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Category: Politk

Und dann war der Strom weg.

Und dann war der Strom weg.

[Disclaimer: Die Links mit sind Amazon-Partnerlinks. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, bekomme ich eine Provision, der Endpreis ändert sich für Euch jedoch nicht]

Ich mache mir, wie vermutlich jede und jeder von Euch, Gedanken über den kommenden Winter. Das was mich dabei am Meisten beunruhigt ist, dass ich einen flächendeckenden, längerfristigen Stromausfall für nicht unwahrscheinlich halte. Denn an Strom hängt alles – bis hin zur Wasserversorgung und Lieferketten. Letztere sind durch das „Just-in-Time“-Konzept besonders anfällig, weil die Straßen heute als Lager dienen und was ist, wenn die LKW, die uns versorgen für einige Tage nicht mehr tanken können? Wenn keine Züge fahren, weil sie weder Strom haben, noch Diesel tanken können? Wenn ihr nicht mehr tanken könnt? Wenn der Kühlschrank ausfällt und im Winter, wo es lange Dunkel ist, kein Licht in Eurer Wohnung scheint? Es gibt so viele „Horror-Szenarien“ die damit zusammen hängen, dass für nur wenige Tage der Strom ausfällt, ich mag gar nicht darüber nachdenken.

Europa hat sein Stromnetz untereinander verbunden, was hilft lokale Probleme auszugleichen. So konnten wir z. B. diesen Sommer Strom nach Frankreich liefern, wo – wie jeden Sommer – die Atomkraftwerke mal wieder mangels Kühlwasser nicht richtig liefen. Dummerweise heizen viele Menschen in Frankreich mit Strom und deswegen werden wir im Winter nicht den umgekehrten Weg gehen können. Warum wir das vielleicht müssen?

Die letzte, allerletzte Karte die Putin im Krieg um die Ukraine im Ärmel hat ist, Europa das Gas im Winter abzudrehen. Dummerweise brauchen wir viel davon zum Heizen und zum Strom erzeugen. Noch dümmer ist, dass viele Menschen angesichts der explosionsartig steigenden Gaspreise Heizlüfter kaufen, um im Winter mit Strom anzuheizen. Die Herausforderungen für das europäische Stromnetz werden riesig sein. Und so sehr ich den Verantwortlichen vertraue, ich möchte mich nicht in einem Stromausfall finden, der mehrere Tage dauert, ohne mir darüber vorher Gedanken gemacht zu haben.

Ein paar möchte ich hier teilen. Und vielleicht habt Ihr Lust sie mit Euren Ideen und Gedanken zu erweitern.

Strom

Strom an sich stellt ein und das Problem dar. Ich brauche ihn schlicht für alles. Vieles lädt heute per USB, also schaue ich, dass meine Powerpacks voll geladen sind. Ich persönlich habe gute Erfahrungen mit den Geräten der Fa. Anker gemacht (Beispiel). Was man kauft ist aber vermutlich egal, so lange es nur eine recht hohe Speicherkapazität hat (angegeben in mAh) und das man dafür sorgt, dass die Dinger voll sind.

Abgesehen davon bin ich aber auch ein Fan von normalen Standard-Batterien, die man an jeder Tanke bekommt. Also AA („Mignon“) und AAA („Mikro“). Auf die werde ich noch öfter zu sprechen kommen.

Gut, damit ist der „Kleinscheiss“ erledigt. Ich brauche aber mehr, weil ich darüber nachdenken muss, auch die Gefriertruhe und den Kühlschrank weiterlaufen zu lassen. Kurzfristige Stromausfälle stecken moderne Geräte erstaunlich gut weg und halten lange die Kälte – so lange man sie nicht öffnet. Ich denke aber auch an Fälle an denen man regelmäßig an den Kühlschrank muss um an Medikamente zu kommen, wie z. B. Insulin und bei denen man um jeden Preis verhindern will, dass sie warm werden. Hier bieten sich sogenannte „Powerstations“ an. Die bekanntesten Hersteller sind neben Anker auch ECOFLOW, BLUETTI oder Jackery (Beispiel)Die Geräte haben einen zweiten Vorteil: Am 12V-Anschluss kann man zur Not eine Kühlbox z. B. für Medikamente und empfindliche Lebensmittel recht lange betreiben.

Besorgt Euch genug Batterien, vor allem in AA und AAA. Bei eBay gibt es die in größeren Stückzahlen.

Kälte

Neben der Möglichkeit, Kühlschränke mit einer Powerstation am Laufen zu halten, empfiehlt es sich, Kühlakkus im Gefrierschrank zu haben. (Beispiel) Die kann man bei einem Stromausfall in den Kühlschrank und/oder die Kühlbox packen, damit man dort über eine längere Zeit mit weniger Strom zu-kühlen muss. Um so weniger davon notwendig ist, um so länger hält z. B. eine Powerstation. Und um so länger die Kühle gehalten werden kann, um so länger halten sich Medikamente und Lebensmittel.

Essen und Trinken

Ich halte es für unverzichtbar, einen Vorrat an Trinkwasser im Haus zu haben, der ausreichend groß dimensioniert ist. Beim Essen kann man vermutlich gut auf Dosen zurück greifen und z. B. Ravioli zur Not auch kalt essen. Dosen halten im Grunde ewig. Was auch ewig hält sind Trekkingkekse (Beispiel) und Trekking-Food. Das gibt es in verschiedenen Ausführungen wie z. B. einzelne Mahlzeiten (Beispiel) oder ganze Tagesrationen (Beispiel). Die Vorteile sind hohe Packdichte (nehmen wenig Platz weg), hohe Energiedichte (viele Kalorien) und praktisch ewige Haltbarkeit. Dem gegenüber steht, dass man oft heißes Wasser braucht. Kann man Ravioli auch kalt essen, ist spätestens hier oder bei Dosensuppen Schluss.

Es braucht dann mindestens die Möglichkeit ohne Strom Wasser zu erhitzen. Geht es nur darum, gibt es superschnelle Gas-Systeme die mit Kartuschen arbeiten, z. B. von Jetboil (Beispiel ). Schnell ist aus zweierlei Gründen wichtig: Um so schneller das Wasser kocht, um so weniger Gas brauche ich aus der Kartusche. Und wenn ich mehrere Essen zubereiten will, geht es auch schneller.

Wer „richtig“ kochen will, kann dagegen zu einem günstigen Gasbrenner (Beispiel)mit Campingtöpfen (Beispiel) greifen.

Denkt bitte daran, dass solche Sachen den Bedarf an Trinkwasser erhöhen. Und überlegt wie Ihr an Wasser kommt (Trinkwasser, Regenwasser), falls Ihr was waschen oder spülen müsst oder auch für das WC, falls zu allem Glück auch noch das Wasser ausfällt.

Es empfiehlt sich, neben Wasser auch z. B. haltbare Milch, Kaffeepulver und anderes im Lager zu haben. Daneben kann ich aus Erfahrung nur dringend dazu raten, auch was Süßes vor-zuhalten. Das muss nicht zwingend Schokolade sein, Dosenfrüchte tun es auch. Psyche und so.

Licht und Wärme

Ihr braucht Streichhölzer oder Feuerzeuge, Teelichter, Stumpenkerzen, Taschenlampen, Stirnlampen. Ja, die braucht Ihr. Aber der Reihe nach:

Es gibt gut Stumpenkerzen, die sehr lange brennen und ein gleichmäßiges Licht erzeugen. Sie helfen Euch, eine „Grundhelligkeit“ zu erzeugen (Beispiel). Die kann man gut mit Teelichtern ergänzen, die dann auch in der Menge mehr Wärme abgeben. Das ist aber nicht genug Licht um z. B. vernünftig zu lesen, weswegen ich Euch dringend empfehle, Euch gute Stirnlampen anzuschaffen. Dann habt Ihr die Hände frei. Ich persönlich bevorzuge immer solche, die ich mit normalen Batterien nutzen kann, wie z. B. meine Black Diamond Storm, weil die eben auch ein flächiges Licht zum Lesen anbietet und nicht nur einen hellen Spot für die Fernsicht. Die 4 Batterien in der Größe AAA halten gefühlt ewig. Zusätzlich sollte man immer eine kleine Lampe mitnehmen, wie z. B. die Fenix E01. Ich persönlich halte viel von Fenix und Black Diamond (neben meiner Maglite, aber die ist zu groß für die Allgemeinheit). Was Ihr nehmt ist vermutlich egal – aber achtet auf Standard-Batterien.

Für die Wärme: Decken, Decken, Decken. Ernsthaft, deckt Euch mit Decken ein. Und wenn möglich, einem guten Mumienschlafsack (Beispiel). Die Kapuze ist wichtig, um über den Kopf nicht unnötig Wärme zu verlieren. Tragt Schichten, auch gerne lange Unterwäsche. Schleichendes Auskühlen ist furchtbar. Nur macht bitte eines nicht: Stellt keinen Grill, egal ob Kohle oder Holz in die Wohnung – CO-Vergiftungen sind oft die Folge und meist tödlich.

Kommunikation

Im Falle eines Stromausfalls wird praktisch sofort das Internet zum Problem, spätestens dann wenn die Akkus der Mobilfunktürme leer sind. Verlasst Euch nicht darauf, sondern kauft Euch lieber ein billiges UKW-Radio, dass mit Batterien betrieben werden kann. Achtet wieder auf die Standard-Batterien AA oder AAA (Beispiel). Es muss nix wildes sein. Alles was Ihr wollt, sind Nachrichten.

Tja… und jetzt kommen wir zu einem Thema, dass in Deutschland sträflich vernachlässigt wird: Funk. Kaum ein Mensch kennt noch Funkgeräte, weil wir heute ja alles mit dem Handy machen. Das ist bedauerlich, denn gerade im Falle eines Stromausfalls kann ein Funkgerät viel helfen. Ich würde Euch am Liebsten an der Stelle CB-Funkgeräte empfehlen, schon weil es die auch in Versionen gibt, die man mit AA-Batterien betreiben kann (Beispiel). Ich weiß aber schon jetzt, dass Ihr bei dem Preis abwinkt.

Eine Alternative sind sogenannte „PMR“-Funkgeräte, die eine Weile z. B. bei Geocachern beliebt waren („Kanal 2 – immer dabei“ 😉 ). Diese sind klein, handlich und deutlich preiswerter. Nachteile sind, dass sie in der Regel weniger Reichweite haben und meist mit proprietären Akkus daher kommen. (Beispiel) Da könnte man aber z. B. auf Geräte schauen, die man per USB laden kann. Der Nachteil geringer Sendeleistung ist übrigens dann wieder ein Vorteil: die Akkus halten relativ lange. 2 gute PMR wie die verlinkten Motorola kosten übrigens die Hälfte von einem (dafür besseren) CB-Funkgerät. Ich habe trotzdem beides im Einsatz 😉

Eine kluge Idee könnte sein, sich unter Nachbarn zu vernetzen und einen gemeinsamen Kanal zum „ansprechen“ ab zumachen und regelmäßige Zeiten zu denen man sich meldet. Z. B. 18 Uhr. Das ist ungemein gut für die Psyche, wenn man die Stimmen der anderen hört.

Wer in meiner Nähe wohnt: ich bin um 18 Uhr auf beiden Geräten auf Kanal 2 ansprechbar 😉

Medikamente

Sorgt dafür, dass Ihr immer für mindestens 1 Woche Medis im Haus habt. Wenn es keinen Strom gibt, gibt es auch keine Apotheke. Achtet auch auf Medikamente für den kleinen Schmerz und legt Euch irgendwo gut erreichbar ein Erste-Hilfe-Set hin. Habt einen Medikamentenplan und eine Liste mit Allergien, falls es hart auf hart kommt. Und schaut noch mal nach oben auf den Punkt Kühlung, wenn Ihr empfindliche Medikamente habt.

Public Places

Im Falle eines mehrtägigen Stromausfalls werden Kommunen, Landkreise, Hilfsdienste Orte einrichten, an denen man sich aufwärmen kann und auch Essen und Trinken bekommt. Das sind auch Orte zur Begegnung, die für uns als soziale Wesen wichtig sind. Aber wichtig: Um so weniger Ihr auf die Verpflegung dort angewiesen seid, um so mehr ist für andere Menschen verfügbar. Auch wenn der Hang vielleicht groß ist zu sagen, da gibt es was für Umsonst, die eigenen Sachen kosten Geld. Jede/r mit Vorbereitung ist eine/r weniger, der oder die versorgt werden muss. All das was ich hier geschrieben habe, kostet ein paar €. Und wir müssen an die denken, die sich nicht mal eben für eine Woche Lebensmittel irgendwo hinlegen können.  Aber besucht diese Orte um in Kontakt zu bleiben. Und versucht dort auch Netzwerke z. B. für PMR zu knüpfen.

Waffen

Jetzt wird es zum Abschluss wichtig:

Ihr müsst Euch nicht bewaffnen. Wirklich nicht. Ein Stromausfall ist nicht das Ende der Zivilisation, Ihr werdet nicht Euer Hab und Gut mit Gewalt vor marodierenden Banden schützen müssen. Auch wenn die Idee nahe liegt, bitte verzichtet darauf, Waffen für den Notfall zu kaufen. Das Geld ist woanders besser aufgehoben.

Aber:

Es gibt in Deutschland sehr viele Menschen mit der waffenrechtlichen Erlaubnis, eine Waffe zu führen. Ich nehme an, dass man in einer solchen Situation den einen oder die andere sehen kann. Bitte habt immer folgendes im Hinterkopf: Ich kann den Wunsch verstehen, zu denken das man dann die Polizei rufen muss. Das ist aber ein zweischneidiges Schwert, weil die Polizei immer davon ausgehen muss, dass keine Erlaubnis vorliegt und sich so verhält. Das ist in einer solch angespannten Situation für alle Beteiligten doof und kann schnell eskalieren, bevor es sich klärt. Gleichzeitig wird die Polizei alle Hände voll zu tun haben. Also wägt gut ab, ob der oder die, die ihr seht nicht möglicherweise eine entsprechende Erlaubnis besitzt. Das ist für uns in Deutschland ein heikles Thema, weil wir es nicht gewohnt sind, Waffen in der Öffentlichkeit zu sehen. Aber glaubt mir, die Anzahl der Erlaubnisinhaber ist ziemlich groß. Und unser aller Ziel muss sein, eine Krise ohne Konflikte hinter uns zu bringen. Machen wir uns also gegenseitig nicht das Leben schwer und auch nicht den Ordnungskräften – die werden genug um die Ohren haben.

Fazit:

Vermutlich wird gar nichts passieren. Vermutlich ist das alles hier nicht notwendig. Aber es ist vielleicht trotzdem eine Idee, mal darüber nachzudenken. Und wenn Ihr denkt, hier fehlt noch was, dann schreibt es mir in die Kommentare und ich ergänze. Die Version hier ist das Ergebnis eines Spaziergangs und sicherlich nicht zu Ende gedacht.

Und eine Bitte:

Wenn es Euch finanziell gut geht, denkt bitte an die, bei denen das nicht so ist. Ihr kennt bestimmt wen. Wenn es Euch finanziell nicht gut geht, sprecht Eure Freunde und Bekannten an. Wenn passiert, was nicht passieren wird, sollten wir alle zusammen stehen.

 

Und als kleine Anekdote: Wenn man zu viel Geld hat, hat man auch Sorgen. Dann halt andere.

 

Voerder Landwirte haben Angst vor der Zukunft?

Voerder Landwirte haben Angst vor der Zukunft?

Heute ist ein Artikel Artikel in der NRZ, der mich richtig wütend macht. Wegen einer wunderschönen Täter-Opfer-Umkehr, die leider genau gar nicht redaktionell eingeordnet wird.

In dem Artikel wird ein Landwirt aus Voerde befragt:

„Sorge bereitet das vor allem den Bauern: „Ich schaue jeden Tag den Wetterbericht“, erzählt xxxx. Der Voerder Landwirt betrachtet das momentane Klima mit Angst.“

Und jetzt ratet mal, wer der Landwirt ist…. Richtig, Ingo Hülser. Und versteht mich nicht falsch, ich glaube ihm, dass er als Landwirt große Sorgen hat. Nur was fehlt ist ein „klitzekleiner“ Hinweis.

Darauf, dass er der Fraktionsvorsitzende der CDU im Rat Voerde ist. Der Fraktionsvorsitzende, der in einer Ratssitzung sagte, wenn er aus dem Fenster schaue, könne er kein CO2 sehen. Der Fraktionsvorsitzende einer Partei, deren Abschnitt „Umwelt“ im Programm zur letzten Wahl diese Position enthielt:

Mit einer Mehrheit im Rat würden wir den Klimanotstand sofort beenden.

Gute befreundet ist Ingo übrigens mit dem Fraktionsvorsitzenden der FDP, der ebenfalls landwirtschaftlich tätig ist. Diese FDP in Voerde behauptete nämlich, dass Austrocknen der Flüsse wäre doch gar kein Zeichen des Klimawandels

Was ich mir in so einem  Artikel wünsche ist eine Einordnung. Nicht nur „alles ist ganz furchtbar“, sondern eben auch: „Die, die es jetzt trifft, tragen politisch eine erhebliche Verantwortung“. Ich erwarte kritisches Nachfragen, auch in Bezug auf die Rolle des Deichgräf Ingo Hülser, der sich zunehmend mit katastrophalen Hochwassergefahren konfrontiert sehen wird. Es ist m. M. n. unredlich so zu tun, als wären das 3 Personen, die nichts miteinander zu tun haben. 

Und CDU und FDP sind scheinbar gegen alles, was man in Sachen Umweltschutz fordert. Egal ob ich ein Grundwasser-Monitoring fordere (das wir aber bekommen haben) oder den Klimanotstand um die Auswirkungen des Handelns auf die Umwelt zu betrachten (den ich bekommen habe). Es ist doch ein makaberer Twist der Geschichte, dass jetzt gerade die, die Jahrzehnte lang die Transformation zu einer ökologisch nachhaltigen Gesellschaft verhindert haben, also gerade die CDU und auch die FDP, jetzt diejenigen sind, die plötzlich Angst haben.

Die sie übrigens nächste Woche wieder vergessen haben werden wenn sie uns erklären, warum ein Tempolimit eine unzulässige Einschränkung ihrer Freiheiten darstellt oder warum das 9€-Ticket leider nicht bezahlbar ist.

Ich habe Mitleid mit Ingo Hülser als Landwirt. Ich habe Sorge um unsere Versorgung mit Lebensmitteln durch die heimische Landwirtschaft. Ich habe aber kein Verständnis mehr dafür, wie man gleichzeitig seine Angst formuliert und als Fraktionsvorsitzender der CDU Voerde weiter einem Kurs folgen wird, der den Zug in den Abgrund eher beschleunigt als bremst.

Aber vielleicht, nur ganz vielleicht, ist das eigene Leid jetzt ja Motivation genug um die eigene (politische) Position zu überdenken und zu verändern. Man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben. 

Klimawandel? Welcher Klimawandel?

Klimawandel? Welcher Klimawandel?

Ich bin so müde.

Ehrlich. Einfach müde. Und ich verliere den Glauben, dass wir irgendwie noch das Ruder rumreißen können.

Seit Jahren, wirklich JAHREN renne ich rum und warne davor, dass jeder Euro den wir nicht gegen den Klimawandel einsetzen, uns ein vielfaches kosten wird. Das wir nicht mehr fragen dürfen ob, sondern fragen müssen wie schlimm uns der Klimawandel treffen wird. Und während ich kleine Erfolge feiern konnte, wie das Voerde den Klimanotstand ausruft und ein jährliches Monitoring unserer Trinkwasserquellen eingeführt hat, scheitere ich an anderen Stellen beharrlich. Zum Beispiel bei meiner Forderung mehr Einbahnstraßen zu entwickeln und den frei werdenden Raum für Radfahrer und vor allem Bäume, Bäume, Bäume zu verwenden.

Das ich da nicht weiter komme, ist auch Ergebnis der Politik der CDU und FDP. Die bemerkenswert ausdauernd nicht bereit sind, den Klimawandel mit dem notwendigen politischen Ernst zu begegnen. Wenn sie ihn denn überhaupt anerkennen.

Heute morgen nun ein Artikel in der NRZ, nur Print, dass die Gegend hier literally austrocknet. Und parallel dazu online ein Artikel über extremes Niedrigwasser im Rhein. Und es ist ja nicht so, als hätten wir nicht in der Hand was zu tun – nur leider machen wir das Gegenteil: statt eines sofort wirksamen Tempolimits will die FDP lieber weiter Anreize zum Kauf von E-PKW setzen. Mit Geld, dass wir z. B. viel viel sinnvoller für ein dauerhaftes 9€ oder von mir aus 29€-Ticket einsetzen könnten.

Wenn das so weiter geht, sollten wir schon heute überlegen, wie wir den Kids in ein paar Jahren erklären, warum wir sehenden Auges in den Untergang geritten sind. Denn wie gesagt: So langsam verliere ich den Glauben daran, dass wir es irgendwie noch gerade gebogen bekommen.

Der Klimawandel ist da und er wird uns nicht nur Unsummen kosten – sondern auch sehr viele Menschen das Leben.

Klimawandel? Welcher Klimawandel?

Klimawandel? Welcher Klimawandel?

Ich zitiere mich mal selbst:

Manchmal bin ich so müde. Soooo müde. Und ich hätte so gerne Unrecht.

Seit Jahren schon predige ich, dass wir auch in unserer Region genau auf das Grundwasser achten müssen. Insbesondere den Verbrauch, aber auch die Nitratbelastung oder eben das fehlende „Nachwachsen“ durch Dürren. Ich versuche mich als Mitglied im Aufsichtsrat unserer Stadtwerke einzusetzen (u. a. durch Anträge zum Grundwassermonitoring), im Rat der Stadt (durch Ausrufen des Klimanotstands) und auch privat.

Und was ich mir alles anhören durfte. Von der FDP, die meinte das Austrocknen des Rotbachs läge an den Folgen des Bergbaus oder der CDU, man könne vor dem Rathaus kein CO2 sehen. Und auch simple Zahlen, Daten, Fakten, wie z. B. die ständig ansteigenden Temperaturen, reichen nicht um die „sollen sich doch spätere Generationen drum kümmern“ – Politiker aufzurütteln.

Und so erreichen mich aktuell zwei Nachrichten, die weder überraschend sind, noch getrennt von einander stehen dürfen:

Europa hat im Jahr 2021 laut EU-Daten den heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebt. Die durchschnittliche Temperatur von Anfang Juni bis Ende August habe fast ein Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 gelegen, teilte am Dienstag das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus der Europäischen Union mit.

(Quelle: Stern)

„Deutschland hat in 20 Jahren Wasser im Umfang des Bodensees verloren. Das ist unvorstellbar viel Wasser“, sagt Prof. Jay Famiglietti, geschäftsführender Direktor des Global Institute for Water Security an der Universität von Saskatchewan, Kanada und ehemaliger leitender Wasserwissenschaftler am Jet Propulsion Laboratory der NASA in Pasadena, Kalifornien. „Der Wasserrückgang in Deutschland beträgt etwa 2,5 Gigatonnen oder Kubikkilometer im Jahr. Damit gehört es zu den Regionen mit dem höchsten Wasserverlust weltweit.“ Das sei für die Forschenden selbst eine „schockierende Überraschung gewesen”.

(Quelle: National Geographic)

Und kaum jemand scheint sich dafür zu interessieren. Ich verstehe nur nicht, warum?

Zum einen bringt der Klimawandel irre hohe Kosten mit sich und jeder Euro, den wir heute nicht investieren um den Klimawandel zu verlangsamen, wird uns viele zusätzliche Euro in Zukunft kosten.

Weiterhin ist Trinkwasser ein unvorstellbar wichtiges Gut, wenn wir uns auf eine heißere Zukunft einstellen. Klar gibt es theoretische, energieintensive Möglichkeiten wie die Meerwasser-Entsaltzung für den „Fall der Fälle“ – ich muss Euch aber nicht erklären, dass das etwas anderes ist als Grundwasser und eine komplett eigene Infrastruktur zur Stromversorgung und für den Transport braucht. Wer sich also heute hinstellt und auch noch ernsthaft sagt, dass das sinkende Grundwasser angesichts des steigenden Meeresspiegels doch kein Problem sei, der hat sich völlig aus der rationalen Diskussion verabschiedet.

Mal Hand auf’s Herz: Wir wissen, was passiert. Wir wissen, was kommen wird, wenn wir nicht das Ruder herum reißen. Warum genau machen wir (und das meint auch und vor allem politische Entscheider!) genau gar nichts? Sitzen wie das Kaninchen vor der Schlange, stehen wie das Reh auf der Landstraße und warten auf das scheinbar unvermeidbare?

Und ja, vielleicht ist es unvermeidbar, mit den Folgen des Klimawandels leben zu müssen. Aber ich bin überzeugt, dass wir noch immer in der Hand haben zu entscheiden, wie schlimm es wird.

Endlich wieder Krieg!

Endlich wieder Krieg!

Lernen wir es eigentlich nicht?

Eigentlich könnte man ja meinen, Deutschland würde langsam seine Lektion lernen. Irgendwann mal. Muss doch.

Ist aber wohl nicht so:

Im Lichte des Angriffs Russlands auf die Ukraine hat unser Kanzler Scholz spontan 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr locker gemacht. Wohlgemerkt zusätzlich zu den 50 Milliarden, die eh geplant waren. Wir reden also von 150.000.000.000€

Und was machen wir damit?

Genau, wir bilden ein Mal mehr die größte Armee Europas. Und das nicht still und heimlich, sondern mit lautem Klatschen:

SCHMITZ: Germany’s parliament erupted into a rare standing ovation – a roar that filled the main chamber of the Reichstag, a building whose destruction and rebirth were at the center of the horrors of the last World War and was now again witness to what Germans labeled a zeitenwende – an historical turning point. (…)

PUGLIERIN: And I think the main reason for it was because German citizens did not feel threatened for a very long time. They never saw that their security was actually a fragile thing. They took it very much for granted. And the sheer idea that, I don’t know, a Russian missile would hit Germany was completely absurd.

SCHMITZ: This German mindset is rooted in a past that’s difficult for many citizens to reckon with – a time when the country, under Adolf Hitler, built one of the world’s largest armies, says military expert Constantin Wissmann (ph).

Quelle: NPR

Das muss man sich mal reintun: Kaum ist auf dem europäischen Kontinent Krieg ausgebrochen, bauen wir Deutschen mal wieder eine riesige Armee. Als hätten wir damit nicht ohnehin schlechte Erfahrungen gemacht. Und wie einfach man mal eben dafür 100 Mrd. Euro locker machen kann.

Damit zieht der Militärhaushalt praktisch gleich mit dem Haushalt für Arbeit und Soziales und vergleicht das mal bitte mit Ausgaben für Bildung und Forschung:

Geplante Ausgaben im Bundeshaushalt nach Ressorts* in den Jahren 2022 und 2023 laut Eckwertebeschluss der Bundesregierung (in Milliarden Euro)
Geplante Ausgaben im Bundeshaushalt nach Ressorts* in den Jahren 2022 und 2023 laut Eckwertebeschluss der Bundesregierung (in Milliarden Euro) (Quelle: Statista)

Und man darf das ruhig mal in den Kontext setzen, dass ja z. B. Luftfilter für Schulen zu teuer waren.

Ich bin ehrlich gesagt reichlich fassungslos über das, was hier passiert. Es ist ja mitnichten so, dass Europa nicht militärisch genug aufgerüstet sei. Sowohl als europäisches Bündnis, als auch als Mitglied der Nato. Und das die bisher schon gezahlten 50 Milliarden irgendwie wenig gewesen wären. Man muss doch mal die Frage stellen, was zur Hölle die Bundeswehr mit so viel Geld gemacht hat:

Aus diesen Worten sprechen Frust und Enttäuschung. Für Heeresinspekteur Alfons Mais ist die Bundeswehr jahrelang vernachlässigt worden. Er schreibt im Netzwerk Linkedin: „Ich hätte in meinem 41. Dienstjahr im Frieden nicht geglaubt, noch einen Krieg erleben zu müssen. Und die Bundeswehr, das Heer, das ich führen darf, steht mehr oder weniger blank da.“ Es ist ungewöhnlich scharfe Kritik vom höchsten General des Heeres. „Das fühlt sich nicht gut an! Ich bin angefressen!“

Immer wieder hat die Bundeswehr in den vergangenen Jahren für Negativschlagzeilen gesorgt: Panzer und Flugzeuge, die nicht einsatzfähig waren. Das Verteidigungsministerin schreibt in einem Bericht aus dem Dezember, dass 77 Prozent der Hauptwaffensysteme einsatzbereit seien. Demnach liegt die Quote bei Kampfflugzeugen bei 71, bei Hubschraubern dagegen nur bei 40 Prozent.

Quelle: tagesschau

 

Überlegt mal, wie viel Gutes man mit 100.000.000.000 Euro machen könnte. Wie man den Menschen helfen könnte, frei, selbstbestimmt und gut zu leben. Wie man Bildung und Soziales vorantreiben könnte, um im Herzen Europas einen Leuchtturm der Freiheit und Demokratie zu schaffen, der weit über seine Grenzen hinaus strahlt.

Aber nein. Wir kaufen Panzer und Kampfjets und fühlen uns gut damit.

(Oder halt auch nicht)

Die Frage nach der Sicherheit – Version 2021 / 2022

Die Frage nach der Sicherheit – Version 2021 / 2022

Wie schon in den Vorjahren, möchte ich auch diesmal wieder schauen: Wie ist die Sicherheitslage in Voerde?

Und um direkt zu spoilern: Anhaltend gut.

Wie auch sonst nehme ich Dinslaken als Referenz. Zwar sind nicht alle Parameter vergleichbar, aber Dinslaken hat halt ziemlich genau doppelt so viele Einwohner*innen wie Voerde, so das ich ja mal die Theorie aufgestellt habe, dort könnten bei einer angenommen gleich bleibenden Anzahl von Kriminellen, die Zahlen doppelt so hoch sein wie in Voerde. In der Vergangenheit hat sich aber zumeist gezeigt, dass es deutlich größere Unterschiede zu Gunsten von Voerde gab.

Für den Maßstab bitte ich immer zwei Bezugsgrößen im Kopf zu behalten: Die Zahlen verteilen sich einerseits auf 365 Tage und andererseits auf ca. 36.000 Menschen. Und ein letzter Hinweis: Bei den Zahlen handelt es sich um Fälle, die der Polizei bekannt wurden. Nicht um solche, die beispielsweise durch ein Gericht zu einer Verurteilung führten.

Aber fangen wir mal an:

Die Anzahl der Straftaten ist auf 1.354 gesunken und damit nach wie vor in einem langfristigen Abwärtstrend, denn 2017 waren es 1.691 Straftaten. Die Aufklärungsquote ist nach einem Absacker in 2020 wieder auf über 50% gestiegen, genauer 55,76%. Alle Aufklärungsquoten >50% sind meiner Meinung nach ein sehr guter Wert. Zum Vergleich: Dinslaken hat 3.756 Straftaten zu beklagen.

Wichtiger ist eigentlich die „Häufigkeitszahl“. Das ist der Inzidenzwert der Polizei: Die Zahlen werden hier auf 100.000 Personen gerechnet. Diese Zahl beträgt für Wesel 8.069 – also Personen aus einer Gruppe von 100.000, die theoretisch pro Jahr von Kriminalität betroffen sind. Für Dinslaken beträgt dieser Wert 5.579 und für Voerde nur 3.756. Das ist für uns erfreulich niedrig!

In 2020 gab es einen Ausreißer in der Gewaltkriminalität, als wir von 33 Fällen in 2019 auf 58 Fälle angestiegen sind. Dieser Wert ist wieder gefallen und liegt jetzt bei 41 und damit im „normalen“ Maß der letzten Jahre. Die Aufklärungsquote ist mit mehr als 85% sehr gut. Diesen Wert kann man jetzt zu den 117 Fällen in Dinslaken in Relation setzen, wenn man auf die Einwohnerzahl blickt.

Möglicherweise einhergehend mit dem Ausreißer in der Gewaltkriminalität gab es in 2020 auch einen Anstieg beim Raub von 8 Fällen aus 2019 auf 12 Fälle. Dieser Wert ist jetzt wieder auf erfreuliche 7 Fälle gesunken und liegt damit wieder in einem Trendkanal der letzten 5 Jahre. Dinslaken hatte in 2021 26 Fälle zu verzeichnen.

Leicht verbessert hat sich die Gefährliche und schwere Körperverletzung, die von 38 auf 32 Fälle zurück ging. Für beide Bereiche würde ich annehmen, dass es Städte gibt, die diese Zahlen pro Tag erreichen 😉 Dinslaken muss hier leider 83 Fälle hinnehmen.

Die Zahl der registrierten Sexualdelikte ist auf einem Höchsthand, von 28 in 2020 auf 42 in 2021. Meine Vermutung ist, dass hier zwei Faktoren einwirken: Zum einen die neue Zählweise, weil mittlerweile auch andere/neue/weitere Delikte einfließen, wie z. B. Grooming. Und dann natürlich die erhöhte Sensibilisierung z. B. auch durch und an Schulen. Die Aufklärungsquote ist mit 88,10% deutlich gestiegen. In Dinslaken ist der Sprung noch sehr viel größer, von 54 Fällen in 2020 auf 153 in 2021. Auf Grund der nicht im Detail bekannten Zählweise wäre mein Rat aber, hier eher keinen direkten zeitlichen Vergleich vorzunehmen: Sowohl für Dinslaken, als auch Voerde ist der Anstieg dafür zu groß im Vergleich zu den Vorjahren.

Diebstähle sind in Voerde im Vergleich zum Vorjahr (587 Fälle) und im langfristigen Vergleich(2017, 683 Fälle) Rückläufig aber mit 503 Fällen nach wie vor auf einem relativ hohen Niveau. Beunruhigend ist hier die „schlechte“ Aufklärungsquote von nur knapp über 27% – allerdings muss man berücksichtigen, dass es viele Fälle von Diebstahl gibt, die sehr schwer nur aufgeklärt werden können und hier die Anzahl aller der Polizei gemeldeten Diebstähle einfließt.  Dinslaken meldete derweil für 2021 1.321 Fälle.

Wohnungseinbrüche sind mit 29 Fällen auf erfreulich niedrigem Niveau, vor allem davon ausgehend, das es 2017 noch 62 waren. Das könnte an erhöhter Aufmerksamkeit liegen und vielleicht auch an besseren Schutzmechanismen. Corona sehe ich hier nicht als primären Faktor, weil die Zahl aktuell auf dem Vor-Corona-Niveau liegt. In Dinslaken ist die Zahl von 109 in 2020 auf 77 in 2021 gefallen, liegt aber immer noch sehr weit über Voerde. Hier kann man jetzt Mutmaßungen anstellen, woran das liegen könnte.

Nach einem Peak von 166 Fällen in 2019 ist die Anzahl der Rauschgiftdelikte das zweite Jahr in Folge mit 57 Fällen erfreulich niedrig. Die Aufklärungsquote von 100% ist hier natürlich toll – man sollte aber nicht vergessen, dass solche Fälle in der Regel so polizeilich bekannt werden, dass direkt eine Person (oder mehrere) Betroffen sind. Also in der Regel die „Täter*innen“. Derweil sind in Dinslaken 123 Fälle registriert worden.

Und als letzter Punkt: Viele hatten befürchtet, dass es durch Corona zu einem Anstieg der sog. „Häuslichen Gewalt“ kommen könnte. Dem ist nicht so, die Zahlenbewegen sich ungefähr gleichbleibend:

Gesamt Kreis Wesel

  • 2017 – 512 Fälle
  • 2018 – 531 Fälle
  • 2019 – 507 Fälle
  • 2020 – 472 Fälle
  • 2021 – 503 Fälle

Fazit:

Nach wie vor ist Voerde ein extrem sicheres Fleckchen Erde um hier zu leben. Sowohl im historischen Vergleich, als auch im Vergleich mit Dinslaken sind bei uns die Zahlen nach wie vor auf einem erfreulich niedrigen Niveau bei gleichzeitig guter Aufklärungsarbeit durch die Polizei.

Keinen Millimeter nach Rechts!

Keinen Millimeter nach Rechts!

Seit einiger Zeit sammeln sich Montags in Dinslaken „besorgte Bürger*innen“ und politisch (sehr) weit rechts stehende Menschen, um gegen die Corona Vorsichtsmaßnahmen zu protestieren. Entschuldigung, spazieren zu gehen.

Die „Omas gegen Rechts“, ein lockerer Zusammenschluss von Frauen, hatte darauf keinen Bock mehr und über Social Media zu einer Gegenveranstaltung aufgerufen. Und ohne viel Lärm versammelten sich gestern mehr als 600 Menschen um ein Zeichen zu setzen.

Dabei wurde auch zum Gedenken an die Verstorbenen Lichter aufgestellt, was die ganze Stimmung noch mal beeinflusste. Während dessen mobilisierte auch die Gegenseite und brachte überregional fast 500 Menschen auf die Straße, die fast friedlich und still ihren „Spaziergang“ vollzogen. Bemerkenswert war, dass unter den Maskengegnern im Zug auch Maskenträger waren.

Das Tolle an der Veranstaltung der „Omas gegen Rechts“ gestern war, dass die Zivilgesellschaft endlich mal gezeigt hat, dass sie eben nicht stillschweigend die „Spaziergänge“ duldet. Sondern das sie ein Problem damit hat. Und ich habe mich gefreut, so viele Menschen zu sehen, die mit ihrer Anwesenheit klar gemacht haben: „Nicht mit uns!“

Und vielleicht müssen wir solche Veranstaltungen wiederholen. So lange, bis die wenigen lauten Quer- und Leerdenker endlich begreifen, dass sie erstens nicht die Mehrheit sind und zweitens auf dem Holzweg.

Die Welt erobern – nur ohne Krieg?

Die Welt erobern – nur ohne Krieg?

Nach 2 Weltkriegen mit Millionen und Millionen an Toten wissen wir: Krieg ist kein adäquates Mittel, um die Welt zu erobern. Gibt es denn eine Alternative?

Vielleicht. Und vielleicht erleben wir gerade, wie eine Nation Stück für Stück ihren Einfluss über die ganze Welt ausbaut. Und für mich fühlt sich das alles inzwischen sehr dystopisch an. Auch weil ich mir schon länger die Frage stelle, wie Politik damit umgeht. Denn ich bin ja bei Weitem nicht der Einzige, der sich hier was zusammenreimt.

Innenpolitisch ist es natürlich spannend und auch bedrohlich, wie die kommunistische Partei in China die Menschen unter Kontrolle hält. Für mich als Nerd ist das vor allem an den Stellen bemerkenswert, in denen IT zum Einsatz kommt. Zum Beispiel beim Social Scoring, also einem automatisierten Punktesystem, dass Menschen belohnt, die sich „konform“ verhalten und jene bestraft, die das nicht machen. Das kann dazu führen, dass man von bestimmten Verkehrsmitteln, Bildungsangeboten oder gar Wohnungen ausgeschlossen wird. Das mathematische Verfahren, dass über das Leben bestimmt, ist natürlich streng geheim (hallo Schufa, erinnert Dich das an was?).

Und damit nicht genug, erschreckt China jetzt mit einer neuen Automatisierung: Ab sofort können „Gerichtsprozesse“ (in Anführungszeichen, damit klar ist, dass die nicht mit Prozessen in Rechtsstaaten verglichen werden können) komplett Autonom verlaufen. Dafür hat man eine künstliche Intelligenz programmiert, die man mit „realen“ Fällen trainiert hat. Dieses System ist nicht nur in der Lage die Prozesse durchzuführen – es entscheidet sogar schon, wann und gegen wen es überhaupt welche Anklagen erhebt. Beispielsweise auch in Fällen, die durch das Social Scoring ausgelöst werden.

Aber nicht nur nach Innen baut die kommunistische Partei ihre Macht und Kontrolle immer weiter aus. Das sieht man z. B. daran, dass China große Flächen an Land in Afrika aufkauft. Das soll zum einen die Versorgungssicherheit Chinas stärken. Schwächt aber natürlich zum anderen die Versorgung vor Ort massiv. Es vergrößert aber auch auf ganz legalem Weg die Fläche des Staates um Enklaven in anderen Nationen. In einem Ausmaß, dass sich kaum beschreiben lässt.

Doch China wäre nicht China, wenn sie nicht auch ökonomisch Macht weiter ausbauen würden. Sie überfluten ja schon lange den Weltmarkt mit billigsten Waren, für die es eine intensive Luft- und Wasserlogistik braucht. Hier ist der Einfluss von China aktuell eher gering. Was bietet sich da besseres an, als eine „Neue Seidenstraße“ zu etablieren. Dabei handelt es sich, vereinfacht, um eine Zugstrecke von China bis Duisburg. Ein solches Projekt kann für die Anrainerstaaten Vorteile bringen, die sich solche Mammutprojekte oft nicht leisten können. Hier springt China mit „billigen“ Krediten ein, über die es sich massiven politischen Einfluss auf die betroffenen Länder sichert. 

Parallel dazu hat China eine Strategie gestartet, die Menschen und Länder weltweit möglichst erfolgreich digital zu erfassen. Als Paradebeispiel dafür dient z. B. auch TikTok, die derzeit populärste und wohl auch dystopische Social-Media-App. Hierüber erhält China Zugriff aus sensible Daten von Milliarden von Menschen und deren Smartphones. Es braucht aber nur wenig Phantasie, dass China sich damit nicht zufrieden geben wird. Stellen wir uns nur ein KI-Projekt vor, dass die Bilder von Milliarden von Usern archiviert und analysiert – insbesondere auch die Hintergründe und Landschaften. Zusammen mit Sprache und Text kann China so still und heimlich die ganze Welt kartographieren und über weiche soziale Taktiken auf die Menschen einwirken.

Und wenn das mit sanftem Druck nicht funktioniert? Dann kann man auch schon mal die Muskeln spielen lassen: Selbst an deutschen(!) Universitäten versucht China ohne Scham Einfluss darauf zu nehmen, was wann wie und wo gelehrt wird. Und das China bestimmte Inhalte im In- und Ausland massiv unterdrückt, wissen wir nicht nur vom Tian’anmen-Massaker.

China ist also dabei, wirtschaftlich und politisch seinen Einfluss über die ganze Welt weiter auszubauen. Dafür nutzt es die Mechanismen, die der „freie Markt“ praktisch aufdrängt und seine massive Finanz- und Wirtschaftskraft. Die „westliche“ Politik scheint keine Antwort darauf zu haben oder die Gefahren nicht ernst genug zu nehmen. Oder in Teilen schon selbst nicht mehr handlungsfähig zu sein, weil man sich wissentlich und willentlich von China abhängig gemacht hat.

Und so kommen wir zurück zur Eingangsfrage: Gibt es eine Möglichkeit, die Kontrolle über große Teile der Welt zu erlangen, ohne Krieg zu führen? Die Antwort kennen wir noch nicht, aber wir können China dabei beobachten, wie es genau das probiert.

Wer weiß? Vielleicht führen wir dann auch absehbar Social Scoring-Systeme und KI-gestützte System in der Rechtsprechung ein. Das würde zumindest die Überführung in ein anderes, deutlich düsteres System vereinfachen. Oder wir denken einfach an das, was gerade in China passiert, wenn wir über (automatisierte) Überwachung und Entscheidungsfindung sprechen. Und vielleicht sprechen wir auch endlich mal über den Elefanten im Raum?

 

Der Benzinpreis als Symbol des Politikversagens

Der Benzinpreis als Symbol des Politikversagens

Ich war heute tanken.

Das ist in sofern bemerkenswert, als das ich ja nur sehr selten Auto fahre – und in der Folge sehr selten tanken. Deswegen war natürlich heute der aufgerufene Preis im Vergleich zum letzten Mal schon heftig.

Und es lässt mich grübeln. Denn Land auf, Land ab wird ja über den Benzinpreis diskutiert. Aber diskutieren wir richtig?

Klar ist doch: Benzin wird immer teurer werden. Erstens wird es aus einem limitierten Rohstoff hergestellt, um den auch andere Anwender konkurrieren. Die Verarbeitung und der Transport ist ein Mammutprojekt und die notwendigen Steuerungsmaßnahmen gegen den Klimawandel werden ihr übriges beitragen.

Wir sind dagegen schon fast süchtig nach dem billigen Stoff. Was waren alle glücklich, als Diesel in der Corona-Krise für knapp einen Euro zu haben war. Weil sie nicht verstanden, was das letztlich für den Markt bedeutet. Was beschweren sich heute alle über die Preise, die jedoch inflationsbereinigt gar nicht besonders hoch sind.

Allerdings ist der Benzinpreis und das Klagen der Menschen ein Ausdruck von Politikversagen.

Ich tanke unter anderem deswegen so super selten, weil ich wahnsinnig privilegiert bin: Ich kann meine Einkäufe fußläufig erledigen. Wohne in der Nähe des Bahnhofs und habe eine direkte Zugverbindung zur Arbeit. Das Jobticket ist verhältnismäßig günstig – was juckt mich der Spritpreis?

Aber eben dieses Privileg, dass ich genieße, steht längst nicht jedem zur Verfügung. Und die lange fehlgeleitete Politik hat zu folgendem Szenario geführt:

  • Während umweltschädliches Fliegen massiv subventioniert wird, gilt das für die umweltfreundliche Bahn nicht
  • Nur ein Bruchteil der Investitionen im Verkehrsbereich gegen in die Bahn, davon ein noch winzigerer Teil in den ÖPNV
  • Es gibt immer noch kein Recht auf Homeoffice
  • Finanzpolitik fördert pendeln, statt arbeiten zu Hause oder nah am Wohnort

Natürlich werden hohe Treibstoffkosten die Menschen dazu bewegen, weniger, langsamer zu fahren und Menschen und Umwelt werden sich freuen. Das behebt aber noch nicht das Problem, dass der ÖPNV in vielen Bereichen keine Alternative ist und Fahrrad fahren oftmals tödlich – gerade erst wieder in Düsseldorf.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass Politik den Menschen die Wahrheit sagt:

Ja, Benzin und Diesel werden immer teurer.

Nein, Benzin und Diesel in PKW haben keine Zukunft.

Ja, der Bund, die Länder und Kommunen müssen massiv in den ÖPNV und Radwege investieren.

Ja, heimatliches oder heimatnahes Arbeiten muss bevorzugt und gefördert werden.

Viele Politiker sind ja der Meinung, man könne den Menschen nicht die Wahrheit zumuten. Deswegen werden Nebelkerzen wie der vorübergehende Verzicht auf Steueranteile beim Treibstoff diskutiert. Das ist aber natürlich keine Dauerlösung, weil das gleichzeitig den finanziellen Handlungsraum einschränkt.

Es ist dringend geboten, die Verkehrswende zum Prio 1 – Thema zu machen. Verkehr muss nachhaltiger, vernetzter, elektrischer werden. Da beißt die Maus keinen Faden ab.