosten der privaten Kranken- und Rentenversicherung, wenn man denn dann als Privatier leben will. Steuerliche Fragen spielen nie eine Rolle. Und was ich am Schlimmsten finde: Den jungen Leuten wird erklärt, sie müssten zwischen 18 und 40 möglichst viel Verzicht üben, damit sie ab 40 ein sparsames Leben ohne Arbeit führen können.

Das beunruhigt mich sehr. So sehr, das ich ernsthaft überlege in dem Buch, dass ich gerade versuche zu schreiben, ein Kapitel aufzunehmen: „Der Influencer-Wahn“. Und ich würde mir wünschen, dass sich Leute mit mehr Erfahrung und Wissen mal in Ruhe mit den „guck mal, 6 € Dividende diesen Monat, bald bin ich reicht!!!“-Kids hinsetzen würden um ihnen zu erklären, dass man Geld zwar arbeiten lassen kann – zum Reich werden aber eben auch mit dem Geld arbeiten muss. Und das niemand mit einem 50, 100 oder 200€-Sparplan reich wird.