Verkehr: Politik, die nicht lernt

Verkehr: Politik, die nicht lernt

Manchmal finde ich es witzig. Meistens finde ich es traurig:

In der aktuellen Diskussion um die Diesel-Fahrverbote fällt auf, wie Deutschland tickt. Denn machen wir uns nix vor, es geht nicht um die Umwelt, sondern um den Absatz der deutschen Autoindustrie. Das kann man wunderschön an zwei Dingen beobachten.

Erstens reden wir praktisch nur über deutsche Autobauer. Mit teils fragwürdigen Mitteln, wie dem berühmten KBA-Brief. Und zweitens reden wir nicht darüber, wie wir es schaffen, dass weniger Autos auf den Straßen sind. Im Gegegnteil, Umtauschprämie und Elektroprämie sind mindestens geeignet, die Summe gleich zu halten. Oder zu vergrößern, da für viele die verfügbaren Elektro-Autos derzeit nur als Zweitwagen in Frage kommen.

Das Ergebnis ist, dass wir ja für Jahr neue Staurekorde aufstellen. Aktuell:

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Staus in Deutschland 2018 um drei Prozent gestiegen. Wie der ADAC berichtet, erreichten sie damit eine Gesamtlänge, die 38-mal um die Erde reichen würde.

Quelle: Welt

Und wir reden, wohlgemerkt, nur von Deutschland.

Wie reagieren wir darauf? Es gäbe zwei Optionen.

  1. Wir Sorgen dafür, dass weniger Leute Auto fahren (müssen). Wir bauchen massiv den ÖPNV aus, wir bieten eine unbürokratische Prämie für E-Lastenräder und E-Pendlerräder. Wir fördern den vernetzten Verkehr und bezahlen das mit Geld, dass wir beim Autoverkehr einnehmen.  Wir fördern Arbeitsmodelle bei denen die Menschen nicht mehr jeden Tag ins Büro müssen und bauen die dafür benötigte Infrastruktur (Internet) und Rechtslage („Recht auf Homeoffice“) aus.
  2. Wir bauen einfach noch mehr Autobahnen.

Jetzt könnt Ihr mal raten, wie sich Deutschland entschieden hat.

Richtig, wir bauen mehr Autobahn. Wie zum Beispiel an der A3, der A40 oder der A59. Dabei wissen wir schon länger, dass das nicht funktioniert. Dafür, dass es nicht funktioniert, gibt es sogar einen Fachbegriff: Braess Paradoxon:

Braess’ originale Arbeit zeigt eine paradoxe Situation, in der der Bau einer zusätzlichen Straße (also eine Kapazitätserhöhung) dazu führt, dass sich bei gleichbleibendem Verkehrsaufkommen die Fahrtdauer für alle Autofahrer erhöht (d. h. die Kapazität des Netzes reduziert wird). Dabei wird von der Annahme ausgegangen, dass jeder Verkehrsteilnehmer seine Route so wählt, dass es für ihn keine andere Möglichkeit mit kürzerer Fahrtzeit gibt.

Wieso also folgen wir nicht der Logik?

Die Logik sagt, dass jeder, der nicht auf der Straße sein muss, auch nicht auf der Straße sein wird. Was denen, die auf der Straße sein müssen, das Leben deutlich erleichtert.

Und zwar so:

Stellen wir uns mal vor, wir würden von den PKW-Pendlern einen guten Teil dazu bekommen, auf den gut funktionierenden und ausgebauten ÖPNV umzusteigen und das mit dem Rad zu kombinieren. Einen anderen Teil Pendler entlasten wir, in dem wir dafür sorgen, dass so viele Menschen wie möglich die Möglichkeit haben, möglichst oft zu Hause zu arbeiten.

All diese Menschen sind nicht mehr auf der Straße unterwegs und sind nicht mehr mit denen im Stau, die aus tatsächlichen Gründen mit dem Auto fahren müssen. Denn mir ist klar, dass es immer Menschen geben wird, die mit dem PKW unterwegs sein müssen.

Aber:

Statt wie heute zu überlegen, ob man denn mal das Auto stehen lässt, sollte es normal werden zu überlegen, ob man das Auto benutzen muss. Der Staat hat hier die Fäden in der Hand und kann z. B. durch die Besteuerung von Treibstoff und Straßennutzungsabgaben auf der einen Seite, wie dem Ausbau des ÖPNV und der Zahlung von Prämien für den Erwerb von E-Bikes steuernd eingreifen.

Er tut es nur nicht.

Was der Staat macht: er versucht uns wieder und wieder mit den abenteuerlichsten Geschichten dazu zu bekommen, der hemischen Industrie ihre Dreckskarren abzukaufen. Nur um die Unternehmen noch eine Weile am Laufen zu halten. Denn wenn wir mal ehrlich sind: Die deutsche Automobilindustrie hat sich doch überlebt und existiert eigentlich nur noch wegen der diversen Abwrackprämien.

Aber in einer alternativen Welt würde die Luft besser, die Menschen glücklicher (im Stau stehen macht krank!) und wir müssten nicht noch mehr Fläche zu Autobahnen machen.

 

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Ein Gedanke zu „Verkehr: Politik, die nicht lernt

  1. Du hast schon recht, so einfach ist es nicht. Bis dahin ist es aber ein weiter Weg und es hängen so viele Arbeitsplätze (auch meiner) an der Automobilindustrie. Dank WLTP (was natürlich eine gute Sache ist) läuft es doch sowieso schon schlecht für die Autobauer, zumindest für die, die dabei geschlafen haben. Der VW-Konzern hat massive Lieferschwierigkeiten und wir (Arbeitnehmer) merken es an der rückläufigen Auftragslage. Die Angst geht bereits um. Da hilft die Abwrackprämie auch nichts mehr, wenn man schon seit über einem halben Jahr kaum noch ein Neufahrzeug bestellen kann. Gruß

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